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BATSCHKAER AHNENSPIEGEL 200 BERUFE
 

 

Herausgeber: Konrad Gerescher, Szeged/Kömpöc, Tel.: +36 20 5695517, E-mail: konrad@jgytf.u-szeged.hu
Redaktor: Szabó Jen๕      E-mail: szjeno9@freemail.hu
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BATSCHKAER AHNENSPIEGEL
(als Buch erschienen Jan. 2004 mit Unterstützung des Amtes für Nationale und Ethnische Minderheiten Ungarns)

T E I L I
VERMÖGENSFORM

1 LANDWIRTSCHAFTLICHES GRUNDVERMÖGEN
Seit der Ansiedelung unserer Ahnen, im 18. Jahrhundert, gehörte die Landwirtschaft zur tragenden und alles übrige schaffenden und erhaltenden Vermögensform. Mit erstklassiger Bodenqualität stellten die Ackerböden das denkbar beste Fundament dar, das die Initiatoren der Besiedelung einem Neubeginn bieten konnten. Werden die Schwierigkeiten der ersten beiden Generationen bei der Kultivierung der kostenlos erhaltenen Flächen als natürliche aber überwindbare Anfangshindernisse hier so übergangen, wie sie auch die Ahnen der dritten und folgenden Generationen vergaßen, so bleibt nur erstrangige Qualität des Fundamentes übrig, auf dem man sich alle jene massiven Vermögenswerte vorstellen kann, die Mitte des Zwanzigsten Jahrhunderts – am Ende unserer Betrachtung – in mannigfachsten Formen existierten. In welchen genau, das soll in der Folge aufgezählt werden.

1.1 Landwirtschaftliche Strukturen
Das Grundvermögen derjenigen Btaschkadeutschen/Donauschwaben, die wir stellvertretend für alle Ahnen der Tiefebene im Geiste besuchen, bestand aus Ackerfeld, Weide, Wald, Sumpf, Salpeterboden und Wasserfläche, als Liegenschaften in eigener und verpachteter Bewirtschaftung. Von der fraglichen Gesamtfläche fallen unter den Teil der untersuchten Nord-Batschka - nördlich begrenzt von Kalocsa und südlich von Apatin - ca. 1 200 000 ha, und davon gehörten den Schwabenahnen rund 30%, was ungefähr 360 000 Hektar (ha) oder 600 000 kat. Joch (kJ), bzw. 780 000 kleine Joch (kl.J) ausmachte.

Ungefähr 84% der Batschkadeutschen des betrachteten Flachlandes lebten bis zum Zweiten Weltkrieg auf dem Lande. Davon arbeiteten 65% in der Landwirtschaft, aber nur die Hälfte von denen konnte allein von der Bauernwirtschaft leben. Als Bauern hatten sie zu 90% unter 100 kJ, nur 2% war „reich“ und verdiente den Namen Großgrundbesitzer, und von denen wiederum hatten nur einige über 1000 kJ.

1.1.1 Bodencharakter
Der Boden des Nordbatschkaer Ackerfeldes war seichter bis tiefer Humus, zwischen 10 und 50 cm Dicke. Beim Humusboden unterschied man solchen mit Lehm- oder Sandmischung, mit jeweils einem gleichen Untergrund von bis zu einem Meter Lehmsand. Darunter wechselten sich feste Lehm- und Sandmergelschichten ab. Je nachdem wie das Regenwasser zu- oder abgeflossen ist, war der Stoffwechsel der mineralischen Nährpartikel besser oder schlechter. In hohen Flachlagen waren die Erträge immer, in mittleren nur bei genügend Regen und in tiefen selten gut. Das Letztere gilt auch für Sand- und Salpeterböden.

1.1.2 Feldumfang
Durch das gültige Erbrecht und die Gewohnheit der Erstlingsversorgung ist das Ackerfeld so lange gleich groß geblieben, bis man etwas verkaufte oder dazu kaufte. Kleine Feldstücke von weniger als 1 Joch gab es nicht, und größere als 30 Joch auch nur bei Großgrundbesitzern. Das Flurnetz war viereckig, die Ackerlänge selten kleiner als 50 m und selten größer als 500 m. An allen vier Ecken waren Grenzsteine so tief und so deutlich gesetzt, dass man sie nicht aus Versehen herausackerte. Grenzstreit gab es bei den Schwaben selten, und ebenso wenig Streit untereinander wegen gestohlener Erträge.

