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Herausgeber: Konrad Gerescher, Szeged/Kömpöc, Tel.: +36 20 5695517, E-mail: konrad@jgytf.u-szeged.hu
Redaktor: Szabó Jenõ      E-mail: szjeno9@freemail.hu
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D E U T S C H F O R U M
Mitteilungen des DEUTSCHEN SPRACHFORUMS SZEGED
- sporadische Erscheinungsweise - Ausgabe 9– Okt. 2004 -
Herausgeber: Konrad Gerescher Szeged/Kömpöc, Tel. +36-20-569 5517

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Zuerst muss Avnoj weg
Die Anmeldung des 1945 durch das Tiot-Regime enteigneten Vermögens schickte ich nicht nach Belgrad, weshalb, das will ich hiermit erklären.
 
Erszt am 9.5.06 bekam ich eine Antwort der Serbischen Direktion aus Belgrad auf meine dringende Anfrage vom 20.2.06 bezüglich des enteigneten Vermögens; Auszug-Übersetzung: Gemäss Abs. 4 des Gesetzes (45/05 zur Anmeldung des enteigneten Vermögens) sind jene ehemalige Besitzer oder ihre Erben von einer Anmeldung ausgeschlossen, welchen man durch Gesetz oder internationale Verträge, bzw. sonstiger Vereinbarung bereits eine Entschädigung zusprach. 

Ich entnahm daraus, daß alle, welche durch das Bundesdeutsche Lastenausgleichsgesetz bereits etwas bekamen, von dem Anmelderecht ausgeschlossen sind! Jedoch, ganz gleich, ob nun jemand von irgendwoher eine Vergütung irgendwelcher Art bereits bekam (Lastenausgleich bzw. Ausgleichsrente, Aufbauhilfe, Bauzuschüsse, usw.), steht für mich fest, daß wir ehemaligen Jugoslawiendeutsche nicht den übrigen durch Titos Regime nach dem Krieg enteigneten jugoslawischen Staatsbürger gleichgestellt sind und dadurch auch bei einem Rückgabegesetz nicht automatisch mit ihnen gleich behandelt werden können. Aus der vielzahl von Unterschieden zwischen uns Donauschwaben und den übrigen damals enteigneten jugoslawischen Staatsbürgern fallen folgende am deutlichsten auf:

a) Wir als Deutsche, wurden von den Avnoj-Gesetzen am stärksten getroffen; b) nur wir wurden als Volksgruppe schon vor Kriegsende kollektiv entrechtet; c) ein Teil von uns verließ daraufhin freiwillig mit der deutschen Armee das Land; d) ein weiterer Teil von uns wurde beim Einmarsch der „Befreier“ durch Schnellgerichte abgeurteilt und liquidiert; e) ein weiterer Teil wurde durch Zivilgerichte zu langjährigen Haftstrafen verurteilt; f) der Großteil, der zuhause blieb, wurde kollektiv ohne Gerichtsurteil in zivile Internierungslager gesperrt; g) ein kleiner Rest wurde verschonte, weil man ihn als zu anderen Nationalitäten zugehörig oder als für die Wirtschaft unabkömmlich behandelte; h) nach der Internierung siedelten viele von uns freiwillig ins Ausland; i) manche aus den Lagern Entlassene blieben endgültig im Lande und wurden auf viele Arten  sesshaft; k) von denen, die das Land verließen, wurde nur einem Teil in der neuen Heimat durch ein Lastenausgleichsgesetz (in der Bundesrepublik Deutschland) materiell geholfen.

Es ist nun sehr zweifelhaft, dass ein wie auch immer geartetes serbisches Stufengesetz zur Entschädigung über alle diese Unterscheidungen hinweggehen und uns, die ehemaligen Jugoslawiendeutschen, den übrigen Antragstellern gleichstellen und wegen der Enteignungen entschädigen wird. Aber auch, wenn eine Gleichbehandlung aller Antragsteller vorgesehen wäre, so liegt es an mir, der ich zu den allein kollektiv Entrechteten, Verfolgten, Vertiebenen, grausam Gequälten gehöre, ob ich nicht vorrangig auf der Aufhebung der Avnoj-Gesetze und kollektiven Beschuldigung bestehen oder mich hintenan in die Reihe anderer Enteigneter stellen und ausgleichende Gerechtigkeit für ehemals sehr ungleiche Behandlung erwarten will. Ich habe mich für das letztere entschieden.

Kömpöc, im Juni 2006 – Konrad Gerescher   

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Einer Überlegung wert
Kostenloser Sprachkurs für Bedürftige

Einem alten Wusch und aktuellen Bedürfnis nachkommend unternahmen meine Frau und ich neulich eine Rundreise durch vier Teilrepubliken des ehemaligen Jugoslawien. Halb im Dienste unseres Deutschen Sprachforums stopften wir die Koffer voll mit dem Batschkaer Ahnenspiegel und mailten den Zeitpunkt unserer Ankunft an die Leitung des Deutschen Verbandes in Subotica und Sombor, Gence Mandler Laszlo und Anton Beck. Abgesehen von dem befremdenden Versteckspiel kleiner Textilienschmuggler im Zug, verlief die Fahrt von Szegedin aus reibungslos und wir konnten am verabredeten Zeitpunkt im neuen Deutschen Hause in Subotica mit den sehr aktiven Verbandsleitern einiges Wichtige über die dortigen Aktivitäten besprechen und uns von dem Bücherballast zu Gunsten der zweisprachigen Schulen der Batschka befreien.

Ohne nun detailliert hier die Schwierigkeiten und Probleme einer echten Diasporaarbeit ausbreiten zu wollen, sei doch eine wichtige Erkenntnis festgehalten, nämlich die durchweg kostenlosen deutschen Sprachkurse im gesamten Aktionsbereich des Verbandes, der rund ein Dutzend Dörfer mit einem Rest deutscher und deutschinteressierter Bewohner betreut. Aus der Liste meines Geburtsortes Béreg konnten wir konkrete Vergleiche zwischen den ehemaligen alten, vertriebenen und den jetzigen, neuzugezogenen und in Mischehen lebenden Deutschen ziehen. Viele ungarische und slawische Namen sind dabei, die sich jetzt in die Liste von Beck eintragen ließen, weil sie an seiner humanitären und sprachlichen Hilfe interessiert sind. Wenn man den sozial deprimierenden Faktor abzieht, so sticht der sprachliche umso mehr ins Auge, der besagt, dass in der unteren Batschka der Vojvodina ideell für unsere Sprache nicht weniger getan wird, als hier in Ungarn – mit dem wesentlichen Unterschied, dass dort die Lehrgänge kostenlos sind und hier oft für deutsche Sprachkurse von den Selbstverwaltungen Gebühren von 300-400 Ft/St verlangt werden. Diesen Unterschied bei der Förderung des Deutsch, kann man schwer verstehen, denn in Ungarn haben sozial Bedürftige, von denen es leider z.Zt. nicht wenige gibt, genau so knappe Mittel für zusätzliche Sprachkurse, wie in Serbien, wo allerdings die Arbeitslosenrate bei 40-50% liegt. Die deutschen Sprachkurse für Erwachsene des Verbandes in Subotica und Sombor sind entsprechend gut besucht, dies, obwohl oder gerade weil in den Schulen die Jugend auch mit Begeisterung Deutsch lernt. Letzteres gilt auch für Ungarn, nur dass hier eine große Lücke klafft zwischen der Schuljugend und den erwachsenen Interessierten am Deutsch, das durch die Europamitgliedschaft sehr aktuell ist.

Einer der Eindrücke von der Balkenfahrt – mit wirklichen Abenteuern an den vier Zoll- und Währungsgrenzen, die einer eigenen längeren Beschreibung wert sind – blieb uns mit am stärksten haften: Die echte große Mühe der kleinen restdeutschen Gemeinschaft im ehemaligen Jugoslawien, den Anschluss an die deutsche Sprache nicht zu verlieren. Dort gibt es vom Staat keinen müden Dinar für deutsche Vereinsarbeit, und dennoch haben die zwei von uns besuchten Vereine mehrere hundert Mitglieder. Manche selbstherrliche deutsche Selbstverwaltung hier in Ungarn könnte sich an den Aktivitäten im Nachbarland ein Beispiel nehmen, vorausgesetzt, dass sie etwas von den Mitteln, die sie in schöner Regelmäßigkeit gesetzlich verbürgt bekommt, für bedürftige Sprachwillige „übrig“ hat.


Aktuelles Thema

Wende ohne Ende
Überfällige Erinnerung an ausgesperrte ungarndeutsche Forscher

Rückschritt ist, wenn man sich zufrieden gibt mit dem was ist. Auf einem Gebiet droht diese alte Weisheit langsam untragbar zu werden, nämlich auf dem der ungarndeutschen Geschichtsforschung. Trotz politischer gesellschaftlicher Wende vor nunmehr fast einer halben Generation, blieben manche deutschen Lehrprogramme in Ungarn vielen jenen Schriftstellern, Forschern und Wissenschaftlern versperrt, die vom Vorwenderegime abgestempelt, behindert oder verboten waren aus Gründen, für welche die Betroffenen oft selbst nichts konnten.

