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BATSCHKAER
AHNENSPIEGEL
(ERSCHIENEN ALS BUCH JAN. 2004 MIT UNTERSTÜTZUNG DES AMTES
FÜR NATIONALE UND ETHNISCHE MINDERHEITEN UNGARNS)
T E I L I I
A R B E I T S W E I S E
(Übersetzung aus dem Bereger donauschwäbischen Dialekt:
Andrea Bakonyi)
1 BAUERNWIRTSCHAFT
Der größte Teil der Batschker Vollbauern hatte zwischen
30 und 100 Katastraljoch gemischtes Feld, davon war das meiste Ackerfeld,
ein kleiner Teil Sandhügel, sowie Wiese mit einer natürlichen
oder selber angelegten Waldschonung. Die Feld- einschließlich der
Hauswirtschaft entsprach einer Vollwirtschaft für mindestens zwei
erwachsene Menschen - im arbeitfähigen Alter zwischen 20 und 40 Jahren
-, zwei bis vier Pferde, ein paar Tagelöhner in der Saison und zusätzlich
zum Ackern, Anbauen, sowie für den Schnitt noch einen Lohnhelfer
mit Pferdegespann oder Traktor. Bei dem wechselhaften Wetter der Batschka
hat man bei allen Arbeiten schnell vorgehen müssen, vor allem, wenn
man an einem größeren Stück anbaute.
1.1 Feldarbeit in Wechselwirtschaft
Bei Anbau der Hauptsorten, wie Weizen, Gerste, Hafer, Roggen, Mais, Rüben,
Bohnen, Klee, Sonnenblumen und Hanf hat man nur im Wechselanbau über
mehrere Jahre ein gutes Wachstum erreicht. Beginnen wir mit der wichtigsten
Sorte, dem Brotgetreide.
1.1.1 Weizen
Weizen – unsere lebensnotwendige Brotfrucht - hat man am besten
nach Hafer oder Roggen angebaut, als deren Stoppeln, nach dem Schnitt,
gestürzt und im Herbst, kurz vor dem Einsäen nochmals tief geackert
wurden. Da der Weizen meist als Winterfrucht eingesät wurde, hat
man, im September/Oktober leicht gemistet und einmal mit einem zweischarigen
Flachpflug geackert. Diesen und den Stürzpflug haben zwei Pferde
gezogen. Vor den Tiefpflug hat man dann vier Pferde eingespannt. Wenn
das Wetter schön war, hat man den Fruchtboden gleich nach dem Ackern
mit der Egge eben gemacht, und dann konnte mit einer Kastenmaschine gesät
werden. Die Ringschleife und Holzwalze haben den Samen, in einer Tiefe
von 5-8 cm, fest und eng mit Bodenhumus verbunden. Bis zum Frost um Weihnachten
hat ein grüner Teppich von 10 cm angezeigt, dass es im nächsten
Jahr wahrscheinlich etwas zum Essen geben wird; wieviel, das wurde noch
von vielen Einflüssen geprägt: z.B. vom Regen und Hagel, ob
die Ähren und Körner groß und aufrecht, sowie gesund wachsen
konnten oder ob sie auf den Boden gedrückt und viele davon schimmelig
wurden.
Den Schnitt hat man mit der Hand und mit ein paar Schnittern gemacht
oder mit Mähmaschinen, von vier Pferden gezogen. Früh am Morgen,
als auf dem Feld noch der Tau lag und man von dem weichen Getreide noch
leicht Bindeseil drehen konnte, haben die Schnitter in Staffeln mit einer
Spriegelsense zu Mähen angefangen. Nach jedem Schnitter ist eine
Garbenbinderin gegangen, hat die selbstgedrehten Strohseile auf den Boden
gelegt und mit einer anderen Sichel die Teilgarbe aufgerafft. Je nachdem,
wie groß und stark die Garbenbinderin war, hat sie 2 bis 4 Teilgarben
zu einer ca. 40 cm dicken Garbe zusammengelegt. Gebunden wurde die Garbe
von einem Mann oder einer starken Frau bzw. einem starken Mädchen.
Die Garben wurden in der Reihe am Boden liegen gelassen. Beim Maschinenschnitt
sind die Garben gleich mit einer Schnur aus Hanf oder mit Raffia von der
Maschine fertig gebunden worden. Erst als der ganze Schnitt fertig war,
wurden die Kreuze, mit je 11 Garben aufgeschichtet. Ein Wachstum hat pro
Katastraljoch ca. 15 bis 30 Zentner Getreide von 1., 2. oder 3. Qualitätsklasse
gebracht. Strohertrag ca. 56 Zentner oder 100 Kubikmeter auf einer gestampften
Triste.
Frühjahrsweizen hatten die Bauern nicht so gern, da er nicht so
gut getragen hat und später in den Schnitt gekommen ist, was nicht
geschickt war. Ertrag: 20-25 Z/kJ Körner und um die 40 Z/kJ Stroh.
1.1.2 Wintergerste
Sie ist ähnlich wie Winterfrucht angebaut worden. Sie war aber fast
um einen Monat früher reif für den Schnitt, und deswegen hat
man gleich noch einmal flach ackern und etwas einsäen können:
z.B. Mischling oder Stoppelkartoffeln. Das erste war ein saftiges Milchfutter
fürs Hornvieh, die Kartoffel waren länger haltbar und haben
nicht so früh im Keller oder in der Erdmiete ausgetrieben. Gleich
im Frühjahr hat man sie auch besser und teurer verkaufen können.
An Gerstenertrag gab es bis zu 25 Z/kJ, bei nur halb so viel Stroh, wie
bei dem Weizen.
1.1.3 Mais
Das war der Nachfolger für Getreide oder Hanf. Das Stoppelfeld hat
man im Frühherbst gestürzt, dann mit vier Pferden tief geackert
und vor dem Schneefall noch einmal mit zwei Pferden flach geackert. Im
März, wenn es keinen Schnee mehr gab, ist ordentlich gemistet - 'Mistus
ist Christus' sagte ein Bauernspruch -, einmal tief und noch einmal flach
geackert, sowie mit der Egge fürs Säen bzw. Handstecken der
trockene Boden vorbereitet worden. Das Säen besorgte die Mais-Sämaschine,
gezogen von zwei starken Pferden; das Stecken von Hand hat man mit flacher
Hacke oder Scharre erledigt. In einem Abstand von ca 40 cm sind je zwei-drei
Körner in den Boden gekommen. Beim Hacken um die gekeimten Pflanzen
hat man die dritten und alle weiteren Triebe herausgerissen. Je nachdem,
wie ein Boden ausgenutzt wurde, hat man in die Maisreihen, genau in der
Mitte zwischen zwei Maisstöcken, einen Bohnenstock mit drei-vier
Weißbohnen gepflanzt. Gehackt wurde zweimal bis zur Bohnenernte;
und dann hat man noch einmal gehäufelt, weil in der Tiefebene der
Sommerwind und der Hagel den Mais im geraden Wachsen gestört haben.
Maisbrechen konnte man nur mit der Hand; Maschinen gab es dazu nicht.
Beim Brechen sind die Kolben - mit dem Laub oder ohne - auf Haufen geworfen
worden, so entfernt wie man nur schaffte. Nach dem Brechen des reifen
Maises hat man - bei stärkeren Stängeln - Schneisen für
den Leiterwagen rausgeschnitten und die bloßen Kolben in eine Maisscheune/Gore
oder auf den Lattenboden im Schuppen gebracht. Die Kolben im Laub sind
im Schuppen auf den Erdboden geschüttet worden, von dem man sie später,
nach dem Lieschen, auf ihren Trockenplatz geschafft hat. Danach ist man
mit einem Stengelschneider ans Schneiden der Stengel gegangen und hat
sie in Büschel, so dick wie man sie mit einem Arm herumlangen konnte,
mit Hanf oder Strohschnur gebunden und zu Schober zusammengesetzt. Die
Stengel sind bis zum Schnee auf dem Feld geblieben, oder man hat sie zum
Bauernhof gebracht und zu Stengelschober zusammengesetzt, damit der abgeerntete
Boden gleich gestürzt und mit Grünfutter für die Pferde
eingesät werden konnte, z.B. mit Mohar oder Grünhafer. Maisertrag:
beim Samenaufwand von 10 kg/Joch hat ein gutes Jahr 50 Z Kolben und 30
Z gerebelte Maiskörner gebracht.
1.1.4 Hafer
In der Anbaufolge gedieh er am besten nach dem Mais. Dabei erholte sich
der Boden und brauchte keinen Mist. Da aber das ganze Maisfeld zuviel
Hafer gegeben hätte, hat man auf einem Teil gemistet, sowie Kartoffeln
oder Rüben angebaut. Zum Ausruhen des Feldes gehörte, dass man
die Maisstumpen erst im Frühjahr gestürzt hat. Bei trockenem
Wetter hat einmal Eggen ausgereicht, und man hat schon mit dem Einsäen
und Walzen die Frühjahrsarbeit abgeschlossen. Auf einem großen
Stück hat man auch in zwei Teilen Mais und Hafer abwechselnd angebaut.
Der Schnitt des Havers kam von einem halben bis zu einem Monat nach den
Wintersorten. Das Kreuzbinden und -stapeln hat man so gemacht, wie bei
Getreide und Gerste. Ertrag pro Katastraljoch bis 20 Z. sauber oder mit
anderen Samenarten gemischt. Von allen Stroharten hatte der Hafer den
wenigsten, ca. 10 Z. p. J, Ertrag.
1.1.5 Roggen
Roggen ist auch dann gewachsen, wenn der Boden zu den magersten gehörte,
oder, wie es bei ärmeren Menschen vorgekommen ist, dass gar nicht
gemistet und nur einmal geackert wurde. Bei ihm hat sich der Boden ausgeruht,
und man hat ihn (was auf dem Sandboden von Kleinkumanien/Kiskunság
heute noch zu sehen ist) viele Jahre hintereinander anbauen können.
Für die Bauern in der Batschka war er aber ein wichtiger Futtersamen,
weil sie ihn als Schrot dem Viehfutter zumischen konnten. Mais war zum
Mästen zu fett, und bei diesem allein haben die Schweine den ’fliegenden
Brand’ bekommen. Roggen war wichtig für die gesunde Verdauung,
deswegen haben die Batschkaer bei Roggen das Feld so gründlich bearbeitet,
wie bei jedem anderen Nutzgewächs. Der Roggen ist gut angewachsen,
deswegen hat man das Feld kurz bis zum ersten Schnee, Ende November, vergessen
können, dann hat man gestürzt, geeggt, gesät und gewalzt;
bis auf das Säen nur zweispannig, versteht sich. Der Roggen ist zuerst
geschnitten worden, und damit hat die Schnittsaison angefangen. Feldwachstum
bei gutem Boden und normaler Arbeit: 25-20 Z/kJ, bei schlechten Verhältnissen:
15 Z. Der Roggen hatte das meiste und längste Stroh, ca. 70-80 Z.
p. J. Mit ihm hat man gerne Getreide und Gersten gebunden, es war aber
auch für die Strohdächer das beste, mit ihm konnte man die Ställe
mit Stroh abdecken.
1.1.6 Bohnen
Sie wurden zum Verkaufen auf großer Fläche, wie Mais, mit der
Scharre oder mit der Maschine gesteckt. Für den eigenen Verbrauch
hat man sie zwischen den aufgegangenen Maispflanzen oder an das Feldende
gesetzt. Nach einer Bauernregel musste es mindestens einmal in die Bohnenblüten
hineinregnen, deshalb hat man das Stecken mit zeitlichem Abstand auf drei-viermal
gemacht. Gehackt hat man so wie beim Mais. Auf der Freifläche hat
man den Schnitt mit der Sichel oder maschinell erledigen können.
Beim größeren Anbau zum Verkaufen oder Vermahlen hat man die
Bohnen mit der Dreschmaschine gedroschen. Für den Eigenbedarf hat
man ein bis zwei Säcke ausgeklopft. Das Ausklopfen ist mit Dreschflegel
und Holzschaufel oder Holzgabel gemacht worden. Danach hat man mit der
Holzgabel das Bohnenstroh weggetan und die Bohnen in der Hand-Windmühle
gereinigt. Ertrag: zwischen 10 und 32 Z/kJ.
1.1.7 Futterrüben
Man hat sie am besten nach Getreide und Mais angebaut. Wichtig war das
einmalige Stürzen, dann Düngen, im Herbst tief und im Frühjahr
nach einmal flach Ackern, Eggen, Säen, Schleifen und Walzen. Das
Säen hat man mit einem Reihenzieher und das Streuen von Hand gemacht.
Zum ersten Mal wurde dann gehackt, wenn man die Reihen gesehen hat, zum
zweitenmal mit dem Lichten, wenn sich das Grobere/Gerupfte zum Verfuttern
gelohnt hat. Bei größeren Stücken ist mit der Maschine
abgeerntet worden. Samenbedarf per Katastraljoch: ca 3 kg; Wachstum in
Zentner: 400-600 per Katastraljoch.
1.1.8 Zuckerrüben
haben sich nur auf einem größeren Stück gelohnt, deswegen
konnte man sie nicht mit der Hand säen. Die Sämaschine war die
gleiche, wie bei Mais, nur hat man die Samenschaalen auf Rübensamen
eingestellt: sie mussten sich schneller drehen sowie viel mehr Samen in
die Reihen streuen. Gehackt und gelichtet wurden die Reihen zuerst mit
einem Hackpflug und einem Pferd und danach mit der Hand-Scharre. Sameneinsatz
ca 3-4 kg, Wachstum bis 400 Z., bei einem Zuckergehalt in der Wurzel von
12-15%. Im Krieg wurden die Zuckerrüben überdurchschnittlich
gut bezahlt, deswegen haben sie viele Bauern angebaut.
1.1.9 Klee
Er wurde alleine oder in Frühjahrgetreide eingesät. Mit Mais
nur dann, wenn das Feld nicht viel Unkraut hatte und nicht gehackt wurde
- was sehr selten oder nur beim ‘chemischen Hacken’ der Fall
war. Ob mit der Maschine oder von Hand, man hat dem feinkörnigen
Samen gern zwei Teile trockenen Sand zugemischt, dann ließ er sich
besser verstreuen. Die beste Zeit zum Kleesäen - wenn man genug freies
Feld hatte - war zeitlich im Herbst, so sind die Pflanzen noch bis zum
Frost stark genug geworden. Beim Säen in dem Getreide, sind die Stoppel
im nächsten Winter vermodert; wenn sie zu groß waren, hat man
sie umgeschlagen, (flach umgeackert) sonst gelassen, weil sie als Dünger
gegolten haben. Pferdeklee und Kuhklee sind auf die gleiche Weise angebaut
worden. Um die Kleemüdigkeit nicht aufkommen zu lassen, hat man,
nach dem dritten Jahr, etwas Kalkmehl streuen müssen. Länger
als sieben Jahre hat man kein Kleefeld ausgenutzt. Nach einer guten Feldbearbeitung,
hat man aber gleich noch einmal eine andere Kleeart säen können.
Den reifen Kuhklee hat man oft gehexelt und gemahlen und zu Viehschrot
dazu gemischt. Samen und Ertrag pro kJ: 3 - 4 kg bei ca. 50 Z. Heu in
den ersten 4 Jahren, mit 4-maligem Mähen; später nur mehr die
Hälfte, bis max. 7 Jahre, dann hat man das Kleefeld unbedingt umackern
müssen.
1.1.10 Sonnenblumen
Sie sind auf unsrem fetten Boden ,wie wild' gewachsen, das heißt,
dass sie keinen Mist und auch keine besondere Bodenarbeit nötig hatten.
Hat man ,zuviel Zeit und Geld’ eingesetzt, so sind sie zu fett gewesen
und die ganze Kraft war in den Stielen. Am besten man hat - mit Maschine,
wie den Mais - Mitte April, Anfang Mai - gesät, nach ein- oder zweimaligen
Ackern, wenn kein Frost mehr zu erwarten war. Auf frisch eingesäten
Feldern hat man Vogelscheuchen aufstellen müssen. Gehackt hat man
mit dem Mais, die reifen Samenköpfe mit der Hand und einem großen
Schlachtmesser, mit einem Hanfmesser oder einem ähnlichen Werkzeug
abgeerntet. Dabei musste man Acht geben, dass so wenig wie möglich
vom trockenen Samen verloren geht. Das hat geheißen, dass man gleich
beim Schneiden der Köpfen den Samen auffangen musste: In einem größeren
Sonnenblumenfeld ist zuerst eine Schleuse rausgeschnitten worden, dass
man mit einem Bauernwagen durchfahren konnte, dann haben zwei Schnitter
von rechts und links die Samenköpfe auf den mit einem Wergtuch überspannten
Wagen geschmissen, wo zwei Frauen mit kurzen Stöcken gesessen haben
und die Körner aus den Köpfen rausklopften; in kleinen Feldern
hat man die Samenköpfe in einen Korb geschnitten und auf den Wagen
geladen. Irgendwann im Herbst oder Winter, wenn man Zeit gehabt hat, hat
man auch die Stängel mit einem Hanfmesser oder einer Sichel –
1 J pro Person ca. 6 Tage lang – geschnitten, und so lang, wie sie
waren, aufgestellt und getrocknet und zum Anheizen vom Batzofen aufgehoben,
oder man hat sie für den Sparherd, mit einem Beil auf einem Holzklotz
klein gehackt. Im Krieg war der Anbau von Sonnenblumen Pflicht, z. B.
auf 2-3 Joch, bei einem Besitz von ca. 60 J. Samenbedarf und Fechsung
p. J.: ca. 18 kg Samen haben 18 Z Körner in einem guten Jahr gebracht.
In Ölwert ausgerechnet hat man aus einem guten Jochertrag rund 400
l Öl in der Ölfabrik ausgepresst. (Da das Sonnenblumenöl
am meisten Arbeit gemacht hat und deswegen teuer war, ist es gern mit
anderen Ölarten, z.B. aus Raps, Wicke, Leinen- und Zierochsamen gemischt
worden. Im und nach dem Krieg hat man in Ungarn ein Senfgras - lat. Echinochloa
crus-galli - angebaut; noch heute heißt es, dass nie ein reines
Öl auf den Markt kommt, ganz egal, was auf der Verpackung steht).
1.1.11 Hanf
Hanf war bis in die Kriegsjahre – als ihm die Sonnenblume den ersten
Platz wegnahm - unser wertvollstes Industriegewächs, und hat seinen
Erzeuger am schnellsten reich gemacht. Groß und stark sind die Stängel
nur auf gutem Boden, mit Stallmist und mindestens zweimaligem Ackern,
geworden. Nach dem Einsäen, mit der Getreidesämaschine, 15 cm
voneinander, oder von Hand breitwerfend, hat man den Hanf bis zum Schneiden
vergessen können. Der Schnitt ist in der zweiten Augusthälfte
- dann, wenn die weiblichen Blüten voll auf und der Stängel
noch grün war - gemacht worden, was nur Maschinen schnell genug erledigt
haben. Da es aber noch nicht so viele Maschinen gegeben hat und diese
sich auch nicht jeder leisten konnte, hat man soviel wie möglich
Tagelöhner gerufen und mit Hanfsicheln geschnitten. Die Hanfsichel
war extra vom Schmied aus alten Sensen gemacht und hat auch einen kürzeren,
stärkeren Akazienstiel gehabt. Geschnitten hat man entweder nebeneinander,
wenn die Schnitter neu bei der Arbeit waren, oder im Akkord, wenn sie
Erfahrung hatten. Was man mit der Hand und Fingern festgehalten hat, war
der Schaub, aus zwei-drei Schauben hat man ein Büschel gemacht, und
hat sie zu jeweils 10 Büscheln zu einem Häufchen aufgestellt;
mehrere trockene Häufchen haben Schober ergeben. Wenn man vom Samenhanf
reifere Samen, zum Säen oder Rösten als Leinsamen für Leinöl
lassen wollte, hat man noch zwei-drei Wochen später geschnitten.
Für das Handsäen hat man 20 kg Samen gebraucht und für
das Maschinesäen oder Drillapparat 15 kg/kJ. Eine eigene Zählung
hat geholfen die Hanffechsung auf sandigem Boden - bei uns im östlichen
Bács-Kiskun - zu schätzen: Auf einem Joch sind in geschnittenem
Zustand ungefähr 20 Schober weibliche und männliche Hanfstängel
gestanden, mit einem Grunddurchmesser von ca. 3m.
Weitere Hanfverarbeitung: acht bis vierzehn Tage haben die Häufchen
in der prallen Augustsonne stehen und trocknen müssen, dann sind
die Büschel in Schichten ins Röstwasser gelegt worden. Gut war
sowohl stehendes als auch fließendes, ca. 1 m tiefes Wasser; das
stehende Wasser ist durch eine Schleuse mit einem Fluss oder Kanal verbunden
worden. Da konnte man vor und nach jedem Rösten das Wasser austauschen.
In den Batschka-Dörfern, wo viel Hanf angebaut worden ist, hat man
nicht in Fließwasser rösten dürfen, weil das Röstgift
den Fischen geschadet hätte. Die meisten alten Lehmgruben waren gute
Röstgruben. Damit der Rösthaufen nicht verrückte, hat man
Schicht um Schicht an beiden Enden mit Schlamm/Dreck zugedeckt und mit
einen Strick angebunden. Je nachdem, wie das Wetter war, hat das Rösten
8 bis 14 Tage gedauert. Solange haben die Hanfstängel gebraucht,
bis sich das Holz von der Faser losgelöst hat. Um das festzustellen,
ist man öfters in das bauchtiefe Wasser gestiegen und hat mehrere
Röstproben genommen. War man zufrieden, ist der Schlamm abgeräumt
worden, und die Hanfbüschel hat man aus dem Wasser gehoben und auf
der Wiese zum Trocknen ausgelegt. Beim Trocknen hat man die Büschel
umdrehen müssen, was am besten gegangen ist, wenn man vorher Stangen
unter sie gelegt hat. Zwei starken Männer haben so eine ganze Schicht
auf einmal wenden können. War nicht genug Platz zum Auslegen vorhanden,
so hat man die Büschel im Stehen als Schoberkegel zum Trocknen aufgestellt.
Zum Schluss hat der Bauer noch für die Abfuhr sorgen müssen,
auf die Triste im eigenen Hof oder zu einer Hanffabrik, wo soviel Hanf
zusammengekommen ist, dass viele Leute das ganze Jahr damit zu tun hatten.
1.1.12 Flachs
Den kleine Bruder des Hanfes baute man auf schlechterem Boden an, in der
Arbeitsfolge, wie bei jenem. Je dichter er stand, umso weniger hat das
Unkraut nachkommen können, so dass man beim Einsäen lieber etwas
mehr Samen genommen hat. Das Schneiden und die Weiterverarbeitung ist
wie beim Hanf gegangen. Nur der Nutzen war klein, deswegen ist er meistens
nur für eigene Verwendung oder für den Pferdedeckenweber extra
angebaut worden.
1.2 MASSEN-, SONDER- UND SAMENANBAU
Feldkartoffeln, Raps, Zichorie, Zirok, Tabak, Feldzwiebeln, Feldkraut,
Saubohnen, Felderbsen, Hirse, Wicke und alle Samenarten.
1.2.1 Feldkartoffeln
Sie wurden von größeren Bauern für den städtischen
Markt angebaut. Dafür war ein ausgeruhter Boden gut, der vor dem
letzten Ackern - im Frühjahr - guten Stallmist bekommen hat. Bei
trockenem Boden sind mit einem vierfachen Reihenzieher Reihen gezogen
worden, und man hat die Kartoffeln zu zweit ca. 10-15 cm tief einzeln
gesteckt: Während einer mit der Hacke ein Loch aufgehackt hat, hat
der andere die Kartoffeln hineingeschmissen; danach hat der erste den
Grund der Hacke wieder ins Loch zurückgeschüttet; beim zweiten
und allen weiteren Löchern hat man im Gehen den Grund vom nächsten
ins vorherige Loch geschüttet. Dass die Arbeit durch ständiges
Auffüllen vom Trageimer oder Tragkorb nicht lange unterbrochen werden
musste, sind die Säcke mit den Setz- oder Steckkartoffeln auf einem
ganzen Feld verteilt worden. Gehackt hat die stärkste, gesetzt die
schwächere Person. Das Pferde- oder Traktorstecken hat man mit einem
metallenen, oder höheren Reihenzieher gemacht, der vom Traktor gezogen
wurde, so, dass die Steckfurchen gleich tief genug waren, und man die
Kartoffeln im Abstand von 20-30 cm hineinschmeißen konnte. Ebenso
hat man mit einem handgezogenen Reihenzieher gearbeitet. Die ganze gesetzte
Fläche ist mit einer Schleife zugeschleift und, bei trockenem Boden,
überwalzt worden; feuchte Böden hat man nicht einwälzen
müssen. Die modernsten Wirtschaften haben aber auch schon Setzmaschinen
gehabt, die ein- oder zwei Reihen - von Pferden gezogen - oder drei-vier
Reihen - vom Traktor gezogen - auf einmal setzen konnten. Nach vierzehn
Tagen hat man die Kartoffelreihen gesehen, und konnte sie vorsichtig,
die geraden Reihen entlang eggen, was eher das Hacken erspart hat. Noch
mal drei Wochen später hat man sie mit einem Hackpflug - zwischen
den Reihen - und mit der Hand - zwischen den Stöcken - gehackt. Beim
zweiten Hacken hat man gehäufelt - das auch mit einem Häufelpflug
oder mit der Hand gegangen ist. Am guten Blühen hat sich die Fechsung
gezeigt. Herausgehackt bzw. geerntet wurden die Kartoffeln mit der größten
Hacke oder mit dem tiefgestellten Hackpflug. Bei dem Lohnanbau ‚um
die Kartoffelhälfte’ hat der Auftraggeber/Feldbesitzer nur
die Steckkartoffeln gegeben und alle Arbeiten von einem Kartoffelbauer
machen lassen; das Misten war Sache des Bauern. Bei einem 1/3 Fechsungslohn
hat der Feldbesitzer das fertig gemistete und geackerte Feld und die Steckkartoffeln
gegeben, der Tagelöhner hat alle Arbeiten gemacht. Stecksamen-Kartoffel
hat man pro Joch gebraucht: ca. 20 Säcke oder 10 Z = 1000 kg. Sorgfältig
gearbeitet und eingesammelt ergab ein Joch tiefen, guten Bodens ca. 200
S. oder 100 Z. Kartoffel, was die Steckkartoffeln mindestens verzehnfacht
hat. Die zwei bekanntesten Kartoffelarten für Großanbau waren
die größeren Weiß- und die festeren Rotfleischigen.
1.2.2 Feldzwiebeln
Sie wurden von Hand, oder wie die großgezogenen Pflanzen, mit der
Steckmaschine gesteckt. Im größeren Stück hat man sie
zum Verkaufen angebaut, die Samen- und Steckzwiebeln in einem städtischen
Samenladen gekauft oder großflächig selber eingesät. Das
ist am besten in einem alten Boden mit dichtem Wurf geschehen, so dass
die Zwiebelchen bis zum Rausmachen im Sommer nicht zu groß waren.
Zum Kleinanbau hat man sie immer selber gezogen, so dass man beim Zwiebelpflücken
im Herbst eine Reihe stehen gelassen hat. Nur im strengen Winter sind
die flach eingeackerten Zwiebelköpfe verfroren. Wenn man aber sicher
gehen wollte, hat man beim Zwiebelstecken im Frühjahr ein-zwei Dutzend
alte, gesunde Köpfe ans Beetende eingegraben. An Zwiebelarten haben
wir die braune und lilafarbene gehabt, die die gleiche Arbeit benötigten.
Lilazwiebel waren nie so scharf und sind gerne von den städtischen
Hausfrauen zum rohen Essen gekauft worden. Zwiebel hat man am besten mehrere
Jahre hintereinander, im tiefen Boden, der nicht gemistet war, angebaut.
Wenn man auch im Winter frische, junge Zwiebelchen essen wollte, hat man
nach der Ernte im August ein zweites Mal gesteckt. Fechsung p. kJ. bei
einmaligem Anbau: 100 - 200 Z.
1.2.3 Kraut
Es ist als Weiß- oder Kopfkraut für den Markt mit vorgezogenen
Steckpflanzen angebaut worden. Alle tieferen Felder in Donaunähe
waren für das Kraut ideal, wenn sie gut gemistet und geeggt worden
sind. In der Frühpflanzung, nach dem Frost im April, hat man kleinere
Abstände gehalten, ca. 35 - 45 cm, beim Setzen im Juni sind größere
Abstände nötig gewesen, weil die Köpfe groß gewachsen
sind. Regelmäßiges Hacken - Scharren - und, wenn es nötig
war, gegen Blattläuse Spritzen, hat schönes Kraut für den
Markt und zum Einlegen für Sauerkraut gegeben. Im Großen hat
man nur das Weißkraut angebaut. Fechsung: 200 - 300 Zentner p. kJ.
1.2.4 Weiß- oder Kochbohnen
Sie hat man in grünen Arten nur in Büschel im Garten angebaut.
Als Feldbohnen wurden sie an die Großhändler verkauft, welche
daraus Säcke zwischen 2 und 10 kg abfüllten und an die Märkte
und Geschäfte weiterverkauften. Im Krieg, als man viele Bohnen angebaut
hat, hat man Bohnenmehl unter das Fruchtmehl zum Brotbacken genommen,
und manchmal auch statt Maisschrot in die Futterbrühe fürs Vieh
gemischt. Die Bohnenwurzeln haben beim Wachsen viel Stickstoff gesammelt,
deswegen hat man sie in einer guten Wechselwirtschaft antreffen können.
Beim Abernten hat man Acht gegeben, dass man die Wurzeln nicht rausrupft,
so war der Boden für das nächste Jahr besser gedüngt.
Saubohnen haben unsere raizischen und ungarischen Nachbarn lieber, als
wir, angebaut, da sie die großen Bohnen gerne zu den weißen
Kochbohnen, und als Schrot zum Viehfutter gemischt haben. Angebaut hat
man die Kletterart zwischen Mais, Sonnenblumen oder allein mit Stange
und am Zaun entlang. Da man das Feld nicht so sehr misten durfte, ist
als Maisart am liebsten Koch- oder Popcornmais zwischen die Bohnen gesetzt
worden. Die Saubohnen hat man auch grün Pflücken können,
da waren sie noch besser, als ausgereift, wobei sie lange nicht so gut
geschmeckt haben, wie die Weißbohnen. Zweijährige Bohnensamen
haben mehr Ertrag gegeben. Bei Regenwetter hat man die grünen Bohnen
nicht abmachen dürfen, weil sonst die Stöcke nicht mehr so gut
geblüht haben. Fechsung: 40 - 60 Bohnenstöcke haben ca. 45 –
50 kg Bohnen gebracht.
1.2.5 Felderbsen
Erbsen hatten alten Boden gern, was hieß, dass man nicht frisch
misten durfte. So sind sie nicht ins Kraut geschossen. Den ziemlich winterharten
Erbsensamen hat man schon sehr früh - Ende Februar - ausstreuen können.
Wenn man über einen längeren Zeitraum verteilt gesät hat,
hatte man den ganzen Sommer über junge Erbsen. Der Rest ist im Herbst
abgeerntet worden, und man hat ihn, wie die Weißbohnen, für
den Winter aufgehoben. Samenverbrauch und Fechsung ungefähr wie bei
den Bohnen.
1.2.6 Raps
Raps wurde meist als Sommerraps angebaut. Als Winterraps nur, wenn man
ihn als Gründünger im März untergeackert hat. Raps ist
gut nach Klee gewachsen und hatte als Nachgewächs Winterfrucht und
Winterroggen. Am größten war der Nutzen, wenn einmal Sommer-,
und gleich danach Winterraps angebaut worden ist. Da hat das Vieh eine
fette Mastzutat bekommen und das Feld auch stickstoffreichen Mist; das
hat geheißen, dass der Raps vielmehr Boden-Stickstoff über
Winter sammeln konnte, als andere Gewächssorten. Je nachdem, ob man
im Herbst oder Frühjahr gesät hat, ist pro Joch als Handsamen
2 oder 4 kg notwendig gewesen. Fechsung 6-8 Z p. kJ. Verwendung: als Schrotbeimischung
zum Rinderfutter und - in größerer Fechsung, als Ölfrucht,
zum Verkauf; dabei ist man von einem Ölanteil von ca. 200 l/kJ ausgegangen.
1.2.7 Hirse
Hirse oder Grünkern hat man hauptsächlich auf ärmerem Boden
angebaut und in Zeiten, als es keinen Importreis gegeben hat - im und
nach dem Krieg. Hirse gab es in 3 Sorten, die sich farbig voneinander
- rot, grau und gelb - unterschieden. Je nachdem, ob man sie zum Kochen
und Mahlen oder zum Verkaufen als Vogelfutter für städtische
Geschäfte gebraucht hat, sind von ihnen viel oder wenig angebaut
worden. Die Feldarbeit im Herbst war wie beim Roggen - anspruchslos -,
und gesät hat man mit der Maschine und breitwürfig von Hand.
Der Schnitt ist nach dem Getreide gekommen, das Dreschen mit der Dreschmaschine
war nach allem anderem angesetzt, da die Spreu und das Stroh andere Arbeiten
nötig gemacht haben. Fechsung p. Joch ca. 20 Z/kJ.
1.2.8 Wicke
Sie hieß auch Futterwicke und wurde gerne als Grünfutter, und
zwar zwischen dem Roggen angebaut, wenn der nur zum Schroten genommen
worden ist. Als Grünfutter ist die Wicke auch mit anderen Samenarten
gemischt und ins Stoppelfeld eingesät worden: Wildklee, Raps, Weidengras
oder Wintergerste. Abgeerntet hat man sie, wenn sie voll ausgewachsen
war in solcher Menge, die man verfuttern konnte, oder dann im Spätherbst,
wenn sie als gutes Heu für die Milchkühe genommen oder für
Ölsamen gedroschen worden ist.
1.2.9 Zichorie
Von den Batschkaer Bauern wurde sie als Grünfutter, auf kleinen Stücken
für das eigene Vieh, angebaut. In großer Menge haben sie die
Geschäftstüchtigen, auf Vertrags-Bestellung, für die Kaffeefabriken
produziert. Der Samen und die Wurzel haben im trockenen Zustand den Grundstoff
für Malzkaffee abgegeben. Die Blätter hat man als Gemüse
gekocht oder verfüttert. Angebaut ist in Reihen worden, wie Mais,
nur dichter, weshalb man am besten mit Maschinen gesät hat; von Hand
ist in die Zieherreihe, wie beim Rübensäen, der Samen gestreut
und angewalzt worden. Demnach hat man auch die Pflänzchen vereinzelt,
in einem Abstand von ca. 20 cm. Zum Abkochen zu Futter hat man die Blätter
genommen, solange sie grün waren, für Malzkaffee haben die Stöcke
reif sein müssen.
1.2.10 Zirok oder Moorhirse
Das war ein zweifach nützliches Samen- und Besengewächs. Meist
hat man es in Reihen, seitlich am Rüben- oder Kartoffelfeld angebaut;
was heute noch überall zu sehen ist. Die bis zu einem Meter hohen
Stängel haben, wenn sie ca 20 cm voneinander gestanden sind, große
Samenpinsel bekommen. Abgeerntet hat man die Stängel am Boden, wenn
der Samen reif war, von Hand oder mit einer Hanfmaschine. Solange die
Samenpinsel nicht trocken waren, wurden sie, mit einer Mohrhirsenschere
vom Samen befreit. Was man von den Stängeln nicht für eigene
Besen gebraucht hat, ist an Nachbarn kostenlos oder an den Besenbinder
gegen Geld abgegeben worden.
1.2.11 Tabak
In der Batschka war Tabakanbau eine Arme-Leute-Arbeit auf sandigem Boden.
Aus dem gekauften Samen hat man in einem Frühbeet, ab Ende Februar,
die Pflanzen vorgezogen und sie Anfang Juni, wenn sicher kein Frost mehr
zu fürchten war, in gewöhnliche Reihen in einem Abstand von
ca. 25 cm zueinander, in den gut vorbearbeiteten Boden gesetzt. Tiefes
Ackern und Misten waren wichtig, und das Angießen der Pflanzen mit
der Gießkanne aus einem Fass auch, wenn nach dem Setzen kein Regen
in Aussicht war. Haben aber die Setzlinge die erste Woche überstanden,
sind sie auch ohne viel Wasser weitergewachsen, weil sie von der reichlichen
Batschkaer Nachtfeuchtigkeit gelebt haben. Bis Mitte August hat man alle
vierzehn Tage gehackt und danach schon die untersten Blätterreihen,
die noch keine gute Tabakqualität hatten, abgerupft. Es hat Grünfechsung
und Ablieferung gegeben, und jene, die in grünem Blätterzustand
gerupft und getrocknet worden sind; die erste hat 60 - 80 Z pro Joch gebracht,
die zweite - nach dem Trocknen - 7 - 8 Z.
Die Tabakernte hat bei der zweiten Blätterreihe von unten angesetzt,
und ist in wöchentlichen Abständen so lange gegangen, bis die
Samenkrone voll aufgeblüht und nur noch zwei-drei kleinere Blätterreihen
auf dem Stängel waren. Die Stängel selber hat man, wie Sonnenblumen,
im Winter geschnitten; sie haben auch ein gutes Heizmaterial ergeben.
Beim Abmachen von den gelben, reifen Blättern hat man in die Reihen
Haufen, in der Höhe von einem halben Meter, glatt aufeinander gelegt.
Am Abend sind die Haufen hinaus an den Fahrweg nebeneinander gekommen
und ein Wagen hat sie nach Hause gefahren. Spätestens am nächsten
Tag hat man sie auf eine sechs Meter lange Hanfschnur - vier Meter lang
- aufgefädelt und unter das Schuppendach zum Trocknen gehängt.
Ist man nicht gleich zum Fädeln gekommen, haben die Blätter
den Tabaksbrand bekommen und sind minderwertig geworden.
Das Tabaktrocknen begann mit dem Fädeln, und das durfte keine Hudelei
sein. Man hat dafür eine einen halben Meter lange Stahlnadel genommen,
die an einem Ende flach angespitzt und am anderen flach geklopft und gelocht
war. Der Stich durch die Tabakstängel hat kein großes Loch
beim Auffädeln gemacht, wenn das gelochte Ende noch ein bisschen
abgeschliffen war. War die Schnur voll, hat man Acht geben müssen,
dass die Tabakblätter nicht aneinander klebten; das ist so verhindert
worden, dass man sie mal rechts, mal links aufgefädelt oder mit der
Hand einzeln gerichtet hat. Aufgehängt sind die Schnüre - mit
je 1 m leerem Ende - neben und übereinander so worden, dass die Blätter
nicht zusammengekommen sind. Bei gutem Wetter war der Tabak in drei-vier
Wochen trocken und man hat ihn auf dem Dachboden ganz eng neben- und aufeinander
gehängt, bis es dann im Winter ans Sortieren und Verpacken gegangen
ist in netzartige Tabaksäcke zu je 30-35 kg. Die Tabakfabrik hat
für drei verschiedene Blätterqualitäten sehr unterschiedlich
gezahlt, weshalb man möglichst viel A- und B-, und weniger C-Wert
haben wollte. Pflanzen pro Joch: ca. 15 tausend Setzlinge, die man aus
ca. 3 g Samen im Frühbeet gezogen hat.
Einkommen hatte der Tabakbauer in Geld ungefähr soviel, wie ein Taglöhner
in einem ganzen Jahr verdiente. Die Fädlerarbeit hat pro fünfzig
Schnüre ca. ein kaltes Tagesessen eingebracht; und wenn ein Tabakfädler
fleißig war, hat er in 6 Minuten eine Schnur mit ca. 260 Tabakblättern
aufgefädelt; Das waren an einem Tag mit 10 Arbeitstunden 100 Schnüre.
In Geld kann man den Lohn eines Lohnfädlers nicht genau ausrechnen:
unsere schlauen Bauern haben ihm pro eingefädelte Schnur soviel gegeben,
dass er am Ende etwas mehr verdient hat, als bei anderen Taglohnarbeiten.
Das meiste am Tabak hat schon immer die Zigarettenfabrik und der Staat
verdient. Nach einer Schätzung hat sich der Preis für ein Kilogramm
erstklassigen Rohtabak, den man dem Bauer gezahlt hat, bis zum Zigarettenpreis
im Geschäft ca. 473 Mal vervielfacht.
1.2.12 Samenanbau
Unsere Bauern haben selten Samen gekauft. Nur wenn sie neumodische Arten
angebaut haben, holten sie die erste Saat in der Stadt, beim Samenhändler.
Die meisten einheimischen Sorten sind durch Selbervermehrung ganz gut
gewachsen: Getreide und Gersten als Winter- und Sommerart, Roggen, Futtermais
– von allem Feldgewächs verwarte der Bauer die beste Qualität
als ausgelesenen Samen für das nächste Jahr. Bei Rüben,
Hanf, Klee und ein Paar Stecklingen hat man schon beim Reifwerden im Sommer
an die nächste Saat gedacht. Rüben wurden stehen gelassen und
über den Winter gegen Frost geschützt. Nur wenn sie im Frühjahr
nicht ausgetrieben haben, hat man kleinere, alte Rüben vom Vorjahr
nachgesteckt. Diese haben beim Anwachsen große, starke Samenköpfe
herausgetrieben, die man im Sommer abgeerntet hat. Hanfsamen zum Säen
hat man bekommen, wenn man am Feldende einige Reihen weiblicher Stängel
beim Hanfschneiden stehen und ausreifen ließ. Nach dem normalen
Trocknen, wie beim Grünhanf, hat man den Samen ausgerieben; dass
die anschließende Brech- und Hechelarbeit nicht so schönen
Hanf gegeben hat, ist verständlich. Röstsamen - Leinsamen für
Leinöl - hat man in der Menge nicht getrennt anbauen können,
sondern man hat die weiblichen Samenstängel mit den männlichen
gleichlang stehen lassen und sie dann miteinander geröstet. Bei Kleesamen
war es ähnlich: statt in der Blüte, hat man ihn nach dem Ausreifen
gemäht und den Samen ausgeklopft. Manchmal ist der Klee sowieso,
in getrocknetem Zustand, zu Schrot vermahlen worden, da hat man das Kleingehackte
paarmal durch die Windmühle laufen lassen und den Samen vom Stiel
und den Blättern getrennt. Bei der Samenfechsung war es wichtig,
dass der Bauer mehr Erfahrung hatte und besser aufpasste, als beim normalen
Anbau. Deswegen hat es ein paar Fachleute gegeben, die auch für Nachbarn
oder für den Verkauf angebaut haben. Samenverbrauch: pro Joch hat
man meistens ca. 150 - 160 kg Fruchtsamen, 130 kg Gersten, und Roggen,
120 kg Hafer, 10 kg Mais, 40 kg Hanf, 5 kg Bohnen, 3 kg Rüben gerechnet.
1.3 VORBEREITUNG DER BÖDEN
Unsere meist tiefen Humusböden haben ein sorgfältiges Düngen,
Ackern, Eggen, Schleifen und Walzen gebraucht, um eine optimale Fechsung
zu bringen.
Unter Düngen haben wir solches mit Stallmist und Grünmist
verstanden, weniger mit gekauftem Kunstdünger. Stallmist und Klomist
haben wir nicht extra auf das Feld gefahren, weil das alles auf dem Misthaufen
gesammelt worden ist. Im Spätjahr, wenn alle Fechsungen im Haus waren,
ist man ans Mistfahren gegangen. Dazu hat man den längsten Leiterwagen
seitlich mit Brettern abgedichtet und vom vorderen bis zur hinteren Schragel
dammartig beladen. Dabei ist das Sitzbrett des Bauern weggekommen und
die Pferdedecke oben auf die Mistfuhre gelegt worden. Halb rittlings hat
eine Person auf der Werkdecke gut sitzen können. Ist aber noch ein
Helfer zum Abladen mitgekommen, so hat man einen Doppelsitz auf die Fuhre
gemacht, indem man die Ladung vorne abflachte. Draußen auf dem Feld
ist der Mist gleich verteilt worden. Beim Frühjahrmisten hat man
ihn zuerst am Feldende auf einen Haufen gesetzt, wo er noch über
den Winter gären konnte. Wenn es im Frühjahr Zeit zum Ausstreuen
war, ist der Mist wieder mit einem großen Leiterwagen in Haufen
von je einem Zentner übers Feld verteilt und nachher mit der Mistgabel
verstreut worden.
1.4 Düngen und Düngerarten
Düngerarten kannte man: als Strohmist – Geflügelmist,
Verbrauch p. Joch 10 bis 15 Z; Schweinemist - 200 bis 250 Z ; Kuh-, Pferde
und Schafmist - 300 bis 400 Z . Man muss davon ausgehen, dass auf den
längsten Bauernwagen ca. 20 Z Strohmist gegangen sind, was uns zeigt,
wie lange und mühselig das Feldmisten war, und wie gern man es durch
eine sinnvolle Wechselwirtschaft ersetzt hat. Eine besondere Verwendung
hat man im Frühjahr für den Pferdemist gehabt: da hat man ihn
ca. 30 cm tief unter die Humusschicht eines frühen Mistbeetes, 10-15
cm dick gestreut, was zweifachen Nutzen gegeben hat – Düngen
und Wärmen durch die Gärung.
