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BATSCHKAER AHNENSPIEGEL
(als Buch erschienen Jan. 2004 mit Unterstützung des Amtes
für Nationale und Ethnische Minderheiten Ungarns)
T E I L I
VERMÖGENSFORM
1 LANDWIRTSCHAFTLICHES GRUNDVERMÖGEN
Seit der Ansiedelung unserer Ahnen, im 18. Jahrhundert, gehörte die
Landwirtschaft zur tragenden und alles übrige schaffenden und erhaltenden
Vermögensform. Mit erstklassiger Bodenqualität stellten die
Ackerböden das denkbar beste Fundament dar, das die Initiatoren der
Besiedelung einem Neubeginn bieten konnten. Werden die Schwierigkeiten
der ersten beiden Generationen bei der Kultivierung der kostenlos erhaltenen
Flächen als natürliche aber überwindbare Anfangshindernisse
hier so übergangen, wie sie auch die Ahnen der dritten und folgenden
Generationen vergaßen, so bleibt nur erstrangige Qualität des
Fundamentes übrig, auf dem man sich alle jene massiven Vermögenswerte
vorstellen kann, die Mitte des Zwanzigsten Jahrhunderts am Ende
unserer Betrachtung in mannigfachsten Formen existierten. In welchen
genau, das soll in der Folge aufgezählt werden.
1.1 Landwirtschaftliche Strukturen
Das Grundvermögen derjenigen Btaschkadeutschen/Donauschwaben, die
wir stellvertretend für alle Ahnen der Tiefebene im Geiste besuchen,
bestand aus Ackerfeld, Weide, Wald, Sumpf, Salpeterboden und Wasserfläche,
als Liegenschaften in eigener und verpachteter Bewirtschaftung. Von der
fraglichen Gesamtfläche fallen unter den Teil der untersuchten Nord-Batschka
- nördlich begrenzt von Kalocsa und südlich von Apatin - ca.
1 200 000 ha, und davon gehörten den Schwabenahnen rund 30%, was
ungefähr 360 000 Hektar (ha) oder 600 000 kat. Joch (kJ), bzw. 780
000 kleine Joch (kl.J) ausmachte.
Ungefähr 84% der Batschkadeutschen des betrachteten Flachlandes
lebten bis zum Zweiten Weltkrieg auf dem Lande. Davon arbeiteten 65% in
der Landwirtschaft, aber nur die Hälfte von denen konnte allein von
der Bauernwirtschaft leben. Als Bauern hatten sie zu 90% unter 100 kJ,
nur 2% war reich und verdiente den Namen Großgrundbesitzer,
und von denen wiederum hatten nur einige über 1000 kJ.
1.1.1 Bodencharakter
Der Boden des Nordbatschkaer Ackerfeldes war seichter bis tiefer Humus,
zwischen 10 und 50 cm Dicke. Beim Humusboden unterschied man solchen mit
Lehm- oder Sandmischung, mit jeweils einem gleichen Untergrund von bis
zu einem Meter Lehmsand. Darunter wechselten sich feste Lehm- und Sandmergelschichten
ab. Je nachdem wie das Regenwasser zu- oder abgeflossen ist, war der Stoffwechsel
der mineralischen Nährpartikel besser oder schlechter. In hohen Flachlagen
waren die Erträge immer, in mittleren nur bei genügend Regen
und in tiefen selten gut. Das Letztere gilt auch für Sand- und Salpeterböden.
1.1.2 Feldumfang
Durch das gültige Erbrecht und die Gewohnheit der Erstlingsversorgung
ist das Ackerfeld so lange gleich groß geblieben, bis man etwas
verkaufte oder dazu kaufte. Kleine Feldstücke von weniger als 1 Joch
gab es nicht, und größere als 30 Joch auch nur bei Großgrundbesitzern.
Das Flurnetz war viereckig, die Ackerlänge selten kleiner als 50
m und selten größer als 500 m. An allen vier Ecken waren Grenzsteine
so tief und so deutlich gesetzt, dass man sie nicht aus Versehen herausackerte.
Grenzstreit gab es bei den Schwaben selten, und ebenso wenig Streit untereinander
wegen gestohlener Erträge.
1.1.3 Ackerformen
Zufahrts- und Feldwege waren in der Hauptsache rechtwinklig zueinander
angelegt, so dass sie die Gemarkung in Doppellängen einteilten. Der
Hauptweg hatte eine doppelte Fahrspur von 2 x 2 m und an beiden Seiten
einen Grünstreifen von je einem m. War die Flurlage tief, so gab
es neben dem Grünstreifen noch einen kleinen Wassergraben, von der
Tiefe eines halben m und einer Breite von einem ganzen m. Zwischen dem
Gräbchen und entlang des Ackerfeldes stand eine schüttere Baumreihe,
meistens aus Maulbeeren oder Akazien; Turm- oder Kanadapappeln, wildem
Johannisbrot, Vogelbeeren, Silberpappeln oder Ölweiden. Die Wegbäume
konnte man schon von weitem sehen, wenn man den Weg ins Dorf suchte. Die
bei allen doppelten Ackerlängen von Hauptweg abzweigenden Neben-
oder Feldwege waren einspurig, ungefähr 3 m breit und hatten an beiden
Seiten je einen halben m Wildgras. Einzelne Findelbäume, in der Art
von heimischen Wegbäumen, wuchsen wie beim Hauptweg und verhalfen
der Sicht die Orientierung auf der weiten Ebene.
1.1.4 Bodenarten
Die ungarische Tiefebene liegt zwischen 25 und 100 m über dem Meeresspiegel.
Den Höhenunterschied bilden Hügel aus Flugsand, die sich abwechseln
mit Vertiefungen, welche fast alljährlich überschwemmt sind.
Künstliche Kanäle und Gräben sorgen dafür, dass das
überschüssige Wasser bald abfließt und dass sich nur in
Flussnähe dauerhafte Sumpfstellen bilden können.
Der Salpeterboden ist das ganze Jahr über feucht, ja es gibt Stellen,
an denen der Geschmack des stehenden Gewässers salzig ist und so
noch an die Urzeit erinnerte, da die gesamte Tiefebene von einem Meer
bedeckt war. Gegen die regelmäßigen Überschwemmungen baute
man bald nach der Ansiedelung 5 bis 10 m hohe Dämme. Zu ihrer Befestigung
pflanzte man auf ihren Hängen und Böschungen verschiedene Sträucher.
Auf dem durch die Entwässerung kultivierten Ackerboden wuchsen
alle Feldgewächse, welche im mitteleuropäischem Klima
mit heißen, feuchten Sommern und kalten, schneereichen Wintern
nur denkbar sind. Der altbekannte Spruch von der Kornkammer Europas in
der goldenen Tiefebene hatte zur Zeit unserer Ahnen noch seinen treffenden
Sinn.
1.2 ACKERGEWÄCHSE
Von der vielfältigen Ackerflora soll nur derjenige Teil behandelt
werden, der als Nutz- oder Schädlingsgewächs von unseren Bauern
gekannt und angebaut oder bekämpft wurde. Die Auswahl und Reihenfolge
ist lückenhaft und soll in einer Kurzbeschreibung den ungefähren
Bedeutungsgrad unter den Wechselkulturen bzw. den Grad der Wachstumsbehinderung
aufzeigen.
1.2.1 Nutzgewächse
An Nutzgewächs kannte man damals wie heute: Weizen/Frucht, Roggen,
Gerste, Hafer, Mais/Kukuruz, Sonnenblumen, Raps, Sojabohnen, Futter- und
Zuckerrüben, Ross- und Kuhklee, kleine, weiße und farbige Kochbohnen,
große, farbige Saubohnen, Felderbsen, Hanf, Zikorie, Zirok, Flachs
und Tabak.
1.2.2 Unkrautgewächse
Die Unkräuter kannte man damals als: Kreuzblume, Quecke, roter Mohn/Pipatsch,
Fruchtnagel, Wucherblume, Brennnessel, Hundskamille, Milchblume, Distel,
Wildklee, Hederich, Wildhafer, Mausgerste, Gänsefuß, Sonnenrute,
Hexenkraut.
1.2.3 Grünfutter
An Grünfutter baute man auf dem Acker an: Grüne Maisstängel/Mischling,
Klee, grüne Korngewächse und Zikorie.
1.3 WIESENGEWÄCHSE
Darunter ist das Wiesengrün zu verstehen, welches in normal beregneten
Jahren in einer herrlichen Üppigkeit das Bild der tieferen Batschkaer
Feldflure bestimmte. Was in sogen. guten Jahren dem Auge Wohltat, konnte
bei Überschwemmungen oder großer Dürre, nicht nur vom
Bauern-Besitzer, als regelrecht katastrophal empfunden werden, das die
Substanz des bäuerlichen Anwesens sehr beschädigte und der gesamten
Volkswirtschaft, durch wesentliche Einschränkung der Milch- und Fleischerzeugung,
empfindlich abträglich war.
1.3.1 Heuarten
An Heu- und Futtergewächs konnte man in einem guten Heujahr mit dreimaliger
Mahd mit der letzten als Krumet rechnen. Das Heu des Zwischenstromlandes
bestand damals aus Wucherblume, Franzosengras, Wildhafer, Schafgarbe,
Knöterich, Gänseblümchen, Storchschnabel, Wegwarte, jungem
Schilf und Rohr, Wildklee, Rosskamille und vielen Unkräutern. Alles
was auf den Wiesen wuchs und getrocknet zu Heu wurde, konnte man auch
als Grünfutter verfüttern. Was nach der allerletzten Mahd noch
auf der Wiese blieb, nannte man Nachkrumet. Zusammengerecht wurde das
trockene Heu auf Stadel, und man fuhr es mit Heuwagen auf die Triste am
Wiesenrand oder im Bauernhof.
Nur auf der Gemeindewiese und Kuhweide mähte man bloß einmal
oder keinmal, je nachdem ob es ein gutes Heujahr war oder ob die Gemeinde
eine eigene Verwendung für Grünfutter und Heu hatte, z.B. indem
sie selbst gemeindeeigenes Vieh Zuchtstiere, -hengste, -eber
hielt oder aus dem Heuverkauf Geld machte. War das alles nicht der Fall,
so wurden gute Weiden für ein- oder zweimal Mähen verpachtet.
1.4 WALDGEWÄCHSE
1.4.1 Laubgewächse
Der Wald war meist in staatlichem oder gemeindeeigenem Besitz. In Privatbesitz
waren nur reine Nutzholzanlagen, Schonungen und wild wachsende Auwälder,
die auf das eigene Grundstück überwucherten. Pappel-, Weiden-
und Akazienschonungen durfte jeder Bauer anlegen oder abholzen. Sonst
war alle Beschäftigung mit oder in dem Wald genehmigungspflichtig.
An Baumarten wuchsen in den Laubwäldern: Eiche, Buche, Schwarz-,
Weiß-, Silber-, Riesen- und Kaiserpappel, Esche, wilde Kastanie,
Eberesche, Hagedorn, Mispel. In Mischwäldern kamen zu diesen Laubbäumen
noch dazu: Alle südöstlichen Nadelhölzer, wie alle Tannenarten,
Fichte, Kiefer, Lerche und der immergrüne Wacholder.
1.4.2 Nadelgewächse
Reine Nadelwälder hat nur die Großherrschaft angelegt. Meistens
waren das Fichten- und Kieferschonungen. In natürlichen Auwäldern
wuchsen: alle Pappelarten, Weide, Akazie, Maulbeere, Wildkirsche, -birnen
und äpfel, Schlee, Vogelbeere/Hagedorn. Und als Büsche
wuchsen im Unterholz der Wälder und in Schonungen ebenfalls wild:
Efeu, Rotdorn, Hagedorn, Holunder, Schlee, Giftbeere, Gagelei, Brom- und
Himbeere, Wildrose, gelber und roter Ginster, Hundsbeere.
1.4.3 Bodengewächse
Als grüne Bodendecke wuchsen im Wald: Distel, Brennnessel, wilde
Lupine, verschiedenes Farnkraut, Geißbart, Lungenkraut, Schuhputzer,
wilder Wein, Efeu, Wildhafer, Schilf und Gras, doch auch nicht zu knapp
die süße Walderdbeere.
2 HAUSVERMÖGEN
Zum Hausvermögen gehörten eigengenutzte und vermietete Immobilien.
Gehörte das Haus, was meistens der Fall war, auch zum Geschäftsvermögen,
so war es zusätzlich ein tragender Faktor des Besitzes an Produktions-
und Handelsaktiva. Beim Staatsvermögen ist sein Stellenwert erst
hinter dem langfristigen Pachtfeld und Boden in Nutznießung und
Schenkung einzuordnen.
In erster Linie untersuchen wir solche Hauswirtschaften, welche zu der
sogen. wohlhabenden Mehrheit gehörten, gutes Feld, einen mittelgroßen
Haushalt und eine ebensolche Hauswirtschaft hatten.
2.1 Hausarten
An ländlichen Hausarten gab es: das mit Schilfrohr oder Dachziegel
gedeckte Siedlerhaus mit Satteldach nicht mehr so oft; das Giebel-
oder Langhaus mit Sattel und Walmdach am häufigsten; das
Querhaus, auch mit einem Dach, weniger häufig als das vorige; das
Triangelhaus mit Sattel- und Kehldach, an dritter Stelle, mit angebautem
Querschuppen; und noch das viereckig angelegte Herrschaftshaus, mit Walmdach
vorne und Kehldach hinten. Nur das Langhaus wurde manchmal noch mit Stampfmauern
gebaut, mit gemischtem Rohr- und Ziegeldach. Alle übrigen Haustypen
hatten Ziegelmauern und Dachziegeldächer.
2.1.1 Siedlerhaus
Das war der erste Haustyp, den unsere Siedlerahnen in Ungarn, bzw. der
Batschka antrafen, von der Kammeralherrschaft erstellt bekamen oder sich
gleich nach der Niederlassung mit Eigenkapital oder Kredit bauten. Nach
den Plänen der Wiener Hofkammer musste das Siedlerdorf und damit
auch das Siedlerhaus eine bestimmte Form haben, die hauptsächlich
von Minimalkriterien bestimmt wurde: Mit dem Giebel zur Strasse stehend,
hatte es drei Räume, bestehend aus Schlafstube, Wohnküche und
Wirtschaftsstube; dahinter einen angebauten, halb offenen Kuh- oder Pferdestall
und, als Nebengebäude, einen Schuppen mit Schweine- und Hühnerstall.
2.1.2 Giebel- oder Langhaus
Etwa nach zwei Generationen konnten und mussten wegen Familienvergrößerung
die Siedlerhäuser erweitert werden. Dies geschah durch Abriss
und Neuaufbau in Reihenform länger und höher. Da dieses
der meistvorkommende Haustyp in der Batschkas ist, soll er gründlich
und beispielhaft im Abschnitt 2.2 HAUSWIRTSCHAFT untersucht werden.
2.1.3 Querhaus
Sowie der Wohlstand wuchs, stellten sich die Wünsche der wohlhabenderen
Hauswirtschaften nach repräsentativeren Häusern ein. Wenn sich
ein Bauer oder Handwerker vom Giebelhaus verabschiedete, konnte angenommen
werden, dass er vermögender als die Nachbarn ist dies mit
Feld- und sonstigem Vermögensbesitz. Ein parallel zur Strasse, also
quer, stehendes Haus hatte an der Strasse entlang zwei Zimmer und eine
Küche, und im Winkel dazu nicht am Haus angebaut - die Wirtschafts-
und Stallräume. Das einfache Querhaus war der Beginn oder die Grundvoraussetzung
für das Triangelhaus, sofern sich die wirtschaftlichen Verhältnisse
weiterhin gut entwickelten.
2.1.4 Triangelhaus
Wurden die räume des einfachen Querhauses zu eng oder entsprachen
sie nicht mehr den zum Besten tendierenden Finanzen, so baute man im rechten
Winkel direkt ans Querhaus den Triangelflügel an. Vorne, parallel
zur Strasse, änderte sich nur die Nutzung (meist wurde aus der Küche
ein Badezimmer), und die neugebauten Räumlichkeiten entsprachen in
Form und Zweck die des Giebelhauses. Der Quer- und Längsteil wurden
durch einen rechtwinkeligen Gang/Flur trocken miteinander verbunden. An
der Gestaltung der Straßenfront wurde ein weiterer Wohlstandsfaktor
am Triangelhaus sichtbar: die Verkleidung der Außenwand bekam einen
besonderen Kalkstuck oder gar Kunst- bzw. echten Marmor.
2.1.5 Herrenhaus
Der wachsende wirtschaftliche Wohlstand war bei unseren Ahnen der Vater
aller Dinge. Wer sich aus dem Triangelhaus durch einen weiteren rechtwinkeligen
Anbau ein größtmögliches U auf das Grundstück stellte,
hatte es geschafft er wurde, ob er wollte oder nicht, zur örtlichen
Herrschaft erhoben, die durch Glück und Geschick (Spekulation, Sparsamkeit,
ja Geiz!) soviel Feld oder andere Werte anhäufen konnte, dass er
nicht mehr selbst soviel wie die Nachbarschaft zu arbeiten brauchte. Das
bewies ein Dienstmädchen und ein Hausknecht in der Haus- und ein
Pächter in der Feldwirtschaft.
2.2 HAUSWIRTSCHAFT
2.2.1 Hofform
In der Hauptsache interessiert hier das meistgebaute Giebel- oder Langhaus
mit Vorder- und Hinterhof, einem Wirtschaftsteil als Längs- oder
Querschuppen und einem Sommerhäuschen im Vorderhof. Weil jedes Haus
sowieso genügend Hoffläche haben musste, ist es unwichtig, wie
groß diese Fläche genau war. Die Hauptsache der Vorderhof war
an der Strasse, in gleicher Linie mit dem Haus, eingezäunt und lief
hinten- mit oder ohne Zaun - in dem Garten aus. Der Hinterhof mit dem
Gartenteil war nur dann von allen Seiten eingezäunt, wenn auch die
Nachbargärten einen Zaun hatten. Der Vorderhof war entweder durch
den Querschuppen oder durch einen Zaun mit Tür und Tor vom Hinterhof
getrennt.
2.2.2 Zäune und Tore
Vorne, zur Straße hin, hatte man die teuersten Zäune, die man
sich nur leisten konnte. Das war entweder ein doppelt gemauerter, 2 m
hoher Ziegelzaun mit Ziegelpfosten oder ein unterbrochener, einfacher
Ziegel- und Plattenzaun aus Kalkstein oder Zementplatten. Einfache Häuser
hatten Bretter-, Latten- und Drahtzäune, welche zwischen 1,2 und
2 m hoch waren. Arme hatten spitze, 1,2 m lange Akaziestöcke, trockene
Sonnenblumen-Stangen, welche an zwei eisernen Spanndrähten befestigt
waren, oder sie hatten nur nackte Spanndrähte an Akazienpfosten,
die sie vor Fremden Besuchern schützten.
Das Hoftor war genau so aufwendig oder sparsam gemacht, wie der Zaun.
Als zweiflügeliges Brettertor mit oder ohne Einfahrtskranz, mit ausgeschnittenen
oder separatem Türchen, als einfaches Haustor mit und ohne Eingangstürchen,
das in der Höhe zum Zaun passte und meistens aus Brettern war.
2.2.3 Gassen und Wege
Auf der Gasse, vor dem Zaun, war gewöhnlich ein 1 m breiter Gehweg
aus Pflastersteinen. Wer sich diesen nicht leisten konnte, hatte Zementplatten,
einzelne Backsteine oder nur was bei den Schwaben sehr selten
vorkam einen Lehmweg, der mit einem leichten Anfall das Regenwasser
schnell vom Hause abführte.
Unsere Gassen waren, als Hauptgassen 20 30 m, als Nebengassen
7 10 m breit. Neben dem Gehweg war ein meterbreiter Grünstreifen
aus niederem Gras, bis zum Wassergräbchen mit einer größten
Breite von einem Meter und einer Tiefe von einem halben Meter. Je nachdem,
wie breit die Gasse war als Haupt- oder Nebengasse, war nochmals daneben
ein Grünstreifen von einigen Meter, auf dem eine Reihe Straßenbäume
standen: Maulbeeren, Akazien, wilde Kastanien oder Pappeln und Linden,
am Dorfende ein Paar Christusdorn. In solchen Dörfern, wo anstatt
dem Grünstreifen ein Gärtchen mit Blumen oder Gemüse angelegt
war, hatte man anstatt Nutzholz-, Obstbäume gesetzt: Kirschen, Weichsel,
Äpfel, Birnen. Bei Blumenfreunden wurde auch mal gerne ein Tamarisken-
oder Spierenzaun, eine immergrüne Buxhecke oder eine Reihe Rosen
gepflanzt. Als lebende Gartenzäune gab es selten eine Ligusterhecke.
Der Fahrweg auf der Hauptgasse war in reicheren Dörfern aus gewalztem
Schotter, in ärmeren aus gestampftem Lehm. So oder so, in trockenen
Sommern wurde der Straub gewaltig hochgewirbelt, hier weniger, dort mehr.
Nur bei Regenzeit zeigte sich ein deutlicher Unterschied: Der Schotter
hat den Wagenrädern stand gehalten der Stampflehm nicht,
er hat sie bis zur Achse verschluckt.
Gleich neben dem Fahrweg standen die Masten der elektrischen und telegrafischen
Drähte dort, wo es bereits Strom im Dorf gab. War eine Wasserleitung
vielleicht auch schon gelegt, so hatte sie unter dem Grünstreifen,
neben dem Gehweg ihren Platz und die Anschlüsse in die Häuser.
Die Regel beim öffentlichen Versorgungsstand war: Telefon und Telegraf
überall in den Dörfern, Elektrisch in 80% und Fließwasser
nur in etwa 5% von ihnen. Die Städte waren zu 100% mit allem versorgt,
lediglich das Abwasser wurde in Sicker- oder Sammelgruben geleitet und
von Fasswagen abgeholt. Das Regenwasser wurde von allen ,besseren
Häusern in der Stadt wie auf dem Lande in Zisternen gesammelt und
zum Wäschewaschen benutzt.
2.2.4 Hofinhalte und Brunnen
Auf dem Dorf hatte jedes Haus mindestens einen Trinkwasserbrunnen, welcher
in der Nähe zum Wirtschaftsteil seinen Platz hatte. Bei zwei Brunnen,
war einer davon im Vorderhof, neben dem Eingangstor, damit sich die Nachbarn
auch mit Trinkwasser zur Not aushelfen konnten. Unterschieden wurden Grabbrunnen,
Pumpbrunnen und Tiefbrunnen in den Häusern, dauerfließende
Artesibrunnen auf der Strasse. Die Grabbrunnen hatten einen Schwengel
dann hießen sie Ziehbrunnen oder Holzwalzen, welche
mit einem Hebel oder einem Brunnenrad angetrieben wurden und so den Strick
mit dem Wassereimer hochzogen. Überwogen haben die mit einem Brunnenhäuschen
über der Zugwalze. Die gegrabenen Brunnenarten hatten nur Grundwasser
in ihrem ca. 80 100 cm runden, 5 10 m tiefen, gemauerten
Brunnenloch. Solches Wasser war nicht immer zum Trinken geeignet, und
daher wurden die Schwengelbrunnen auch hauptsächlich draußen
auf dem Feld und auf dem Wasen gegraben und hatten ein Brunnengestell
aus Brettern, aus welchem man Wasser in einen aus einem ausgehöhlten
Baumstamm geschaffenen Wassertrog für das Vieh schöpfen konnte.
Reines Trinkwasser konnte man nur aus den Pump- und Tiefbrunnen hochsaugen.
Diese Brunnen waren immer tiefer als das Grundwasser gebohrt, zwischen
20 und 100 m, je nachdem, wie viel der Hausherr für ihre Erstellung
zahlen konnte oder wollte. Die Artesibrunnen waren Tiefbrunnen mit einer
angebohrten Wasserschicht in mehr als 100 m Tiefe. Der Unterwasserdruck
im doppelten Saugrohr hat das Wasser, wenn es einmal angesaugt war, zum
Dauerfließen gebracht. Solches Wasser hatte die beste Trinkqualität.
2.3 HAUSAUFTEILUNG
2.3.1 Eingangsteil
Die zweite Generation der Reihenhäuser nur solche wollen
wir untersuchen war ca. 9 m breit und verschieden lang, weil bei
manchen in derselben Reihe mit dem Wohnteil, auch der Wirtschaftsteil
gewesen ist. Wenn man zweimal je 50 cm für die Außenwand und
einmal 24 cm für die Innenwand abzweigt, so bleibt eine Netto-Wohnbreite
von max. 7,7 m übrig, einschließlich dem Hausgang von ca. 2
2,5 m Breite. Man kann demnach von etwa quadratischen Wohnflächen
von ca. 4,5 m Breite und verschiedenen Längen zwischen 3 und 5m ausgehen.
Das Haus war im Wohnteil 3 5 Stufen über den Hof angehoben.
Die Stufen waren aus Backsteinen gemauert, 1 1,2 m breit und hatten,
wenn sie verputzt waren, seitlich ein schräges Stützmäuerchen
mit oder ohne Eisengeländer. Sie führten vom gepflasterten Gehweg
im Vorderhof in den Hausgang. In unserem Musterhaus hatten wir sie doppelt,
vorne am Eingang in die Wohnküche und hinten am Gangende.
2.3.2 Hausgang
Er war immer an der Süd- oder Westseite des Hauses, entweder gleich
am Haus unter das Hausdach oder unter einen Dachvorsprung gebaut. Im ersteren
Falle hat der Gassengiebel symmetrisch über die Vorderstube und Gangstube
gereicht, was wesentlich schöner aussah, als ein extra angebauter
Gang mit einer zweiten Dachschräge. Was den eigens angebauten Gang
angeht, so wurde er bereits bei der ersten Generation des Reihenhauses,
beim Siedlerhaus gebaut, dann, wenn die Hausleute nicht genug Platz hatten
und einen Raum mit Gang seitlich ans Haus dran bauten. Die Aufgabe des
Gangs war, die Wohnküche und Speiß oder Kammer und noch ein
Gangstübchen miteinander trocken begehbar zu verbinden. Dass er nur
teilweise offen war und sonst Türen und Fenster hatte ist klar und
hing von seiner Aufgabe in den extremen Jahreszeiten ab. Er war 2 3
m breit, mit Backsteinen oder Kunststeinplatten 20 oder 30 cm
groß ausgelegt und wurde auf alle drei Meter von Dachstützen
aus Backsteinen oder viereckigem Akazienholz abgestützt. Zum Sonnenschutz
hatte er auf seiner gesamten Länge Spaliere aus Trauben, wildem Wein
oder Heckenrosen. Dort wo diese Schattenspender nicht ausreichten, hatte
man zwischen den Dachstützen 80 100 cm hohe Backsteinmäuerchen,
und hatte damit eine zusätzliche Ablage für Blumentöpfe,
oder man trieb den Luxus weiter und machte aus dem gesamten Gang eine
Veranda, indem man zwischen die Dachstützen ganzflächige Fensterwände
einbaute. An Einrichtung hatte so ein Gang nicht viel: Eine Sitzbank,
Tisch, Stühle, einige Blumenständer und vielleicht ein oder
zwei Schmuckstücke Bilder, christliche Symbole oder Reliefs
an den schön mit Mustern geweißelten Wänden.