Diese Gründe kennt jeder, doch sie sollen hier noch mal vage aufgereiht werden: Kriegs- und Nachkriegszeit mit Flucht und Vertreibung und damit einhergehende zwangsläufige nationale und politische Verstrickung, Eiserner Vorhang, Lagerdenken, ideologische Ressentiments, vom Regime sanktionierte Hetze gegen jedwede Andersartigkeit, u.ä. zwischenmenschliche Abgrenzungs-gründe, die durch die Wende angeblich abgeschafft wurden. Sie wurden es teilweise auch, aber nur einseitig innerhalb der bis 1989 politisch verschiedenen Lagern angehörenden Personengruppen der Mehrheitsnation. Manche vordem abgelehnte Personen unter den Ungarndeutschen, blieben in vielen Bereichen leider bis zum heutigen Tage verfemt. Bereiche, in denen sich das am deutlichsten zeigt, sind die geschichtlichen und volkskundlichen Lehrunterlagen der pädagogischen Einrichtungen, die für eine möglichst optimale Befähigung des ungarndeutschen Lehrernachwuchses zuständig sind. Dies erscheint so auffallend einheitlich, das System dahinter stecken muss. Und wenn wir versuchen, dieses System aufzudecken, stoßen wir ebenso auf einheitliche Ablehnung. Keiner will uns als erster helfen. Dabei ist ohne die Hilfe der Institutsleitungen nicht viel zu ändern. Weshalb ist das so? Um das zu ergründen, versuchen wir in die Vorwendezeit mit den beginnenden Kontakten bundesdeutscher wissenschaftlich-politischer Stellen in Richtung ungarischer Institutionen zurückzuschauen. Ab ungefähr der Übernahme der Patenschaft über die Donauschwaben durch das Bundesland Baden-Württemberg begann man im Stuttgarter und Münchener Innenministerium solche Buchveröffentlichungen zu fördern, die sich objektiv (in westlichem, freiheitlichem Sinne) mit den geschichtlichen und gesellschaftlichen Ereignissen von der Siedler- bis zur Vertreibungszeit befassten. Diese öffentlich geförderten Werke – unter denen auch zwei des Autors dieser Zeilen vorkamen – wurden weltweit und auch an ungarische Uni-Büchereien und Archive verschickt. Aus eigener Erfahrung kennen wir die allgemeine Reaktion der Empfänger: Schön verfasste Dankschreiben – auch aus Ungarn – , Archivierung der Bücher und Vermerkung der Titel in Karteien, auf die so schnell kein interessierter Lehrer oder Student stoßen konnte, weil er von der Existenz der Neuerscheinung nichts wusste. Bereits vor der Wende versuchten wir schüchtern in den Regalen der öffentlichen Bibliotheken nach den mit schönem Dank entgegen genommenen Büchern zu suchen. Keine Spur, womit wir uns abfinden mussten. Es war ja noch nicht konform andere als „linke“ westliche Autoren zu lesen oder auszustellen. Die Hoffnung, dass sich nach 1989 dabei Grundsätzliches ändern würde, trog leider. Immer noch sind viele grundlegende Werke ausgewanderter bzw. vertriebener ungarndeutscher Autoren für die ungarische Studentenschaft unzugänglich, weil es kein Lehrprogramm gibt, das auf sie aufmerksam macht. Und dabei sind solche Werke anerkannter Weise, weil durch Privatausleihe an Lehrstühle nachgereicht, für das Studium „unabkömmlich“.

Baden-Württemberg und Bayern haben in den zurückliegenden fünfzig Jahren mehrere hundert Bücher an ungarische Institute verschickt, unter denen sicher viele geschichts- bzw. vorkriegs-kundliche Werke und Quellenbücher vorkommen, die in einem Lehrprogramm mit ungarn-deutschem Inhalt dringend gebraucht würden. Die wiederholte und nun langsam wehleidige Frage, weshalb das so ist, dass nur glückliche Zufälle oder höchstens gezielte Recherchen zu den Namen der ehemals verfemten Autoren führen, kann leider niemand beantworten. Sollen wir uns damit zufrieden geben? Das hieße doch dem Eingangssatz zur ewigen Geltung zu verhelfen.

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Zeit des Gedenkens

Gara, Tschatali, Gyuritsch und Baja waren 1945-48 unsere rettenden Anlaufstellen, als die Batschkadeutschen von Titos Kommunisten nach dem Zweiten Weltkrieg in Gakowa, dem größten Vernichtungslager Nordjugoslawiens, zu Tausenden interniert worden waren. Bei Nacht und Nebel versuchten unsere Menschen über die nahe Grenze nach Ungarn zu flüchten, wo man sie amtlicherseits auch nicht gerne sah, doch nicht so streng von der Gesellschaft aussonderte. Wie bekannt, konnten viele sogar mit der Eisenbahn bis zur österreichischen Grenze weiterkommen, oder auch in den grenznahen Ortschaften verbleiben.

Beispielhaft für den sog. Weißen Transport – halblegal, weil mit Einverständnis bestochener Wachposten durchgeführt – sei so eines Fluchtunternehmens aus dem Winter 1946 hier gedacht, das ungefähr während des ganzen Jahres stattfand und Tausenden die Rettung aus bitterer Not, Hunger und Krankheit brachte. In einzelnen Gruppen begannen die Fluchtvorbereitungen damit, dass Familien durch Flüsterumfrage einen grenzkundigen Führer suchten. Ich war erst 12 Jahre alt, doch in Grenznähe daheim, und so fasste ich mir eines Tages, zusammen mit meinem zwei Jahre älteren Freund Peter Messing aus Apatin, den Mut, einer Fluchtgruppe nachts den Weg zur Grenze zu zeigen. Da Peter und ich serbisch konnten, hatten wir bei den wachhabenden Partisanen keine Schwierigkeiten, ein-zwei bestechliche zu finden; es waren solche, die weniger eifrig Titos Sozialismus dienten, dafür aber gerne ihren Geliebten Wertsachen schenkten. Und damit waren auch schon die Preise an die Fluchthelfer vorbestimmt: Ohrringe, Broschen, auch gute Schuhe, Unterwäsche u.ä. mehr. Unsere kleine Fluchtgruppe bestand aus zwei Familien mit Frauen und Kindern, und hatte etwa 4-6 Wertsachen geopfert. Wir leiteten die Hälfte davon an die Posten weiter, den Rest behielten wir als Lohn für uns. Und wir waren stolz, dass wir schon wie Erwachsene etwas leisten und unseren Familien durch Zuverdienst helfen konnten.

Man muss sich nun so eine schwer mit Rucksäcken bepackte, ängstliche Gruppe um Mitternacht vorstellen, wie sie in einem leeren Schuppen am östlichen Dorfrand von Gakowa auf einen geeigneten Augenblick wartete, wenn der Posten wie eine Silhouette langsam seine Streife von ca. 500 Metern abschritt und dem Schuppen am entferntesten war. Peter, als der Ältere, gab das Zeichen, und es konnte losgehen, zuerst ins brache weil nicht abgeerntete Kukurutzfeld. Der Posten hatte nichts gemerkt, oder tat so, als hörte er die nicht zu vermeidenden Geräusche der Fluchtgruppe. Jedenfalls konnte in gut zwanzig Minuten aufgeatmet und in normalem Gang auf einen Feldweg übergewechselt werden. Der Grenzübertritt sollte in der Nähe eines ungarischen Dorfes stattfinden – eines der sieben, die seinerzeit bei der Trianoner Landesteilung, als überwiegend von Nichtslawen bewohnt, bei einer nachträglichen Grenzkorrektur zu Ungarn gekommen sind, worunter auch Gyuritsch / Bacsszentgyörgy gehörte. Da man nachts nur gut 50 Meter sehen konnte, kamen wir an den Kigyos-Graben, wo keine Brücke war und man lange nach einem Übergang suchen musste. Die älteste Frau hatte schon ziemliche Not mit ihrem Rucksack, und als Entschuldigung für den unsicheren Weg, nahmen wir ihr die Last ab und trugen sie abwechselnd weiter. Doch so einfach, wie wir es uns vorgestellt hatten, war das Finden einer geeigneten Stelle zur Grenzüberschreitung nicht. Die ungarischen Posten, obwohl auch ein sozialistisches Bruderland bewachend, taten gewissenhaft ihren Dienst, weil die Nachkriegszeit noch vielerlei Gefahren ins Land brachte. An einer seichten Stelle überschritten wir mit gegenseitiger Hilfe den Graben und schauten vorsichtig nach allen Seiten, um keinem Posten zu begegnen. Ungefähr wussten wir, dass hier irgendwo der unmarkierte Grenzstreifen sein musste. Da die Ungarn zwischen 1941 und 45 die ganze Batschka besetzt hatten, waren ehemalige Grenzbefestigungen noch nicht wiederhergestellt. Hatte nun unser Grenzabschnitte weniger Wachen, oder nahmen gerade die hiesigen ihren Dienst nicht so streng, jedenfalls waren es noch keine zwei Stunden her, und wir waren am Ziel: In irgendeinem Heuschuppen des grenznahen Gyuritsch. Mit tiefer Freude und einem einmaligen Wohlgefühl suchten sich unsere beiden Familien im Heu bequeme Plätze und schliefen auch bald ein. Wir, die strahlenden „Grenzführer“ sahen uns etwas draußen um, wollten Hunde beruhigen und wurden auch bald von den Hausbesitzern zur Rede gestellt. Wir erklärten wortreich, auf Schwäbisch, das Wie und Warum und erlebten wohltuendes Verständnis bei dem älteren deutschen Ehepaar. Bis zum Hellwerden störte uns in der Scheune niemand, dann kamen die Hausleute und gaben Tipps zur Weiterflucht ins Landesinnere. Peter und ich kehrten in der nächsten Nacht ins Gakowaer Lager zurück.

So hatte eine Flucht aus der Lager-Hölle ein gutes Ende, was nicht bei allen Versuchen der Fall war. Gefangennahme, brutale Misshandlungen, Einkerkerung in feuchten Kellern, wenn nicht gar Liquidierungen waren ebenso an der Tagesordnung. Nicht von ungefähr gab es in den drei Gakowaer Lagerjahren acht- bis zehntausend Tote, Opfer denen heuer, 60 Jahre danach, erst ein würdiges Gedenken in Form eines weit sichtbaren Gedenkkreuzes über den Massengräbern beschieden wurde. Und es bleibt zu hoffen, dass diesem ehrsamen Ereignis auch bald die Möglichkeit zur Erforschung der Lagerarchive folgen wird.