Gründünger haben unsere Bauer nach dem Stoppelackern angebaut:
Wildklee, Wicke und wilde Lupine. Die hat man bis zum ersten Frost stehen
lassen, und sie dann flach eingeackert. Wenn man solches Misten besser
ausnutzen wollte, hat man ein Anbaujahr ausgelassen. Ende März bis
Mai hat man mit der Hand den Samen ausgesät - ca. 3 kg pro Joch.
War der Grünmistsamen nicht ausgehülst oder nicht sauber, hat
man das doppelte genommen. Umgeackert hat man immer im Spätherbst.
Kunst- oder Handelsdünger haben größere Wirtschaften
nehmen müssen, weil sie nicht genug Stalldünger hatten. Die
aus Deutschland über Großhändler und Genossenschaften
gekauften Kunstdünger sind hauptsächlich auf Kalk- und Stickstoffbasis
gewesen. Phosphormehl und Salpetersalz haben jedes Misten dann ergänzt,
wenn man sie als letzte im sogen. Kopf- oder Übermisten ausgestreut
hat. Alle Getreidearten hat man am besten in der Winterruhe gedüngt,
dann hat sich der Dünger langsamer aufgelöst. Zuviel Salpeter
hat zu Rostbefall geführt. So hat man mit einem Kunstdünger
viel mehr Acht geben müssen, als beim Stallmist. Nur wer sich die
Mühe gemacht und eine Genossenschafts-Schulung besucht hat, war vor
deren Schaden abgesichert. Sonst hat er viel Lehrgeld gezahlt - und ist
schließlich zu teurem, fremdem Kuhmist zurückgekehrt.
Beim Düngen von Hand hat man entweder breitwerfend den Kunstdünger
über das Feld und die junge Flachsaat verteilt oder hat, wie z. B.
bei allen anspruchsvollen Reihenpflanzen, an die Steckwurzel eine handvoll
Kunstdünger geschmissen. Mit einer hochgebundenen Schürze ging
man zwischen den Reihen und hat im halben Bücken, in die Nähe
des Wurzelstockes Mistsalz hingeworfen. So etwas war eine langwierige
Arbeit, die sich aber ausgezahlt hat.
1.5 GEWÄCHSKRANKHEITEN UND SCHÄDLINGE
Beim Nutzgewächs hatte man oft Ausfälle wegen der Schädlinge,
die schon mit der Saat in den Boden gekommen sind, aber auch durch natürliche
Arten aus dem Boden oder aus der Luft. Außer beim Hagelschäden,
bei denen nur die Hagelversicherung Schutz geboten hat und das sofortige
Abmähen wenigstens Trockenfutter gegeben und vielleicht eine neue
Zweitsaat zugelassen hat, haben alle anderen Schäden bekämpft
werden müssen. Als bekanntester Befall der Getreidearten hat man
den Blasenfuß, die Halmwespen - Halmfliegen, den Steinbrand und
den Rostpilz gekannt. Der kleine Käfer des Blasenfußes hat
die Ähre vernichtet, und wo er vorgekommen ist, hat man gleich beim
Dreschen das Getreide abgesondert und die Stoppel flach gestürzt;
die Fechsung war nur für Schrotmalen gut. Wo der Fruchtkäfer
in dem Getreide geblieben ist, hat man ihn auf dem Boden bekämpfen
müssen. Das hat man so gemacht, dass man einen größeren
Schafspelz mit der Wolle nach oben ausgelegt hat, wo der Käfer hineingekrabbelt
ist. Vor dem Lagern der Fechsung ist das Lager gut ausgetüncht oder
mit Formalin ausgespritzt worden. Bei Wespenbefall hat man weniger geerntet
und das Stoppelfeld anbrennen müssen. Der Steinbrand ist von schlechtem
Saatgut gekommen und hat braunes, schlechtes Mehl gegeben. Bei dem hat
man nur das nächste Mal besseres - gebeiztes - Saatgetreide nehmen
können. Sonst sind alle Pilzkrankheiten durch zu fetten Boden und
zuviel Regen gekommen. Man hat nur so vorgesorgt, dass man die Saat gebeizt
hat. Die Saatbeize ist mit heißem Wasser, aber auch mit Kupfervitriol
oder trockenen chemischen Mitteln gemacht worden. Beim Heißwasser
hat man Acht gegeben, dass man nicht auch den Keimling mitabgebrüht
hat. Kurzes Überschütten und Trocknen hat viele äußere
Pilze vernichtet; an die inneren ist man nur mit einem Risiko, dass auch
der Keim abstirbt, drangekommen. Kupfervitriol war wie ein Hammer für
die Getreidearten, weshalb man sehr Acht geben und auch Ahnung über
die Wirkung haben musste. Das einfachste war, man hat zum Beizen auch
neumodisches Spritzmittel aus Deutschland in die Rebespritze getan und
hat es genau nach der Beschreibung über den Samen verspritzt. Solche
Mittel hat es für alle Arten von Nutzgewächs gehabt und gegen
Käfer, wie gegen Würmer und ihre Larven. Bei Kartoffelbefall
hat es am Stock als Mehltau und Schorf, Kartoffelkrebs und Kreuselkrankheiten
gegeben. In den Kriegsjahren ist auch schon der Coloradokäfer aufgetaucht,
den wir Kinder mit der Schulklasse einsammeln mussten. Gegen Wachstumskrankheiten
hat man mit ausgesuchtem Setzgut vorgesorgt, dann mit restlosem Verbrennen
des Blattzeugs und Tünchen des Lagerkellers an den Wänden und
am gestampften Boden. In einem heißen Sommer hat man sehr genau
nach der Reife die Kartoffeln ernten müssen, weil sie sonst schnell
den Hitzschlag bekamen.
Ungeziefer, das man immer bekämpfen musste, waren die nimmersatten
Vierfüßler, wie Mäuse, Wühlmäuse, Ratten, Maulwürfe,
Hamster, die draußen auf dem Feld, aber auch beim Gelagerten Schaden
angerichtet haben. Die ersten drei Arten hat man mit verschiedenen, selber
gemachten und vom Schmied geholten Fallen getötet; die bekannteste
war eine einfache Drahtfalle, welche der Bauer so gemacht hat: in ein
5 cm dickes, 15 cm breites Brett hat er ein paar Mäuselöcher
als Sacklöcher gebohrt. Auf der Hinterseite von jedem Loch ist ein
Ende eines 25 cm langen Regenschirmdrahtes festgenagelt worden, der am
vorderen Ende eine Schleife aus einem dünnen Draht hatte. Über
die Schlupflöcher vorne wurde noch eine Lochplatte mit den gleichen
Löchern, wie im Brett, daraufgenagelt. Zwischen der Platte und dem
Brett war soviel Platz, dass man die Drahtschleife von oben durchziehen
und spannen konnte. Bei einem Zentimeter hinten an der Platte waren zwei
kleine Löcher von oben nach unten durchgebohrt, durch die ein mittelstarker
Zwirn den gespannten Regenschirmdraht so über einem jeweiligen Mausloch
abgebunden hat, dass die Schleife genau ums Mausloch gespannt war. Wenn
tief im Loch etwas Speck hineingestopft war, hat die Maus den Faden durchgebissen
und ist von der Schleife geschnappt worden, noch bevor sie den Speck gehabt
hat. Wer weiß, vielleicht stammt der Spruch, ,da beißt die
Maus keinen Faden ab’, von solchen Drahtfallen und überschlauen
Mäusen, die der Verlockung wiederstehen konnten und - was selten
vorgekommen ist - am Leben geblieben sind. Ratten- und Hamsterfallen waren
meist Schnappfallen mit zwei Halbbügeln, die von einer Feder über
dem Lockfutter gespannt waren; schon beim ersten Probieren und Reißen
am Speckstück, haben die Bügel zugeschlagen. Für Mäuse
und Ratten, zum lebendigen Fangen, hat es auch verschiedene große
Schlupffallen gehabt, in die die Viecher hinein, aber nicht mehr hinaus
gekommen sind. Marder-, Iltis-, Hamster und Bisamfallen waren meist Schnappfallen.
Den Maulwurf hat man in seinem Loch ausgeräuchert oder mit viel Wasser
vertrieben. Was man bei der Bekämpfung der lästigen Vierfüßler
selten gemacht hat, war die Verwendung von Gift; man hätte damit
auch bei nützlichen Kleinviechern viel Schaden angerichtet. Wenn
überhaupt, dann hat man Mäusegift nur gegen Wühlmäuse
im Boden eingesetzt. Vogelscheuchen gegen ungerufene Gäste aus der
Luft sind dort aufgestellt worden, wo viele Vögel vorkamen: in Waldnähe,
am Wasser und auf dem Acker mit langsamen Anwuchsarten und Ölfrucht
- z. B. Herbstklee und Sonnenblumen. Egal wo, die Lumpenscheuche musste
schon von weitem gesehen werden und war einem Bauernmenschen ähnlich.
Gegen Stare und Elstern haben nachgemachte große Vögel, aber
am sichersten aufgehängte von der eigenen Art geholfen; wo die ein
Paar Tage an langen Stöcken mit Schnüren im Wind hin und her
geschaukelt haben, ist ein Sommer lang kein Vogeldieb-Artgenosse aufgetaucht.
Handscheuchen hat es noch als Klapper, Ratsche und Karbidböller gegeben
1.5.1 Unkraut und Bekämpfung
Eine gute Feldarbeit hat Schadengewächse erst gar nicht stark aufkommen
lassen. Wenn aber zuviel Disteln, Hederich, Klatschmohn, Huflattich und
Quecke gewachsen sind, hat man durch Rausrupfen und Stechen etwas lichten
können. Ist der Samen vom Unkraut reif geworden, hat es nichts anderes,
als Reinigen des Getreides in der handgetriebenen ,Windmühle’
und mehrmaliges Umackern, gegeben. War das nächste Jahr nicht besser,
hat man auf einem Acker zweimal hintereinander nur Grünfutter angebaut.
An dem Querweg/Feldweg hat man auch immer das Unkraut vor dem Blühen
vernichten müssen. Mehrmaliges Eggen und Schleifen im Frühjahr
haben auch viel geholfen. Das unreine Korn hat man natürlich nur
fein vermahlen verfuttern dürfen, wenn es vorher durch die Windmühle
geblasen wurde.
1.6 LAGERUNG UND VORRATSHALTUNG
Ernten, Lagerung, Weiterverarbeitung, Vorratshaltung der Feldfechsung
hat genau so sorgfältiger gemacht werden müssen, wie die gesamte
Bodenarbeit. Die Kornarten waren nach dem Dreschen leicht zu lagern, man
hat sie nur zuerst trocknen müssen. Weizen, Gerste, Roggen, Hafer
und andere Sämereien wurden im Schuppen, oder, wenn das Wetter lange
gut war, im Freien auf Haufen geschüttet und ein paar mal umgeschaufelt.
Danach hat man sie auf den Dachboden geschafft oder verkauft.
Für das Lagern von Mais war, gleich nach dem Brechen, der Schuppen
oder das Maislager vorhanden, in denen die Kolben mindestens zwei Monate
liegen mussten, bis der Mais leicht beim Hand- oder Maschinenribbeln vom
Strunk abfiel. Das Maisribbeln war deswegen die Hauptbeschäftigung
in den ersten Wintermonaten, weil man schon sehr auf Maischrot zum Schweinemästen
gewartet hat, der viel billiger als der gekaufte war. In Körnern
hat man den Futtermais nicht gern liegen lassen, weil er zuviel Platz
eingenommen hat. Bei Popcornmais war es was anderes: ihn hat man nur in
Körnern gut trocknen können, auf dem Dachboden, wie das Getreide;
ausgenommen die Kolben für Samenmais, die am Laub zu einem Samenbüschel
zusammengebunden und aufgehängt worden sind. Kochmais ist im milchigen
Zustand gerupft worden, und wenn man ihn nicht gleich gekocht hat, ist
das Laub nicht abgeschält worden, und die Kolben hat man in ein kühles
Eck gelegt oder am äußeren, festen Laub aufgehängt.
Bohnen- und Erbsenarten hat man nicht gleich auf hohe Haufen schütten
können, da man sie zuerst auf Ungeziefer untersucht und behandelt
hat: z.B. mit Spritzmittel gegen Würmer und Käfer oder leichtes
Beizen gegen Pilz. War man vor dem Befall sicher, hat man sie in Holzkisten
oder in Säcken auf dem Dachboden aufgehoben.
Futterrüben haben in einem Rübenloch, das ca. 1m tief und
je nach Fechsung breit und lang war, überwintert. Abgedeckt gegen
Frost waren sie unter einer 20 cm dicken Strohschicht, worüber noch
eine Erdschicht war, und zum Lüften hatten sie alle zwei Meter ein
Luftloch von einem Strohwickel, wie einem Ofenrohr, von oben eingesteckt.
Um sie auch bei Schnee leicht rausholen zu können, war an einem Lochende
statt Erde, eine Holzplatte aus genagelten Brettern übers Stroh gelegt,
unter dem man mit der Rübengabel fürs tägliche Futter Rüben
herausholen konnte.
Zuckerrüben wurden selten zuhause aufgehoben, sie haben die Rübenhändler
oder die Aufkäufer der Zuckerfabriken gleich nach dem Rausmachen
weggeführt. Oft sind sie noch im Boden verkauft worden.
Das Lagern der Kartoffeln machte die meiste Mühe. Nach dem Rausmachen
hat man sie in einer Kammer oder im Schuppen - jedenfalls im Trockenen
- auf einen Haufen 1 bis 2 Monate liegen lassen. Dann hat man aus ihnen
sorgfältig die angefaulten, angeschnittenen, alten und kleinen herausgesucht,
bevor man sie in den Keller oder in die Miete gebracht hat. Im gestampften
Keller hat man sie auf den Boden geschüttet, oder wenn der sehr feucht
war, auf eine Strohschicht. Beim täglichen Verbrauch ist immer aufgepasst
worden, das ein Befall mit Krankheiten oder zuviel Käfer nicht überhand
genommen hat. Gelagert hat man soviel Kartoffeln, wie die Familie nötig
hatte und was man für das nächste Stecken gebraucht hat; das
aber nur ein-zweimal hintereinander, weil sonst die Art auf dem gleichen
Boden verwildert und verkrüppelt ist. Im Kartoffelloch hat man beliebig
viel Ess- und Futterkartoffel über den Winter aufheben können.
Mehr als bei den Rüben war da eine gute Entlüftung nötig:
so dass man über die Miete weniger Erde und mehr Luftlöcher
machen musste. Das Kartoffelloch hat man bis zum Frühjahr zugelassen,
sonst haben die Kartoffeln zu früh ausgetrieben. Wenn das auch im
Keller der Fall war, hat man einmal die Keimlinge weggerupft. Esskartoffeln
sind danach auch noch gut gewesen. Bei den Steckkartoffeln war das Entkeimen
nicht ratsam, sonst war der Ertrag kleiner. Gefrorene Kartoffeln hat man
nicht schnell auftauen dürfen. Erst ein paar Grad über Null
trocken gelagert hat ihnen den süßen Geschmack genommen.
1.6.1 Dreschen
Über das Dreschen der Getreidesorten wurde schon oft und in fast
allen Ortsbiographien geschrieben Deswegen soll hier nur so viel gesagt
werden: Gedroschen wurde in der Dreschzeit, zwischen dem 20. Juni und
Ende August, von einer Dreschmaschine mit Traktor oder Lokomobil, mit
Dreschkasten, mit und ohne Elevator, immer in Anteilslohn. Die Drescharbeiter
haben insgesamt 11 % vom Gedroschenen - Getreide, Roggen, Gerste, Hafer,
Bohnen, Raps - bekommen, haben sich aber nur in Brotfrucht – Weizen
oder Roggen - auszahlen lassen: Der Maschinist mit einem Dreschmaschinenbesitzer
bekam die eine Hälfte (5,5%), alle anderen Arbeiter zusammen die
andere. So hat eine Dreschsaison einem Drescharbeiter und seiner Familie
das Brot und Mehl für das ganze Jahr gesichert: Der Maschinist hat
ca. 35 Z Gedroschenes in einer guten Saison zusammengebracht, die Personen
beim Garbenschmeißen, Füttern, Sackwechseln, Strohwerfen und
Tristemachen jeweils bis 10 Z; Bei einem Bedarf pro Person und Jahr von
2,5 Z hat meistens nur der Dreschfachmann Dreschlohn zum Verkaufen übrig
gehabt. In der ärmeren Kriegszeit hat man viel ohne Elevator gedroschen,
was fünf Leuten mehr Arbeit mit dem Stroh gegeben hat. In ärmeren
Gegenden ist die Kleindreschmaschine eingesetzt worden, die nicht höher
war als ein Mensch und von einem Dieselmotor angetrieben wurde. Bedient
haben sie nur 5-6 Leute, und das Gedroschene hat man noch mal extra mit
der Windmühle säubern müssen.
Ährenlesen. Nach dem Dreschen war das Getreidefeld freigegeben für
das Ährenlesen, das nicht nur arme Leute gemacht haben. Kinder der
reichen Bauern genauso wie die von Kleinhäuslern, haben sich ein
schönes Taschengeld beim Lesen von verstreuten Getreideähren
verdient, weil nur diese gelesen worden sind. Ganz arme Dörfler -
sie waren durch alle möglichen Schicksalsschlägen und durch
das Fehlen der Sozialversicherung in Brotlosigkeit gestürzt worden
- haben beim fleißigen Ährenlesen 2-3 Säcke Getreide zusammengebracht,
die sie aus dem Ausklopfen der gefundenen Ähren zuhause gewonnen
haben.
1.7 WIESEN- UND WEIDENARBEIT
Unsere Wiesenarten kann man in Auwiesen, Tiefland- oder Grundwasserwiesen
und Ödelandwiesen unterteilen. Seltener haben unsere Bauern künstliche
angelegt. Wenn sie von einer Grasfechsung nicht genug Süßgras
bekamen, haben sie die Wiese mit der Egge aufgerissen und gekaufte Gras-
und Kleesamen hineingestreut. Sowohl die Wiesen in Flussnähe, als
auch jene in einer tieferen Lage waren schon gut kanalisiert. Die Kanäle
und Gräben waren so angelegt, dass zu einem ca. 3m tiefen Hauptgraben
alle paar km rechtwinklig 1,5m tiefe Nebengräben führten. So
hat nur bei einem hohen Grundwasserspiegel im Frühjahr die Privatwiese
oder Gemeindeweide unter Dauerwasser gestanden. Das hat aber selten dem
Graswuchs geschadet, weil viele Nährstoffe jedes Jahr von neuem angeschwemmt
wurden. Deswegen ist es auch selten nötig gewesen, ein Wiesenfeld
neu anzulegen. Nur mit einem salpeterigen Ödland/Heideland hat es
in trockenen Jahren gehapert, weil da das Gemeindevieh auf der Weide fast
verhungerte. Die meisten Ödlandweiden waren im Gemeindebesitz, sind
nicht gemäht und als Weiden nur genutzt worden, wenn die Gemeinde
nicht genug bessere Weidenflächen hatte.
1.7.1 Wiesenpflege
Als Vorarbeiten dazu können jene gelten, mit denen man im Herbst
und Frühjahr für einen guten, trockenen Untergrund gesorgt hat:
Reinigen der Gräben und Zufahrtswege, das Aufreißen und Misten.
Nachsäen hat man erst können, wenn der Boden warm genug war,
ab Mai bis September, oder früher, wenn Keimlinge nicht mehr erfroren
sind. Am meisten hat man auf guten Böden Kuhklee und Obergras nachgesät,
und dass die auch gut wachsen, hat man den Samen von Hand in aufgelockerte,
leere Flecken gestreut. Im zweiten Jahr hat etwas mehr Kuhmist, gleichmäßig
verteilt, für einen vielversprechenden Anfang einer paarjährigen
guten Heufechsung gesorgt.
Über das Mähen wäre zu sagen, dass es das erste mal im
Juni, vor der Heublüte, durchgeführt wurde, und hauptsächlich,
durch den rechtzeitigen Schnitt, die saftigen Halme des Obergrases zu
Heu gemacht hat. Schon eine Woche zu spät gemäht, hat bis zu
50% Saft zum Blühen verbraucht, und zwei Wochen später hat man
nur noch Stroh vor der Heusense gehabt. Die Hauptfechsung hat das zweite
Mähen, einen Monat nach dem ersten, gebracht, wenn man hauptsächlich
das gut entwickelte Untergras gemäht hat. Bei dem ersten Mähen
hat ein guter Mäher ca. 1/2 Joch pro Tag geschafft, und bei dem zweiten
2/5. Beim ersten Mähen hat er, bei Grünfutter, einen Spriegel
am Sensenstiel befestigt. Beim zweiten Mähen hat er schon Acht geben,
wie groß und gerade er die Heuschwaden hinlegte.
Das Heutrocknen war einfach und schnell erledigt, wenn unsere mediterrane
Sonne zwei Tage fest die Wiese gebraten hat. Dann hat man schon am dritten
Tag die kleinen zu großen Schwaden zusammenrechen können. Das
war nötig, weil sonst das Heu zu sehr ausgetrocknet wäre. In
zusammengerechten Schwaden hat das Heu beliebig lang liegen können,
was heißt, dass man schnell auch andere größere Arbeiten
woanders machen konnte. Ein Regen hat nur dann einen Strich durch die
Rechnung gemacht, wenn er mehrmals hintereinander gekommen ist. In diesem
Fall hat es geheißen, das ganze Heu wieder auseinander rechen und
von vorne mit dem Trocknen beginnen. Dass jeder zusätzliche Arbeitsgang
Qualitätsverlust gebracht hat, kann man sich denken.
1.7.2 Stadel, Schober, Triste
Stadel, Schober, Triste - in dieser Reihe hat man das Heu in trockenem
Zustand zusammengehäufelt und gelagert. Stadel waren die Haufen von
3m im Durchmesser und 3m hoch, die man bei gutem Wetter - und immer morgens,
wenn das Heu vom Tau noch angenässt war, in einer Reihe auf der Wiese
aufgebaut hat. Eine gute Heufechsung hat pro Joch 9 - 10 Stadel gebracht.
Aus diesen hat man, egal wann, einen einjährigen Schober auf der
Wiese machen können oder eine mehrjährige Triste zuhause im
Hof.
Heimfahren und Lagern war eine Arbeit, die der Bauer zwischendurch erledigte,
sie sollte aber am besten in aller Früh gemacht werden, weil man
dann die wenigsten Ähren und Samenkörner verloren hat. Schon
am Abend vorher hat der Bauer - mit Knecht, Frau oder Kind - die langen
und kurzen Heubäume auf den längsten Heuwagen gebunden und noch
einen langen Strick aufgeladen. Abgefahren wurde morgens so, dass man
bei Sonnenaufgang auf der Wiese war und mit dem Aufladen anfangen konnte.
Aufgeladen hat die stärkste Person, mit der Heugabel, auf den Wagenteil,
der am nächsten war. Der Helfer auf dem Wagen hat es von dort mit
einer Heugabel auf deeem Wagen und den Heubäumen verteilt. Waren
die Stadel in einem solchen Wiesenteil, in den kein Wagen hineingekommen
ist, so hat man aus zwei Stöcken eine Tragkrücke gemacht und
das Heu zum Wagen getragen, was leichter und schneller gegangen ist, als
mit der Gabel. Je nachdem, wie geschickt das Heu auf dem Heuwagen gestapelt
war, hat man auf einmal 3-4 Stadel heimfahren können. Vorher hat
man mit einem Strick vom vorderen bis zum hinteren Schragel, längs
über die ganze Heufuhre das Heu fest hinuntergebunden, von allen
Seiten mit der Gabel das überschüssige Heu heruntergerecht und
hat sich oben auf der Fuhre auf eine Pferdedecke gesetzt. Wenn mal das
Heu zuhause, auf der Triste lagerte und in der Zeit ohne Regen zusammengetrocknet
war, hat man es nur noch mit einem Heurupfer aus der trockenen Tristenmitte
für das Vieh gerupft oder mit einem Heumesser herausgeschnitten.
1.7.3 Grassorten.
Als größten Unterschied bei den Grassorten hat es das Ober-
und Untergras gegeben. Das eine hat man schon früh im April wachsen
sehen, das andere hat sich erst nach dem frühen Maimähen ausbreiten
können. Deswegen hat man auch erst mit dem Untergras im Juni eine
volle Heufechsung bekommen. Beim Obergras dagegen hat man die Spindel,
Ären und Blätter auswachsen lassen, die Blüten nicht, sonst
wäre die Futterkraft gleich viel kleiner geworden. Das Untergras
ist mehr in der Breite gewachsen, und hat nach vielen Jahren das Obergras
ganz überwuchern können. Aber Sieger ist es deswegen auf der
Wiese nicht geworden, da es selber unter dem Moos erstickte. Das beste
Zeichen, dass eine Wiese geeggt werden muss, war das Fehlen des Obergrases.
1.7.5 Moosbekämpfung
Dazu waren Umackern und Neuanlegen alle paar Jahre wichtige
Wiesenarbeiten. Das Moos war der schlimmste Feind jeden guten Grases,
da es unter ihm schnell erstickte. Unsere fleißigen und sparsamen
Bauern haben es nicht mit Kalkmehl und Spritzmitteln bekämpft, sondern
mit einem regelmäßigen Mähen des Heumooses. Diese Mahd
war für das Bodenlüften vor dem Schneefall oft unumgänglich.
Wenn man langsam und sorgfältig knapp am Boden gemäht hat, haben
sich die Moospolster wie von selber vom Boden gelöst. Zum Verfuttern
weniger als für Unterlage für das Vieh war das getrocknete Moos
recht nützlich. Hat nach einem öfteren Moosmähen das Wiesengras
doch keine Zukunft gehabt, so ist der Stürzpflug in Aktion gekommen.
Im Herbst gemistet und gestürzt, im Frühjahr geeggt, geschleift,
und wenn der Boden getrocknet war, mit frischem Hafer- oder Mischling
eingesät, hat im nächsten Jahr einen guten Übergang für
die Neuanlage einer Wiese mit - gekauftem - Kleegras- und Weidensamen
gegeben.
1.8 GARTENARBEIT - GEMÜSEANBAU
Je nachdem, wie groß der Garten war, hat man in ihm von
allen Küchengemüsearten viel oder wenig angebaut. Das Wichtigste
war, man hat möglichst nichts auf dem Markt kaufen müssen an:
Kartoffeln, Bohnen, Erbsen, Zwiebeln, Knoblauch, Weiß- und Rotkraut,
Salat, Kehlkraut, Kohlrabi, Gelberüben, Petersilie, Pasternak, Tomaten,
Paprika, Rettich, Radieschen, Schwarzwurzel, Meerrettich, Sellerie, Porree,
Spinat, Kürbis, Gurken, Karfiol, Dill, Auberginen, Mohn, Rapunzel,
Sauerampfer, Schnittlauch, Rhabarber, Koch- und Popcornmais und Erdnüsse.
Gewohnheitsgemäß hat eine Gartenwirtschaft so ausgesehen, wie
eine kleine Wechselwirtschaft auf dem Feld. Da nicht alle Gemüsesorten
den gleichen Boden mit oder ohne Mist vertragen haben, hat man sie in
zwei große Hälften eingeteilt: in eine solche, in der viel
Mist für alle großblättrigen und Kopfarten gebraucht wurde,
und eine andere, wo für alle Wurzelarten kein frischer Mist sein
durfte. In der ersten waren hauptsächlich Kartoffeln, die Krautarten,
der Salat - in der zweiten Gelberüben, Petersilie, Zwiebeln, Rettich,
Bohnen und Erbsen. Sonst ist bei den anderen Gemüsesorten nicht so
genau unterschieden worden, da es immer genug Übergangsböden
gegeben hat. Das Wichtigste war, man hat jedes Jahr darauf geachtet, dass
man einen Bodenfleck nicht zu sehr mit der gleichen Gemüseart ausgelaugt
hat, dann war eine gute Gemüsefechsung immer sicher.
Samen für Küchengemüse hat man meist selber gezogen,
wenn das nicht gegangen ist, hat man ihn im Feinkostladen geholt, wie
das bei Petersilie, Kraut, Tomaten und allen verwachsenen und verwilderten
Arten der Fall war.
Mistbeete für die Gartensetzlinge vieler Gemüsesorten hat
man so angelegt: in einer sonnigen Ecke ist ein Meter breites und je nachdem
langes Beet doppelt tief ausgegraben worden. An den vier Ecken hat man
Akaziestöcke in den Boden geschlagen, an denen von außen Längsbretter
gelehnt und mit Erde angeschüttet wurden. Eine untere Schicht mit
20 cm Stallmist/Pferdemist hat man mit der ausgegrabenen oberen Schicht
30 cm hoch mit feiner Erde zugedeckt. Der Samen der Setzlinge ist ohne
Reihen über den Boden gestreut, eingerecht und mit der Schaufel festgeklopft
worden. Den Platz jeder Samenart hat man mit einem Zettel oder mit der
leeren Samentüte im Boden angezeigt. Der Gärmist, die warme
Märzsonne und manchmaliges Gießen hat ein gutes Wachsen versprochen,
so dass man bald die Setzlinge lichten und von Unkraut freihalten konnte.
Spritzgift hat man dafür noch nicht gebraucht. Die nicht zu dicht
gesäten Pflanzen sind bei schönem Wetter einzeln versetzt worden.
Man hat darauf geachtet, dass sie nicht zu groß wurden, sonst wären
sie "ins Kraut geschossen" und hätten keine großen
Köpfe bekommen. In frühen Mistbeeten gezogene Pflanzen, hat
man noch mal ab Mitte März vereinzeln müssen, sonst wären
sie zu lang und holzig geworden.
Als erste Gartenarbeit hat man den freien Gartenboden für alle
Setzlinge im Herbst gut vorgemistet und mit dem Spaten tief umgegraben.
Dort, wo über den Winter viel Schnee und Regen gefallen ist, hat
man vor dem Setzen der Pflänzchen den Boden noch einmal umgehackt
und fein gerecht. In Reihen, etwas länger als bei den Kartoffeln,
sind die Setzlinge mit einem Holzstecker in wurzeltiefe Löcher gesetzt
und gleich gut angegossen worden.
1.8.1 Gartenkartoffeln
Sie haben sich von den anderen auf dem Feld nur in der Anbauzeit und durchs
Düngen unterschieden. In einem Hausgarten hat man sie früher
gesteckt und besseren Kuhmist genommen. Um gleich Anfang April schöne
Steckkartoffeln zu haben, hat man sie schon im Februar vorkeimen müssen.
Das ist nur im hellen Keller oder in einer Kammer gegangen, wo man sie
in Kisten mit drei-vier Schichten übereinander gestellt hat. Gesunde,
nicht zu kleine Stecklinge haben drei-vier Augen ausgetrieben, die man
beim Stecken nicht abbrechen durfte; was nur so möglich war, dass
man die Kisten in den Garten gebracht und erst dann die Kartoffeln rausgenommen
hat, wenn sie ins Steckloch, mit den Trieben nach oben, gekommen sind.
Der schon im Herbst tief umgegrabene Boden - bei sandigem Boden hat man
zwei Schaufeln tief gegraben - ist mit einem Reihenzieher angerissen worden,
und man hat die Kartoffeln so tief gesetzt, dass sie noch „die Glocken
läuten” hören konnten; was bei der vorgekeimten Steckart
geheißen hat, dass man die Keimspitzen mit wenig Erde überdeckt
hat. Mehr als ein Steckling im Loch war schon zuviel, weil sich die jungen
Triebe gegenseitig ausweichen mussten und dazu nicht genug Platz gehabt
haben. Große Steckkartoffeln haben unsere Leute gern durchgeschnitten,
und Arme haben es auch schon mal mit dreigeteilten versucht - was aber
alles nicht richtig war, da an den ganzen Schnittstellen keine Augen waren
und sie schneller faulten. Hacken - Häufeln - Hacken, in einem Abstand
von jeweils dreiviertel Monat, und man hat schon gesehen, wenn die ersten
Blüten zeigten, dass unten die Knollen wachsen. Wer es nicht erwarten
konnte, hat jetzt schon ein paar frühe Kartoffeln seitlich am Häufchen
herausgegraben. Wenn man zwischen den Kartoffelstöcken ein paar Dillpflanzen,
einen Kürbisstock oder Erdnüsse gesehen hat, (die aus Mistsamen
wild gewachsen sind) hat man sie nicht rausgehackt, weil diese winterharten
Pflanzen von der vorjährigen Fechsung waren. Der Gartenanbau hat
mehr Kartoffeln gegeben: pro Stock ca. 8 - 12 Knollen oder 1,5 - 2 kg.
Das hat bei einem Stockabstand von 30 - 40 cm und 80 cm zwischen den Reihen
rund 150 kg pro Ar gegeben; was geheißen hat, dass pro Jahr und
Person ca. 1,5 Ar Kartoffeln angebaut werden mussten.
1.8.2 Zwiebeln, Knoblauch und Porree
Die ersten zwei hat man als Gewürz und Gemüse, das letztere
als Gemüse angebaut. Gebraucht hat man von allen drei viel, so dass
ein Dorfgarten mit ihnen die Familiengröße angezeigt hat: Pro
Person kann man - wie heute noch in Ungarn - ungefähr anderthalb
Säcke Zwiebeln, ein viertel Knoblauch, und je nach Geschmack dazwischen
Porree rechnen. In Gartengrößen ausgedrückt, kann man
für einen Sack reife Zwiebeln, jeweils 100 - 150 Setzlinge in einem
Zwischenabstand von 20 cm und einem Reihenabstand von 42 cm - in einem
halben Reihenzieher - rechnen. Alle drei Arten hat man grün und im
reifen Zustand gerupft. Als erstes angebaut sind die fingerdicken Zwiebel
und der Knoblauch, zu Speck und Brot, auf den Frühstückstisch
gekommen. Die Porreewurzeln haben auch schon früh in die sonntägliche
Fleischsuppe oder als Gemüsezutat zum Braten geschmeckt; dabei hat
man auch die grünen Blätterspitzen fein mit zusammengeschnitten.
Später, wenn das Oberirdische von ihnen in der Augustsonne den letzten
Saft in die Knollen gedrückt hat, sind sie gerupft und in luftigen
Einzelschichten oder am trockenen Oberteil aufgehängt worden. Winterlauch
ist als Grünzeug noch vor dem ganzen Reifwerden gerupft und auf dem
Markt für viel Geld verkauft worden; zum Selberessen wäre es
zu Schade gewesen, meinten besonders Sparsame. Gesteckt wurden Zwiebeln
und Knoblauch aus Sämereien oder Stecklingen; für den Porree
hat man gekauften Samen genommen. Zwiebel- und Knoblauchsamen hat man
selber so gemacht, dass ungefähr zwanzig-dreißig reife, große
Köpfe im Mai in das Zwiebelbeet als erste Reihe eingegraben wurden.
Bis zum Herbst sind die Samenköpfe reif geworden und man hat sie
abgerupft und in der Nähe der ganzen Ernte trocken aufgehoben. Aus
dem Samen sind in einem mageren Gartenstück Steckzwiebel und Steckknoblauch
gezogen worden, die dann für das nächste Jahr zum Stecken gut
waren.
1.8.3 Bohnen und Erbsen
In allen Arten sind sie in einem Abstand von 40 cm alleine in Reihen oder
zwischen Puff- und Kochmais, ebenso weit, gesteckt worden. Bei einem Bedarf
von wöchentlich 0,75 kg Bohnen - in einer normalen Familie mit vier
Personen - hat eine Gartenfechsung von einem Sack voll Weißbohnen,
auf einer Fläche von 50 qm, ein Jahr lang gut ausgereicht. Bei Erbsen
hat man die Hälfte zum Kochen gebraucht. Große und Schlingarten
haben, als Stangenbohnen, pro Stock und Platz bis zu einer 5-fachen Fechsung
gebracht, deswegen hat man sie in kleineren Gärten gern angebaut.
Sie haben um den Stock herum, nach allen Seiten, ca. 60 cm Abstand gebraucht.
Grüne Bohnen hat man im grünen und gelben Zustand gerupft, je
nachdem, was für eine Art es war. Wenn man in einem Abstand von 10
Tagen gesteckt hat, hat man ab Ende Mai immer grüne Gemüsebohnen
gehabt. Das Rupfen der reifen Bohnen hat man meistens dann angefangen,
wenn die Schoten trocken waren, aber noch nicht aufgeplatzt sind. Größere
Flächen hat man in der Dreschzeit gemäht oder, nach allem anderen,
mit der Maschine gedroschen. Mit Erbsen war es ähnlich, sie waren
auch reif, wenn der ganze Stock trocken war. Bei beiden hat man das Unkraut
weggemacht, die Wurzel sind im Boden geblieben; es hat geheißen,
dass dies als Mist gut wäre. Bei trocken gelagerten Bohnen hat es
keinen Ausfall durch Ungeziefer oder Samenkrankheiten gegeben. Erbsen
sind oft von Käfern und Würmern befallen worden, deswegen hat
man sie, noch am Stock, spritzen müssen. Das Beizen nach dem Rupfen
hat man dann gemacht, wenn man von der Fechsung keine Samen mehr verwenden
wollte.
1.8.4 Gartenkraut
Weiß- und Rotkraut, Kehlkraut, Kohlrabi, Karfiol. Die erste Sorte
hat man am meisten angebaut, weil sie in vielen Zuständen gegessen
wurde: frisch und roh als Salat im Sommer und im Herbst, sauer –
im Ganzen - als Krautwickel und – gehobelt - als Sauerkraut das
ganze Jahr. Beim Verbrauch von ca. 20 kg pro Person und Jahr hat das Weißkraut
im Garten ungefähr soviel Platz eingenommen, wie die Kartoffeln.
Rot- und Kehlkraut hat man nur 10 - 20 Köpfe gehabt. Sonst noch eine
Reihe Kohlrabi und Karfiol, da diese als Gemüse nur frisch gegessen
worden sind. Außer Weißkraut, das man gleich im Frühjahr
als Sommerkraut und nochmals im Juli als Winterkraut angebaut hat, sind
alle anderen Arten nur im Frühjahr mit vorgezogenen Setzlingen gesetzt
worden. Das Vorziehen hat jede Hausfrau schon ab Ende Februar selber gemacht,
in einem Mistbeet, das sie bei kalten Nächten mit Rohrdecken zugedeckt
hat. Nur größere Bauerhöfe haben Gewächshäuser
gehabt. Und die Gewohnheit, Mistbeete mit Glasscheiben auch tagsüber
zuzudecken, ist erst nach dem Krieg aufgekommen.
1.8.5 Kehlkraut
Man hat es gerne zum Kochen als frisches Gemüse angebaut. An seiner
Kopfgröße stellte man keine Ansprüche, deswegen hat man
seinen Boden auch nicht sorgfältig bearbeitet. Bei ein-zweimaligem
Kochen monatlich, haben fast immer ein-zwei Dutzend Köpfe pro Saison
ausgereicht. Genau wie das andere Kraut, hat sich auch dieses im Keller
gut über den Winter gehalten.
1.8.6 Kohlrabi
Er gehörte zum ersten Gartengemüse. Das meiste hat man von den
blauen ,Wiener’ angebaut, seltener den weißen. Alle beide
sind bis 15 cm dick geworden, und haben weniger Arbeit als das Kraut gemacht,
weil da weniger Ungeziefer anfiel. Für das Überwintern hat man
den letzten Kolrabi im Juli gesetzt, und hat ihn nicht ganz reif werden
lassen; gut eingeschlagen sind die obersten Blätter lange grün
geblieben.
1.8.7 Karfiol oder Wirsingkohl
Bis auf das letzte Jahrzehnt, hat man diese Sorte, genau wie die nächstbeschriebene
Aubergine, nicht viel angebaut, da man sie in der Küche nicht so
gebraucht hat, wie später, als die 'Vitaminkost' aufkam. Viele von
unseren Köchinnen haben den Wirsingkohl nur als Suppengemüse
gekannt. Diejenige, die dieses Gemüse angebaut haben, sind mit ihm
umgegangen, wie mit dem Kraut: vorgezogene Pflanzen sind auf gut gedüngtem
Boden gesetzt und von Ungeziefer freigehalten worden, indem Läuse,
Mücken und Käfer abgelesen worden sind. Erst nach dem Krieg
hat man die Vielseitigkeit und Anspruchslosigkeit dieses Gemüses
eingesehen; und deswegen baut man es jetzt auch in Bács-Kiskun,
in Großkultur, mit viel Gießen und Spritzen an.
1.8.8 Aubergine
Erst in den Dreißigern haben unsere Batschkaer Menschen das Anbauen
und damit auch das Kochen und Einlegen dieser vitaminreichen Gemüsesorte
von den „Deutschländern“ – durch Besucher, Kochbücher
- gelernt. Die Bodenarbeit und Pflanzung der Setzlinge ging wie bei den
Krautarten. Die Schädlinge mussten vielleicht öfter abgelesen
oder mit Blausteinbrühe bespritzt werden. Rechtzeitiges Ernten war
Voraussetzung dafür, dass die Lilafrüchte keine dicken Schalen
bekamen und nicht bitter schmeckten. Frisch auf den Tisch kamen sie in
Scheiben gebraten und paniert. Eingelegt wurden sie in Scheiben geschnitten
und als Paste; Eindünstvorgang wie beim Obst, dann passten sie im
Winter als Dünstgemüse vorzüglich zu fettem Fleisch.
1.8.9 Salat
Kopfsalat, Sauerampfer, Feldsalat/Rapunzel. Außer Sauerampfer, der
an seinem Gartenplatz, unter dem Randgras in der Ecke, bleiben und sich
vermehren konnte, sind die Salatgewächse meistens gleich ins Freibeet
eingesät worden. Den Kopf- und Schnittsalat hat man aus eigenen Samen
gezogen, zu diesem Zweck hat man ein Paar starke Stöcke beim Schießen
nicht gestört. Sonst hat man das schnelle Wachsen mit einem schrägen
Schaufelstich unten die Wurzel und leichtes Anheben des Stockes abgebremst.
Sobald die in Reihen gestreuten Salate Blätter getrieben haben, sind
sie vereinzelt worden, dabei hat man schon recht früh einzelne süß-saftige
Blätter auf den Küchentisch gebracht. Zuletzt blieben die Köpfe
stehen und konnten sich gut entwickeln, für den Eigenverbrauch oder
zum Verkauf auf dem Markt.
1.8.10 Spinat
Spinatsamen hat man ungefähr gleich eng oder weitflächig ausgestreut,
ganz danach, wie fett der Boden war. Aus gekauften Samen hat man nach
Ostern das erste Mal und im Juli das zweite Mal in Reihen gesät.
So hatte man bis in den Herbst hinein genug eisenhaltiges Küchengemüse.
Wenn die ersten Blattkränze ausgewachsen waren, hat man sie schon
vorsichtig abgerupft, so dass die Pflanzen noch einmal ausgetrieben haben.
Außer Unkrautrupfen in der Spinatreihe hat man noch paar Mal zwischen
ihnen den Boden aufscharren müssen. Feldsalat hat man so, wie Spinat,
oder auch weitflächig ausgestreut. Da er bis zu einem leichten Frostpunkt
winterhart ist, hat man ihn erst /noch einmal/ im September gesät
und auf seinem Platz überwintern lassen. Was man bis zum Frühjahr
nicht verbraucht hat, ist umgegraben worden, da es zum Essen nicht mehr
gut war.
1.8.11 Gelberüben
Angebaut wurden sie im Graten, für den Eigenverbrauch, und draussen
auf dem Feld, in größeren Mengen, für den Verkauf. Damit
man beim Einsäen den kleinstkörnigen Samen nicht zu dicht verstreute,
wurden feine Sägespänen oder heller Sand dazugemischt. Genau
wie anderes Wurzelgwemüse, z.B. Petersilie, Pasternak und Schwarzwurzel
brauchte man einen alten, gemisteten und schon im Herbst tief umgegrabenen
Boden. Gelberüben hat man aus eigenem und gekauftem Samen angebaut,
hauptsächlich, wenn man mehrere Arten gezogen hat. An Gelberüben-Sorten
hat man die langwurzeligen am meisten gehabt, die kurzen, runden –
von anspruchsvolleren Böden - sind nur zum baldigen Kochen angebaut
worden.
1.8.12 Petersilie - Grünzeug
Unter Grünzeug hat man Petersilie, Wurzel und Blätter, sowie
Sellerieblätter verstanden. Meist hat man sie zusammen angebaut -
von jedem ein-zwei Reihen. Für den Markthandel baute man Petersilie
auf freiem Feld, meist neben den Gelberüben, weil beide die gleichen
Arbeitsgänge benötigten. Z.B. hat man die Wurzelpflänzchen
nach dem Austreiben lichten müssen, und dann oft hacken und gießen,
dann hatte man bald im Frühjahr frisch und nach dem Einschlagen im
Keller, das ganze Jahr über genug Suppengewürz.
Pastenak und Schwarzwurzel waren die ausgiebigsten Suppen- und Bratengemüsesorten,
die in allen zwei Kocharten schmeckten. Angebaut und versorgt hat man
sie wie die Gelberüben und das Grünzeug, nur dass sie bis zum
Herbst und totalem Reifwerden im Boden gelassen wurden. In Sand eingeschlagen
sind sie im Keller frisch geblieben, mit Rüben in der Miete aufgehoben
ebenso.