2.3.3 Wohnteil
Beim neuen Giebelhaus, dort wo der Gang gleich mit angebaut wurde, sah
die Hausaufteilung bezüglich des Wohnteils folgendermaßen aus:
Vorderstube, Vorderküche, Vorratskammer (Speiß), Mittelstube,
Hinterküche mit Speiß oder Kammer oder Hinterstube, vorne noch
eine Gangstube. Bei den oft extremen Temperaturunterschieden zwischen
Sommer und Winter war diese Aufteilung des Wohnteils nicht nur praktisch,
sondern lebenswichtig: Man musste den Wohnteil nur dann verlassen, wenn
dringende Hofarbeit es verlangte. Zur Erledigung dringender Außenarbeiten
verließ nur eine Person die Geborgenheit und Rundum-Versorgtheit
des Wohnbereiches.
2.3.4 Vorder- oder Wohnküche
Hinein ging man durch eine Doppeltüre. Deren äußerer Teil
bestand aus Vollholz, der innere hatte im oberen Teil ein viermal unterteiltes,
durchsichtiges Glas, im unteren Vollholz. Zusammengehalten wurden Außen-
und Innentüre durch ein Türfutter. Die Außentüre
wurde nur verschlossen, wenn es sehr kalt war oder wenn man das Haus verlassen
hat. Dann verschloss man beide Türen mit zwei verschiedenen Bartschlüsseln.
Innen war die Vorderküche gewöhnlich so eingerichtet: an der
rechten und linken Wand, vorne, stand jeweils ein großes Holzbett,
in dem hatten jeweils zwei Erwachsene oder drei Kinder Platz. Sommer wie
Winter hatten die Betten gewöhnlich das gleiche Bettzeug: Strohsack,
Leintuch, Polster und Federdecke/Tuchent mit weichen Gänsefedern
oder Daunen gefüllt. Brauchte man im Sommer die Tuchent nicht, dann
legte man sie über Nacht auf den Tisch und deckte sich mit einer
Wolldecke oder einem Leintuch zu. Tagsüber machte man das Bett genauso
mit der Tuchent zurecht, wie im Winter.
Genau in der Mitte zwischen den Betten stand der Küchentisch mit
drei Lehnstühlen und einer Lehnenbank alles aus Fichtenholz.
Die 1 1,2 m lange Bank war mit der Lehne eng an die Wand und unter
das einzige Stubenfenster gelehnt. Das Fenster war, wie alle Außenfenster,
ein Doppelglasfenster mit vier- oder sechsmal unterteilten Scheiben, einem
Rahmenfutter und einem Fensterbrett aus Weichholz. Im Oberteil konnte
man zwei Innen- und Außenfensterchen gesondert aufmachen. Schaute
das Fenster zum Nachbar, so war das Ganze nur so groß wie zwei Fensterchen
und musste über der Kopfhöhe liegen. Alles Fensterholz war mit
einer hellen Ölfarbe angestrichen und gegen die große Winterkälte
an den unteren Ritzen ausgefüttert. Als Vorhänge dienten Leinentücher,
breit wie ein Handtuch, mit mehr oder weniger hübschem Stickmuster.
Einen Sichtschutz in Form von Glasvorhängen, Rollos oder Fensterläden
kannte man nicht.
Zur Verbindung mit der Vorder- und Mittelstube hatte man am Fußende
der Betten je eine halbverglaste Holztüre, mit Holzverkleidung so
dick wie die Stubenwände. In der Ecke zwischen so einer Türe
und der Gangtüre stand der Gusssparherd, mit einem Kaminanschluss
von 12 cm Durchmesser, zu welchem ein ca. 1,5 m langes Ofenrohr
mit oder ohne Heizgitter nach oben in den Kamin des Schornsteins
führte. Neben dem Sparherd stand die Holzkiste, welche mit ihrer
Größe von ca. 50x60x40 cm, genügend Platz hatte für
Scheidholz, gehackte Sonnenblumenstängel oder Kukrutzbutzen. Der
Sparherd selbst war eine geschickte Weiterentwicklung des Batzherdes der
ersten Siedler, der in verschieden großen und teueren Formen in
Ungarn hergestellt wurde. Er hatte immer eine Gussplatte und ein Gussgestell.
Die Gussplatte hatte mindestens einmal über der Feuerstelle einen
kochgeschirrgroßen Ausschnitt, wo zwei Ringdeckel das Putzen erleichterten.
Die zweite Öffnung in der Platte war an der Rauchseite angebracht,
ca. 15x40cm groß und konnte einen Wasserkessel aufnehmen. Darunter
war der Backofen mit Backtürchen mit einer doppelten Verkleidung.
Je nach Herdgröße hatten im Backofenteil zwei oder drei Backbleche
Platz. Von innen war der Sparherd mit Schamott ausgemauert, von außen
emailliert und in Luxusausführung mit Barockschnörkeln
verschönt. Unter ihm, zwischen den Füßen, war Platz für
eine 20 cm hohe zweite Kiste oder Schachtel für Kleinholz, Späne
und Papier zum Feuermachen.
An der vierten, freien Wand der Wohnküche hatte der zwei- oder dreitürige
Küchenschrank seinen Platz. In ihm mussten alles Küchengeschirr
und alle Kochutensilien untergebracht werden. Im oberen Teil waren, z.B.
auf den Ablagebrettern die tiefen und flachen Teller, Tellerchen und Schalen
mit Untersätzen, Trinkgläsern und Schnapsgläsern/Stamperln
alles mindestens einmal und meistens in der Summe der Familienmitglieder
-, leere Wein- und Schnapsflaschen mit einem halben und ganzen Liter Inhalt,
Milchkrüge mit einem Liter, Erdtöpfe mit Aufsatz und weitere
Tischgefäße zum Auftragen der Speisen. Im Mittelteil standen
die Töpfe, Pfannen und Schüsseln aus Emailblech, neben- und
ineinander, genau so die Guss- und Eisenpfannen und töpfe
und Schüsseln aus Aluminium, sowie die Kugelhupfbleche, dann 3-4
Arten von Porzellanschüsseln. Hinter all dem hingen für alle
Gefäße passende Blech- und Emaildeckel. Im Unterteil des Küchenschrankes
war der Platz für die Grundzutaten zum Kochen, in der Menge des Bedarfs
für ca. eine Woche und in der Verpackung von Papierbeutel/Stanitzel,
Dosen, runden und ovalen Flechtkörbchen.
Das Essbesteck war, mindestens sechs Mal, entweder in einer Schrankschublade
oder in der Tischlade untergebracht. Tischmesser, Gabel, Löffel,
Löffelchen, Schöpf- und Rührlöffel in verschiedenen
Größen, Tortenschaufeln, Fleischwender, Kochlöffel, Draht-
und Nudelsieb, Schneebesen und Kartoffelstampfer. Die Transchier-, Fleisch-,
Teig- und Schelmesser waren an der Schrankseite vom anderen Geschirr getrennt
untergebracht. Daneben hingen an Haken eine Mohn- und Nussmühle,
kleines Mehlsieb, Reibeisen, Kartoffel- und Tomatenpresse. Die Fleischmühle
war bei den großen Schlachtmessern in der Speiß oder Kammer
untergebracht.
In der Nähe des Sparherds stand auf dem Fußboden eine Gießkanne
oder ein Keramikkrug mit Frischwasser, und nicht weit davon an der Wand
war die Stelle für eine Waschschüssel, die auf einem Waschtisch
oder Schemel stand, mit einem Handtuchhalter und einer Seifenschale mit
Kernseife, einem Sandgefäß zur Aufnahme des Reibsandes für
Haut- und Geschirrreinigung, zwei-drei leinene Handtücher und ein
Putzlumpen aus weicheren Flanellresten. Der notwendige Nachttopf für
die Kinder stand unter einem Bett, und hinter dem Schrank ein Stubenbesen
aus Rosshaar mit einer Kehrschaufel aus Blech. Hängend hinter dem
Schrank war auch ein Nudelbrett mit Teigwalker. Auf dem Schrank stand
tagsüber die blecherne Petroleumlampe, klar, nur dann, wenn das Haus
noch nicht elektrifiziert war. Unter dem Schrank war eine Schachtel mit
Schuhputzzeug: Verschiedene Schuhkreme und bürsten, Staub-
und Glanztücher, Schuhlöffel und vorrätige Schnürsenkel.
Bei Armen erschöpfte sich der gesamte Inhalt auf eine Dose Schmalz
oder Schmeer, eine Gras- oder Rosshaarbürste und einen Putzlumpen.
Im Tischkasten waren untergebracht: Nähzeug, Schere, Zentimeterband,
Strick- und Häkelzeug, Knöpfschachtel, Schnüre, Zahnstocher,
Streichhölzer, Raucherbedarf, Korkenzieher, Rasierzeug, Rasiermesser,
lederner Abzieher dafür, Alaun zur Behandlung von kleinen Schnittwunden,
Wetz- und Bimsstein, sauberer Putzlappen und einige Papiertücher.
Der Küchenfußboden war, bei ärmeren Haushalten, aus Stampflehm,
mit Kalk überweißelt, bei reicheren aus gehobelten Fichtenriemen
mit Nut und Feder und farblosem Lack überstrichen. Aber immer waren
auf ihm einige Lumpenteppiche ausgelegt. Dass in einigen heutigen
ungarischen Skansen mancher Lehmfußboden mit aufgeweichten Kuhfladen
überschmiert ist, soll nur erwähnt werden, ohne genauen Hinweis,
ob es wirklich gesund, sauber und schön war, den Fußboden mit
so etwas zu reinigen und inwiefern es auch unsere Menschen so machten.
An der Wand, in Türnähe, hing ein Kleiderrechen, für die
Mäntel, Tücher, Kappen, Schaals, die man draußen bei der
Hofarbeit brauchte. Darüber war eine Hutablage, und darunter der
Platz für die Hofschuhe, Galoschen und Klumpen. Beim Aufenthalt in
der Küche hat man gewöhnlich Strickschuhe mit Ledersohlen angehabt.
Wären noch freie Küchenwände und die Decke übrig.
Das erstere war mit einer Musterwalze oder einem Musterbogen, auf hellem
Kalkgrund, gestrichen, das zweite hat man meist mit reiner Kalkbrühe
geweißelt. Wenn feinere Leute auch die Decke mit einem Muster versahen,
dann war es so aufgetragen, wie auf die Wand, mit einem Musterbogen, selten
freie Handmalerei.
An Wandschmuck hatte man eine Aufziehuhr, zwei-drei größere
und einige kleinere heilige Bilder oder Familienbilder in Holzrahmen,
unter Glas. In katholischen Haushalten hat das Kruzifix in der Wohnküche
nicht fehlen dürfen, und jene Bewohner, welche rechte Staatsbürger
waren, hatten ein Brustbild des Königs oder eines verehrten Politikers
gut sichtbar aufgehängt.
Schrankvorräte und Kochzutaten, die im Wohnküchenschrank aufbewahrt
wurden, bestanden aus Fein-und Mischmehl, Grieß, Semmelbrösel,
Reis, Eier, Zwiebel, Knoblauch, Bohnen, Erbsen und Linsen. Im Doppelregal
über dem Herd hatte man in Dosen alle Geschmacks- und Gewürzzutaten,
wie Zucker, Salz, süßen und scharfen Paprika, Pfeffer, Kümmel,
Majoran, Muskatnuss, Backpulver, Zimt, Lorbeerblätter, Zikorie- und
Bohnenkaffee, Kakao und etliches Feingewürz sowie Haltbarkeitszutaten,
wie Safran, Rosmarinpulver, Soda, Salizil und Hefe.
Frische Essvorräte, immer frisch aus der kühlen Vorratskammer/Speiß
geholt: Brot, Schmalz, Milch, Butter, Rahm, Käse, Grieben. Und aus
der Räucherkammer: Speck, Schinken, Würste und anderes Geräuchertes.
Aus dem Keller Kartoffeln und Gemüse. Das Frischfleisch wurde immer
am Kochtag aus der Fleischbank besorgt, vom Rind, Schwein, Kalb, in allen
gewünschten Preislagen und Portionen.
2.3.5 Vorderstube
Sie hieß auch Vorzeige- oder Paradestube und hatte meist zwei Gassenfenster
mittig zum Vordergiebel, die gleich groß und aus demselben Werkstoff
wie die Küchenfenster hergestellt waren. Die Größe der
Gassenfenster einer Strasse waren nicht einheitlich, weil es noch keine
Einheitsnormen dafür gab. Hatte unser beispielhaftes Reihenhaus noch
die Siedlerhöhe, so waren die Fenster ca. 60 x 80 cm groß,
bei der zweiten Häusergeneration erhöhte sich der Hausgiebel
um einen Meter, und die beiden Fenster waren 100-140 cm hoch und 80 cm
breit.
Genau in Stubenmitte, in Kopfhöhe hing das Kruzifix bei Katholiken
und ein Christusbild bei den Evangelischen. Darunter stand eine
Kommode, auf deren Spitzendecke allerhand Familien- und Erinnerungsgegenstände
aufgestellt waren. In der Kommodenschublade war gewöhnlich das Silberzeug
und der Geldbeutel/Budjelar verwahrt, und hinter der unteren Schnapptüre
das Paradegeschirr für die Küche. An der anderen Längswand
standen, quer zur Strasse, zwei Ehebetten nebeneinander, die aus teuerster
Handwerksarbeit hergestellt waren und mehrere menschliche Generationen
überdauerten. Auf ihnen war die schönste Bettdecke über
einer akkurat geglätteten Tuchent ausgebreitet. Sonst gab es da das
selbe Bettzeug, wie in der Vorder- oder Wohnküche.
Zu den Paradebetten gehörten zwei Nachtschränkchen und ein Wäscheschrank,
in welchen bereits das gleiche Zeug schon untergebracht war, wie heute:
Schlafzeug, Unterwäsche, Bettwäsche, Handtücher, Decken
und Tücher. Und genau in der Mitte über den Betten hing gewöhnlich
ein Bilderdruck mit der Hl. Familie bei Gläubigen
oder eine weltliche Szene mit halbnackten weiblichen Objekten.
Vor der Längswand war der Platz für einen Glasschrank, der,
je nach Preislage, eine oder zwei geschlossene Schrankteile hatte. Was
man im Paradeschrank sehen konnte, war vom Feinsten und Besten an Porzellan
und Silberzeug, Büchern und Bilderalben, sowie vielen kleinen Erinnerungsstücken,
die man geschenkt bekam, oder selber in der Stadt oder auf der Kirchweih
gekauft hatte. Im geschlossenen Unterteil waren die sauberen Strümpfe,
Socken und andere Stricksachen ordentlich aufgeschichtet.
Alle Feiertagsdinge zum Anziehen befanden sich im Seitenschrank, auf
Kleiderbügel aufgehenkt, rechts für den Mann und die männlichen
Kinder, links für die Frau und den weiblichen Nachwuchs. Da gab es
allerhand aus Schafswolle, Flanell, englischem Stoff, Wildleder und Pelz.
Vom Sweater/Strickjacke bis zum Bunda, Leibchen mit Samtbesatz und Pelzfutter,
Matrosenanzüge und Britscheshosen. Darüber war das Fach der
Sonntagskappen und hüte, die gestrickten Finger- und Fausthandschuhe,
helle und dunkle Herren- und Frauengamaschen aus Leder und Wolle, Über-
und Unterschuhe, feine Lederpantoffel und bestickte Stoff-Pantoffelchen.
An der inneren Schrankwand hingen an Querleisten, Lederriemen, Hosenträger,
kleine und große Pelzmuffe und Spazierstöcke.
An der Türwand stand der Spiegelschrank. Er war, je nachdem, ein-
bis dreiflügelig, mit einem niederen Regalteil und einem Schemel
davor. Wie heute auch, hatten schon damals diesen Schrank nur die Weibsleute
für sich reserviert. Was sie alles an Schönheitskrem und Salben,
Puderdosen, Reizwäsche und Lockenwickel da aufgehoben hatten, wissen
nur die Frauen genau und auch, wie wenig davon ein Bauernweib, und wie
viel ein Geschäftsweib von all dem hatte und benutzte. War die Paradiestube
groß genug, so war in der Gegend vom Bettende eine kleine Scheslonge
aufgestellt, für den Fall, dass die Gäste denn nur für
die war das Zimmer reserviert - in den Betten nicht genug Platz hatten.
Die Hausleute selbst hätten nie im Leben in der Vorderstube geschlafen.
Auch deswegen nicht, weil dort selten geheizt wurde. Wenn doch, dann mit
einem Kachelofen, der aus der Gangstube bedient wurde. Vormals,
beim Siedlerhaus, stand noch am Platz des Spiegelschrankes ein Batzofen,
den man aus der Vorderküche beheizte. Aber damals wurden diese Vorderstuben
auch noch vorn den Hausleuten selbst bewohnt. In unserer Zeit wurden auf
dem Stampf- oder Holzfußboden um das Bett herum und vor den Schränken
schöne Lumpenteppiche ausgelegt.
An den Fenstern hingen, mehr oder weniger durchsichtig, bodenlange Vorhänge
aus Wolle oder Kunstseide. Sie konnten mit Holzringen über einer
runden Holzstange verschoben werden. Bei größerem Luxus, hatte
man über diesen Vorhängen noch weiße Leintücher als
Übervorhänge, selbst oder maschinenbestickt mit allerlei Blumen-
oder Vögelmustern. Die Wände waren, schöner als jene der
Vorderküche, mit mehrfarbigen Mustern geweißelt. Die Decke
war weiß. An gut sichtbaren Wandstellen, im vorderen Stubenteil,
hingen ein Paar Familienbilder von Eltern oder Großeltern als Brautpaar,
Großvater, Vater oder Onkel als Soldat, die Mutter bei der Erstkommunion.
Zur Beleuchtung gab es in der Vorderstube eine keramische Petroleumlampe,
und für die Zeitmessung eine Kastenuhr mit Wochenwerk; der Platz
für beides war an einem Eisenhaken an der Wand. Eine neumodische
Anschaffung, wie z.B. eine Singermaschine, hatte ebenfalls hier in der
schönen Stube ihren Platz. Zum Arbeiten mit ihr, trug man sie in
eine andere Stube.
2.3.6 Mittelstube
Mit der Vorderküche war sie nur dann verbunden, wenn die Speiß
nicht dazwischen lag. Gewöhnlich war sie die Vorderstube von der
Hinterküche, wurde auch von dort beheizt. Dazu hatte sie, noch als
einzigste Stube im Haus, unbedingt einen Batzofen, dessen Heiztürchen
in die Hinterküche geöffnet wurde. In Größe und Einrichtung
war sie so beschaffen, dass sie alle Kinder und ein-zwei alte Leute aufnehmen
konnte. Das einzige Fenster brachte vom Gang Luft und Licht herein, weshalb
die Stube nicht gerade zu den gesündesten zählte. Aber zu den
gemütlichsten. Da war es nicht so schön eingerichtet, nur praktisch.
In jedem Eck stand ein Bett, mit einem Kanapee oder einer gepolsterten
Bettbank dahinter oder daneben. Ein großer Tisch mit genügend
Stühlen sorgte dafür, dass alle Kinder und Erwachsenen an ihm
Platz hatten, wenn sie z.B. ihre Schul- oder Handarbeit machten. In Wandkommode,
Schränken und Regalen gab es auch genügend Platz für die
alltäglichen Dinge der Hausleute. Wenn an den langen Wintermonaten
das Spinnrad der Großmutter gegen das Knacksen des Kristallradios
ankämpfte, so geschah das in dieser Stube.
Der Fußboden war warm mit einem Teppich oder mehreren Lumpenläufern
von Wand zu Wand ausgelegt. Auf dem Ofenbänkchen lag ringsum ein
schmales Feder- oder Schaffeldkissen. Im Ofenwinkel war ein gemütliches,
kleines Bett eingerichtet, das aber bei uns Deutschen
selten zum Schlafen benutzt wurde, mehr zum Warmhalten von frisch Eingedünstetem
und von Teig, beim Backen von Brot und Hefekuchen. Sonst war die Mittelstube
so schön geweißelt, wie alle anderen. An den Wänden waren
die gleichen Schmuck- und Erinnerungsgegenstände aufgehängt.
Dass auf dem Fensterbrett noch ein Geranien-/Muskatel-, Asparagus- oder
Pellagonientopf, ein Fuxyenstock oder eine Stubenlinde stand, versteht
sich nicht nur bei Blumenliebhabern.
Die Familientruhe stand im letzten Stubeneck und war gefüllt mit
Wertsachen und persönlichen Dingen der Hausleute. Lebte in der Familie
noch die ältere Generation, so gab es von ihr auch noch eine eigene
Truhe, in der Stube, in der sie lebte. So ein ansehnliches Möbelstück
aus stahlbeschlagenen Brettern war ca. 50 cm hoch und breit, nur die Länge
wechselte zwischen 60 und 100 cm. Der Unterkasten hat ca. 4/5 von der
Höhe eingenommen, der Rest war gewölbter Deckel und wurde mit
zwei Eisenscharnieren am Unterteil festgemacht. Abgeschlossen wurde die
Truhe mit einem Einbauschloss und einem zweiten Steckschloss, so dass
in jedem Falle nur die Besitzer persönlich Zugang zum Inhalt hatten.
Das Gewicht von dem leeren Kasten war einem halben und vom vollen einem
ganzen Mehlsack ca. 50 kg gleich. Tragen konnte man sie
an zwei Tragscharnieren, die an jedem Ende in der Mitte vom Unterteil
angeschraubt waren. Der Truheninhalt war ungefähr überall gleich:
Erbstücke, Bargeld, Urkunden, Bank- und Grundbuchpapiere, Briefe,
Geheimbücher ganz persönliche Tagebücher und Druckschriften
mit sexuellem Inhalt -, dann größere Schmuckstücke und
Hochzeitserinnerungen. Auf alle Fälle hatte kein Kind und kein Fremder
da Zutritt.
2.3.7 Hinterküche
Das war die Arbeitsstube, wo es nicht immer sauber sein konnte. Schon
das Feuerloch vom Batzofen hatte im ganzen Eck viel Stroh- und Aschenreste,
auch wenn eine Holzkiste davor das meiste gesammelt hat. Neben der Gangtüre
war noch ein Gangfenster, und vor dem stand ein großer Arbeitstisch.
Eine einfache Bretterbank mit einigen Hockern machte das Sitzen beim Arbeiten
- und beim Arbeitsessen - möglich. In ein-zwei größeren
Schränken und Regalen waren Arbeitssachen aufgehenkt und reingelegt:
Leinensachen vom Blaufärber, in drei-vier Größen, dicke
Strickjacken, Joppen, Regenmäntel, Gummistiefel, Arbeitsschuhe, Bakansche,
Gummi-Galoschen, Leder-Pantoffel/Patschker und Holz-Klumpen. Aber auch
die Dinge, die man beim Backen und Braten im Batzofen brauchte: Kuchenbleche,
Email- und Steintöpfe, Waschschüsseln/Weidlinge, Back-Körbchen
aus Bast für den Brotleib, geflochtene Rutengefäße für
das fertig Gebackene. Zum Wäschewaschen und Bügeln gab es da
eine Waschmulde und ein großes Kohlenbügeleisen, und im Sommer
nahm man noch dazu ein vierfüßiges Waschbrett mit einem flachen
Holzklopfer, damit man am Brunnen oder an der Donau die Wäsche ausklopfen
konnte.
Der Fußboden war in dieser Stube aus einfachen, glatten Brettern
oder gestampftem Lehm, ohne eine Schonabdeckung. Wie überall gab
es in der Hinterküche, in der vorelektrischen Zeit, eine eigene Petroleumlampe,
Laterne oder ein Karbidlicht.
2.3.8 Hinterstube
Sie war so groß, wie die vorherigen Räume, eine Mischung aus
Stube und Kammer, weil in ihr zwar ein Bett stand, aber es wurde hier
nicht geheizt. Man hat sie als größere Speiß genutzt.
Deswegen war es da ideal, den gesamten Wintervorrat zu lagern: Eingemachtes,
gut 100 Gläser, eingekochten Lekwar aus allem möglichen Obst,
Schmalzfleisch, Frisch- und Trockenobst, Nüsse, Haselnüsse,
Puffmais/Platzkukuruz, Koch- und Bratkürbisse. Dann gab es da noch
das Sauerkrautfässchen, die Mehltruhe und ein Körbchen mit feinem
Maismehl/Polenta/schrot. Das Bett war für einfache Besucher, eine
Hilfsperson, einen Taglöhner, Übergangshelfer bei der Hof- und
Feldarbeit, oder für ein Dienstmädchen mit Familienanschluss.
Der Raum hatte ein Fenster zum Hof, ohne Vorhänge, mit genügend
Platz auf der Fensterbank für Blumen, die man zum Überwinter
herein brachte. Über den ganzen Tischplatten, Brettergestellen und
Schränken ist kaum Platz für einen Wandschmuck oder ein Bild
geblieben. Vom Standpunkt der Familienversorgung war die Hinterstube fast
wichtiger, als alle anderen.
2.3.9 Vorratskammer - Speiß
Sie war kühl und dunkel und nur etwas mehr als ein Meter breit, nahm
in der Länge entweder eine ganze Hausbreite, zwischen Wohnküche
und Mittelstube oder zwischen Hinterküche und Hinterstube ein, oder
war von einer der beiden Stuben mit einer Zwischenwand abgetrennt. Die
Speißtüre bestand aus Vollbrettern und musste absolut dicht
sein. Zum Lüften gab es ein einfaches Fensterchen unter der Decke,
von ca. 20x30 cm. Die Wände waren reinweiß mit Kalk geweißelt
und rechts und links mit Regalen vollgestellt. Unter dem Fensterchen stand
ein Schränkchen mit Schubladen, in dem das Kleinzeug aufgehoben wurde,
für das es in der Küche keinen Platz gab. Z.B. Einmachdinge,
Gummiringe, Raffischnüre, Hämmerchen und Zänglein, Nägel,
Reisnägel, Schmirgelpapier. Aber auch das Werkzeug zum Versorgen
und Heilen der Haustiere, wie Ringzange für die Schweine, samt Ringen,
Kastriermesser für die Ferkel, Medizindöschen, Jodfläschchen.
Nur in der Speiß konnte man das alles sauber lagern.
In den Speiseregalen war Platz für solche Lebensmittel, welche kühl
aufbewahrt werden mussten und doch jederzeit in der Küche gebraucht
wurden: Alles Gebackene, Milch-, Fett- und Mehlsachen, Eier und solche
Zutaten, die in der Küche keinen Platz hatten oder in größeren
Verpackungen gekauft und aufbewahrt wurden. Dafür standen auf den
Regalen allerhand Körbchen, Säckchen,, Gefäße und
Schachteln. Außerdem war hier der Platz für die Küchenwaage
und Kaffeemühle, den Mörser, die Kerzenschachtel, das Putz-,
Wasch- und Glänzzeug, das man im Wohnteil brauchte, sodann das Butterfass
und der Quark-Käsetopf. Genauso war es mit einem Kästchen für
die Erste Hilfe, das man im Notfall schnell bei der Hand haben musste.
Dessen Inhalt bestand aus Verbandszeug, Wundsalbe, Jodtinktur, Alaun,
Hautpuder und einem Fingerschutz.