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Siebzig und ein bisschen weise

Über den Gründer und Leiter des Deutschen Sprachforums Szeged


Alt zu werden ist kein Verdienst sondern eine Gnade. Diese Erkenntnis liegt der Befragung des Unruheständlers Konrad Gerescher auf seinem Bauernhof bei Kömpöc in Bacs-Kiskun zugrunde. Wobei das mit der angeblich im Alter zunehmenden Weisheit von dem Befragten vorweg auch in Frage gestellt wird.
Frage: Konrad, was zählt nun im Siebzigsten, wenn nicht die Weisheit aus den Erkenntnissen eines erfahrungsreichen Lebens? An was soll z.B. eine Ehrung geknüpft werden?
Antwort: Mein lieber Daniel, es muss das Werk den Meister loben, alles andere ist leere Schau, die sich verflüchtigt, bevor Du einundsiebzig bist.
F.: Was hälst du für ehrenswert bei diesem Runden?
A.: Zuerst mal meinen AHNENSPIEGEL, ein echt gelungenes Buch, das in unserem Forum dringend notwendig wurde und auch die Zustimmung und Finanzierung aller maßgebenden ungarischen Ämter – auf Empfehlung der LdU und der Szegeder deutschen Lehrstühle – erfahren hat.
F.: Die drei Szegeder deutschen Lehrstühle und deine Position bei ihnen; was kann man dabei verstehen?
A.: Szeged gilt nach Budapest als studentenreichstes wiss. Zentrum mit mehren tausend deutscher Schüler und Studenten, gründlichem Deutschunterricht auf drei Lehrstühlen im Univerbund mit Studium der deutschen Sprache, Literatur, Philologie und Linguistik. Meine kleine Rolle in diesem riesigen Getriebe resultiert aus dem Jahre 1994, als ich durch meine Heimatdokumentation den damaligen Dekan und heutigen Studienleiter der Germanistik, Prof.Dr. Arpad Bernath kenne lernte und von ihm das Angebot bekam, die dialektologischen Seminare von Dr. Istvan Hansel durch eine volkskundliche Studien- und Feldforschung zu bereichern. Wie man vielleicht noch in Erinnerung hat, warb ich damals auch in Deutschland um Zuschüsse und bekam auch einige Tausender zusammen. Der Erfolg an dem einen Lehrstuhl – bestehend aus über hundert Kassetten mit volkskundlichen Interviews und Diplomarbeiten – hatte aber mit dem krankheitsbedingten Ausscheiden Hansels i. J. 2000 ein jähes Ende und konnte leider nicht wiederbelebt werden. Da musste etwas grundlegend neues unternommen werden: Zusammen mit der DAAD-Lektorin Dr. Margarete Ott – einer Württembergerin – gründeten wir das Deutschforum, eine Arbeitsgemeinschaft von Dozenten, Lehrern und Aktiver zur Förderung der deutschen Sprache und Kultur für die Uni, alle Stufen der deutschen Schulen und der interessierten Öffentlichkeit. Da allseits der Bedarf nach so einem Arbeitskreis eingesehen wurde, bekam ich in der Hochschule „Gyula Juhasz“ einen (ehrenamtlichen) Arbeitsplatz und von der Deutschen Botschaft Budapest eine komplette PC-Ausrüstung mit Internet-Anschluss.
F.: Daher die Internetadresse: www.deutschforum.szeged.hu ?
A.: Wir brauchen sie, weil wir über den Szegeder Uni-Bereich hinaus unsere Erkenntnisse den übrigen Deutschstudenten Ungarns vermitteln wollen.
F.: Worin bestehen diese Erkenntnisse?
A.: Darin, dass bisher einerseits durch die Zusatzqualifikation der Deutschstudenten vom Gesetzgeber die Möglichkeit zur Vertiefung der volkskundlichen Relevanz gegeben ist, doch dass andererseits von Seiten der udt. Forschung und Dozentenseite noch zu wenig einschlägiges Material zur Verfügung gestellt wird – aus verschiedenen Gründen, die aufzuzählen hier zu weit führen würde. Im Deutschforum können wir da ein wenig Abhilfe bringen.
F.: Wie siehst du deine Rolle und Aufgabe in diesem Forum?
A.: Aus der Dozentensicht bin ich der Heizer, der das Schiff mit Dampf versorgen muss. Aus meiner bin ich nur ein Horn des Rinozerosses, das immer in die Richtung agiert, wohin die Masse hinter ihm es will. Und die Masse, das ist klar, besteht aus den bisher sieben volkskundlichen Büchern, die über und in der Heimat entstanden und sich weitervermitteln wollen.
F.: Wie sehen die Programme des Deutschforums das Jahr über aus?
A.: Nehmen wir 2003, was eine relativ gute Bilanz darstellt: Festigung der Zusammenarbeit mit der GJU Szeged bei der Präsentation udt. volkskundl. Seminar- und Prüfungsarbeiten der Studenten zur Popularisierung der Thematik in den Schule unterer Stufen. Internationale deutsche Sprachwettbewerbe mit udt. Thematik in Szeged und auf dem Lande, in Gymnasien und Grundschulen mit zweisprachigem ungarischem und deutschem und fremdsprachigem deutschem Unterricht. Ausrichtung eines internationalen Workshop zusammen mit der Universität Szeged Hochschulfakultät „Gyula Juhász“, deutscher Lehrstuhl von Dr. Erzsébet Forgács. Fortsetzung der udt. Vorlesungsreihe in den Studiengruppen zur Erlangung der Befähigung zum „Deutschlehrer mit Zusatzqualifikation“ – Themen: a) Das Theaterleben von Szeged und das deutsche Bürgertum bis zum 1. Weltkrieg; b) Das Batschkaer udt. Bekleidungsgewerbe bis 1940 [Themen des Vorjahres: a) Deutsche in der Grenzstadt Szeged in der Vortürkenzeit; b) Südungarische deutsche Mundarten und ihre Vermischung zur Siedlerzeit ] Hilfe und Handreichung bei der Themenwahl zu udt. Prüfungsarbeiten (z.B. Udt. Gartenkultur in Hajos u.ä.) Vorbereitung meines Buches: Batschkaer Ahnenspiegel – Vermögensform, Arbeitsweise, Lebensart ca. 400 S. (erschienen im Jan. 2004 i. Hochschulverlag „Gygula Juhász“) mit breitester Unterstützung durch alle maßgebenden pädagogischen und udt. / “minderheitlichen“ Stellen Budapests und der Südregion. Initiativen zum 50. Gedenkjahr des großen Szegeder Germanisten und udt. Volkstumsforschers Prof. Dr. Heinrich Schmidt (1877-1953) mit dem vorl. Ergebnis in einer öffentlich Zusicherung zur aktiven Aufarbeitung vernachlässigter udt. Forschungsbereiche durch die Szegeder Stammuniversität des Geehrten und Suche nach seinem verschollenen Forschungsmaterial. Ergänzung der Internet-Seite www.deutschforum.szeged.hu zu einer Fundstelle udt. Forschung mit Klickstellen: donauschw./ungarndeutsche Volkskunde – Mundart – Diplomarbeiten (bisher über 500 Titel).
F.: Wie sehen weeitere Pläne aus?
A.: Ein Schwerpunkt wird die kostenl. Verteilung eines Teils an ungarische Bildungseirichtungen mit Ungarndeutschen / udt. Lehrenden u. Lernenden sein, kostenlos deshalb, weil ein Buch im armen Ungarn wenige Käufer findet, doch bereits auch von Budapest größtenteils schon bezahlt ist. Fortsetzung der udt. Vorstellung des Batschkaer Ahnenspiegels in der südungarischen und nordserbischen Batschka (im Nationalitätenhaus von Subotica /Maria Theresiaopel anlässlich einer Rundreise im September 2004) Vorträge mit Buchvorstellung in Gymnasien der Südregion mit Ergänzung des Buchinhalts durch alte Fotografien, Fortsetzung des Ausbaus unserer Internetseite in sparsamer und effektiver Präsentation der notwendigsten Themen zur Sprach- und Berufsausbildung udt. Junglehrer. Zufügung von vier Infoklickstellen zu den vier Teilen des Ahnenspiegels – Vermögensform – Arbeitsweise – Lebensart – 200 Ahnenberufe.
F.: Und wo bleiben da die nachträglichen Geburtstagsfeiern zum Runden?
A.: Gibt es eine schöneres Feiergefühl, als den Erfolg?

****************************************************Daniel Csikos, 25 J. alt
*************************************Absolvent der Lehrerbildungsanstalt „Gyula Juhasz“


Letzte donauschwäbische Zeugnisse
Gelungene Sammelaktion in Deutschland

Erfreulich war die Reaktion auf unsere Bitte an die Donauschwäbische Kulturstiftung München und andere kleinere Sammelstellen donauschwäbischen Schrifttums, alles Abkömmliche aus ihrem Bestand für ungarndeutsche Institutionen zu spenden. Auf Anhieb kamen so viele Bücher – 135 Titel, zum Teil doppelt – zusammen, dass ein Wagen für die Überführung gebraucht und die wertvolle Ladung Anfang November nach Szegedin verbracht wurde.

In einem unterscheiden sich grundsätzlich die Buchveröffentlichungen der vertriebenen und ausgesiedelten Donauschwaben von denen der heimatverbliebenen Autoren: Sie sind die letzten möglichen Zeugnisse einer Erlebnisgeneration, die vollständig in Freiheit, ohne politische Bevormundung entstand. Ausgenommen die Jahre nach der Wende, konnten in Ungarn viele Themen literarisch nicht gründlich aufgearbeitet werden – mit allen Folgen für die Leser-, Lehrer- und Studentenschaft, die heute noch allenthalben zu spüren, doch hier nicht in nötiger Kürze darzustellen sind. Titel wie das Weißbuch über die Vernichtung der Jugoslawiendeutschen, ihr Leidensweg in vier Bänden, das Rechtsgutachten darüber und vieles andere Material, das mit Werden und Vergehen unseres Volksstammes in Ortsbiografien sozusagen mit letztem Herzblut verfasst wurde, sprechen eine so deutliche Sprache, dass sich niemand über solche Veröffentlichungen hinwegsetzen kann – heute nicht und in Zukunft auch nicht. Denn genau so sicher, wie die Verfasser dieser Bücher alle bereits über Siebzig oder verstorben sind und, zumeist als Lehrer, ihr Bestes sozusagen der Nachwelt vererbten, ebenso gewissenhaft werden manche – sicher nicht alle – Erben mit dem Vermächtnis umgehen. Manches Niedergeschriebene mag man heute als mit erhobenem Zeigefinger und altmanierlich zu belehrend empfinden, doch wenn man nächstens bedenkt, dass diese Lehrergeneration wie nebenbei fast übermenschlich Vieles zu Papier bringen musste, was nach ihr unwiederbringlich verloren wäre, so liest man es mit Bewunderung und Hochachtung und kann sich, da die Auswahl optimal ist, die eigenen Prioritäten zurecht legen. Es ist und bleibt eine Tatsache, dass die Donauschwaben in einigen Jahrzehnten nach dem Zweiten Weltkrieg mehr publizierten, als in den zwei Jahrhunderten davor.