1.8.13 Tomaten
Tomaten hat man für sich selbst und zum Verkaufen in mehreren Sorten
angebaut. Die fleischigen, ovalen nahm man zum Frischessen, zu Speck und
Brot und zu Salat, die dünnhäutigen zum Passieren, als Soße
und zum Einkochen. Beide Sorten sind aus vorgezogenen Pflanzen gesteckt
worden und in Reihen und an Stöcken gediehen. Hat man weniger gehabt,
so war das Binden, Zurückschneiden und Abgeizen selbstverständlich,
nur dann hat es die gleichgroßen Früchte gegeben. Beim wilden
Wachsen des Geizes gab es viele kleinere zum Passieren. Die Großbauer
haben die Tomaten frei wachsen lassen und nur einmal, Ende August abgeerntet.
Bei regenreichem Wetter musste mit Blaustein-Brühe–Mischung,
wie bei den Trauben, gespritzt werden. Was im Kleingarten noch im Herbst
am Stock war, hat man grün abgeerntet und in der Wirtschaftskammer
bis in den Winter rot werden lassen; aber eingelegt haben die grünen
Tomaten auch gut geschmeckt. Tomatenfechsung bis 100 Z. p. kJ.
1.8.14 Paprika
Mit dem Paprikaanbau war es ähnlich, wie bei den Tomaten: Weniger
hat man sorgfältiger versorgt mit Bodenarbeit, Hacken und Gießen;
dann sind die gelben und die roten, die süßen und scharfen,
apfelartigen, fleischigen und spitzigen Schoten gleich schön und
saftig geworden. Im Großanbau hat man schon unterschieden beim Setzen
mit Setzlingen und Einsäen mit Samen, gleich auf den endgültigen
Platz. Wer gesät hat, war der Meinung, dass er auch Vorsprung hat,
weil das Versetzen, zum Anwachsen, mindestens eine Woche Zeit kostete.
Gute Erträge haben beide Anbauarten gebracht, wenn das Hacken alle
zwei Wochen bis zum Schotenansatz - mit dem Hackpflug zwischen den Reihen
und mit der Scharre zwischen den Stöcken - nicht vernachlässigt
wurde. Spritzmittel, über den Blaustein hinaus, kam erst in den Dreißigern
in Gebrauch. Paprikafechsung, rot zum Mahlen p. Joch: 100 – 120
Säcke, zu je 30 kg, Fleischpaprika zum Rohessen und Einlegen bis
150 Säcke.
Weiterverarbeitung: Während Tomaten nur auspassiert und gekocht
aufgehoben worden sind, hat man den Paprika in verschiedenen Zuständen
aufgehoben. Das häufigste war das Einlegen von den fleischigen, das
Dünsten, und Trocknen der roten und auf Schnüre gefädelt,
unter dem Dachvorsprung, wo Sonne hingeschienen hat, aber der Regen nicht
hinreichte. Bei größeren Mengen sind die Schnüre im Schuppen,
auf lange Stangen gefädelt worden. Im Spätherbst waren die Schoten
soweit getrocknet, dass man sie in eine Mühle zum Mahlen gebracht
hat. Damals hat es noch extra Paprikawalzwerke mit feinen Rüttelsieben
gegeben. Nach dem Krieg sind dann die Hammermühlen aufgekommen, bei
denen das Sieb über dem Trichter fest, für verschiedene Körner
eingebaut war. Im getrockneten und gemahlenen Zustand sind 10% vom Schotengewicht
- ohne Körner gemahlen – in Form von Paprikapulver übrig
geblieben.
1.8.15 Rettich und Radieschen
Beide hat man aus eigenen Samen gezogen, so, dass man, nach Ostern, gleich
an Ort und Stelle in Reihen säte. Sobald die Pflänzchen ausgetrieben
haben, wurden sie gelichtet und vom Unkraut freigemacht. Etwa 1 Monat
hat man auf die ersten saftigen Wurzeln warten müssen. Um dieses
Gewächs von Erdflöhen frei zu halten, hat man die ersten Blätter
mit Asche und Ruß eingestreut. Und dass die Wurzeln nicht zu schnell
verholzten, hat man sie - manchmal - mit etwas Kristallzucker eingebröselt.
Zum frühen Verzehr säte man die Weißwurzeligen, als späte
- im Juli eingesät - hat man die Schwarzwurzeligen genommen. Die
hat man im September geerntet und im Keller bei den Kartoffeln oder im
Rübenloch mit den Rüben eingeschlagen.
1.8.16 Kürbisse
Sie sind in mehreren Sorten angebaut worden, als Futter-, Koch- und Bratkürbisse.
Aus eigenem Samen hat man den Futterkürbis, im Abstand von je einem
Meter zueinander, auf gut gedüngtem Feld, frei eingesät; er
wurde nur einmal gehackt und danach bis zur Reife in Ruhe gelassen –
was er mit vielen, malerischen Köpfen, dicht über das Feld verstreut,
reichlich belohnte. Koch- und Bratkürbis wurde mit vorgezogenen Pflanzen,
über Mistlöcher - 30x30x50 - gesteckt und darauf ein Gießkranz
aufgehäufelt. Wenn man, etwas später, den Samen gleich ins Mistloch
gesteckt hat, ist nach seinem Aufgehen auf höchstens drei Pflanzen
ausgelichtet worden. Bei spätem Frost hat man die Stöcke mit
Blumentöpfen über Nacht zugedeckt. Da alle Arten ungefähr
mit den Kartoffeln reif geworden sind, hat man absichtlich - oder zufällig
- zwischen den Kartoffelreihen ein paar Stöcke Kürbisse oder
Gurken gehabt. Kochkürbisse hat man gleich vom Stock in der Küche
frisch verarbeitet, Bratkürbisse hat man noch vor dem ganzen Reifwerden
gerupft und im Schuppen gelagert. Die Kürbisse waren erst dann zum
Braten gut, wenn sie abgeerntet einen Monat gelegen haben, oder wenn sie
auf dem Feld vom ersten Frost leicht angefroren wurden.
1.8.17 Gurken
Sie unterteilten sich in die großen, langen Salat- und in die kleineren
Einleggurken. Bodenbearbeitung und Säen geschah, wie bei den Kürbisen.
Vereinzelung der Pflänzchen war ebenso wichtig. Die großen
oder Schlangengurken wurden – genau wie heutzutag - gerne für
frischen Salat genommen, die kleinen legte man ein. Manche modernen Bauern
haben auch schon Gurken am Spalier gezogen, so dass sie über die
jungen Pflanzen Akazieäste oder kleine Stöcke gesteckt haben.
Haben sich die Pflanzen hochgerankt, sind sie ein-zweimal angebunden worden.
Samen von allen Kürbis- und Gurkensorten hat man so erhalten, dass
man die schönsten Stücke am Stock gelassen hat, wo sie weich
und gelb geworden sind. Bei viel Regenwetter hat man unter die Köpfe
Ziegelsteine gelegt. Im Spätherbst und nach dem ersten Frost sind
die Körner mit dem Fleisch rausgenommen und samt allem in der Luft
getrocknet worden.
1.8.18 Mohn
So wie man ihn im Hausgarten anbaute, hat er als feine Koch- und Backzutat
gegolten. Bei liederlichen Menschen war er manchmal eine schädliche
Medizin. Im Mai, in halben Reihen – 25 cm breit und schütter
eingesät -, hat man ihn beim Austreiben sehr lichten müssen,
dann ist er schon im Juni bauchhoch zum Blühen gekommen und hat bald
die Mohnköpfe ausgebildet. In diesen jungen Mohnköpfen mit einer
Kopfkrone sind nicht nur Mohnkörner gewesen, sondern auch das Opiumgift,
das manche Leute in Tee als Beruhigung - hauptsächlich für schreiende
Kleinkinder - genommen haben. Der Anbau und Handel mit Mohn in jeder Form
ist deswegen (oberflächlich) von Dorfpolizisten und Feldhütern
kontrolliert worden.
Bei Ausfuhr hat man, so wie es heute auch noch an der ungarischen Grenze
der Fall ist, wegen jedem Kilogramm Mohn Rede und Antwort stehen müssen.
Unsere Leute hat es aber nicht gestört, und sie haben ihn gerne angebaut,
gut gehackt, und im Juli die hellbraunen, reifen Schotenköpfe mit
einem Mohnmesser aufgeschnitten und geleert. Für eine Mohnfechsung
von einem Kilogramm hat man ungefähr 100 qm Mohnfeld gebraucht.
1.8.19 Kaper
Man hat ihn nicht viel extra angebaut, weil er oft und in allen Gartenteilen
von selbst wie Unkraut gewachsen ist. Das heißt, dass man ihn auch
nicht besonders versorgen musste, man hat ihm einfach, dort wo er war,
eine grasfreie Platte gehackt, und schon trieb er einen Stock, der bis
zu einem viertel Kilogramm feine Kaperästchen und Blätter bekam.
Wenn man ihn in der Kartoffelreihe stehen ließ, ist er schneller
als die Kartoffeln reif geworden und hat seinen Samen schon für das
nächste Jahr in den Boden verstreut. Aufgehoben wurden trockene Kaperpflanzen
in einem Büschel zusammengebunden, unter einem Dachvorsprung - in
der Nähe von rotem Paprika, Zwiebeln und Knoblauch.
1.8.20 Meerrettich
Er wuchs einfach überall, wo man ihn gebraucht und auch nicht gelitten
hat. Die winterharten, bis 50 cm langen und 5 cm dicken Wurzeln haben
sich ebenso im Grasstreifen neben dem Zaun, wie mitten im Kartoffelfeld
vermehrt - dort hat man sie gelassen, hier Jahr für Jahr frisch rausreißen
müssen. Zum Essen waren sie aber erst gut, wenn sie im Herbst das
Wachsen eingestellt und eine bräunliche Haut bekommen haben. Dann
hat man sie, soweit möglich, rausgegraben, bis auf die Herzblätter
alles abgerupft, und die Wurzeln im Keller beim Grünzeug eingeschlagen.
Hat man sich die tränentreibende Arbeit mit ihnen in der Winterküche
ersparen wollen, so hat man sie gleich mit einem großen Reibeisen
gerieben, in einem Backblech heiß geschmort, und in Dünstgläsern
mit etwas Essigwasser und einer Priese Zucker eingekocht. So hat man den
Winter über immer frischen Meerrettichsalat gehabt, den man nur mit
Milch frisch aufkochen musste.
1.8.21 Schnittlauch
Man hat ihn arbeitssparend in Reihen, wo er nicht im Weg war, ein paar
Jahre stehen lassen, bis er einen zu starken Samentrieb hatte. Zum besseren
Überwintern und Vermehren im Frühjahr, hat man ihn mit etwas
Kuhmist überdeckt. Seine Verwendung war so vielseitig, wie eine Küche
Gewürze gebraucht hat. Kinder, die noch keine scharfen Zwiebeln zu
Speck und Brot aßen, haben dazu gehackten Schnittlauch gegessen
oder von den ganzen Lauchblättern abgebissen. Als Gewürz zu
gemischtem Salat, in eingelegten Gurken und Paprika und in verschiedene
Gemüsesuppen haben manche Landsleute gerne etwas davon hineingeschnitten.
Viel hat man ihn in der armen Nachkriegszeit zum kalten Frühstück
und Abendessen in frischem Zustand dazugenommen.
1.8.22 Rhabarber
Dieses, nach der Kartoffel, vitaminreichste Gartengewächs hat sich
wie Meerrettich vermehrt und war ebenso winterhart. Außer um den
Stock herum, hat man weder hacken noch graben müssen. Jedes Frühjahr
hat er neue Triebe gebracht, dessen Blattstiele zwei Monate lang zum Kochen
gut waren. Erst wenn die Samenkronen voll ausgewachsen waren, sind die
Blätter nicht mehr so gut gewesen und man hat sie am Stock trocknen
lassen. Wer etwas für Obstwein übrig hatte, hat es auch mit
Rhabarberwein versucht, der mit Zucker und Hefe angesetzt in gut einem
Monat trinkfertig war.
1.8.23 Erdbirne
So hat man zu einer Gewächsart (latein. Name heliantus tuberosus)
gesagt, die etwas fremd zwischen Blumen und Gemüse wuchs - und auch
die Eigenschaften beider Arten hatte: schöne, gelbe Blüten oben,
und süße Knollenwurzeln unter der Erde. Einmal in den Garten
gebracht, ist diese Pflanze nicht mehr ausgegangen. Ganz Arme haben die
Knollen wie Kartoffeln gekocht, Kinder haben sie schon früh ausgegraben,
leicht abgewaschen und roh gegessen. Gut waren sie aber nur im ersten
Jahr. Im Herbst hat man sie geerntet und, wie die Kartoffeln, im Frühjahr
zum Vermehren (was selten vorkam) auf einen anderen Platz stecken müssen.
Wenn sie sich wild vermehrten, geschah das so massiv, dass man sie wie
winterhartes Unkrat bekämpfen musste.
1.8.24 Koch- und Puffmais
Weit entfernt vom normalen Futtermais, und auch voneinander
getrennt, musste man diese beiden Sorten anbauen, weil sich sonst der
Blütenstaub der Fruchtkrone vermischt und die Körner ihre gewünschte
Eigenschaft verloren hätten: die süße vom Koch- und die
platzige vom Puff- oder Popcornmais. In einer Entfernung von ca. 20 m
voneinander hat man so viele Reihen mit dem Reihenzieher gemacht, wie
man gebraucht hat - zum Selberessen in der Familie und zum Verkaufen auf
dem Markt. Angebaut und bearbeitet wurden beide Sorten wie Futtermais.
Der zum Kochen hat mit seinen größeren Kolben einen größeren
Reihenabstand gebraucht. Bei maximal zwei Stängel gab es pro Stock
vier schöne Kolben, die man beim Haartreiben leicht aufgeschlitzt
und geschaut hat, ob die Milchkörner schon gut zum Kochen wären.
Gut waren sie, wenn der scharfe Fingernagel sie bei der Probe nicht zusammengedrückt,
sondern aufgestochen hat. In diesem Zustand hat man den Kochmais einen
haben Monat lang halten können, wenn man die Kolben vom Stock gerupft
und im grünen Laubmantel, mit inneren und äußeren Blättern
belassen hat. Ob selber gekocht oder auf dem Markt zum Verkaufen angeboten,
die bekanntesten, weißen oder bunten Arten von unserem Kochmais
hat jeder gern gegessen.
Beim Puff- oder Popcornmais dagegen, hat man nicht nachschauen dürfen,
wie fest die Körner sind. Man hat sie lieber als letzte im Garten
stehen lassen, bis die Stängel und das Laub ganz trocken waren. Nicht
so groß und stark haben die Stöcke auch nebeneinander drei
Stängel haben können. Immer gut gehackt und den Grund feucht
gehalten, hat gleichmäßige Körner auf den ganzen, ca 15
cm langen Kolben gebracht, die man am besten nach dem Pflücken mit
ein paar Deckblättern auf eine Schnur oder als Büschel zum zusätzlichen
Austrocknen an einen luftigen Platz unter einem Dachvorsprung gehängt
hat. Zum Platzen haben sie aber noch mindestens 3 Monate Trockenzeit an
der Luft gebraucht (in milder Ofenwärme dauerte es nur paar Stunden),
und nach dem Trocknen hat kein Tropfen Wasser auf sie spritzen dürfen.
1.9 GARTENBÄUME
Sie hatten ein traditionelles Erstrecht und sind sorgfältig gepflegt
worden. Fast jede Obstsorte hatte einen Gewohnheitsplatz in dem Dorfgarten:
Z.B. war oft im Vorgarten, am Vordertor ein Kirschbaum, im Hinterhof,
vor dem Schweinestall ein Maulbeerbaum; der erste als süßer
Frühjahrsgruß, der zweite zu einer schmackhaften, zwei Monate
langen Sommernahrung für die Läufer der Schweine. In Vorder-
wie Hintergärten war, ohne Rücksicht auf das Gemüse, alle
zehn Meter ein Sauerkirschen-, Apfel-, Birnen-, Pflaumen-, Quitten-, Aprikosen-,
Marillen- oder Pfirsichbaum gepflanzt. Nur große Schattenmacher
und solche Bäume, die unter sich nichts duldeten und wachsen ließen,
sind in Gartenecken und an Zäune gesetzt worden: Nüsse, Kastanien
oder Zigeunerkirschen. Dann hat es noch Buschbäume gegeben, die auch
nur an den Zaun passten: Haselnüsse, Schlehdorn, Naspel und Feigen.
1.9.1 Baumpflege
Egal, wo sie standen, bei allen Arbeiten von hausgezogenen sowie gekauften
Arten hat man von der Setzarbeit bis zum Spritzen und Obstpflücken
alles zeitlich genau gemacht, wie es sich gehört und wie man es jeweils
vom Vater oder Nachbarn gelernt hat. Schriftliche Anleitungen oder Kataloge
der Baumschulen hat es nicht gegeben und man hat sie auch nicht gelesen.
Was man jedoch gerne von einer Baumschule, wenn sie auch noch so weit
weg war, bestellte, war die neueste Äpfel- oder Kirschveredlung;
man kaufte sie und holte sich dazu alle nötigen Auskünfte. Im
Dorf war man dann derjenige, von dem sich die Nachbarn gerne die Veredelungs-Pfropfen
und Auskünfte geben ließen.
1.9.2 Vermehrung durch Veredelung
Bei unserem guten Boden ging bei allen Arten beides recht leicht. Sowohl
das Auge- als auch Reisig-Pfropfen/-Veredeln hat man nur dann gemacht,
wenn man auf fremde Art Wert gelegt hat. Meist hat man aus Sämlingen
eigene Arten weitervermehrt oder als gesunde Unterlage genommen: Schlehdorn
für Ringlotte und Mirabelle, Aprikose für Pfirsich und umgekehrt,
halbwilde Birnen und Äpfel für edle usw. Veredelt hat man auch
dann, wenn man zwei-drei Arten von Kirschen auf einem gesunden Stamm ziehen
wollte. Die Veredlungsarbeit hat man bei allen Bäumen, außer
beim Pfirsich, im August gemacht. Pfirsiche hat man meistens aus Körnern
gezogen, seltener aber auch erst im September veredelt.
1.9.3 Bekämpfung von Ungeziefer
Da die meisten Arbeiten an Gartenbäumen schon seit vielen Generationen
überall in Europa ähnlich gemacht werden, sollen sie hier nicht
noch einmal den Platz wegnehmen. Was vielleicht noch interessant ist,
die Bekämpfung von Ungeziefer: Raupen und alle Blattwickler hat man
mit der Hand abgelesen und verbrannt, Blattläuse, Schorf, Schildläuse
und alle Frühjahrsschädlinge sind mit einer 1,5%-igen Kupfer-Kalkbrühe
(Blausteinbrühe) vor dem Austreiben und später noch ein-zweimal
gespritzt worden. Wer mehr tun wollte, hat auch mit Tabak- oder Brenneselbrühe
gespritzt. Diese waren stärker, haben auch genaue Misch- und Spritzkenntnisse
verlangt, sonst ist es vorgekommen, dass nicht nur die Läuse und
der Schorf, sondern die ganzen Blüten und Blätter abgefallen
sind. Zubereiten der Tabak-Brühe: angesetzt wurde sie mit ca. einem
kg Schmierseife und ca. 10 kg trockenen Tabakblättern; vermischt,
in 50 Liter Wasser, hat man sie ein paar Tage stehen lassen. Beim Verspritzen
hat man die Brühe alleine oder mit Vitriol 1 : 1 vermischt. Brenneselbrühe:
In einem Fass wurden zu 50 Liter Wasser 5 kg frisch gemähte Brennesel
getan und drei Tage stehen lassen; deswegen nur drei Tage, weil länger
gewässerte Brennesel in Fäulnis übergehen und mehr schaden
als nützen. Blatt- und Schildläuse, aber auch Ameisen, welche
die Läuse melken und sich in den Baumwurzeln häuslich eingerichtet
hatten, waren gegen Brenneselwasser sehr empfindlich und gingen eilig
weg oder starben ab.
1.9.4 Schutz gegen Tierfrass
Gegen das vierfüßige Ungeziefer, besonders gegen Wildhasen
und Hamster, die gerne im Winter an der jungen Rinde knabberten und so
dem Baum ein normales Aufwachen im Frühjahr unmöglich machten,
hatten unsere Gartenbauern mehrere Schutzmöglichkeiten: trockenes
Reisig ganz eng um den Stamm gebunden; ein Drahtnetz drum herum gewickelt,
so locker, dass es ein paar Jahre dranbleiben konnte; Lumpenwickel einfach
genommen; dann noch das, was auch in Deutschland, bzw. in unserer neuen
Heimat, überall in der Welt, gemacht wird - mit Kalkbrühe alle
Stämme, bis in die Äste hinein zweimal gestrichen.
1.9.5 Obsternte und Lagerung
Pflücken und Lagern von Obst war nur dann was besonderes, wenn man
es zum Verkaufen gemacht hat. Äpfel und Birnen wurden ein-zwei Wochen
vor dem Reifwerden gepflückt, und wenn man sie nicht knackig essen
oder verkaufen wollte, im Keller gelagert. Kirschen und Sauerkirschen
hat man nur mit Stiel auf den Markt gebracht, Aprikosen nur hart zum Einlegen
und weich und gelb zum Marmeladekochen. Die Quitten wurden immer reif
und hart gepflückt, aber erst zu Weihnachten süß und weich;
Pfirsiche waren eingelegt zum Essen und Backen feiner, als frisch geerntet
oder vom Boden aufgelesen; Nüsse und Haselnüsse reiften auch
erst vollständig nach einem Überwintern in der Schale, usw.
Egal um was für ein Obst es sich handelte, nichts ist unter den Bäumen,
am Boden zum Verfaulen liegen gelassen worden. War es zu viel, alle Tage
das Fallobst aufzusammeln, so hat man die Schweine darauf gehütet,
oder wenn das - wie im Garten - nicht gegangen ist, hat man es mit einer
Schöpfschaufel mitsamt allem in einen Rutenkorb geschaufelt und in
die Ställe und Futtertröge geschüttet.
1.10 STRAUCHOBST
Johannis-, Stachel-, Him- und Brombeeren, Naspel (naspola germanica),
Feigen und Schlehen sind meist an den Zäunen oder am Übergang
zum Weingarten gewachsen. Das einzige, auf das man bei ihnen Acht geben
musste, war das regelmäßige Ausputzen. Dabei hat man unterschieden
zwischen einjährigem - Beerenarten - und mehrjährigem Verjüngen
- Traubenartige und Kernartige. Das Ausputzen war wichtig, weil sonst
alles bald verwildert war und kein schönes Obst mehr trug. Besondere
Erwähnung sollen aber die Naspel und Feigen bekommen. Die ersteren
sind noch von unseren Ahnen aus Deutschland mitgebracht worden, was der
lateinische Name, naspola germanica beweist, und man hat sie bis nach
dem Krieg als Arme-Leute-Obst weniger gegessen und mehr auf dem Markt
billig weggegeben. Mit den Feigen war es eben umgekehrt, sie wurden von
unseren Leuten in besonders sonnigen, windgeschützten Ecken als edles
Feinkostobst geschätzt und gepflegt. Frisch haben beiden Arten gut
geschmeckt, gehalten haben sich aber nur die Feigen, wenn sie getrocknet
und - was sie noch süßer gemacht hat - eingezuckert waren.
1.11 BODENOBST
Auch im kleinsten Garten kam es vor und versüßte den Familienmitgliedern,
hauptsächlich den Kindern, die Elternarbeit. Man brauchte nicht neidisch
auf die Nachbarn oder auf das Angebot des Wochenmarktes zu schauen. ,Wir
haben es gehabt’ war und ist einer der meistvorkommenden Aussprüche
bei den ausgesiedelten Schwaben überall in der Welt. Was der andere
hatte, wollten wir unbedingt auch haben – auch wenn es noch so schwierig
war, besorgten wir es uns. Und der Garten machte es – beim Obst
- möglich. Nichts war besser geeignet, schon bei den kleinsten Hausbewohnern
die Lust an der Gartenarbeit zu wecken, als das frühe Bodenobst,
bei dem die Erdbeeren den ersten Platz einnahmen und das hochsommerliche,
mit den Melonen an der Spitze.
1.11.1 Erdbeeren
Man hatte sie als frühe und späte, und meist aus selber vermehrten
oder von Nachbarspflanzen gezogenen. Im August, wenn gewöhnlich die
jungen Schlingtriebe Wurzeln hatten, sind sie abgestochen und auf einen
leicht vorgemisteten und lockeren Boden versetzt worden. Nicht zu nahe
beieinander haben sie leicht bis zum Frost genug neue Wurzel getrieben,
und Ende Mai nächsten Jahres hat man von ihnen schon Erdbeeren essen
- oder verkaufen - können. Bei Frühjahrspflanzung hatten die
Setzlinge im ersten Jahr kaum Kraft und Zeit zum Blühen, wenn überhaupt,
gab es Erdbeeren nur zum Verkosten.
1.11.2 Melonen
Sie wuchsen im tiefen Batschkaer Boden in mehreren Sorten, immer süß
und in jeder Größe zwischen 1 und 10 kg. Gegessen hat man sie
viel und gerne - und hat auch noch dem Vieh davon abgegeben. Wassermelonen
hat man in Mistlöchern mit eigenem Samen - solchem, den man im Vorjahr
aus einer guten Art getrocknet hat - gezogen. Von ca. 5 Pflänzchen
hat man die zwei stärksten im rund aufgehäuften Pflanzenloch
gelassen, und wenn es nicht geregnet hat, jeden Tag gegossen. Wenn die
Triebe und Wurzeln mal einen halben Meter lang waren, musste man nicht
mehr gießen, dann ernährten sie sich aus dem feuchten Mist
und haben bald die ersten Melonen gezeigt. Jetzt musste man sehr Acht
geben beim Hacken und Gehen zwischen den Schlingtrieben, denn wenn man
einen Trieb verrückte, sind die kleinen Melonen abgestorben. Das
war bei Wasser- und Zucker- /Honigmelonen dasselbe. Bis auf wenige Unterschiede,
z.B. bei äußerlich sichtbarem Reifwerden, da gab es auffallenden
Unterschiede bei den beiden Melonensorten. Die Wassermelonen waren reif,
wenn man beim Anklopfen oder Schnalzen mit einem krummen Zeigefinger unter
der Schale einen tiefen Ton hörte und wenn dazu noch das kräuselige
Schlinghaar am Ansatz trocken war. Wollte man bei anderen großen
Melonen sicher gehen, so hat man sie am Wuchtansatz abgedreht. Bei den
Zuckermelonen hat die gelbe Farbe und weiche Haut gezeigt, dass sie reif
sind. Waren sie alle mal abgerupft, so haben sie sich eine Weile nur dann
gehalten, wenn die Schale/Haut noch ganz war und sie auf einem kühlen
Platz aufgehoben wurden. Der beste und kühlste Platz für sie
war der Ziehbrunnen, wo man sie im Wassereimer oder an einer Schnur mit
einem extra Gefäß über dem kühlen Wasser hängen
ließ. Hatte man zu viele Melonen, so ist es schon mal vorgekommen,
dass man alle im Wasser schwimmen ließ. Je wärmer und regenreicher
der Sommer war, umso größer war die Fechsung und umso mehr
ist für die Hofviecher an kleineren, überreifen Melonen verfüttert
worden; man hat den Hühnern und Enten, ebenso wie den Schweinen,
soviel sie auf einmal fressen konnten, hingeschmissen, dass die Schalen
aufplatzten. Im Herbst, vor dem ersten Frost, hat man die Melonenpflanzen
abgeräumt und noch einmal eine letzte Auslese zum Verfüttern
und zum Einlegen gemacht: Alles, was weich und am Stiel trocken war, ist
weggeschmissen worden. Die grünen und halbreifen, zwischen Walnuss-
und Faustgröße, hat man abgewaschen und zum Einlegen aufgehoben.
Besonders lang, bis in den Winter, haben sich Wassermelonen - und ebenso
Kürbisse - gehalten, wenn man sie mit dünner Kalkbrühe
eingestrichen und in einen Fruchthaufen eingegraben hat.
1.11.3 Erdnüsse
Bei ihnen war die Tatsache wichtig, dass sie recht gut in einem sandigen
Bodenabschnitt gediehen. In Reihen wie die Bohnen, aber zweimal so tief,
wurden gekaufte, frische Erdnüsse, ca. 5 cm tief, in Scharrelöcher
gelegt und angestampft. Die Hack- und andere Arbeiten hat man bis zum
Herbst so gemacht, wie bei den Weißbohnen, nur wenn es ans Rausmachen
der Fruchtwurzel ging, war es wie bei den Kartoffeln: Mit einer großen
Hacke hat man von Stock zu Stock die ungefähr fünf Wurzeln mit
je zehn Schoten ausgegraben. Nach dem Trocknen kurz in der Sonne, oder
länger auf dem Dachboden, hat man die Nüsseschoten auf dem Markt
verkauft oder in einem Sack zum Rösten in einem Backofen aufgehoben.
1.12 WILDES OBST UND GEMÜSE
Es kam ebenso auf freiem Feld, wie auf der Wiese und im Wald vor. Man
hat es dann geerntet, wenn man eben bei der Feldarbeit oder beim Vorbeifahren
auf es aufmerksam wurde und gerade Lust danach hatte, z.B. an einem heißen
Tag, wenn jeder frische Geschmack im Mund recht war. Die bekanntesten
und gern gerupften Obstarten waren die verschiedenen Beeren, wie Brom-
und Himbeeren an verwilderten Sträuchern, kleine Erdbeeren an schattigen
Wegen und im Wald, Pflaumen an Wegrändern und Schonungen, wo auch
die kleinen und sauren Äpfel, Birnen, Schlehen für die Vögel
wuchsen. An Gemüse hat man am häufigsten wild angetroffen Meerrettich,
Sauerampfer und die Gras- und Waldpilze, von denen man die zwei-drei häufigsten,
die Nelkenpilze auf allen Wiesen, die Pfifferlinge unter den Bäumen,
und eine Art von Schirmpilzen auf abgeschnittenen Pappelstämmen gesammelt
und heimgenommen hat. Ein paar Sauerampferblätter haben auch roh
an heißen Tagen gut getan.
1.13 WEINGARTEN
Er ist in der Fortsetzung von Obst- und Gemüsegärten oder alleine
für sich angelegt gewesen. Zum Anlegen oder Auffüllen von Reihenlücken
hatte jeder Bauer einen Rebenbohrer im Schuppen oder in der Wirtschaftskammer
hängen. Auf einem frisch und tief umgeackerten oder umgegrabenen
Bodenstück hat man mit einem Reihenzieher ein paar 1 – 1,5
m breite Reihen vorgezeichnet und danach mit einem Rebenbohrer ca. 60-70
cm tiefe und 10 cm runde Rebenlöcher gebohrt. Das hat man so gemacht,
dass der Bohrer nur langsam in den Boden gedreht wurde und so die Löcher
eine feste Wand bekamen. Meistens hat ein Helfer gebohrt und der Bauer
hat gesteckt, entweder gekaufte, veredelte Stecklinge mit Wurzeln oder
- was bei den bekanntesten Sorten immer der Fall war - 50 cm lange und
gesunde Triebe, die er eben vorher von einem nicht zu alten Rebstock abgeschnitten
hat. Große Weingärten auf offenem Feld haben die Bauern ohne
Rebenbohrer und nur hinter einem Tiefscharpflug gesteckt, so, dass sie
mit den Stecklingen im Arm hinter dem Pflug, in der Furche gingen und
alle 80 - 100 cm eine Rebe aufrecht an die gestürzte Bodenseite lehnten.
Nachher wurde mit dem nächsten Furchengrund die ganze neue Reihe
zugedeckt; man musste nur Acht geben, dass nicht mehr als ein Auge aus
dem Boden herausragte.
1.13.1 Weingartenarbeit
Hacken, Spritzen, Schneiden, Geizen, Decken hat man bei uns so gemacht,
wie auf der ganzen Welt, wo guter Wein wächst und die Trauben mit
viel Liebe gepflegt werden. Deswegen soll nur soviel gesagt sein: Bei
allen Arbeiten hat man lieber einmal mehr hingelangt, als dass wir uns
nachsagen ließen, wir hätten unseren Weingarten verkommen oder
verwildern lassen. Das war so, seit unsere Ahnen die Badischen und Hessischen
Sorten - wie Burgunder und Delaware - beim Ansiedeln eingeführt und
auch manche guten Wilden - wie die Othello oder Isabella - an der Donau
vorgefunden hatten. Die unedlen haben kein regelmäßiges Spritzen
und Geizen gebraucht und sind auch gut über manche Peronospora gekommen.
Bei den Edleren musste man ebenso beim Spritzen wie beim Rückschnitt
sorgfältig vorgehen, da sie fast alle eine arteigene Behandlung benötigten:
mal - wie Riesling und Kövidinka - hat man nur ein-zwei Traubenaugen
am Trieb belassen, dann - wie bei den Blaufränkischen, Annatrauben
und Lindenblättrigen - haben es unbedingt über drei sein müssen,
weil die ersten zwei nie Trauben brachten. Mehr als 5 Augen hatten nur
die Reben-Spaliere. Manchmal ist die junge Rebe dran geblieben und ist
ein Jahr lang frei gewachsen, auch wenn sie nicht gleich große Erträge
hatte. Um alles richtig zu machen, hat man auch schon in unserer Zeit
gute Bücher für die Rebenzucht gehabt - und regelmäßig
gelesen. Auch die anderen praktischen Gartenbücher wurden gerne gekauft,
wenn man sich nicht mit den alljährlichen Kalenderratschlägen
zufrieden geben wollte.
Der Rückschnitt: das einzige Triebauge war das wichtigste bei jeder
Art von Rebstöcken. Hat man über dem Auge zu kurz den Schnitt
angesetzt, oder das Auge selber zu hoch aus dem Pflanzloch rausstehen
lassen, so ist, bei einem trockenen Sommer, die Steckarbeit vergeblich
gewesen. Dasselbe war bei zwei oder mehr rausstehenden Augen der Fall:
Der Saft wollte immer in das oberste Auge und ist auf dem Weg dorthin
vertrocknet.
Beim Spritzen hat sich jeder Weinbauer an den bewährten Blaustein
gehalten. Mit einer Anfangsmischung von 1% Blaustein - bei den empfindlichen
ersten Blättern - und einer sugsessiven Steigerung auf 2% - bei den
alten, dunkelgrünen Blättern - hat man keine Überraschung
riskiert. Zur besseren Haftung und Wirkung hat man zu Blaustein ebenso
viele Gewichtsteile Löschkalk zugemischt. Gut geseiht hat die Brühe
langsam von vorne und hinten auf die Blätter gespritzt werden müssen,
bei Regenwetter öfters, bei schönem seltener; aber immer lieber
bei verdecktem Himmel, als bei zuviel Sonne. An fertigen Spritzbrühen
hat man gebraucht: ca. 100 l für so viele Rebstöcke wie das
Jahr Tage hat, und diese Menge hat ein Bauer in ca. 3 Stunden verspritzt.
Ein regnerisches Jahr hat von Mai bis Juli zweiwöchentliches Spritzen
nötig gemacht, sonst war im Durchschnitt viermal pro Saison genug.
In eine Rückenspritze, mit Handpumpe, gingen max. 15 Liter, man hat
aber auch sehen können, dass alte Bauern und Jugendliche nur mit
der Hälfte von Mal zu Mal genug zum Tragen hatten. Worauf man beim
Spritzen noch Acht geben musste, war das Ölen der Spritzgestänge
und Spritzkolben. Dafür hat man immer ein leichtes, flüssiges
Maschinenöl genommen, das man auch für Haushaltsmaschinen (Singer-Nähmaschine)
- nicht für Bauernmaschinen, die schmierte man mit dickflüssigem,
gebrauchtem Motorenöl! - genommen hat. Nur bei gutem Ölfilm
um den Presskolben hat das Spritzmittel ausreichenden Druck gehabt und
ist schön gleichmäßig verstaubt worden. Die beste Spritzregel
hat aber nichts genützt, wenn die anderen Arbeiten vernachlässigt
worden sind: vor allem das Hacken, Scharren, Geizen und Rausreißen
der wilden Wurzeltriebe und solcher, die an einem Spalier zu weit unten
wuchsen; sie haben viel Kraft von den Traubentrieben gesaugt. Obwohl alle
diese Arbeiten keine große Kunst waren, hat ein Anfänger im
Weingarten schon paar Jahre lang Lehrgeld zahlen müssen.
1.13.2 Traubensorten
Die bekanntesten Traubensorten: frühe Annatraube, aromatische Muskat,
saftigste Gutedel, lang haltbare - und deshalb beliebte Tafeltraube -
Mandeltraube, ertragreiche Lindenblättrige, die größtfrüchtige
Geißtitte – alles weiße Sorten. Steinschiller, als ertragreiche
Weinsorte, ebenso Kövidinka und die große Kardinal - beide
leicht rötlich. An dunklen Sorten gab es meist die ertragreiche Kadarka,
feinsaftige Blaufränkische und die wildwachsenden Otello und Isabella.
1.14 SCHONUNGEN UND EINZELBÄUME
Dort wo die Lage - und das Amt - es erlaubt hat, oder wo man
gern ein bisschen Abwechslung in den Hotter bringen wollte, hat man eine
kleine Waldschonung oder auch nur ein-zwei einzelne Bäume gesteckt.
Im Großen wie im Kleinen ist das meistens mit gekauften Stecklingen
gegangen. Mit Ruten hat es nur ein erfahrener Bauer gemacht, z. B. mein
Vater mit seiner Pappelschonung, in den vierziger Jahren. Bei unserer
Vertreibung war die 5-reihige, ca. 50 m lange Schonung eben im besten
Saft und ist jährlich schon um 2 m gewachsen. Sie zu verlieren hat
mir so leid getan, als wenn man einen guten Kameraden verliert. Beim Anlegen
hat man zuerst tief umgeackert, geeggt und geschleift. Dann hat man mit
ein paar Taglöhnern und einer langen Schnur eine Reihe gleichgroßer
Löcher von 40x40cm und 60cm tief, in einem Abstand von 3m gegraben.
Beim Stecken der vorgetriebenen Stecklingen ist der Boden mit den Wurzeln
angegossen worden. Im ersten Jahr hat man ein paar Mal im Sommer nachgegossen,
so dass von den Stecklingen kein einziger ausgetrocknet ist. Als wir weggebracht
wurden, hätte es noch ein paar Jahre gebraucht und wir hätten
schon von jedem zweiten Baum einen geraden Heubaum machen können.
Andere Pappel- und Akazien-Schonungen haben die Bauern auch nur mit frischen,
meterlangen Ästen gesteckt. Dafür haben sie lange Erdbohrer
genommen und den frisch umgeackerten Boden bis zum Anschlag aufgebohrt
und die Stecklinge so in das Loch getan, dass nur ein-zwei Augen herausgeschaut
haben. Bei einem feuchten Jahr hat jeder Steckast ausgetrieben, sonst
hat man mit dem Fasswagen zwischen die Reihen fahren und mit Eimern in
die aufgehäufelten Pflanzenlöcher Wasser gießen müssen.
Dort, wo es schon Pumpen gegeben hat, ist ein Wasserloch angelegt und
immer für eine Gießreserve gesorgt worden. Es soll nur noch
der große Nutzen von all diesen Schonungen erwähnt werden:
Ob man sie selber nach und nach zu Stöcken, Stangen und Balken verarbeitet
oder vom Fleck einzeln oder im Ganzen verkauft hat, sie haben gewichtsabhängig
immer gutes Geld gebracht.
1.15 SONSTIGER FELDNUTZEN
Da ist an den Nutzen gedacht, für den man nichts zahlen musste, da
er aus freier Natur kam und nur eigenen Arbeitseinsatz benötigte.
Gemeint ist das Sammeln von Tee und Heilkräutern auf staatlichem
bzw. ,Niemandsland’, aber auch dort, wo das private Feldstück
nicht eingezäunt war.
Teesammeln war die häufigste und in jedem Alter gern gemachte Arbeit,
in der Zeit, als die entsprechenden Bäume und Blumen blühten,
bestimmte Pflanzen, Stängel und Samenköpfe reif waren. Von Bäumen
hat man am meisten Akazien- und Lindenblüten dort gesammelt, wo es
eben am schönsten geblüht hat: bei Einzelbäumen auf der
Straße oder auf freiem Feld. Von den Nussbäumen und vom Holunderbusch
waren die ersten Blätter im April zum Trocknen für Tee gut.
Sonst hat es bei den Gartenblumen und ‘verhassten Unkräutern’
eine ganze Reihe schon früh gegeben, die man aber auch gern in der
ganz warmen Jahreszeit gepflückt hat: Kamille, Rosmarin, Brennesel,
Löwenzahn, Lungenkraut, Huflattich und Tag-und-Nachtschatten mit
allem Grün- und Blütezeug. Da die Holunder- und Wacholderbeeren
ganz besonders feine Getränke abgegeben haben, hat man sich schon
eilen müssen, wenn man anderen Sammlern zuvor kommen wollte. Die
Blüten des Holunderbusches haben eine Woche im Wasser eingeweiht,
guten Sirup gegeben, den man, im Keller gekühlt, gerne getrunken
hat. Fast alle Teeblüten, -blätter und -beeren hat man gleich
nach dem Pflücken kochen, und auch roh essen können, man hat
sie aber am meisten getrocknet und für den Winter aufgehoben. Dass
es bei uns noch keine Ratschlag-Bücher für ihre Anwendung als
Medizin gegeben hat und dass unsere Leute nur vom Hörensagen und
Probieren ihre Wirkungen und Geschmäcker gekannt haben, soll auch
erwähnt werden.
Wilde Heilkräuter hat man unterschieden: solche zum Verkaufen,
und andere, die man selber als Medizin genutzt hat. Dort, wo es ums Dorf
herum viel Wiese gab, haben ärmere Kleinhäusler und Schulkinder
Kamille, Löwenzahn, Huflattich, Johanniskraut und Sauerampfer - die
Arten eben, die sie am besten gekannt haben - zum Verkaufen (und im Zweiten
Weltkrieg für die Frontsoldaten) gesammelt. Für den Eigenbedarf
hat man in der Familie und in der Schule gepflückt: Kamille, Brennesel,
Gichtbeere, Wiesenkümmel und -Dill, wilde Tag-und-Nacht-Schatten
und Klettenwurzel; darüber hinaus haben manche Braucherweiber viel
mehr Grünzeug und Wurzeln gesammelt, von deren Wirkungen sie überzeugt
waren und die auch bei vielen Unpässlichkeiten geholfen haben.
2 HOFWIRTSCHAFT
Darunter ist die laufend notwendige Arbeitsweise – das Wirtschaften
- gemeint, die auf unserem fokussierten Musteranwesen notwendig war, um
das lebende und tote Inventar sozusagen in gutem Zustand – eben
funktionsfähig – zu erhalten und den Hofertrag pünktlich
einzubringen und zu verwerten.
2.1 Alltagsarbeit
Hofarbeit tagsüber hat man unterschieden in solche Tage, die nur
auf dem Hof, und andere, die auch draußen, auf dem Feld erledigt
wurde. Was in allen zwei Fällen gemacht werden musste, war das Futterrichten,
Hof- und Straßenkehren, Ausmisten - durch den Bauer oder Knecht
- und das Melken. Frühstückmachen - von der Frau oder einem
Dienstmädchen. Je nachdem, wie die Arbeit- und Hausordnung war, sind
alle Familienmitglieder und Hausangestellten zwischen vier und fünf
Uhr morgens aufgestanden: Mann und Frau aus ihren Betten in der Vorderküche,
der Knecht aus seinem Pritschenbett in der Knechtskammer oder im Stall
und das Dienstmädchen aus seinem Beistellbett in Hinterküche
oder -zimmer.
Tägliche Fütterung: Beim Futterrichten für die Schweine
hat man zwischen Frischfutter und dem Mischfutter unterschieden. Das Kochen
von Schrotbrühe und Kartoffeln ist jeden Tag frisch gemacht worden,
Rüben und Kürbisse hat man alle zwei-drei Tage mit der Rübenraspel
geraspelt oder mit einem Beil zerhackt. Grünfutter, wie Mischling
oder Rübenblätter, hat man einmal die Woche in der Hexelmaschine
gehexelt und im Viehstall aufgehäufelt. Über einem guten Kesselfeuer
ist das Kochfutter in einer halben Stunde verkocht gewesen und man hat
es, zusammen mit klarem Brunnenwasser, handwarm, den Schweinen und Kühen
im Eimer zu saufen gegeben. Nach der Brühe haben sie Raspel- oder
Hexelfutter in den Trog - die Pferde und Kühe noch Heu in die Raufe
- bekommen. Sind Läufer für die Schweinezucht da gewesen, so
haben sie nur eine schwache Schrotbrühe bekommen.
Austrieb - Schweinehüten. Wenn das Horn des Hüters gerufen
hat (ausgenommen im Winter), wurden Jungschweine schnell auf die Straße
hinausgelassen. Auf der Halt waren sie unter Gleichaltrigen und haben
den ganzen Tag auch schlechtere Gemeindewiesen abgegrast oder aufgewühlt.
Gegen Mittag hat sie der Halter zu einem Wasserloch getrieben, wo sie
eine Stunde lang gesoffen, im Schlamm gewühlt oder geschlafen haben.