2.3.10 Gangstube
Sie war am vorderen Gangende als Reservestube gebaut und wurde meist von
kranken Familienmitgliedern bzw. einzelnen (unverwandten) Gästen
vorübergehend besetzt. Zwei- bis drei Meter breit und ebenso lang,
wie die Vorderstube, war die Gangstube doch recht klein, einfach und fürs
alltägliche Wohnen nicht praktisch. Die einzige Türe wurde in
den Gang geöffnet, und das einzige Fenster war an der Gassenfront.
Eingerichtet war es nur mit einem Einzelbett, einem Einfachschrank und
Stuhl. Wenn jemand darin gelegen ist, hatte man noch eine Extra-Waschgelegenheit
hereingebracht: Schemel, Waschschüssel/Lawur, Wasserkrug, Seife und
Handtuch. Der Fußboden war so wie im Gang gemacht und mit einem
Lumpenläufer oder -teppich ausgelegt. Die Wände waren immer
sauber geweißelt und mit paar Bildern verschönt. Ein eigenes
Licht gab es da nicht, und eine Heizmöglichkeit nur dann, wenn mit
der Vorderstube ein gemeinsamer Kachelofen benutzt werden konnte.
2.3.11 Keller
Sein Platz ist meist am hinteren Gangende gewesen. Er hatte entweder eine
stehende Türe in der Hauswand, im Bereich der Hinterstube, oder eine
Falltüre aus Holz oder Blech, im Gang-Fußboden, und meist aus
Backsteinen gemauerte Stufen. Extra gebaute Keller, im Hofbereich, hatten
eine Stehtüre, die in derselben Schräge, wie die Stufen überdacht
war. Gleich wenn man hinunter kam, nahm man eine Kerze oder Laterne vom
Sims und zündete sie an, wegen den giftigen Dämpfen und auch
weil man sonst nichts gesehen hätte. Das einzige Fensterchen war
mehr ein Luftloch, ohne Glas und Sicht, und hat nur mit einem Knick und
übers Eck ins Frei geführt. Die Kellerdecke war bei Hauskellern
eine Steinwölbung, und bei Hofkeller eine Balkendecke mit Holzwickeln
und einem runden, hügeligen Gründach. Im Keller hatte es als
Einrichtung nur Hartholzbalken und Querfüße für
die Weinfässer und den Sumser, in Ortsgrößen von 50500
Liter, Schnapsfässer von 10-25 Liter. Der Platz für die abgefüllten
Weinflaschen war auf einem Mauerabsatz, wo sie neben- und übereinander
zwischen Holzkeilen lagen. Weinkenner und liebfaber hatten neben
den Weinfässern ein kleines Tischchen und paar Schemel stehen. Sie
haben das wichtige Schätzen und Probieren, allein oder mit Kameraden,
nicht im Stehen machen wollen. Einige Gläser und ein Weinzieher mussten
deshalb immer bei der Hand sein. Größere Weinmengen hat man
gleich aus dem Fass mit einem Zapfhahnen in Halsflaschen oder Steinkrüge
abgelassen.
Die Kartoffeln waren ohne Rücksicht auf die Weinregel,
dass sie dem Most beim Gären schaden alle hinter einem Holzgatter
oder in mehrere Holzhargel geschüttet. Weniger Futterrüben wurden
im Keller gelagert, mehr in einem Strohbett im Garten oder im Hinterhof.
Genauso war es mit dem Gemüse und den Gelberüben, mit dem Paschkernat
und Kohlrabi, mit dem Kraut oder Futterkürbis.
2.3.12 Dachboden
Das war in der Hauptsache der Dachboden des Wohnhauses, der auch Hausboden
hieß. Zu den Böden über den Schuppen oder dem Sommer
und Gartenhäuschen sagte man Schuppenboden und Häuselboden.
Auf dem Hausboden war alles Trockensach, d. h. zum trocknen gelagerte
Getreide-Ernte. Weiter gab es da viele überflüssige Dinge, für
die im Hause kein Platz war; Dinge, wie sie heute noch in der Mundart
als Luschamar (Gerümpel) bezeichnet wird. Als Trockenernte galt aller
Samen für die nächste Saat. Aber auch, bei geringen Mengen,
die gesamte zum Trocknen gelagerte Brotfrucht. Dazu kamen noch: Sonnenblumen,
Bohnen, Erbsen, und das Obst; alles auf sauberen Tüchern. Zwiebel,
Knoblauch und Gewürzpaprika wurden zum trocknen auf Schnüre
gefädelt, geflochten und so in Form von Bündel oder Kränzen
auf dem Dachboden zum trocknen aufgehängt. Zu den ausgedienten Dingen
auf dem Dachboden gehörten hauptsächlich: Alte Kleidung. Spielsachen,
alte Zeitungen, unbrauchbares Werkzeug und eben alles was nur noch den
,Billigen Jud interessierte.
Bei den Giebelhäusern, welche hier untersucht werden, war das Dach
meistens 40 50 Grad schräg, so dass auf den Böden viel
mehr Platz vorhanden war, als man ausnützen konnte. Das zum trocknen
ausgebreitete Erntezeug war nur dann von den Tauben sicher, wenn die Bodenlöcher
zugestoppt oder mit einem Dachziegel halbiert waren. Diese Maßnahme
war nur im Herbst notwendig. In den anderen Jahreszeiten hat man gegen
die Tauben nichts unternommen. Manche Bauern und alle ärmeren Haushalte
waren froh, wenn sie mal zu einer feinen kostenlosen Taubensuppe kamen.
Dem halfen sie so nach, indem sie in die Sparrenecken aufrechte Bretter
nagelten, um die Tauben zum Nestbauen zu verlocken. Jedenfalls hat niemand
den Dachboden zum wohnen benutzt, auch dann nicht, wenn es unten im Haus
recht eng wurde und es leichter gewesen wäre eine Dachstube als eine
Hauserweiterung zu bauen.
2.4 ZUSATZBAUTEN
Welche der nachfolgenden Zusatzbauten in den einzelnen Hauswirtschaften
als so wichtig angesehen wurden, wie in unserer Betrachtung, ist nicht
genau zu ermitteln. Zu einer normalen Versorgung und Arbeitsweise waren
sie alle unabkömmlich; Räuchern der eigenen Schlachtung konnte,
beispielsweise, auch beim Nachbarn erledigt werden wurde auch
oft, aus verschiedensten Gründen. Doch beim Schwaben galt und gilt
immer noch das eigene haushoch mehr. Also strebte man danach,
alle die nachfolgenden Zusatzbauten auf dem eigenen Anwesen zu errichten.
Zumindest unser Musterhaus hatte sie alle.
2.4.1 Sommerhäuschen - Altenteil
Es war ein frei stehendes Häuschen im Vorderhof und hatte den Zweck,
die Sommerküche oder das Altenteil aufzunehmen. Wie es der Name sagt,
hat man in diesem ca. 4 x 8 m großen Häuschen den Sommer über
gelebt, gekocht, gegessen, Handarbeit und Hilfsarbeit für die Hofwirtschaft
erledigt. Im Winter war dieses Nebengebäude nur für solche Arbeit
geeignet, der die Kälte nicht schadete, z.B. Schlachtarbeit einschließlich
Lagern zum Frischhalten in Laugensalz. Wenn sich jemand in der Familie
mit Seidenraupen beschäftigte, so war diese Zucht hier in einigen
Kisten und Schachteln untergebracht. Der Hauptzweck des Nebengebäudes
war aber wesentlich wichtiger: Es musste die alten Hausbewohner aufnehmen,
nachdem sie die Wirtschaft den Kindern übergeben hatten ungefähr
zwischen dem 50. und 60. Lebensjahr. Dann gehörten beide Räume
des Häuschens ihnen allein. In einem hatten sie die Schlafstube,
im anderen die Wohnküche eingerichtet. Der Platz war ausreichend,
weil sie auch sonst alle übrigen Haus- und Hofteile mitbenutzen durften.
Nur für den Fall, dass sie mit den Jungen nicht gut auskamen
was selten vorkam hatten sie noch einen eigenen Schweine- und
Hühnerstall. Für die eigene Ernährung musste man den Alten
auch einige Joch Feld zur lebenslangen Nutzung überlassen.
2.4.2 Räucherkammer
Wenn sie nicht an das Sommerhäusel angebaut war, hat man sie als
freistehenden offenen Kaminbau in eine Hofecke gebaut. Ihr Zweck ist aus
dem Namen zu ersehen: Räuchern und lagern mit einer ungefähren
Kapazität von zwei großen Schweinen das sind acht Schinken,
genau so viele Speckseiten, 40 Bratwürste 15 Blut-Lebewürste,
2 gefüllte Blasen Blunsen und 2 Schwartenmagen. Um das alles
über einem Glimmfeuer aus feinen Akazienspänen mind. 1 m hoch
aufzuhängen, musste der innere Räucherraum 1 m im Quadrat und
zwei ein halb m hoch sein. Die Wände vom Räucherhaus waren aus
Batzsteinen und sind 3 m über den Boden in einen Rauchfang schräg
ausgelaufen. Für die Räucherstangen aus rundem 4 cm dicken Akazienholz
gab es 2 3 Reihen Löcher zum aufhängen in den Wänden.
Vor dem einen halben m hoch gemachten Feuerplatz wurde eine Holztüre
bis hinauf zu den Räucherstangen 0,5 x 2 m - ohne Scharniere
eingesetzt und mit einem Querbalken von außen festgemacht. Während
der zwei- bis fünftägigen Räucherzeit hat man das Glimmfeuer
und das ganze Häuschen im Auge behalten müssen. Danach hat man
entschieden, wie lange das Geräucherte hier hängen bleiben sollte
oder ob man es gleich z.T. oder ganz in die Speiß oder Hinterstube
bringen und aufhängen sollte. Das war weniger eine Sicherheits- als
eine Platzfrage. Bei kleinen Schweinen hat man wenn man überhaupt
keine Räuchermöglichkeit im eigenen Haus hatte das Schlachtzeug
zum Lohnräuchern ins Nachbarhaus gebracht.
2.4.3 Wirtschaftskammer
In ihr wurden alle Arbeitsgeräte, Handmaschinen und das Werkzeug
aufbewahrt, welche man in der Hauswirtschaft verwendete: Bastkörbchen,
Rutenkörbe zwischen 10 l und 40 l Inhalt -, Holz- und Blecheimer,
Spaten, Schaufeln, Krampen, Steinhacke, Heu- und Mistgabel alles
in der Türnähe -, dann, über einer Holzkiste, eine Raspel
für Rüben und Kürbis, die Windmühle in einer Ecke,
der Maisrubbler/Kukurutzribbler und schroder im anderen Eck, dazwischen
die Hexelmaschine, ein Mahlstein für Grobschrot und ein Schleifstein
für das Schnittwerkzeug; dazu kann man zählen: Küchenmesser,
Schere, Hacke, Spaten, Scherre, Heumesser und das ganze Schlachtzeug,
das spitz und scharf sein musste.
In einer Holztruhe war allerhand Handwerkzeug des Bauern, das er beim
Ausbessern des Hauses, Zaunes, Geschirrs und Wagenzeugs brauchte: Hammer,
Beil, Feile, Raspel, Axt, Beißzange, Stößel, Locher,
Ertl, Meißel, Handbohrmaschine/Amerikaner, Wendelbohrer, Eisenkeile,
Nägel, Rebschere, Dengelhammer und ambos, Maurerhammer, Maurer-
und Stichkelle, Spachtel, Weiselbürste mit Stiel und Streichpinsel.
An der Wand hing das Wagengeschirr, das neue Ross- und Kuhgeschirr, so
auch verschiedene Stricke und Riemen, Siebe, Sense, Spriegel (Hilfsbogen
zum leichteren Fruchtmähen), Sichel, Hand-, Bogen- und Flachsäge,
Holz- und Eisenrechen, Haspel, Wickel- und Spanndraht, Schnüre, Ketten.
Zu den Maschinen noch einige Fachbezeichnungen: Die Windmühle hatte
als wichtigste Einzelteile einen mannshohen Bretterkasten, in dem sich
ein handgedrehtes Schaufelrad mit hoher Übersetzung drehte. Oben
am Kasten war am Rad ein Einschüttloch mit einem Schieber für
das Futter- und Mahlzeug, das man reinigen wollte. Noch beim Einschütten
hat man mit einer Hand den Schieber vom Einschüttloch geöffnet,
und mit der anderen hat man, so schnell wie möglich die Windschaufel
gedreht. So hat der Wind den herunter gefallenen Samen von der leichteren
Spreu getrennt. Ein Sieb hat den Samen noch einmal vom gröberen Schmutz
getrennt, so dass der Samen recht sauber über eine Rutsche in den
Sack rann. Die Spreu hat man mit einem Korb in das Spreueck des Kuhstalles
getragen.
Der Maisrubbler war ein bauchhoher Eisentrichter mit einem Lagerkasten
und Gussfüßen. Unter dem Trichterkasten hat sich die Rubbelscheibe
durch Handantrieb gedreht und hat die Maiskolben mit den Krallenzähnen
an eine aufrechte Zahnplatte gedrückt. Durch das Drehen haben sich
die Körner vom Kolben getrennt und sind in den Eimer gefallen; die
Butzen haben leicht ihr seitliches Ausgangsloch, das für sie da war,
gefunden und fielen auf den Boden.
Die Hexelmaschine ist ein meterlanger Holztrog gewesen, der am Ende das
Hexelwerk hatte: Eine handangetriebene Messerwalze, die das Grünfutter
von einem festen Messerblatt abgehexelt hat. So lange die eine Hand angetrieben
hat, hat die andere das Futter im Trog nachgeschoben.
2.4.4 Schuppen
Am Giebelhaus war dieser hinter die Wirtschaftskammer angebaut, wenn nicht,
dann hat man ihn neben die Ställe in den Hinterhof gebaut. Beim Triangelhaus
ist er überquer zwischen dem Vorder- und Hinterhof gewesen und hatte
nach vorne ein Schuppentürchen und ein Schuppentor. In der gesamten
Größe war er meistens bis unter das Dach offen. Dort, wo er
es nicht war, hatte er einen Lattenboden anstatt eines Kukurutzspeicher
im Freien. Das ist bei kleineren Erträgen in neuerer Zeit öfter
vorgekommen. So ein Lattenboden war auch gleich ein Trockenplatz für
allerlei Winterfutter, das man da hinauf vom Tristenplatz über die
Schuppenstiege brachte.
Unten auf dem gestampften Erdboden standen: Der Bauern- oder Leiterwagen,
Ochsenwagen, Paradewagen, die Sä- und Mähmaschine, die Pflüge
Flach- und Tiefschar-, Stürzpflug -, Egge, Schleife und Walze.
Und auf einem offenen Holzfass lag die Traubenmühle. Im Fass waren
einige Traubenkörbe ineinander gestellt. Die schwere Traubenpresse
stand so, dass um sie herum genügend Platz gewesen ist, wenn man
sie im Herbst brauchte.
In dieser Musterwirtschaft war auch noch genügend Platz für
einen Winterschlitten für die Pferde, eine kleinere Brech- und Hechelbank,
ein Kastrierbrett mit zwei starken Lederriemen zum Festbinden
der Ferkel -, eine Wollschlumbmaschine, ein Stapel verschiedener Futtersäcke,
und einzwei große Federsäcke, einige Stapel mit Rebenstützen,
weidenen Holzscheiten, ein Sägebock, Mauerziegel, roher und gebrannter
Kalkstein, eine Scheibtrugel und ein Mist-Schubkarren, einige Zementsäcke;
an einem Pfosten hing die Flurmesslatte/Klafterlatte und der Reihenzieher,
darunter war ein Häufchen trockenes Brennholz; und vielleicht standen,
neben dem Türchen, die Fahrräder für den Hausherrn, die
Hausfrau und das Kind.
Die wichtigsten Teile der Bauernwagen hießen: Längsleitern,
Vorder- und Hinterschragel, Zugscheit, Deichsel, Stahlachsen, Nabenräder
mit Holzspeichen und einem Stahlreifen, Langwied, auf dem vorne die Brechleiste
mit einem Stahlbügel zum Wenden und das Grießbrett mit dem
Grießnagel festgemacht waren. Das Langwied ist hinten mit der Grätgabel
am Achsstock festgemacht gewesen. Der Verbindungsnagel hat Grätnagel
geheißen. Bei verlängertem Wagen hat man den Nagel in ein anderes
Loch des Langwieds gesteckt. Die Zugscheite sind mit Zughaken am Querbaum
festgemacht gewesen. Die zwei Seitenleitern waren mit vier Rungen auf
die Radachse aufgestützt. Beim Dreiergespann hat man, anstatt einem
Zugscheit, eine Sielwaage genommen. Oben auf dem Wagen hat ein Sitzbrett
quer auf den zwei Leiterleisten gelegen. Weil das Sitzbrett überall
passte, ist es öfter um eine Leiste versetzt oder, für mehrere
Mitfahrende, auch zwei-dreimal auf den Wagen gelegt worden. Gegen das
harte und kalte Sitzen hat man auf die Bretter Lumpen- oder Pferdedecken
gelegt. Zum Vergrößern des Wagens, als Heuwagen z.B., wurden
Längs- und Querbäume aufgesetzt, und mit einem Heubaum hat man
die Heufuhre in der Mitte hinuntergedrückt und festgebunden.
Beim Ochsenwagen waren die Längsleitern niedrig und hatten Brettschragel.
Anstatt an dem Zugscheit, ist der Wagen am Zugbaum mit Ochsenjoch gezogen
worden.
Der Paradewagen war in seinen Einzelteilen genau so gemacht wie der
Bauernwagen, nur dass er kürzer und schön lackiert war.
Die Kalesche/Herrenkutsche hat es auf dem Dorf selten gegeben, und wenn
ja, dann stand sie nicht im gleichen Schuppen wie das Bauernsach. Weil
diese Wagenart eine Erfindung war von Meistern aus dem Karpatenbecken,
sollen ihre wichtigsten Einzelteile ebenfalls untersucht werden: Auf den
Speichenrädern mit ungleichen Achsenhöhen war ein offener oder
geschlossener Wagenkasten aufgesetzt, der über Blattfedern auf der
Achse festgeschraubt wurde. Fußtritt am Kutschbock und am hinteren
Spritzbrett haben das Aufsteigen erleichtert. Zwei Wagenschläge machten
den Herrschaftsteil mit seinen gepolsterten Sitzen zum gemütlichen
Reisefahrzeug. Als Fiaker hatten die Kutschen noch zwei Laternen neben
dem Kutschbock und dazu noch ein Harmonikadach.
Die Sä- und Mähmaschinen waren für Zugpferde aufgerüstet,
jedoch schon mit fein eingestellten Samentrichtern unter dem Samentrog
zum Sähen und mit neumodischen Scherenhaltern und
Leistenwalzen zum Mähen.
Der Pflug, egal ob flach- oder tiefschaarig, war damals noch ein Karrenpflug
mit einem Längsgrendel, zwei Pflugstürzen mit hölzernem
Griff, einem Streif- und Scharblech, einer Furchensohle, einem Vorschäler
und einem Sech. An der Grendelkette waren die Zugscheite befestigt. Die
zwei Pflugräder waren, wie bei den heutigen Pflügen, verschieden
groß und hießen Land- und Furchenrad. Zusammengehalten wurde
alles vom Karrenjoch.
Eine bäuerliche Brechbank für Hanf bestand aus einer sitzbankhohen,
1,5 m langen, doppelt hochgestellten Messerleiste mit vier Holzfüßen,
zwischen welchen scharfe Hartholzbretter rauf und runter geschlagen wurden.
Weil die Holzblätter an einem Ende mit einem Bolzen an der Bank befestigt
waren, wurden sie leicht von einer Hand geführt; die andere Hand
hat derweil das Hanfbüschel über die Messerleiste gehalten.
Die Brechhegel wurden unter der Bank in einem Holzkasten gesammelt.
Bei der Hechelbank waren keine beweglichen Teile. Da waren nur im Bankbrett
viele spitzige, ca. 15 cm lange Eisenstifte eingeschlagen. Auf diese schlug
man mit beiden Händen das gebrochene Hanfbüschel. Was dabei
in den Zähnen hängen blieb, war das Werg, das man noch von den
restlichen Hegeln säubern musste.
Die einfache Woll-Schlumbmaschine, wie sie die Bauern mit wenigen Schafen
hatten, sah so aus: Ein Kammrad wurde von einer Hand gedreht und hat mit
seinen Kammdrähten vom Wollklumpen die Schurwolle ausgesondert. Der
Abfall beim Schlumben, war der Filz, den man billig dem Hutmacher verkaufte.
Einzelteile der Traubenmühle und presse. Erstere bestand
aus einem Holztrichter mit drei Hartholzwalzen, von denen zwei über
verschieden große Zahnräder mit einer Handkurbel angetrieben
wurden. Sie stand meistens sauber und arbeitsbereit, doch umgestürzt,
auf der Traubenpresse. An wichtigsten Teilen hatte letztere: das runde
gusseiserne Gestell, aus dem in der Mitte eine fixe Gewindespindel nach
oben ragte; dann zwei Leistenschalen, einen Gewindekopf mit Mitnehmerlöchern
und mindestens einem Mitnehmerzahn, ein Hebelrohr, vier Verschlussbügel
zum Festhalten der zwei Halbschalen. Zur Traubenpresse gehörte noch
die blecherne Schöpfschale, eine hölzerne Mostwanne und ein
Mosttrichter ebenfalls aus Holz.
2.4.5 Maisspeicher
Zur Lagerung des Maisertrages war unbedingt ein großer, trockener
Lageraum notwendig. Die besten Eigenschaften dazu hatte ein 1,5
2 m breiter, 4 m hoher und je nach Bedarf langer Lattenbau mit senkrechten,
kolbendick nebeneinander genagelten Latten, den man Gore (wie die Ungarn)
oder auch Kukurutzschuppen slawisch Tschardak nannte.
Getragen wurde dieser Bau von Akazienpfosten, zwischen denen, unter dem
Maislager, oft ein Stall für die Schweine, das Federvieh oder die
Hasen eingerichtet war. Über eine Leiter stieg man zur Lattentüre,
von welcher man mit einer Maisgabel die Kolben in den Hof schmiss.
2.4.6 Weizenspeicher
Was der Maisspeicher für den Kolbenmais, war dieser Getreidespeicher
für die Brotfrucht. Weil sie ein besonders wertvolles Vermögen
darstellte, wurde sie bei Arm und Reich wie ein Augapfel gehütet.
Das konnte man aber nur, wenn man sie in der Nähe der Wohnung hütete.
Wo der Dachboden sicher genug war, hat man die Stiege mit einer Türe
sicher verschlossen und den Weizen dort gelagert. In Rohrgedeckten oder
alten Häusern war der Dachboden für die Brotfrucht nicht sicher
genug. Da musste ein eigenes Bretterhäuschen im Hof aufgestellt werden,
dessen Platz in der Nähe der Wohnküche war. Der Getreidespeicher
auch Hambar genannt - hatte in seinem einzigen, fensterlosen Raum
mehr Platz, als die Hausleute Frucht in einem Jahr ernteten in
unserer beispielhaften Wirtschaft ca. 50 Zentner oder 100 Säcke.
Das Häuschen sah aus wie eine Weingartenhütte mit ziegelgedecktem
Satteldach. Da wo die zweiteilige Eingangstüre war, stand unter dem
Dachvorsprung eine Holzpritsche mit einem Leinwandhimmel für den
Fruchthüter. Manchmal hat hier ein heiratsfähiger Bursche
vielleicht mit der Liebsten - oder ein verlobtes Mädchen
mit dem Zukünftigen - übernachten dürfen. Jedenfalls, dort
wo jemand vor der Eingangstüre das Getreide hütete, kam nie
etwas weg.
2.4.7 Backhäuschen
Das Hausbrot buk man in der kalten Jahreszeit im Batzofen der Mittelstube,
in der wärmeren im Backhäuschen. Das war ein 2 m hoher und 1
m im Viereck großer Batzenbau, der ein ziemlich überhängendes
Ziegeldach und, am Beginn der Feuerstelle, einen Schornstein hatte. Der
gewölbte, mit Lehm verputzte Innenraum war so groß, dass darin
etwa 6 7 je 2 kg schwere Brotlaibe oder vier große Backbleche
Platz hatten. Die Lehmwände waren ca. 20 cm dick und von außen
mit Weißelkalk mehrschichtig angestrichen. Das Bild von einem Batzofen
im Hof hat noch ein Stock Tegelstock - zur Trocknung der Milchtöpfe
vervollständigt, der oft mit irdenen Milchtöpfen/Tegel voll
hing.
2.4.8 Kükenschuppen
Zum Schutz vor dem großen Federvieh wurden die Küken in einem
eigenen kleinen Schuppen ausgebrütet und bis zum federigen Alter
dort groß gezogen. Der Kleinbau war ein runder, zeltartiger Lehmbau,
ca. 2,5 m hoch, und hatte ein niederes Schlupftürchen aus Weidenruten.
Ein Mensch konnte da nicht hinein, das große Federvieh nur bei Bedarf,
doch die Küken gingen zwischen den Ruten ein und aus, wie sie wollten.
So wurde die Mutterglucke oft drinnen gefüttert und die Kleinen konnten
beliebig nach draußen oder zum Aufwärmen unter sie gelangen.
Wer ein solches Lehmhäuschen nicht hatte, für den tat es auch
ein Stürzkorb aus Weidenruten. In ihm stellte man für eine kleinere
Kükenschar ein Schrotblech neben eine Wasserschale, so dass die Kleinen
daraus schon in der Frühe fressen und saufen konnten, die Glucke
zum Schutz der Kleinen außen in ihrer Nähe blieb.
2.4.9 Klosett
Das Klosetthäuschen für die menschlichen Bedürfnisse stand
meistens in der Nähe des Misthaufens. Es war ein luftiges
im Winter sehr kaltes Bretterhäuschen, einen Quadratmeter
groß und hatte ein schräges Ziegeldach. Vorne reichte die Türe
nur bis zur Standhöhe des Menschen, darüber war es einen viertel
Meter offen. Der Sitz war in erwachsener Sitzhöhe, etwa 50 hoch und
hatte oben, vorne mittig einen ca. 25 cm großen, runden Ausschnitt.
Hinter dem Häuschen war die Bretterwand nur angelehnt, so dass man
jederzeit die Abfallgrube ausputzen konnte. Saubere Menschen hatten drinnen
auf dem Sitzplatz einen Stapel Zeitungspapier, andere mussten immer was
zum Putzen mitnehmen.
2.4.10 Gartenhäuschen
Ein Gartenhäuschen baute man, wenn der Wein- und Gemüsegarten
nicht in Hausnähe war, auf ein zum Garten geeignetes Grundstück
ohne behördliche Genehmigung. Als fester Maurerbau war es
zum Übernachten und Verköstigen mit einer Pritsche und einem
gemauerten Sparherd eingerichtet und hatte ein hausähnliches Dach
mit Rohr- oder Ziegelbedeckung. Zum Feld- und Traubenhüten gab es
nur eine zeltartige Rohrhütte mit einem Strohbett, und bei einem
reinen Ernteschutz-Haus reichten einige Holzpflöcke mit einem Ästedach
darüber.