Etwas deprimierend empfanden wir die Bemerkung unseres Gastgebers in der Münchener Schädlerstraße 2, Hans Sonnleitner, der als Vorsitzender der Kulturstiftung zugleich auch der Verlagsleiter und Archivar der schwergewichtigen Buchbestände ist, dass nach ihm – er ist nahe Achtzig – keiner in Sicht ist, der die Stiftung weiterführen wird. Bei den allein für die Publikationen aufgebrachten Millionbeträgen ist es unverständlich, wieso nicht ein jüngerer oder neuer Träger, vielleicht nicht mehr ehrenamtlich, gefunden werden kann. Doch wenn die Mitarbeiter Sonnleitners – Wildmann, Feldtänzer, Senz Jun. u. a. – auch der Meinung sind, dass wenn alles gesagt ist, geschwiegen werden sollte, ist die letztendliche Auflösung der Kulturstiftung doch begreiflich. Auch diese Haltung gehört zum entscheidenden Unterschied zu den Ungarndeutschen, die glücklicherweise von keinerlei Endstimmung bedrängt werden.

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Hier die der Universität Szeged Hochschulfakultät „Juhász Gyula“, Fremdsprachenbibliothek, mit Liste an Dr. Filomela Kopasz Lehrstuhl für deutsche Sprache und Literatur am 22.11.04 übergebene

Bücherspende

1. Anton Scherer: Schul- und Bildungsfragen der Donauschwaben, Graz 1996
2. ders. : Die Donauschwaben in Rumänien, Ungarn und Jugoslawien 1945, Graz 1996
3. ders. : Die Donauschwaben in den USA, Kanada, Brasilien, Argentinien, Venezuela und Australien, Graz 1997
4. Donauschwäbische Bibliografie 1965 – 1975 Schöngeistiges Schrifttum, Graz 1998
5. ders. : DS Bibliogr. Landeskunde, Geschichte u.a., Graz 1999
6. ders. : Wortkundliche Studien, Etymologie und Interferenzen, Graz 2002
7. ders. : Geschichte der donauschwäbischen Literatur von 1848 – 1985, Graz 2003
8. Bibliografie der Veröffentlichungen von Prof. Dr. Anton Scherer, Graz 1998
9. Dr. Anton Tafferner/ Dr. Johann Weidlein: Deutsche Forschungen in Ungarn, Budapest 1985
10. Johann Volkmar Senz: Bayerische Donauschwaben – donauschwäbische Bayern, München 1979
11. ders. : Die Deutschen im Batscherland, Wien 1984
12. ders. : Geschichte der Donauschwaben von den Anfängen bis zur Gegenwart, München 1993
13. ders. : Deutsch-serbisches schulisches Miteinander – die Lehrerbildungsanstalt in Sombor, München 1979
14. Ginder / Lay / Senz : 300 Jahre im Donauraum, Berlin/Bonn o.J.
15. Gedenkschrift zur Feier in Stuttgart: 60 Jahre Vertreibung, 50 Jahre Patenschaft von Baden-Württemberg, 40 Jahre Patenschaft von Sindelfingen, Müncvhen 2004
16. Ingo Senz : Festschrift der Donauschwäbischen Kulturstiftung München, München 1988
17. Rotraut und Ingo Senz: Ein Leben für die Donauschwaben, Portrait von J.V. Senz, München, 1994
18. Ingo Senz : Donauschwäbische Geschichte, Bd. II, 1806 – 1918 (Bd. I, III, IV in Vorber.), München 1997
19. Hans Rasimus: Als Fremde im Vaterland – Der Schwäbisch-Deutsche Kulturbund in Jugoslawien, München o.J.
20. Hans Sonnleitner: Karlsdorf im Verlauf donauschwäbischer Geschichte, München 1985
21. ders. : Etymologie des Familiennamens Sonnleitner, München 1995
22. Bibliografie Donauschwäbisches Archiv, München 1991
23. ders. : Donauschwäbische Todesnot unter dem Tito-Stern, München 1990
24. ders. : Aktion Inteligencija in Karlsdorf, Geschichte über die Ermordung von 36 Karlsdorfern, München 1986
25. Prof. Dr. Dieter Blumenwitz: Rechtsgutachten über die Verbrechen an den Deutschen in Jugoslawien 1944-48, München 1995
26. Georg Wildmann u. Mitautoren: Weißbuch der Deutschen aus Jugoslawien – Erschießungen, Vernichtungslager, Kinderschicksale 1944-48, München1995
27. ders. : Verbrechen an den Donauschwaben in Jugoslawien 1944-48, München 2000
28. Dokumentation Autorenkollektiv: Leidensweg der Deutschen im kommunistischen Jugoslawien, Bd. I – Ortsberichte über die Verbrechen 1944-48, München 1997
29. dito Bd. II - Erlebnisberichte üb. d. Verbr. 1944-48, München 1997
30. dito Bd. III – Erschießungen, Vernichtungslager, Kinderschicksale 1944-48, München 1995
31. dito Bd. IV – Menschenverluste , Namen und Zahlen zu Verbrechen 1944-48, München 1994
32. Documentation : Genocide of the Ethnic Germans in Yugoslavia 1944-48, (Übersetzung von Verbrechen an den Donauschwaben in Jugoslawien), München 2003
33. Faltkarte AO über Siedlungsgebiete der Donauschwaben, München 2004
34. Konrad Scheierling u. Mitautoren: Kolut in der Batschka – Ortsmonografie Bd. II, Schwäbisch Gmünd 1987
35. derselbe : Donauschwäbisches Liederbuch, Straubing 1985
36. Johann Wüscht : Jugoslawien und das Dritte Reich, Stuttgart 1968
37. Ausstellungskatalog Rastatt : Erinnerungsstätte für die Freiheitsbewegungen in der deutschen Geschichte, Koblenz 1974
38. A. Karasek – A. Horak : Das deutsche Volksschauspiel in der Batschka, in Syrmien und Slawonien, Marburg 1972
39. Otto Kumm : „Vorwärts Prinz Eugen“ – Geschichte der 7. SS-Freiwilligendivision, Osnabrück 1978
40. Valentin Oberkersch : Die Deutschen in Syrmien, Slawonien und Kroatien, Stuttgart 1972
41. Leopold Rohrbacher : Ein Volk ausgelöscht – die Ausrottung des Donauschwabentums, Salzburg 1949
42. Hilda Sandtner : So sagts dr Schwob, Dialektsprüche, Ostfildern 1980
43. Wendelin Gruber : In den Fängen des roten Drachen – 10 Jahre unter der Herrschaft Titos, Jestetten 1986
44. Paul Kornauer : Karfreitag und kein Ostarn - Erlebnisbericht, Sersheim o. J.
45. Josef Mayer : Als wir noch daheim lebten, Apatin in alten Bildern, Straubing 1978
46. Eduard Duller : Das deutsche Volk in seinen Mundarten, Sitten, Bräuchen und Trachten, München o. J.
47. Ignaz Stein / Stefan Nuber : Gakowa, Entstehung und Niedergang einer Gemeinde in der Batschka, Ulm 1974
48. Michael Hutfluss : Gakowaer Ortssippenbuch 1896 – 1943, Mannheim 2002
49. Maria Kresz : Volkstümliche ungarische Kürschnerarbeiten, Budapest 1979
50. Albrecht – Christ – Hockl : Deutsche Jugendbewegung in Südosteuropa, Bielfeld 1969
51. A. Schwob / H. Fassl : Deutsche Sprache und Literatur in Südosteuropa, München 1996
52. Paul Schwalm : Waschkut erzählt und singt, München 1985
53. derselbe : Ungarndeutsche erzählen und singen, Bd. 9, Mainz 1991
54. derselbe : dito Bd. 10, Mainz 1992
55. derselbe : Dorfgeschichten - Iwr tes Lacha onsri Schwowa, Wien 1996
56. H. Fischer / H. Taigel : Schwäbisches Wörterbuch, Tübingen 1991
57. Ausstellungskatalog : Die Donauschwaben - Deutsche Siedlungen in Südosteuropa, Sigmaringen 1987
58. Hans Diplich : Essay – Portraits aus donauschwäbischer Geschichte, Homburg/Saar 1978
59. Gerhard Teich : Topografie der Osteuropa und Südosteuropa-(Bücher)Sammlungen, München 1978
60. Hubert Baum : Allemannisches Taschenwörterbuch für Baden, Freiburg i.Br. 1978
61. Chr. Ludwig Brücker : 40 Jahre Arbeitsgmeinschaft Donauschwäbischer Lehrer 1947 – 1987, Sindelfingen 1987
62. Autorenteam : Kunbaja – Chronik einer ungarischen Grenzgemeinde, München 1967
63. Josef Beer : Donauschwäbische Zeitgeschichte aus erster Hand, München 1987
64. Adam Berenz : Weitblick eines Donauschwaben – Dokumentation eines Abwehrkampfes in der Wochenzeitung „Die Donau“ 1935 – 1944, Dieterskirchen 1968
65. Elfriede Weiser : Miletitscher Wortschatz (aus der jugosl. Batschka), Schöneich 1994
66. Mathias Weifert : Donauschwäbisches Unterrichtswerk – Fachübergreifendes Lehrbuch für Jugendliche, München 1097
67. Autorenteam : Zwei Weltkriege im Buch 1914 – 1973 (Verlagskatalog), Neckargemünd 1973
68. Rudolf Aschemer : Die Auslandsdeutschen – 100 Jahre Volkstumsarbeit, Leistung und Schicksal, Berg a. Starnberger See 1989
69. Reinhold Fett : Sackelhausen – Heimatbuch einer Banater Gemeinde, Limburg/Lahn 1979
70. Hersg. Haus des Deutschen Ostens: Deportation der Südostdeutschen in die Sowjetunion, München 1999
71. Paul Flach : Die Hausbesitzer der Stadt Baja um 1803, München 1977
72. derselbe : Waschkut – Beiträge zu einer Dorfgeschichte in der Batschka, München 1983
73. Fr. Lux / P. Scherer : Die Mundart von Weprowatz in der Batschka, Karlsruhe 1997
74. Martin Butter : Hanf – das weisse Gold der Batschka, Kirchberlingen 2001
75. Sebastian Wildmann: Chronik der Gemeinde Filipowa/Batschka 1763-2000, Rochenhofen 2000
76. Josef Kiss : Zur Vertreibung und Verschleppung der Ungarndeutschen aus Gyönk/Jink, München 1995
77. Josef Volkmar Senz: (kurze) Geschichte der Donauschwaben, München 1987
78. A. Cammann / A. Karasek: Donauschwaben erzählen, Teil 1, Marburg 1976
79. dieselben : Ds. erz. Teil 2, Marburg 1977
80. dieselben : Ds. erz. Teil 3, Marburg 1978
81. dieselben : Ds. erz. Teil 4, Marburg 1979
82. Bibliografie : 50 Jahr Südostdeutsches Kulturwerk 1951-2001, München 2001
83. Karl Manherz : Beiträge zur Volkskunde der Ungarndeutschen, Bd. 5, Budapest 1985
84. Josef Moser : Chronik einer Apatiner Familie, Straubing 1971
85. Hans Wolfram Hockl: Heimatbuch der Donauschwaben
86. Peter Gasztony: Endkampf an der Donau 1944/45, Dokumentation, Wien 1969
87. Jakob Bleyer : Ein Leben für das Ungarndeutschtum (1874-1933), Budapest 1994
88. Georg Sillo-Seidl: Die Wahrheit über Semmelweiß – Das Leben und Wirken des großen Forscher-Arztes, Genf 1978
89. Paul Schwalm : Wörterbuch des Dialektes der Deutschen in Vaskut, Neuenstein 1979
90. derselbe : Muzeumi kutatások Bács-Kiskun megyében 1998, Kalocsa 1999
91. Hans Wolfram Hockl: Die Mundart von Lernauheim/Banat, Linz 1997
92. Mathias Weifgert: Die Durchsetzungsdynamik von Heimatvertriebenen nach 1945, München 1997
93. Nenad Stefanovic: Ein Volk an der Donau – Das Schicksal der Deutschen in Jugoslawien unter Tito, München 1999
94. Josef Senz : Der donauschwäbische Lehrer, Jahrbuch, München 1959
95. Josef Jurg : Apatin – Heimatbuch der größten donauschwäbischen Gemeinde (Nachdruck), Apatin 1940
96. Nbikolaus Britz : Adam Müller-Gutenbrunn, Krzbiografie, München o.J.
97. Josef Volkmar Senz: Apatiner Gemeinde und Gemeinschaft gestern – heute, Straubing 1974
98. Wilhelm Lampeter : Gottschee – Berichte über Umsiedelung und Vertreibung, Weilheim 1984
99. Sebastian Werni : Die Wojewodina 1848-1860 als nationales und staatstragendes Problem, Wien 1981
100. Piroska Weiner : Geschnitzte Lebkuchenmodel, Budapest 1984
101. Jenö Fritz : Das Jahrhundert der Pannonier (193-284) ein Geschichtswerk, Budapest 1982
100. Josef Senz : Schulische Selbsthilfe in der Lehrerbildung der Donauschwaben, Straubing 1984
101. Hans Gehl : Deutsche Stadtsprachen in Provinzstäödten Südosteuropas, Suttgart 1997
102. Sebastian Wildmann: Filipowaer Mundart, Bd. II (Mittelbatschka), Greding 1998
103. Konrad Gerescher: Das Lied vom Überleben – eine epische Erzählung, Szeged 1995
104. Erwin Walter Stein: Episteln fallen ins Meer – lyrisch-kritische Aufzeichnungen, München 1982
105. und 106. Kürschners Deutscher Literaturkalender 2002-2003
107. Hugo Moser : Schwäbischer Volkshumor, Stuttgart 1981
108. Austaellungsbegleitbuch: In Dichters Lande, Marbach a. Neckar 1984
109. Sigrid Schmid : Totgeschwiegen – Texte zur Situation der Frau von 1880 bis in die Zwischenkriegszeit, Wien 1982
110. Ernst Trost : Die Donau, Lebenslauf eines Stromes, Wien 1976
111. Waltraut Pfäfflin : An Dichterhand durchs Schwabenland – ewiger Kalender mit Texten, Stuttgart 1983
112. Reiner Ricker : Tübinger Vorlesebuch, Texte des Südwestfunks, Stuttgart 1984
113. Lajos Lászlo : Im Bergwerk spielt niemand Balalajka – Erlebnisbericht aus Russland, Sersheim 1992