Danach hat der Schweinehirte geschaut, dass er für sie einen neuen
Futterplatz findet, hat sie entweder am Feldweg grasen lassen oder auf
ein größeres Stoppelfeld zum Kernauflesen getrieben. Ein-zwei
abgerichtete Hunde haben ihm geholfen die Halt so zu hüten, damit
sie keinen Schaden anrichtete. Die Schweine waren nach ein paar Tagen
genug abgerichtet und haben gewusst, was sie dürfen und was nicht.
Und gegen Abend, wenn die Sonne schon fast die Höhe der Bäume
erreicht hat, ist die Halt heimgelassen worden, so dass der Halter sie
schneller angetrieben und die Hunde von vorne weggerufen hat. Bis auf
die erst- oder zweitägigen Neulinge haben alle Zuchtschweine alleine
den Weg in den eigenen Stall gefunden; zuhause hat nur das Hoftor und
die Schweinestalltür gegen Abend aufsein müssen. Im Stall hat
sie eine frische, warme und etwas dickere Schrotbrühe erwartet, so
dass sie nach dem Essen gut schlafen konnten. Ein Austreiben auf die Halt
war bei Läufern so wichtig, wie das spätere Mästen: da
haben sie die Fleischmuskel bekommen, die später zu guten, großen
Schinken wurden. Dort, wo keine Halt war, wo man zu viele Läufer
hatte oder sonst wegen etwas anderem kein Austreiben wollte, sind die
Schweine ein paar Stunden am Tag mindestens in den Hinterhof gelassen
worden, wo sie sich auch verlaufen konnten. Ohne tägliche Bewegung
hat es keine gute Mast gegeben.
2.1.1 Stallarbeit
Das Futterrichten für andere Viecher: Kühe und Pferde
haben schon nachtsüber immer genug Heu in der Raufe gehabt, so dass
man ihnen in der Früh nur Wasser und trockene Körner gegeben
hat. Bei den Kühen war das Ausmisten und Melken auch gleich an der
Reihe, weil die vollen Euter anfingen zu schmerzen. Während die Kühe
gefressen haben, hat man unter ihnen ausgemistet, so dass man die Fladen
und den Strohmist mit der Mistgabel auf den Schubkarren geladen hat. Das
Melken war aber wichtiger als das Saubermachen vom ganzen Stall, deswegen
wurde der Mistkarren vorläufig bei der Tür stehen gelassen und
das Melken begonnen. Nur in Ausnahmefällen hat der Bauer der Bäuerin
oder der Magd das Melken abgenommen. In einer guten Arbeitsteilung sorgte
der Mann für die Sauberkeit des Stalles und die Frau für eine
saubere Milch. Das bestimmte die Gleichzeitigkeit der frühmorgendlichen
Arbeiten, auch deshalb, weil gesunde Kühe eine greifbare erste Tageseinnahme
bedeuteten. Die Sauberkeit der Ställe spielte auch bei den übrigen
Haustieren eine wichtige Rolle: bei den Schweinen als Vorbeugung gegen
Wurmbefall, weil dieser hauptsächlich über den Kot verbreitet
wurde; bei Schafen als Garant für saubere und daher wertvollere Wolle;
beim Federvieh als ein sicheres Mittel gegen Seuchen, wie Hühnerpest
und Verlausung, usw. Kurz und gut, der Stall war eine Visitenkarte vieler
unserer Bauern.
2.1.2 Hofarbeit der Männer
Auf einem Bauernhof gab es immer genug zu tun. Zur alltäglichen Gewohnheitsarbeit
gehörte – beginnend am frühen Morgen -, nach dem Füttern
des Großviehs, ein Rundgang des Bauern um den Hof und Garten. In
der Wachstumszeit sah er so nach der Ordnung bei den Pflanzen, dabei mähte
er gleich mit der Sichel oder Sense frisches Grünfutter für
den nächsten Tag und nahm das Gemähte vom Vortag auf einer Schubkarre
mit. Beim Füttern musste das Grünfutter abgelegen sein, weil
es sonst Blähungen beim Vieh verursacht hat. Nach dem Rundgang kam
das Herrichten des Geschirrs für die Zugtiere an die Reihe. Da man
ja von allem das mehrfache hatte, hat man das kaputte oder fehlerhafte
zum späteren Reparieren aussortiert. Ist man an dem Tag auf das Feld
gefahren, so war jetzt, noch vor dem Austreiben die Zeit dazu, sonst ist
es mit der Hofarbeit weiter gegangen. Z.B. war das Heu zu stechen, Mist
aufzuladen, Häcksel und Raspel für morgens zu richten, Mais
ribbeln und schroten, Stallvieh bürsten und striegeln, dann auf dem
Dachboden das Getreide umschaufeln und vielleicht die Bohnen- und Erbsenwürmer
zu bekämpfen. Dazwischen war das Frühstück um ca. Acht
Uhr, das Mittagessen, um genau Zwölf, wenn es Mittag läutete,
das Vesper um ca. halb Vier, und das Abendessen nach dem Abendleuten um
Sieben Uhr. Vor dem Schlafengehen, um 11 Uhr, hat man noch einmal eine
Kleinigkeit aus der Speisekammer oder Räucherkammer geholt und gegessen.
2.2 DER BAUER ALS HANDWERKER
Das Herrichten der Gerätschaften in der Haus- und Bauernwirtschaft
war Männersache. Sie hat in drei größere Bereiche eingeteilt
werden können: Solche mit Maurerkenntnissen, mit Zimmermann- und
Schmiedfähigkeiten und dann noch jene mit Geschicklichkeit bei Leder-
und Stoffarbeit am Stall- und Zuggeschirr. Zu den ersten und wichtigsten
Maurerkenntnissen hat z. B. das Pflastern, Betonieren und Verputzen der
Ställe, Fressplätze, Wände und Zäune gehört,
eben alles, was eine Kenntnis mit Ziegeln, Mörtel, Kalk, Sand und
Zement und mit Werkzeug erforderte. Dazu soll noch kurz erwähnt werden,
wie man alle Arten von Mörtel angemacht hat. Grundsätzlich hat
jedes mittlere oder größere Bauernanwesen eine Löschgrube
mit zehn-zwanzig Eimern fertigem Löschkalk und einen Sandplatz mit
Donausand gehabt. Den Grabsand hat man in einer Gartenecke unter der Humusschicht,
oder wenn das nicht gegangen ist, in einer gemeindeeigenen Sandgrube gegraben;
Zement ist vom Bauhof eines Händlers, in größeren Dörfern
oder in der Stadt geholt worden. Die Beschaffenheit des gekauften Donausandes
war so, dass man ihn zum Mauern - ausgesiebt - und Betonieren - im Naturzustand,
mit bis zu eiergroßen Kieselsteinen - verarbeitet hat. Gesiebt hat
man nur so viel, wie man für eine bestimmte Arbeit Feinsand gebraucht
hat. So war der Sand am billigsten, und eben so auch der selber gemachte
Löschkalk. Nur dass man da die ganze Fuhre Brandsteine gleich löschen
musste, sonst wären sie vom schlechten Wetter verdorben. Das Mörtelmachen
hat man im freien Teil der Löschgrube gemacht, oder in einer neuen
Fortsetzung von ihr. Der Beton ist auf einem flachen Erdboden, oder neumodisch,
auf einem großen Blechstück gemischt worden. Das richtige Mischverhältnis
war auf dem Sack aufgedruckt: bei z.B. 350er Qualität des Zements
war eine Sandbeigabe bis zum 4fachen, bei 500er bis zum 7fachen möglich.
Und für die kalte Jahreszeit hat es auch schon Frostmittel bis 15
° minus gegeben. Größere Mengen Maurermörtel sind
immer in der ganzen Löschgrube angemacht worden, so dass zuerst die
Kalkbrühe mit Wasser bis zu einer dickmilchigen Flüssigkeit
gerührt worden ist; dann erst wurde Sand und je nachdem Zement dazu
genommen.
Auch der Umgang mit Tischler-, Zimmermann- und Schmiedwerkzeug war auf
dem Bauernhof fast alltäglich: das ganze Handwerkzeug, das man im
Hof und Garten und auf dem Feld gebraucht hat, hat der geschickte Bauer
selber in Schuss gehalten. Die Reisigbesen und Hofbesen hat er selber
gebunden, aus Besenreisig und Weidenrute an einem Akazien- oder Kirschenstock;
Sense und Sichel hat er selber gedengelt und geschliffen, mit einem Dengelhammer,
Dengelklotz, Dengeleisen und Wetzstein. Rätsche und Klapper zum Vogelschrecken
hat er selber macht. Er hat Weidenkörbchen aus Bast und Stroh flechten
können, Ferkel kastrieren, den Kühen beim Wurf helfen; und wenn
sie Blähung gehabt haben, hat er ihnen mit einer langen Nadel geschickt
in den Bauch stechen können. Beim Wagenrichten, Dachausbessern, Stallbauen
und -ausbessern, Zaun und Pforte machen - um nur die wichtigsten zu nennen
und kurz zu beschreiben.
An Material dazu hat man z. B. für Hartholzteile abgeschnittene Akazienstöcke
genommen, und wenn es auch ein weiches Holz getan hat, Maubeerstöcke,
ganz weich, Weiden oder Pappelstangen, die alle vorrätig, auf einem
Stoß im Schuppen, überkreuz aufgeschichtet waren, damit sie
sich beim Trocknen nicht verzogen. Getrocknetes Akazienholz war in jeder
Bearbeitungsart dauerhaft, und man hat es nicht anstreichen müssen;
mit einem Weichholz war es eben umgekehrt, das hat immer eine Schutzschicht
haben müssen. Die ist am einfachsten aus paarmaligem Einstreichen
mit Wagenschmiere gewesen, oder wenn sie teuer sein durfte, aus reinem
Firnis und Firnisfarbe.
2.2.1 Arbeitsgeräte
Die wichtigsten Arbeitsgeräte für Holzarbeit waren die Schnitzbank
und das Schnitzmesser. Mit ihnen hat man die Schäl-, Spitz-, Stemm-
und Glättarbeit gemacht. Auf einem vierfüßigen Klemmbock
hat man rittlings gesessen und hat das Holzstück mit einem Fuß
über den Klemmkopf so eingeklemmt, dass es bei der Arbeit nicht verrücken
konnte; und die zwei Hände haben so das zweigriffige Schnitzmesser,
Hammer und Stemmmeißel, Hobel, Raspel oder Bohrmaschine halten können.
Wenn Beschläge notwendig waren, hat man sie von einem gekauften Stahlband
oder Rundstahl heruntergestemmt, da es auf dem Dorf noch keine Eisensägen
gab. Sonst hat man alle anderen Eisenarten nur im kalten Zustand verarbeitet.
Unter den meisten auf einem Bauernhof gelagerten Eisenteilen waren Nägel
in 3-4 Größen, Zollschrauben in 1/4, 1/2 und 5/8 Gewindegröße,
kleinere Schrauben mit mm-Gewinden, 8 mm Rundstangen, 1 bis 4 mm Draht
im Wickel, 2 mm dicke Stahlbänder im Ring, irgendeine Gewindestange
zum Selbermachen der notwendigen Schrauben in allen Längen, handlange
Wandhaken, Ringe für größere Stricke, usw.
2.2.2 Ausbesserungsarbeit
Grobe Leder- und Stoffarbeit am Stall- und Zuggeschirr hat der
Bauer ebenfalls selber erledigt. Dazu gehörte das Ausbessern des
abgenutzten Brustblattes am Pferdegeschirr, Austauschen der Zugstricke,
Flickarbeit an wollenen und wergenen Pferdedecken, dann Vergrößern
der dicken Getreidetücher, Stopfarbeit an Mehl- und Schrotsäcken
- für all dies hat es in der Werkzeugkammer das einfachste Werkzeug
gegeben, wie gerade und krumme Aale, ein-zwei Kürschnernadeln, Seidenschneider
(kurzes Messer) und ein Knäul vom stärksten Schustergarn.
Beim Ausbessern der alten, gestampften Mauern, hat man frischen Lehm
in einer gemeindeeigenen Lehmgrube geholt und ihn über Nacht mit
Wasser angesetzt; je nachdem, wie weich er schon beim Herausgraben war,
hat man ihn nur mit einem eimervoll Wasser überschüttet oder
ganz im Wasser aufweichen müssen; danach ist soviel Spreu und kurzes
Stroh hineingemischt worden, wie im Mauerwerk notwendig war. Maurermörtel
war aus reinem Lehm und Putzmörtel so wie die Mauer; nur bei neuen
Lehmstein-Mauern hat man schon mit etwas Kalkmischung den Lehm verputzt.
Gegen das Auswaschen durch Regen hat man gleich nach einem Tag einen Lehmverputz
mit dünner Kalkbrühe getüncht. So ist die erste Kalkschicht
vom Lehm aufgesaugt worden und hat eine viel längere Lebensdauer
gehabt. Die zweite Tünchschicht war noch einmal milchig dünn
angerührt, erst die dritte war wie Dickmilch und hat einen guten
Wetterschutz - für ungefähr drei Jahre - gegeben; danach hat
man sie frisch übertünchen müssen. Wenn solche Tünchschichten
nach mehrerem Ausbessern, vom vielen unregelmäßigen Abblättern,
schon nicht mehr schön glatt waren, hat man sie ganz mit einem Spachtel
oder der Wurzelbürste abgekratzt und das Tünchen wie beim ersten
mal gemacht.
2.3 FRAUENARBEIT
Draußen im Hof und drinnen in den Räumen des Hauses hat es
schon in aller Herrgottsfrühe so viel Arbeit gegeben, dass sowohl
Hausfrau wie Großmutter oder Magd an den Werktagen immer maximal
ausgelastet waren.
2.3.1 Melken
Gleich nach dem Ausmisten der Kuhställe durch eine männliche
Kraft ging es mit dem Melken los. Der Melkstuhl in der einen, der Wassereimer
mit handwarmem Wasser in der anderen Hand, ging man ans Euterwaschen und
besonders an das Waschen der Titten. Dazu hat man den Melkstuhl mit dem
einen Fuß von der Seite gegen die Euter der Kuh gestellt, hat sich
so daraufgesetzt, dass die angewinkelten Füße unter dem Kuhbauch
und vor ihren Hufen standen; das war wegen des Schlagens wichtig, mit
dem das Vieh den Eimer umstoßen wollte. Weil unsere Kühe selten
mit den Eutern in Mistfladen gelegen sind, war das Euterwaschen mit einem
paarmaligen Tittenbefeuchten fertig. Gemolken hat man so, wie es auf der
ganzen Welt gemacht wird: mit einem Melkeimer schräg zwischen den
Knien und gleichmäßigem, abwechselndem Ziehen mit der krummen
Handfläche, abwechselnd an je zwei Milchtitten. Die Euter sind besser
und sicherer von der Seite gewaschen und gemolken worden. Je bekannter
sich die Kuh und die Melkperson waren, umso sicherer und leichter ist
das Melken gegangen. Hat man einer Kuh das Stoßen und Schlagen nach
dem Eimer nicht abgewöhnen können, so hat es kein anderes Mittel
gegeben, als den Schlagfuß mit einem Strick nach Hinten anzubinden.
Junge oder hartnäckige Schlagkühe hat man entweder mit einer
Längsstange an die Wand gedrückt, oder man hat ihnen den Vorderfuß
am Knie hochgebunden, so dass sie auf drei Füßen stehen mussten
und nicht schlagen und stoßen konnten. Beim ersten Melken einer
jungen Kuh hat man das Euter mit Butter eingerieben und eine Zeitlang
massiert. Die Frischmilch war gegen Gestank und alle möglichen Gerüche
sehr empfindlich, so dass man sie gleich kuhwarm aus dem Stall herausbringen
musste. Je nachdem, was man mit ihr anfing, hat man sie in größeren
oder kleineren Gefäßen aufbewahrt: Für eigene Dickmilch
und Rahm waren in dem Hinterzimmer oder - im Sommer - im Keller genug
saubere Tiegel mit je einem Liter Inhalt hergerichtet, und zum Wegbringen
oder Verkaufen hat man Milchkannen aus Aluminiumblech von 5 und 10 Liter
gehabt. Die Milchhalle hat nur Frischmilch angenommen, die nicht älter
war als 3 Stunden. Junge Melkkühe haben, nach dem Wurf der ersten
Kälber im 2. Jahr, täglich zwischen 10 und 15 L Milch gegeben,
die man in den ersten vier Monaten dem Jungen lassen musste. Ab dem dritten
Wurf und bis zum zehnten, hat man täglich mit 20-25 L Milch rechnen
können, von der das Kalb nur am Anfang alles selber getrunken hat;
man hat ihm lieber schon früh Kraftfutter gegeben, was aus der eigenen
Fechsung billiger war, als die Milch. Zwischen dem 10. und 15. Lebensjahr
der Milchkuh, hat der Bauer geschaut, wie er sie losbekommt - auf einem
Markt oder bei dem Fleischer, wo er soviel Geld bekam, wie ihn ein ungedecktes
Rind kostete. Der Fettgehalt bei unserer Milch hat, bei gesunden Kühen,
3,5 - 5% ausgemacht.
Weitere Frauenarbeiten: Gleich nach dem Melken, kam das Straßenkehren
dran, das man mit dem Rutenbesen oder mit einem Reisigbesen machte; auf
alle Fälle hat man so gekehrt, dass die Kehrspuren zu sehen waren
auf dem Lehmboden, neben dem Pflasterweg. Danach war es hell genug für
das Hühnerfuttern, da die am hungrigsten waren. Die Bäuerin
hat an jedem Morgen die Hühner so gefüttert, dass sie sich nicht
überfressen haben und man sie auch genau zählen konnte. Also
ist es wichtig gewesen, wie viel und wie die Hühner Futter bekamen:
in einem alten Weidenkörbchen oder Eimer ist soviel Kornfutter oder
gerebelter Mais gewesen, dass auf das Stück gerade eine geschlossene
Handvoll gekommen ist; und hingeschmissen oder gestreut wurde in einer
übersichtlichen Reihe, was ein ruhigeres Bild gab und bereits eine
gewünschte Hofordnung suggerierte. Weil aber die Gänse und Enten,
welche in keinem Stall übernachtet haben, auch schon früh fressen
wollten, hat man ihnen in ihre Wassertröge die Körner ins Wasser
geschüttet; so haben es nur sie herausfressen können und nicht
die verfressendsten Hühner.
Die jüngsten Hühner/Küken, Gänse und Enten sind nach
den Erwachsenen dran gekommen und haben in ihre Sturzkörbe das gemischte
Schrotfutter bekommen. In der ersten Woche bekamen sie, statt Wasser,
Kamillentee zum Saufen und feinsten Maisschrot zum Picken. Das ganze Federvieh
hat man bei Sonnenuntergang noch einmal gefüttert und - wenn möglich
– nochmals abgezählt. Tagsüber hat man sich nicht um es
gekümmert. Nur wenn man eins schlachten wollte, hat man es mit einer
handvoll Körnern und dem gewöhnlichen Lockruf zu sich gelockt
und gefangen. So hat man es auch beim Rupfen gemacht, wenn man zwischendurch
das Federrupfen auf mehrere Tage verteilt hat.
Auch noch zu den alltäglichen Frauenarbeiten auf dem Bauernhof hat
das Einsammeln der Eier gehört, das Schlachten des Federviehes, Hof-
und Gang kehren, Blumengarten im Vorderhof und Gemüsegarten richten,
Haustünchen, die Kinder versorgen, Kochen, Einkochen, Backen, Putzen
und Waschen, Kleider für die ganze Familie ausbessern, Nähen,
Stricken usw. usw. - eben alles, was der Mann nicht machen wollte oder
konnte.
2.3.2 Federrupfen
An einem Stück ging das Rupfen so vor sich: nach dem Füttern
hat man die Enten und Gänse in einen Stall getrieben und hat sie
einzeln in den Schuppen geholt. Dort war eine niedrige Sitzgelegenheit
so hergerichtet, dass die Rupferin das Vieh mit dem Kopf zwischen die
Schenkel, mit dem Bauch neben heraus, unter dem angewinkelten Knie festhalten
konnte; nur Anfänger haben die Flügel und Füße gegen
Flattern und Strampeln zusammengebunden. Die gerupften Federn sind in
Federsäcke gekommen, zum Verkaufen; nur wenn man sie für die
eigenen Duchente oder Polster gebraucht hat, sind sie in dünnem Seifenwasser
gewaschen und in einem Netzsack getrocknet worden. Gerupft wurde zweimal
jährlich am lebenden Vieh, am Bauch und das letzte Mal, beim Schlachten,
auch unter und zwischen den Flügeln. Bis so ein Federsack mit dreißig
Kilogramm für den ‚Federjud’ voll war, haben viele Gänse
und Enten gerupft werden müssen. Beim ersten Rupfen, im späten
Frühjahr, hat es ca. 100-150 g Feder pro Ente und junger Gans gegeben,
beim zweitenmal, im September, wenn die Federn weicher waren und es mehr
Daunen gab, ca. 80-90 g.
2.3.3 Maststopfen
Ähnlich wie das Rupfen, hat man auch das Stopfen gemacht: nur dass
da die Gänse oder Enten überquer unter alle zwei Knien der Stopferin
gelegen und nur mit Hals und Kopf seitlich rausgeschaut haben. Angefangen
hat man dreimal täglich mit im Wasser vorgequelltem Mais. Den hat
man neben sich auf dem Boden in einem flachen Gefäß stehen
gehabt und hat ihn handvollweise mit der einen Hand dem Stopfvieh in den
mit der anderen Hand aufgespreizten Schnabel gestopft. Zuerst hat man
keine Gewalt anwenden müssen, weil das Fressen ja gut geschmeckt
hat, aber nach ein paar Tagen hat man schon mit den Fingern einer Hand
den Schnabel fest aufspreizen müssen, während die anderen die
Körner solange hineingestopft und am Hals hinuntergestrichen haben,
bis die ganze Portion weg war. Ist das Vieh nicht mit dem Schlucken nachgekommen,
hat die Futterhand sie gestreichelt und beruhigt. Mit jeweils kurzen Futterabständen
- zuerst drei- dann zweistündig - ist nach der dritten Woche die
Stopfgans oder -Ente schlachtfertig, dick und fett gewesen und hatte eine
Leber, die das Tier bald umgebracht hätte, aber zum Essen fein groß
und zart war - bis zu einem Kilogramm schwer.
2.4 MILCHVERARBEITUNG
Auf dem Bauernhof hat sie zu den Frauenarbeiten gehört. Nach dem
Melken und Aufteilen zum Behalten und Verkaufen, hat die zweite Milchart
- wenn es unter 5 L war - eine alte Person oder das Kind vor der Schule
in die Milchhalle gebracht; war es mehr, ist sie mit einem zweirädrigen
Wägelchen hingefahren worden. Die erste ist aufgeteilt worden in
Trinkmilch im Topf und Tiegelmilch für Dickmilch, Rahm, Butter und
Käse. Bei einem täglichen Frischmilchverbrauch für Essen,
Kochen und Backen von ca. einem halben Liter pro Person ist schon bei
einer einzigen Kuh viel Milch zum Weiterverarbeiten übrig geblieben.
Am einfachsten war das Stehenlassen der gefüllten Tiegel in einer
Kammer- oder Speisestellage, wo je nach dem Wetter, nach zwei bis vier
Tagen die Milch dick genug war und eine fingerdicke Rahmschicht bekommen
hat. Der Rahm ist so bald wie möglich von der Milch heruntergenommen
und in den Keller in einen Rahmtopf gekommen, wo man ihn bis zu anderthalb-zwei
Wochen gesammelt hat zum Buttermachen.
2.4.1 Butterherstellung
Unsere Bauernfrauen haben ihn mit nicht über zwei Wochen altem Rahm
gemacht, damit das Stoßen nicht zu lange dauerte. Zuerst haben sie
den Rahm, so wie er im Rahmtopf mit Molke abgestanden war, handwarm auf
dem Sparherd angewärmt und dann in das saubere Butterfass geleert.
Mit einem löchrigen Stoßkolben ist zwischen zwei und fünf
Stunden lang gestoßen worden. Je nachdem, wie fett und frisch der
Rahm war, hat man kürzer oder länger stoßen müssen.
Wenn sich die Butter am Kolben angesetzt hat, hat man sie nur noch in
kaltem Wasser auskneten und in ein flaches Gefäß füllen
und glatt streichen müssen.
Butterschmalz hat man aus Sauerrahm gemacht mit langsamem Kochen, solange,
bis es nicht mehr gedampft hat. Als eine nahrhafte und lang haltbare Sorte
davon, kann man die Butterschmalz-Würfel betrachten. Man hat ins
heiße, flüssige Schmalz Mehl und Salz verrührt und gleich
gebräunt. Nach dem Abkühlen in einer Backplatte, wurde die Masse
in daumengroße und fingerlange Würfel geschnitten, die man,
wenn es nichts anderes gegeben hat, als Jause gegessen hat.
2.4.2 Quarkherstellung
Von der Dickmilch hat man so am einfachsten Quark gemacht, dass man sie
leicht über Handwärme angewärmt und von der Molke mit dem
feinen Sieb getrennt hat. Das Feste ist als Frisch- oder abgestandener
Quark – wir sagten Käse - gleich zum Backen oder später
zum Essen genommen worden. Die Molke hat man zum Kalb- oder Ferkelfutter
dazugemischt.
2.4.3 Backsteinkäse
Beim Backsteinkäse hat man die warmgemachte Dickmilch in handgroße,
löchrige und mit einem Leintuch ausgelegte Kästchen geschüttet,
in dem sie zu Käse geworden sind. War die Molke ausgeronnen, sind
auf die eingewickelten Käsestücke Gewichte gelegt worden, und
von Zeit zu Zeit hat man sie mit einem Tuch herumgedreht. Nach zwei Wochen
hat man sie herausgenommen und mit Salz abgerieben. Die Kästchen
hat man gut mit warmem Wasser ausgewaschen. Wenn man diese Käseart
etwas weicher wollte, hat man sie vor dem Gären mit etwas gekochtem
Kartoffelbrei vermischt.
2.4.4 Gewürzkäse
Um Gewürzkäse zu bekommen hat man den Quarkkäse - auf Ungarisch,
mit Pfeffer und Paprika, auf Französisch, mit Petersilie, Holländisch,
mit Gewürznelken - ansetzen und pressen müssen. Nach achttägigem
Pressen in der Käsepresse oder am Pressklotz, wurde er auf einem
trockenen, kühlen Platz bis zu 2 Monate lang stehen gelassen. Gewürzkäse
hat manchmal gottsjämmerlich stinken können, deswegen war er
nur ein Liebhaberessen.
2.4.5 Harz- oder Kümmelkäse
Ihn hat man aus kleinen, mit etwas Kümmel gewürzten Käsekugeln
gemacht, die man in ein Biertuch gewickelt und 14 Tage im Keller ziehen
ließ. Danach hat man sie mit Salz eingerieben und in die Speisekammer
gebracht. Dort haben sie ausreifen können, je nach Lagerzeit, zu
schwächeren oder stärkeren schmackhaften (stinkenden) Kugeln.
2.4.6 Holländer Weichkäse
Dieser am meisten hergestellte und auf dem Markt in großen Leibern
verkaufte Käse, unser Pritzelkäse, entstand dadurch, dass man
in die handwarme Frischmilch den sogen. Lab aus der Apotheke einrührte.
Dabei musste man acht gegeben, dass nur soviel Lab dazu kam, dass die
Milch dick wurde. Das war, bei zugedecktem Topf, in einer halben Stunde
der Fall. Den dicken, nicht mehr klebrigen Käse hat man von der Molke
getrennt, kleingeschnitten und in einem größeren Topf oder
Kessel gut verrührt, bis er kernig wurde. Die Molke, die beim Wärmen
und Rühren frei geworden ist, hat man zur Hälfte zum Käse
geschüttet und das Ganze noch einmal auf ca. 60 °C heißgemacht
und verrührt. Nach einer guten halben Stunde wurde eine Probe auf
Kernigkeit genommen und, wenn man zufrieden war - und keine Klumpen vorgekommen
sind, die man vielleicht noch einmal hätte kernig aufschneiden müssen
- konnte man den Käse in einem Käsetuch und einem Käseschemel
austropfen lassen. Nach dem Austropfen hat man ein frisches Tuch genommen,
den Käse eingewickelt und in einer Käsepresse oder auf einem
Klotz mit einem Gewicht langsam ausgepresst. Gut von Außen eingesalzen
und immer stärker gepresst, war der Käse dann fertig, wenn er
eine dicke Haut bekommen hat. Zum Selberessen hat man die Käseleiber
kleiner und zum Verkaufen größer gemacht. Der Preis eines guten
Priezelkäse hat sich immer nach dem besten Fleischpreis gerichtet,
überholt hat er ihn nie.
2.5 KÜCHENARBEIT UND -TIPPS
Die Wirtschaft und Arbeit um den Esstisch, kann man mit Blick auf unsere
fleißigen Frauen, als Kochen mit dem Kopf und unter der Losung ,vom
Guten viel’ sehen. Was und wie es gekocht worden ist, haben schlaue
und kluge schwäbische Köchinnen schon in ein paar guten Kochbüchern
festgehalten. Das ‚wie viel’ ist hier auch erwähnenswert,
und nicht zuletzt noch welche Handgriffe und Arbeitsarten unseren Köchinnen
geholfen haben, in knappster Zeit das meiste zu erledigen. Weil man noch
nicht überall Elektrizität hatte, sind alle Mahl- und Reibarbeiten
mit den Händen und etwas Geschick auch schnell gemacht worden.
Kartoffel hat man leichter verarbeitet und sie haben besser geschmeckt,
wenn man die mehligen Sorten nur für Brei und die festeren nur zum
Braten genommen hat. Angelaufene vom vielen Stehen in geschältem
Zustand hat man nicht noch einmal abgeschält, weil man gewusst hat,
dass sie beim Kochen schnell wieder hell werden. Die Kleinen hat man mit
Kleinen, und die Großen nur mit Großen verbraucht, so sind
sie auch gleich schnell weich geworden. Wenn man nicht wusste, wie man
sie kochen soll, wenn man mit den Zutaten nicht im Klaren war, dann hat
man sie gepellt. Pellkartoffel hat man später zu Vielem - Kartoffelpüree,
Zwiebel- und Salzkartoffeln - machen, aber auch kalt mit Speck und Brot
essen können. Die Kochbrühe der geschälten Kartoffel hat
man nie weggeschüttet, sie war ebenso gut als Suppe, als auch Backzutat;
sie und die von ungeschälten war für Ferkel, Kälber eine
Delikatesse. Wenn man ganz schnell gebratene Kartoffeln machen wollte,
hat man sie ganz klein in Würfel geschnitten, da waren sie in einer
viertel Stunde gebraten. War wenig Zeit, wegen zuviel Arbeitsanfall z.B.,
hat man nur Backofenkartoffeln und Speck gemacht.
Altes Brot hat man noch als Eierbrot und Röstbrot genommen, man hat
es aber auch zu Semmelbrösel mit der Nussmühle vermahlen; mit
dem Fleischhammer verklopfte oder mit einem Reibeisen verriebene Brocken
und Brösel hat man als Zutat zu Faschiertem aufgehoben. Gebacken
wurde grundsätzlich mit Mehl aus eigenem Weizen. Man hat es am schnellsten
und besten auf die drei Arten verarbeitet, die seiner Feinheit nach als
grob weiß, fein weiß und gemischt weiß-dunkel entsprochen
hat: 1. Weißbrot- und Biskuitteig für viele Kuchenarten, 2.
Ziehteig für Strudel und viele Blätterteigarten, 3. für
gegangenen Brot- und Strudelteig in vielen Arten. Je mehr man von allen
Mehlarten im Frühherbst gelagert hat, umso billiger hat man das Jahr
überlebt. Abgelegene Aussiedlerhöfe hatten noch bis zu unserer
Vertreibung eigene kleine Windmühlen, die genug grobes, gemischtes
Getreidemehl und Maisschrot gemahlen haben. Mit verschiedenen Handsieben
hat man aus einem Rohmehl feines, grobes und Kleie herausgesiebt.
Eier sind ca. 15 Tage frisch geblieben, deswegen hat man sie beim Einsammeln
und Aufheben in verschiedene Eierkörbe vier-fünf tageweise gelegt,
in denen man sie ohne Verwechslung verbraucht hat. Zum Kochen hat man
nur frische genommen, zum Backen haben es auch ältere sein können.
Angebrütete bekamen die Ferkel.
Fleisch aus dem eigenen Hof ist frisch nach dem Schlachten oder als
Rauchfleisch auf den Tisch gekommen, das vom Fleischer hat man geschickt
mal kürzer oder länger aufgehoben. Man hat es, als Braten ganz
durchgebraten und in eine Schüssel oder einen Schmalztopf gelegt
und mit Schmalz überschüttet. Das gleiche hat man mit Kochfleisch
gemacht: Man hat es nur halb gekocht und ohne Suppe mit Schmalz überschüttet.
Beim Aufwärmen hat man es noch einmal knusprig überbraten, oder
fertig gekocht als Paprikasch, Krautfleisch, usw. Alle Arten von Schmalzfleisch
haben sich in einer kühlen Kammer mehrere Monate frisch gehalten.
Suppen und Paprikasch hat man lieber mit mehr als mit weniger Knochen
gekocht, weil sie sich so besser versülzt und viel länger im
Kühlen gehalten haben. Gewürze hat man im Küchenmörser
oder zwischen einem Tuch mit dem Nudelwalker zerkleinert und erst kurz
vor dem Auftischen die Speisen damit fertiggewürzt, so konnte gespart
werden, weil ihre Würzkraft nicht verkocht wurde.
Essig hat eine geschickte Hausfrau immer so gemacht, dass sie alten
Wein stehen ließ, bis sich eine Essigmutter zeigte; dann hat sie
ihn abgeseiht und in einer Korkenflasche fest zugemacht. Ähnlich
wie der Weinessig, ist der Obstessig mit Obstsaft gemacht worden. Der
gekaufte war Fabrikessig aus den Zuckerfabriken, in denen man ihn aus
Rübenschnitz-Trebern gemacht hat.
Zu Sparsamer Kost können solche Essens-Zusammenstellungen gerechnet
werden, die unsere Köchinnen von sich aus, von den Müttern und
Großmüttern und von den Nachbarn anderer Nationen gelernt haben.
Am ersten Platz beim Sparen kann das Kochen für mehrere Tage und
das Wiederverwerten von Küchenresten und Zutaten stehen. Dann das
grundsätzliche Verwenden von eigenem Geschlachteten und Geernteten
als Zutat. Viel Suppe und viel „falsches” Fleischessen. Wenn
es gegangen ist, hat man Suppe lieber aus Knochen, als aus Fleisch gekocht.
Jeden Tag ein Teigessen und jede Woche am liebsten einmal mehr Einbrennsuppe
mit altem Röstbrot darin. In gefüllte Paprika, Krautwickel und
ins Faschierte (Fleischküchel) hat man nur in der Schlachtzeit viel
Fleisch gemischt. Zwischendurch war auch mal ein Maismehlkuchen gut. Pfannkuchen
haben geholfen zu sparen und waren eine volle Kost. Von Bohnengemüse
hat es am anderen Tag vielleicht noch einmal Bohnensuppe gegeben. Gekauftes
Fleisch höchstens einmal und eigenes nur zweimal in der Woche. Öfter
Kartoffel- als Fleischpaprikasch, usw.
Eintopfgerichte wurden öfter mal nach den Gewohnheiten der Nachbarn
gekocht: Das Rezept für Letscho (ung. lecsó) - ohne Fleisch,
doch mit Schoten-Paprika, Zwiebel, Reis und Tomaten - hat man gern von
den Ungarn übernommen, Topfkraut von den Serben und manches Essen
mit billigem Schaffleisch von den Rumänen. Kartoffel, Bohnen, Kürbis
sind auch mehr ohne als mit Fleisch gekocht worden. Und Brot hat man immer
mitgegessen, sonst wäre man nicht satt geworden. Viel Soße
und Salat hat auch länger satt gemacht. Und nach dem Festessen gleich
Kuchen oder schmackhafte Süßspeise, da hat das Sattsein lang
angehalten, d.h. länger den ‚Magen verschlossen’.
Sparsames Wirtschaften in der Küche bot noch das Vorkochen für
mehrere Tage, das genaue Abschätzen, was die einzelnen Familienmitglieder
gern gegessen haben. Und dann hat eine gute Hausfrau gewusst, wie viel
von was man für eine ungefähre Portion an Zutaten braucht. Z.B.
von Kartoffeln 200-300 Gramm pro Essen und Person, von Pellkartoffeln
das Doppelte; Knochenfleisch ein viertel Kilogramm, ohne Knochen weniger;
Fisch unter einem halben Kilogramm; Hühner viertel Kilogramm; Gemüse
auch soviel; Nudel und Knödel als Hauptgericht 100 g, in der Suppe
20 g; Reis 50-70 g; Schmarren ein viertel Kilogramm; Einbrennsoße
3-4 Esslöffel, Soße als Fleisch- und Nudelzutat, für Pfannkuchen
und Schupfnudel pro Person 6-7 Esslöffel Mehl und je nachdem Eier,
Milch und Wasser. Ebenso hat man bei den aufgehobenen Gewürzen gewirtschaftet.
Sie haben auch eine gute Gelegenheit zum Sparen gegeben. Man hat sie nur
so viel die Woche, den Monat oder das Jahr über gehalten, wie die
Essgewohnheit und die Familiengröße verbraucht hat. Von Salz
hat ein vierköpfiger Haushalt im Haus gehabt: einen Zehn-Kilogrammsack
voll Steinsalz für das Schlachten (und zum Salzen des Viehfutters),
und weitere fünf Kilogramm in der trockenen Speisedose als feines
Streusalz für die Küche; beim gemahlenen Paprika haben es 5
kg getan, als Küchen- und Schlachtpaprika, je zur Hälfte süß
und scharf; an Pfefferkörnern 1 kg, die man, je nach Bedarf, frisch
im Mörser zerstoßen hat; Salizylsäure und Backpulver 1/5
kg; Muskatnüsse 5 Stück, zum frischen Reiben, mit dem Reibeisen,
in den Kuchenteig oder in das Wurstfleisch; gemahlenen Zimt und Vanillezucker
als Puder je l/2 kg; ganze Gewürznelken und Lorbeerblätter,
Kümmel als Körner. Majoran und Safran in Pulverform jeweils
l/4 kg (eigene Schätzung).
Was man noch sehr sparsam in der Küche verbraucht hat, waren die
Streichhölzer. Wenn es ging, hat man lieber zehnmal das Feuer über
nacht im Ofen oder Sparherd brennen oder glühen lassen, als dass
man einmal mehr die ,teueren’ Streichhölzer verbrauchte.
Zum Schluss hat es noch beim Abwaschen nutzen-sparen geheißen -
nämlich das Abwaschwasser für das Geschirr hat man immer zuerst
nur kochendheiß und ohne Salpeterlauge gemacht, so konnte man es
nach dem Geschirrabwaschen den Schweinen geben. Nur wenn das Angebrannte
mit reinem Wasser nicht losgegangen ist, hat man Asche oder Salpetersand
zum Reiben genommen und hat es weggeschüttet. Seifenersatz hat man
aus gesiebter Holzasche immer bei der Hand gehabt. Für sehr angebranntes
Geschirr hatte man ebenso Salpetersand und Lauge in einem Gefäß,
bei den Reinigungsmitteln der Küche, bereitstehen.
2.6 Eindünstregeln
Das Eindünsten war ebenfalls reine Frauensache. Schon mit 10-12 Jahren
hat ein Mädchen alle Küchenarbeiten bei der Mutter, Großmutter
oder einer Tante abgeschaut und hat im heiratsfähigem Alter gut gewusst,
was man durch Einschlagen im Keller, einfaches Trocknen in der Sonne,
in der Speisekammer und im Hinterzimmer lagern kann und was man eindünsten/einlegen
muss. Eingedünstet und eingelegt hat man alles Obst, Gemüse
und Gekochtes, das man nicht frisch essen aber auch nicht aufheben konnte.
Beim Einlegen hat man unterschieden zwischen kalt und heiß. Das
Eingelegte kam in 1- und 2-Litergläser, Gurken und Paprikaschoten
sind in 3- oder 5-Litergläser eingelegt worden. Kalt wurden die Gurken,
grüne Tomaten, Zwiebel und Melonen so eingelegt, dass man die Einlegbrühe
gewürzt und aufgekocht hat; erst nach dem vollständigen Auskühlen
hat man sie über das in Gläsern aufgeschichtete Einleggemüse
geschüttet und über Nacht einziehen lassen. Bevor die Gläser
mit Zelofanpapier und einem dicken Zwirnfaden zugebunden oder mit Eiweiß
eingeklebt worden sind, hat man sie nach einmal bis zum Glasrand vollgeschüttet
und einen halben Löffel Salizylpulver auf die Oberschicht gestreut.
Heiß eingedünstet hat man alle Kernobstarten und alle Gemüsesorten,
die sonst durch Gärung sauer geworden wären. Das hat man am
besten so gemacht, dass man das gewaschene Obst oder Gemüse ganz
oder in Scheiben in die Ein- oder Zweilitergläser getan, 50%-iges
Zuckerwasser fast bis zum Kochen heiß gemacht und langsam über
das Eingelegte schöpflöffelweise geschüttet; die Gläser
sind nicht geplatzt, wenn sie ein paar cm hoch im lauwarmen Wasser gestanden
sind. Nach dem vollständigen Überschütten, hat man die
Gläser mit Zelophanpapier luftdicht zugemacht, hinter dem Batzofen
in eine Duchent gewickelt und zwei Tage langsam auskühlen lassen.
Durch Trocknen hat man grundsätzlich alles Obst und Gemüse
aufheben können. Dabei hat das fleischige Obst und Gemüse nur
eine trockene Haut bekommen, und das weniger saftige ist ausgedörrt.
Das Wurzelgemüse, das saftig bleiben sollte, hat man lieber im Grabsand
im Keller eingeschlagen; auf die Art, dass man nur die Blätterköpfe
herausschauen ließ. Es war wichtig, dass der Sand nicht zu feucht
geworden ist, sonst hat er zu Fäulnis geführt und man hat ihn
rechtzeitig auswechseln müssen.
2.7 Sauerkrautherstellung
Sauerkraut hat die Hausfrau soviel im Herbst gemacht, dass es
bis zum Frühjahr gereicht hat - ca. 10 kg pro Person oder ein 50-Liter-Fass
voll. Dazu hat sie 60 kg oder 40 Köpfe Kraut ins Krautfass schichtweise
eingehobelt, es mit einem Krautstampfer eingestampft und dazwischen immer
etwas Salz (insgesamt ca. 1,5%) gestreut; ein paar Gewürznelken,
Lorbeerblätter und Pfefferkörner haben dem Kraut den notwendigen
Geschmack gegeben und es ist nicht so schnell schimmelig geworden. Sobald
das Fass vollgeschnitten war mit dem Inneren des weißen Krautes,
d.h. ohne den Strunk, hat man es so lange mit den Fäusten oder mit
dem Krautstampfer gestampft, bis die Brühe alles überschwemmt
hat. Dann ist es mit der Gewindepresse unter einem Holzdeckel zugeschraubt
und mit einem sauberen Leinentuch überdeckt worden. Hatte man Mensch
keine solche Sauerkrautpresse, so wurde ein rundes Brett, so groß
wie die Fassöffnung genommen, und darüber kamen, zur Beschwerung,
Bretter und Ziegelsteine. Über den Fassrand hat man dann noch einen
Deckel gelegt, damit das Sauerkraut sicher keine Luft bekam, sonst wäre
es verfault. Am einfachsten war es (so machen wir es heute noch), man
hat immer einen solchen Behälter, der oben und unten den gleichem
Durchmesser hatte, genommen und unter dem Leintuch ein genauen Deckel
gelegt, der möglichst wenig Luft am Rand durchließ, und dann
später, wenn man Sauerkraut herausgenommen hat, nachrutschen konnte.
Am schnellsten sauer ist es bei Zimmertemperatur geworden; weil man es
aber nicht in der Wohnküche säuern konnte, hat man dafür
öfter mal in der Sommerküche eingeheizt.
Sarmakraut/Wickelkraut hat man als ganze Köpfe zwischen dem gehobelten
Sauerkraut gesäuert. So wie man es in der Küche brauchte, hat
man die sauren Köpfe herausgenommen und einzelne Blätter abgemacht
und mit der Sarmamasse gefüllt.
2.8 Seifenherstellung
Eine häufige und besondere Arbeit in der Schlachtzeit war das Seifenkochen.
Das ist in der Oberbatschka so gemacht worden: In einem Kesselhäuschen
ist 20-30 l Brunnenwasser mit 10-15 kg Sparherdasche und 1,5-2 kg Löschkalk
so lange gekocht worden, bis die Federprobe richtig war. Es war dann der
Fall, wenn von einer eingetauchten Gänsefeder der Federteil leicht
vom Stiel mit dem Finger heruntergestrichen werden konnte. Diese Art von
Seifenlauge hat man abstehen lassen, so dass man sie leicht und sauber,
getrennt vom Satz, zurück in den Kessel schütten konnte. Dazu
ist dann ein halbes Kilogramm Salz und das gemischte Abfallfett in einem
Gewicht von ca. 10 kg - oder 1 zu 1 zu Asche - gekommen. Das ganze hat
man frisch aufgekocht und, beim zeitweiligen Umrühren, so lange mäßig
blubbern lassen, bis die Seifenschicht oben geschwommen ist. Das Wasser
darunter war eine düstere bis schwarze Brühe, die zu nichts
mehr gut war. Die Seife hat man in eine ca. 8 cm hohe Holzkiste geschüttet
und abkühlen lassen. War sie hart genug, hat man sie mit einem dünnen,
starken Faden (Schustergarn) in handliche Stücke von einem viertel
Kilogramm geschnitten und eingewickelt aufgehoben. Außer bei dem
Sonntagswaschen und -baden hat man nie für die Leib- oder Sachwäsche
andere Seife, als die selber gekochte, genommen. Das hat sich am besten
am frisch gewaschenen Haar gezeigt, wenn man zuviel Hausseife und zu kaltes
Wasser genommen hat: Man hat zwei Tage gebraucht, bis man das seifensteife
Haar wieder richtig kämmen konnte.