2.4.11 Einöd- oder Aussiedlerhof
Er gehörte auch zu einer mustergültigen Hauswirtschaft, war
bei Kleinbauern zwei Stuben groß, bei Großbauern hatte er
aber auch größer sein können, als das Wirtschaftsgebäude
im Dorf. In diesem Falle hatte er ein elegantes Giebelhaus zum Wohnen
und alle übrigen Wirtschaftsbauten für die Bauerei und Feldarbeit
drum herum. Großgrundbesitzer hatten darüber hinaus hier ihre
Hausverarbeitung von Rind- und Schweinefleisch, Gänse-, Enten-, Truthahn-
Hühner- und Eierwirtschaft. Das Mast- und Zuchtfutter hielten sie
in Grün- und Trockenfutter-Kästen, das waren hohe Fassbehälter,
welche oben und unten Türen hatten.
Die Viehmast war ganzjährig, alles übrige Saisonarbeit mit Tagelöhnern
Frauen und Männern. Wenn die Pächter für mehr als
nur die Hausarbeit auf einem Ödlandhof angestellt waren, so bekamen
sie, außer einem Anteil am Vieh, auch noch Tagelohn, z.B. jährlich
200 Stück Federvieh und von allen übrigen Lebensmitteln, soviel
sie zum Eigenverzehr benötigten. Für saisonale Tagelöhner
gab es soviel Lohn, dass ihre Familien über Winter gerade so leben
konnten. Zum Sparen blieb ihnen nichts übrig.
2.5 STALLUNGEN UND TIERRASSEN
Da auf unseren Bauernhöfen Fleiß, Rationalität und Sparsamkeit
ein gleichschenkliges Energiepotential darstellten, muss die Haltung der
wichtigsten Haustierrassen ganz unter diesem Aspekt betrachtet werden.
Der Stall minimal im baulichen Aufwand und maximal im Zweck, die
Rassen einheimisch-bewährt oder neu-ergiebig, stark, gesund
und von größtem Nutzen.
2.5.1 Pferde- und Kuhstall
Meistens waren sie zusammengebaut, am Ende des Wohnhauses und neben dem
Schuppen. Der Platz war deshalb wichtig, weil es von hier zum Futter,
zum hinteren Brunnen und zum Misthaufen nicht weit war. Die Größe
war gewöhnlich für drei Pferde und drei Kühe ausreichend,
was eine Länge von ca. 8 10 m und eine Breite von ca. 7 m
- oder genau die Hausbreite ausmachte. Nur die Höhe war geringer
als die der Stube, so dass die Viecher den Raum im Winter schnell mit
eigenen Körpern erwärmen konnten. Unter der rohen Decke gab
es zwei drei kleine Fensterchen, mit oder ohne Glasscheiben. Die
Stalltüre war zweitürig und wurde, außer im Winter und
nachts, nur unten zugeriegelt. Am Kopfende des Viehs war die Futterkrippe
auf eingegrabenen Pfostenfüßen. Über ihr war die Heuraufe,
und zwischen dem Vieh das Koppelholz, das hinten auf einem Pfostenkreuz
auflag. Wenn man davon ausgeht, dass alles Vieh in einer Reihe stand,
so kann man den Stall leicht in der Länge aufteilen: In Viehhälfte
und Futterhälfte. Dazwischen war auf der gesamten Länge ein
zwei Meter breiter Stein- oder Stampfgang. In der Futterecke stand eine
Spreukiste, daneben war der Platz für die Säcke oder Kästen
für das Trockenfutter: Körnermais, Hafer, Gerste, Maisschrot,
Kleie, gemahlene Luzerne. In der anderen Ecke war das Grün- und Hexelfutter,
Grünklee, Rübenblätter vermischt oder auf ein paar Häufchen
getrennt gelagert; die Rübenblätter für den Winter waren
neben den Rüben in der Erdmiete/Erdwärmling untergebracht. Immer
frisch vom Tristenplatz holte man Stroh, Heu und Maisstängel. Ausgemistet
wurde jeden Morgen, und den Mist hat man mit dem Mistkarren im
Sommer gleich, im Winter alle paar Tage auf den Misthaufen gefahren.
Die Jauche sammelten unsere Bauern nicht getrennt, sie ist über eine
Rinne und durch ein Mauerloch von selbst in das Mistloch geflossen.
Das Geschirr. Es hing meistens an der Wand, über dem Futter, und
bestand aus Halsstrick oder kette für die Kühe, Pferdehalfter,
Sattelzeug und einige Decken für die Pferde. Auf einem Wandbrett
lag das Putz- und Striegelzeug: Borsten-, Wurzel- und Drahtbürste,
Drahtkamm, Blechstriegel. Dann die Gebissstücke, eine Dose mit Sattelfett,
eine Schachtel mit Kochsalz und ein Säckchen mit Steinsalz, die geflochtene
Kuh- und Schweine- oder Halterpeitsche mit Weichselstiel und Triebschnur
aus Raffi; eine Pferdepeitsche mit Eschenrute oder Lengrohr und Lederschnur
hingen an eigenen Nagelhaltern, damit man sie bei Bedarf leicht erreichen
konnte. Neben der Türe standen: Wassereimer, Melkstuhl, Stallbesen
und Mistgabel, weil man sie am meisten brauchte.
Das Pferdegeschirr sah bis in unser Jahrhundert so aus, wie es die Siedlerahnen
mitbrachten: Die Pferde hatten als Zuggeschirr ein Spitzkumet, anstatt
eines späteren Brustblattes. Alles übrige war einander ähnlich:
Das Kopfgestell hatte Nasenriemchen, Stern- und Ringstück über
den Kopf gestülpt, und der Kehlriemen hielt das ganze unter dem Hals
zusammen; nur die Scheuklappen kamen in neuerer Zeit dazu. Am Zuggeschirr
hatten sich nur einige Riemen geändert: Der Notgurt wurde ein Bockgurt,
und der Sprenggurt ein Rückenriemen; die Haltekette an der Deichsel
und der Zaum blieben unverändert. Hierher gehört vielleicht
noch, aus was das Sattelzeug zusammengesetzt war: Beim Bocksattel hieß
die Unterlegdecke aus feiner Schafwolle Wollach, darüber hing ein
Seitenblatt, auf welchem der Sattelsitz festgemacht war. Der hatte vorne
und hinten ein Zwiesel, an dem die Tracht festgemacht war. Und die Steigbügel
waren genau so zum Verlängern an einstellbaren Lederriemen festgemacht,
wie in Deutschland. Lediglich die deutschländer oder englischen Frauensattel
kannte man in dem Batschkaer Dorf nicht, vielleicht können sich unsere
Städter, vom Reitplatz her, an sie erinnern. Beim Zuggeschirr für
die Graurinder, Ochsen und Büffel, wie man sie bis in die Zeit nach
dem Zweiten Weltkrieg noch oft sehen konnte, war das hölzerne Ochsenjoch,
befestigt an einem Zugbaum, das wesentlichste Zuggeschirr.
Schlafplatz des Knechtes. Wenn, was selten vorkam, in so einem Stall
auch noch der Knecht schlief meist schliefen die Knechte in einer
eigenen Kammer neben dem Stall so war sein einfaches Bretterbett
neben dem Trockenfutter aufgestellt. Als Strohsack hatte er etwas Heu
oder Stroh mit einer Rossdecke abgedeckt, und zum Zudecken eine gleiche
Decke genommen. Polster oder anderen Luxus gab es nicht. Kerzenlicht auch
nur, wenn die Herrschaft spendabel war. Die Stalllaterne musste dem Stallmenschen
ausreichen. Und aus dieser Sicht war es in einer Knechtkammer viel gemütlicher.
Dort leisteten sich die Bewohner noch einen kleinen Brettertisch, paar
Hocker, ein Schränkchen und Regalchen, und anstatt auf dem Frischheubett,
schliefen sie auf einem richtigen Strohsack und Kissen, und leisteten
sich eine überzogene, federgefüllte Bettdecke.
2.5.2 Pferderassen
In den Stallungen der Batschkaer Bauern standen meist große Nonius,
weniger starke Steirische, wendige Vollblut und Zwischenzüchtungen
von diesen drei Rassen. Stuten gab es viele, Wallache und Fohlen ebenfalls,
nur die Junghengste kamen schon im ersten Lebensjahr weg, weil man eigene
Hengste selten hielt. Wenn ein Zuchthengst dennoch gekauft wurde, dann
war es einer von einem bekannten Zuchtstall. Weil aber so ein Pferd zum
Luxus gehörte, mit einem eigenen Stall, leisteten ihn sich die Bauern
nur wenn sie reich waren und öfter mit dem Paradewagen ausfuhren.
Die Stallplätze waren so verteilt, dass Zugpaare neben einander standen.
Die Fohlen wurden zur Milchaufnahme zu ihren Müttern gesperrt, sonst
hatten sie ein eigenes Eckgatter, wo sie nach ein paar Wochen mit einem
Halfter genau so angebunden wurden, wie die alten Pferde.
2.5.3 Rinderrassen
Die bekanntesten waren, bis vor hundert Jahren, auch bei den Batschkaer
Ahnen, die ungarischen Graurassen, wie Podolische und langhaarige Pusztarinder.
Sie gaben aber, im Vergleich zu den westeuropäischen, zu wenig Milch,
weswegen die schwäbischen Bauern sie nach und nach gegen jene austauschten,
doch bis zuletzt als Zugtiere behielten was aber auch immer seltener
der Fall war, den das Ziehen der Wagenlast gehörte eindeutig zur
Aufgabe der Pferde. Als Milchrassen hielt man meistens die braunscheckigen
Simmentaler, dann die hellen Holländer und die schwarzscheckigen
Allgäuer. Als Schlachtvieh waren die Podolischen gut geeignet, weil
sie am besten den ständigen Aufenthalt in der Freilandkoppel vertrugen
und sie angeblich besseres Fleisch hatten, als die Milchkühe.
Ähnlich wie mit den Fohlen, hielt man es mit den Kälbern: Schon
nach einigen Tagen mussten sie in die eigene Ecke und, nach zwei-drei
Wochen, an den eigenen Strick.
2.5.4 Schweinestall
Bei wenig Platz im Hinterhof bestand er aus einem geschlossenen, sonst
halb offenen Bau mit flachem Ziegeldach. Eine Zwischendecke hatte er nur,
wenn im oberen Teil der Hühnerstall untergebracht war. Der überdachte
Stall hatte einen Sandboden und der halb offene einen gepflasterten Auslauf.
Zwischen einem Auslaufgatter und dem Innenstall gab es eine Bretterwand
mit Türchen, welches in kalten Winternächten zugemacht wurde.
Sonst konnten die Muttersäue mit ihren Ferkeln, die Läufer und
Mastschweine frei in den Auslauf zum Fressen, Saufen, Kot und Gülle
ablassen. Eber wurden allein in eigenen Ställen gehalten. Die inneren
Schlafställe waren ständig mit sauberem Stroh ausgelegt, nur
bei ungezogenem Vieh, das seinen Mist drinnen ablagerte, war das regelmäßige
Ausmisten drinnen wie draußen nötig.
Zum Mischen des Futters gab es in Stallnähe, unter einem Dachvorsprung
oder in einem eigenen Häuschen, den Kesselofen mit einem Kesselinhalt
von 50-60 Liter. Morgens und abends hat man da das Futterwasser erwärmt.
Dafür waren immer genügend Trockenhölzer, Stängel
oder Maisstrunke hergerichtet. Wenn man untersuchen möchte, wie viele
Schweine eine Hauswirtschaft hatte, so muss man unterscheiden zwischen
eigenem Verbrauch und der Verkaufsmast. Bei eigenen Schlachtschweinen
kann man von der Pauschale ausgehen, dass an großen Schweinen etwa
so viele gehalten wurden, wie es Personen in der Familie gab. Als Mengenmaß
für die maximale Verkaufsmast muss der Stallplatz als Richtmaß
dienen. Große Höfe hatten im Durchschnitt 50 80 Mastschweine,
kleinere weniger; das Futter spielte weniger eine Rolle, die Arbeit auch
nicht. Mais, Schrot, Kleie, Hexel gab es genug.
Der Austrieb. Vom Frühjahr bis zum Herbst ließ man die Läufer
hinaus, zu einem größeren Austrieb aller Dorfschweine auf die
Gemeindeweide. War der Schweinehirte geschickt und hatte er für seine
Schweine genügend Weidefläche, so gab man diesen Schweinen morgens
und abends nur eine dünne Schrotbrühe.
An Schweinerassen gab es, bis zuletzt, als Batschkaer Lieblingsrasse,
die dickspeckige Mangolitza, jedoch zum Verkaufen hielt man längliche
Fleischrassen, die Jorkshire und Berkshire, seltener Hängebauchschweine
oder kleine Japaner.
2.5.5 Schaf- und Ziegenstall
Er war so ähnlich gemacht wie der Schweinestall, nur dass er im Inneren
nicht mit Stroh ausgelegt war. Die Zahl der Schafe war im Hausstall zwischen
drei und zwanzig Tiere. Böcke, Mutterschafe und Lämmer waren
beisammen. Bei einer größeren Haltung hatten die Bauern auch
Außengatter im Garten, aber öfter auf dem Feld
mit einem Schafhirten. Das war dann schon die Massenhaltung, die mehr
als nur den Futterplatz nötig machte. Die Ziegen brauchten den gleichen
Hausstall, wie die Schafe. An Ziegenarten gab es die europäische
Ziege, welche Arme-Leute-Kuh hieß, und den sturen, stinkenden Ziegenbock.
An Schafrassen hat man nicht viele gekannt. Die zwei bekanntesten waren:
Das europäische Wollschaf und das ungarische Pusztaschaf. Bei der
einen Rasse hatten die Böcke spiralförmige Hörner, bei
der anderen gerade seitlich nach außen stehende. Der Hauptunterschied
war aber der, dass das Pusztaschaf stärkere, längere und das
europäische feinere Wolle hergab. Was noch zum Schafstall gehörte,
war noch der Stall für den Esel. Das war ein überdachter Auslauf,
weil man dem Vieh eine dicke Haut nachsagte und nicht viel Nutzen von
ihm hatte. Und wenn man ihm Gesellschaft verschaffen wollte, dann hat
man ihm noch einen Maulesel zur Seite gestellt.
2.5.6 Hühnerstall
Die Hühner waren die Hauptbewohner vom Hinterhof. Tagsüber scharrten
sie auf dem Misthaufen und um die Stroh- und Heutriste herum. Bei Sonnenuntergang
gingen sie an den Platz zum Übernachten, wo man sie hin gewöhnt
hatte: unter den Maisschuppen, über den Schweinestall oder
wenn der Hausherr sehr sorgsam war - in einen eigenen Hühnerstall,
welcher mit den übrigen Ställen nur die Höhe und die Dachart
gleich hatte. Was alle Schlafplätze, so auch der Hühnerstall,
haben mussten, war ein mehrstockiger lattener oder bretterner Schlafrost.
Über eine einfache Kreuzleiter gingen oder flatterten die Hühner,
Hähne, Jährlinge, Kapaune und Hähnchen auf ihren Stammplatz.
Wenn die Hausfrau unter dem Schlafplatz einige Kisten mit Stroh aufstellte,
haben die Leghühner dort gerne in aller Frühe ihr erstes Ei
gelegt. Sonst suchten sie sich aber alle anderen, weichen und versteckten
Nester im Stroh, Heu, Stall und Schuppen zum Eierlegen.
Zusammen mit den Hühnern hielt man sich gerne Perlhühner, welche
sich aber zum Schlafen lieber auf dem Stalldach oder Baumast nieder ließen.
Mit ihrem leichten Schlaf waren sie, nebst den Hausgänsen, die besten
Hauswächter. An Hühnerrassen kannte man die mitteleuropäischen
Legehühner, Nackthälse, Schopfkopfiche und Zwerghühner.
Von der ersten Sorte gab es in der Tiefebene (zw. Donau u. Theiß)
meistens die braune, weiße und graue mit einem aufrechten Kamm und
lilablauem Schwanz; von solchen Hähneschwänzen gab es so viele,
dass die gesamte ungarische Gendarmerie ihre Hüte damit amtlich ausgeschmückt
hatte. Die Zwergart war nicht größer als die Haustauben, und
man konnte sie meistens in kleinen, armen Haushalten sehen.
2.5.7 Enten- und Gänsestall
Diese zwei Arten von Federvieh haben keine überdachte Schlafgelegenheit
vermisst. Außer zum Eierlegen und Brühten brauchten sie überhaupt
kein trockenes Fleckchen. Und dieses machte man meistens in einem Stall
oder Schuppen nebeneinander. Die zwanzig bis dreißig Eier pro Ente
oder Gans sammelte man und tat die größte davon in ein Brutnest,
welches in einer ruhigen, trockenen Ecke sein musste. Was alle brauchten,
war ein voller Wassertrog oder ein Wasserloch. Das war wichtiger als das
Futter. Wegen diesem gab es meistens Streit mit den Hühnern, wenn
jene mal den eigenen Trog verwechselten. Die Enteriche und Gänseriche
verteidigten Tag und Nacht ihre Wasserstellen.
An Entenrassen gab es die weiße Feder- und Schopfente und die graue,
zahme (stumme) Wildente. Bei den Gänsen waren es die weiße
und graue Hausgans und die japanische Riesengans, welche einen Hornansatz
auf der Stirn hatte. Zwischen den verschiedenen Gänserichen gab es
im Hof ziemlichen Streit, weswegen selten mehrere Arten zugleich gehalten
wurden. Anders war es auf der Weide, wo jeder nur in der Nähe seiner
Haltung blieb.
2.5.8 Weitere Tierställe
Es gab noch einige Arten von Feder- und Kleinvieh auf den Bauernhöfen:
Truthähne, Stall- und Angorahasen, Kaninchen, Haus- und Zuchttauben,
zahme Fasanen und etliche Arten von Felltieren, wie Silberfüchse,
Bisam und Hamster. Meerschweinchen hielt man gerne mit den Stallhasen,
weil sie die Ratten vertrieben. Außer den Hasen, die öfter
in Einzel- als in Gemeinschaftsställen untergebracht waren, hatte
alles Feder- und Fällvieh rundum geschlossene Drahtkäfige. Diese
waren so groß, dass sich ihre Einwohner gerne vermehrten.
Die Truthähne/-hennen waren, was den Stall angeht, so anspruchslos
wie die Gänse. Zum Schlafen zogen sie sich unter einen Dachvorsprung
zurück. Nur so lange sie klein waren, musste man sie künstlich
warm halten, z.B. so, dass man sie die ersten paar Wochen im Haus in einer
Schachtel aufzog. Hoch gelegene Taubenschläge hatte man dann extra
gebaut, wenn man die Haustaube vom Dachboden weg haben wollte. Dann waren
die Dachöffnungen verstopft, und es wurde ein Taubenschlag auf einem
abgesägten Akazienstamm befestigt. Innen gab es vier sechs
hoch und quer unterteilte Nistplätze, in welche die Tauben von allen
Seiten zufliegen konnten.
Gar nicht so selten hatten die Batschka-Bauern zwischen dem Hinterhof
und Garten ein Bienenhaus mit einigen Schwärmen. In Holzkästen
waren altmodische Bastkörbe oder schon neue Wachsrahmen aufgestellt,
in welchen das Bienenvolk von Gärten, Wiesen und Akazienbäumen
zwei-dreimal, den Frühling und Sommer über bis zu 5 kg Honig
pro Schwarm sammelte.
Die Stallungen für die Hunde sollen auch noch erwähnt werden.
Sie konnten zeltartig spitz, kisten- und fassartig sein, die Hauptsache
sie waren von innen trocken. Das war aber auch das Loch in der Stroh-
und Heutriste, im Maisschober oder unter einen Stall gegraben. So kann
gesagt werden, dass die treuesten Hausfreunde des Bauern, unter allen
Hoftieren, die anspruchslosesten Ställe hatten. Und angebunden waren
sie meistens aus eigener und häuslicher Sicherheit, weil sie in ihrer
regelmäßigen Paarungszeit auch an ihrem Platz waren, um ihre
Wachpflichten wahr zu nehmen und sie der Hundeschinder nicht einfing.
Hunderassen. Öfter wurden, neben den Hofhunde-Mischlingen, wie sie
überall auf der Welt vorkommen, auch reinrassige gehalten: Schäferhund,
Foxterrier, Dackel, Spitz oder Schoßhund, Dalmatiner, ungarischer
Hirtenhunde (Kuvasz) und Pulli, Windhund und Jagdhund. Die meisten davon
hatten im Vorderhof ihr Häuschen, selten dass einmal eine Schlafstelle
näher als bis zum Gang in Stubennähe aufgestellt war.
Mit dem liebsten Haustier, der Hauskatze, hatte man keine Übernachtungssorgen,
weil sie im Haus, so gut wie im Hof, Stall oder Schuppen einen gemütlichen
Stammplatz für sich und ihren regelmäßigen und nicht zu
knappen Nachwuchs fand.
2.6 HAUSGARTEN
In den Meisten Fällen war es ein umgegrabener Nutzgarten. Das Gemüse,
die Obstbüsche und bäume, Blumen, Zierbüsche, Ziergras
und Klee wurden nach Hausherren- und Hausfrauenart angelegt. Von allem
gab es in einem Hausgarten soviel, wie die Hausleute und das Vieh in frischem
Zustand verbrauchten und wie viel man auf dem Wochenmarkt verkaufen konnte.
An einem Hausgarten hatte man ein dreiviertel Jahr lang seine Freude.
Im Frühling lockten die Blütenkelche und Staubblättchen,
die Nussbaum- und Haselkätzchen Bienen, Hummeln und Schmetterlinge
an. Im Sommer machte das Stein- und Kernobst das Warten auf die Reife
schwer: Obstkerne, Samen und Stiel waren noch grün, da probierte
man schon von jeder Sorte ein wenig.
2.6.1 Gemüsearten
Das wichtigste Gemüse: Kartoffeln, Bohnen, Erbsen, Zwiebel, Knoblauch,
Weiß- und Rotkraut, Salat, Kehlkraut, Kohlrabi, Gelberüben,
Petersilie, Paschkernat, Tomaten, Paprika, Rettich, Radieschen, Schwarzwurzel,
Meerrettich, Zeller, Schnittlauch, Rhabarber, Koch- und Puffmais und -
in warmen Sandböden - Erdnüsse.
2.6.2 Obstbäume
An Obstbäumen gab es am meisten die Äpfel- und Birnensorten:
Peter-und-Paul, Klarapfel, Rosmarin, Sommer-, Herbst- und Winterapfel,
Glockenäpfel, sowie einige veredelte Szegediner; bei den Birnen überwogen:
Johannisbirnen, Heu- und Sommerbirnen, gelbe Herzdrücker und die
spähte Herbstbirne. Pflaumensorte gab es: Lekwar-. und Einmachpflaume,
Ringlotpflaume, Mirabelle und wilde Schleezwetschge. Kirschensorten: Frühe,
Herz- und Gelbkirsche. Weichseln: Große Ungarische, Amarille, Schattenmorelle
und Zigeunerweichsel. Weitere Einzelbäume: Aprikose, Pfirsich, Morelle,
Quitte, Nüsse, Naspel.
2.6.3 Bodenobst
An Bodenobst wuchsen Wasser- und Zuckermelonen, zwischen 1 und 10 kg,
Erdbeeren in verschiedenen Veredelungen; und im Sandboden gab es Erdnüsse.
2.6.4 Büsche
Als Büsche wuchsen: Haselnuss, Stachelbeere, rote und gelbe Träuble,
Himbeere, Brombeere, sowie in manchem warmen Eck Feigen und Mandeln. Am
Zaun wuchs oft ein Essigbusch und ein Christusdorn.
2.6.5 Weintrauben im Garten
Trauben durften in einem Hausgarten nicht fehlen. An weißen Sorten
gab es meistens: Annatraube, Muskateller, Gutedel, Mandeltraube, Lindenblättrige,
Steinschiller und die große Geißzitze; diese alle wurden als
Tafeltrauben gerne geerntet, der Wein aus ihnen war aber auch von guten
Eltern. Reine Weintrauben waren die Kövidinka, Riesling und Silvaner.
Von den schwarzen Trauben waren am häufigsten die Kadarka, Blaufränkische,
Veltiner, Zirfandler, Medok und Merlok. An Roseetrauben gab es die große
Kardinal. Die meisten der angeführten Trauben wurden auch im Weingarten
angebaut.
2.6.6 Blumen- und Ziergarten
Die meist vorkommenden Blumen im Garten und Vorderhof: Wilde und Edle
Rose, Tulpe, Nelke, Pfingstrose, Veilchen, Stiefmütterchen, Schneeglöckchen,
Narzisse, Lilie, Schwertlilie, Primel, Hahnenfuß, Gänseblümchen,
fleißiges Lieschen, Bartnelke, Akelei, Vergissmeinnicht, Löwenmaul,
tränendes Herz, Lupine, Chrysantheme, Aster, Tagetes, Fuxschwanz,
Malve und viele Dahlienarten.
Ziersträucher: Flieder, Rosmarin, Spiere, Heckenrose, Jasmin, Liguster,
Schneeball, Oleander, Hagebutte, Geißblatt, Besenginster, Besenreis,
Goldregen, Holunder, Stechpalme, Heckenkirsche.
2.6.7 Verschiedenes Bodengewächs
An weiteren Bodengewächsen, das die Hausleute frei wachsen ließen,
weil sie als Grünfutter oder wie das Ziergras an
den Gartenwegen schön aussahen, kannte man den niederen Rasen, das
Unkraut und den wilden Klee; dann das Moos in einer schattigen Ecke mit
z. T. essbaren Nelkenpilzen, dann die Silberdistel und die Drehwurz, sodann
den roten Mohn, so lange er blühte; auch einige Tabakpflänzchen
für die Pfeife der Alten, einige qm Luzerne für die kleine Hasenzucht
der Kinder und Ein-zwei Palmweiden für die Osterzeit fehlten nicht;
und wer gerne angelte, für den waren einige Bambusrohre die geeigneten
Angelruten-Lieferanten.
2.7 PARASITEN UND SCHÄDLINGE
Zu den natürliche Arten gehörten Tiere und Vögel ums Haus.
An Hausungeziefer und Gewächsschädlingen gab es mehr als genug.
Zu den ersteren zählten die streunende und wilde Katze, Fux, Marder,
Iltis, Igel, Hamster, Ratte, Bisam, Maus, Wiesel, Wühlmaus, Blindschleiche,
Hauskröte, Laubfrosch. Vögel: Spatz, Schwalbe, Wildtaube, Rabe,
Elster, Distel- und Buchfink, Stieglitz, Grün- und Baumspecht, Habicht,
Mäusebussard, Turmfalke, Turteltaube, Eule, Käuzchen, Drossel,
Nachtigall, Lerche, Wiedehopf, Star, Zeisig, Wespenfresser, Fledermaus.
Ungeziefer im häuslichen Bereich: Stuben- und Schmeißfliege,
Spinne, Wespe, Bremse, Schnake, Band- und andere Wurmarten, Floh, Laus,
Schabe, Assel, Ameise, Marienkäfer, Ohrenkriecher, Heuschrecke, Mist-
und Kartoffelkäfer, Blattlaus, Reblaus, Rebenwickler, Blatt- und
Holzpilz, Maikäfer, Holzwurm, Gallenwespe, Baumspanner; - alles in
dem lästigsten Zustand, als Eier, Kriecher und Flieger.