114. Sprachführer Schwäbisch (Polyglott), München 1995
115. Felix Ermakora-Institut: Nationale Vergangenheit...Europäische Zukunft, Wien 2004
116. Georg Wildmann: Entwicklung und Erbe des donauschwäbischen Volksstammes, München 1982
117. Wendel Hambuch : Der Weinbau von Pzusztavám – Ungarndt. Studien, Bd. 1, Budapest 1981
118. Paul Flach : Die deutschen Gassennamen der Stadt Baja, München 1977
119. derselbe : Das ungarnländische Deutschtum im Spiegel der Volkszählung von 1941
120. Anton Reppmann : Kolut – Ortsbiografie, Schwäbisch Gmünd 1980
121. Josef Volkmar Senz : Die Apatiner Bürgerschule 1875 – 1944, Straubing 1984
122. Christa Frey u.a. Autoren: Deutsche Sprichwörter für Ausländer – Beispiele, Leipzig 1979
123 Wilfried Ahrens : Verbrechen an Deutschen – Dokumentation, eilheim 1980
124 Josef Volkmar Senz : Apatiner Heimatbuch – Ortsbiografie, Straubing 1966
125 Franz Blantz : Kula und seine Deutschen – Ortssippenbuch Stuttgart 1976
126 Karl Manherz / Marton Kalász : Vadalma, vadalma, magva de keserü – magyarországi németek népköltészete, Budapest 1984
127 János Szabo u. Johann Schuth : UngarndeutscheLiteratur der seibziger und achtziger Jahre, München 1991
128 Chr. Ludwig Brücker : Durch Selbsthilfe zur Selbstverwaltung – Beiträge zur donauschwäbischen Schulgeschichte, München 1981
129 Grete und Karl Horak : Kinderlieder, Reime und Spiele der Ungarndeutschen – Ungarndt. Studien Bd. 2, Budapest 1994
130 Johann Weidlein : Deutsche Kulturleistungen in Ungarn seit dem 18. Jahrhundert, Schorndorf o.J.
131 Tilkovszki Lorant : Hét évtized a magyarorsz. németek történelemböl 1919 – 1989, Budapest 1989
132 Hans Rasimus : Die deutsche Schulnot im ehemaligen Königreich Jugoslawien, München 1979
133 Gesellschaft für Publizistik : Referate eines Stuttgarter Kongresses von 1977, Coburg 1977
134 Hedwig Schwind : Jakob Bleyer – Ein Vorkämpfer und Erwecker des ungarnländischen Deutschtums, München 1960
135 L. Hollós / J.G. Schweighoffer : Schönster Schatz – ungarndeutsche Volkslieder, Budapest 1989

Bücherspende

an Eötvös Jozsef Hochschule für Lehrerausbildung, Deutscher Lehrstuhl, Baja, Leitung Monika Jäger-Manz, am 3.12.04 überbracht:

1. Arbeitskreis Kulturstiftung: Verbrechen an den Deutschen in Jugoslawien 1944-1948, München 2000
2. Weißbuch der Deutschen aus Jugoslawien – Erlebnisberichte 1944-1948, München 1993
3. Hans Sonnleitner : Donauschwäbische Todesnot unter dem Tito-Stern, München 1990
4. Hans Rasimus : Als Fremde im Vaterland – Der Schwäbisch-Deutsche Kulturbund und die ehemalige deutsche Volksgruppe in Jugoslawien, München 1989
5. Dieter Blumenwitz : Rechtsgutachten über die Verbrechen in Jugoslawien 1944-1948, München 2002
6. Josef Volkmar Senz : Totenbuch der Apatiner Gemeinschaft, Straubing 1977
7. Christian Ludwig Brücker : 40 Jahre Arbeitsgemeinschaft Donauschwäbischer Lehrer 1947-1987
8. Mathias Weifert : Chronik der Arbeitsgemeinschaft Donauschwäbischer Lehrer 1947-1997, München 1997
9. Rotraut und Ingomar Senz : Ein Leben für die Donauschwaben – Portrait von J.V. Senz, München 1999
10. Paul Schwalm : Dorfgeschichten – Iwr tes Lacha onsri Schwowa, Wien 195
11. Josef Volkmar Senz : Die Deutschen im Batscherland, Wien 1994
12. Anton Scherer : Wortkundliche Studien – Etymologien und Interferenzen, Graz 2002
13. derselbe : Donauschwäbische Bibliografie – Recht, Wirtschaft Soziales 1965 – 1975, Graz 2001
14. derselbe : dito - Schöngeistiges Schrifttum, Graz 1998
15. Arbeo Wolfram Scherer : Bibliografie der Veröffentlichungen von Prof. Dr. Anton Scherer, Graz 1998
16. Josef Volkmar Senz : Deutsch-serbisches schulisches Miteinander – Die Somborer Lehrerausbildung in der Zwischenkriegszeit, München 1979
17. Hans Sonnleitner : Aktion Inteligenzija in Karlsdorf – Gedenkschrift über Verbrechen an Banater Deutschen 1944, München 1986
18. derselbe : Karlsdorf im Verlauf donauschwäbischer Geschichte – Ortsbiografie, München 1985
19. derselbe : Etymologie des Familiennamens Sonnleitner, München 1995
20. Faltkarte der historischen Siedlungsgebiete der Donauschwaben, München 2004
21. Konrad Gerescher : Gäste und Gastgeber – Gastarbeiter-Novellen, Hann. Münden o.J.
22. derselbe : Politik aufgespiesst – heiteres Lexikon der politischen Missbildung, Hann. Münden 1976
23. derselbe : DAHEIM I - Heimat Südosteuropa in Bildern und Aufsätzen, Sersheim 1986
24. derselbe : DAHEIM II – dito, Sersheim 1987
25. derselbe : Donauschwäbisch – Deutsch, Lexikon über Mundart und Fachwörter der Nordbatschka, Szeged 1999
26. derselbe : Unserer Hände Arbeit – 200 Berufe der Donauschwaben aus der Batschka, Hann. Münden 1981
27. derselbe Hrsg. : Hommage J.E. – Jugendgedichte, Szeged 2002
28. Wendelin Gruber : In den Fängen des roten Drachen – zehn Jahre unter der Herrschaft Titos, Ditzingen 1994
29. Faltkarte der Siedlungsgebiete der Donauschwaben, München 2004
30. Robert Rohr: Blasmusik der Donauschwaben in historischen Aufnahmen (1910-1998); münchen 1999
31. Erika Groth-Schmachtenberger: Volks-Trachten aus ... Ungarn, Rumänien, Jugoslawien, Linz 1980
32. Werni/Reiber/Eder: Heimatbuch Tomaschanzi-Gorjani (Slawonien, Stuttgart 1974
33. Ingomar Senz: Die nationale Bewegung der ungarländischen Deutschen vor dem Ersten Weltkrieg, München 1977
34. Meng-Geckl-Fink: Die Donauschwaben in Hechingen – Festschrift, Hechingen 1972
35. Mitteldeutscher Kulturrat Bonn: Gedenktage des Mitteldeutschen Raumes, Frankfurt 1963
36. Gerda Ditz-Krämer: Mein Vater Jakob Krämer 1993-1948 (Kulturbund- und Volksbundführer), Herrenberg 1991
37. Johann Wüscht: Beiträge zur Geschicte der Deutschen in Jugoslawien 1934-44, Kehl a. Rhein 1966
38. Mathias Annabring: Volksgeschichte der Donauschwaben in Jugoslawien, Stuttgart 1955
39. Annemarie Röder: Deutsche, Schwaben, Donauschwaben – Ethnisierungsprozesse einer deutschen Minderheit in Südosteuropa, Marburg 1998
40. Hans Schauss: Die Donauschwaben in Südkalifornien, Gedenkschrift, Los Angeles1968
41. Josef Volkmar Senz: Bei Apatiner Landsleuten in Amerika, Straubing 1968
42. Maria Eugenie Delle Grazie: Die kleine weiße Stadt, Kurzgeschichten aus dem Banat, Salzburg 1977