2.9 KINDERARBEIT
Sie kann man einteilen in Arbeitsspiel und Arbeitsnutzen, beim echten
Helfen auf dem Hof oder Feld. Schulkinder kann man deswegen zu den älteren
Leuten zählen, weil man von ihnen nicht immer einen echten Nutzen
gehabt hat: Sie haben mit oder ohne die Alten, die schon ihr Altenteil
bewohnten und bewirtschafteten, machen können, was sie wollten, wenn
nur etwas nützliches dabei heraus kam oder zumindest sie dabei den
erwachsenen Hausleuten keinen Schaden anrichteten. Viele waren regelmäßig
nützlich, das aber nur freiwillig, und wenn sie was falsch gemacht
haben, hat sie der Bauer nicht zur Verantwortung gezogen. Aus eigener
Erfahrung weiß ich, wie ich mein erstes Spielzeug – etwa mit
3 Jahren, als ich noch nicht in den Kindergarten ging – selber gemacht
habe: Es waren die allerersten Butzenpuppen und dann Butzenpferde, die
ich mit einer Hanfschnur am dicken Ende eines Astes gebunden oder mehr
gewickelt habe. Weil aber mein um 7 Jahre älterer Bruder schon eine
ganze Schuppenecke voll Butzenviecher, samt allem Zuggeschirr, Arbeitssachen
und Spielmaschinen gemacht hat und den Sommer über mit einer ganzen
Kinderschar bei uns gespielt hat, ist bei mir bald das Schnäpfchen
gefallen (schwere Entscheidung) und ich habe mehr an seinen schönen
als an meinen hässlichen Spielsachen herumgewerkt.
2.9.1 Arbeitsspiel
Da waren zuerst alle Arten von Bauern- und Paradewagen aus Brettern, Leisten
und Scheibenrädern zusammengeklebt, genagelt und gebunden; und mit
etwas Kinderhilfe haben sie alles Spreu- und Samenzeug im Eck herumfahren
können. Dann war da eine schöne Dreschmaschine mit Traktor und
Elevator, die nicht nur wie echt ausgeschaut haben, sonder auch gegangen
sind, wenn man am Antriebsrad des Traktors mit zwei Fingern gedreht und
sich öfters einen Spleiß holte.
Lebende Spielsachen schaffte man sich dann an, wenn man von den toten
Spielsachen genug hatte. Speziell in unserem Hause war es eine junge Wildtaube,
zu der wir Turtschin-(Türken)-Vogel sagten. Sie wurde uns vom Vater
mal mitgebracht, und wir haben für sie einen Stall mit Nest und Hopfgestell
gebaut. Der arme Vogel hat zuerst weder fressen, noch singen wollen, aber
als wir angefangen haben, ihn mit Gewalt zu füttern, hat er lieber
alleine die Körner aufgepickt; beim Saufen war es ähnlich, um
nicht von mir und den Nachbarskindern ersauft zu werden, hat er selber
ein paar Tropfen geschluckt. Aber gesungen hat er nie, obwohl es ihm alle
in verschiedenen Stimmlagen vorgemacht haben, wie ein junger Turtschin
singen sollte. Beim oder nach dem Spielen kam auch immer ein bisschen
Arbeit in Betracht: Bei den Ferkeln, Lämmern und Fohlen – und
Hasen sowieso -, wo man gar nicht gemerkt hat, welchen Nutzen die Erwachsenen
an einem hatten. Zur Kinderarbeit auf einem Bauernhof oder Feld hat aber
auch das Hofkehren, Maisriebeln und Futterhexeln, Eiersammeln, Obstauflesen,
Blumenpflücken, Pferdeführen, Fruchtehrensammeln/Stoppeln gehört
– und vieles andere, was leicht zu machen und nützlich war.
2.9.2 Seidenraupenzucht
Zu den nützlichsten Kinderarbeiten hat aber das Seidenraupezüchten
gehört. Ab dem Frühjahr, wenn die Maulbeerbäume grün
geworden sind, haben wir – ich war damals zwischen 7 und 11 Jahre
als – aus der Stadt, von einem Galettenaufkäufer ein paar Seidenmotten
bekommen. Für die habe ich in dem Hinterzimmer eine alte Tischplatte
mit vier Brettern eingeräumt und mit einem Leintuch überdeckt.
Unter das Leintuch kamen die Motten mit frischen Maulbeerästen. Nach
paar Tagen haben sie die Äste an manchen Stellen, wie Baumspinnen
eingesponnen und mit vielen Raupeneiern vollgelegt. Aus diesen Eiern hat
es nach einer Woche zu wuseln und Krabbeln begonnen, und die kleinen Seidenraupen
haben angefangen zu leben und von den Mauleerblättern Tag und Nacht
zu fressen. Jetzt hat es geheißen, alle Tage soviel frische Blätteräste,
wie hineingegangen sind, unter das Leintuch zu schieben. Wer ein dünnes
Fadennetz gehabt hat, hat das über die Seidenraupenzucht gespannt
und so den Würmern beim Fressen und Wachsen zuschauen können.
Schon nach 10-14 Tagen waren die Würmer ca. 3 cm lang und haben angefangen,
sich zwischen zwei Ästen einzuspinnen. Die Seidengaletten, die so
entstanden sind, waren meist Taubeneier groß, es hat aber auch einzelne
hühnereigroße gegeben, die doppelt so schwer waren. Meine Raupenzucht
hatte etwas um die 500 Galetten zweimal im Sommer, die meine Leute in
Sombor oder in Baja für mich verkauft haben. War der Sommer zu Ende,
hat man für das ganze Seidengeld eine Hose oder Joppe oder sonst
was Nützliches kaufen können.
Weiterverarbeitung der Galetten wurde – seltener von uns Raupenzüchtern,
und wenn, dann war Erwachsenenhilfe gefragt - in einer Abspuleinrichtung
gemacht, in der die Seidenfäden entweder in lose, 70-100 cm lange
Flechtstricke oder ebenso lange Zöpfe/Ringe aufgewickelt worden sind.
Wie viel der ,Seidenjud’ für die reine Seide bei den Fabriken
bekommen hat, ist nicht bekannt. Da ihm das ganze Dorf, ja der gesamte
Landkreis, Galetten für wenig Geld verkauft hat, muss er schön
reich geworden sein.
2.10 ALTENARBEIT
Außer jener auf ihrem traditionellen Altenteil, gehörte zur
regelmäßigen Arbeit der alten Hausbewohner: das Ausbessern
des Viehgeschirrs und Werkzeugs in Stall und Kammer, das Aufpassen und
Nachhelfen bei der Gärung des Weines und beim Lagern der Kellerkartoffeln;
ihr Verlesen, weil sie neben dem Wein nie faulen durften. Salzen, Wenden
und Räuchern des Geschlachtenen, Straßenkehren und Gemüsehacken
– und eben bei vielen anderen leichten Arbeiten haben sich die gesunden
Alten auf einem Bauernhof nützlich gemacht. Eine größere,
unersetzliche Hilfe aber war die Großmutter, wenn sie sich um die
Kleinkinder, ab dem Wiegenalter und bis zum Schulalter gekümmert
hat. Weil in fast allen Bauernhäusern meist auch die Großeltern
mehr Zeit für die Kleinen hatten, soll diese Art Arbeit der Alten
an Stelle von vielem anderen Nützlichen, das sie in ihrem hochgeschätzten
Lebensabend noch gemacht haben, stehen bleiben.
2.11 WINTERARBEIT
Das vollständige Aufarbeiten der Sommer- und Herbstfechsung ist dann
gemacht worden, wenn man wegen dem Schnee und schneidigen Ostwind aus
den Karpaten (raitzisch Koschawa) sprichwörtlich ,nicht mal den Hund
vor die Tür’ jagen wollte. Die tägliche Früharbeit
war um ca. 7 Uhr fertig, und nach dem Frühstück haben sich die
Männer in der Wirtschaftskammer oder im geschlossenen Schuppen und
die Frauen in Hinterküche und Hinterzimmer zu schaffen gemacht: Dort
war das Holzhacken, Hanfbrechen, -hecheln und -waschen, Wollenreinigen
und -sortieren in erster Linie, da das Federspleißen und alles andere,
was wir bereits bei der Frauen- und Küchenarbeit vermerkt haben.
2.11.1 Hanfbrechen
Das sog. Brechen des gerösteten Hanfes wurde mit der Brechbank, mit
leichterer Doppel- oder schwerer Dreifachmesserleiste so gemacht, dass
die – nach dem Rätzen im Rätzwasser wieder getrockneten
- Hanfbüschel von der Hanftriste hereingeholt und aufgebunden worden
sind. Soviel wie eine Männerhand hat halten können, hat man
verkehrt herum, also mit den dicken Enden nach vorne, mit der linken Hand
festgehalten, hat es quer auf die Brechbank gelegt und mit der rechten
Hand die Messerleiste so schnell, wie es ging, daraufgeschlagen. Je nachdem,
wie trocken der Hanf war, hat das Brechen länger oder kürzer
gedauert.
2.11.2 Hanfhecheln
Der Arbeitsgang zur Reinigung der Hanffasern kam, gleich anschließend
zum Brechen, auf dem Nagelbrett, das auf einem vierfüßigen
Holzbock, mit den Nägeln nach oben, festgemacht war. Mit beiden Händen
hat man das gebrochene Büschel am dickeren Ende festgehalten und
so lange durch die Nägel gezogen, bis der langfaserige Hanf von dem
Brechabfall sauber war. Für Stricke war der Hanf in diesem Zustand
gut, zum Spinnen hat man ihn noch gemangelt, gewaschen und in der Sonne
gebleicht.
2.11.3 Wollschlumben
Das Befreien der Schurwolle von Klumpen und Dreckpollen machte man mit
der sog. Schlumbmaschine, die jeder Schafzüchter und bedeutenderer
-halter im Schuppen stehen hatte. So klumpig und dreckig, wie die Wolle
vom Scherer in Säcke gestopft war, hat man sie in der Schlachtmulde
gewaschen, mit den Händen zerrupft, etwas verlesen und getrocknet.
Die trockenen Haufen sind in den halbrunden Drahtreifen der Schlumbmaschine
gekommen, aus der man mit einem Drehen der Rundkämme die Wolle herausgerupft
hat; so ist sie von Pollen und Verfilzung frei geworden. Die reine Wolle
hat man in Bündel entweder zum eigenen Spinnen aufgehoben oder man
hat sie an die Spinnfabrik verkauft. Aus der übriggebliebenen Verfilzung
hat man die Pollen mit der Hand und einer Schere herausgelesen und –geschnitten
und hat das übrige an die Hut- und Filzmacher verkauft; dass geschickte
Frauen davon weiche Polster gefüllt haben, soll auch nicht vergessen
werden.
2.11.4 Federspleißen
Sie war eine der wichtigsten Frauenarbeiten im Winter. Von den dicken
Federn der Gänse die weichen Teile von den harten Stielen zu lösen,
hieß Spleißen, und das Gespleißte zu dem weichen Federmaterial
zu mischen, hieß Daunensortieren. Beides geschah hauptsächlich
mit den Gänse- weniger mit Enten- und selten mit Hühnerfedern,
die übers Jahr in Federsäcken aufgehoben wurden. Diese Arbeit
musste in einem geschlossenen Zimmer oder einer Kammer gemacht werden,
sonst wäre sie für die Katz’ gewesen: Die Luft und die
ganze Einrichtung ist dabei daunenweiß geworden. Das Spleißen
war einfach: Von den größeren Federn hat man alle zwei Seiten
am dickeren Ende mit einem scharfen Messer angeritzt und mit den Fingern
heruntergerissen. Bei älteren, stärkeren Federn hat man sich
das Anritzen sparen können. Gut waren solche Spleißfedern nur
für das Mischen mit kleineren ungespleißten. Unter die Daunen
hat man sie nicht gern gemischt.
2.12 FEIERTAGS- UND SONNTAGSARBEIT
Dazu kann alle Handarbeit, die Spinn-, Strick- und Häkelarbeit gerechnet
werden, das Strümpfestopfen, und Waschen der kleineren Sachen, wie
Socken, Unterwäsche, Taschentücher u. ä., dann solche Arbeiten,
die man nicht als Sünde angesehen hat: Bohnenverlesen, Paprikamahlen,
Blumenpflücken und -gießen, das Putzen der Innenfenster, Spinngewebe
wegmachen (wenn Besuch zu erwarten war, ansonsten hielt man das Spinnennetz
für nützlich und glücksbringend), Schlachten des Kleinviehs,
alle Küchenarbeiten und eben alles andere, was für das Leben
in der eingeleuteten Zeit in jeder gläubigen Familie nötig war
– und nicht mit Geldnutzen bewertet werden konnte!
2.13 HANDARBEIT
Sie spielte eine große Rolle bei der Feierabend- und Sonntagsarbeit,
die nur dann eine Sünde gewesen wäre, wenn man sie fürs
Geschäftemachen genutzt und das Handarbeitszeug verkauft hätte.
An bekanntester Handarbeit konnte bei unseren Frauen gelten: das Nähen,
Stricken, Sticken, Häkeln, Spinnen und Stopf- sowie andere Ausbesserungsarbeit.
2.13.1 Nähen
Als wichtigste und alltäglichste Handarbeit kann das Ausbessern der
Gebrauchskleidung für die Hausleute gelten. Besonders interessant
dabei und bei der Handarbeit überhaupt dürfte sein, wie man
manche Näh-, Stopf-, Strick-, Stick- und Maschearten nannte. Bei
den Nähstichen hat man unterschieden den Steppstich, breiten und
schmalen Zierstich, festen und lockeren Kettelstich, Stopfstich, einfachen
und mehrfachen Kreuzstich, Saum- oder Endelstich, kurzen und langen Hexenstich,
linken und rechten Stielstich und engen und weiteren Säumstich. Von
den Stopfstichen kann man die für Strümpfe- und Sockenstopfen,
ferner die Ketten- und Schlussstiche als die bekanntesten ansehen.
2.13.2 Stricken, Sticken, Häkeln
Strickarten haben sich unterschieden durch die Maschearten,
von denen die bekanntesten waren, die Einfach-, Doppel- und Mehrfachmaschen
mit einem Wollfaden und diese mit mehrfachen farbigen Fäden. Die
einfache, offene Masche hat einen Kopf, zwei Schenkel und einen Fuß
gehabt. Bei der geschlossenen Masche sind die Schenkel mal rechts, mal
links durch Kopf und Füße gezogen worden. Je nachdem, wie dick
eine Stricksache sein sollte, sind die Schleifen und Fadenstricke mit
offenen und geschlossenen Maschen einfach oder doppelt gestrickt worden.
Bei den wenigen Strickmaschinen, die unsere Bauern gehabt haben, hat man
zum Strickbild Flottung gesagt, mit Fadenstricken, Maschenreihen und Schuss
im Rechts- und Linksfang, Perlenfang und Doppelperlenfang.
Unter den meisten Stickarbeiten, die man mit der Nähnadel gemacht
hat, kann man die Flachstickereien zählen, und darunter rechnet man
die Rahmen-, End- und Lochstickerei, Näh- und Saumstickerei. Man
hat auch manche Arten von Häkelarbeiten gemacht, von denen waren
die bekanntesten, das Netzhäkeln mit der Haken- oder Hekelnadel,
das Filamenthäkeln mit der Filiernadel und das Gabelhäkeln mit
der Häkelgabel, dann noch Paspel- und (weniger) Klöppelspitzen-Häkeln.
Bei den ungarischen Nachbarn hat es viel Rüschelspitzen, bei den
Raitzen Nadelspitzen gegeben. Unsere Bettwäsche, Gardinen, Küchenschürzen
u. ä. hat man mit Loch- und Plattstickerei verziert.
2.13.3 Spinnen
Spinnarbeit mit Hanf, Wolle und (weniger) Baumwolle war in allen Häusern
und bei allen älteren Frauen eine gewohnheitsmäßige Winter-Handarbeit.
Gesponnen ist meistens mit einem hölzernen Spinnrad und sehr selten
mit einer Handspindel worden. Die Teile eines Spinnrades haben Gestell,
Schwungrad, Spulenrad, Fadenspule, Drillgabel und Fußtritt geheißen.
Wenn die Spule voll war, ist das Gesponnene auf einer Haspel gehaspelt
worden. Von da hat man es – als Wolle – auf 10 cm große
Klingel (Knäuel) gewickelt, oder – als Hanf – zu handlangen
und ca. 5 cm dicken Strängen gewickelt und in der Mitte eingeschnürt,
gegen Verhudeln.
2.14 NACHBARSARBEIT
Darunter kann man das regelmäßige Helfen beim Nachbarn im Hof
und Garten rechnen, wenn er krank, weggefahren, eingerückt oder sonstwie
verhindert war. Die regelmäßige Nachbarshilfe wurde groß
geschrieben, ohne dass sie etwas gekostet hätte. Oft kam es vor,
dass ein Nachbar schnell auf das Amt oder anderswohin musste und vergessen
hatte, das Haus abzuschließen. Da war es klar, dass man bei ihm
nach dem Rechten schaute. Er hat sich darauf verlassen können, dass
in seiner Abwesenheit nichts verändert oder verkommt; ans Wegkommen
hat man – was den Nachbar angeht – nicht mal gedacht, geschweige
sich damit abgegeben. Wenn man vom Stehlen Angst gehabt hat, hat sich
das nur auf fremdes ,Gesindel’ bezogen. Deswegen war ein naher Nachbar
oft wichtiger als ein naher Verwandter: Man hat ihn da gehabt, wenn man
ihn brauchte.
3 TIERHALTUNG UND RASSEN
Das zweite Standbein der Selbstversorgung jeder bäuerlichen Hauswirtschaft
war die eigene Fleischerzeugung; und dabei hatte die von Geschmacksunterschied
und Essgewohnheit diktierte Abwechslung ein wichtiges Wörtchen mitzureden.
Die Ernährung unserer Menschen hatte noch nicht den Stellenwert der
Vitamine und sonstigen wissenschaftlichen Gesundheitsgrundsätze erkannt.
Man aß und trank, was schmeckte und genügend Kraft (von Kalorie
sprach man auch noch nicht) für die Erledigung der täglichen
Pflichten sicherte. Lüste und Gelüste hatten ebenfalls einen
hohen Stellenwert bei der Auswahl der täglichen und wöchentlichen
Speisefolge (Näheres dazu siehe unter TEIL III, Absatz 3.3.1-4) Die
Rangordnung zur Beliebtheit der fleischliefernden Haustiere richtete sich
nach dem Verhältnis Arbeitseinsatz zu Fleischmenge. Und da nahm (und
nimmt heute noch im Karpatenbecken) bei weitem Vorsprung das Hausschwein
den ersten Platz ein.
3.1 Schweinehaltung
Aufzucht: In einem ca. 3 x 4 m großen Stall hatte jede Muttersau
genügend Platz, so dass es nicht zu oft vorkam, dass sie sich auf
die Frischlinge gelegt und sie todgedrückt hat. Ist es mal vorgekommen,
dass eine schwere Sau beim Hinlegen auf die Ferkel nicht Acht gegeben
hat, so hat der Bauer an die Wände, in einer Höhe von 20 cm
Längsstangen festgemacht, dass die Ferkel beim schnellen Hinlegen
der Mutter leicht unter ihr herauskrabbeln konnten. Die ersten paar Stunden
nach dem Wurf musste der Bauer oft nach ihnen schauen. Meistens hat die
Muttersau, nach dem Auffressen der Nachgeburt die Kleinen an sich saugen
lassen. Das ist in den ersten zwei Stunden wichtig gewesen, da sonst die
Kleinen nicht überlebt haben oder immer kränklich geblieben
sind. Es ist aber manchmal vorgekommen, dass sie nach der Nachgeburt gleich
ihre Kinder auch mitgefressen hat. Dagegen hat es nur ein sicheres Mittel
gegeben: der Bauer hat gleich die Nachgeburt und die kleinsten Ferkel
wegbringen müssen. Die größeren hat er mit Essig oder
Branntwein eingerieben, so dass sie die Alte nicht mehr mit ihrem Geruch
zu sehr angelockt haben. Aber schon nach ein paar Stunden hat die Muttersau
keine Lust mehr verspürt, ihnen etwas anzutun.
Eine gute Aufzucht hat viel Sauberkeit im Stall, zusätzliches Saftfutter
und Molke für die Muttersau und 6-8 Wochen langes Saufen verlangt.
Danach haben die Ferkel schon alleine fressen können, und man hat
ihnen Roggen- und Gerstenschrot, dreimal täglich, im lauwarmen Wasser
angemacht und zum Saufen gegeben. Dass die Mutter nicht das Ferkelfutter
wegfressen konnte, hat man eine Ecke im Stall mit einem meterhohen Lattezaun
abgesperrt und nur eine Latte weggemacht, damit die Ferkel zu ihrem Fressen
durchschlüpfen konnten. Dort, wo Muttersäue auf einmal geworfen
haben, hat man schon nach drei Wochen alle zwei Partien zusammensperren
können; die Ferkel haben immer bei ihrer Mutter genuckelt und es
hat auch keinen Streit zwischen den alten Schweinen gegeben. Wenn die
Ferkel (nach einem halben Jahr) ins Läuferalter gekommen sind, haben
sie Maisschrot bekommen. Moderne Wirtschafter haben sie auch schon an
den Futter- und Wasserautomat gewöhnt, so dass sie später beim
Mästen das Fressen vom Trockenschrot schon kannten.
3.1.1 Schweinemast
Beim Schweinemästen hat es geheißen, genau auf die Schrotmischung
zu achten, weil sonst auf lange Sicht kein gutes Ergebnis erreicht worden
ist: bei zu wenig Mais hat es zu lange gedauert, zu viel auf einmal, hat
den Appetit verdorben. Vor allem das letzte war schlimm, da kam immer
noch eine Blähung dazu oder ein Magenbrand, was Viehausfall und Verarztungskosten
gebracht hat. Als erprobtes Mischverhältnis kann gelten: am Mastanfang
- gepellte Kartoffel, Roggen- und Gerstenschrot, im gleichen Verhältnis
und mit soviel Warmwasser verrührt, wieviel die Mästfrischlinge
saufen konnten. Da man nicht genug Kartoffeln hatte, hat man so bald wie
möglich auf Luzerneschrot, gehackte Kürbisse, Rübenblätter-
oder -Schnitte, mit einer Hälfte Kleie und Mischschrot aus Mais und
Roggen umgestellt. Nach einem halben Jahr ist auf maximalen Maisschrot
übergangen worden, so dass der immer die Hälfte vom Mischfutter
ausgemacht hat. Unterschieden hat man bei Mastschweinen die einjährigen
zum Verkaufen und die zweijährigen zum Selberschlachten. Die ersten
sind am besten von der ,neumodischen’ englischen Art, der Jorkshire
und Berkshire gewesen, die zweiten von der dicken, ungarischen Speckart,
der Mangaliza.
Großmäster haben auch schon mit Eiweißfutter und nach
Zeit-Gewichtsertrag gemästet. Bei denen haben die Ferkel bei einem
Lebensalter von 3 Wochen das erste Eiweißfutter, wie Fleisch-, Knochen-
und Fischmehl mit Molke oder Buttermilch bekommen. Die ganze Mastzeit
über sind sie dann mit den gekauften Futterzusätzen mit Wachstumstreibern
von der Genossenschaft versorgt worden, so dass sie schon in einem halben
Jahr das Verkaufsgewicht von ca. 110 kg gehabt haben. Die zweijährigen
Mastschweine haben selten gekauftes Futter bekommen. Sie hat man auf dicke
Schinken und viel Speck auf die Art gefüttert, dass man nur einen
täglichen Auslauf in einen Teil des Hinterhofes erlaubt hat. Beim
Schlachten im zweiten Winter sind sie zwischen 160 und 200 kg schwer gewesen,
mit Fleischschinken von bis zu 30 kg/St und Speck von bis 10 cm Dicke.
Verkauft hat man die Einjährigen auch einzeln, auf dem Viehmarkt
und Zuhause, während die Zweijährigen nicht mehr auf den Markt
gebracht worden sind; sie hat der Zensor/Tierhändler am liebsten
gehabt und einzeln gewogen und geschätzt, während die Läufer
und Einjährigen von ihm pauschal geschätzt und gekauft worden
sind.
3.2 Rinderhaltung
Aufzucht der Kälber war nicht einfach. Zuerst hat die Geburt manche
Sorgen bereitet. Die hat ein kluger Bauer verringert, wenn er darauf eingerichtet
war. Mit zwei-drei sauberen, dünnen Leintüchern, sehr sauberer
Strohunterlage und Händen der Person, die Hebamme gespielt und dem
Kalb auf die Welt geholfen hat, wenn es nicht von alleine herauskommen
konnte. Auf dem sauberen Stroh oder Leintuch hat man das Kalb trocken
bekommen oder von der Kuh ablecken lassen, dabei ist ihm auch gleich der
Nabel abgeschnitten und abgebunden worden. Das Messer und die Schnittstelle
hat man mit Alkohol desinfiziert. Danach war das Wichtigste, dass das
Junge gleich an die Titten der unruhigen Mutterkuh gekommen ist. Ein Tag
lang hat man auf genaue Sauberkeit Acht gegeben und mindestens noch einmal
die Titten mit Alkohol eingerieben und abgewaschen. Zwischen dem viermaligen
Saufen an den ersten Tagen von jeweils einem Liter, hat man dem Kalb einen
Maulkorb umgebunden, weil es sonst vom zu vielen Saugen Durchfall bekommen
hätte. In den ersten Vierzehn Tagen ist die Kuhmilch etwas gelb gewesen,
deswegen hat man sie nach dem Melken nur selber verbraucht und nicht verkauft.
Verschlechtert hat aber die gelbe Farbe die Milch nicht, sie hat nur anderen/mehreren
Rahm gegeben und nicht so guten Käse. Gesunde Kälber hat es
dann sicher gegeben, wenn sie bis zu einem Gewicht von 150 kg nur Muttermilch
getrunken haben. Züchter mit mehreren Mutterkühen haben nach
den ersten vierzehn Tagen den Kälbern lieber aus dem Milcheimer zu
Trinken gegeben. Dann ist das Melken in einem Zug bei allen Kühen
gleich gemacht worden, und man hat die Milch für den Nachwuchs abkochen
können. Das war bei uns wichtig, da man noch oft mit der Tuberkulose
zu kämpfen hatte. So wie die Mutterkühe mehr an ihrem Salzstein
geleckt haben, so haben die Kälber auch ein bisschen Salz (2g auf
l Liter) in die Milchtränke bekommen. Mit der 6. Woche haben die
Kälber mit dem Heufressen angefangen. Von da an haben sie auch nur
mehr Magermilch zu saufen bekommen. Wenn sie dann mal richtig gefressen
haben, ist ihnen Kraftfutter gegeben worden, z. B. Haferschrot, zuerst
mit Magermilch dann mit Leinsamen gemischt. Und natürlich hat man
sie schon bald auch hinaus ins Freie gelassen: auf die Weide mit der Mutterkuh
oder auf einer eigenen Wiese, wo sie genug frisches Gras und Auslauf hatten.
3.3 Pferdehaltung
Fohlenszucht war einfacher, wenn bei der Geburt alles gut ging, die Bauchlage
richtig war und man keinen Tierarzt hat rufen müssen, wenn das Fohlen
nicht scheintot herausgekommen ist, die Stute gesund war, usw. Bekanntlich
kann das Fohlen schon nach ein-zwei Stunden unter der Mutter aufstehen
und alleine nach den Titten suchen. Ist es scheintot dagelegen, hat man
ein eimervoll kaltes Wasser darüber geschüttet, und es hat auf
den Schreck hin gleich mit dem Atmen begonnen. Wenn die Stute nicht genug
Milch hatte oder wenn man sie schneller zum Arbeiten zurückgebracht
hat, hat man dem Fohlen auch Kuhmilch - max. 8Liter / Tag - mit einem
Viertel Warmwasser und etwas Zucker zum Saufen geben können. Aber
schon bald hat ein gesundes Fohlen auch schon mit dem Fressen angefangen.
Da hat man ihm in seinem eigenen Standplatz einen niedrigen Trog gemacht,
in dem es das beste Heu und zerdrückten Hafer bekommen hat. Regelmäßiges
Spazieren und Grasen auf einer Wiese hat den Wuchs gefördert. Zur
Arbeit hat man es am leichtesten gewöhnt, wenn man es schon nach
einem halben Jahr neben der Mutter, vor einem Wagen herlaufen ließ.
Kaltblütige Rassen waren in zwei Jahren zum Einspannen gut, warmblütige
erst ein Jahr später. Unsere meisten Zugpferde waren bei Bauern Kaltblütler
von der Noniusrasse oder eine Mischung aus Nonius und Steirischen, bei
den Fuhrleuten die starken rein Steirischen. Aus manchen Fohlen wurden
im 6. oder 7. Monat kastrierte Wallache.
Verkaufshaltung bei Rindern und Pferden. Hat man planmäßig
oder nur von Zeit zu Zeit vom Stallvieh was verkaufen wollen, so ist,
bei den Rindern und Kühen, mit einem Austreiben auf die Halt und
bei den Pferden die schwere Arbeit beendet worden. Normales Füttern
und ein täglicher Auslauf, mit einer regelmäßigen Fellpflege,
hat das Verkaufsvieh schön und begehrenswerter gemacht. Während
beim Hornvieh zum Schlachten in jedem Alter, von Kälbern bis zur
alten Kuh, auf dem Markt und bei den Fleischern genug Kundschaft da war,
hat es bei den Pferden keine einheitliche Verkaufsmöglichkeit gegeben:
Vom Fohlen bis zum 12-jährigem Wagenpferd hat man beim Verkaufen/Kaufen
einzeln geschätzt, weil man möglichst gute Zugtiere gebraucht
hat; alte Schlachttiere - Pferde ab 12 und Kühe ab 15 Jahren - sind
nach dem Gewicht verkauft worden.
3.3.1 Grünfutter
Das häufigste Grünfutter für das Stallvieh: grüner,
sog. Johannisroggen, Mischling, Kuhklee, Pferdeklee, Wicke, Rübenblätter,
Wiesengras. Alle davon sind gemäht worden, wenn sie am saftigsten
waren - oder wenn man sie gebraucht hat. Beim Mischling z. B. wäre
die beste Schnittzeit bei der Kolbenbildung gewesen, man hat aber oft
nicht so lange warten können; bei Gras und Klee war es auch ähnlich:
Sie waren am saftigsten beim Aufblühen, aber auch schon früher
notwendig.
Besonderes Futter hat man zwischendurch gegeben, als Schnitzel, Häcksel,
Raspel, Futterkuchen und Schrotbrühe. Bei allen solchen Futterarten
hat man zwischen 50 und 80g Salz/Vieh täglich dazu gemischt, oder
man hat einen Salzstein zum lecken über dem Trog festgemacht. Futterschnitz
ist aus Rüben und Kürbissen gemacht worden; Hexelfutter war
aus starren, längeren und grünen Gewächsen, wie Mischling
und Zichorie; Raspelfutter aus Kürbis, Rüben, Kartoffeln und
allen kleineren Wurzelgewächsen, die man jungem Vieh mit dem Scheibenraspel
kleingeschnitten und in der Schrotbrühe oder trocken verfuttert hat;
Futterkuchen hat man aus rohem oder gedämpftem Raps, Hanfsamen, aus
Trebern, Sonnenblumen- und Luzerneschrot gemacht; man hat sie trocknen
können und verfuttern als Kraftfutter für Melkkühe und
Pferde, bei schweren Arbeiten. In die Schrotbrühe kamen alle Arten
Schnitzel und Raspel mit gekauftem Kraftfutter und etwas Salz oder Zucker;
vermanscht hat man das Futter beim kranken Vieh oder wenn es keinen Appetit
hatte und nicht viel fressen konnte.
3.4 MASSENZUCHT
Massenhaltung auf dem Bauernhof hat es oft gegeben mit Federvieh, Schafen,
Ziegen und Bienen. Und in besonders tiefer Lage mit Fischen. Alle, die
sich mit solcher Arbeit abgegeben haben, galten bei den gewöhnlichen
Bauern als ,Neumodische’ oder ,Besserwisser’, wenn man sie
nicht gar abgeschaut hat, weil nur der Vollbauer als ,echt’ gegolten
hat. In Wirklichkeit waren die erfolgreichen Massenzüchter schlauer
als die Nurbauern. Sie haben entweder aus Vererbung oder Weiterbildung
viel über die Massenhaltung, Fütterung und Krankheiten der Viecher
wissen müssen.
Einige Zuchtregeln beim Federvieh: Glucken, die aus der Kükenhalt
ein-zwei besondere Küken - wegen des Aussehens z.B., weil sie als
Schwarze unter vielen Weißen, oder umgekehrt aufgefallen sind -
immer gepickt haben, hat man nur so davon abbringen können, dass
man ihnen die Augen mit einem dünnen Zwirn zugenäht hat; erst,
wenn die Küken gut springen konnten, hat die Glucke ihr Augenlicht
wieder zurückbekommen. Ein streitsüchtiger Gänserich hat
der Hausfrau keine andere Wahl gelassen, als ihm eine lange eigene Flügelfeder
überquer, durch alle zwei Nasenlöcher zu stecken. Asthmatischen
Hühnern und solchen, die an Atemnot litten, hat man mit einer Petroleum-Feder
den Hals ausgeputzt. Ebenso mit P. hat man auch die Läuse und Flöhe
bei den Hühnern vertilgt, die sie in dreckigen Ställen bekommen
haben; danach hat gründliches Ausmisten und Austünchen - mit
Kalk oder Salpeterlauge - für ein Jahr Ruhe gegeben. Das Waschen
mit Salpeterlauge war aber auch für die Reinigung von Arbeitssachen
- Hose, Schuhe und Werkzeug - am besten.
Besondere Futterregel für das junge Federvieh hat es noch bei den
bis zu halbjährigen Hühnern gegeben: Sie wurden, nach dem füttern
im Stürzkorb, eine zeitlang von den erwachsenen Hühnern beim
Fressen nicht in Ruhe gelassen, deswegen hat man sie zuerst alleine paar
Minuten fressen lassen, bevor man die Alten auch herausgeholt hat. Nach
ein-zwei Wochen erst haben alle auf einmal in Frieden ihren Körneranteil
aufgepickt.
3.5 Schafe
Sie wurde gewöhnlich in halbjährigem Freilauf, mit einem fachkundigen
Schafhalter gemacht. Über die kalte Jahreszeit war auch Aussiedlerhof-
oder Hofhaltung im Dorf die Regel; seltener haben sich mehrere Halter
zu einer Koppelhalt im Freien das ganze Jahr über zusammengetan,
so wie es öfter die Ungarn und Raitzen machten. Bei der Wanderhalt
hat es keinen Unterschied zwischen den Nationen gegeben: hier wie dort
hat man zuerst über Gemeindewiesen, dann über gemähte und
abgeerntete Felder die Halt getrieben; vorne tappte der Esel, hinter ihm
schritt der Halter mit einem Pelz und einem Hüterstock angetan, und
drum herum haben ein paar wachsamen Pudel/Pulli die Halt zusammengehalten.
Das Halterhäuschen – Holzwohnwagen auf zwei Rädern - haben
nur die Winterhalter gebraucht und haben es mit dem Esel schon frühmorgens
auf den neuen Schlafplatz gezogen. Eine besondere Genehmigung für
das Schaftreiben über ein abgeerntetes Feld hat niemand gebraucht,
weil der Nutzen, durch Misten, größer war, als der Schaden.
Sowohl die Stoppelfelder, als auch die nach der Bohnen- und Rübenernte
- besonders bei Zuckerrüben - waren ideal für die Halt. Dazwischen
ist es zum Frühjahrssprung mit dem Herbstwurf, Sommersprung mit dem
Winterwurf und - am häufigsten - Herbstsprung mit dem zeitigen Wurf
im Frühjahr gekommen.
Die Paarungen hat man nicht überwachen können, man hat sie
nur im Zaum gehabt, wenn man für die Halt ein-zwei Böcke gehalten
und die anderen männlichen Schafe rechtzeitig kastriert hat; dann
haben sie auch die feinste Wolle gegeben. Beim Stallfüttern haben
unsere sparsamen Züchter nicht viel Heu gebraucht, weil sie das meiste
Stroh für das Streuen in anderen Viehställen zuerst mit Samenresten
den Schafen vorwarfen, so dass dieses als Streustroh zur Mistbildung bei
anderen Tieren sauberer war und nicht mehr viel Unkrautsamen hatte.
Die häufigsten Schafskrankheiten verursachten die Magenwürmer,
Schafpocken und Schafbremse; gegen alle hat sich ein guter Halter wehren
können: bei der ersten mit etwas ranzigem Schmalz, das er mit Branntwein
verrührt und morgens den Lämmern zum lecken gegeben hat; bei
der zweiten so, dass er die kranken Schafe abgesondert und nur mit etwas
Kleiebrühe und Salz gefüttert hat; bei der letzten hat er die
Nasenflügel von seinen Tieren regelmäßig untersucht und
mit Lisol/Reinigungsmittel eingepinselt.
3.6 Ziegen
Sie war bei ärmeren Dörflern bis ca. 10 Tiere üblich. Weil
man die Zucht hauptsächlich wegen der Milch - höherer Fettgehalt
als Kuhmilch – gehalten hat, hat man die Geißlein nicht nur
mit Muttermilch aufgezogen. Wichtig war es nur, dass sie die erste Morgenmilch
bekamen, weil sie Nährstoffe und Salzarten für ihre Verdauung
enthielt. An Ziegenweide gab es keinen Mangel, und so war das wichtigste
Futterproblem bis zum Winter gelöst; dann waren die Ziegen aber auch
anspruchsloser als die Schafe und haben sich mit etwas Heu, Hexelfutter
und Küchenabfall von Kraut und Gemüse zufrieden gegeben. Gegen
den Ziegengeruch der Milch hat es nur ein sicheres Mittel gegeben, man
hat den Bock von den Ziegen getrennt und den Ziegenstall sauber halten
müssen. Oft waren die Viecher verlaust, dann hat man sie mit Seifenwasser
öfter hintereinander waschen müssen. Gegen die häufigen
Ziegenkrankheiten, wie Klauenseuche und Räudigkeit hat es noch keine
Mittel gegeben; man hat die kranken Ziegen abgesondert und mit Heilgräsern
gefüttert: Kamille, Kümmel, Baldrian und Wachholdbeeren. Wichtig
war, dass der Mensch ihnen nicht zu nah gekommen ist, weil er sich anstecken
konnte. Am sichersten war es, er hat gleich den Abdecker gerufen.
3.7 Hasen
Stallhasen hat fast jeder Bauer und Kleinhäusler gehabt, weil sie
nicht schwer zu züchten waren und eine gute Abwechslung ins - meist
fette - Essen auf dem Land gebracht haben. Je nachdem, ob man nur für
sich oder zum Verkaufen Hasenzucht gemacht hat, sind die Viecher in Bretterställen
oder im Freilauf gehalten worden. Die ersten waren so groß, wie
sie für die Rassenhalt gebraucht worden sind, der Freilauf war eine
gepflasterte Kammer oder ein ausgedienter Schweinestall. Weil sich die
Hasen ziemlich schnell vermehrten, hat man für den eigenen Gebrauch
nur drei-vier Kisten gehabt, in dem Auslauf sind auch schon mal bis zu
zweihundert Stück gewesen. Wichtig war, im Kleinen wie im Großen,
dass die Muttertiere so zum Rammler gegeben wurden, dass sie dann Junge
bekommen haben, wenn man sie gebraucht hat: in Kästen nacheinander,
im Freilauf miteinander. So hat es einerseits immer junges Fleisch gegeben,
ist aber auch nie zu wahlloser Vermehrung gekommen.
Die bekanntesten Rassenhasen waren normale, graue, weiße und schwarze
Landhasen, belgische Riesen, Deutschländer, bunte und Französische
Widder. An Fleischgewicht haben sie zwischen 2 und 6 kg auf die Waage
gebracht. Die Felle der grauen und bunten hat man ausgestopft und an einem
luftigen Platz getrocknet. Gut verkaufen hat man sie aber nur können,
wenn die Hasen nicht im Frühjahr oder Herbst geschlachtet wurden,
als sie sich haarten. An Krankheiten hat man meist die Hasenblähung
oder Trommelsucht gekannt, die man nur mit Herauslassen in den Hof und
viel Bewegung der Tiere heilen konnte. Selten, aber doch vorgekommen ist,
dass eine ernsthafte Ansteckung einen ganzen Bestand befallen hat und
man alle Tiere schlachten und vergraben musste.
3.8 Bienen
Mit Bienen beschäftigten sich nur Liebhaber. Am meisten haben sie
in der Tiefebene deutsch-italienische Bastardbienen gehalten, die als
friedlich und fleißig bekannt waren. Sie hat man noch in Bienenkörben,
aber auch schon in Bienenkästen mit zwei verschiedenen, sogenannten
kleinen und großen Wabenrahmen gehalten. Der Standplatz der Bienenstöcke
ist nach der Flugrichtung so bestimmt worden, dass die Bienen den Nachbar
beim Ausschwärmen nicht belästigt haben: hinter einem zwei Meter
hohen Zaun oder einer wilden Hecke. Man hat zwei-drei Arten von Honig
gekannt: den ,Ersten’ und ,Zweiten’, als Wiesen- und Blütenhonig,
und den ,Dritten’ den Akazienhonig. Bei allen Arten war der Jahresertrag
zwischen 3 und 10 kg Honig pro Volk, in einem regelmäßigem
Stockbesatz von 10 Tausend Arbeiterbienen und einem Generationswechsel
von 60 Tagen; von welchen nur die letzten 20 Tragtage waren. Wer also
sein Volk so aufgezogen hat, dass die Tragtage auf die besten Blütetage
gefallen sind, der hat den meisten Nutzen gehabt. Dass ein schlauer Züchter
mit Rapsanbau für eine zusätzliche Honigweide gesorgt hat, soll
noch erwähnt werden. Weil es in der Batschkaer Tiefebene eigentlich
ideale Bedingungen für die Bienenzucht mit genug Freilandblüten
und ausreichendem Bienentrunk gegeben hat, sind unsere geschickten Züchter
immer auf ihre Kosten gekommen.
3.9 Fütterungsregeln
Getrennte Futterarbeit tagsüber war bei den Schafen und Hasen, Hühnern,
Gänsen und Enten notwendig. Alle anderen Arten der Hofbewohner haben
sich als Schmarotzer zu den Hauptarten gemischt und mitgefressen, solang
die Mehrheit es zuließ. Je nachdem, ob es Stalltiere oder Freilauftiere
waren, sind sie mit Körnern und Grünfutter gefüttert worden.
Zuerst, am frühen Morgen hat man ihnen die Körner - Hafer, Mais,
Getreide - gegeben, und erst wenn all das weg war, haben sie das Grünfutter
und Heu bekommen. Wenn man ihnen aus Bequemlichkeit alles auf einmal hineingeschmissen
hat, haben sie sich mit dem Saftfutter vollgefressen und die nahrhaften
Körner nicht aufgelesen oder liegen gelassen. Das Ausmisten hat man
nie mit dem Füttern machen dürfen, weil das die Tiere nervös
gemacht hat. Da es aber überhaupt in der warmen Jahreszeit wegen
dem Gestank oft nötig war, hat man es (die Kühe ausgenommen)
nach dem Füttern, gegen Mittag oder am späten Nachmittag gemacht,
dann haben es die Tiere am besten vertragen. Dem Federvieh hat man gleich,
als man sie aus dem Stall gelassen hat, Kornfutter - Getreide und Mais
- in eine Reihe gestreut, damit man es besser zählen konnte. Am Abend
war es nicht möglich die wichtige Zählung zu machen, da das
Vieh einzeln - oder von weit her auch noch spät - in sein Nachtquartier
gekommen ist. Wegen Iltis und Marder haben die Ställe abgeschlossen,
aber auch gleich in der Früh aufgemacht werden müssen. Tagsüber
hat man sich nicht um sie gekümmert. Nur wenn man eins von ihnen
schlachten wollte, hat man aus einem kleinen Gefäß eine handvoll
Körner in den Hof gestreut, mit einem Lockruf Pipipipiii (für
alle Arten Federvieh gleich!) gelockt und eins beim Picken herausgesucht.
3.10 Fischzucht
Private Fischereien hat es in vielen Kanälen, Gräben
und Gruben gegeben, natürlich ebenso unmittelbar bei allen Flüssen.