3 HANDELSVERMÖGEN - KLEINHANDEL
An wichtigsten Verkaufsläden für die ländliche Einwohnerschaft
gab es: Lebensmittel- und Gemischtwarengeschäft, Fleischbank, Bäckerei,
Fischgeschäft, Milchladen, Eisenwarenhandlung, Haushaltsgeschäft,
Leder- und Schuhgeschäft, Textil- und Schnittwarengeschäft.
3.1 Lebensmittel und Gemischtwaren
Es wurde Gwelb oder Spezereigeschäft genannt und war auf dem Dorf
der häufigste Verkaufsladen. Alles was an Küchenzutaten, Haushaltsbedarf,
Feinkost und Südfrüchte, ungekühlt gelagert werden konnte,
wurde da auf Regalen bis unter die Decke, am Verkaufspult mit vielen Schubladen,
in Papier- und Wergsäcken, Kisten, Fässchen und Gläsern
zum Verkauf angeboten. Von der Straßenseite hatte das Geschäft
eine normale Fensterauslage und eine zweiflügelige Doppel- d.h. Außen-
und Innentüre, die außen unverglast, innen im oberen Bereich
verglast war. Durch den - eine Klingel betätigenden - Flügel
kam die Kundschaft herein und verlangte zu dem, was sie sowieso kaufen
wollte, noch etwas verbilligtes aus der Auslage.
Das tägliche Angebot: Salz, Würfel- und Kristallzucker, Reis,
Johannisbrot ganz und gemahlen -, Hefe, Backpulver und alle Küchengewürze,
Kaffee, Kakao und Tee, Zikoreekaffee von Frank und Kathreiner, Weinessig,
Franzbranntwein, Mineral- und Sodawasser, Schokolade und Bonbons in vielen
Verpackungen und Preislagen, Zigaretten und Tabak ebenso, Pfeifen und
Zigarettenspitze, Streichhölzer, Seifenpulver, Stärke, Schnüre,
Raffia und viele Samenarten für den Garten, aber auch Petroleum,
Feuerzeugbenzin, Spiritus und Karbid, kleinere Spielwaren, wie Murmeln,
Gummibälle, Trillerpfeifen, Dominosteine und Spielkarten.
Sonderangebote: Orangen und Zitronen, getrocknete Zwetschgen, Rosinen,
Feigen, Datteln, Mandelkerne, Esskastanien, Kartoffelzucker, Bärendreck,
Salonzucker, in Staniolpapier und ohne Verpackung, Christbaumschmuck zu
Weihnachten, Schokoladehasen zu Ostern und sonst noch vieles,
das vom laufenden Angebot verbilligt war; z. B. lernte die Bevölkerung
im letzten Krieg hier auch Margarine und allerhand Konserven kennen.
Gewogen hat man die Wahre auf einer größeren Boden- und kleineren
Dezimalwaage, und eingepackt hat man in selbstgedrehten Papiertüten
aus Zeitungs- und Packpaper.
Bezahlt wurde mit Papier- und Hartgeld oder, wenn man keines hatte, mit
Naturalien aus Geerntetem oder Geschlachtetem aus der Eigenwirtschaft.
Nahm man das im Geschäft nicht an, so ließ man aufschreiben.
Die Geschäftskasse war in einer Schublade in Waagenähe untergebracht.
3.2 Fleischbank
Hier wurden solche Fleischwaren angeboten, die das Landvolk daheim nicht
lagern konnte: Frischfleisch von der Theke und aus der Eisgrube. Vom Schwein,
Hornvieh, Schaf und manchmal Pferd. Das Fleisch wurde in gewünschten
Portionen oder bis zu einer Sauhälfte, einem Viertel Rind, einem
ganzen Schaf, ebenso wie die geräucherten Würste und Salami,
vom Haken abgeschnitten, welcher an einer getäfelten Wand angeschraubt
war. Angefangene Stücke und alle Innereien, Frischwurst, Füße,
Grieben und Knochen lagen in großen Schüsseln in der eisgekühlten
Verkaufstheke, wo man alles durch die dicke Glasscheibe betrachten konnte.
Zum Zerkleinern lag auf der Theke eine 10 cm dicke und einen halben Meter
große Hartholzplatte mit einem Fleischmesser, und neben der Theke
stand ein ca. 80 cm hoher Holzklotz mit einem Spaltbeil für die grobe
Arbeit. Abgewogen wurde auf einer Dezimalwaage, und eingewickelt hat man
in weißem Fettpapier. Die Fleischgeschäfte hatten meistens
einen steinernen Plattenboden, geflieste Wände und wischfest gestrichene
Decken, Türen und Fenster. Neben dem Verkaufsraum gab es einen sog.
Nebenraum mit einem Schrank für das Werkzeug und einer großen
Kühltruhe, welche mit Eisstücken aus der Eisgrube immer frisch
aufgefüllt wurde.
Fleischangebote vom Schwein: Kotelett, Kamm, Knorpelstück, Rippchen,
Nussschinken, Schulterblatt, Eisbein, Haxen, Schinken, Schinkenspeck,
Bauchspeck, Rückenspeck, Genickfleisch, Filet. Fleischangebot vom
Rind: Rindskotelett, Rinderbrust, Rostbeef, Kamm, Brustbein, Hochrippe,
Eisbein. Fleischangebot vom Kalb: Kalbsbrust, Kalbskotelett, Kalbsfilet,
Kalbshaxe, Nussstück, Milchdärme.
An Wurstarten gab es beim Fleischer: Brat- und Blutwurst, Schwartenmagen
und blase, Leberwurst, Sommer- und Wintersalami, Debreziner Bratwürste,
Wiener Würstchen, Pariser, frische und geräucherte Fleischwurst,
grobe Schinkenwurst und Stifolder-Salami (gefüllter Enddarm), sowie
eine Reihe Spezialwürste nach eigenem Hausrezept: Rauchleberwurst,
Zwiebel- und Kümmelwurst, Reiswurst usw. Gereinigte, eingesalzene
Därme, Magen und Blasen gab es meistens auch im Angebot.
Die Eisgrube hatte ein Grundmaß von ca. 3 x 6 m, war einen Meter
tief in den Boden gegraben und hatte ein spitzes, dickes Rohrdach in Sattelform.
An einem Ende war im gemauerten Giebel ein kleines Luftloch, am anderen
Ende eine Brettertüre, von der einige Stufen in den Grubenraum führten.
Im gestampften Fußboden waren rechts und links Wasserrinnen gegraben,
und dazwischen stand man auf einer Strohschicht trocken. Die Eisregale
hatten zwei Fächer aus Holzscheiten, welche an geschälten, aufrechten
Akaziepfosten festgemacht waren und bis unter das Dach reichten. Auf diesen
Holzflächen lag ringsum das Stangen- und Brucheis, so wie es im Winter
auf dem See oder einem Eisloch die Eisschläger schlugen oder schnitten.
3.3 Bäckerei
Auch wenn sie nichts anderes im Angebot gehabt hätte, als das Batschkaer
halbweiße (ungarisch félbarna/halbbraune) Bauernbrot, so
müsste man sie doch extra erwähnen. Die runden Laibe mit zwei
kg und der feinen Mischung aus Mehl und Kleienstärke können
die heimatvertriebenen Schwaben selten in der neuen Heimat essen. Als
Kinder hatten sie es alle Tage, und am liebsten holten sie es frisch aus
der Bäckerei, weil es dort regelmäßig im Lohn gebacken
wurde. Die Kinder, die es unterwegs probierten, konnten nicht entscheiden,
was besser schmeckte, die Kruste, der Anschnitt oder das Innere. Weil
es vielen Menschen alle Händlern und Handwerkern und Bauern
so gut schmeckte, stand der Verkaufsladen voll Brotkörben,
die alle mit einem oder zwei Brotlaiben auf dem Regal warteten, dass man
sie gegen Backlohn abholte. Doch es gab da noch viele andere Backwahren:
Roggen- und Weißbrot als Kilo- und Halbkilolaib, Brötchen,
Brezeln, Hörnchen, Fladenkuchen leer und mit Zwetschgen oder
Quarkauflage Trockenobst-Brot, Krapfen, Zwieback, Tortenböden
und manche Arten von Hefestrudel und solche aus Blätterteig. Und
wenn es im Dorf keinen Zuckerbäcker gab, dann konnte man noch viel
mehr Kuchensorten in der Brotbäckerei kaufen. Die Schalenwaage auf
der Verkaufstheke war hauptsächlich zum Wiegen des mitgebrachten
Brotmehls. Auf einem Zettel schrieb man dem Kunden auf, wann er wie viel
Brot für das mitgebrachte Mehl abholen konnte. Zu einer Bäckerei
gehörte eine Backstube, mit einer Arbeitsstube daneben. Die unbeheizte
Mehlkammer und der trockene Holzschuppen waren in friedlichen
Zeiten immer vol mit frischem und trockenem Mehl, Scheidholz und
Reisig.
3.4 Fischgeschäft
In jedem gläubigen Dorf an Donau oder Theiß gab es mindestens
einen Verkaufsladen für Fische, welcher freitags offen hatte. An
anderen Tagen hätte er nichts verkauft. Am fleischlosen Tag kam in
vielen Häusern Fisch auf den Tisch. Die Hausfrauen holten frisch
am selben Morgen aus dem Angebot, das neben den häufigsten und billigen
Fischsorten Karpfen, Wels, Hecht, Rot- und Weißauge, Karausche
auch seltene teuere hatte: Stör, Aal. Seezunge und Sardine
gab es nur getrocknet, Muscheln nur in Konservedosen. Die räumlichen
Verhältnisse und die Einrichtung waren eng und einfach: In einem
schuppenartigen Stand aus Bretter- oder Lehmwänden und einem Schrägdach
gab es Holzgestelle mit offenen Kisten, in welchen im Sommer mit
Eisstücken das Fischangebot ausgestellt war. Meistens wusste
der Verkäufer schon im voraus, welchen Fisch man am meisten kaufte
oder vorbestellt hatte. Im größten Donaudorf, Apatin, war der
Fischladen ein Teil der Fischzentrale, wo alle Donaufischer der Gegend
ihren Fang ablieferten; was man freitags nicht verkaufte, wurde verladen
in die Städte gebracht. Dort wo der Fischhandel nicht organisiert
war, haben die Fischer freitags ihre Fischkalter an einer Anlegestelle
festgemacht und daraus die bekannte Kundschaft bedient.
3.5 Milchgeschäft
Das war die Sammelstelle für die überschüssige Kuhmilch
der Dorfbauern. Was nicht frisch von den Kleinhäuslern, Handwerkern
und Geschäftsleuten vom Hof weg abgeholt wurde, hat man weiter in
Genossenschafts-Molkereien oder Milchhallen geliefert. Sie waren
die Sammelstellen für die städtischen Milchhallen, wo die Milch
zu Endprodukten verarbeitet wurde. Von dort kam die Dorfmilch als Rahm,
Butter und Käse usw. zurück, so dass man im Milchhäuschen,
neben der Frischmilch, alle anderen Milchprodukte kaufen konnte. An Angeboten
gab es da: Frischmilch, Rahm, Quark, Schafkäse, Edamer, Schimmel-
oder Marmorkäse, Trappisten und Weichkäse. Im Krieg gab es hier
je Familie ein Stück Margarine auf Kartenbons/Marken. Von der Einrichtung
her war es in dem einzigen Raum einfach aber sauber. Mitten darin stand
die Verkaufstheke mit der Waage und der Geldschublade, und drumherum standen
paar Aluminiumkannen auf dem Fußboden und Regal an der wischfest
(m. Ölfarbe) gestrichenen Wand.
3.6 Eisenwarengeschäft
Sowohl das Dorfhandwerk wie die Bauern und alle übrigen Ortsbewohner
holten hier Eisenwaren und Werkzeuge. Lediglich größere Zangen,
Hämmer und halbfertige Waren ließ man beim Dorfschmied machen.
Der Eisenladen war eingerichtet wie das Gemischtwarengeschäft, weil
er alle Wände voll offener Regale und Schubladenschränken hatte.
In ihnen gab es Eisenstifte und schrauben, Niete und Unterlegscheiben
in allen Größen, Baubeschläge, Schlösser und Schlüssel
für Tür und Tor, Kleinwerkzeug wie Bohreinsätze und Körner,
Stemm- und Locheisen, Hobelmesser, Raspel und Stichel, Scheren und Messbänder,
usw. Darüber hinaus gab es viele Arten von Eisenstangen, -drähten,
-bändern und Rohren; das Dickere gestreckt, das Dünnere in Bündeln
auf dem Boden liegend. Das große Werkzeug, wie Spitzhacke, Spaten
und Schaufel, Rebenbohrer und Schraubzwinge, Axt, Beil, Säge, Rechen,
Sense und Mistgabel lehnten in einer Ecke. Und sonst alles, was im Laden
kein Platz hatte, wie Schubkarren, Leiter, Profileisen, Sau- und Hühnertröge,
komplette Handmaschinen und Fahrräder, war in einem Nebenraum durch-
und übereinander untergestellt.
3.7 Haushaltswarengeschäft
Das war die einzige Konkurrenz des Gemischtwarenladens, weil es, außer
Lebensmittel, das gleiche Warenangebot hatte. Darüber hinaus noch
viel mehr, nämlich Reinigungs- und Streichwaren, versch. Ölfarben,
Kalk, Weißelkreide, Haus- und Stubenbesen, Waschschüssel, Eimer,
Kochgeschirr, Essbesteck, Küchen- und Schlachtmesser, aber auch Schreib-,
Schul- und Spielwaren, Malartikel und Reisnägel, Sport- und Angelwaren,
Kölnischwasser, Körperpflegemittel und Schmuck, Kämme und
Haarwickel, - eben alles was Arm und Reich täglich und zu Schenkungsanlässen
nötig hatte. Eingerichtet war so ein Laden, dem Angebot angemessen,
wie ein Gemischt- und Eisenwarengeschäft zusammen. Die Ware wurde
nach Stück oder Gewicht verkauft, zum ersteren waren die Preise an
Fach oder Schublade vermerkt, zum anderen wog man sie in Papiertüten
ab. Und, wie überall, konnte man aufschreiben lassen.
3.8 Schuh- und Lederwarengeschäft
Der Name sagt es, da gab es alles zu kaufen, was Schuster und Lederer
in Handarbeit oder Fabrik maschinell herstellten. Alle möglichen
praktischen Lederschuhe, Stiefel aus Leder und Gummi, Pantoffel, Sommerschuhe,
Holz- und Tuchschuhe in allen Größen. Dann Ledergürtel,
Hosenträger, Schuhlöffel, Schuh- und Lederkrem/Schuhwichs, Handtaschen,
Brieftaschen, Geld- und Tabaksbeutel. Aber auch ledernes Pferdegeschirr
außer dem Sattelzeug. Alles stand auf Regalen sauber nebeneinander
oder hing auf Verkaufsbügel. Zu einem guten Schuhladen gehörte
auch eine schöne Auslage, in welcher von allem etwas ausgestellt
war. An warmen, trockenen Tagen wurden dazu noch viele Dinge vor dem Laden
im Freien ausgestellt.
3.9 Textil- und Schnittwarengeschäft
Schneider und Hausnäherinnen deckten sich mit dem nötigen Stoff-
und Nähbedarf in diesem Laden ein. Die Meterware war auf dem Rollengestell
aufgewickelt oder es war auf einem breiten Regal aufgeschichtet, Bettwäsche
und Leibwäsche war fabrikmäßig verpackt in Seidenpapier
oder Maßschachteln. Kleidung hing, wenn es sich um Feiertagssachen
handelte, an Bügeln auf Reitstangen, Arbeitssachen waren in Fächern
aufgeschichtet. Strickwaren, Heckelstücke, Kunst- und Naturseidenes,
Gobelinvorlagen, Wachstücher lagen in Schubladen. Teppiche, Lumpenläufer,
grobes Leinen, Pferdedecken, Zelttuch waren auf dem Fußboden gestapelt.
Nähzwirn und Seide, Strick-, Stopf- und Häkelwolle gab es auf
Spulen oder Knäuel. Knöpfe im Schubladenschränkchen mit
Musterknöpfen davor. Die Meterware wurde mit einer meterlangen Messlatte
oder mit einem Maßband gemessen und mit einer großen Schneiderschere
abgeschnitten. Für Schmuckbänder und Seidenschnüre gab
es auf dem Ladentisch ein eingeritztes Metermaß, an dem man beliebige
Längen abmessen konnte. Passte ein Kleidungsstück nicht, so
hat man es einer guten Kundschaft umsonst abgeändert.
4 VERSORGUNGSBETRIEBE
Dazu gehörten: Dampfmühle, Wasser- und Windmühle, Ziegelei,
Bierbrauerei, Küferei, Milchhalle, Schnapsbrennerei, Kalkbrennerei,
Kunststeinwerk, Seifensiederei, Futtermittelfabrik, Zucker-, Spiritus-
und Essigfabrik, Glas- und Porzellanfabrik, Sägewerk, Möbelfabrik,
Weberei, Strickerei, Färberei, Leder- und Schuhfabrik, Korbflechterei.
4.1 Dampfmühle
Sie stand bis zuletzt in jedem Batschkaer Dorf. Den Namen behielt sie,
auch wenn sie zum Teil schon mit Gas- oder Dieselmotoren betrieben wurde;
sie wurde deshalb noch weiterhin so genannt, weil bei der Umstellung vom
Dampf- auf anderen Antrieb die Kraftübertragung gleich blieb: Das
große Schwungrad, die Kurbelwelle und Zahnräder, die Transmissionsräder
bis hin zu den Mahlwalzen. Ähnlich den Dampfmaschinen liefen
zumindest bis in die Dreißigerjahre - auch die Deutz-Motoren aus
Deutschland, langsam, d.h. unter 500 U/min. Einige Mühlen wurden,
kurz vor dem Krieg, von schnelldrehenden Diesel- und Elektromotoren angetrieben
und hatten nicht mehr viel Ähnlichkeit mit den Dampf- und Deutzmühlen.
Demnach war ihre Arbeitsleistung auch größer. Man unterschied
Lohnmahlen und Anteilsmahlen, bei dem Weizen ebenso, wie bei Roggen, Gerste,
Mais und Raps. Der Bauer fuhr soviel seines Jahresertrages in die Mühle,
wie er daheim in Form von Mehl, Schrot, Kleie lagern konnte. Die Säcke
hatten sein Zeichen, so konnte sie der Müller nicht verwechseln.
Die Wiegeplatte war unter einem Vordach im Trockenen, und, bei größeren
Mühlen, wog man die Fuhrwerke vor und nach dem Abladen der
Unterschied war das Fruchtgewicht. Nach dem Wiegen fuhr der Müllersknecht
die Fruchtsäcke mit seinem Sackkarren in die Rostkammer, wo im Fußboden
ein Schüttloch über einem Schieber-Öffner oder Schleusentrichter
vorhanden war. Unter dieser bretternen Trichtergosse machte man den Schieber
so weit auf oder ließ die Schleuse so schnell drehen
wie sich die erste große Scheelwalze drehte. Mais hatte normalerweise
nur zwei Mahlgänge. Sonst wurden alle Getreidesorten viermal gemahlen
und wurden zwischendurch mit dem Kleiesieb, Grießsieb, grobem und
feinem Mehlsieb mit Hilfe der Rüttelschuhe gesiebt. 10 Sack Getreide
ergab 11 Säcke Mahlgut oder 10 Säcke Mehl und einen Kleie. Beim
Anteilsmahlen behielt der Müller vom Mahlgut 5% oder einen Sack von
zwanzig.
4.2 Wassermühle
Sie hieß in der Batschka Donau- und Theißmühle. Sie waren
in der Wasserrinne mit ihrem unterschlächtigen Wasserrad und einem
Holzschiff, über eine Kette, an einem großen Ankerstein oder,
zuletzt, mit einem Stahlanker im Flussgrund befestigt. Bis zuletzt waren
sie mit Mahlsteinen ausgestattet, die das grobe Vormahlen erledigten,
Stahlwalzen das Fertigmahlen, welches Schälen und Feinmahlen hieß.
Der Lohn oder Anteil war derselbe wie bei den Landmühlen.
4.3 Windmühle
Man sieht sie heute (i.J.2003) noch als Museum in der
Oberbatschka. Größere davon werden von Pächtern als Wirtshäuser
benutzt und gezeigt, kleinere kann man in Skansendörfern oder auf
dem freien Feld und beim ehemaligen Bauer-Besitzer auf dem Einödhof
in Augenschein nehmen. Die größten Windmühlen sind - als
sogen. Holländer- und Bockmühlen ca. 10 m, die kleinsten
als Bockmühlen ca. 2,5 m hoch. In den ersteren gab
es alle Mahlarten, in den kleineren nur einen Mahl- und einen Bodenstein.
An Teilen hatten sie ähnliche, wie die Wassermühlen: Mahl- und
feste Bodensteine mit einem Mahlgang dazwischen. Kammräder und Drilling,
Flügel- und Radwelle, Gossentrichter mit Rüttelschuhen und Rundsichter
mit Sieben für Grobes und Feines. Das wesentliche an der Bockmühle
war das symmetrische, pyramideähnliche Bockgerüst, das in der
Mitte einen aufrechten Königsbaum hatte, um den sich die gesamte
Mühle durch die Windströmung oder durch menschliches Zutun in
die günstigste Richtung drehte.
4.4 Ziegelei
In den Dreißigerjahren gab es noch ungefähr hundert davon in
der Batschka. Der dortige Lehm ergab gelbe und rote Backsteine
oft in der selben Backmischung, was zweite Wahl ergab. Aus der Lehmgrube
wurde der rohe Lehm auf geschobenen Schienenkarren oder einer schmalspurigen
Feldbahn zum Maukhaus gebracht. Dort siebten verschiedene Siebe die Steine
und den Schmutz aus dem Lehm. Bei größeren Ziegeleien war die
Fuhre zum Rohmodellieren schon automatisch mit einem Fahrband ausgestattet.
In kleineren hat man das mit einem Handwagen gemacht. Dort wurden die
Rohziegel in Mehrfachmodel von einer Stampfmaschine geformt, hier von
Hand in Einfachmodel gepatscht und mit einer Streichleiste glattgezogen.
Und das Fahrband brachte die nassen Lehmziegel in Trockenschuppen. Dieser
Schuppen war von allen Seiten offen, so dass die Ziegel schon nach einigen
Tagen zum Einfahren in den Brennofen fest genug waren. Im Rund- oder Hallenofen
wurden sie dann in einem Abstand von 2 cm zueinander auf Eisengerüst
geschichtet, bis der Ofen vom Ofenboden bis zur Decke voll war, was viele
tausend Ziegel zählen konnte. Um die Ziegel herum war nur soviel
Platz, dass die heiße Ofenluft durchziehen konnte. An Ziegelarten
kannte man die einfachen Mauerziegel, Füllsteine, doppelgebrannte
Kaminsteine, Bieberschwänze, Dachziegel und auch schon Dachplatten.
4.5 Bierbrauerei
Zu unserer Zeit war die Apatiner Bierbrauerei die größte der
Batschka und eine der größten im Südosten. Mehrere Malztürme
lösten sich bei der Arbeit und Reinigung gegenseitig ab. In ihnen
rann die vorgekeimte Gerste von oben durch den Einlauf in einen Wäscher
und von dort in den Einweicher. Hier saugte ein Ventilator die schlechte
Gärluft ständig ab. Nach dem Einweichen hieß dann die
Gerste Malz und wurde in Trommel- oder Kugelröstern zu Röstmalz.
Von den Malzlagertürmen schafften Schneckenrohre und Drosselschleusen
das geröstete Malz in Lagerbehälter. Von dort bekamen kleinere
Brauereien Malz in Säcken geliefert, aber normalerweise transportierte
es, bei Bedarf, ein Saugrohr in das Sudhaus. Hier standen die Kupferkessel,
welche oben ein Abzugsrohr hatten und seitlich eine Zapfrinne für
den Gärsaft aus Malz, Hopfen und Brauwasser. Nach verschiedenem Mischen
und Ablagern war das Bier fertig und konnte in verschieden große
Holz- und Aluminiumfässer sowie in Flaschen zu halben Liter mit Schnappverschluss
abgefüllt werden.
4.6 Milchhalle
Das war der Vorgänger der heutigen Milchgenossenschaft. Sie gab es
nur in größeren Ortschaften, weil sie nicht nur die überschüssige
Milch sammelte und weiter aan die Läden der Stadt verkaufte, sondern
die Überschüsse wurden hier auch weiterverarbeitet. Dazu schüttete
man die vom Bauer in 20-30 L großen Kannen gebrachte Milch in zehnmal
so große Lagerbehälter. Zuerst trennten handgetriebene Wirbel-Zentrifugen
den Rahm von der Milch, später übernahmen diese Arbeit die sog.
elektrischen Separatoren. Eine Schleuder erzeugte im Rahmbehälter
Butter. Aus der Magermilch wurde, nach dem Stehen, Aufwärmen und
Seihen Quark. Dieser wurde in Großpackungen von 10 kg dem Einzelhandel
verkauft. Die Buttermilch holten die Bauern für die Schweine umsonst
ab, oder sie wurde einfach weggeschüttet.
4.7 Schnapsbrennerei
Das Brenngut aus Trebern, Maulbeeren, Zwetschgen und anderem Fallobst
brachte man in Treberfässern in die Brennerei. Eine größere
Brennerei hatte mehrere Öfen, aber gebrannt wurde nur in einem. So
gab es keine Verwechslungen zwischen der gebrachten und abgeholten Ware.
Schlaue Bauern ließen lieber einen mobilen Brennkessel auf Rädern
zu sich kommen, damit waren sie sicher, dass sie das eigene Gemisch aus
Obst und Zucker für sich brannten. Gleich ob gemauert oder auf Rädern,
der Brennkessel hat auf die gleiche Art die erhitzten Obstdämpfe
durch eine dünne, wassergekühlte Rohrspirale geführt und
zu schwachem Haselschnaps oder, beim zweiten Brennen, zu starkem Feinschnaps
abgekühlt. Durch Zugabe von Wasser bekam der Schnaps die erwünschte
Trinkstärke, ca. 50-55%. Weil das Brennen eine teuere Angelegenheit
war, wegen der Steuer und dem Brennlohn, so richteten sich viele Bauern
daheim eine versteckte Hausbrennerei ein. Wollten sie ganz sicher gehen,
so brannten sie ein keines Treberfass amtlich und drei große heimlich.
Abgefüllt und gelagert wurde der Schnaps, unterschiedslos seiner
Qualität, in den gleichen Schnapsfässchen und Korbflaschen zwischen
5 und 20 Liter. Ungefähr 100 L Treber ergaben 8 L 55% Schnaps.
4.8 Küferei Mosterei
Meistens machten die Bauern daheim ihren eigenen Hauswein. In Dörfern
wie Hajos, Csátalja und Dávod u.a. gab es aber viele überschüssige
Trauben. Dort übernahmen größere Küfereien das Vermosten,
Lagern und Verkaufen des Weines. Ihre Kapazitäten reichten bis zu
einigen hundert Hektoliter, bzw. für eben den gesamten Traubenüberschuss
des Jahrgangs. Art und Größe der Mostpresse: Es war eine Mischung
zwischen Balken- und Spindelpresse mit elektrischem Antrieb und einer
Füllmenge von ca. 500 kg gemahlener Trauben. Der Most kam zum Gären
in Holzfässer zwischen 500 2000 L. In letzter Zeit brachten
Kelterautomaten auch schon den Most in weit größere Beton-
oder Aluminiumbehälter, welche in Erdkellern fix eingebaut waren
und von denen man über dem Erdhügel nur die Einstiegsluken sah,
welche dem manuellen Reinigen dienten.