................................................................................................................ Stand November 2004

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D E U T S C H F O R U M
Mitteilungen  des DEUTSCHEN  SPRACHFORUMS SZEGED
- sporadische Erscheinungsweise – Ausgabe 11 – Okt. 2006 -
Herausgeber: Konrad Gerescher Szeged/Kömpöc, Tel. +36-20-569 5517

© Form und Inhalt gesetzlich geschützt. Auszugsweises Kopieren mit Angabe von Autor und Quelle erlaubt!

Pressemittelung Okt. 2006 an ungarndeutsche und bundesdeutsche Medien

 Arm bleibt arm
Pannonische Skizzen von Konrad Gerescher

Wie nun schon fünfundzwanzig Jahre hindurch, in denen der Chronist zuerst das Kippen des ungarischen Kommunismus erlebte und sah, wie die politische Wende Schlagbäume öffnete, sich dann ein halbes Dutzend demokratischer Parteien im Regieren versuchten, daneben massenhaft ehemalige Verfolgte und Entrechtete zurückkehrten und dem Karpatenbecken Aussehen und Sichtweise veränderten – in diesem Vierteljahrhundert prägte sich ihm viel Erfahrenes so tief ins Bewusstsein, dass er sich schwer jemals wird davon trennen können.
Schon 1997 erschien im Donauschwaben so eine Skizze, in der ein völlig misslungener Start  der Ungarn in die Freiheit angerissen wird: „Weinen ist das wenigste, was ein Freund des agilen Pusztavolkes tun kann, wenn er sich mehr als zum eigenen Urlaubsvergnügen in Ungarn umschaut. Wenige gibt es noch, die sich nicht nach dem Gulaschkommunismus sehnen würden: Angefangen bei den Ärmsten, den Rentnern, Kranken und Arbeitslosen sowieso und endend bei der Intelligenz, als dem geistigen Treibstoff, der im Augenblick nichts antreibt. Ein dunkel gähnendes Loch scheint sich dort aufgetan zu haben, wo die Zukunft sein sollte. Das einzige, was immer besser zu funktionieren scheint, sind die destruktiven Kräfte aus allen Gesellschaftsschichten, vor allem aus der Wirtschaft.“
Es ist traurigste Tatsache, dass sich diese Beurteilung auch auf das Jahr 2006 wortgetreu bezieht. Dazu kommt noch die bittere Erkenntnis, dass sich die oben genannten Gesellschaftsschichten zu verkrusten beginnen, und keine noch so scharfe Reform fähig ist, daran grundsätzliches zu ändern; Wer hat bekommt noch mehr – und wer arm ist, bleibt es für immer! Das Kapital des Landes, um ein Mehrfaches seit 97 zugenommen, hat sich in der Oberschicht von ca. 10% des Volkes Kanäle geschaffen, wo es fließt und Zinsen und Erträge ablagert. Das körperlich arbeitende Volk, z. B. wie man es schon immer als Anreisender in den Budapester Metros, in den Passagen und Unterführungen zu Gesicht bekommt, geht leer aus, ist, kurz gesagt, immer noch so ärmlich gekleidet und gedrückter Stimmung, wie vor der Wende! Während dieselben Ansammlungen in den deutschen Städten ein deutliches Wohlstandsniveau ausstrahlen, sogar die Arbeitslosen und Asylanten als gut gekleidete Spaziergänger promenieren, stinkt die ungarische Armut sprichwörtlich zum Himmel. Ebenso deren Verursacher: die horrend hohen Darlehenszinsen der Verbraucherkredite, die untragbaren Belastungen beim Hausbau oder Autokauf, deretwegen sich viele wieder – mit großem Verlust – von den Errungenschaften trennen müssen und noch ärmer sind als vorher. Wie in einer Rundfunksendung – Kossuth – Anfang d. M. verlautet, ist jeder zweite private Kreditnehmer bei den ungarischen Banken überschuldet und jeder dritte zahlungsunfähig, so dass Zwangsnahmen angedroht oder durchgeführt werden müssen. Meiner Meinung nach liegt die Hauptursache für derlei Fehlentwicklung in der zu schonenden Beeinflussung der zu mächtigen Banken durch die Politik. Dadurch dass auch der Staat an dem guten Verdienst der Banken partizipiert, ist die Regierung – ebenso wie die in Wartestellung parkende Opposition – nicht gewillt grundsätzliches an dem Finanzgebaren gegenüber den Verbrauchern zu ändern. Z.B. habe ich im letzten Wahlkampf in einem Mail an die Großparteien appelliert, dass doch endlich das krasse Missverhältnis zwischen ungarischen und westeuropäischen Banken in der Vergabe von Verbraucherkrediten gemildert wird. Vergeblich – keine Reaktionen. Als ob ich meine diesbezüglichen Erfahrungen nicht in 30 Jahren mit deutschen Banken, sondern in einem Entwicklungsland gesammelt hätte. 
Weiter heißt es 97: „Die Russenmaffia ist nichts gegen die ungarische Finanzmaffia. Vergebens hat sich das kleine Land rechtzeitig und gesetzlich gegen die Geldwäsche ungebetener Ausländer verwahrt, gegen den florierenden Kapitalraub in jeder Form ist kein Kraut gewachsen… Immenses Investitionskapital fließt aus dem wirtschaftlichen Kreislauf in die eigene Tasche betrügerischer Bankrotteure und schnell reich gewordener Bankiers…“ Die internationalen Multis haben Besitz ergriffen von dem lebenswichtigen Volksvermögen, wie Kraft- und Wasserwerken, von Lebensmittelerzeugern- und Vertreibern, eben von allem, was Arm und Reich gleichermaßen braucht, doch nun ungleich belastet. Nur „die Letzten beißen bekanntlich die Hunde. Das verbittert und verroht das Volk, das zum großen Teil aus inzwischen arm Gewordenen besteht. Die täglichen Beschwerdesendungen in Rundfunk und Fernsehen, mit tragischsten Reportagen, sind nichts weiter als ohnmächtige Hilfsversuche humaner Medien. Helfen können sie nicht. Das könnte nur ein radikales Umdenken bei jenen 'dort ganz oben'.
Ich lege ausdrücklichen Wert auf die parteiliche Neutralität der obigen Feststellungen. Ganz gleich wer heute oder in naher Zukunft Ungarn regiert, er muss die dringend nötigen Reformen bei der Finanzwelt und nicht beim Verbraucher ansetzen! Die westliche Marktwirtschaft kann dem armen ungarischen Volk nur dann helfen – wenn sie dringend auch sozial wird!
 
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Zwei neue Bücher von Konrad Gerescher: ZWISCHEN DONAU UND THEISS, ausgewählte Prosa; herausgegeben im Universitätsverlag Juhász Gyula Szeged, Okt. 2006, 304 S./ 232 S., kartonierter Einband. Typografie Dr. József Pitrik (Verlagsleiter), Umschlag Maria Gerescher Molnár, Druckerei Profil-Copy kft. Szeged
Band 1 enthält - als Teil I - 63 Pannonische Skizzen, erste Auswahl 1990-2002, - Teil II - Die letzten Arier, eine fiktive Chronik (gewidmet Josef Volkmar Senz 1912-2001 und Jakob Wolf 1914-1987)
Band 2 enthält - als Teil I - 49 Pannonische Skizzen, zweite Auswahl 1990-2002, - Teil II - Zeitenwende 45, Der Zweite Weltkrieg in der Batschka, - Teil III - Schicksalhafte Jahre, Eine donauschwäbische Biografie, - Teil IV - Denkwürdige Dokumente, Eine Neubewertung wichtiger Kriegspapiere.

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Auszug aus Konrad Gerescher: Zwischen Donau und Theiss, Band 2,
Universitätsverlag Szeged, 2006:
 