Weil man so was wie Umweltgift im Wasser noch nicht gekannt hat, hat man
einen Fischteich überall anlegen können, wo passendes Wasser
sowieso da war. Von den Behörden war es dann erlaubt, wenn es auf
eigenem Grundstück angelegt wurde, nur hat man eine Anmeldung mit
Taxiermarke gebraucht. Bei einer neuen Anlage ist zuerst der fragliche
Teich ausgetrocknet worden, damit das meiste Wassergras und Algenzeug
eingegangen ist. Angesetzt wurde meistens mit Karpfen, Karauschen, Weißfischen,
Rotaugen und großen Welsen; die Kleinwelse hat man meiden müssen
wie die Pest, weil sie keinen Nutzen brachten und sich sehr vermehrten.
Barsche und Hechte waren nicht zu vermeiden. Sie haben sich durch Zuflüsse
ins Fischwasser eingeschlichen, und man hat sie immer bekämpft, aber
nie austilgen können. Ebenso war es mit den Fröschen und mit
anderen Wasserbewohnern, die aber schon im zweiten Jahr, mit ihren Larven,
den Fischen mehr genutzt als geschadet haben. Zuerst hat man ein vierjähriges
Karpfenpaar - Milchner und Rochner - in ein Fischloch angesetzt. Hat es
sich nach einem Jahr gezeigt, dass genug Platz für andere Fische
war, so hat man sie auch hineingetan. Die Lehmgruben und Röstwasser
waren nicht gut für die Fischzucht, einerseits, weil da viele Dorfenten
und Gänse und auch das Röstgift Schaden angerichtet haben. Am
besten und nützlichsten waren die Tränketeiche der Viecher,
in die tagsüber Mist ins Wasser gefallen ist, was für die Fische
das beste Fressen bildete. Gute Erfahrung hatte man auch mit den Kanälen,
die durch das eigene Feld geflossen sind. Sie waren zwar nur im Frühjahr
und Frühsommer tief genug für Fische, man hat sie aber mit Reusen
und Netzen - und auch mal mit der Hand - abfischen können, wenn sie
im Spätsommer austrockneten. Weil aber die Berufsfischer überall
in den Dörfern genug schöne Fische geliefert haben, war der
Bauer nur als Fischzüchter für sich und die Feldnachbarn interessant.
Da könnte noch erwähnt sein, wie wir Kinder die Regenwürmer
für das Angeln selber vermehrten: in der Nähe des Misthaufens
haben wir ein großes Brett oder eine alte Stalltür flach auf
eine Mistschicht gestürzt. Nach ein paar Wochen mit genug Regen,
hat es unter dem schimmeligen Holz nur so gewuselt vor Regenwürmern,
Vielfüßlern und Asseln. Wer die Grabarbeit nicht gescheut hat,
hat sich aus jeder Wiese so viele Würmer herausgraben können,
wie er wollte.
3.11 VIEHKRANKHEITEN
Sie waren eine ständige Heimsuchung für unsere Bauern. Die Häufigsten
Krankheiten beim Nutzvieh waren: Rotlauf, Schweins- oder Saupocken, Pest,
Maul-und-Klauen-Seuche, Spulenwürmer, Tuberkulose, Durchfall und
Überfressen. Mit diesen Krankheiten ist man auf einem Bauernhof selten
ohne Tierarzt fertig geworden. Am sichersten war gegen die meisten eine
Schutzimpfung schon im frühen Lebensalter. Wie überall auf der
Welt, war auch bei unseren an Rotlauf oder Pest krank gewordenen Schweinen
nicht mehr viel zu machen; sie hat man angezeigt und abgeschlachtet, danach
die Kadaver durch den Abdecker beseitigt. Eine gründliche Reinigung
und Desinfektion aller Ställe haben diese Krankheiten ausgerottet.
Hat ein Tier so eine Krankheit überlebt, so hat man es wie ganz gesund
weiterhalten und mästen können. Bei den Ferkeln sind fast immer
in den ersten vier Wochen die Schweinepocken aufgetreten; die waren selten
tödlich, man hat nur für Sauberkeit und eine leichte Futterbrühe
mit Pellkartoffeln sorgen müssen. Die Maul-und-Klauen-Seuche hat
sich bei allen Vieharten einstellen können. Auch bei uns war die
Krankheit anzeigepflichtig, aber nicht immer tödlich; wenn man nicht
zu den Ärmeren gehört hat, hat man vorsorglich den ganzen Viehbestand
umsonst einem Abdecker übergeben. Spulenwürmer bei den Pferden
hat man so behandelt, dass man einem befallenen Tier ab Mittag kein Wasser
gegeben hat. Am anderen Morgen hat man ihm eine halbe Wasserration mit
2 g Arsen zu trinken und Gelberüben zum Fressen gegeben. An ansteckender
oder verschleppter Tuberkulose haben bei uns die Kühe gelitten. Die
Krankheit ist manchmal angeboren und oft über die Schleimhaut der
Mutterkuh auf die Kälber übertragen worden. Eine Heilung war
selten möglich, aber mit mehr gutem Fressen und Abkochen der Milch
hat man mit ihr oft viele Jahre lang leben können. Mit einem akuten
Durchfall haben oft Kühe, Kälber und auch Schweine große
Not gehabt. Da die Krankheit meist mit zu viel Grünfutter verursacht
worden ist, hat man sie durch Futterumstellung beheben können. Bei
Herbstkälbern ist sie nicht so oft vorgekommen, wie bei Frühjahrskälbern,
da letztere zu früh anfingen grünes Gras zu fressen. Radikale
Umstellungen auf mehr Trockenfutter und so weinig wie möglich Flüssigkeit,
haben bald geholfen. Das Überfressen ist bei allen Tierarten oft
vorgekommen, wenn man beim Füttern zu nachlässig war. Am meisten
haben sich die Schweine beim Mästen überfressen. Zuviel oder
einseitiges Füttern mit Maisschrot hat bald auch Appetitlosigkeit
gebracht, die mit wenig warmem Süßwasser und Essensabfall nach
ein paar Tagen wieder in Ordnung gekommen ist.
3.12 HAUSSCHLACHTUNG
In unserer kühlschranklosen Zeit hat man sich mit Fleisch so selber
versorgen können, dass man alles über das eigene Hausschlachten
und Aufheben solcher Fleischteile wusste, die nicht gleich frisch in die
Küche genommen wurden. Geschlachtet wurden zuhause meistens Schweine,
Schafe, Ziegen, Hasen und Federvieh. Außerdem sind Kälber an
größeren Anlässen - Hochzeit, Begräbnis - dort geschlachtet
worden, wo man sie zum Züchten gehalten hat.
Das Schlachten des Federviehs vollzog sich folgendermaßen: Gleich
beim Fangen hat man dem größeren Vieh den Schnabel mit der
Hand zugedrückt, dass es nicht den ganzen Hinterhof verrückt
machte mit dem Geschrei; dann hat man sein Flügelpaar unter einen
Fuß und die Krallen unter den anderen gestemmt, so, dass es keine
Verletzung gab; die eine Hand hat den Kopf mit dem Schnabel festgehalten,
die andere hat schnell mit einem scharfen Messer den Hals durchschnitten
und das Blut in einem tiefen Teller aufgefangen. Einem kleineren Vieh
hat man gleich beim Fangen kurzerhand den Hals umgedreht und ihn gleich
darauf mit dem Messer durchgeschnitten; das Blut ist nicht aufgefangen
worden: bei jungen Gockeln, Tauben, Rebhühner/Perlhühnern und
allen wilden Arten des Federviehs, z. B. Fasanen, Wachteln, Wildenten
und Wildtauben.
Alle übrigen Hausschlachtungen waren ebenfalls nicht besonders
aufwändig: entweder sind die Viecher vorher mit einem Prügel
betäubt worden, wie die Hasen, oder man hat ihnen bei vollem Bewusstsein
die Kehle durchschnitten. Auf alle Fälle hat das Blut ganz aus dem
lebendigen Vieh herausmüssen, wenn sein Fleisch gut sein sollte.
Überfahrene oder sonst wie gestorbene Tiere hat man nie selber verbraucht,
man hat sie gleich dem Abdecker oder Zigeuner gegeben oder billigst verkauft.
Ausnahme Bildete ein in der gelegentlichen Drahtfalle gefangener Feldhase,
dem man möglichst bald mit dem Taschenmesser den Rest gab und ihn
heimfuhr; wenn sein Fleisch noch ein bisschen blutig war, hat es nicht
geschadet, weil das Wildfleisch sowieso meistens in saurer Peischelbrühe
einen halben Tag eingelegt worden ist.
3.12.1 Schweineschlachtung
Der Ablauf ist aus vielen Beschreibungen in unseren Heimatzeitungen und
-büchern bekannt, deswegen sollen da nur die Schlachthelfer, das
Werkzeug und Hilfseinrichtungen nachgetragen sein: weil man dem Abstechen
und lebendigen Ausbluten den Vorzug vor dem Betäuben mit Bolzen,
Beil oder Keule gegeben hat, haben drei Helfer und ein Abstecher das Schwein
töten müssen. Eine weitere Person hat das Blutrühren gemacht
und eine weitere war am Kesselhäuschen beschäftigt. Leute mit
wenigen Helfern – Aussiedlerhofleute - haben auch mal ein Schwein
an einen Baum kurz anbinden und alleine abstechen können; nur dass
sie dann auf das Blut verzichten mussten, das ja von dem Schwein überallhin
nur nicht in die Schüssel spritzte. Für die weitere Verarbeitung
haben sich zwei Aussiedlerhofleute mehrere Tage Zeit lassen müssen.
Aber ihr Geschlachtetes war deswegen nicht schlechter, als das der anderen,
die an einem Tag alles erledigten: z. B. das Borstenbrühen und -schaben,
Rüssel- und Klauenputzen, Aufhängen auf einen Schlachtrechen
an den Hinterhaxen, das Auftrennen des Bauches, Herausnehmen der Därme
und anderer Innereien, Abschneiden des Kopfes, der Vorderschinken, Abtrennen
des Bauchspeckes, Aufspalten des Kammes - durch einen geschickten Schlachter
- oder abtrennen der Rippen, des Schulterblattes, Karmanadels und Genickbratens.
Die Hinterschinken sind auf dem Schlachttisch schön rund ausgeschnitten
worden und die Fetzen und der Speck auch da in Stücke, wie man sie
zum Einsalzen oder Griebenmachen gebraucht hat.
Alle Schneidarbeiten am Fleisch hat man nur mit scharfem, zwischendurch
immer frisch mit einem Wetzstein gewetzten und an einem glatten Hartholz
abgezogenen Werkzeug, wie Stichel, Stichmesser und Schwartenmesser, Fleischerbeil
und Knochensäge erledigt. Was man an Werkzeugen nicht im Haus gehabt
hat, ist beim Nachbarn geliehen worden. Wenn ein Fleischer das Hausschlachten
gemacht hat, hat er seinen ganzen Werkzeugkasten mitgebracht, in dem noch
ein paar Arten von Messern und Arbeitshilfen mehr waren.
3.12.2 Vorbereitung der Därme
Das Fleisch zum Aufheben ist auf saubere Leinentücher zum Auskühlen
gelegt worden, das andere zum Wurstmachen und Frischkochen und -braten
hat man gleich in Würfel geschnitten und in die Küche gebracht.
Während sich eine Person um das Fleisch gekümmert hat, ist die
andere mit den Därmen in den Hinterhof und hat sie auf einem Holzbock
oder altem Tisch gereinigt; und die Hühner haben gleich den Abfall
daraus - außer bei den Dickdärmen - weggepickt. Für das
Reinigen der Dünndärme hat es ein extra stumpfes Küchenmesser
gegeben, weil man die Schleimhaut nicht anschneiden durfte, wenn man sie
an einem Stück abschälen wollte. Zum sauberen Auswaschen der
Dickdärme hat man dreimal warmes Zwiebelwasser, einmal reines mit
einer handvoll Seifensoda und zuletzt ganz reines, kaltes Brunnenwasser
genommen.
3.12.3 Wurstherstellung
Die Hauswürste kamen genauso fachmännisch zustande, wie jene
in der Metzgerei. Was vielleicht besonders an ihnen interessiert, ist,
dass es eine Schlachterehre war, sie gleichgroß und jedes Jahr gleichgut
schmackhaft zu machen, um möglichst lange den schönen, apetitanregenden
Blick auf die Räucherreihen genießen zu können. Dazu war
es wichtig, sie, nach Möglichkeit, immer mit den gleichen Leuten
herzustellen und die tupfengleichen Zutaten an frischem Feinsalz/Meersalz,
Paprika, Pfeffer, Knoblauch – für die Bratwürste -, Zwiebeln,
Majoran, Muskatnüssen, Kümmel, Salz, Pfeffer und Paprika –
für die Blut- und Leberwürste - und, je nach Geschmack, im Verhältnis
Schwarten zu Kopffleisch, Paprika, Salz und Pfeffer für den Schwartenmagen
und die Blunse/Blase, die Stifolder Salami im Enddarm, mit grober Bratwurstfüllung,
zu verwenden – um nur die gleichen, jedes Jahr wiederholten Herstellungen
zu erwähnen. (Batschtkaer Wurstsorten und Herstellungsrezepte siehe
unter 4.16 - Fleischer)
3.12.4 Haltbarmachung durch Salzen
Durch Einsalzen der Schinken, Rippen- und Speckseiten hat man, gleich
am Schlachttag, die Voraussetzung für das Haltbarmachen geschaffen.
Dazu hat man ein billigeres Steinsalz nehmen können, weil man lieber
zu viel als zu wenig gesalzt hat. Meistens ist das Schlachtzeug eines
ganzen Schweins in eine Holzmulde gekommen; bei zwei Schweinen hat man
auch zwei Mulden gebraucht. Eingesalzen hat man mit Einstreuen und Verreiben
an allen Seiten – auch der Schwarten - und Vertiefungen. Ganz genau
und dick hat man auch die Knochenenden bei den Schinken salzen müssen,
weil sonst bald die Schmeißfliegen viel Schaden angerichtet hätten.
(Unsere reicheren, deutschen Leute haben schon bei einem einzigen Schmeißwurm
gleich das ganze Stück dem nächstbesten Zigeuner gegeben, der
es gerne ausgeputzt und für seine große Familie zubereitet
hat; die Ärmeren haben es auch bei uns, wie bei den Ungarn und Slawen
ausgeschnitten und bald gekocht).
Jeden Tag hat man einmal das Salzen und Wenden wiederholt, bis sich –
ca. nach einer Woche – in der Mulde eine Salzbrühe angesammelt
hat. Dann ist nur noch drei Wochen lang in der Brühe das Fleisch
und der Speck umgeschichtet worden. Für baldigen Verzehr reichte
das vierwöchige Salzen, wenn man ein ganzes Jahr geräuchertes
Fleisch und geräucherten Speck essen wollte, hat man alles noch mal
zwei Wochen weiter in der Salzbrühe lassen müssen.
3.12.5 Haltbarmachung durch Räuchern
Das Räuchern ist in der Räucherkammer, im offenen Kamin oder
in einem Räucherhäuschen gemacht worden. Am liebsten hat man
Akaziespäne oder -sägemehl zum Räuchern genommen, was man
von einem Tischler oder Wagner für wenig Geld bekommen hat. Großräuchereien
haben mit Scheitelholz der Buche geräuchert, weil das leichter geglüht
hat als Akaziestöcke und auch einen guten Räuchergeschmack gegeben
hat. Die Räucherzeit war sehr verschieden: Für alle Wurstarten
1 Tag, Schwartenmagen, Blunzen, Knöchel und Ohren haben drei Tage
gebraucht; man hat sie aber trotzdem nicht zu lange aufheben können.
Schinken, Speck und Scheelrippen hat man – nach dem ca. dreiwöchigen
Salzen in der Mulde - eine Woche im kalten Rauch hängen lassen; und
wenn sie eine schöne, rotbraune Farbe bekommen sollten, hat man sie
vor dem Räuchern mit gekauftem, im Wasser aufgelöstem Laugensalz
eingerieben. Außer den Bratwürsten, die ja sehr gewürzt
waren, hat man die geräucherten Wurst- und Fleischarten am besten
in einem Monat verbraucht; wenn nicht, hat man sie in eine Eisgrube bringen
müssen, weil viele Lebensmittelvergiftungen vom verdorbenen Schlachtzeug
gekommen sind. Am häufigsten hat man auf die Haltbarkeit der Schinken
geachtet. War das Jahr etwas wärmer, hat man sie nach dem Räuchern
mit Holzasche ganz eingerieben, dann haben sie sich einen Monat oder zwei
länger gehalten.
3.12.6 Haltbarmachung durch Trocknung
Trocknen konnte man vom Geschlachteten nur fettfreies Fleisch, in dünnen
Streifen, so, dass es sich lange gehalten hat. In einem Kaminraum sind
Stricke gespannt worden, an denen man die nicht über fingerdicken,
eingesalzenen Fleischscheiben – möglichst eingeschlagen in
ein engmaschiges Fliegennetz - aufgehängt hat. Von allen Seiten hat
die vom Kamin leicht vorgewärmte, trockene Luft, in etwa 20-30 Tagen
das Fleisch getrocknet. Grundsätzlich hat es geheißen: je länger
getrocknet, desto länger haltbar.
3.12.7 Grieben und Paprikaspeck
Beides wurde gleich frisch beim Schlachten gemacht. Die gleichmäßig
in Stücke und von der Schwarte geschnittenen Speckwürfel hat
man in einem möglichst großen Gefäß (Kessel) ausgelassen,
weil sie nur so eine gleichmäßig gelb-braune Farbe bekommen
haben. In den Dreißigerjahren und während des Zweiten Weltkrieges
war Schmalz teurer als Fleisch, deswegen hat man es beim Auslassen wie
einen Augapfel behandelt; die schneeweiße Farbe und der frische
Geschmack haben beim ,Schmalzjuden’ einen Höchstpreis gebracht.
Paprikaspeck hat man nur so viel gemacht, wie die Familie in einem Monat
verzehren konnte: das waren ca. 1 kg pro Person. Gemacht ist er so geworden,
dass man ein schönes Bauchstück in 10 cm breite Streifen geschnitten
und mit einer Salz-Paprika-Knoblauchmischung (gemahlen) 1 cm dick eingeschmiert
hat. Zum Essen war der Speck gut, wenn die Gewürzschicht trocken
und der Speck hart gefroren war – also schon paar Tage nach dem
Schlachten.
3.12.8 Schlachten zu besonderen Anlässen
Vor einem besonderen Anlass oder im Hochsommer, z.B. im Schnitt, am Kirchweihfest,
bei Hochzeit oder zu einem Begräbnis, ist es so ähnlich gegangen,
wie bei der Winterschlachtung, nur dass man keine Würste und kein
geräuchertes Fleisch gemacht hat. Den Speck, der übrig geblieben
ist, hat man mit der Schwarte zu Grieben verarbeitet. Für große
Feiern bzw. traurige Anlässe – Hochzeit und Begräbnis
- hat man schonmal ein Kalb oder mehrere Schafe oder Lämmer vom Fleischer
– auf eigenem Hof oder in der Fleischbank – schlachten lassen;
einzeln hat man die Schafe auch allein geschlachtet und fachgerecht abgezogen.
Was man vom Feiertags-Schlachten für das Fest nicht gebraucht hat,
ist mit Schlachterlohn verrechnet worden und beim Fleischer geblieben
oder man hat es dessen Helfern verschenkt oder an die Nachbarn billig
verkauft.
4 DORFHANDWERKER
Über ungarndeutsche - und donauschwäbische Handwerker aus ganz
Südosteuropa - ist schon viel geschrieben worden, da man jede Stadtgeschichte
aus dem Donaugebiet mit ihnen anfängt: Sie waren die ersten Deutschen,
die zwischen dem 12. und 15. Jahrhundert beim Aufbau der ungarischen Städte
massgebend beteiligt waren. In der Ortsmonographie der größten
südungarischen Marktstadt Szegedin, die unser Namens-Landsmann Reizner
vor hundert Jahren in zwei – ungarischen – Chroniken herausgegeben
hat, steht z. B., dass hier schon vor der türkischen Besetzung 53
Handwerkszünfte bestanden, und dass die meisten von ihnen reindeutsch,
manche gemischt deutsch-ungarisch und nur wenige rein ungarisch geführt
worden sind. In unsere Batschkaer Dörfer sind die Handwerkerleute
beginnend mit der Theresianischen Ansiedlung Mitte des 18. Jahrhunderts
gekommen. Es ist aber sicher, dass sie, ähnlich wie im Szegediner
oder Maria-Theresiaopoler (Szabadkaer, Suboticaer) Raum, auch in Baja
und Sombor lange vorher schon anwesend waren.
Als wichtigste Dorfberufe haben gegolten: Schuster, Schneider, Schneiderin,
Gerber, Kürschner, Färber, Tischler, Glaser, Zimmermann, Dachdecker,
Wagner, Schmied, Schopper, Fassbinder, Drechsler, Schlosser, Spengler/Klempner,
Maurer/Schmierer, Fleischer, Bäcker, Bürsten- und Besenbinder,
Fischer. Die Aufzählung ist nicht vollständig und sagt nichts
über die Rangordnung bzw. Bedeutung der Handwerker. - Auf alle restlichen,
ca. 200 im Tiefland des Karpatenbeckens vorhanden gewesenen Berufe wird
im Anhang kurz eingegangen.
4.1 SCHUSTER
Sie gab es im Dorf so oft, wie die Versorgung aller Einwohner mit neuen
und geflickten Schuhen es erforderte, die fleißigen Handwerkerleute
aber nie besonders reich werden konnten. Heute könnte man sagen,
die Konkurrenz war in diesem Handwerk zu groß, zwischen denen, die
auf Maß Schuhe in allen Größen und für alle Gelegenheiten
gemacht, und denen, die das fertig gebracht haben, dass ein Paar Sonntagsschuhe
gut zwei Generationen von Besitzern überlebt haben. Wenn man von
einem Dorf wie Bereg/Backi Breg ausgeht, das z. Zt. unserer Untersuchung
etwa zweitausend Raitzen hatte und genauso viele deutsche Einwohner, wie
das Jahr Tage, so schafften es 4 Schumacher-werkstätten, alle für
jene Zeit praktikablen Schuharten zu machen und zu repariert.
Gelernt haben die Schusterlehrlinge 3 Jahre lang, hauptsächlich
die praktische Arbeit. Das Theoretische hat sich auf eine Wochenendschule
mit Lesen, Schreiben, Rechnen und Landesgeschichte beschränkt, (soweit
sie es nicht schon in der Elementarschule gelernt haben) und die Prüfung
daraus ist nicht so wichtig genommen worden. Nach der Lehre sind die Wanderjahre
gekommen, und die Gesellenplätze wurden in einem Wanderbuch aufgeschrieben,
wo es auch einen Zeugnisvermerk gegeben hat. Für eine eigene Werkstatt
hat man eine Meisterprüfung gebraucht. Als Prüfungsarbeit hat
man ein Paar neue Schuhe machen müssen.
4.1.1 Schuharten
Die zwischen den Weltkriegen vorkommenden – von den Schustern auf
Maß gemachten und im Schuhgeschäft gekauften - Schuharten:
Männerschuhe - Lackschuhe als Festtagsschuhe und Schimyschuhe (weiße
Lackschuhe), Bakansche (Militärsschuhe) als Arbeitschuhe, Überziehschuhe
und Schnürschuhe für Arbeits- und Feiertage, Stiefel aus Vollleder
und mit Besatz, Tschischma (Stiefel mit hartem Wadenteil), Patschker aus
Vollleder und mit Riemen und Ledersohle, Sandalen aus Schweins- oder Rindsleder,
Gamaschen, Holzschuhe mit Leder-Oberteil; Frauenschuhe - Stöckelschuhe,
Zungenschuhe für Sonn- und Werktage, modische Waden- und Knöchelstiefel,
Hausschuhe aus Vollleder oder mit Stoffoberteil, Sohlen für Strickschuhe,
Sandalen, farbige Patschker mit Schmuckbesatz; Kinderschuhe - Hoch- und
Halbschuhe für Sonn- und Werktage, aus Leder, Tuchschuhe für
die Schule, Sportschuhe, Laufschuhe für das erste Lebensjahr.
Alle Schuharten wurden so in den meisten Dorfwerkstädten, in Aussehen
und Qualität fast gleich gemacht. Die Arbeitsweise lief etwa so ab:
Der Meister hat am Strumpffuß Maß genommen, selber oder mit
einem Gesellen das Oberteil und die Sohle, das Futter und den Besatz zugeschnitten.
Für den Lehrling gab es, ab dem zweiten Jahr, beim Nähen zu
tun. Oberteil und Schaft fertigte man mit der Maschine, Sohlen- und Leistenarbeit
hat man mit der Hand gemacht. Besonders wichtige Nähte sind mit Pechzwirn
und Nähdraht gemacht und - wie beim Absatz und den Außensohlen
- mit Schusternägeln und Holznägeln verstärkt worden. Den
letzten Schliff und die gleiche Größe haben die Schuhe auf
dem hölzernen Arbeitsmodel gekommen.
4.1.2 Schusterwerkzeug
Zentimeter- und Stichmaß, Zeichenblei und Fettpapier zum
Abnehmen der Fußumrisse oder Trittmuster, Leisten für das Abrichten
und Modellnähen, Schusterhammer, krumme und gerade Aale zum Handnähen
des Oberteiles - mit fester und auswechselbarer Nadel -, Steppmaschine,
Stanz- und Pressmaschine für die Maschinearbeit, Oberleder-, Faden-
und Sohlenschere, Falzzange, Kneifzange, Kappenzange, Stiftzange und Beißzange
für das Einziehen, Richten des Oberteiles, Blechwanne zum Einweichen
des dicken Leders, Klebzeug, eine Hand- oder Maschinenwalze zum Weichmachen,
Pressen und Walzen der harten Sohlen, verschiedene Einfachlocher, Revolverlocher
(manchmal), Schuster- und Spitzmesser zum Trennen und Zuschneiden der
Gummisohle, Randmesser und Putzholz für die Lederecken, gerade Raspel
- mit groben und feinen Raspelzähnen -, Löffelraspel, Bimsstein
und ein dickes Glasscheibenstück für das Fertigschneiden und
Schaben der Sohlenecken und -Ränder, Ausputzmaschine (manchmal),
Eisenständer und Stiefelknecht zum Formklopfen und annageln der Sohlenspitzen
und Stoßeisen, Arbeitsleisten für die Fertigform vom Schuhpaar,
verschiedenfarbiges Färberzeug zum Fertigfärben der fertigen
Schuhe. Ein Hochschuh oder Bakansch ist zusammengesetzt gewesen aus zwei
Seitenteilen, einer Vorder- und Hinterklappe, einem Reihenblatt mit Schnürlöchern
oder Schnürhaken, Schuhbündel, Zunge, Sohle, Gelenk und Absatz,
der meistens mit einem Stahlabsatz/Stoßeisen verstärkt war.
4.1.3 Pantoffel/Patschker- und Stiefelmacher
Das leichte Schuhzeug für den Sommer hieß bei uns Patschker,
und der es herstellte war am engsten verwandt mit einem Schumacher, hieß
aber Patschkermacher. Das gleiche galt für den Stiefelmacher. Der
erste hat Arbeitsschuhe aus einem Lederstück genäht und hat
dabei eine Werkstatt ähnlich dem Schuster, aber weniger Einrichtung,
gebraucht. Der Zweite hat seine Arbeit meistens in reicheren Dörfern
und Städten mit Soldaten-Stationierung gemacht, wo sich seine mit
größeren und besseren Maschinen eingerichtete Werkstatt eher
auszahlte.
4.2 GERBER - KÜRSCHNER
Der Beruf hat sich, vom Einkommen her mit den reichen Bauerbetrieben messen
können. Das große Vorkommen von verschiedenen Pelztieren und
Fellen in der Batschka, hat ihm zu einer sicheren Lebensgrundlage verholfen.
Voraussetzung war aber schon, dass der Lehrling aus einem reichen Haus
gekommen ist, weil er nur so später Aussicht hatte auf ein eigenes
Geschäft; als Geselle hätte er - genau wie in den meisten anderen
Berufen – schwer soviel beiseite legen können, um sich Haus
und Werkstatt zu kaufen und einzurichten. Gegerbt wurden alle Vieh- und
Kleintierfälle, die Abnehmer hatten in den Lederberufen, wie Pelzschneider,
Schuster, Lederer, Täschner, Sattler, Handschuhmacher und in der
sonstigen Lederwirtschaft.
4.2.1 Bearbeitung der Felle
Die Verarbeitung der Rohfelle war grundsätzlich überall gleich:
Nach dem Schlachten und Abziehen des Fells hat man es eingesalzen und
zum Trocknen aufgehängt. Danach ist es in einem Bündel mit anderen
– bei kleinen Fellen bis zu 200 Stück – in einem Wasserloch
24 Stunden lang eingeweicht worden. Dann hat man es gestriegelt und geputzt
und noch einmal in einem großen Fass eingeweicht, damit das Fleisch
besser abgefleischt werden konnte. Dazu hat man es stramm ausgespannt,
abgeschabt und, nach ein paar Tagen, in einer Alaunbeize, in einem Fass
oder Betonbehälter ziehen lassen und 2x täglich umgeschichtet.
Nach dem Beizen hat man es noch einmal abgezogen, gewirkt und wie einen
Teigbatzen geknetet. Erst, wenn man mit dem Aussehen und Zustand zufrieden
war, hat man es einzeln ausgelegt und in der Sonne und Luft getrocknet.
In einem luftigen Maisspeicher sind dann alle Felle auf einen Haufen geschichtet,
und bis zum Verkaufen gelagert worden.
4.2.2 Tierpreparation
Unsere meisten Kürschner haben, neben dem Gerben von Leder, auch
noch wilde Kleinviecher und Vögel gegerbt; mit Stroh, Seegras und
Wolle ausgestopft und in ihren Geschäften zum Verkaufen ausgestellt.
Die meistverkauften Preparate waren die Füchse, Marder, Bisam, Iltis,
Wiesel und Hamster; von den Vögeln haben die Leute/Stadtbewohner
am liebsten gekauft: Fasanhähne, Eulen, Bussarde, Fischadler, aber
auch Kleinvögel, wie Grünspecht, Käuzchen, Elstern und
Fledermäuse, sowie die noch kleineren Stieglitze und Finke. Dass
dabei der Artenschutz und damit das Preparier- und Handelsverbot mancher
Arten außer Acht gelassen wurde, sei nur am Rande erwähnt.
4.3 SCHNEIDER
Einer der gut bezahlten und ziemlich geschätzten Dorfhandwerker.
Wenn ein Dorfschneider einer neuen Kundschaft gut und schön gearbeitet
hat, so ist die ein Leben lang bei ihm geblieben, egal wie lang sie auf
ihre Sachen manchmal warten musste. Was Herrenschneider und Damenschneiderinnen
gleich gehabt haben, war einmal eine nicht zu knappe Ausbildung in der
Lehr- und Gesellenzeit, aber auch die Bereitschaft, im Haus bei der reichen
Kundschaft zu arbeiten; das zumindest bis zum zweiten Anprobieren, wenn
man schon sicher war, dass das Bestellte passte. Bei solchen Arbeiten
war die Verköstigung bei der Kundschaft selbstverständlich und
hat sich auch mal über eine Woche hinziehen können. Nur Wanderschneider
und –Schneiderinnen hat es bei uns in der Batschka nicht gegeben,
in ärmeren Gegenden Ungarns schon.
4.3.1 Arbeitsarten
Herrenschneider haben vom Ausbessern und Abändern, bis zum neuen
Nähen alles machen können. Dafür sind sie schon als 12-14-jährige,
gleich nach der Elementarschule, Lehrlinge geworden und haben die ganze
Woche lang mit den Gesellen und Meistern in einer Reihe – in der
Hauptsaison, vor Weihnachten, von morgens 3 bis abends 9 Uhr – arbeiten
müssen. In eine Art Berufsschule sind sie nur am Samstag gegangen,
wo man ihnen das Rechnen und Zuschneiden beigebracht hat (das Lesen und
Schreiben haben sie schon in der Elementarschule lernen müssen).
Nach drei bis vier Jahren haben sie zwei Prüfungen in Praxis und
Theorie abgelegt. Die anschließende Wanderzeit – im Inn- und
Ausland, oft bis nach Deutschland – hat solange gedauert, bis sie
heiraten wollten. Besonders sparsame oder arme Schneidermeister haben
alle ihre männlichen Kinder bei sich das eigene Handwerk lernen lassen;
und nach dem Lernen hat es statt Wanderzeit kostenloses Arbeiten beim
Vater gegeben, bis die Gesellen eine Meisterprüfung abgelegt haben
und heiraten konnten. Sonst haben sie dort, wo sie für immer bleiben
wollten, die Meisterprüfung abgelegt. Ein eigenes Haus mit Werkstatt
haben sich die meisten Schneider, in gegenseitigem Arbeitsentgelt, von
anderen Handwerkern bauen lassen und haben es, auf viele Jahre verteilt,
abgearbeitet. Solche Häuser haben zu den Kleinhäusern gezählt,
weil sie nur eine Werkstatt, Schlaf- und Wohnzimmer und eine Kammer hatten.
4.3.2 Werkstatteinrichtung
Die Einrichtung der Werkstatt, bei einem einzelnen Schneider:
eine Nähmaschine von d. Fa.. Singer – zu 90% - oder von Minerva;
Zuschneidertisch mit Bügelbrett, Kohlenbügeleisen und Vollgussbügeleisen
(das mal schnell in einem aufgestellten Ofenrohr mit angebranntem Benzin
heißgemacht worden ist), Bügeltuch und -Pölsterchen mit
Lumpen ausgestopft, ein-zwei Arbeitsscheren, mit ein- und dreifingrigem
Griff, eine kleine Rund- und große Längsbürste, Arbeits-
oder Längstisch an der Wand, mit genug Platz zum Auslegen der zugeschnittenen
und halbfertigen Nähsachen, Schränkchen oder Schublade für
Muster – fertig zugeschnitten und als Bögen aus Fettpapier
– Modeblätter und -Kataloge, Nadelkissen mit Nähspindel,
Schneiderkreide, Fingerhut, Linierleiste (50-70cm) und Dreieck (30 cm)
aus Holz, Zentimeter-Maß (150 cm) aus gewebtem Wachsband, eine Dose
mit Nähseidenrollen, ein Nagelständer mit vielen Arten von Spulenzwirn.
An der einen Wand war ein großer dreiflügliger Spiegel mit
einer Stellage für Stoffrollen, an der anderen ein offener Schrank
mit Stoffmustern, aus denen sich die Kundschaft was aussuchen konnte.
Außer beim Nähen haben die Meister am Arbeitstisch im Stehen
gearbeitet, und genäht haben sie auf einem niedrigen Hocker. Die
Lehrlinge haben meistens im Stehen und Herumhüpfen den Meister bedient,
und nur wenn sie etwas auch nähen durften, haben sie sich auf den
Tisch gesetzt. Bei der Bestellung wurde der Stoff und das Futter herausgesucht
und extra von der Kundschaft bezahlt. Maß genommen hat man meistens
auch gleich beim Bestellen. Anprobiert hat man ein- oder zweimal. Genäht
wurde ein Anzug mit Futter ca. eine halbe Woche lang. Dafür bezahlte
man als reinen Nählohn 24 Pengö (Wert von 6 Taglöhnen auf
dem Feld).
4.3.3 Stoffarten
Sie gab es in einer großen Auswahl. Als bekannteste kann man aufzählen:
dicker Wollstoff oder Militärstoff, Kammgarnstoff, englischer Stoff,
Baumwollstoff, Flanell, Kloth, Samt, Kord, Kord-Samt, Kunstseide, Brokat,
Leinen-Zeug, Zellstoff, Mohär, Wattelin, Krepp, Karton, Pelz- und
Wattefutter. Davon sind bessere Qualitäten, genauso wie das bessere
Nadelzeug, aus dem Ausland (England) gekommen.
4.3.4 Modische Macharten
Für eine Hose, z.B., hat man den Schnitt nach der Mode gemacht; außen
war sie aus Kammgarn, Wollstoff oder Leinen; innen im Schritt aus Kunstseide
und Krepp; für die Hosentaschen nahm man Leinen; Hosenlaschen oder
Gurthalter waren aus dem selben Stoff, wie die ganze Hose; die Schlitze,
Zettel und Zwickel sind doppelt umgenäht und aus gleichem Zeug oder
aus Besatzbündel gewesen; die Hosenschlitze waren mit einem zweifädigen
Saum überdeckt und mit Blechknöpfen geknöpft; Hosennähte
sind als unsichtbare Innennähte oder verbrämt als sichtbare
Zier- oder Brokatnähte gemacht worden; die Hosenfalten waren angebügelt
oder eingesteppt, mit oder ohne Galler oder Draperie; den Hosensaum hat
man schmal und von innen, oder breit und von außen gemacht; Tracht
und Uniform haben verschiedene Paspel gehabt. Gearbeitet hat an einer
Hose ein geschickter Geselle einen Tag lang. (Man bräuchte viele
Buchseiten, wenn man von allen Anziehstücken die Machart beschreiben
wollte; deswegen möge das Hosenbeispiel genügen).
4.3.5 Faden- und Sticharten
Zwirn- und Garnarten in vielen Farben: dicker und dünner Leinenzwirn,
Nähseide, Pferdehaare (schwarz), Woll- und Baumwollfaden, Heftgarn.
Sticharten hat es als Heft-, Näh-, Saum-, Steppstiche gegeben in
geraden, überkreuzten, unter-, mittel- und überbündigen
Arten.
4.3.6 Kleidungsarten
Gemacht haben unsere Meister dasselbe, wie die Fachleute in ganz Europa,
da sie genauso geschult und – mit der Singer-Maschine – gleich
wie sie ausgerüstet waren. Die bekannteste Ausstattung für die
Zwischenkriegszeit war: Mäntel in Soldaten- und dünnerem Wollstoff,
in Lodenstoff, Zellstoff und Mohär, mit dünnem Kunstseide- oder
Pelzfutter; Offiziersmäntel in Franz-Josef-Manier (auch für
Zivilisten); Kleidung für die Hochzeits- und Feiertage aus Kammgarn,
Wolle und Baumwolle; Röcke und Hose in allen Stoffarten; Salonmäntel
aus dunklem Kammgarn; Alltagsmäntel aus Woll- und Zellstoff; Bauern-
und Handwerkskleider aus grauem und weißem Leintuch, Blaufärbertuch
oder dickem Zellstoff; für Schulkinder Pumphosen (Knikebocker); feine
Herren haben oft Britschess (Reithosen) mit Stiefeln getragen; Pfarrer
hatten Brokatgewänder und Pelerinenumhänge; Lehrer hatten leichtes
Baumwollgewand an; einem reicheren Reisenden (Vertreter) war ein maßgenauer
Lodenmantel recht, darunter trug er einen gestreiften Anzug mit modischer
Weste und Krawatte; und für den armen Reisenden war auch mal ein
billiger Konfektions-Mantel aus apretiertem Leintuch, in Dragonerart gut.
In der reichen Oberbatschka gab es keine Wanderschneider, die von Haus
zu Haus gegangen sind und um Essen und kleinen Lohn arbeiteten. Doch bei
besonderen Anlässen – Hochzeit z.B. – ist es schon mal
vorgekommen, dass auch der beste und teuerste Meister zu einer Kundschaft
ein paar Tage hintereinander ins Haus ging. Dort hat er mehrere Sachen
gleichzeitig zuschnitten, abgerichtet/geheftet, pikiert, staffiert/garniert
und anprobiert; das Fertignähen ist sowieso immer in der Werkstatt
gemacht worden.
4.4 SCHNEIDERIN
Sie hieß Damenschneiderin. In ihrer Werkstatt hat es ebenso viele
Werkzeuge und Maschinen gegeben, wie bei dem Herrenschneider, dazu noch
ein-zwei Holzpuppen in Mädchen- und Frauenmaß, einen Kleiderständer
für die vielen leichteren Sachen, dann noch eine gemütliche
Sitzgelegenheit. Bestellt und zugeschnitten wurde meistens nach den fertigen
Mustern und weniger aus dem Musterbuch, Modekatalog. Erst wenn sich was
in der Mode durchgesetzt hatte, hat die Schneiderin davon aus fettem Musterpapier
haltbare Nähmuster gemacht. Näh-, Faden- und Sticharten im großen
und ganzen wie bei den Männern.
4.4.1 Macharten
Gewöhnliche Mäntel, Salonmäntel, Regenmäntel, Kostüme,
Kleider für Sonn- und Werktage, Dirndl, Röcke mit Bund und Träger,
Blusen geschlossen und geknöpft, Leibchen, dicke Oberhemde, leinene
Unterwäsche, Stiefel- und Pumphosen, Sportkleider und Badeanzüge.
4.4.2 Stoffe - Muster - Besatzarten
Überstoffe: Kammgarn, Wolle, Seide, Kunstseide, Barchent, Baumwolle,
Gabardine, Satin, Samt, Flanell, Kloth, Tüll, Brokat, Loden, Plüsch,
Leinen weiß und gefärbt, Kaschmir, Vliselin, Schieffon, Tuch,
Plissee. Futterstoffe: Wattelin, Zellstoff, Krepp, Filz, Karton und Wattierung.
Besatzarten: Paspelband und -Schnur, Spitzenpaspel, Zierputz und -Saum,
Säumchen, Endel, Preisel, Falz, Plissee. Verzierung: Knöpfe,
Rüschen, Glasperlen, Seideblumen und Glanzblätter, Noppen und
Wollquasten.
Musterarten: blumengemustert, punktiert, gestreift, liniert, gewürfelt,
schraffiert, fisch-gemustert, gebröselt, hahnentritt-gemustert.
4.4.3 Modebeispiele
Dorfmode: Was seit der Ansiedlung in Ungarn immer gleich geblieben ist,
war die Alltags- und Arbeitskleidung und -ausstattung. In der warmen Zeit
haben unsere Mädchen und Frauen, zum Arbeiten, dünne Kleider
aus Baumwolle, Leinenzeug, weiß, blaugefärbt und blumengemustert
angehabt. Auf dem Dorf hat man sich bei den Feiertags- und Hochzeitskleidern
auch an eine eigene Mode gehalten: Jüngere Frauen hatten kürzere
Falten- oder Glockenröcke, mit Blumenmustern und gepolsterte Blusen,
oder sie hatten bauschige, lange Samtkleider mit Spitzenkragen an, unter
denen schwarze Lacksandalen herausschauten. Zur Trauung hatten die Oberbatschkaer
Mädchen bis zum Zweiten Weltkrieg lange, bauschige Samtkleider an,
meist in dunklen Farben, mit glitzerndem Besatz und einem weißen
Perlenkränzchen auf dem Zopf. Nur ein paar Jahre vor der Vertreibung
hatten sie auch ein modisches, weißes Hochzeitskleid mit Tüllschleier
gekauft oder nähen lassen.
Feiertagsmode: An Feiertagen waren die Kleider, Röcke und Blusen
aus Kaschmir, Kunstseide, gefaltet und plissiert – bei Reichen auch
mal aus reiner Seide - besetzt, pospeliert und drapiert und auch mal mit
Glacee eingesetzt. Zum Regenschutz haben sie nur sonntags einen schönen,
neuen Regenschirm gehabt. Die gleichbleibenden Arbeits- und Feiertage
haben sich auch in der Mode gezeigt, indem sich diese, zum großen
Teil und aus Sparsamkeit, nicht veränderte und über mehrere
Generationen gleich geblieben ist.
Städtische Mode: Bei den Stadtbewohnern, die manchmal auch auf dem
Dorf, bei einer guten Schneiderin, nähen ließen, hat es öfter
modische Veränderungen gegeben - bei einzelnen Näharten oder
Anziehstücken ca. alle 10 Jahre. Wenn man in ältere Modehefte
schaut, kann man leicht die modischen Änderungen (bei den Stadtbewohnerinnen)
beobachten: Gleich nach dem Ersten Weltkrieg haben die Frauen Kunstseide-Kleider,
mit Streifen und Spitzenbesatz und Rüschen in der Kreuzgegend getragen.
Bei feineren Anlässen haben sie weitere Seindenkleider ohne Hüftnaht,
einen Feder- oder Florentinerhut oder Federkappe, Seidenstrümpfe
und Samtschuhe angehabt. Im Herbst und Winter ist noch ein warmer, langer
Wollmantel dazu gekommen, vielleicht mit einem Fuchskragen, und an den
Füßen haben sie Schnürschuhe aus Kalbs- oder gespaltenem
Rindsleder angehabt, mit aufgenähtem Rüschelbesatz aus Glaceeleder.
Mode der Zwanzigerjahre: In den zwanziger Jahren haben die Mädchen
gestrickte Hüte angehabt, kurzärmelige Blusen mit etwas größerem
Brustausschnitt (was sie auch schon Dekolletee genannt haben), die Röcke
waren gefaltet, Halbschuhe sind geschnürt gewesen und darunter hatte
man Baumwollsocken an. Die Badeanzüge sind auch etwas kürzer
und freier geworden und haben einen auffälligen Gürtel bekommen.
Da schon viele Mädchen in Büros gearbeitet haben, hat es dafür
auch etwas praktisches zum Anziehen gegeben – einen einfach geschnittenen,
geraden Wollmantel, dick oder dünn, je nachdem, wie kalt es war;
darunter, sichtbar einfache Kleider aus leichtem Stoff; sonntags haben
sie dann ein asymmetrisches Flanellkleid mit aufgedruckten Blumenmustern
und auffällige Stöckelschuhe aus Lackleder angezogen. Zum Tanzen
hat es ein gerades Oberteil, mit verlängertem Mittelteil gegeben,
einer Schnur aus Glasperlen am weiten Gürtel, darunter Rock mit Tüllrüschen.