4.9 Kalkbrennerei
Davon gab es einige direkt an der Donau. Sie standen deshalb am Wasser,
weil der Kalkstein per Lastkahn hergeschafft wurde. Die Öfen waren
ca. 10 Tonnen groß, flach gemauert oder als Spitzhutförmige
Batzöfen gebaut. In jedem Falle musste man sie vor einem neuen Brand
frisch um den Steinhaufen aufbauen und nach dem Brennen abreißen.
In dem Brennraum wurde das Hartholz schichtweise mit dem Brennstein aufgestapelt.
Was beim 2-tägigen Brennen entstand, war Löschkalk, welcher
als Steinkalk von den Maurern in Löschgruben, unter genügender
Wasserzugabe, zu Malterkalk und, mit entsprechend Sand, als Baumalter
verarbeitet wurde.
4.10 Kunststeinwerk
Das waren die ersten Kalk- und Zementstein-Fabriken. Aus diesem Material
stellten sie schon alles Mögliche an Ziegel, Platten, Rohren und
Pfosten her. Der Rohstoff kam aus einem Zementwerk am Frankengebirge (Fruska
gora) oder aus der Schwäbischen Türkei, wo es zugleich auch
das ganze übrige Baugut und Füllgut dazu gab: Sand, Klinkerstein
und Tuffstein. Hergestellt haben die mittelständischen Fabriken alle
Arten von Zementplatten und rohre, Kalksteinplatten, Betonpfosten
und Zaunplatten und was sonst an Sonderwünschen bestellt
wurde. Modellierarbeit gab es auch schon, auf Fließbändern
oder manuell.
4.11 Seifensiederei und Mastfutterfabrik
Kranke und tote Stalltiere wurden vom Schinder abgeholt. Die toten begrub
er außerhalb des Dorfes, die Kranken verwertete er,
indem er sie schlachtete und billig einer Seifensiederei überließ.
Das Schmalz und fette Fleisch kochte man dort in geschlossenen Kesseln
und vermischte es mit Salpetererde und Asche zu Seifensud. Die Häute
z.B. der Rinder - gingen in Kürschnereien, das magere Fleisch
und die Knochen wurden getrocknet und an Futterfabriken abgegeben, wo
sie gemahlen und mit mineralischen und medizinischen Zutaten zu Mastfutter
wurden. Siedekessel und öfen, Mahl- und Mischmaschinen, Trockenöfen
und Abfülleinrichtungen waren in beiderlei Fabriken (in deren Nähe,
wegen des ständigen Gestanks, niemand gerne wohnte) die wichtigsten
Einrichtungen zur Verarbeitung von Tierabfällen. Wichtiger Zusatz:
Eine Anzeigepflicht für tote Tiere bestand nur bei Seuchenverdacht,
so kam auch kein Tierarzt zur Fleischbeschau oder Untersuchung der Todesursache
bei einzelnen Todesfällen. Bei freiwilliger Anzeige wurde lediglich
der unbedingte Abtransport der Tierkadaver veranlasst, bzw. beaufsichtigt.
4.12 Zucker-, Spirituosen- und Essigfabrik
Zu einem hohen Prozentsatz kam der Zucker vor dem Zweiten Weltkrieg für
Jugoslawien und Ungarn aus der Batschka, dem Banat und Syrmien. Zuckerrüben,
wie sie größer und dicker selten wo wachsen, wurden von den
schwäbischen Bauern, über Zwischenhändler, in die Fabriken
gefahren. Bei vielen Waggon Kapazität wurden dort die Rüben
über Waschanlagen, Hexel- und Mahleinrichtungen und Kochöfen
zu Schnitzel und schließlich zu braunem Sirup; danach in Bleichöfen
zu weißem Zucker. Mahl- und Modelwalzen und Pressen machten aus
dem Roh- den Feinkristall-Zucker, den Puder-, Würfel- und Hutzucker.
Als Nebenprodukt wurde aus den gerösteten Zuckerrübenschnitz,
nach Vergärung, hochprozentiger Alkohol gebrannt, und aus diesem
Spiritus ausgesondert. Vergorener Rübensaft ergab auch guten Essig.
Das Letztere war aber nur eine von vielen Arten, in der Batschka
Essig herzustellen. So viele Geschmäcke, wie die Batschkaer Köchinnen
hatten, so viele Obst- und Weinessigarten verstanden sie auch selbst herzustellen.
4.13 Glas- und Steinzeugfabrik
Mehrere davon gab es in Südosteuropa. In der ersteren brauchte man
gereinigten Donausand, Soda und chemische Zutaten, um Schmelzglas herzustellen,
in der zweiten Fabrik wurde gelber Lehm mit Knetwasser zu Töpferwerkstoff,
wovon an solche Handwerker billig abgegeben wurde, die in ihrer Nähe
keine guten Lehmgruben hatten. An fabrikmäßigem Steinzeug gab
es: Alle Größen von Blumenwasen, Milchtöpfe, Kannen und
Krüge, aber auch Spielwaren und Essgeschirr mit schöner Lasur.
Glasfabriken für flaches Fensterglas waren größer, als
jene für Hohlglas. Demnach gehörten auch größere
Räumlichkeiten zu ihnen, mit mehreren Schmelzöfen und Walz-
oder Modeleinrichtungen. Für besondere Fertigungen gab es kleine
Öfen mit Glasbläsereien, die einen Handarbeitstisch mit verschiedenen
Glaspfeifen und Handarbeitsgeräte griffbereit hatten. Meistens war
auch der Verkaufsladen nicht weit, wo die schönsten Meisterstücke
zur Werbung und zum Verkauf ausgestellt wurden. In letzter Zeit, vor der
Vertreibung, wurde in heimischen Fabriken auch schon gespritzte und gezogene
Glaswolle hergestellt. Dazu waren Loch- und Nippelleisten notwendig, durch
welche die Glasfäden gedrückt und auf einer Kühlrolle zu
Glasmatten aufgewickelt wurde. Die modernen Fleischerläden und Wirtshäuser
hatten ihre Eisschränke zum Teil schon mit Glaswolle isoliert.
4.14 Sägewerk
Die billigste Transportart für Rohholz war das Flusswasser, weswegen
die meisten Sägewerke in seiner Nähe standen. Die alten Ausstellwerke
zum Besichtigen haben noch ein unterschlächtiges Wasserrad als Antrieb
für die einfache Gattersäge. Die moderneren Gatter hatten auch
schon über fünf Sägeblätter, und konnten Stämme
bis zu einem halben Meter zu Plattenholz zersägen. Man kann heute
noch manche der Deutzmotore bei ihrem über 80-jährigen Antreiben
von Gatter- oder Bandsägen beobachten. So ein alter Einzylinder-Diesel
mit Schwungrad und Glühdocht arbeitet immer noch billiger, als die
modernsten Elektromotoren, und wird meistens für Bandsägenantriebe
eingesetzt, auf denen maßgenaues Bauholz, Bretter, Latten und Leisten
gesägt werden. Die Einzelteile des Gatterwerkes hießen: Spannwagen
auf Rollen, Spannzange, Rollenschiene, Zahnwalze zum Schieben des Baumstammes,
Gatterrahmen, der die Maschine zusammenhielt, und der Bretterwagen mit
Beistellkarren, zum Fahren der Fertigware auf den Stapelplatz.
4.15 Möbelfabrik
Einige größere davon stellten alle Arten von Vollholz- und
Furniermöbel her. Sie hatten Maschinen für halbautomatische
Holzzufuhr vom Stapel, dann Richt-, Hobel- und Ablängemaschinen,
Nutenfräser und Leimer, Press- und Dübelvorrichtungen. Meistens
wurden die kombinierten Maschinen speziell für gewisse Arbeiten von
Tischlern entworfen und bei einheimischen Herstellern angefertigt. Nur
die Färber-, Schellack- und Lackierarbeiten hat man von Hand und
mit Druckluft erledigt. All das hatte mindestens 10 Arbeits- und mindestens
noch mal so viele Verwaltungs- und Lagerräume nötig. Die Kundschaft
durfte beim Bestellen das Fertiglager besichtigen, hatte aber auch die
Möglichkeit nach eigenem Entwurf Möbel zu bestellen. Zugeführt
wurde die Fertigware mit fabrikeigenen Kastenwagen, gezogen von einem
starken Steirischen Pferdegespann.
4.16 Weberei
Die Webstühle hatten in der Batschka noch den klassischen Zustand,
auch wenn sie breiter waren und von mehreren Menschen bedient wurden.
Kett-, Brust- und Webbaum, Webschütz, Schiffchen und Schifflitze,
Streichbaum, Weblade, Ladenholz, Tritthebel, Spanner, Bremsscheibe, Riedkamm,
Fadenwächter... so hießen die wichtigsten Teile der Webstühle.
Und auf ihnen wurden alle feinen und groben Batschkaer Leintücher,
bunte Lumpenteppiche, raizische Kelims, Bauern- und Pferdedecken gewebt.
Von vollautomatischen Webereien ist nichts bekannt. Die Anzugstoffe, Flanell
und Klod, Barchet, Samt und Möbelstoffe hat man in den Textilgeschäften
der Städte, aus dem Inn- und Ausland bei direkter Auswahl
oder über Vertreter - gekauft.
4.17 Spinn- und Strickerei
Die Wolle der Batschkaer Bauern und Schafzüchter, sowie die Baumwolle
aus dem Ausland, welche zu Großhandelsware verarbeitet wurde, stellten
große halbautomatische Maschinen in städtischen Betrieben her.
Es gab Spindelmaschinen, welche 5 bis 20 m lang waren und einige hundert
Kopse nebeneinander aufspulten. Rohe Wolle und Baumwolle wurde in Ballen
gestapelt und wurde danach in Kämmmaschinen mit Schlägern auf
Großkopse gewickelt. Die Großkopse wurden manuell auf die
Spinnmaschinen umgesteckt. Die dicken Fäden hat das Streckwerk mit
Streckzylinder über Spinnringe mit hochrotierenden Läufern auf
die Kopse gewickelt. Auf diese Art entstanden alle Arten von Stoff- und
Zwirnfäden.
Strickmaschinen gab es mit Rund- und Flachstühlen ähnlich
denen bei heutigen Strickmaschinen. Alle Woll- und Baumwollsachen, welche
zum Anziehen nahtlos-rund sein mussten, wie z.B. Socken, Ärmel, Blusen
und Pullover, wurden auf der Rundmaschine hergestellt. Das Wesentliche
an ihr war der Nadelzylinder, der Fadenspanner von der Kopsspule, die
Zungennadel und das Schloss, danach der Maschenschlauch in den Schlauchhalter
gezogen wurde. Bei Flachstühlen war das wichtigste die Laufschiene,
der Laufschlitten, der Mascheneinsteller, das Nadelbrett, die Nadelreihe
und Spannleiste, über welche das Gestrickte mit einem Spanngewicht
nach unten gezogen wurde. Die Stricknadeln hatten eine Zunge am Nadelschloss,
wo sie mit einem Fadenhalter die Maschen strickten. Die Größe
dieser Maschinen war: bei der Rundmaschine bis ca. 20 Spulen, bei der
flachen zwischen 3 und 6 Spulen; in cm gemessen, ca. 200 hoch und breit.
Maschen- und Kettelarten: Man unterschied, bei Quadratmuster von Kettel-
und Schussfäden, die Webervorlage, Patronen und verschieden farbige
Kettelfäden. Mit Sackstich wurden die Tritte auf einem Wollmuster
vermerkt.
4.18 Färberei
Gewebtes und Gestricktes für Einzel- und Großhandel, Leinen-
und Wollsachen in heimischer, etwas gröberer Herstellung, bedurfte
einer fachmännischen Färbung. Bis in unser Jahrhundert beschäftigten
sich die meisten Färbereien mit Weid und Indigofarben, in Blaufärbereien,
mit Blau- und Rotdruck. Mit dem Aufkommen der billigeren reichsdeutschen
Anilinfarben, in den Zwanzigerjahren des 20. J.H., veränderten sich
die Farben der Alltagsdinge. Aber bis zuletzt (b.z. Vertreibung) hat das
Blaugefärbte überwogen. An Einrichtungen hatte jede Färberei:
Färberkessel, Spül- und Waschkessel aus Kupfer und Beton, Mustermodel
und walzen für Öl- und Beizdruck nach dem Auswaschverfahren.
Stricksachen, Stoff für Kleidung, Schürzen, Kopftücher,
Tischdecken, Bettwäsche und Vorhänge wurden in halbmanueller
Maschinenarbeit gefärbt. Sonnige Trocken- und Bleichgerüste,
Aprettier- und Dampfeinrichtungen sicherten aller Färberware das
schöne Aussehen und viel Kundschaft auf Märkten und in Textilgeschäften.
4.19 Leder- und Schuhfabrik
Alle Tierhäute vom Tierzüchter wurden in Großkürschnereien
zu Leder Verarbeitet. Die Gerbereinrichtungen: Scheerwalze, Scheelbank,
Einweichbehälter, Kneteinrichtung, Presswalzen, Trockenrechen, Farbenbehälter
und Trockenlager in etwa dieser Reihenfolge wurde die Arbeit auf
mehrere Werkstatträume verteilt.
Die Schuhfabrik soll hier an Stelle vieler anderen Lederverarbeiter stehen.
Das Schweins- und Rindsleder als meiste Lederarten bekamen
auf dem Zuschneidetisch die nötigen Formen. Auf der Ausputzmaschine
wurde mit einem Bimskreisel fein zugerichtet. Eine Oberleder-Nähmaschine
stellte über einer Schuhleiste aus Holz die Oberteile her, die Sohlenpresse
machte die Unterteile. Das Ganze bekam auf der Fertig-Nähmaschine
das letzte Aussehen und wurde auf einem Ausweitmodel auf die gleiche Schuhgröße
gedehnt.
Das Färben, Lackieren, Verpacken in Werkkartons, Verschicken oder
Ausstellen in einem Musterladen kann man sich mit modischer Fantasie ganz
leicht, nach eigenem Sinn, ausmalen. Mit etwa den gleichen oder ähnlichen
Maschinen wurden alle Lederwaren für den Großhandel hergestellt.
4.20 Korbfabrik
Alles was man mit angelernten Kräften aus Spaltruten, Spanischem
Rohr, Sisal, Raffi und Bastschnüren flechten konnte, wurde in den
Batschkaer Manufakturen in Handarbeit hergestellt. Die Korbflechterei
(raizisch korpara) war eigentlich eine vielfache Einzelwerkstatt. Da wurden
alle, auf einem Vertragsfeld geschnittenen Weidenruten, oder das übrige
gekaufte Rohmaterial, in großen Einweichkesseln für die Scheelmaschine
vorgerichtet. Zwei-, drei- und mehrfaches Spalten ergab daraus dünne
und doch starke, geschmeidige Rutenbänder, welche in hoher Luftfeuchtigkeit
verarbeitet wurden. In Färbe- und Trockenöfen bekamen die Flechtsachen
das schöne Aussehen. In Haushaltsgeschäften und auf den Märkten
fanden sie stets ihre Liebhaber; von den Auszeichnungen, welche sie auf
inn- und ausländischen Ausstellungen bekamen, konnten z.B. die Apatiner
Korbfabrikler ein schönes Lied singen.
Von den Flechtarten kann man als wichtigste anführen: Drehgeflecht
aus vollen Ruten, Spanischrohr und Bastschnüren; Schichtgeflecht
aus Spaltruten, Raffi, Sisal, Schnüren usw.; Flachgeflecht aus einfachen
oder mehrfachen Einschlagschnüren, regelmäßige, einfache
oder doppelte Rippen. Zu angefangenen Körben sagte man Gerüst.
Schnürarten konnten auch aus Binsengras, Stroh und Schilf gewickelt
sein.
5 ÖFFENTLICHE BETRIEBE
Zu diesen rechnen wir: Eisenbahn, Straßenbetrieb, Schiffs- und Fährbetrieb,
Flussbau, Wasserwerk, Elektrozentrale, Genossenschafts- und Baustoffhandel,
Weinhandel, Wirtshaus, Gasthof und Markthandel.
5.1 Eisenbahn
Zuerst, von ca. 1875 bis 1920, gab es meistens schmalspurige Gesellschaftsbahnen,
die, weit weg von den Hauptstrecken, die meisten Batschkaer Dörfer
miteinander verbanden. Zuletzt gab es nur noch wenige Schmalspuren, dafür
war aber wieder manches Dorf ohne Bahnverbindung. Elektrische Züge
gab es auf den Hauptstrecken noch nicht, nur auf manchem Fabrikhof als
Privatbahn. Größere Dampfzüge mit europäischen Schienenanschlüssen
hatten, hinter einer Ganz-Zugmaschine, einen Wasser- und Kohlenwagen,
Waggons für Post- und Paketdienste, für die 1. und 2. Klasse,
einige geschlossene Vieh- und einige offene Holzwaggons. Wie man sie noch
alle in technischen Museen bewundern kann, hatten die Österreich-ungarischen
Zugmaschinen, als größte Einzelteile, einen Dampfkessel mit
Rauch- und Siederohr, Rauchfang und einen überdachten Maschinistenplatz
gehabt. Weitere wichtige Teile: Antriebszylinder, Kolbenstange, Kupplungsachse
und Kupplungsstange, Laufachse, Waggonkupplung und Pufferscheibe, zentrifugaler
Kugelregler, Dampfpfeife und elektrische Laterne. Neben dem Maschinisten
hatte so eine Maschine noch einen Heizer gebraucht, der vor der Heiztüre
seinen Sitz hatte. Steuer-, Brems- und Dampfhebel wurden vom Maschinist
bedient, der Heizer musste die Druckmessuhr und den Kesseldampf überwachen
und mit Heizmaterial die Temperatur des Dampfes auf Betriebsdruck halten.
Weitere Uhren für das Kühlwasser, Schmieröl, das Brauchwasser
und die Bremsleitung, der Signalpfeifenzug und die Fahrplantafel waren
Sache des Maschinisten.
Die schmalspurigen Vizinalbahnen hatten maximal 50 km/h Geschwindigkeit
und eine erlaubte Achslast bis 13 Tonnen auf die Schienestränge gebracht.
Schiene und Strecke waren leichter als heute gebaut, aber schon aus genormten
Teilen zusammengesetzt: Schienenkopf, -hals und fuß, Klemmeisen,
Schienen- und Hakenschrauben, dann Weichenlaterne, Gleitstuhl, Stellgewicht,
Weichengewicht. Am Straßenübergang war ein Wächterhäuschen,
aus dem der Bahnwächter die Bahnschranke stellte. Die Bedienung der
Schranke an einem weiter entfernteren Feldweg hat ein Stellhebel mit einem
Hebelgewicht und langen Eisendrähten ermöglicht. Von den heutzutage
bekannten Verkehrszeichen gab es damals schon: Freifahrt- und Halttafel,
Weichensignal und Vorfahrtszeichen. Am Bahnhof stand ein Wasserbehälter
mit einem Schwenkrohr für Handbedienung, ein Kohlen- und Holzschuppen,
eine Schotterkiste und ein Sandhäuschen mit trockenem Sand zum Bestreuen
der Wegstrecken bei Frost. Im Bahnhof drinnen war der Wartesaal mit einem
Holz-Kohleofen und einigen Holzbänken mit schweren Gussfüßen,
ein Schalter für Fahrkarten und einer für das Gepäck. Eine
Wanduhr zum Aufziehen und zwei Fahrpläne Abfahrt-Ankunft; etliche
amtliche Plakate und Wandzettel bildeten den ganzen Wandschmuck. Von der
Decke hing eine elektrische Lampe mit einem Schirm herunter, und zuletzt
übertrugen Lautsprecher Durchsagen oder Unterhaltungsmusik in den
Wartebereich des Bahnhofes, drinnen und draußen. Im Gepäckraum
stand eine Kastenwaage mit Eisengewichten in der Summe bis 100 kg, weiter
ein zweirädriger Handwagen und einige kniehohe Regale die wand entlang,
für Koffer und schweres Reisegepäck. Handels- und Versandwahre
nahmen meistens den ganzen Platz im Raum ein. Extralastzüge kamen
nur alle paar Tage einmal vorbei.
Für die Schienenarbeiter gab es noch auf der Strecke einen Arbeitszug
und einige Hand-Draisinen. Diese vierrädrigen, offenen Schienenfahrzeuge
wurden, wie es der Name sagt, über eine Excenterwelle von Hand angetrieben
und konnten 2 3 Arbeiter mit ihrem Schienenwerkzeug mitnehmen.
5.2 Straßenbetrieb
In der Batschka gab es schon immer eine Nord-Südverbindung, auf der
Spur einer altpannonischen Straße, welche von Szegedin über
Topola nach Novi Sad führte. Vor der Vertreibung bestand noch eine
zweite Hauptstraße, von Baja über Sombor und Kula, welche an
die erste anschloss. Sonst waren die meisten Dörfer mit einem festen
Schotterweg miteinander und mit der Kreisstadt verbunden. Feste Hauptstrassen,
Schotter- und Stampfwege hatten nur zwei Fahrspuren, so dass man bei Gegenverkehr
nicht überholen konnte. Mindestens ein seitlicher Abwassergraben
führte das Regenwasser ab, vielmehr hätte er das tun sollen;
zumindest im Herbst schaffte er es nicht, so dass der Straßenverkehr
zu einer großen, schmutzigen Strapaze wurde. Durch die Stadt gab
es noch manches Kopfsteinpflaster aus der Siedlerzeit. Die Kopfsteine
waren Würfel mit 15 20 cm Seitenlänge, aus hartem Basaltgranit
aus der Schwäbischen Türkei. Aus denselben Steinen hatten schon
die alten Römer eine Strasse entlang dem Westufer der Donau.
Brücken. Bis ins 20. Jahrhundert hatten die Strassen über
die Kanäle Hängebrücken und über Wassergräben
gemauerte und mit Harthölzern verstärkte Übergänge.
Für die Eisenbahn gab es Stahlbrücken über die Flüsse.
Hölzerne Brücken hatten doppelte Verstrebungen und wurden manchmal
geschwenkt oder aufgeklappt, um Lastkähne oder große Boote
durchzulassen. Feste Steinbrücken waren mit einem Kanalgewölbe
aus Backsteinen gemauert. Über die beiden großen Flüsse
gab es Stahlgitter-Brücken mit Beton und Teerbelag. Solchen Belag
hatten zuletzt auch alle Hauptstrassen.
An Straßenfahrzeugen hatten die Städter Personenautos, Lastwagen,
Omnibusse, Straßenbahnen, Taxis, Fiaker und Pferde-Fuhrwerke für
Lasten, dann Motorräder und Fahrräder. Die Dörfler hatten
Traktore, Lokomobile, Fuhr- und Bauernwagen, Motorräder und Fahrräder.
An Autotypen überwogen Mercedes, Opel, Ford. Jedoch konnte man
auch Skoda, Steyr und andere Typen aus ganz Europa sehen, wie sie sich
bei max. 50 km/h im Linksverkehr (bis 1941) rechts überholten. Und
mit den Autos kamen auch die drum herum gebräuchlichen Fachwörter
aus dem Ausland, d.h. sie wurden, mit wenigen Ausnahmen, aus Deutschland
und Österreich übernommen: Anlasskurbel, Anlasshebel, Vergaser,
Lenker, Geschwindig-keitsmesser, Akkumulator, Dynamo, Seilzug, Schalthebel,
Karosserie, Kühler, Radkappe, Chassis, Licht, Vorder- und Hinterscheibe,
Fußmatte. Bei den Einzelteilen des Motors war es ähnlich. Man
kann davon ausgehen, dass immer dann von den Batschkaer Meistern der Teilename
aus Deutschland übernommen wurde, wenn das Teil eine Funktion hatte,
welche für den Südosten neu war. Beim Werkzeug und den Arbeitsgängen
allgemein war es ebenso.
Als Lastwagen hatte man damals alle Arten von motorgetriebenen Lastenträger
sehen können: Fabrikwagen, komplett mit Fahrerhaus und Lastenaufbau,
dann zusammengesetzte aus Originalteilen und Eigenbau, Schließlich
die ganzen Eigenbauten, bei welchen nur der Motor aus einer Fabrik kam
oder sogar dieser wie z.B. beim Holzgasmotor selbst hergestellt
wurde. Weil es noch keine regelmäßige amtliche Prüfung
für die Fahrzeuge gab, fuhr man mit ihnen so lange, wie die Teile
zusammenhielten. Mercedeslaster überwogen, danach kamen Ford-, Daff-
und Fiatlaster. Dabei gab es manche noch aus der Handfertigung der Fabriken,
vor dem Ersten Weltkrieg. Anhänger gab es für alle Lastwagen-Arten.
In Machart und Aussehen waren sie dem Zweck angepasst, die Kupplung war
z.B. noch nicht, die Hinterbeleuchtung aber schon vorgeschrieben. Bei
den Zwecklastern gab es so viele verschiedene Arten, wie Besitzer: mit
Kasten, Wanne, Kippvorrichtung und Plane, geschlossene und offene Fahrkabinen,
mit Zwei- und Viertakt-, Benzin-, Diesel-, Gas- und Holzantrieb.
Weil nur der letztere von den heutigen abwich, soll er in groben Zügen
beschrieben werden: In einer runden ofenartigen Feuerstelle, welche hinten
senkrecht auf einem Lastkasten stand, wurde Hartholz Akazie, Maulbeere
und Buche in trockenem Zustand und armgroßen Stücken
verfeuert. Ein Ventilator hat den Rauch, noch solange er viel Monoxid
(CO) enthielt, durch eine Leitung in einen Wasserfilter geblasen. In diesem
und in einem weiteren Steinfilter wurde das Ofengas, sauber genug, in
den Vergaser weiterbefördert. Im Mischventil-Vergaser kam ein geregelter
Luftstrom dazu, mit einigen Tropfen Motoröl, und wurde so im Zweitaktverfahren
verbrannt. Hauptsächlich im Krieg setzte man solche Motoren in jeder
Größe ein auf Lastern und stationär. Immerhin
konnte man mit ca. 5 kg Holz ca. 15 km zurücklegen.
Omnibusse und Trolleybusse kamen aus ungarischen Fabriken und waren
für max. 30 Fahrgäste gebaut. Ihr Antrieb war z.T. so wie heute,
aber auch noch mit Gas- und Petroleummotoren. Große Gasbehälter,
welche die ganze Dachfläche einnahmen, nutzten das billige Gasvorkommen
des Südostens. Alte Petroleumvergaser machten aus einem Gasmotor
einen mit Flüssigantrieb, so wie er in Fahrzeugmuseen noch besichtigt
werden kann.
Taxis gab es in den Städten und größeren Dörfern,
eben überall da, wo es Autobesitzer mit Zeit und Autoliebhaber ohne
Auto gab. Für das Lohnfahren wurden alle Autotypen genutzt. Anders
als bei den Lastwagen wurden Autos selten aus Einzelteilen selbst zusammengebaut.
Bei der Reparatur war es umgekehrt: Nach dem Originalteil machte man lieber
ein neues, als dass man lange auf ein Fabrikteil wartete.