Ja, ja, die Namensforschung

Nirgendwo ist die deutsche Namensforschung so schwierig, wie in den ungarischen Städten, insbesondere in denen des südlichen Landesteils, im Zentrum unserer alten Heimat. Zahlreich sind die Handwerkerlisten und Steuerverzeichnisse des 18. und 19. Jahrhunderts, in denen Namen wie Gruber, Beck, Kirschner, Fleischer, Holzer, Lechner, Binder, usw. auftauchen. Sie verursachen, dass mancher Hobbyforscher freudig zu Papier und Stift greift, um die Herkunft und Weiterentwicklung einer geschäftstüchtigen Familie zu verfolgen. Da können Stammbäume und Heiratsverbindungen nachvollzogen, Verschmelzungen reicher Häuser im Interesse der Vermögensvermehrung studiert werden. Alles scheint die Gründerquellen, welche die donauschwäbischen Siedlerahnen verzeichnen, assliegenden zu ergänzen. Wir erinnern uns an die dicken Quellenbücher und zahlreichen Grundlagenarbeiten unserer ehrwürdigen Forscher, und es macht Freude auf deren Fundamenten an unserem Geschichtsbild weiterzubauen und  es dahingehend zu ergänzen, ass die Angaben über die nördlichen pannonischen Städte auch für den Süden gelten.
Je eingehender wir über die tüchtigen Huber und Pulitzer, Bieber und Wagner in, beispielsweise, der Szegediner Einbürgerungsliste von vor 200 Jahren nach der Herkunft der Genannten forschen, umso mehr identifizieren wir sie mit unseren Vorfahren. Da ist der Uniformen und gehobene Bürgerbekleidung herstellende Handwerker mit dem assliegenden Namen Schneider, Jakob. Ihm folgt der ehrenwerte, weil weit oben auf der Steuerliste stehende Fleischer, Ödön seines Zeichens Besitzer der größten städtischen Metzgerei. Und weiter unten wird sichtbar, wie diese beiden reichen Familien in ihren Kindern zu einem noch reicheren Klan verschmelzen. Endlos interessant und enorm motivierend entwickelt sich dessen Stammbaum, durch nicht weniger als siebzehn Kinder zu einem namens- und familienforscherischen Labyrinth, dem zu folgen zeitraubend aber sehr aufschlussreich ist.
Mit leuchtenden Augen steht dann der Hobbyforscher am Ende des Namensstammbaumes und glaubt, einer Reihe donauschwäbischer  Namensvetter einen guten Dienst erwiesen zu haben, wenn er ihre Herkunft ins alte Österreich oder Deutschland weiter verfolgt. Er merkt erst spät, Dass etwas in seiner Schlussfolgerung nicht stimmt. Nämlich das Fixum seiner Annahme, Dass es sich um die Personen mit deutschen Namen um Donauschwaben handelt. Kein Quellenbuch und keine Grundlagenforschung hat ihn genügend aufgeklärt, Dass nicht alles Deutschklingende zu unseren Vorfahren zu zählen ist, ja Dass es sich bei vielen – bei allen obigen – um ehrenwerte jüdische Mitbürger handelt. Selten ist diese Tatsache in der Archivalie deutlich betont. Lediglich an der Art des Zuzugs, an der amtlichen Formalität der Einbürgerung und an anderen Faktoren, die sich nicht mit unserer siedlerischen Tradition decken, kann ein Unterschied herausgelesen werden. Demnach brauchen wir durchaus keine religiöse Lupe, um das Ziel zu finden, das wir in ungarischen Archiven suchen. Aber auch die rein nationale kann in die Irre führen.


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D E U T S C H F O R U M
Mitteilungen  des DEUTSCHEN  SPRACHFORUMS SZEGED
- sporadische Erscheinungsweise – Ausgabe 12 – Jan. 2007 -
Herausgeber: Konrad Gerescher Szeged/Kömpöc, Tel. +36-20-569 5517
© Form und Inhalt gesetzlich geschützt. Auszugsweises Kopieren mit Angabe von Autor und Quelle erlaubt!

 

Immaterielle Armut
Ist Ungarn wieder am Scheideweg?

Es wäre lässliche Unterlassung, wollten wir, nach der traurigen Bewertung der materiellen Lage der Ungarn, (in Mitteilg. Nr. 11) nicht auch ihre immaterielle Erscheinung auszuloten versuchen. Dabei darf von einem Ausländer nicht unbedingt objektive Vielfalt erwartet werden, sondern nur subjektive Sichtweise von jener Art, wie sie etwa ein Fotograf bei den Schnappschüssen praktiziert: Das Wesentliche ist hier die Projektion solcher Objekte medialer, ideologischer, politischer, geistiger, minderheitlich-kultureller Art, die sich auch einem unprofessionellen Beobachter förmlich aufdrängen – um nur die wesentlichen und dem Chronisten auffälligsten zu nennen.

Da wären zuerst mal die Zeitungen. Was bestimmt ihr Profil?  Es ist, in der Provinz weniger als in der Hauptstadt, ein weit überwiegendes Schwergewicht der ‚linken’ Blätter auffällig, was nicht herausgeberisch begründet ist, denn manchmal sind die Herausgeber große westliche Verlage, die den örtlichen Redakteuren freie Hand lassen. So sind die meisten großen Zeitungen Ungarns (nach neutraler Meinung 60%, nach der der ‚rechten’ ungefähr 80%) ein Spiegelbild der überwiegend linken Intelligenz, an der die politische Wende nur bedingt eine Geisteswende vollbrachte. Und im Schatten der alten Linken vegetiert noch eine Un- oder Überparteilichkeit, die manchmal mit politischer Senilität umschrieben werden kann. Die unbedeutende extrem rechtsgerichtete Presse ist stark nationalistisch orientiert und abschreckend teuer, wohl durch die versteckte Unterstützung der Partei des Herausgebers; außerdem wird sie von vielen Zeitungskiosken boykottiert, was ihren regelmäßigen Bezug nur durch Abbos möglich macht.   

Ein Abbild der linkslastigen Medien – wenn nicht gar von ihnen verursacht – ist die im Oktober ausgebrochene politische Krise.  Wenn ein Regierungschef nach der Wahl zugibt, dass er und seine Parteioberen das Wahlvolk absichtlich belogen haben, um gewählt zu werden – und dann, nachdem er das Lügen zugab,  von vielen Zeitungen gelobt wird und auch noch die Vertrauensfrage im Parlament haushoch für sich entscheidet – dann geschieht das genau auf der ideologischen Linie, welche die linke Geisteshaltung in der Gesellschaft stützt: ‚Uns kann niemand was anhaben, solange wir mehrheitlich zusammenhalten’. Wörtlich meinte Gyurcsány angesichts der vielen Demonstranten am 23. 10. 06, dem Gedenktag des 56-er Aufstandes: „Das ist der Angriff einer Minderheit gegen die Mehrheit“ und hat damit recht. Eigentlich ähnelt solche Einstellung sehr jener Parteidiktatur, die in Ungarn vierzig Jahre lang die Gesellschaft gängelte. So lange hier die Abhör-Listen der ehemaligen Parteispione geheim bleiben, haben es auch die Intellektuellen der alten Schule samt ihren jüngeren Schülern nicht nötig, ihre Einstellung zu bereuen und zu ändern. Das Volksgewissen durch Veröffentlichung zwielichtiger Namen im Internet rein zu waschen, wurden als gesetzeswidrig schnell wieder abgestellt.

Was in der Mehrheitsnation so auffällig ideologisch schief liegt, kann bei den Minderheiten nicht spurlos bleiben. Vergeblich z.B. das neue Wahlgesetz, es wird nach wie vor in vielen Auslegungen manipuliert, dass sich die Balken der Selbstverwaltungen nur so biegen. Und in einer scheinbaren Zufriedenheit besteht weiterhin der alte Mauschelkreis aus Alibi, Scheinaktivität und Erthnobusiness, der bekannter weise eine echte Minderheitenarbeit unmöglich macht. Auf die konkrete Frage, weshalb in einer großen südungarischen Stadt, immer noch solche Kandidaten zur Wahl der Selbstverwaltung antraten, die zu keinem deutschen Wort fähig oder willig sind, kommt die Antwort, weil so ein Wahltheater wahrscheinlich sowieso das letzte Mal stattfand. Doch bis das Wahlgesetz vielleicht doch einmal zugunsten einer echten Förderung der Minderheiten-Sprache und –Kultur geändert wird, lässt es sich mit den Fördergeldern der Budapester Gießkanne und den örtlichen Zuschüssen der Rathäuser gut leben.

Wie anders als mit erschreckender Armut kann ein mangelhafter immaterieller Zustand benannt werden, der nur deshalb von den Akteuren so gewollt am Leben gehalten wird, weil er seinen Anhängern materielle Besserstellung verspricht. Die geistige Waagschale einer Gesellschaft kann aber niemals durch materielle Werte ins Gleichgewicht gebracht werde.
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Schwieriges Ethnikum
Pannonische Skizzen von Konrad Gerescher

Im Herbst 2006 erschreckte eine böse Nachricht in den ungarischen Medien die Öffentlichkeit: In einem nordöstlichen Pusztadorf fuhr ein kaum vierzigjähriger Lehrer mit seiner 12-jährigen Tochter etwas eilig durch die Zigeunerstraße und stieß mit einem Rad fahrenden dunkelhäutigen Mädchen zusammen. Die vor ihren Katen, wie immer herumlungernden männlichen Stammesangehörigen der kaum verletzten und gleich wegrennenden Radfahrerin umzingelten den hilfsbereit ausgestiegenen Lehrer und begannen ihn zu beschimpfen und mit Fäusten zu traktieren. Vergeblich schrie seine Tochter aus dem Auto laut um Hilfe und flehte, bitte schlagt meinen Vater nicht, er hat euch nichts getan; vergeblich auch die Schmerzenslaute des Geschlagenen; man trat noch mit den Füssen auf den zu Boden Gestürzten so lange ein, bis er sich nicht mehr rührte. Jemand rief einen Rettungswagen, doch der mitfahrende Diensthabende Arzt konnte nur noch den Tod des ungarischen Lehrers feststellen.

Dieses Ereignis wurde vergeblich von der örtlichen Zigeunerselbstverwaltung als nichtethnische kriminelle Tat herausgestellt, fast alle Zigeuner des betreffenden Dorfes waren in den kommenden Tagen weggetaucht, weil sie die rächenden ungarischen Huligans fürchteten. Doch weder von den drei-vier Tatverdächtigen, noch von ihren übers Land verteilten Ober- und Untervajdas kam angemessenes Bedauern. Im Gegenteil, könnte man sagen, denn in zwei anderen Orten schlugen mit den Zeugnissen ihrer Kinder unzufriedene Zigeuner die Klassenlehrer windelweich. In der Klasse unseres 10-jährigen Enkels mussten, als Beispiel der landesweiten Praxis, eine zeitlang reichere Kinder Schutzgelder vom Taschengeld bezahlen, um von den Zigeunerraudies in Ruhe gelassen zu werden.

Das ist alles aber nur die so genannte Spitze des Eisberges. Im Internet entdeckte die ungarisch-nationale Redaktion des Nemzetör/Nationalwache (Ausg. v. 20. Sept. 06) auf einer Zigeunerseite folgenden – frei übersetzten und gekürzten – Artikel: Ich bin ein Roma. Besuche die Hochschule und bin der Meinung, dass vergeblich manche  gegen uns Roma schimpfen, es ist zu spät. Viele Jahre lang hat man uns aus dem öffentlichen Leben isoliert. Jetzt wollen wir keine Ungarn mehr sein. Wir wollen nur noch Roma sein, hier, im eigenen Lande. Wie allgemein sichtbar, entwickeln wir uns viel schneller, als die Ungarn. Unsere eigene Identität wird immer stärker und wir sprechen unsere eigene Sprache. Unser Volk wächst schnell, und auf weite Sicht werden wir die Ungarn überholen. In einigen Jahrzehnten werden wir die Bevölkerungsmehrheit bilden… Wir werden erreichen, dass die Zigeunersprache zur amtlichen wird. Durch unseren reichen Kinderzuwachs ist voraussehbar, was folgt: Ungarn wird uns gehören. Wir schaffen aus den Magyaren eine Minderheit und werden ihre Arbeitgeber sein in ihrem eigenen Lande. Europa wird uns durch seine Minderheitengesetze dabei helfen. Im Laufe der Geschichte sind schon viele Völker verschwunden, sobald ihre Zeit abgelaufen war. Das ist im Falle der Ungarn schon keine Zweifelsfrage mehr, weil die Zukunft dazu terminiert ist. Friede sei mit Euch!