Zu einer Hochzeit hat man angefangen Schleier zu tragen aus feinem Weißtüll,
Seidenkleider oder doppelt besetzte Rüschenröcke, die vorne
kürzer waren als hinten, Seidenstrümpfe und mit Seide besetzte
oder ganzseidene Schuhe. Die älteren Frauen haben lange, dicke oder
dünne Mäntel angehabt, mit aufgesetzten Taschen, Stoffknöpfen
und Schaalkragen.
Moder der Dreißigerjahre: In den Dreißigern haben die Stadtbewohnerinnen
über einem leinenen Unterrock einen geblümten Kaschmirrock angehabt.
Das Leibchen war aus Schieffon mit farbigen Zierstichmustern. Die Säume
wurden mit Zierfäden genäht. Mädchen hatten Faltenröcke
an, die Taftblusen haben schön ausgearbeitete Mieder gehabt und weite
Puffärmel. Mitte und Ende der Dreißiger haben viele unserer
Mädchen und Frauen, etwa ähnlich wie alle Volksdeutschen in
ganz Osteuropa, die aus Deutschland kommende Dirndlmode getragen, nur
dass sie die Puffärmel weggelassen und das Haar zu Kranzzöpfen
aufgesteckt hatten. Die Schürzen waren – mit und ohne Dirndl
– aus Taft oder Kunstseide, die langen Strümpfe aus dünner
Wolle, und darüber hatten sie Halbschuhe aus Lackleder oder Sandalen
an. Allgemein wurden Ende der dreißiger Jahre die Kleider und Mäntel
dreiviertel lang und die Schnürverschlüsse kamen in Mode; Sommerkleider
hatten ballonähnliche Oberteile mit Seidenposamentierung, Socken
waren aus Leinenzwirn und Schuhe aus kombiniertem bzw. zweifarbigem Leder.
Mädchen hatten gestickte Blumen in den Blusestoff eingearbeitet,
und ihre Röcke haben nur am Knie kurze Falten gehabt. – Dann
kam der Zweite Weltkrieg, mit einer totalen Einschränkung in der
Mode und einem Überangebot an Soldatenstoffen für alle Arten
von Zivilmäntel, Kostüme und Kleider.
4.4.4 Besondere Schneiderberufe
Sie hießen Filzschneider, Pelzmantel- oder Pelzschneider und Weißnäherin.
Der erste hat nur aus Filzstoff Mäntel und Kleider genäht; dazu
hat er eine ähnliche handwerkliche Geschicklichkeit und Werkstatt
gehabt, wie der gewöhnliche Schneider, und seine Arbeitsart war speziell
auf alle Arten von Filz ausgerichtet: Umhänge, mit und ohne Ärmeln,
feine Pelerinen, bessere, teurere Filzmäntel - mit schönen Paspeln
– für Bauern, und gröbere, billigere – ohne Besatz
– für Kutscher, die manchmal in ihren zugenähten, weiten
und langen Ärmeln das Jausebrot aufgehoben haben. Der Pelzmantelschneider
hat alle Pelz- und Lederarten zu Mänteln und Kleidung verarbeitet:
weite Mäntel, mit Außenpelz, kurzgeschorene Mäntel, mit
Innenfutter, Röcke, Leibchen, Muffe, Kragen, Kappen, Hosen, Fußsäcke
oder auch zusätzliche Futter aus dünnem Fell für Stoffmäntel.
Er hat zum Schneider- das Kürschner-/Gerber-Handwerk lernen müssen.
Zu seiner Einrichtung ist als wichtigstes Teil die Endelmaschine gekommen,
die kleine und große Pelz- und Lederstücke säuberlich
aneinander genäht und alle Enden eingesäumt hat.
Die Weißnäherin hat dagegen Unterwäsche, männliche
und weibliche Unterhosen und Höschen genäht, aus Baumwolle,
Leinenzeug und weißem Flanell, Kombinees mit Spitzenbesatz, alle
Bettwäsche, dann Gardinen aus weißem, besticktem oder gerüscheltem
Leinenzeug, Tischdecken aus gemustertem Leinen, Leintücher und leinene
Handtücher.
4.5 FÄRBER
Einen der vielfältigsten und heute noch in der Tiefebene verbreitetsten
Berufe hatten unsere fleißigen Dorffärber - als Blau-, Rot-,
Schwarz- und Schönfärber. Wie wenige andere Facharbeiter hatten
sie es bis nach dem Ersten Weltkrieg sehr schwer, da die böhmischen
Tuchmacher mit allerlei billigen Fertigwaren den ganzen Österreichungarischen
Markt, so auch die Batschka, überschwemmt hatten. Nach der Trianon-Teilung
des Südostens ging es mit der Textilbeschäftigung in der Batschka
aufwärts, und der Färber hat sich in seinem Dorf besser behaupten
können. Jetzt hatte er das ganze Färben von hiesigen Leinen-,
Woll- und Baumwollstoffen alleine - man könnte sagen im Monopol -
erledigt und ist dabei zu den reichsten Handwerksleuten aufgerückt.
4.5.1 Arbeitsarten
Farbansetzen mit Weide und Indigo für das Blaufärben und Indanthren-
und andere - Cromatischen – Lösungen für Schwarz- und
Schönfärben. Da nach dem Einführen der Indanthren-Kohlen-Farben
aus Deutschland, Anfang der Zwanziger, sich auch bei uns die Färbertechnik
der aus Westeuropa angepasst hat, soll hier nicht näher auf sie eingegangen
werden; nur was für unsere Färber eigen war, wird zusammengefasst.
Nach dem Ansetzen der Farbbänder und Beizen von Leinen-, Woll- und
Baumwollzeug, hat man die Farbbrühe im Färberkessel, je nachdem,
nur heiß gemacht oder zum Kochen gebracht und das Tuchzeug hineingetan.
Die mit Öl, Wachs oder Kleisterpappe eingebeizten Tuchbahnen haben,
außer an den Beizmustern, überall gleichmäßige Farben
angenommen. Nach dem Färben hat man die Muster mit einer Seifenlösung
herausgewaschen oder ausgebügelt, so dass diese Stellen die ursprüngliche
Tuchfarbe wieder angenommen haben. Je nachdem, ob es Werktags- oder Feiertagssachen
geben sollte, hat das Tuch eine feinere oder gröbere Musterung bekommen.
Kleingeblümtes war bei unseren Frauen am häufigsten, dann welches
mit aufgedruckten Rändern und vielen Bildern aus der Natur und aus
dem Leben.
4.5.2 Färbermodel
Sie waren aus verzugsfreiem Lindenholz mit geschnitzten Holzmotiven oder
aufmontierten Musterblättern aus Stahl, aber auch ganz aus Kunststahl,
etwa 15x15 cm groß und hatten einen Griff an der Oberseite. Auf
der Druckseite bildeten oft auch Nägelköpfe alle möglichen
Musterarten. Das meiste ist mit einem Holzmodel gedruckt worden. Dass
größere Färbereien in der Stadt auch schon mit Maschinenmodel,
Modelpressen und Walzmodel gearbeitet haben, ist ziemlich sicher, da sie
nur so viel Zeug schnell und genau machen konnten.
Farbenarten: Dunkelblau, himmelblau, schwarz, pechschwarz, weiß,
schneeweiß, drapp, dunkelrot (bischofsrot), zinnoberrot, feuerrot,
lila (kardinalsrot), grün, grasgrün, dunkelgrün, hellrosa,
hell- und dunkelgrau, hellgelb (zitronengelb), dunkelgelb (orangengelb),
braun.
Gefärbt wurden: Stoffbahnen zum Verkauf, sowie Fertigwaren, wie
Kleider, Unterröcke, Schürzen, Tischdecken, Sacktücher,
Bettwäsche, Gardinen, Kopf-, Hals- und Umhängetücher.
4.6 MAURER - GIPSER
Einer der abwechslungsreichsten Heimatberufe, weil er bis zuletzt das
Fachwissen der Siedlerahnen, sowie das zum Bauen der modernsten, mehrstöckigen
Herrschaftshäuser gehabt hat und an die Lehrlinge weitergeben konnte.
Wie man einem Kleinhäusler ein gemütliches, niederes Lehmhäuschen
stampft, einem reichen Bauer ein hohes Ziegelhaus in der Reihe, mit einem
schönen Barockgiebel – mit 4 Straßenfenstern in der dritten
Generation – mauert und mit Stuck und Marmorvertäfelung verputzt,
das musste er wissen – und noch viel mehr: Von der genehmigten Bauzeichnung
aus das ganze Baumaterial und den Arbeitslohn so ausrechnen, dass es reicht
und nicht zuviel übrig bleibt; beim Lohn die Arbeiter und auch den
Bauherren zufrieden zu stellen; den Erdboden auf das Grundwasser untersuchen,
ob eine Unterkellerung möglich ist; die Fundamentbreite und –Tiefe
mit dem Baumeister ausstechen, weil bei einem Absacken beide die Verantwortung
getragen haben; festlegen, in wie weit man auch billigere Lehmsteine für
ganze Mauern, oder zwischen die Ziegelschichten vermauern darf; ob die
Fester- und Türstürze auch noch mit Akazienhölzern oder
schon mit Beton zu machen sind; ob man die Fenster- und Türrahmen
gleich mit einmauern soll, weil sie verschieden sind, oder ob man sie
später einsetzen muss, da es so schneller geht; welcher Putz auf
welche Mauerarten passt; und nicht zuletzt, ob man Fertigstuck-Putz oder
selber gemischten nehmen kann.
4.6.1 Arbeitsweise
Gleich mit dem Ausheben des Fundaments hat man auch die Löschgrube
gemacht und die Kalksteine mehrmals abgelöscht, bis der Kalk nicht
mehr brutzelte und breiig wurde. Bei Stampfwänden ist das Fundament
einen guten halben Meter tief, ohne oder nur mit gewölbter Unterkellerung
gemacht worden, und als Untergrund hat man reinen Lehm genommen; für
die Stampfmauern Spreu und kurz geschnittenes Stroh. Häuser mit einem
Innenkeller haben um ca. 30% mehr gekostet, als die mit Außenkeller.
Das Kellergewölbe war ganz aus Ziegeln, von unten in Blockverbindung,
oben in einem versetzten Läufergewölbe über einem runden
Holzgerüst, ca. 3 m im größten lichten Maß hoch.
Der Unterboden war aus gestampftem Erdboden. Mit einem guten Lehm hat
man sparen müssen, da man ihn meistens vom Dorfende, aus der Lehmgrube
holen musste; das Lehmloch auf dem eigenen Boden oder im eigenen Garten
hat man nicht so gern gehabt, und wenn es noch von der Siedlerzeit da
war, hat man es nicht vergrößert. Für die Stampfmauer
und Lehmstein-Mauer hat man den Lehm aus einem neuen Lehmloch von auswärts
holen und bezahlen müssen; ebenso die Lehmsteine, die ein Lehmstein-Macher
auf einem eigenen oder von der Gemeinde gepachteten Salpeterfeld herstellte.
Das Mörtelmischen war das gleiche, wie es heutzutage in Handarbeit
und ohne Mischmaschine geht: In einer ca. 30 cm tiefen Erdgrube oder in
ein genauso tiefes Mörtelblech ist Wasser hineingeschüttet und
dazu der gelöschter Kalk mit Sand eingerührt worden; zum besseren
Kleben hat man in den fertigen Mörtel etwas Lehmbrühe gemischt.
War der Mörtel zum äußeren Verputzen, so ist, anstatt
Lehm-, Zementbrühe genommen worden. Ziegelwände sind innen mit
Gips verputzt worden. Die Deckenwickel hat man mit einer Rohrschicht von
Balken zu Balken abgedeckt und mit klebrigem Kalk-Sand-Mörtel verputzt.
Die Ecken zwischen Wänden und Decke hat man leicht rund gemacht,
weil sie so besser das Arbeiten des Deckenholzes vertrugen und keine Risse
bekamen.
4.6.2 Lehmziegelherstellung
Der Lehmziegel (Kotstein) -Macher hat dafür ein Wasserloch bis zum
Grundwasser graben müssen; erstens, um zu sehen, welche Lehmschichten
unter dem Salpeterboden kommen, zweitens, damit er zum Lehmmischen genug
Wasser hatte. War der Platz gut und der Lehm nicht zu erdig, hat man in
der Nähe des Wasserloches noch ein Mischloch, höchstens 60 cm
tief und ca. 10-15 qm weit gegraben, in dem feuchter Lehm mit kurzem Stroh
vermischt worden ist. Nach dem tüchtigen Durchhacken hat man die
fertige Steinmischung auf Lehmkraxen zu einer ebenen und sauberen Bodenstelle
gebracht und mit einem Modelkasten und einem Streichbrett die Steine gemacht
und festgepresst. Fertig und fest genug waren sie dann, wenn sie leicht
und in einem Stück aus dem Model herausgefallen sind. Ein fleißiger
Steinmacher hat pro Tag bis zu 150 Steine (14x8x26cm) machen können.
Zu schnell oder gar nachlässig hat er nicht arbeiten dürfen,
weil sonst die fertigen Steine nach dem Trocknen zerbrochen oder zerbröselt
wären. Der Preis eines guten Lehmsteines war ca. 1/3-1/5 eines Backsteines,
und der aus gelbem Lehm war besser und teuerer, als jener aus schwarzem.
Die Hausmauern waren bei unseren Barockhäusern vom Fundament aus
6-8 Schichten hoch aus Backsteinen, und darüber sind sie öfter
mit Lehmsteinen gemauert als mit Lehm gestammt worden.. Das Stampfen hat
viele Helfer gebraucht, wegen dem Arbeiten an einem Stück –
wo ein paar immer den Lehm mit Spreu und kurzem Stroh gemischt, die anderen
in einer Trägerkette die Lehmeimer zugereicht und wieder andere,
die alle äußeren Hausmauern auf einmal stampfen mussten; nur
so war es sicher, dass die Mauern beim verschienenen Trocknen nicht platzten.
Hatte man zu wenig Leute, dann hat man ständig mit Wasser die Enden
feucht halten müssen.
Mauern aus Lehmsteinen sind im Binder- oder Blockverbund gemauert worden,
und zwischen die Steinschichten kam als Bindematerial Lehmmörtel
mit ca. 20 % Löschkalk. Mit ähnlichem Mörtel hat man die
Mauern ca. 2-3 cm dick verputzt. Bessere Häuser wurden mit Kalkmörtel
und einem Drahtnetz darunter verputzt – ein Maschendraht wie beim
Zaun hat es auch sein können. Wegen der Fertigkeit, dass unser Maurer
auch gleich verputzen konnte, wurde er auch Schmierer genannt (mit leichtem
Spott).
Fenster- und Türstürze hat man früher aus Akazienbalken
und später aus Beton gemacht. Wurde das Dachgeschoss ausgebaut (für
eine Kammer, aber nie zum Wohnen!), so haben die Lehmmauern mitsamt dem
Sturz einen dreischichtigen Ziegelkranz mit festem Mörtel bekommen.
Als Deckenträger hatten die Barockhäuser einen großen
Balkenzug, zwischen den Tragwänden, doch nicht mehr als Durchzug
durch das ganze Haus: da hatte man schon die Laufbalken mit dünneren
und leichteren Wickeln von unten, und Brettern von oben dicht gemacht;
dazwischen kam Spreu als Isolierfüllung. Hat man den Dachboden als
Getreidelager gebraucht, dann sind die Laufbalken höher und näher
zueinander gemacht worden, und man hat über ihnen noch eine 5-8 cm
dicke Lehmschicht verschmiert. Solche Decken haben bis zu 50 Z Getreide
über einem Zimmer tragen können. Stalldecken hat man nur von
oben mit einer 5 cm dicken Rohrschicht belegt und mit 10 cm Lehm überschmiert.
Die Gangzüge hat man von Pfosten zu Pfosten aus billigerem Holz (Pappel)
gemacht und mit Rohr umwickelt und verputzt/verschmiert.
Die Keller wurden auch von Fachleuten gemacht: Je nach der Höhe
des Grundwassers hat man Flach- und Tiefkeller unterschieden, und solche
unter dem Haus und draußen im Hof oder im Lehmhügel. Der Flachkeller
ist mit dem Hausfundament gemauert worden, war nur halb in der Erde und
hat eine Balkendecke gehabt; hauptsächlich bei unseren letzten Häusern,
welche höhere Fundamente hatten, waren solche Keller immer trocken
und deswegen auch als Kühlspeisekammer für alle Lebensmittel
zu gebrauchen. Die Tiefkeller waren gewölbt, im Läufer- oder
Hochverbund gemauert, zwei-drei Meter tief, weswegen sie öfter unter
Wasser standen. Wenn sie in einer Hofecke gegraben waren, wurden sie mit
Ziegelsteinen gemauert, mit Akazienstöcken gedeckt und hatten eine
ca. 50 cm dicke Erdschicht darüber. Das Einstiegloch war flach liegend,
so hoch wie die Erddecke, oder stehend, mannshoch über dem Boden,
wobei dann Treppenstufen in den Keller führten.. Die berühmten
Lehmkeller (in Hajos z.B.) waren und sind gegrabene Gewölbe, je nach
dem Fassungsbedarf, zwischen zehn und vierzehn Meter lang, und haben am
Eingang ein gemauertes Kellerhäuschen, mit einer Einrichtung wie
eine Sommerküche.
Der Rauchfang des untersuchten Musterhauses war immer gemauert, bei
offenen Kaminküchen oder Batzöfen von innen mit Kalk und Lehm
verputzt, und hatte bei geschlossenen Arten (für Spar- oder Batzherd)
eine doppelt gebrannte Glasurschicht auf den Ziegelsteinen. Solche Steine
waren billiger, als doppelt gebrannte. Bei kleineren Rauchfängen
hat man die Ziegel im Viererverbund gemauert, bei größeren
im Sechserverbund.
Fachwerkmauern wurden weniger gemacht, wenn überhaupt, dann nur
bei den Schuppen. Stallmauern waren meist auch aus Lehmsteinen gemauert,
weil dies in der Tiefebene das billigste Baumaterial ist. Wenn es um eine
leichte Bauart gig, hat man die Mauern zwischen den Tragstöcken ausgeflochten
und von beiden Seiten mit Spreulehm verschmiert. Eine solche Mauer ist
dicht geblieben, solange sie einige Schichten Weißkalk von außen
darauf hatte. Überhaupt war das Tünchen bei jeder Art von Lehmmauern
die einzige Garantie für ein langes Leben. Eine verputzte Mauer ist
mit der Zeit vom Regen ausgewaschen worden, hat aber, bei gutem Lehm,
doch viele Jahre (10-15) gehalten.
Vorder- und Hintergiebel wurden als Feuergiebel gemauert, mit dem Unterschied,
dass man vorne beim Verputzen schöne Modellmuster mit eingearbeitet
hat. Die verschiedenen Muster bei den Reihen- bzw. Giebelhäusern
waren aus Kalkmörtel und mussten regelmäßig mit Weißkalk
oder Kalkfarbe gestrichen werden. Vom Boden bis zur Fensterhöhe hat
man alle zwei Giebelseiten mit einem dicken Absatz verstärkt, und
wenn man besonders reich war, hat man den Absatz – oder die ganze
Straßenseite – mit Kunstmarmor verkleidet.
Am Innenausbau hat jeder geschickte Maurer alles selber gemacht: Platten
legen, Batzöfen, Schamotte- und Kachelöfen, Großsparherd,
Großkamin und Räucherkammer mauern und auf verschiedene Arten
ausschmieren.
4.6.3 Maurerwerkzeug
Wie heutzutage war das wichtigste die Maurerkelle, der Maurerhammer, das
Traufenblech, das Schmierbrett, das Senkblei, die Wasserwaage, das Schnurgerüst,
das Fäustel, der Zollstock, die Mess- oder Streichlatte, der Mörtelkübel
und die Maurerpfanne. Zum Mörtelmachen und –tragen hat man
Grab- und Schöpfschaufel gehabt, eine Mörtelschare, einen Rechen
und ein Kießsieb; ein-zwei kleinere Blechkübel oder –wannen
und ein paar Blecheimer.
Den Baukieß hat man meistens so auf die Baustelle gebracht, wie
er aus der Donau von einem Saugbagger aufgesaugt worden ist, und selten
bei einem Bauhof gekauft. Aus dem Donaukieß (oder Theiß-,
Maros-, Körös-Kieß) ist kleinkörniger Flusssand gesiebt
worden. Den Grabsand zum Mörtelmachen konnte man selber im Hinterhof
oder Garten – unter der Humusschicht – herausgraben, soviel
man wollte; weil er aber nicht teuer war, hat man ihn oft auch mit dem
Schotter gekauft. Heutzutage ist es noch Brauch, dass man beim Bauen nur
Kies und selbst gegrabenen Sand nimmt; und deswegen sind neben vielen
Straßen und Wegen in Südungarn manche wilde Sandgruben zu sehen.
4.7 TISCHLER - GLASER
Die Dorftischler haben bis zum Ersten Weltkrieg meist ohne Maschinen gearbeitet.
Ihre ersten Maschinen waren die Bandsäge und Hobelmaschine, die sie
sich gekauft haben, als der elektrische Strom eingeführt wurde. Für
die Lehrzeit hat der Lehrling einem Meister draufzahlen müssen, in
Geld oder Naturalien - z. B. den Wert für ein trächtiges Schwein
oder eines fertig gemästeten - und er ist in keine Schule gegangen.
Als Geselle hat man eine Wanderschaft gemacht, manchmal bis nach Deutschland.
4.7.1 Werkstatteinrichtung
Die wichtigsten Einrichtungen: Hobelbank mit länglichem und überzwerchem
Spannstock, Zangenbrett, 2 Spannspindeln, Hinterzange, Holzknecht, Gehrungslade
und verschiedene Bandeisen; Bandsäge mit Stahlgatter, Schlitten,
Wagen, Sägeband, Antriebsrad und Freirad; Hobelmaschine mit Hobelwalze,
Maschinebett und Verstellblatt. Aus dieser Maschine hat sich jeder Meister
vom Maschinenschlosser auch kombinierte, zum Nut- und Blattfräsen,
Abräumen, Falzstechen, Nutstoßen und Wechselmachen umrüsten
lassen. Die vielfachen Arbeitsarten haben sich nach den verschiedensten
Kundschaftswünschen gerichtet. Mancher Tischler hat auch Glaser-
und Zimmermannsarbeiten gemacht. Dann hat er feinere Fräsearbeit
für die Fensterfalze und gröberes Werkzeug für die Balkenverbünde
gehabt.
4.7.2 Tischlerwerkzeug
Lang-, Schrubb- und Schlichthobel, Doppel-, Nut- oder Simshobel, Grund-,
Kehl- und Schabhobel, Spann- und Bogengesäge, Hohl- und Stemmeisen,
Loch- und Stechbeutel, Holzklüppel rund und eckig, ein-zwei Eisenhämmer
und Beißzangen, ein paar Fuchsschwänze, Hand- und Wendelbohren,
Amerikaner, Zollstock, grobe und feine Raspel, Streichmaß, Schraubenzieher,
Leim-, Bau- und Schraubknecht oder -zwinge für Einstellung der Schraub-Dicke,
einen Schmiermittel-Topf mit Lagerschmiere und einen Leimtopf mit selber
gemachtem Leim (aus Quark/Käse und Löschkalk = Flüssigleim;
Knochenleim: gemahlene Knochen 20 Min. im Wasser gekocht).
Arbeitsbeispiele: Fertigen aller Holzmöbel aus Eichen- oder Fichten-/Tannenholz,
Linden und Nussbaum (je nach Preislage), Beizen, Leimen und Polieren aller
Holzarten und Halbzeuge auf Bestellung; Haustüren und die Futter
dazu machen und am Bau einsetzen; ebenso die Fenster mit den Simsen und
Verkleidungen; alle Sitzmöbel und Tische, soweit sie aus Holz –
und nicht vom Drechsler - waren; für den Polsterer die rohen Holzteile;
nicht zuletzt verschiedene Truhen und Kisten, wie man sie in der Hauswirtschaft
gebraucht hat. Um nicht zu vergessen, verschieden teuere Särge, die
ein tüchtiger Handwerker immer in ein-zwei Mustern da hatte.
Beiz- und Farbarten: Nussbeize und Firnis mit Grundfarbe; gekaufte,
weiße Ölfarbe, mit Farbgranulaten verschieden gefärbt
und dreimal gestrichen. (Billige Besonderheit beim Naturfärben –
nicht verbürgt: Die fertigen Holzteile hat man eine Woche lang in
den Misthaufen gegraben und Möbel sind auch mal mit Urin poliert
worden).
An Glaserwerkzeug hatte ein Tischler-Glaser noch einen Stichel für
den Reibesitz, paar Kittspachtel und Glasschneider mit Hart-Stahl-Rädchen,
Heftnägel oder -Plättchen aus Stahl zum Festmachen der Glasscheiben.
So wie es die ärmere Variante dieses Berufes, der Wanderglaser, von
Haus zu Haus beim Fenstermachen und -reparieren machte, war das Glaserhandwerk
eine "schwere" Sache, da er auf dem Rücken sein ganzes
Werkzeug und den Glaskasten schleppen musste.
4.8 ZIMMERMANN
Grobe Holzarbeit maßgenau - so könnte man das Wesentliche dieses
Berufes umschreiben. Bei uns im Dorf hat der Zimmermann alle Häuser
von der zweiten Siedlerhaus-Generation mit schönen Dächern gemacht,
und auf der Donau hat er die Schiffaufbauten gezimmert (der hölzerne
Schiffbau selber war Sache des Schoppers). Beim Dachbau am Wohnhaus haben
die Fachleute in dem Beruf das Wissen von ,der Walz’ - die sie in
ganz Europa herumgebracht hat - genutzt. Deswegen kann man sagen, dass
sie grundsätzlich auch bei uns so gearbeitet haben, wie in Westeuropa.
Verbände, Balkenaufbau, Platten, Zapfen, Nägel, Spünde,
Dübel brauchen da nicht extra beschrieben zu werden. Interessant
ist vielleicht die Arbeit mit dem pannonischen Akazienholz: Da man von
dem zähen und starken, teils langfaserigen Hartholz viel gehabt hat,
hat man es überall eingesetzt, wo es nicht auf Genauigkeit angekommen
ist - bei Stalldächern, Schuppen, Sommerküchen und Nebenhäusern.
Früher, als unsere Häuser noch große Durchzüge in
den Zimmern hatten, auf denen die Querstege lagen, ist öfter Akazienholz
für die kleineren Abmessungen genommen worden. Das meiste Bauholz
war zuletzt (vor dem II. Weltkrieg) das Tannenholz, das unsere Meister
vom Holzhändler fertig zugeschnitten (was ziemlich teuer war) bekommen
haben oder aus den Karpaten, von den Holzhacker-Betrieben, woher sie es
als Donauflöße in die Batschka gebracht haben.
Zimmermannswerkzeug: Große Bundsäge, Breitbeil oder Zimmermannsbeil,
Axt, Hackstock, Zimmermanns- oder Klauenhammer, Schnitzmesser, Holzschlegel,
Klöppelhammer oder Klöppelholz, Anreiß-Holzwinkel oder
Eisenwinkel, fest und verstellbar, Wasserwaage, Bund- oder Werkzeugkasten,
Schaft- und Stangenbohrer, Zigeunerbohrer und ein gewebtes Maßband
mit 5 m (2 cm breit). Dazu kann man noch das meiste Tischlerwerkzeug rechnen.
Der Einsatz von all dem war, je nachdem, in der Werkstatt, zum Vorrichten,
oder auf der Baustelle, zum Fertigmachen notwendig.
4.8.1 Holzverbünde
Bei den meisten Arbeiten sind sie vorgekommen als Gehrung, Blatt, Zapfen/Zinken
Schere- und Schwalbenschwanz-Verbund, Kamm, Riegel, Überplättung
und Versatz; und man hat viel mit gekauften oder selber gemachten Hartholznägeln,
Dübeln und Spunden - bei Nut und Feder - miteinander verbunden. Für
ärmere Leute oder einfache Bauten hat man einmal mehr, ohne viel
Federlesen, rohe Hölzer - Akazienstangen - als Dachträger mit
Draht zusammengebunden, so dass sie mit der Rohrauflage einen dauerhaften
Verbund abgegeben haben.
4.9 DACHDECKER
Bei den ersten Siedlerhäusern der Ahnen hat er das Meiste am Dach
gemacht, nämlich alles von den Dachboden-Balken aufwärts. Das
Akaziengerüst der Satteldächer mit Sparren und Schieblingen/Windschieblingen,
Kehlhölzern und der Firstfetten hat er dann aufgesetzt, wenn der
schwere Fuß- oder Längsbalken-Durchzug mit den leichteren Trägerbalken
für die Strohwickel auf die Stampfmauern aufgesetzt war. Wenn sich
ein ärmerer Hausbauer keinen Zimmermann leisten konnte - oder wollte,
weil er selber mit Hand angelegt hat -, ist es auch vorgekommen, dass
er sich den Längs- und die Querbalken vom Sägewerk fertig geholt
und mit einem Dachdecker und ein paar starken Männern selber eingesetzt
hat. Der Längsbalken-Durchzug hat von der Giebelmauer bis zu der
Endmauer gereicht, ist mitten über die damals noch kleinen Straßen-Fenster
gelegt worden und hat das ganze Dach getragen. Die kleinsten Häuser,
bei denen man nur ein Straßenfenster gemacht hat, haben meist auch
keinen Längsbalken gehabt. Wenn man genau hinschaut, so sieht man,
dass jedes Zimmer eine krumme Decke hat, weil sich die Weichholz-(Träger)Querbalken
mit der Zeit verbogen haben. Ein guter Durchzug hat 30x40 cm im Querschnitt
gemessen und hat sich auch nach hundert Jahren nicht verbogen.
4.9.1 Rohrdach
War das Dachgerüst fertig, so sind Rohrbündel in Schichten,
von unten aufwärts aufgeschichtet und an die Wechselstangen/Dachwechsel
angebunden worden; dazu hat der Dachdecker ein Nähschiffchen mit
aufgespultem Einsendraht rein- und rausgesteckt und das Rohr, so eng wie
möglich, an die Stangen gedrückt und gebunden. Oben am First
ist ein Längsgeflecht, ähnlich einem Haarzopf gemacht worden,
wegen dem besseren Aussehen und wegen Haltbarkeit gegen den Wind. Waren
die Bündel alle festgemacht, so ist der Meister - alleine oder mit
einem Gesellen - auf einer Firstleiter ans Abdichten gegangen: 50 cm langes
Abdichtrohr hat er, von oben nach unten, mit einem Holzstössel schräg
in die Rohrbüschel getrieben, so dass das Regenwasser an ihnen herunterrinnen
konnte. Fertig und dicht war das Dach, gemäß einem Spruch,
wenn die Schwalben angefangen haben unter ihm ein Nest zu bauen.
Das Ausbessern eines Rohrdaches ist - wenn es rechtzeitig gemacht wurde
- auch so, wie das Abdichten gemacht worden.
4.9.2 Strohdach
Das hat erst mal ein flaches, dichtes Gerüst haben müssen, und
die Wechselhölzer waren enger gesetzt. Für die Unterschicht
hat man langes Schilf als Auflage genommen, worüber in Längsschichten
Hafer- oder Roggenstroh gebunden wurde. Wichtig war, dass sie Strohhalme
nach unten möglichst in mehreren Schichten gehangen haben. Strohdecken
hat man nicht ausgebessert, wenn es durchgeregnet hat - ungefähr
nach 5 Jahren -, hat man sie ganz neu gemacht. Nicht wegen des schwäbischen
Stolzes muss gesagt sein, dass man bei unseren Leuten selten diese Art
von Dächer auf Wohnhäusern gesehen hat; bei den Ställen
hat man sie auch so oft wie bei den ärmeren Nachbarsleuten gemacht.
4.9.3 Ziegeldach
Ziegeldächer wurden schon ab der zweiten Generation unserer Siedlerhäuser
gemacht. Da hat der Dachdecker, neben dem reinen Decken, auch die Nebenarbeit
am First und an der Traufe erledigt: die Abdichtung des Brandgiebels mit
Mörtel, Leistenansatz für die Traufe, Windbretter zuschneiden,
Ausschneiden der Dachfenster, richtiges Setzen und Decken des Feuerreiters
(z.B. auf einem Gemeinde- oder Feuerwehrhaus) und mehreckige, sowie runde
Dächer und Türme fachgerecht mit Spezialziegeln abdecken. Das
hat er so gemacht, wie heutzutage, nur ohne Aufzug: Unten am Ziegelhaufen
hat ein Mann die Dachziegel bis zur Traufelatte geschmissen, von dort
hat der zweite Helfer dem Meister zugeworfen, und der hat die Ziegel in
kleineren Stapeln auf dem Arbeitsplatz verteilt.
Dachziegelarten: Es gab die eckigen Flachziegel, Bieberschwänze,
Firstziegel, Nonne- und Mönchsziegel, Schieferplatten, Zahn- oder
Biberziegel, Walmziegel und zuletzt auch schon größere Flachziegel
in Hohl- und Falzarten.
4.10 WAGNER
Er hat, wie selten ein Fachmann, Hand in Hand mit einem anderen Handwerker,
dem Schmied zusammengearbeitet. Es gab kaum eine Wagnerarbeit, die nicht
vom Schmied beschlagen, verbunden oder verstrebt worden wäre. Als
wichtigste und häufigste Meisterstücke galten die verschiedenen
Wagenarten, unter denen der Bauern- oder Leiterwagen den ersten Platz
eingenommen hat. Wie die Zusammenarbeit dieser zwei wichtigen Berufe geschah,
soll hier beispielhaft für alle anderen Arbeiten von den - nur manchmal
auf der Wanderschaft gewesenen - Gesellen und Meistern beschrieben werden.
Grundsätzlich hat der Wagner (in Hajos Waangr) Akazienholz für
alle Arten von Schubkarren und werktägliche Bauernwagen genommen;
für sonntägliche Wagen und Bauernkutschen ist auch mal Buche
für die Leiter genommen worden; weiches Holz für den Pferdeschlitten,
Tannenbretter für die geschlossenen Getreidewagen, Ochsenkarren,
Vollholzräder, Wagensitze, Aufbauten für das Mistfahren, Schiebtruhen
und viele Kistenarten; Pappelholz nur für die Deichsel, weil das
kurz abgebrochen ist und keine gefährlich langen Splitter/Spleiße
hatte, die den Pferden Verletzungen beigebracht hätten.
4.10.1 Einrichtung und Werkzeug
Das wichtigste war die Bogensäge, das Wagnerbeil, Schnitzmesser,
der Zigeunerbohrer und Nabenfräser; mit denen hat er die meisten
Wagenteile gemacht, bevor der Schmied sie bekommen und beschlagen hat.
Die bestellten Wagenarten haben sich nur in der Länge der Längsleiter
unterschieden, die Brechleisten, Langwiede und Schragel hätte er
auch vorarbeiten können - wenn er Zeit dazu gehabt hätte. Wir
wissen, dass unsere vielen Wagner auch mit Ausbesserungen genug zu tun
hatten und neue Wagen nur auf Bestellung machten. Die wichtigste und genaueste
Arbeit war die mit den Rädern: Das Achsenlager mit einem Zigeunerbohrer
vorbohren und verbüchsen, die Speiche genau und gleich machen und
in die Nabe einpassen, danach die Kranzstücke rundum darauf passen
und mit jeder Speiche verdübeln. Die Räder wurden gesondert
zum Schmied gebracht, wo dieser ihnen die Reifen und Nabenkränze
heiß anpasste. Wenn sie – genau wie alle übrigen Teile
- vom Schmied zurückkamen, sind sie fertiggeschliffen und eingebeizt
worden.
Für diese und alle übrigen Wagnerarbeiten hat der Meister
mehrere Akazienholz-Stapel und Buchenscheite ein paar Jahre trocknen lassen,
dazu überkreuz gelegt und luftig zugedeckt. Die Stöcke, Klötze
und Stücke waren schon vorausgelesen für dünnere, gerade
und dickere Wagenteile, möglichst ohne Äste. Erst wenn er sicher
war, dass sich das Holz nicht mehr weiter verbiegen würde, war es
gut zum Verarbeiten. Bei den meisten größeren Arbeitsstücken
haben die Wagner im Freien gearbeitet und sind nur bei schlechtem Wetter
in einen Schuppen ausgewichen.
4.11 SCHMIED
Dieser Beruf, zu den ältesten der Menschheit zählend und damit
schon lange vor unseren Ahnen und auch vor der Landnahme der Ungarn im
Karpatenbecken ansässig, bietet manche erwähnenswerten Arbeitsarten
in Bezug auf die enge Zusammenarbeit mit dem Wagner Noch in unsere Erinnerung
fällt die Geschicklichkeit, mit der der Batschkaer Schmiedemeister,
assistiert von einem Gesellen oder Lehrling, alle Eisenformen an dem sicher
nicht unkomplizierten Leiterwagen von Hand biegen konnte. ob kreisrund
oder nadelspitz, es gab keine Form, die ein geübter Schmied nicht
zustande brachte – so genau bemessen, dass sie eine Maschine nicht
besser machen konnte. Daraus resultierte auch die Herstellung vieler Ersatz-
und Beschlagteile, welche außer an dem Bauernwagen, für die
Instandsetzung, aber auch neue Herstellung, fast aller Landwirtschaftlichen
Geräten und Maschinen notwendig waren.
4.11.1 Einrichtung und Werkzeug
Feuerplatz mit ledernem Blasenbalg, der mit dem Fuß getreten wurde;
Wassertrog zum Ablöschen und Härten; ein- und zweizackige Feuerhaken;
Kohlenschaufel für Holzkohle und Koks; Löschwedel mit einem
Lumpen an den Holzstiel gebunden; der klassische Amboss, mit Rund- und
Viereckhorn, Voramboss und Stauchfuß, ist in der Nähe des Feuerplatzes
auf einem Vogelbeerklotz festgemacht gewesen; der Holzklotz hat nicht
aus hartem Holz sein dürfen, war ca. 50 cm im Durchmesser und wurde,
am oberen Umfang, von einem starken Eisenring zusammengehalten. Nahe dabei
war ein gewöhnlicher, größerer Schraubstock, zum heißen
schmieden und biegen der heißgemachten Teile. Als wichtigste Hämmer
galten: Der Vorschlag-, Hand-, Flach-, Rundloch-, Kehl-, Schlicht- und
Spitzhammer; an der Rückwand der Werkbank bzw. des Arbeitstisches
hingen die Zangen: Beiß-, Flach-, Rund-, Hufeisen-, Winkel- und
Zahnzange sowie das Schrotmeißel und der Abschroter für die
Arbeit am Amboss; verschiedene Ambosseinsätze waren meistens auch
in seiner Nähe erreichbar oder im viereckigen Ambossloch. Eine kniehohe,
viereckige stählerne Lochplatte hatte ca. 30 verschiedene Formlöcher;
und an allen Wänden hingen Regale mit allen Arten gekaufter Nägel
und selber gemachten, rohen Hufeisen, Hufnägeln, Nieten und Schrauben,
ebenso Drahtschablone, Winkeleisen, eine Messlatte und ein Lehreisen,
Feilen, Hufraspel, Hufmuster, Eisensäge, Meißel, Körner,
Schaber und Anreißnadeln.
Beschlagen der Pferde. Unter dem Freidach standen die wichtigsten -
beweglichen und fahrbaren – Einrichtungen zum Beschlagen der Pferde:
Ein Quadratmeter großer Feuerplatz mit Ventilmotor, Fußstütze
für das Pferd (Fußknecht), Arbeitstisch mit einem kleinen Amboss
und einem Beschlagsatz, wie Scheeleisen, Raspel, Beiß-, Flach- und
Spreizzange. Der Hufschmied war als einziger von seiner Werkstatt unabhängig
und ist - hauptsächlich im Krieg - mit seiner fahrbaren Beschlageinrichtung
überall schnell hingekommen, wo man ihn gebraucht hat.
Elektrisches Schmiedewerkzeug. Wenn es ein reicher Schmied war, hat
er auch schon Elektrizität mit verschiedenen Maschinen genutzt: Bohr-
und Schleifmaschine, Schweißanlage und sicher auch den elektrischen
Blasenbalg; eine Press-, Stanz-, Biege- und Scherenmaschine vielleicht,
und selten auch schon Pressluftanlage mit Schmiede- und Stauchmaschine
für Achsen und andere Massenarbeit.
Um mit der engen Zusammenarbeit des Schmieds mit dem Wagner das Kapitel
abzuschließen: Wenn es was neues mit Stahlverbindungen, -Reifen,
-Keulen, -Achsen oder Beschlägen gegeben hat, für das noch kein
passendes Schmiedewerkzeug da war, so hat man zuerst, zusammen mit dem
Wagner, ein einheitliches Muster und Werkzeug gemacht. Von daher kommt
es, dass jede Schmiedewerkstatt eine eigene Werkzeugsammlung hatte und
sich immer von den anderen unterschied; also eben das Gegenstück
von der einheitlichen Wagner-Werkstatt war.
4.12 SCHIFFSZIMMERMANN
Als Schopper kamen die Fachleute zur Herstellung allerlei Wasserfahrzeuge
aus Holz in die ungarische Tiefebene, und so werden sie heute noch von
den Ungarn genannt (supper = hajóács). In einem Freilichtmuseum
an der Theiß – Ópusztaszer, in der Nähe von Szegedin
- wird der Beruf mit ein paar Arbeitsbeispielen gezeigt: Schopperschiff,
Großkalter, Plätte, eine Wassermühle und eine Zille/großes
Ruderboot. Das Wesentliche war immer die Abdichtarbeit am Bootsrumpf bzw.
Schiffsbauch, was Rumpf- oder Stoßnähen zwischen den Schopperbrettern
hieß. Das wurde so gemacht: Wenn der Rumpf mit den Akazienrippen
auf einem Eichengerüst mit Holzspund und Stahlschrauben festgemacht
war, sind längs die weichen oder harten (billige oder teure Ausführung)
Schopperbretter daraufgenagelt worden. Zwischen denen die Naht abzudichten,
war die mühseligste Arbeit, und sie ging so: Zuerst hat man die Schlitze
mit Mohärgras und Binsen mit Hilfe eines Holzhammers und Flacheisens
ausgestopft, dann sind meterlange weiche- oder harte Leisten mit doppelten
Blechklammern daraufgeklammert worden. Von der Sorgfalt dieser Abdichtarbeit
hing es ab, ob und wie lange ein Rumpf wasserdicht blieb.
4.12.1 Werkzeug und Arbeitsobjekte
An besonderem Schopperwerkzeug ist zu erwähnen: Das Schopperbeil,
die Bund- und Handsäge, der Stangenbohrer, Hand- und Wendelbohrer,
Schraubenzwinge, Eisen- und Holzhammer, Klöppelholz, Zigeunerbohrer,
Schrubb- und Schlichthobel, Zug- oder Schnitzmesser - und etliches Zimmermannswerkzeug
für die Holzverbände, den Steg und die Streben. Der fertige
Rumpf ist noch von innen und außen mit Teer eingestrichen worden.
Die einfacheren Aufbauarbeiten am Steuer- und Matrosenhaus haben die Schopper
selber aus Tannenholz gemacht, sonst haben sie auch mal einem Tischler
etwas Verdienst zukommen lassen.
Arbeitsobjekte: Am häufigsten war die Arbeit an Holzbooten, Plätten,
Zillen, Schiffskalter und Schiffsmühlen. Alles wurde mit den gleichen
Werkzeugen und Holzarten ausgeführt, wie die Schopperschiffe, und
es kam auch auf die gleiche Handwerkskunst an, bei der in früheren
Jahrhunderten noch der Meister im Wald das krumme Heckholz, für größere
Objekte, selber ausgesucht hat.
4.13 FASSBINDER
Auf alten Bildern sieht man Holzfässer, die noch mit Weidengürteln
gebunden sind. Schon das war Sache von einem besonderen Handwerk, weil
ja nicht unbedingt das Binden über die Dichtheit des Fasses entschieden
hat, sondern die genaue Daube. Und die hat nur der gelernte Fassbinder
zuschneiden, nach einem Muster genau abschrägen, mit einem Schnitzmesser
auf der Schnitzbank vorschnitzen und mit einem langen Hobel glatt hobeln
können. Das besondere bei dem Hobeln war, dass der Hobel umgekehrt
gelegen oder eingespannt war und dass die Dauben hin und her bewegt worden
sind. Danach ist das Dämpfen mit heißem Wasserdampf und Einsetzen
der Bodenhölzer in die Fassnute/Endnute gekommen, wo schon der erste
Reifen - zu unserer Zeit vom Schmied gemacht - eingesetzt worden und der
Daubenspanner in Aktion gekommen ist. Im angefangenen Fass stand ein großer
Topf heißen Wassers, der mit einem überdeckten Tuch im Daubenbereich
zum Verdampfen gebracht worden ist. Wenn die Daubenhölzer - meist
astfreie Eichen- und Buchenhölzer - weich genug waren, sind sie nach
und nach, von Reifen zu Reifen, angezogen und mit einem Daubeneisen und
einem Hammer festgeklopft worden. Das Einsetzen vom zweiten Boden war
genau so eine Kunst, weil es feine Millimeter-Arbeit war, bis der letzte
Reifen festgezogen werden konnte. Das entgültige Abdichten hat man
durch Quellen bekommen, wenn man das Fass mit Wasser vollgemacht und stehen
gelassen hat. Das Spundloch ist schon von Anfang an in eine Daube gebohrt
worden; jetzt hat man nur noch einen gedrechselten Spund hineingeschlagen.