Fiaker konnten an allen größeren Bahnhöfen gesehen werden.
Sie hätten jederzeit mit den heutigen vom Wiener Steffl konkurrieren
können. Von gleich schönen Pferden, im ähnlich glänzigen
Geschirr gezogen waren die Fiaker von Baja, Sombor, Subotica und Szegedin
wahrscheinlich auch aus derselben Fiakerwerkstatt, wie jene in ganz Österreich-Ungarn,
welche heute noch in manchen Städten des Südostens im Einsatz
sind. Demnach braucht man keine Angst zu haben, dass sie so schnell in
Vergessenheit geraten.
Die Straßenbahnen der Städte hatten Gleichstrom-Regelmotoren
von Siemens, und sie fuhren 30-40 km/h. Gebaut waren Tragteile aus Strahl,
Verkleidungen aus Holz und das Ganze schützte ein rundes Blechdach.
Sie hatten schlagfeste, dicke Scheiben, Luftklappen und an den Enden niedere
Stoßstangen, die kein Hindernis auf den Schienen beließen.
Die Schienenstränge waren normalspurig, wie in Westeuropa. Das Innere
war im Einstiegsbereich symmetrisch gebaut, hatte eine Kleinkabine für
den Schaffner, Steh-. und Sitzplätze auf Bänken für die
Gäste und einen freien mittigen Durchgang.
Anders war es mit den Fuhrwagen mit Pferdegespannen, welche als offene
Kastenwagen aus Holz und kleinen, gefederten Rädern hergestellt waren
und von steirischen Pferden gezogen wurden. In Städten und auf dem
Lande waren sie im Einsatz wie die Lastwagen, welche damals zehnmal so
teuere Antriebskosten hatten. Eine gefederte Sitzbank, Spritzschutz für
den Fuhrmann, der Wagenkasten mit Rastereisen an den Abklappbahren Bretterwänden,
so fuhr ein Pferdelaster bei jedem Wetter ohne Dachschutz seine Lasten.
Seine Fuhre bestand, außer von den sprichwörtlichen Bierfässern,
noch aus Steinzeug und allerlei Baumaterial. Nicht selten blieben solche
schweren Fuhren im Batschkaer Straßenschlamm bis zu den Achsen stecken
und mussten von etlichen weiteren steirischen oder Ochsengespannen daraus
befreit werden. Kein Wunder, dass die Holzräder das erste waren,
das, nach dem Krieg, den leichteren und breiteren Gummirädern mit
Luftschläuchen weichen mussten.
Motorräder von BMW, Puch, Sax und Marke Eigenbau tauchten, mit
und ohne Seitenwagen, schon häufig in dem Straßenverkehr auf.
Es waren ein- und zweizylindrische Zweitaktmotore mit Anlasshebel, gefedertem
Fahrersattel und festem Hintersitz. Die Einzelteile wurden fast alle aus
dem Hochdeutschen übernommen. Sportliche Unterschiede kamen vor bei:
Benzinbehälter, Speichenrad, Gummireifen. Und beim Seitenwagen war
es das Trittrad, Wagenkasten, Schutzscheibe, Seitenleiste.
Die Motor-Fahrräder wurden im Eigenbau von Saxmotoren
angetrieben. Auf dem Hintersitz, in der Rahmenmitte, und über dem
Vorderrad waren die schwachen und leichten Einzylinder festgemacht, von
wo sie mit der Antriebskette, im entsprechenden Zahnverhältnis, das
Fahrrad antrieben. Herren- wie Damenräder konnte man mit diesen Hilfsmotoren
sehen.
Das Fahrrad stand, als gemeinschaftliches Familiengefährt, meistens
im Haus-Schuppen, war ein Männer-, Damen- oder Kinderrad und hatte
- ähnlich dem heutigen - bis auf die Rahmenhöhe, immer dieselben
Einzelteile. Sie hießen auch damals Rahmen, Sitz, Lenker, Kette,
Pedale, Rad, Radgummi, Speichen, Zeugtasche, Kinder-, Haupt- und Hintersitz,
Vorder- und Hintergabel, Gabelkopf, Vorder- und Hinternabe, Radstütze,
Dreckschutz, Vorder- und Hinterlampe, Vorder- und Hinterbremse, Luftpumpe,
Klingel.
Die Traktoren waren die erfolgreichsten Konkurrenten für die Pferdegespanne
auf dem Lande. Als robuste Arten in Deutschland Magirus, Deutz,
Maffei und England hergestellt (oder in gemischt heimisch-ausländischen
Fabriken in Ungarn zusammengesetzt) waren sie für den tiefen Boden
auf dem Batschkaer Hotter viel effektiver im Einsatz, als noch so starke
Pferde. Meistens waren sie in offener Bauweise mit großen vollmetallenen
Stollenrädern hinten und leichten Lenkrädern vorne ausgestattet.
Vom Fuß wurde nur eine Motorbremse betätigt, alles andere,
wie Gas, Kupplung, Steuern haben die Hände erledigt. Im Handbereich
gab es noch die Zugstange fürs Heben und Senken der Pflüge oder
anderer Anhängergeräte.
Vorne und hinten hatten die Traktore starke Zugbrücken mit Steckkupplungen
zum Ziehen von allerhand Maschinen: Sä-, Mäh-, Dreschmaschine,
Elevator und viele Arten von Lastanhänger und Bodengeräten.
Wesentlich war an jedem Traktor das Schwung- und Riemen(Transmissions-)rad
zur Kraftübertragung auf Ernte- und Holzbearbeitungsmaschinen. Am
meisten ist uns noch die Kombination mit Traktor, Dreschmaschine und Strohelevator
beim Fahren über Strassen und Feldwegen und beim Dreschen in Erinnerung.
Sie waren der Höhepunkt und die Sonnenwende in den heißen Batschkaer
Sommern und in der herrlich langen schulfreien Zeit.
Bauern, welche mit der Traktorenkraft nicht auskamen, weil sie vielleicht
zu viel Arbeit auf einer großen Feldfläche auf einmal erledigen
wollten, ließen ein Lokomobil kommen. Nur bei der Anfahrt hatte
es diese Dampfmaschine nicht eilig, beim Ackern, Dreschen und Antreiben
von Säge-, Mahl- und Pumpmaschinen hat das Lokomobil alle anderen
Antriebe weit in den Schatten gestellt. Solche Lokomotiven auf breiten
Bodenrädern und einem riesigen Schwungrad kann man, zum Glück,
noch lange in südungarischen Museen/Skansen besichtigen, wo sie dastehen,
als ob sie erst gestern ihren Dampfatem ausgehaucht hätten.
6 Flussbetrieb - Wasserbau
Seit der Ansiedelung im Südosten gab es auf der Donau und
z.T. auch auf der Theiß - vom Treidlerschiff bis zum Schraubenschlepper
alle europäischen Schiffsarten. Die Ulmer Schachtel war ein Fährschiff,
das am flussabwärtigen Ziel auseinander genommen und als beliebtes
Rohholz verkauft wurde. Bevor die Dampfschiffe auf den ungarischen Flüssen
auftauchten um das Jahr 1817 mit der Carolina auf
der Donau, zwischen Wien und Budapest gab es Lastensegler bis
ca. 500 Tonnen Wasserverdrängung. Sie brachten schon bei den Türkenüberfällen
die Kanonen den Fluss hoch, bis nach Wien. Gebaut waren diese Segler aus
Zimmermanns-(Schopper)holz mit zweiseitigen Aufhängungen für
die Handruder, zum Antreiben bei windstillen flussaufwärtigen Fahrten.
Mit wenig Aufbau und viel Ladeplatz waren sie die wichtigsten Lastenträger
in einer Zeit, da es noch viele verschlammte und wenige feste Straßen
gab.
6.1 Schiffs- und Baggerbetrieb
Mit den Dampflastschiffen kam mehr Betrieb auf die Flüsse. Den Höhepunkt
hatte er vor der Wende zum 20. Jahrhundert, als die Eisenbahn noch in
den Kinderschuhen steckte. Von Beginn an gab es auf den Lastschiffen Gelegenheit
zum Mitfahren von Reisenden. Bis zur Vertreibung haben Raddampfer bis
ca. tausend Tonnen auf der Donau Lasten und Gäste transportiert.
Für den reinen Linienverkehr gab es noch in den Fünfzigerjahren
einige Passagierschiffe als Pendelschiffe zwischen Schiffsstationen an
beiden Uferseiten der Donau. In den Sechzigerjahren wurden die letzten
Dampfschiffe im Passagierverkehr durch kleinere, schnellere Motorschiffe
abgelöst.
Die Lastkähne haben sich durch die Umrüstung des Antriebs nicht
wesentlich verändert, nur die Zugschiffe sind kleiner und stärker
geworden. Jetzt konnte z.B. ein 50-Tonnen-Schlepper so viele Lastkähne
ziehen, wie ein zehnmal so großer Radschlepper mit Dampfantrieb.
Zum Fischfang und zur Überfuhr von Packlasten und Arbeitern wurden
Kutter und Schoner eingesetzt, die oft von einem einzigen Mann bedient
und gesteuert wurden.
Weitere kleinere Wasserfahrzeuge waren: Zillenboote mit Hilfsmotor, Fischerboote
und personelle Ruderboote. Im Wassersport wurden Segelboote, Kanadier,
Riemenboote und Kajak, ein- bis achtsitzig, gefahren. Anlegestellen gab
es an allen Donaudörfern, extra für den Last- und Sportverkehr.
Das waren Bretterstege mit Fass- oder Pontonträgern, am Ufer mit
Hanftauen oder Drahtseilen befestigt.
Die Kriegszeit brachte nicht nur wendigere Kampf- und Minenschiffe auf
die Donau, sondern auch manches übergroße Panzerschiff vom
Schwarzen Meer, in voller Feuerkraft und Kriegsmontur. Wo das Wasser für
die Riesen zu seicht war, saugten wuchtige Saugbagger das Flussbett tiefer
aus.
Weitere Schiffe für den Wasserbau waren: Schaufelbagger, Bauschiffe
und Lastenfähren. Alle waren im Krieg sehr aktiv. Danach setzte man
sie aber auch vielfach ein, weil sie dann den Fluss vom vielen Schrott
säubern mussten. Sand, Schotter und Kies bezogen die Baustoffhändler
von den Bagger-Unternehmern an der Donau.
Die Flussbagger unterschieden sich in der Art, wie sie das Flussbett
zur Säuberung und Kießgewinnung freibaggerten:
Als Schaufel- und Saugbagger. Die ersteren waren massiver und aufwändiger
gebaut, brauchten, neben den auf einem Schiff montierten, vertikal in
den Fluß bis auf den Grund reichenden, Förderschaufeln, noch
ein horizontales Förderband zum Ufer. Die zweiten saugten, ähnlich
einem Staubsauger, den Flussboden ab und förderten das Gesaugte im
selben Rohrdurchmesser ans Ufer.
Weitere Flussschiffe waren die motorgetriebenen Polizei- und Grenzerboote
sowie die Helferschiffe einer Werft, die für kleinere Arbeiten außerhalb
des Betriebes, also auf dem Wasser zuständig waren. Je mehr von ihnen,
aus nah und fern, den Fluss befuhren, umso mehr Steuerhelfer setzte man
im Fahrwasser ein. Die wichtigsten davon waren: Schwimmtonnen in verschiedenen
Farben, für Rechts- und Linksverkehr, Warnkugeln für seichtes
wasser, Rundstangen und Messlatten für den Wasserstand. Die Schwimmsignale
waren über Drahtseile an Spundstöcken im Flussbett festgemacht,
die Stangen in den Boden geschlagen und die Latten durch eine Seil am
Ufer festgemacht.
6.2 Fährbetrieb
Fähren, Flöße, mit und ohne Motor, waren dort im Einsatz,
wo ein Fluss oder Kanal den Fahrweg kreuzte, aber eine Brücke zu
teuer war. Das war sowohl an der Donau, wie an der Theiß und am
Franz-Josefs-Kanal (im Volksmund Franzenskanal) einige Male der Fall.
Am Kanal, wo es keinen Schiffsverkehr gab, waren Seilfähren im Einsatz,
die man mit einem Nutenholz an dem über den Flusslauf gespannten
Seil von einem Ufer ans andere zog. Wenn mal dennoch ein größeres
Fischerboot kam, band man das Drahtseil los und ließ es hinunter
auf den Flussgrund. Diese Fährenart hatte zwei große bootsähnliche
Schwimmer, über die eine dicke Bretterschicht gelegt und festgemacht
war für einen vollen Bauernwagen oder entsprechende andere
lebende oder tote Lasten. Sie übersetzte aber auch nur einen einzigen
Fahrgast, wenn er bereit war einen erhöhten Fahrpreis zu entrichten.
Floßfähren wurden an breiteren Gewässern mit Schiffsverkehr
eingesetzt; so z.B. zwischen Batschko Novo Selo/Neudorf und Ilok, bevor
eine Brücke über die Donau gebaut worden ist, dann bei Davod,
wo man sie als kürzeste Verbindung nach Mohacs brauchte. Diese Fährenarten
waren häufiger als die Seilplätten im Einsatz, wurden
manuell - von großen Heckrudern angetrieben, verkehrten regelmäßig
oder nach Bedarf und konnten volle Wagenladungen mitsamt der Gespanne
mitnehmen.
Mit Ruderfähren wurden Menschen und Lasten, soviel wie in die 10
m langen und 2 m breiten Holzboote passten, von einem gelernten Fährmann
mit einem Steuerruder in der hinteren Rudergabel, schräg über
das fließende Wasser gerudert. Dieselbe Fähre wurde, wenn es
sich der Besitzer leisten konnte, auch von einem Heckmotor angetrieben.
Die Motorfähre war etwa fünfmal so groß, wie ein Fischerboot.
Sie hatte bis zu zwei volle Pferdewagen-Gespanne oder in letzter
Zeit zwei Autos, ein Lastauto und entsprechend viele Menschen
unter dem Vorderdeck befördern können. Diese Fährenart
ist heute, genau wie damals, an der Donau und Theiß im Einsatz.
Man kann sie bei Davod und Szegedin beobachten, wie sie mit ihrem zweifachen
Schubantrieb wendig und genau auf der Strecke bleibt und millimetergenau
am Landeplatz anlegt.
7 ÖFFENTLICHE VERSORGUNG
Zum Unterschied mit der heutigen, gesetzmäßig garantierten
und einklagbaren öffentlichen Versorgung, war die damalige eine auf
Willkür und Eigeninitiative fundierte. Je nachdem, wie viele der
nachfolgend aufgezählten Arten es gab, konnte von modernem Fortstritt
einer Gemeinde und ihrer reichen Initiatore gesprochen werden; bei überwiegendem
Fehlen wie z.B. in Bereg, dem Geburtsort des Verfassers, mit über
2000 Einwohner, wo die ersten vier nicht vorkamen - war die spöttische
Bezeichnung Hinterwäldlertum ein treffender, gesetzlich
nicht antastbarer Zustand in einem Dorf.
7.1 Wasserversorgung
Zentral hatte man sie nur in den Städten. Moderne Elektromotore trieben,
im Maschinensaal, eine Reihe Flügelpumpen an, welche, je nach dem
Vorkommen und der Qualität des Trinkwassers, aus 60, 100 oder bis
250 m tiefen Bohrlöchern reines Trinkwasser hochpumpten. Am unteren
Ende des Pumprohres steckte ein 5 m langes Filternetz aus Maschendraht
in einem Kiesmantel. Nach dem Ansaugen auf Pumphöhe hat ein Kugelventil
das Absaufen der Wassersäule verhindert. Die dörfliche Versorgung
haben Hausbrunnen erledigt, wie sie im Kapitel Hauswirtschaft beschrieben
wurden.
Pumpstationen hatten auf dem Lande, für die alljährliche,
saisonale Trockenlegung der tiefliegenden Felder eine ähnlich wichtige
Rolle, wie die städtische zentrale Wasserversorgung. In regelmäßigen
Abständen waren entlang der Flüsse Pumpstationen in verschiedenen
Größen installiert, welche bei hohen Wasserständen das
Grundwasser durch die Dämme in den Fluss pumpten. In umgekehrter
Richtung konnten sie, bei großer Trockenheit oder zum Auffüllen
von Fischteichen, ebenfalls ihre Pumpen in Aktion versetzen. Die Kapazität
von solchen Pumpstationen lag zwischen einigen Dutzend Liter und einigen
Kubikmeter pro Minute. Überall waren die elektrischen oder dieselangetriebene
Anlagen in Pumphäusern untergebracht und wurden von Maschinisten
überwacht und instand gehalten.
7.2 Stromversorgung
Jedes größere Dorf bekam zwischen der Wende zum 20. Jahrhundert
und bis in die Zwanzigerjahre eine eigene Stromversorgung. Größere
Fabrikgesellschaften oder Gemeindeverbände waren die Betreiber. Verbundnetze
gab es nur in den Städten, und Überlandleitungen gar nicht.
Wo größere Fabriken ein eigenes Elektronetz hatten, schaltete
sich die Gemeinde mit der Elektrozentrale dazu. Als Gemeindekapazität
kann pro Haushalt und Monat ein Verbrauch von max. 500 KWh (heutzutage
sind es zehnmal mehr) veranschlagt werden. So haben die mit Diesel- oder
Gasmotoren angetriebene Generatoren, in einer Größe von max.
tausend KW, in mehreren Reihen das Netz mit 380 V 220/110 V gespeist.
Umspannstationen gab es kaum. Die dreifachen Motor- und zweifachen Lichtleitungen
wurden an Holzmasten neben dem Fahrweg einer Strasse geführt. An
der Hauswand gab es isolierte Hausanschlüsse und im Hause einen Zählerkasten.
Mit Zwischensicherungen in jedem Straßenviertel und mit Haussicherungen
wurden die Leitungen vor Überlastung geschützt.
7.3 Genossenschaftshandel
Anfang der Zwanzigerjahre entstand die größte Genossenschaft
der Batschka, und danach langsam ihre Ableger in allen größeren
Dörfern. So gab es in den Dreißigerjahren schon Hunderte davon
zur systematischen Zucht, Handel und Verwertung von Borsten- und Hornvieh
und Geflügel, von Milchprodukten, Jagdbetrieb und Holzhandel, Elektrizitätsversorgung
und Sparkassenwesen. Als zahlende Mitglieder gehörten ihnen Männer
und Frauen aus allen Berufsschichten an, die eine Beratung, Vorfinanzierung,
wirtschaftliche und gemeinnützige Organisierung in Not- und Ausnahmefällen
(z.B. bei Naturkatastrophen und Krieg, aber auch bei persönlichen
Not- und Sterbefällen) und vielen sonstigen Anliegen, kostenlos oder
anteilsmäßig Finanzhilfe in Anspruch nahmen.
7.4 Baustoffhandel
Er war in Genossenschafts- und Privatbesitz und befasste sich mit allen
Arten von Baumaterial: Ziegel- und Natursteine, Kamin-, Klinker-, Bims
und Tuffsteine, gebranntem und gelöschtem Kalk, Zement in grau und
weiß, verschiedene Sandarten, Gips gemahlen und als Platten, Bauholz,
Zaunpfosten, Dachplatten und Dachziegel, Rohgranit und marmor,
Rohrbüschel und matten, sowie vieles Halbfertigzeug aus Zement,
Kalk und Gips in größerer Auswahl, wie es später
auch unsere Vertreiber und Nachfolger auch anboten. Ein Bürohäuschen
und ein trockenes Schuppendach schützte das Personal und empfindliche
Baumaterial vom Regen, und ein hoher Zaun mit einigen bissigen Hunden
den ganzen Bauhof. Vor den größeren Bauhöfen hielten Fuhrleute
mit Pferdegespannen und warteten auf Aufträge der einkaufenden Bauherren.
Die Bauhöfe übernahmen, bei größeren Bestellungen,
die Fahrtkosten. Für die gelieferte Ware wurde bar mit Skonto, auf
Terminrechnung oder auf Wechsel mit Aufschlag bezahlt.
7.5 Weinhandel
Hier kann nur von Weinausfuhr im Großen berichtet werden, weil,
außer Flaschenwein für Wirtshäuser, kein Wein aus dem
Ausland eingeführt wurde. Dagegen hat ein Weinaufkäufer alle
Weinüberschüsse bei Bauern und Küfereien aufgekauft und
zum Teil in einem Lagerkeller gelagert oder, je nachdem wie der Weinpreis
in den Städten und im Ausland stand, im Großen weiterverkauft.
Lagerfässer waren 500 und 1000 l groß. Verkaufsfässer
von 100 l wurden auf Fuhrwagen, der Eisenbahn und per Schiff an nahe und
ferne Kundschaft verschickt. Außer dem Angebot im eigenen Weinkeller,
hat der Weinhändler auch von Haus zu Haus verkauft. In so einem Falle
brachte er die Kundschaft zum Weinbesitzer und überredete sie, nebst
gutem Essen und Trinken und vielem Verkosten, zum Kauf. Weinhändler
von solchem Schlag sind heute noch im Südosten unterwegs. Inzwischen
sind aber aus den alten privaten Küferein vielfach genossenschaftliche
mit automatischen Abfüllanlagen geworden.
7.6 Wirtshaus
Zumindest einige davon gab es in allen Dörfern, dazu noch ein-zwei
Gasthäuser, Steh- und Hausausschanks; und ein Kaffeehaus vielleicht,
wenn viele Slawen im Ort wohnten. Die Batschkaer Wirtshäuser waren
Weinstuben und Esswirtschaften in einem. Sie hatten alles an Essen und
Trinken, was auch die Privathaushalte hatten und noch mehr. Getränke:
Wein, Schnaps, Zapf- und Flaschenbier, Likör, Sodawasser, süßer
Sprudel, Schaumwein, Obstsaft, Mineral- und Brunnenwasser. Zum Tagesessen
wurde, in großen Töpfen, drei-viererlei Hauskost gekocht: Bohnensuppe
mit Rauchfleisch oder Bauernwürsten, Fisch-, Hühner- und Kartoffelpaprikasch,
gefüllte Krautwickel, Mehlspeis mit Zwiebeln und Kartoffeln, Palatschinken,
Kartoffelpuffer, Krumbieren und Nudel, Ofenkartoffel mit Speck, Kraut
und Knödel, Hühner-, Rind- und Knochensuppe mit Merretich-Fleisch
und Tomatensoße, alle Arten von Braten, Schmarren mit Salat, Hackfleischklöße
mit Kartoffelbrei und Salat, Brat- und Blutwürste, Schwartenmagen,
saure Paprika und Gurken, Knoblauch-, Zwiebel- und Obstsoße, Grieß-
und Reisbrei. Dazu frisches Weiß- oder Mischbrot kurzum
alles, was die Schwaben daheim und unterwegs gerne aßen. Außer
dem Schanktisch, in welchem ein Eiskasten für ein 50-Liter-Fässchen
untergebracht war, und auf dem der Ausschank aus einem Zapfhahnen besorgt
wurde, gab es noch in der Wirtsstube quadratische meterbreite Holztische
mit je vier Stühlen. Was nicht fehlen durfte, war der Spucknapf auf
dem bretterbelegten oder gestampften Fußboden, sowie ein Königsbild
an der Wand, eine Waschgelegenheit mit Waschschüssel und Wasserkrug
im Flur, sowie - im Krieg ein offenes, volles Wasserfass mit Sandeimer
und Schaufel neben der Eingangstüre.
Speisekarte. Selten gab es sie vervielfältigt, doch immer eine
solche, handgeschrieben auf einer Wandtafel nicht vollständig
- und gültig für einen Tag und mit stabilen Preisen. Der Gast
bestellte beim Wirt oder bei der Bedienung, und man brachte ihm das fertige
Essen auf einem Tablett an den Tisch, wo bereits eine Halsflasche voll
Wein und Sodawasser standen. Bier wurde in ½-Liter-Glaskrügen
oder Flaschen mit Schnappverschluss, Schorle in Zwei-Dezi-Gläsern
serviert, Schnaps in ¼ und ½-Dezi-Gläschen, Likör
in Likörgläschen, Sekt und Schaumwein in Sektschalen, Sprudel
und Säfte in Abfüllflaschen von einem 1/3 und ½ Liter
und normales Trinkwasser in Literkrügen. Schwarzer Kaffee in Mokka-Schälchen,
Milch, Milchkaffee, Tee, Kakao, Glühwein in Milchtassen.
Im Nebenraum war der Festsaal, in der Größe der Dorfgröße
angepasst, für Tanz, Hochzeiten und andere Festlichkeiten. Hier gab
es, an der Stirnseite, ein Musikerpodest und, an der Wand entlang, eine
Reihe Stühle. Für einen Theaterabend, politische Versammlungen,
Zauberer- und Kinovorstellungen hat der Wirt in der Kammer noch genügend
Stühle gehabt, so dass der Saal voll bestuhlt werden konnte. Die
Küche hatte eine Türe zur Wirtsstube und eine zweite zum Festsaal.
Als Einrichtung standen in der Küche ein großer Herd und einige
Geschirrschränke. Im Wirtshaushof gab es eine gedeckte Kegelbahn
mit Sitzplätzen unter einem Freidach, sowie ein Plumpsklosett mit
einem benachbarten offenen Pissoir für Männer.
7.7 Trinkstube
In Trinkstuben gab es kein Essen und keine Musik, sowie auch keine Gästetische
und Stühle. Dort standen die Gäste am Schanktisch und tranken
im Stehen. Für einen solchen Ausschank zahlte man weniger Steuer,
und es galt eine frühere Polizeistunde.
Hausausschänke waren Verkaufsstellen für eigenen Wein und Schnaps.
Sie waren in einer Stube des eigenen Wohnhauses untergebracht und hatten
Sitzgelegenheiten, kein Essen und auch keine Unterhaltungsmusik und mussten
bei Einbruch der Dunkelheit schließen.
7.8 Gasthof
Das war ein Wirtshaus mit Gästebetten und einer Einstellmöglichkeit
für Wagen und Pferde. Die Federbetten nach Bauernart standen in Ein-
oder Zweibettzimmern, in welchen es außerdem noch Waschgelegenheiten
mit Waschschüssel und Wasserkrug, ein Tischchen mit zwei Stühlen
und einen Kleiderschrank gab. Das Pferdegespann stand unter einem Freidach,
ohne Geschirr und mit einem Futtersack und Halfter an der Heuraufe angebunden.
Der Wagen stand im Hof unter freiem Himmel.
7.9 Marktplatz
Das war der Platz, wo, in größeren Dörfern, der Markt
und in kleineren der Wochenmarkt abgehalten wurde. Leben gab es hier nur
an den Markttagen, wenn die geschälten Holzstangen und Pfosten die
Miet- und Freiplätze voneinander trennten. Feste Bauten gab es keine.
Der Boden war bei kleineren Plätzen gestampft, bei größeren
mit Pflastersteinen belegt. An solchen Tagen, wo hier der Festplatz war,
standen ganze Reihen Verkaufsbuden in Tischform und mit Zeltplane abgedeckt,
in denen fast alles zum Kaufen angeboten wurde, wie in Geschäften.
Außerdem gab es noch viele Aussteller von Krimskrams, Wurf-, Schieß-
und Zauberstände, Verkäufer seltener Tier- und Vogelarten, Turnkünstler
und Feuerspeier. Und in der Platzmitte gab es die kleinen und großen
Karusselle, ein-zwei Kraftmessgeräte, Reiten auf Zwergponys , Motorradfahren
sowie all die Vergnügungen und Späße, welche unter
freiem Himmel stattfinden konnten.