Die mit kinderreichen, frohgelaunten Zigeuner-Familien bebilderte Seite des Nemzetör gibt auch einen kurzen Einblick in die Strukturen des europaweiten Problems eines farbigen Ethnikums. Nirgendwo hat es gerne, Zigeuner genannt zu werden. Seine europaweite Gesamtzahl kann nur geschätzt werden, weil ein Teil immer auf Wanderschaft ist. Das geschieht z.B. in Deutschland mit hoch konfortablen Wohnwagenkolonnen, die auch schönste, naturgeschützte Landschaften nicht verschonen. Weil sie nicht arm sind, scheuen sie keine Verbote und Strafen, und manchmal können sie nur durch das Vorkaufsrecht der Gemeindeverwaltungen von einer Besiedelung der Stadtkerne abgehalten werden. Ihre  europaweit vielen verschiedenen Herkunftsstämmen angehörenden  7 bis 8,5 Millionen zählende Bevölkerung hat kein Interesse an eignen Rundfunk- und Fernsehsendern, auch nicht an eigenen ethnischen Bildungseinrichtungen. Und wenn ihnen geschlossenes Siedlungsgelände angeboten wird, lehnen sie beleidigt ab. Sie pochen mit allem Nachdruck auf die „freie Entfaltung“ innerhalb zivilisierter Mutternationen. Nur so können die Zigeuner jetzt und in alle Zeit an ihrem parasitären Lebensstil festhalten. Ob es allerdings zur ersehnten obigen Entwicklung jemals kommen wird und sie sich irgendwo zur Mehrheitsnation mausern können, das werden sicher nicht nur die stolzen Ungarn, sondern auch andere europäische Nationen zu verhindern wissen.
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******************Selbstvorstellung
Juhee, wieder habe ich es geschafft in die Städtische Selbstverwaltung der Ungarndeutschen gewählt zu werden. Zugegeben, ich spreche kein Deutsch, bin aber schon seit der Wende eines der aktivsten Mitglieder eines Vereins zur Pflege der deutschen Sprache und Kultur, und zwar in führender Position. Doch es ist mir leider immer noch nicht gelungen, mir ein Minimum des Deutsch anzueignen, damit ich auch in der Vereinsarbeit und unseren Sitzungen und Programmen, vor Gästen und Delegierten unserer Bundesdeutschen Partnetstadt die Sprache meiner Vorfahren benutzen könnte und nicht mit Lächeln und Nicken so tun müsste als ob. Apropos Programme: In der ersten Wahlperiode ab 1994 hatten wir sie noch in Zusammenarbeit mit Schülern und Studenten als Wettbewerbe in Deutsch, schöne Veranstaltungen mit den Lehrern und Eltern als Zuhörer, Lesungen in Cafes mit viel Publikum, Besuche deutscher Konzerte und Theatervorführungen… Doch das alles ist vorbei. Weshalb, das will ich Euch verraten, aber bitte sagt es nicht weiter, sonst finde ich möglicherweise landesweit Nachahmer.

Es begann, das was bald den unschönen Namen Ethnobusiness bekommen sollte, damit, dass unsere Stadt einen größeren Betrag aus Deutschland für Ankauf und Einrichtung eines Minderheitenhauses bekam, der natürlich eine ordentlich-deutsche Zweckbindung hatte. Da mussten alle Minderheiten schauen, damit sie bei der Verteilung des dicken Kuchens nicht zu kurz kamen. Dank meines Geschicks als Vorsitzende, die ich damals schon war, sorgte ich dafür, dass unser ungarndeutsches Zimmer die schönste Ausstattung bekam in Form von Polstersesseln, die zwar doppelt so viel Platz einnahmen, wie einfache Stühle aber umso bequemer waren und in den Folgejahren auch für unsere Mitgliederzahl ausreichten. Wir zählten damals wie heute 50 Mitglieder, von denen abwechselnd immer nur je ein Drittel anwesend war, wenn wir Filmvorführungen oder Gastvorträge und später Chorproben hatten, an denen hauptsächlich solche Mitglieder teilnahmen, die gerne in der Sprache sangen, die sie nicht verstanden. Dieser Chor ist heute das Einzige, was uns an deutschen Programmen blieb. Aber schön der Reihe nach.
   
So ein komfortables Vereinshaus, in dem alle städtischen Minderheiten – ohne die Romas – Platz hatten, brauchte eine hauptberufliche Verwaltung. Diese wurde mit einem Direktor – in meiner Person, versteht sich – besetzt. Da aber zu viel Arbeit anfiel, stellten wir einen hauptberuflichen Leiter für die Hausverwaltung ein, doch die finanzielle Seite blieb in meinen Händen. Um den recht befriedigenden Geldfluss aus Budapest und dem Rathaus, aus Wettbewerben u.s.w. optimal steuern und verteilen zu können, beschlossen wir bald, und zwar einmütig zwischen Vereinen und Selbstverwaltungen, die Gründung eines Dachvereins, dessen Mitgliedschaft aus allen 45 Mitgliedern der Minderheitenselbstverwaltungen zu bestehen hatte. Erst jetzt wurde die Minderheitenarbeit interessant, im Hause belebend und für mich persönlich lohnend, denn wer anders als ich nahm den ersten Regie-(Buchhalter) – Posten des neuen Minderheitenvereins ein. Meine bezahlte Halbtags-Aufgabe versah ich so geschickt, dass man mich bald in die städtische Verwaltung übernahm und mit der Betreuung der Vereinsgelder aller Stadtvereine beauftragte. Doch das war zu viel des echten Mellos, so dass ich bald zurück wollte und auch durfte an mein ruhiges Regiepult im Minderheitenhaus, wo ich mich besonders wohl fühlte und für meine Minderheiten am meisten tun konnte. Das meine ich so, dass ich dem Selbstverwaltungsverein beim Verwalten und Sparen der eintreffenden Finanzmittel so helfen konnte, dass die Mittel nach Außen wie nach Innen am effektivsten eingesetzt wurden. Nur ein konkretes Beispiel: Bei einem großen Kinderfest aller Minderheiten wusste ich die Verköstigung so geschickt zu meistern, dass die Kinder satt und das Fleisch dennoch übrig war, indem es Würstchengulasch gab und das übliche Fleisch anderweitig verbraucht werden konnte. Ähnlich geschickt rechnen wir in der Folge auch unsere deutsche Kulturarbeit ab. Programme, Lesungen, Mitgliedswerbungen oder sonstige Unternehmungen verursachten nur unnötige Kosten, so beschränkten wir uns an unseren deutschen Nationalitätentagen auf einen einzigen Programmpunkt, der im schmackhaften Zubereiten und Essen von ungarischem Gulasch bestand, was die Tische im Vereinshof oder –Saal immer füllte und die Esser auch bereit waren, einen Zuschuss fürs Essen zu geben. Dieses Verzehren von Gulasch als deutsches Nationalitätenprogramm auszugeben, ist meine Erfindung und wurde von meiner Nachfolgerin gerne übernommen. Durch unseren Chor bei solchen Essen eine kulturelle Kulisse zu schaffen, hätte nur eine überflüssige Ablenkung den überwiegend nur Ungarisch verstehenden Essern bedeutet.

Was soll ich noch lange um meine seitherigen Funktionen mit wichtigen Auslandskontakten herumreden. Sie brachten mich auf schönen Auslandsreisen ebenso in den verdienten Urlaub, wie zum Münchner Oktoberfest, genau so in unsere deutsche Partnerstadt wie auch als offizielle Begleitperson mit den Siegerklassen deutscher Schüler-Wettbewerbe in Württemberger Schulklassen, wo ich sogar einen Vortrag halten, d.h. deutsch vorlesen durfte. Solche Reisen waren nötig und allseits akzeptiert und belasteten mein Haushaltsgeld nicht. Und dass man mich nun auch Ende 2006 als im Verwalten der immer knapper werdenden Finanzen Erfahrensten zur Vorsitzenden der Deutschen Minderheitenselbstverwaltung wählte, erkläre ich plausibel jedem so: „Wenn ich mich nicht als fünfte Kandidatin zu den Wahlen gemeldet hätte, hätten die Ungarndeutschen unserer Stadt nicht an der Wahl teilnehmen können“. Das ist doch logisch und wird auch in anderen Landesteilen so praktiziert, weil das Gesetz es so will. Wenn auch der Unterschied zu Budapest bei der Aufstellung von Kandidaten aus z.B. „fremden“ Stadtbezirken, ist, dass dort die Kandidaten alle Deutsch sprechen. Bei uns tun sie das nicht. Das ist ein minimales Vergehen, dass ich gerne auf meine Kappe nehme. Auch den neuen deutschen Kulturverein der Germanistik haben wir „versehentlich“ zu meinen Gunsten beim Kandidieren übergangen. Denn diese neuen Deutsch sprechenden Jugendlichen halten möglicherweise nichts von meinem bewährten Grundsatz: Mit minimalem Tun maximalen Eigennutz erwirtschaften, der meine bewährte Losung schon fast 20 Jahre lang ist. Intelligenzquotient hin oder her, jedenfalls genügt mir meiner zur Befolgung des Grund-Satzes eines erfahrenen Heimatschriftstellers, der in etwa so lautet: „Der beste Vertreter einer Minderheit ist derjenige, welcher sie so zu benutzen versteht, dass es den überzeugendsten Anschein hat, als diente er ihr“.  (Wie mir der Autor dieser und ähnlich treffender Feststellungen anvertraute, will er mich in seiner demnächst erscheinenden AHA-Fibel der Minderheiten Ungarns als allseits anregende Muse besonders ehren.)                               

****************************************************(K.G.)
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