War man mit dem Fass zufrieden, ist es geleert und von außen mit
einer Härterbeize eingestrichen worden.
4.13.1 Fassarten und Werkzeug
Fassarten: Rund- und ovalbäuchige Weinfässer, in Größen
zwischen 25 Liter und 125 Hektoliter; offene, für Most- und Sauerkrautmachen,
zwischen 50 und 500 L.; Kübel und Kübelfässer, mit einem
oder zwei Henkel, zwischen 10 und 50 L.; Butterfässer mit 10 und
20 L.
Binderwerkzeug: Bund- und Handsäge, verschieden lange Hobel zum groben
und feinen Schlichten, Zimmermannsbeil, verschiedene Stahlhämmer,
Spannhämmer und Spanneisen, Schnitzbank und ein Satz Schnitzmesser,
Holzbohrer, Raspel und Stemmeisen.
4.14 DRECHSLER
Er ist ein Beispiel für die bei unserer Ansiedlung aus dem Deutschen
Reich mitgebrachten und ohne die kleinste Veränderung weitergeführten
Fachkenntnisse. Mit den wenigen Einrichtungen und Werkzeugen, die ein
Drechsler gebraucht hat, wenn er schöne, teure Möbelteile, Schränke,
Kommoden und Tische aus Holz, aber auch Schmuckkästchen, Ständer,
Rahmen und Tassen aus Horn, Elfenbein oder Bernstein gemacht oder ausgebessert
hat, war seine Facharbeit für arme wie reiche Auftraggeber gut. Dass
er alle Holzarbeiten kennen musste, ist ebenso klar, wie seine spezielle
Geschicklichkeit beim Drechseln auf der fußbetriebenen Drechselbank,
einem handgetriebenen Drillholz und einem Drillbohrer. Das größte
Einzelteil war ca. 1,20 lang und ca. 30 cm dick, und noch größere
Teile sind zusammengesteckt worden, weswegen die genaue Passung - ohne
Quellen und Kleben - sehr wichtig war. Heute noch sind die südöstlichen
Märkte voll mit gedrechselten Einzelteilen für Tische, Stühle
und Ständer (für Blumen und Kerzen), die zuhause nur zusammengesteckt
werden müssen, und trotzdem gut und fest halten.
4.14.1 Holzarten und Werkzeug
Alle astfreien Hölzer sind in Frage gekommen, und je nach Preishöhe
ist es - Eiche, Buche, Esche und Akazie - oder weich - Nuss, Kirsche,
Linde, Erle, Weide und Pappel - gewesen. Und das wichtigste Werkzeug war,
genau das gleiche wie seinerzeit überall in Europa: Tischlersäge,
Laubsäge, verschiedene Drechselhaken, Stichel und Löffelbohrer,
Mess- und Anreißzirkel, Dreizack und verschiedene Gewindesträhler
für Rund- und Spitzgewinde (in Zollmaß). Ein paar Maschinenteile
hatten Namen wie: Trittgestell, Übersetzungsräder, Zweibackenfutter,
Spundfutter, Reitstock und Reitspitz. Zum Feindrechseln und Polieren hat
es auch schon Sand- und Schmirgelpapier mit verschiedenen Körnungen
gegeben. Und für das Beizen wurden Naturbeizmittel aus grünen
Nüssen oder Mahagonipulver (und manchmal auch Mistbrühe und
Urin) genommen.
4.15 SCHLOSSER
Der vielseitigste und geschickteste Metallfachmann war der Dorf- und Maschinenschlosser.
Zu unserer Zeit hat er sich schon lange nicht nur mit Schlösserherstellung
und -Reparieren abgegeben. Erst mal hat er eine umfangreiche Lehre bei
einem seltenen Meister gemacht und dann hat er, wegen des ständigen
technischen Fortschritts, ein Leben lang dazugelernt.
4.15.1 Arbeitsgebiet und Werkzeug
Neumachen und Reparieren von allem Eisen- und Stahlzeug; und im Umgang
mit den kleinsten Motoren, bis zu großen Dreschmaschinen-Garnituren,
haben der Schlossermeister und sein Geselle oder angelernte Helfer Bescheid
gewusst. Kurz und gut, es hat selten was aus schwarzem oder farbigem Metall
gegeben, das man ins Nachbardorf oder gar in die Stadt zum Reparieren
hätte bringen müssen.
Schlosserwerkzeug, als Grundausstattung bei einer neuen Werkstatt-Einrichtung:
Hammer vom viertel bis zwei Kilogramm, Beißzange groß und
klein, Flach-, Spitz- und Kombizange, Schmiedzangen in allen Schmiedarten,
ein Feilen-, Meißel- Bohrer-, Gewindebohrer- und Lochersatz, Schraubstöcke
und Schraubzwingen, Körner, Anreißnadel und Stahllineal, verschieden
große Schraubenzieher, Halter und Einsätze zum Schneiden von
Schrauben-Gewinden, Eisen- und Holzsäge, Hand- und Maschinenbohrer,
Amerikaner, viele Schraubenschlüssel und mindestens einer in Franzosen-
und Engländer-Art, Rohrzange und -Halter, Blech- und starke Stoffscheren,
Drehwerkzeuge, Lehrbleche / Blechschablonen, Messlehre und Mikrometer.
Dazu sind mit der Zeit viele Spezialwerkzeuge selber gemacht und gekauft
worden.
An Maschineeinrichtungen gab es, fest eingebaut: Bohrmaschine, Drehbank,
Maschinensäge und Schweißanlage; tragbare Maschinen waren,
die zum Bohren, Schleifen und Nieten. An Fahr- und Kraftmaschinen hat
fast jeder Schlosser einen Traktor oder ein Lokomobil und eine Dreschgarnitur
- Dreschkasten und Elevator – gehabt. Wenn er für all das zu
arm war, hat er sicher, als Maschinist, an ihnen gearbeitet. Zwischen
den Weltkriegen, als noch das Maschinendreschen neu war, haben manche
schlauen Bauern und Spekulanten sich auch so eine einträgliche Garnitur
gekauft und mit ihr versucht, durch Lohndreschen reich zu werden. Das
ist ihnen aber selten gelungen, weil sie buchstäblich die Rechnung
ohne den Wert gemacht und das laufende Instandsetzen vergessen haben,
das sie bei der Konkurrenz, einem Maschinenschlosser, in Auftrag geben
mussten.
.
4.15.2 Arbeitsbeispiele
Einige übliche Schlosser-Arbeiten: Herstellen besonderer Verschlüsse,
Riegel, Scharniere, Beschläge, Verstrebungen und Kleinteile für
den Tischler, Zimmermann und Blechner, die man nicht im Eisengeschäft
kaufen konnte. Reparieren von allen Haushaltsmaschinen und Bauereimaschinen,
Einrichten von Wasserwerken und Elektrozentralen (mit Ausnahme des elektrischen
Teils) und dann, den Sommer über, die Lohnarbeit beim Dreschen, mit
Verantwortung am Traktor/Lokomobil, Dreschkasten und Elevator. Schon alleine
von letzterer Arbeit bekam der M-Schlosser soviel an Naturlohn, dass sein
Haushalt mit Lebensmitteln das ganze Jahr versorgt war.
Während und nach dem Krieg sind von diesen Meistern die besonderen
"hausgemachten" Traktore und Lastwagen - mit Holzgas-Antrieb
– gebaut worden; manche von ihnen waren so gut, dass man sie heutzutage,
60-70-jährig, noch in Ungarn womöglich in Aktion, aber sicher
im Museum bewundern kann.
4.16 SPENGLER - HÄFNER
Alle Blechsachen und feineren Metallarbeiten am Haus, in der Küche
und Hofwirtschaft war Sache des Spenglers / Blechners / Klempners, Häfners
und Kesselflickers. In größeren Dörfern haben sich manche
nur auf Zinkblech, die anderen auch auf Rohblech und Töpfe und Kessel
spezialisiert. Die einen wie die anderen haben Werkstätten gehabt
und gingen aber auch zum Auftraggeber ins Haus arbeiten. Weil sie viel
- schon von der Lehrzeit und Wanderschaft her - herumgekommen sind und
mit Säure und Schwermetall zu tun hatten, waren sie die ersten, die
in einem Dorf den Schwachstrom mit Akkumulator eingeführt und genutzt
haben. Geschickte unter ihnen konnten bald mit einem eigenen Kristall-Detektor-Radio
die wenigen Stadtsender hören. Das kam daher, dass sie als Feinmechaniker
viel Hausgeschirr und auch kleine Hausmaschinen repariert haben, die mit
Elektrizität angetrieben wurden. Grundsätzlich kann man sagen,
dass, wenn es einen Dorfhandwerker gegeben hat, der neben seiner Arbeit
noch Zeit für etwas anderes hatte, so war es der Spengler.
4.16.1 Werkzeug
Tafel-, Blech- und Winkelschere, Fäustel, Horn, Blechbiegmaschine
für gerade und spitzige Biegung, Falzmaschine, Lötkolben mit
Salzsäuredose und -Pinsel, Salmiakstein, Lötlampe und -Kolben,
Ratsche für Gewindeschneiden, verschiedene Feilen, Raspel und Schaber,
Kornhammer, Falz- und Nuthammer, gewöhnliche Hammer aus Stahl, Holz
und Gummi, Zangen zum Halten, Ziehen und Biegen; dann ein paar Sachen
vom Schmied (Amboss zum Kaltschmieden, Nietstock und Holzklotz) und ein
paar vom Schlosser (Bohrmaschine, Kombimaschine zum Winkelbiegen/Abkanten
und Wulstbiegen), so dass ein geschickter Spengler diesen zwei Berufen
oft Konkurrenz gemacht hat.
Als Häfner und Kesselflicker hat er hauptsächlich Löt-
und Nietzeug gebraucht, das er in einer Krücke von Haus zu Haus getragen
und - gegen wenig Geld oder Lebensmittel (die er in der Ernte- oder Schlachtzeit
abgeholt hat) - die durchgebrannten Töpfe/Häfen, Schüsseln,
Backbleche und Kessel dicht und feuerfest - mit reinem Flecknieten - oder
nur dicht, wie bei der Waschschüssel und dem Eimer, repariert hat.
4.17 FLEISCHER
Unter diesem Fachmann, zu dem man auch Fleischhacker gesagt hat, ist nur
der hauptberufliche zu verstehen, der bei einem Meister als Lehrling drei-vier
Jahre gelernt und gewohnt hat, und für das Wohnen und Essen noch
Zins zahlen musste. Streng war die Lehre und schwer die Arbeit (wie es
bei meinem Onkel, Toni Gerescher, der in Stanischitsch als kleiner, schwacher
Bursche mit 13 Jahren seine Fleischlehre angefangen und später dann
die Meistertochter geheiratet und die Fleischbank übernommen hat,
der Fall war).
4.17.1 Fleischerwerkzeug
Zum Schlachten hatte der Fachmann gewöhnlich ein Spitzbeil,
Stechmesser, Schussapparat (zur Betäubung), Hautmesser und Transchiermesser,
Wetzstein und -Stahl, Schweinskamm-Beil und -Säge, Knochenbeil; in
der Fleischbank kam dazu noch ein Fleisch-, Knochenmesser, ein Spaltmesser
und ein Sägemesser. Zum Wurstmachen hat man gebraucht ein Kesselhäuschen
mit einem angebauten Sparherd und paar Schüsseln, Schüsselchen
und Töpfe, einen Fleischwolf mit verschiedenen Lochscheiben, ein
paar Waschschüsseln, Holzkübel und Aluminiumgefäße,
eine Rühr- und Mischmulde, einen Schaumlöffel, Würsteseiher/-Sieb
und Fleischsieb, Fleischgabel, Wurstspritze und -Presse, eine Waschgelegenheit
für die Hände, viele weiße Leintücher, eine Blechtonne
und ein paar Eimer für verschiedene Abfälle.
Arbeitsweise: Im Unterschied zu den westeuropäischen - und deutschen
– Fleischern/Metzgern haben unsere Dorffleischer das Schlachtvieh
- Schwein, Rind, Stier, Kalb, Schaf - bei den Bauern oder beim Aufkäufer
selber ausgesucht und immer neu den Preis ausgehandelt. Deswegen ist es
oft vorgekommen, dass sie ein billiges Stück im Angebot hatten und
grundsätzlich nur einen ungefähren Fleischpreis der Kundschaft
im voraus gesagt haben. Nur die Würste waren, bei gleicher Qualität,
auch im Preis gleich. Dazu ist meistens auf mehrere Arten das Fleisch
zerkleinert worden: z.B. hat man den Schweinskamm ganz und ohne Karmanadel
bekommen können, aber auch in der Mitte durchgesägt und mit
einem Rippenstück; Knorpelfleisch ist extra und billig oder mit anderem
Fleisch etwas teurer verkauft worden, usw.; man ist halt wegen der großen
Konkurrenz - durch den angelernten Schlachter - mehr auf die Kundschafts-Wünsche
eingegangen. Außer im heißen Sommer, wurde das Fleisch immer
frischgeschlachtet zum Verkauf angeboten. Im Sommer wurde es schon mal
ein paar Tage in der Eisgrube aufgehoben.
4.17.2 Schlachtbeispiele
Außer den Schafen ist das Schlachtvieh mit einem besonderen Beil,
seltener mit einem Bolzen-Schuss-Apparat betäubt und danach abgestochen
worden. Nur die Schafe hat man ohne Betäubung gleich abgestochen.
Danach hat man die Schweine in der Brühmulde mit kochendem Wasser
abgebrüht, von den Borsten und der Borstenhaut gesäubert und
geschabt und an den Schlachtrechen gehängt. Rinder und Stiere sind
auf einem sauberen Platz am Boden oder einem Flaschenzug und einem Rechen
abgehäutet worden. Kälber und Schafe hat man an den hinteren
Fußsehnen aufgehängt und abgezogen. In ganzen Fleischpartien
ist das Fleisch in die Fleischbank gekommen und, so groß wie möglich,
an den Fleischrechen und Fleischhaken gehängt worden. Zum Verkaufen
hat man es vom größeren, gleichen Stück heruntergeschnitten.
4.17.3 Fleischangebot
An einem Rechenzahn war z. B. das Karmanadel, ohne Knochen, am anderen
die ganzen Schweinsrippen und der Schweinskamm, am dritten das Nussstück
und daneben Lende, Oberschale mit Eisbein/Hachse, große Stücke
Wampen und Rückenspeck. Die Innereien, wie Leber, Lunge, Nieren und
Griesel (Milchdärme bei Saugkälbern) wurden, frisch gewaschen,
aus der Mulde oder aus den Schüsseln auf dem Verkaufstisch verkauft,
viel billiger als das Fleisch, z.B. für Nierenragout, Leberknödel
u.s.w.. Magen, Därme, Blasen, Kuttel und Schmerfett hat man, ausgewaschen,
aus der Schüssel verkauft oder zu den Zutaten der Würste, Schwartenmagen
und Blunzen dazu gemischt. Schmerfett von den Innereien ist auch ausgelassen
und als Schmergrieben und Schmalz abgegeben worden; was manche Hausfrauen
gern für Schmerpogatschen genommen haben. Aller überschüssige
Speck - der nicht als Speckseite geschnitten werden konnte oder den man
nicht als Wurstzutat oder Paprikaspeck verwenden konnte - ist in Würfel
geschnitten und zu Grieben und Schmalz ausgelassen worden.
Arbeitsumfang: Am Beispiel eines Fleischhackers aus Apatin, der größten
Dorfgemeinde in der Oberbatschka, kann man die vielseitige und aufwändige
Arbeit auch der übrigen Metzger abschätzen. Der besonders unternehmungsfreudige
Meister - er hat auch nach der Vertreibung und fast bis zu seinem Tod
in Ludwigsburg geschlachtet und für Landsleute Würste gemacht
- hat mit 4 Gesellen und drei Lehrlingen wöchentlich 23 Schweine,
3 Kühe, 5 Kälber und Schafe, - je nach den Festen, auch mehr
- geschlachtet und für den Verkauf in seiner Fleischbank verarbeitet.
Dort haben er, seine Frau und noch eine Anlernkraft die Kundschaft bedient.
Sein Geschäft hat zu den größten im Dorf und im Kreis
Sombor gehört; jene in der Stadt nicht mitgerechnet, die schon Fleisch-
und Wurstfabriken ähnelten.
4.17.4 Wurstherstellung
Das Wurstmachen war bei jedem Fleischer eine eigene Kunst, weil er nicht
nur das im Angebot haben wollte, was die Dorfbewohner bei der eigenen
Schlachtung selbst herstellen konnten. Über die „normalen“
Brat- und Blutwürste, Schwartemagen und Leberwürste hinaus -
die er ungefähr so gemacht hat, wie der geschickte Hausschlachter
-, hat er für Aufschnitt, Wiener, Debreziener, grobe und feine Salami
verschieden gelochte Fleischwölfe nehmen müssen, und ein genaueres
Würzen und Kochen angewandt. Dazu hat er neben dem Hauptfleisch vom
Schwein, auch das feinste von Kuh und Kalb beigemischt, ebenso die Lauge,
Laugengewürze, Kümmel und Reis, je nach seinem eigenen Rezept
und einem überlieferten Geschmack der Kundschaft.
Ein paar einfache Rezepte für das Wurstmachen. Bratwurst: Zwei
Drittel Schweinefleisch, ein Drittel Speck, durch die Sechserscheibe im
Fleischwolf gemahlen, dazu 3% fein gehackten Knoblauch, 2,5 % Salz, 1,5
% süßen Paprika, ebensoviel schwarzen, gemahlenen Pfeffer und,
je nach Bedarf und Geschmack, scharfen Paprika; in ausgewaschene und ausgeschabte
Dünndärme des Schweins, mit der Wurstpresse gepresst; in beliebig
lange Stücke geschnitten, an ausgepressten Mitten und zugeklebten
Enden hat man sie über einen Stab gehängt und einen halben Tag
austrocknen lassen; nach einem weiteren Tag im Akazienrauch geräuchert
und in der Speisekammer oder Wurstkammer aufgehängt, haben sie sich
bis zu einem halben Jahr frisch gehalten; erst wenn sich, bei wärmerem
Wetter, die Wursthaut angefangen hat vom Fleisch abzulösen und Platz
für die Schmeißfliegen zu machen, sind die Würste langsam
schlecht geworden, und man hat sie schneller verbraucht - meist nur im
gekochten Zustand.
Batschkaer Blutwurst: Das ganze Blut eines Schweins, die Hälfte der
Leber und ebenso ein großer Teil vom Kopffleisch und Kopfspeck,
im Achterwolf gemahlen, 3% Salz, 1,5 % Pfeffer und 1% Paprika, je nachdem
Majoran, gemahlene Muskatnüsse, gehackten Knoblauch und gemahlenen
Kümmel; alles gut vermischt und in die dicksten Schweinedärme
gedrückt, dann leicht im Kessel gekocht und zum Abhängen und
Räuchern, wie die Bratwürste, in die Räucherkammer gehängt.
Andere, „normale“ Blutwurst, enthielt keine Leber, sonder
trockene Semmelbrocken, Salz, Pfeffer, Majoran und gemahlene Muskatnüsse,
und man hat sie nicht geräuchert und so bald wie möglich - gebraten
- gegessen.
Im Schwartemagen und Blunzen (Schwartenblase) war: etwas Schwartenspeck
und viel Kopffleisch, Leber und Niere - alles nur in gekochtem und in
Würfel oder Streifen geschnittenem Zustand -, dazu 3% Salz, 2% süßer
Paprika und 1,5% Pfeffer; gut vermischt und in den rohen und gut ausgewaschenen
Schweinemagen (Blase) gefüllt und eine halbe Stunde schwach gekocht;
danach mit einer starken Hanfschnur netzartig verbunden und zwischen zwei
Brettern mit Ziegelsteinen beschwert, über Nacht liegen lassen; mit
den Würsten einen Tag länger geräuchert und etwa 14 Tage
ausgehängt - da hat der Schwartemagen am besten geschmeckt, hat sich
aber auch 1-2 Monate gehalten, je nachdem, wie warm das Wetter war.
4.18 BÄCKER - ZUCKERBÄCKER
Der erste war vielseitiger und geschickter als die Leute, die zuhause
das Hausbrot im eigenen Batzofen gebacken haben, der zweite aber nur ein
besserer Geschäftsmann, weil in jedem Bauernhaus eine Frau mit einem
Dutzend Arten von Kuchen, Strudel, Gebäck, Hefeteig und Gewalktem
mit jedem guten Zuckerbacker mithalten konnte. In einem kleineren Dorf,
das ein-zwei Bäcker und gar keinen Zuckerbacker hatte, hat der Bäcker
alles an Backzeug gemacht: Brot, Semmel, Kipfel, Brezel, Flammkuchen,
Pogatschen, Kommissbrot, Tortenböden, Biskuits, dann ebenso manche
Strudel- und Kuchenarten und eben alles, was er seinerzeit in der dreijährigen
Lehrzeit gelernt und als Geselle eingeübt hat.
4.18.1 Einrichtung
Die Einrichtungen der Dorfbäckereien waren überall
gleich (und können heute noch in einem Skansendorf in Südungarn
– Opusztaszer - besichtigt werden): Das Wesentliche daran waren
die zwei verschiedenen Zimmer für Teigmachen und Backen, die mit
einer Wand von einander getrennt werden mussten, weil in dem einen die
„dreckige“ und in dem anderen die „saubere“ Arbeit
gemacht worden ist. In dem "dreckigen" war ungefähr in
der Mitte der Trennwand das Ofenloch, in einem knappen halben Meter über
dem gestampften Fußboden und in einer Größe vom ca. 50cm
hoch und 70 breit; zugemacht war es mit einer Stahltüre, mit einem
starken Rahmen, an dem zwei Scharniere und ein Schieberverschluss für
ein gutes Schließen gesorgt haben. In der gemauerten Wand über
dem Ofenloch war der extra feuerfest gemauerte Kamin und auf dessen innerer
Seite die Feuertüre - aus einem Stahlrahmen mit Batzlehm ausgefüllt
und 10 cm dick. Gleich neben der Stahltüre war das Guckloch, ca.
15 x 20 cm groß und nur innen mit einem nassen Lumpen zugestopft,
für die Karbidlampe (dort, wo es noch keinen Strom gegeben hat),
sonst für eine elektrische Leuchte. Zwischen Außen- und Innentüre
war, nach unten, das Aschenloch, fast so breit wie die Türen und
so tief wie die Kaminwand, durch das die Asche in die Schießgrube
gefallen ist. War der Ofen fertig eingeheizt, hat man die Asche mit einem
Schieber herausgezogen und den Backraum mit einem Lumpenwischer sauber
ausgewischt. Für die noch glühende Asche hatte man einen Blechkasten
mit zwei Henkeln, zum auffangen und wegbringen. Aus der Schießgrube
hat man das Brot einschießen müssen, deswegen war sie so tief
und weit gemauert, dass man die Schießschaufel in Brust- bis Schulterhöhe
ins Ofenloch schieben konnte. 2-3 Ziegelstufen haben das schnelle Hinunter-
und Hinaufgehen leichter gemacht. Für das Feuerungszeug aus Aststücken
und Holzscheiten hat es in der Grubennähe genug Platz gegeben, und
für die Helfer beim Einschießen auch.
Das "saubere" Zimmer hat eine Verbindungstür zum ersten
Raum gehabt, die meist zu war, damit die gleichmäßige Wärme
für das Teigmachen erhalten blieb. In dem Zimmer hat der große
Backofen/Batzofen den meisten Platz eingenommen. An der fensterlosen Wand
hat, auf der ganzen Länge, der hölzerne, in zwei-drei Teile
eingeteilte Backtrog gestanden, der einen krippeartigen Bretterkasten
und drei-vier Paar 50 cm lange Holzfüße hatte. In verschiedenen
Trogteilen war der Weiß- oder Mischteig mit Hefe/Gerbn oder Sauerteig
angesetzt und ist da über Nacht gegangen. In der Früh (das hat
ca. 2-3 Uhr morgens geheißen) ist der Teig in großen Batzen
auf die immer frisch gewaschene, hölzerne Tischplatte gelegt und
zu Brot, Kipfeln, usw. Verarbeitet und in Brotkörbe oder Weidenkörbchen
und - als Kipfel und Brezel - in Backbleche gelegt worden. Nach einer
weiteren Gehzeit von einer guten halben Stunde war der Teig fertig zum
Einschießen und man hat ihn in den vorgeheizten und von Asche gesäuberten
Backofen mit der Schießschaufel/Brotschaufel hineingeschossen.
Der Backvorgang: Das Backen hat man durch das Guckloch anschauen können,
und wenn es, je nach Größe des Backzeuges, nach ca. einer halben
Stunde die richtige Farbe bekommen hat und fertig war, hat man mit der
Schießschaufel die Brotleibe herausgeholt. In einem gut geheizten
Ofen hat man zweimal hintereinander Brot oder mehrmals Kleinzeug backen
können.
Anheizen des Backofens: Anzünden mit Stroh- und Reisigbüschel,
Weiter- und Fertigfeuern mit einem armvoll Stangenholz, das aus Klafter-
oder Scheitholz bestand und armdick gespalten war. Meistens hat der Bäcker
sein Holz von den Klafterschtössen im Wald, vom weichsten und billigsten
ausgesucht, weil das am schnellsten getrocknet ist und in einer halben
Stunde den Ofen heiß gemacht hat. Die richtige Hitze festzustellen
war Meistersache, und er hat sie mit einem Topf voll kaltem Wasser gemessen,
das er hinter das Feuer auf den Ofenboden geschüttet hat; am Zischton
hat er gewusst, wann er die glühende Asche heraus schaufeln muss.
4.18.2 Hefe- und Sauerteig
Hefe-(Gerbn-) oder Sauerteig ist am Nachmittag des Vortages angesetzt
worden, soviel, wie man für ein-zwei Öfen voll Brot - 50 oder
100 Kilo-Leiber - gebraucht hat. Dabei war schon die Gerbn für das
ganze Brot, und sie ist schon ins Mischmehl oder Weißmehl gekommen,
je nachdem, was für ein Brot man gebraucht hat. Der Sauerteig ist
schneller aufgegangen, so dass er schon am Abend in dem Brotteig verarbeitet
werden konnte. Mit ihm war das Teigmachen billiger, und man hat in armen
Zeiten nur mit ‚passenden’ Teigresten - die in ein paar Tagen
bis zu einer Woche "sauer" geworden sind - den frischen Teig
angesetzt. Unter passend meint man Teigreste aus verschiedenem Misch-,
Weiß-, Roggen- und kleiigem Schwarzmehl, je nachdem welches Brot
man gebacken hat.
4.18.3 Kuchenteig
Kuchen-Teig ist immer aus feinstem Weißmehl gemacht worden, und
man hat ihn am Samstag-Abend für das Sonntagsangebot gerichtet. Dazu
ist Gerbn, Wasser, Milch, Salz, usw. genommen worden, je nachdem, was
die Kundschaft am meisten verlangt hat. Werktags ist das Bäckerei-Geschäft
um halb 6 und Sonntags um 8 aufgemacht worden, und blieb in der Woche
bis 2-3 Uhr nachmittags, sonntags bis 9-10 Uhr vormittags geöffnet.
Bei unseren Auskunftspersonen ist die Bäckerin in die Frühmesse
und der Bäckermeister ins Hochamt gegangen.
4.18.4 Kuchenangebot
Angebot der Zuckerbäckerei: Alle Sorten Gegangenes/Beigel, das meiste
mit Marmelade, Quark und Mohn gefüllt. Kipfel, Torten fertig und
als Böden, verschiedene Hefekuchen und Strudel, Ausgestochenes aus
Linzerteig, dann Blätterstrudel und Schüttteig. Wenn die Leute
nicht selber backen wollten – gekonnt hätten es die meisten
- haben sie gern auf dem Weg in die Kirche die Backbleche mit dem Teig
in die Bäckerei gegeben und nach der Messe den fertigen Kuchen abgeholt.
Dort wo es keine Lebzeltbäcker im Dorf gegeben hat, hat man immer
auch Lebzeltsachen beim Zuckerbäcker bekommen.
Besondere Bäckerarbeit: An größeren Dorffesten –
Kirchweih oder Hochzeiten - ist die Backstube mit artfremder Arbeit voll
gewesen, weil es da nicht um Teig- sondern um Fleischverarbeitung gegangen
ist - um Schweine-Braten und Spanferkel. In normal vorgeheiztem Ofen hat
der Bäcker die Glut auseinander geschoben und ein paar Backbleche
voll Schweinefleisch oder ein-zwei geschlachtete Ferkel auf Backblechen
braten lassen. Das Bauch- oder Rippenfleisch und die ganzen, zwischen
3 und 7 Monate alten Ferkel sind von einem Wirtshaus oder von den Hochzeitseltern
fertig gewürzt gebracht worden. Die Arbeit des Bäckers war,
beim Braten Acht zu geben und die Kruste zuerst mit Wasser, dann mit eigenem
Saft zu übergießen, dass sie nicht zu hart wird und gut gewürzt
bleibt. Für die Arbeit an einem guten Braten oder knusprigem Spanferkel
hat der Meister soviel verlangen können, wie für einen ganzen
Ofen voll Brotbacken (das Doppelte von dem, was das rohe Fleisch beim
Fleischer gekostet hat).
4.19 BESEN- UND BÜRSTENBINDER
Sie sind aus unserer alten Heimat nicht wegzudenken. Was sie gemacht haben,
hatte in jeder Hauswirtschaft hohe Ehre und Verwendung. Besen hat man
in vier Arten gehabt: für das Zimmer, den Hof, die Straße und
den Stall. Zum Staubwischen noch einen Flederwisch, Bartwisch und Handbesen.
Der Zimmerbesen war aus Zirok, Schilf oder Pferdehaaren, und man hat ihn
immer auf dem Markt, bei den Besenbindern gekauft. Dort hat es auch die
Hof-, Straßen- und Stallbesen gegeben, und die Bauern haben sie
sich vom Meister nur dann geleistet, wenn sie selber keine Zeit fürs
Besenbinden hatten. Das Material dazu war zur Genüge vorhanden: Weidenruten
und Besenreisig (das in jedem Garten wie Unkraut wuchs), und zum Binden
Eisendraht ca. 1,5 mm dick. Wenn es ums Binden solcher Besen ging, mit
denen man sich nicht schämen wollte, so hat man die Reisigstiele
abgeschnitten und mit einem zwei Finger dicken Akazienstock verlängert;
so wurden auch die schöneren Stallbesen gemacht: Das Reisig oder
die Ruten wurden gleichmäßig um den Stock gelegt und an zwei
Stellen festgebunden. Die Federwisch waren aus Gänse- oder Hahnenfedern,
Bartwische aus einem Büschel Pferdehaaren oder Blütenköpfen
des Schilfrohrs oder weichem, biegsamem Gras (lat. Namen Stipa pennata)
und Handbesen aus Zirok.
4.19.1 Besen- und Bürstenarten
Schöne Zirokbesen zu machen, war Meistersache: Wenn die meterlangen
Zirok- bzw. starke Hirsearten auf dem Feld reif waren, hat der Bauer sie
wie Hanf geschnitten und eine Woche trocknen lassen. Mit den Köpfen
ist er vorsichtig umgegangen, weil er sie an einen Besenbinder verkaufen
wollte; je stärker und länger sie waren, umso mehr hat er für
sie bekommen. Gereinigt wurden sie auf einem kniehohen Hechelholz, das
entweder länglich wie ein Bänkchen war, vier Füße
hatte oder rund, wie ein Schemel, mit drei Füßen. Nur sein
Rücken war bei allen zwei Arten mit gleich hohen, dreizackigen Hechelblechen
vollgenagelt; beim runden Hechelklotz kürzer, beim länglichen
länger. Mit paarmaligem Draufschlagen und ziehen haben sich die Samenenden
vom Zierokreisig abgelöst und der Bauer hat sie zum weiteren Trocknen
auf den Dachboden gebracht (wo die Tauben sie nicht wegen des restlichen
Samens zerfleddern konnten). Das Zierokreisig ist, so wie es war, mit
ungleichen Stielen in Büschel gebunden und zum Besenbinder gebracht
worden. Der hat, je nachdem, wie gut ihre Qualität war, für
sie mehr oder weniger gezahlt. Nach dem Waschen in Laugenwasser und Bleichen
in der Sonne hat er die Samenträger gleich lang - mit dem Stiel 30
cm - abgeschnitten und schön um den geschliffenen Eschenstock mit
einer Kreuzleiste gebunden. So sind sie am gebundenen Ende länglich
gewesen, und haben am Kehrende fächerartig auseinander gestanden.
Damit die Besen schöner aussahen, beim Kehren besser zusammenhielten
und nicht so leicht ausfielen, hat er sie auf der mittleren Länge
mit zwei-drei farbigen Zwirnfäden zusammengenäht; das mit einer
langen Nadel und von Hand. Auf diese Art wurden Handbesen und Zimmerbesen
gemacht, und in deren Machart hat sich bis heute in Ungarn nichts verändert.
Pferdehaar-Besen / Kehrwisch, Haar-Bürsten und Staubwisch, Bartwisch,
ebenso Rasierpinsel waren schon mehr Sache des Bürstenbinders. Weil
aber manchmal das Besen- und Bürstenbinden vom selben Meister gemacht
worden ist, hat der eine wie der andere auch dasselbe Werkzeug dazu gehabt.
So können auch wir einfach das Werkzeug von beiden zusammen benennen:
Zierokschere (ähnlich einer Schafschere), größere Haarscheren,
Holzfäustel und -Stößel, Schnitzmesser und Schnitzbank,
Arbeitstisch mit Sitzbank an allen zwei Enden, Bindermaschine mit Draht
und Zwirnspule (etwas dickeres Schustergarn) und eine Näheinrichtung
für die Haarbesen und Bürsten und eine andere mit zwei Nadeln
zum gleichzeitigen Wechselnähen mit beiden Händen, von oben
und unten. Zu dem kamen noch Holzwerkzeuge vom Tischler, zum Vorrichten,
Schnitzen, Bohren und Polieren der Stiele, der Leisten und Bürstenhölzer
in verschiedenen Größen.
Bürstenmaterial. Neben dem einheimischen Material - Binsen, Schilf,
Mohär, Pferdehaare und Eberborsten - hat der Bürstenbinden auch
viel mit südamerikanischem Prärie-Gras gearbeitet, das etwa
in der Stärke zwischen den Binsen und Eberborsten gekommen ist (und
das auch der Polsterer in seinen Sitzmöbeln gerne verarbeitete).
4.20 FISCHER
Darunter verstehen wir unsere hauptberuflichen Donau- und Theiß-Fischer.
Der Fischfang von den anderen Dorfleuten hat sich mehr in den Nebenarmen,
Kanälen, Gruben, Teichen und in Morasten abgespielt, aber dann auch
meistens mit echtem Fischerwerkzeug: Einfach- und Mehrfachangel, Stürzkorb,
Korbreuse, Netzreuse, Wurf- und Hebenetz und Taupel!
Arbeitsweise: Bei den Berufsfischern war die Arbeit alles andere als ein
reines Vergnügen. In aller Früh ging es in der Zille/großem
Ruderboot, voller Reusen und Absperrnetzen los an die Stammplätze
und Flussabschnitte, wo man nur mit einer besonderen Genehmigung Netzfischerei
betreiben durfte: Dies, weil das schiffbare Flussbett staatlich, die Uferstücke
an Nebenärmen gemeindeeigen oder privat waren (d.h. zu einem Herrschaftsgut
gehörten). Im Flussbett haben meistens Fischereigenossenschaften
mit Treibnetzen gefischt - Schwimmnetze, die oben Korkenschwimmer (wie
große Flaschenpfropfen) hatten und unten Bleikugeln, 3-4 m breit
und 30-40 m lang waren, und an jedem Ende mit einem Strick von zwei Ruder-
oder Motorzillen aus gezogen wurden. Die zweithäufigste Art mit Netz
zu fischen war die Reuse; sie ist im schilfreichen Wasser mit drei Stöcken
unten am Boden festgemacht worden, so dass man nur die Stockenden über
das Wasser ragen sah. Wenn die Reusen ausgelegt waren, hat man ein paar
Stunden mit Wurfnetzen gefischt: Das war ein 3 m großes Rundnetz
mit Bleikugeln am Netzrand und einem 10 Meter langen Wurfstrick an der
Netzmitte befestigt, das der Fischer beim Werfen am Ende festhielt; ein
zweiter, dünnerer Strick hat den Netzrand so eingezogen, dass alles,
was darin war, zum Werfer gezogen werden konnte. Der war entweder in der
Zille, auf dem Schoner oder am Ufer gestanden und hat sukzessiv einen
ganzen Uferstreifen abgefischt. Gern haben die Fischer eine Jagd auf Welse
gemacht: In einer ruhigen Ruderzille hat ein Mann mit einem Lockholz (hohle
Holzpatsche) auf das Wasser geschlagen; das hat die kurzsichtigen Welse
angelockt, und man konnte sie mit einem Meter großen, runden und
genauso tiefen Schöpfnetz fangen.
Bei Laienfischern hat das Fischerwerkzeug nur so geheißen, denn
es war nicht gekauft, sondern vom Gekauften nur abgeschaut: die Angel
hat man z.B. selber an eine Schnur gebunden und, mit einer Gänsefeder
als Schwimmer, an einem Stecken oder starken Schilfrohr ins Wasser geschmissen;
aus alten Trag- und Hühnerkörben sind Fischkörbe geworden,
und Umhängetücher hat man an allen vier Enden mit Schnüren
an einen Strick gebunden und als Wurf- oder Hebenetz benutzt. Beim damaligen
Fischreichtum in allen Gewässern hat man immer soviel gefangen, dass
man einen Paprikasch oder - auf dem offenen Feuer gebraten - eine gemütliche
Fischjause essen konnte. Am schönsten war das Angeln, wenn man draußen
auf dem Feld wegen viel Arbeit übernachtete und die Senkangel, an
deren Schnur eine ganze Reihe Haken mit Mais oder Würmern festgemacht
waren, ins Wasser warf. An der 10 m langen und mit einem Stein am Ende
unter Wasser gehaltenen Schnur hingen morgens sicher ein paar schöne
Fische. Man hat aber schon acht geben müssen, dass der Feldhüter
nicht dazu kam, sonst hat es eine Schimpferei und, seltener, eine Anzeige
gegeben. Erlaubtes Fischen gab es dann, wenn das Fischwasser durch ein
Privatfeld floss, oder als Morast, darauf stand. Die eigenen Fischlöcher,
mit oder ohne Fischzucht, gingen auch niemanden etwas an.
4.20.1 Fischerhütte
Fischerhütte: Zum praktischen Fischen hat es sie in Wassernähe
gegeben, und es konnten in ihr mehrere Leute übernachten - entweder,
weil sie auf ihre Reusen acht gaben, oder weil sie sich den Heimweg sparen
wollten. Solche sattelartigen Rohrdächer, ohne Wände, kann man
heute noch an unseren beiden großen Flüssen sehen. Sie sind
ca. 6-8 qm groß und haben eine Firsthöhe von ca. 2-3 m. Die
sturmfeste Rohrdeckung wird an einem in die Erde gegrabenen Akaziengerüst
festgemacht. Hinten ist eine windfeste, geschlossene Wand, vorne ein Türloch,
das man mit einer Rohrtür zumachen/zustellen kann. In der Hütte
ist rechts und links auf dem ganzen gestampften Fußboden eine dicke
Strohschicht, wo sich 4-6 Leute (Jungen und Männer) hinlegen können;
hinten und oben haben die Netze, Körbe, Ruder, Stricke und Kessel
ihren Platz, damit sie vor Dieben sicher sind. Vor der Hütte hat
man das größere Fischerzeug, sowie einen hölzernen Dreifuss
mit Feuerloch, an dem man unschwer den Kochplatz erkennen kann.
Nebenarbeiten. Dazu gehörte bei den Berufsfischern: Keltern der
gefangenen Fische im eigenen Kleinkalter (löchriges Boot) oder in
einem großen der Genossenschaft. Vorsortieren des Fanges in Fische
für die dörfliche Versorgung und andere, für den Transport
in die Städte. Die Verpackung der Fische in Eiskasten oder das Wegbringen
in einem Händlerkalter (Bootsgeschäft auf dem Wasser) war Sache
der Hilfskräfte in den Genossenschafts-Häusern und von den Fischhändlern,
die mit ihrem Schiffsgeschäft alle Flussdörfer und Handelsplätze
ansteuerten.
4.20.2 Winterarbeit der Fischer
Winterarbeit. Das Schilf- und Rohrschneiden im Winter mit der
Schilfsense und Rohrsichel war auch ein regelmäßiger Zusatzverdienst
der Berufsfischer; das Bastschneiden und Moossammeln für die Zillenreparatur
war genauso wichtig, ist aber nicht zusätzlich bezahlt worden. Die
Reparatur der Boote hat man mit Binsengras, Moos und einem Stopfwerkzeug
gemacht und danach mit Blech- oder Drahtklammern aufgeheftet und im Wasser
aufgequollen. Netze machen und reparieren gehörte auch zu den Winterarbeiten
und hat sich auch oft über Wochen hingezogen, weil nicht alle Fischer
gelernte Netzflechter waren.
Hilfswerkzeug zum Fischen und für die Nebenarbeiten: Ein guter
Satz Schnitz-, Schnapp- und Transchiermesser, Beiß- und Angelzange,
Bastschuhe und Gummistiefel, Gummihose, ein Nadelsatz zum Netze flicken
und binden, Wickeleisen für die Netzstricke und ein-zwei Dreizacken
zum Herausholen der großen Fische.
4.20.3 Fischarten
Die meistgefangenen Fischarten in unseren Flüssen und stehenden Gewässern:
1. Karausche; sie war in jedem Wasser handtellergroß und hat sich
am meisten vermehrt (zu recht gibt es in Südungarn viele Kárász-Straßen);
2. Weißfisch / Weißauge und Rotauge; weil sie auch im kleinsten
Lehmloch vorkamen, aber größer waren als die Karauschen, haben
manche Festlandmenschen sie "Karpfen" genannt und sie auch gerne
für Fischpaprikasch gekauft; an 3. Stelle kam der schuppige Karpfen/Flusskarpfen;
er war der wirtschaftlichste Fisch und ist nach einem Jahr frei gefischt
worden, hat aber noch mehrere Jahre wachsen und ein Gewicht von 4-6 kg
bekommen können; 4. Spiegelkarpfen; den hat man seltener im freien
Fluss gefangen, mehr in den Züchtergewässern, wo er noch größer
als die Flussart geworden ist; 5. Schleie; sie war der billigste Großfisch,
weil sie viele kleine Gräten und kein so gutes Fleisch hatte; als
6. verfing sich der Barsch an der tiefen Angel und ging ins tiefe Schleppnetz;
er kam eher im stehenden Nebenarm und Kanal vor, fraß daraus die
übrigen Fische, weswegen man ihn nicht so gerne hatte; 7. Der Wels
war seltener, konnte ab dem zweiten Lebensjahr handgroß, mit Angel
und Netz, gefangen werden, und brachte nach vielen Jahren auch bis 80
kg auf die Waage. Die Angler und Fischer haben ihn am liebsten, nebst
dem Karpfen, gefangen und teurer als diesen verkauft. Mit ihm wurde und
wird Paprikasch lieber gekocht. 8. Hechte wurden nur in größeren
Abmessungen (ab 1kg aufwärts) gefangen, einmal, weil man sie als
Raubfische aus dem Wasser - und zum Teufel - gewünscht hat, zum anderen,
weil sie nur backblechgroß als Spickbraten mit Speck gut schmeckten.
Seltenere Arten waren in Flüssen die Störfische, Aale, Krebse
und Süßwassermuscheln, die auch gern herausgeholt und - je
nach Geschmack - mit Fischen gekocht oder allein gegessen worden sind.
4.20.4 Fischverarbeitung und Haltbarmachung
Verarbeitung und Haltbarmachung der Fische: Man hat sowohl Frischfisch
gleich verarbeitet und so verkauft – damit sich die Käufer
die blutige Arbeit sparen konnten -, man hat aber auch die Fische, einzeln
und ganze Fänge haltbar aufgehoben, konserviert. Dazu eigneten sich
alle Fische, doch an der Tagesordnung waren meist Karpfen, Welse und Hechte.
Zum Verkaufen in transchiertem Zustand hat man die ausgenommenen Fische
genommen – Karpfen und Welse -, hat sie gründlich eingesalzen,
danach - Köpfe, Schwänze und Flossen - in Eiskästen in
die städtischen Geschäften gebracht und viel teurer verkauft,
als ganze Fische. Mit dem Hecht hat man den haltbarsten Trockenfisch gemacht:
Wenn er unter 50 cm groß war, ist er ganz - mit Kopf und Schwanz,
doch ohne Eingeweide - an einer Leinenschnur in die Sonne zum Trocknen
aufgehängt worden; war er größer, so hat man ihn in Streifen
geschnitten und auf die Schnur gefädelt. Gehalten hat er sich im
trockenen Zustand über den ganzen Winter, und er war das billigste
Essen für arme Leute.
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