8 GEMEINNÜTZIGE EINRICHTUNGEN
Dazu gehörten im Allgemeinen: Gemeindehaus, Postamt, Apotheke, Sparkasse,
Gemeindehaus, Dorfschule, Kirche, Friedhof.
8.1 Gemeindehaus
Es hatte mindestens drei Amtsstuben für die geistigen Dorfarbeiter:
Das Notariats-, Buchhalter- und Schreiberbüro. Außerdem noch
einen Sitzungs- und Amtsraum für den stundenweise anwesenden Bürgermeister/Dorfrichter,
der genügend Platz bot für die Zusammenkunft aller ehrenamtlichen
Ratsherren. Im Vorraum stand der Arbeitstisch des Ratsdieners, und im
Nebengebäude war eine Polizeistube für einen Bediensteten und
eine Arrestzelle mit maximal drei Liegegelegenheiten - untergebracht,
sowie ein Sammelraum für die Feuerwehr. Der Schuppen mit dem Feuerwehrgeschirr
und dem Löschfahrzeug war ein offener Bau mit einem Feuerreiter/Ausblick
auf dem Dach. Dagegen war der Stierstall, bis auf die Stalltüre und
ein Fensterchen, ein geschlossener Bau. Ein kleiner Wirtschaftsteil mit
Knechtstube und Futterkammer, ein Hinterhof mit Stroh- und Heutriste,
ein Kellerraum mit dem Sitzungswein diese und einige weitere Nebenräume
gehörten noch zu einem guten Gemeindebetrieb.
Die Büroeinrichtung des Gemeindehauses war dem Zweck angepasst:
Für den Notar vornehm und mit großem Schreibtisch und Aktenschrank,
zum Wegschließen der Grund- und Familienbücher; der Buchhalter
manchmal zugleich auch Gemeindeschreiber brauchte für
die Abrechnungen viel Aktenplatz in Schränken und Regalen; die Schreiberstube
war die größte und hatte, vor dem Schreibtisch oder pult,
eine hölzerne Absperrung und eine Bank für die Besucher. Die
Bürgermeisterstube war, als Sitzungs- und Trauungsraum, vornehm mit
länglichem Tisch, einem Dutzend Polsterstühlen und, unter dem
Königs-(Reichsverweser-) Bild, einem wuchtigen Richtertisch ausgestattet
alles zur Ehrehrbietung des öffentlichen Amtes.
8.2 Postamt
In einem gemieteten Gemeinde- oder Privathaus waren ein- bis zwei Poststuben
eingerichtet. Im vorderen saß das Postfräulein oder der Postmann
und ein Briefträger hinter ihren Schreibtischen. Vor ihnen erhob
sich eine hölzerne Schranke mit Glasaufsatz und einem Schalterfenster,
und auf einem Tisch stand eine Briefwaage bis 50 Dekagramm und eine Paketwaage
bis 20 kg. Die erstere war eine Gleichgewichts- oder Apothekerwaage mit
Messinggewichten, die zweite eine Dezimalwaage mit schwarzen Eisengewichten
in der heute noch verwendbaren Einheitsgröße. Neben diesen
Waagen war eine Leimschüssel mit einem Pinsel für das Zu- und
Nachkleben der Postsachen. Die Bediensteten hatten die Briefmarken und
das Wechselgeld in abschließbaren Tischschubladen, größere
Summen und Wertsachen in einem Wandschränkchen mit Sicherheitstüre
und schloss untergebracht. In dieses Schränkchen wurden abends
auch alle Stempel und nicht abgeholte Wertsachen eingeschlossen. Gab es
in dem Posthaus zugleich auch eine Postsparkasse, so stand noch eine schwere,
eisenbeschlagene Holztruhe im Raum, wo die unausgefüllten Sparbücher,
Antrags- und andere Formulare und bei nicht seltener Inflation
das überschüssige Bargeld aufgehoben wurde.
Das Telefon gab es einmal für das Personal und ein zweites Mal
für die Kundschaft. Alle Gespräche hat man über das Personal-Telefon
vermittelt. Wenn, wie in kleineren Dörfern, außer der Post
niemand ein Telefon hatte, so wurde jedes Gespräch auf Voranmeldung
geführt. Telegramme gingen über Morseapparate rein und raus.
Weiter fiel in einer Dorfpost auf: Eine Wanduhr mit Aufziehwerk, das Postplakat
mit den gültigen Gebühren, mindestens ein Steckbrief und meistens
das obligatorische Herrscherbild.
Zuletzt hat man in der Batschka alle Postsachen verschicken und bekommen
können, wie überall in Europa, und auf den Briefmarken waren
jene Köpfe und Geschehnisse abgebildet, die gerade für Staat
und Volk wichtig schienen.
8.3 Sparkasse
In einer Filiale der Städtischen Bank oder Sparkasse hatten die Dörfler
alles Bargeld und die Wertpapiere deponier, die sie gerade zuhause nicht
brauchten. In der Familienkasse unter dem Strohsack oder in der Aussteuer-
bzw. Familientruhe hatte man soviel Bargeld, dass man alle Einkäufe
für Küche und Stall, Messopfer, Wohltätigkeiten und Almosen
bezahlen konnte wenn es nicht eben eine der vielen Inflationen
gab. In die Sparkasse ging man nicht gerne Geld hohlen, weil es aufgefallen
wäre; man war in so einem Falle für die Mitmenschen entweder
zu reich und geizig oder zu arm und liederlich. Am besten wars,
wenn die Menschen der Meinung waren, dass man nicht wegen dem Geld zur
Sparkasse geht, sondern wegen anderer Geschäfte, Wertpapiere oder
Wechsel, Schuldverschreibungen oder einlösungen. Die kleinste
Kasse, mit nur einer Angestellten hat genauso alle Geschäfte erledigt,
wie die größte in der Stadt. Stahlschränke mit mehreren
Schlössern, schwere Truhe mit dicken Stahlbandagen und die vergitterten
Fenster hatten damals wie heutzutage vor Einbrüchen
genügend Schutz geboten.
An Geld hatte man in der Batschka, in den letzten fünfzig Jahren:
Ungarische Königskronen und Kreuzer, jugoslawische Königsdinar
und Para, ungarische Horthypengö und Fillér, jugoslawische
Titodinar und Para, ungarische Demokratieforint und Fillér. Alle
davon überlebten kaum die auf den Geldwerten Abgebildeten.
8.4 Apotheke
Wenn überhaupt eine im Dorf war, dann war sie vollgestellt mit Fächerschränken
und Schubladenregalen, in welchen viele Reihen brauner Gläschen,
emaillierter Töpfchen und Einmachgläser standen. Aus denen schöpften
die Angestellten oder Apotheker mit Schöpflöffeln Pillen, Zäpfchen,
Pulver, Cremes, Körner und Bruchstücke und mischten davon die
verordnete Medizin. Zum Mahlen und Zerstoßen hatten sie Handmühlen
und Mörser, zum Wiegen die Apotheker-Waage, und zum Verpacken Schälchen,
Gläschen und Tüten.
Medizin. Von Fabrikmedizin gab es gegen: Husten, Fieber, Verstopfung,
Durchfall, Schwellungen, Hautkrankheit, Haarschuppen, Schlaflosigkeit.
Was noch fehlte, waren Mittel gegen Lungen- und Geschlechtskrankheit,
Typhus, Malaria und Pocken. An diesen Krankheiten sind die meisten Menschen
gestorben oder wie bei den Pocken entstellt geblieben.
Für Reihenimpfungen gegen Kindspocken und Diphtherie musste die
Apotheke von Staatswegen die Mehrfach-Spritzen vorrätig halten. Und
wenn einmal kein Arzt vorhanden war, ging man zuerst zum Brauchweib und
ließ sich von ihr Hausmittel verschreiben. Hat der Kranke diese
Mittel überlebt, dann wurde die Apotheke in Zukunft noch weniger
in Anspruch genommen.
8.5 Schule
In Dörfern bis ca. 500 Deutschen hat die Gemeinde ein Haus für
die Grundschule zur Verfügung gestellt, bei weniger gab es nur eine
Schulstube, wenn man nicht mit anderen Nationen in die gleiche Schule
ging. Im Schulhaus musste Platz genug sein für zwei Klassenzimmer,
ein Lehrerzimmer oder kleine Wohnung, je nachdem, ob der Dorflehrer
die Lehrerin im Schulhaus wohnte oder nicht. Es galt die Regel,
dass ledige männliche Lehrkräfte in der Schule wohnten, und
weibliche bei privaten Wohnungsbesitzern. Verheiratete Lehrer wohnten
in einem gemeindeeigenen oder gemieteten Haus. In jedem Falle trug die
Gemeindeverwaltung die Kosten.
Eingerichtet waren die dörflichen Klassenzimmer mit zwei Reihen
doppelsitziger Tisch-Bänke, welche in der schrägen Schreibplatte
eine Rille für die Griffel, den Bleistift und ein Loch für das
Tintenfass hatten. Vorne in der Stubenmitte war ein Bretterpodest, auf
dem der Lehrertisch stand, und von dem die Schüler leichter die Wandtafel
erreichen konnten. In der Türecke hatte der Kanonenofen und in der
anderen ein großer Flügelschrank ihren Platz; letzterer mit
Lehrmodellen und Vorführungsstücken. An der Wand rechts und
links hingen Schautafeln mit geografischen, zoologischen und botanischen
Zeichnungen und Landkarten. Auf einem Regalschrank an der Hinterwand gab
es einen Globus, ausgestopfte Tiere und Mineralien. So eine minimale Klasseneinrichtung
hat sich, je nach Dorfgröße, beliebig oft wiederholt.
Der Schulhof war überall groß genug, damit alle Kinder in
ihm herumrennen und turnen konnten. Ein-zwei Schuppen für
das Turnsach, Brennholz und eine Kammer fürs notwendige Hauswerkzeug
durften im eingezäunten Anwesen nicht fehlen.
8.6 Kindergarten
In der Hausgröße ähnelte ein Kindergarten/Ovoda der Schule,
nur dass er bezüglich der Einrichtung ärmer war. Rundum einige
Regale für die Spielsachen, genügend Hocker oder Schemel und
ein-zwei Pritschen zum Hinlegen, das war auch schon alles an Aufwand der
Gemeinde. Die frühere Erziehung wurde noch nicht wegen einer Überlastung
der Familie in den Kindergarten verlegt, weil die schwäbischen Hausgemeinschaften
daheim keinen Mangel an Aufsicht kannten. Der Kindergarten war schon eine
nötige Vorschule. Demnach war das Spielen, Erzählen, Singen
und Erklären kein reines Vergnügen, es ähnelte sehr der
Schularbeit: Schautafel, Erdkugel, Bauklötze und Malzeug, Sing- und
Gebetbücher waren ernste, aufwendige Dinge, die zuerst ein Mitmachen
und dann ein Aufräumen aller forderten. Zum Waschen vor und nach
dem Spielen gab es genügend Waschzeug, und für die Notdurft
kleine Kloschüsseln und Nachttöpfe.
8.7 Kirche
Seit der Siedlermutter Maria Theresia musste jedes Dorf mindestens eine
Kirche haben, und seit ihrem Sohn Josef II. war es nicht nur bei den Katholiken
so. Nur für wenige Gläubige, z.B. Juden oder Mohammedaner, war
ein Bethaus oder eine Betstube erlaubt. Mit oder ohne Turm - die Kirche
war das wichtigste Haus im Dorf. Aussehen und Einrichtung hatten die katholischen
noch nach dem Muster der österreichischen Barock- und spätgotischen
Häuser aufwändig, feierlich und überladen. Nur
die eklektischen und im ungarischen Jugendstil entstandenen Neubauten
aus dem 20. Jahrhundert sowie die evangelischen/reformierten
waren einfacher. In ihnen waren die vielen Heiligen und vergoldeten Schnörkel
verschwunden, man hat Jesus und seine Botschaft in den Vordergrund gestellt.
Was aber immer noch gleich blieb, waren die Sitzreihen, welche
von vorne gesehen links für Frauen und rechts für Männer
eingerichtet waren: mit zusätzlichen Decken und Kniepolster da und
Kappen-Hüte-Haken dort. Auch an der Fahnenreihe sah man einen Unterschied:
Prozession und Mission links, die Vereine rechts. Der Kreuzweg rundum
war überall, das hölzerne, farbige Standbild der Hl. Familie,
Maria, Antonius und Florian nur bei den Katholiken. Mit Kanzel, Taufbecken
und Beichtstühlen war es ebenso, und Glocken, Orgel und Liederbüchern,
Weihwasserkessel und Opferstöcken, Nebenaltare, Kerzen- und Votivständer
auch das erstere war auch bei den Evangelischen, das letztere
nur bei den Katholischen.
Die Glockenfamilie mit der größten Mittagsglocke, der zweiten
Nachleutelocke, dritten Zusammenläutglocke, vierten Vesper- oder
Sterbensglöckchen, hatten im Glockenstuhl ihren Platz, unter den
Kirchenuhren und ihrem Uhrwerk. Die Enden der Leutestricke hing neben
der Tretorgel auf die Choretage. Auf der Turmspitze war das Kreuz, der
Windhahn oder der Goldstern (kath., ev., ref.) Die Sakristei hatten alle,
die Einrichtung mit Pfarrer- und Messdienerschrank ebenso. Nur hatten
die Katholiken noch einige Hilfsmittel für Ministranten: Rauchfass,
Weihrauchdose, Klingelbeutel, Messweingläser, Wandlungsklingel, Tabernakelstiege.
Der katholische Hauptaltar (ihn kennen wir aus der Ministratenzeit)
war ein aufwendiges Baustück vorne im Kirchenschiff. Unter dem Ewigen
Licht, in einer Altarnische, war eine Reliquie eingemauert, darüber
ein heiliges Bild des Kirchenpatrons. In dem Überbau des Altars war
das Tabernakel, und auf dem wuchtigen Vorbau gab es Platz für ein
Kruzifix, ein halbes Dutzend Kerzenständer und eine große Stütze
für das Messbuch. Die Altardecke war weiß und hatte gehäkelte
Spitzen und, vorne mittig, ein Christusmonogram eingestickt. Der Altarteppich
reichte über die zwei-drei Altarstufen hinab zu der Kommunionsstufe.
Von der gewölbten Decke im Kirchenschiff hingen zwei-drei Kerzenleuchter
mit je zwanzig bis dreißig Wachskerzen herab. Die Wölbungen
der Decke waren meistens mit Deckenfresken zur Gänze ausgemahlt.
Die Eingangstüren hatten, bei alten Kirchen, gemauerte Gurtbögen,
bei neueren Betonstürze. Und hergestellt waren die Türen aus
stahlbeschlagenem Hartholz.
8.7.1 Kirchenvermögen
Bei ihm war es das Besitzverhältnis mit dem Amt verbunden: es gehörte
jeweils dem sein Amt ausübenden Kirchenmann, mit der persönlichen
Einschränkung, dass die Kirchenverwaltung im Bischofsamt das Hoheitsrecht
und damit das letztendliche Sagen hatte, z.B. ob der Dorfpfarrer das gesamte
Pfarrersfeld in Pacht bekommt oder ob auch der Messdiener etwas davon
nutzen sollte. Weil das Letztere selten vorkam, hat man nur vom Pfarrerfeld
gesprochen.
8.8 Friedhof
Das auffälligste an ihm war der Kalvarienberg. Meistens künstlich
angelegt war er auf geradem Weg vom Haupteingang zu erreichen und hatte,
neben den rechts und links gebauten Kreuzwegstationen, an seiner höchsten
Stelle die 3er Kreuzgruppe. Für Mittelständler und reichere
Bauern waren die Gräber angelegt mit eigenen unterirdischen Kapellengruften,
für die ärmeren Bürger mit eigenen Doppel- und Einfachgrabstellen,
und für Wohnsitzlose mit gemeindeeigenen Armengrabstätten. Bei
den Schwaben überwogen die Großgrüfte als gemauerte, unterirdische
Gewölbe, mit ca. 8 Kubik Inhalt oder 8 Stellen für Särge.
Über dem Steingewölbe war eine Stein- oder immergrüne Buxbaum-Einfassung,
so groß wie das Grab, ca. 1 x 2 oder 2 x 2 Meter. Die Kreuze am
Kopfende waren mannshoch, einfach oder doppelt aus Marmor, Kunstmarmor
oder Granit gemeißelt und hatten, nebst den Namen, so viele Unterglasbilder,
wie das Grab Tote enthielt. Es gab vollständig mit Kunstmarmor eingefasste
Grabflächen und solche, die mit Ziegelsteinen-Mäuerchen eingefasst
waren. Letztere pflegte man wie ein Hausgärtchen.
Kapellengrufte wurden, je nach Verfügung des Verstorbenen oder Zahlungskraft
der Erben, als Betnischen mit Kniealtar oder nur als Kerzennische über
dem Totengewölbe errichtet. Aber immer hatten sie ein aufwändiges
Äußeres mit bleiverglasten Fensterchen und einen schmiedeeisernen
Zaun um das schöne Gärtchen.
9 INDUSTRIE
Hier muss man sich eher manufakturale als großflächige Einrichtungen
vorstellen, die mit überwiegend Handarbeit ihre heimischen Aufträge
erledigten. Internationale Geschäftsbeziehungen unterhielten solche
Betriebe, die auch in der Lage waren, sich an ausländischen Messen
und Ausstallungen zu beteiligen. Und deren gab es nicht viele. Die untenstehende
Folge umfasst solche Betriebe, die der Verfasser aus eigener Erfahrung
nahe oder nur vage kannte. Schon deshalb kann die Aufzählung lückenhaft
sein.
9.1 Schiffswerft
In der Batschka gab es zwei größere Werften an der Donau
in Apatin und Baja und einige kleinere an der Theiß. Die Donauwerften
lagen an Nebenarmen des Flusses und nahmen Bodenflächen bis zu 100
x 700 Meter ein. Einerseits brauchten die Büros und Wirtschaftsbauten
viel Platz, aber sonst überwogen auf der Fläche die Baustellen
der Schiffe. Unter denen gab es Lastkähne bis tausend Tonnen Wasserverdrängung
und kleinste Kabinenschiffe unter 100 Tonnen. Und dazwischen nahmen die
meistgebauten Schleppkähne den Platz ein. Im Krieg, vor der Vertreibung,
wurden hauptsächlich Stahlschiffe gebaut, darunter gab es auch gepanzerte
Patroilenboote und Minensucher bzw. leger von 200 500 T.
Die sauberste und aufwändigste Arbeit bot das Passagierschiff, wo
alle Metall- und Holzfachleute der Werft zu tun hatten. Ihre Werkstätten
waren in einem Bau, nebeneinander untergebracht, hatten Trennwände
und eine gemeinsame Durchfahrt. Die wichtigsten Handerker unter ihnen
waren die Schiffschmiede, Schlosser, Mechaniker der Motormontage, Dreher,
Schweißer und Flaschner, danach kamen die Schiffszimmerer und Bauschreiner
im eigenen Bau. Kleinere Arbeitsräume hatten die Maler, Sandstrahler
und Stahlhärter. Und im gewässerten Rumpf hatten die Maschinisten,
Elektriker und Hydrauliker ihre Arbeitsplätze, - alle mit ihren Werkzeugschränken
auf Rädern. Das Zeichenbüro war im größten Bau untergebracht,
weil dort sämtliche Stahlrippen eins zu eins auf den Fußboden
gezeichnet wurden, für die Biegeschablonen. Ein großes Blechlager
war mit Kran und Stanzmaschine für den Blechschnitt eingerichtet,
ein weiterer Schienenkran konnte die Blechseiten über das Schiff
heben. Dazu kamen noch einige Eisen- und Holzlagerstellen, der Windenplatz
und die Elektrische Zentrale. Alles zusammen machte so eine Werft zum
Arbeitgeber für bis zu 500 Menschen, wo Schiffe mit einer Gesamttonnage
über 5000 T/Jahr auf den Fluss kamen.
9.2 Eisengießerei
Die größten unter ihnen konnten alle Schiffs- und Maschinenteile
gießen, welche von der Batschkaer Wirtschaft gebraucht wurden: Schiffsschrauben
aus Bronze, Anker, Motor- und Maschinenblöcke, Schwungräder
und Kolben für Dampfmaschinen, Teile für Öfen und Herde
und noch vieles mehr von allem, das aus Schwarz- und Grauguss,
Bronze und Aluminium war und durch geschicktes Modellieren viel Arbeit
und Werkstoff benötigte aber auch einsparen konnte. Wo große
Teile oder viel Massenware abgegossen wurde, lohnte sich ein fabrikeigener
Kupolofen, welcher Roheisen mit Kokskohle zu Ausgangsblöcken für
die Modellgießereien schaffte.
Die Batschkaer Kupolöfen waren außen aus Doppelbrand-Ziegeln
und innen aus Schamottsteinen gemauert, 2 m rund und ca. 4 m hoch. Oben
hatten sie ein großes Loch, durch das die Eisenstücke und abfälle
und der Koks, abwechselnd Schicht um Schicht gefüllt wurden. Wenn
der Ofen voll war, wurde die unterste Koksschicht entzündet und mit
einem Gebläse auf Schmelzhitze gebracht. Der Rohguss rann aus einem
Auslauf in einen Stahlmodel. Von diesen Rohblöcken wurde auch an
kleinere Gießereien abgegeben. Beim Eigenverbrauch hat man gleich
den geschmolzenen Rohguss in Sandmodeln zu Fertigteilen umgegossen.
Gießereieinrichtung: Verschiedene Kran- und Tragpfannen mit Trag-
und Kramstiel, Modelkästen, Gießtische, Sandsiebe und maschinelle
Rüttelstampfer, Handstampfer und former für die Kerne,
Pressluftreiniger für den Fertigguss. Und alles war in einer einzigen
großen Halle untergebracht, die sommers wie winters viel Luftdurchzug
brauchte.
9.3 Maschinenfabrik
Vom Pflug bis zur Dreschmaschine, und von der Sä- und Mähmaschine
bis zum Maisrubbler, Hexler und Schroter, alle Bauernmaschinen sowie jene
für viele Handwerker wurden in der Nähe ihres Einsatzes und,
wie z.B. die Holzbearbeitungs-Maschine, im Auftrag und oft mit
konstruktiver Hilfe eines Bestellers hergestellt. Manchmal in
Fachwerkstätten mit nur einigen Mann, dann wieder in großen
Fabriken mit bis zu 100 Mann Belegschaft. Von dort kamen auch alle Metallwaren
im Haushalt, viel Werkzeug und Kleinfahrzeuge. Man kann behaupten, dass
jede Batschkaer Maschinenfabrik eine besondere Warenart herstellte. Und
alle waren ziemlich konkurrenzlos. Umbauten von Lastfahrzeugen gehören
heute noch zu den bestbezahlten Aufträgen. Wie vielseitig die Batschkaer
Spezialisten waren und immer noch sind, kann man sich nur vorstellen,
wenn man auf Ausstellungen die zahlreichen Tüftlerangebote miteinander
vergleicht. Es gibt selten ein Verarbeitungsproblem, mit dem man nicht
fertig würde.
Die wichtigste Fabrikeinrichtung: Revolverdrehbank mit Backenfutter,
großer Arbeitsspindel, Bettschlitten und Support; Spindeldrehbank
mit Spindelstock, Motorkasten, Fallschnecke und Planhebel; Bohrmaschine,
Hobel- und Schleifmaschine, Bügelsäge, Fräs- und Stoßmaschine,
Richttisch, Werkbank mit Schraubstöcken; Schweißanlage mit
Schweißtrafo, Schweißbrenner mit Azetylenanlage. Dann Prüf-
und Streichwerkstatt usw. Alle diese und weitere Maschinen und Anlagen
waren mit manueller, halbautomatischer Bedienung. Das Werkzeuglager und
Eisenlager, Schrauben- und Kleinteillager, Farben- und Öllager hatte
eine Kasten- und Regalordnung, die durch eine schriftliche Kartei ergänzt
wurde und dadurch das Auffinden des Gesuchten sehr erleichterte. Schreib-
und Zeichenbüro waren, für die damalige Zeit, modern und doch
sparsam mit Zeichenbrettern, Schreibtischen, Schreib- und Rechenmaschinen
ausgerüstet.
Insgesamt hatte der Batschkaer Mittelstand einen statistischen Anteil
an der Metallwirtschaft von ca. 47%. Welche Nationalitäten wie viele
Arbeitskräfte stellten, kann man nicht mehr untersuchen.
10 STAATSWIRTSCHAFT
Außer der Zwangswirtschaft im Krieg hatte der Vaterstaat manche
Wirtschaften zur Gänze, andere nur zum Teil dem eigenen Diktat unterstellt.
Zu denen mit vollem Einfluss gehörten die Wald- und Flusswirtschaft,
zu den übrigen Feldwirtschaft aus Staatseigentum, Nutznießungen
und kostenloser Verpachtung an Gemeinden, Angestellte und Kriegsveteranen.
Zur Überwachung und Nutzung von sehr großen Waldflächen
und Flussabschnitten haben die Angestellten und Arbeiter an Ort und Stelle
Wohn- und Unterstellmöglichkeiten gebraucht. Das waren komplette
Wohnhäuser mit eigener Hauswirtschaft, Unterstellschuppen und Wald-
oder Dammhäuschen in einem Abstand zueinander von ca. halben Tagesmärschen.
So wurde im Wald oder auf dem Fluss das natürliche und traditionelle
Nutzrecht in Grenzen gehalten, indem sich die Anlieger kostenlos bedienen
konnten und dem Staat auch noch genügend übrig blieb.
10.1 Öffentliches Feld
Öffentliches Acker- oder Wiesenfeld ist langjährig verpachtet
worden. War es in Dorfnähe, so bekam es ein Dorfbeamter und angestellter
Notar, Lehrer, Schreiber, Gemeindediener von der Gemeinde
zur kostenlosen Unterpacht. Solches Feld hieß dann Notarfeld oder
Lehrer-, Schreiberfeld usw. Nutznießungen kamen auf dieselbe Art
in die Gunst der Armen und bekamen über viele Jahre zur Erkennung
den Namen des begünstigten Nutznießers.
11 GEMEINDEVERSORGUNG
Zur Gemeindeversorgung gehörte, über die kostenlose Pacht hinaus,
noch eine Pflegeeinrichtung für alleinstehende Alte, Kranke und Invaliden.
Die Versorgung ging da folgendermaßen vor sich: In einem verlassenen
privaten oder gemeindeeigenen Haus dem sog. Armenhaus
hatte die Gemeinde ihre Dorfärmsten untergebracht, ließ hier
für sie putzen, waschen und Essen kochen bzw. aus einem Wirtshaus
holen. Die Einrichtung in so einem Haus war den Möglichkeiten der
Gemeindekasse angepasst, ärmlich und einfach, man schlief auf Eisenbetten
und Holzpritschen, und sonst ähnelte das Innere einem einfachsten
Gasthaus. Dass sich die Kirche ebenfalls um die Einwohner solcher Häuser
kümmerte, soll noch erwähnt sein. (Ausführliches über
Verköstigung und Lebensumstände in einem städtischen Armenhaus
siehe Teil III LEBENSART, Abschnitt 3.3.4)
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