1.1.3 Ackerformen
Zufahrts- und Feldwege waren in der Hauptsache rechtwinklig zueinander angelegt, so dass sie die Gemarkung in Doppellängen einteilten. Der Hauptweg hatte eine doppelte Fahrspur von 2 x 2 m und an beiden Seiten einen Grünstreifen von je einem m. War die Flurlage tief, so gab es neben dem Grünstreifen noch einen kleinen Wassergraben, von der Tiefe eines halben m und einer Breite von einem ganzen m. Zwischen dem Gräbchen und entlang des Ackerfeldes stand eine schüttere Baumreihe, meistens aus Maulbeeren oder Akazien; Turm- oder Kanadapappeln, wildem Johannisbrot, Vogelbeeren, Silberpappeln oder Ölweiden. Die Wegbäume konnte man schon von weitem sehen, wenn man den Weg ins Dorf suchte. Die bei allen doppelten Ackerlängen von Hauptweg abzweigenden Neben- oder Feldwege waren einspurig, ungefähr 3 m breit und hatten an beiden Seiten je einen halben m Wildgras. Einzelne Findelbäume, in der Art von heimischen Wegbäumen, wuchsen wie beim Hauptweg und verhalfen der Sicht die Orientierung auf der weiten Ebene.

1.1.4 Bodenarten
Die ungarische Tiefebene liegt zwischen 25 und 100 m über dem Meeresspiegel. Den Höhenunterschied bilden Hügel aus Flugsand, die sich abwechseln mit Vertiefungen, welche fast alljährlich überschwemmt sind. Künstliche Kanäle und Gräben sorgen dafür, dass das überschüssige Wasser bald abfließt und dass sich nur in Flussnähe dauerhafte Sumpfstellen bilden können.

Der Salpeterboden ist das ganze Jahr über feucht, ja es gibt Stellen, an denen der Geschmack des stehenden Gewässers salzig ist und so noch an die Urzeit erinnerte, da die gesamte Tiefebene von einem Meer bedeckt war. Gegen die regelmäßigen Überschwemmungen baute man bald nach der Ansiedelung 5 bis 10 m hohe Dämme. Zu ihrer Befestigung pflanzte man auf ihren Hängen und Böschungen verschiedene Sträucher.

Auf dem durch die Entwässerung kultivierten Ackerboden wuchsen alle Feldgewächse, welche im mitteleuropäischem Klima – mit heißen, feuchten Sommern und kalten, schneereichen Wintern – nur denkbar sind. Der altbekannte Spruch von der Kornkammer Europas in der goldenen Tiefebene hatte zur Zeit unserer Ahnen noch seinen treffenden Sinn.

1.2 ACKERGEWÄCHSE
Von der vielfältigen Ackerflora soll nur derjenige Teil behandelt werden, der als Nutz- oder Schädlingsgewächs von unseren Bauern gekannt und angebaut oder bekämpft wurde. Die Auswahl und Reihenfolge ist lückenhaft und soll in einer Kurzbeschreibung den ungefähren Bedeutungsgrad unter den Wechselkulturen bzw. den Grad der Wachstumsbehinderung aufzeigen.

1.2.1 Nutzgewächse
An Nutzgewächs kannte man damals wie heute: Weizen/Frucht, Roggen, Gerste, Hafer, Mais/Kukuruz, Sonnenblumen, Raps, Sojabohnen, Futter- und Zuckerrüben, Ross- und Kuhklee, kleine, weiße und farbige Kochbohnen, große, farbige Saubohnen, Felderbsen, Hanf, Zikorie, Zirok, Flachs und Tabak.

1.2.2 Unkrautgewächse
Die Unkräuter kannte man damals als: Kreuzblume, Quecke, roter Mohn/Pipatsch, Fruchtnagel, Wucherblume, Brennnessel, Hundskamille, Milchblume, Distel, Wildklee, Hederich, Wildhafer, Mausgerste, Gänsefuß, Sonnenrute, Hexenkraut.

1.2.3 Grünfutter
An Grünfutter baute man auf dem Acker an: Grüne Maisstängel/Mischling, Klee, grüne Korngewächse und Zikorie.

1.3 WIESENGEWÄCHSE
Darunter ist das Wiesengrün zu verstehen, welches in normal beregneten Jahren in einer herrlichen Üppigkeit das Bild der tieferen Batschkaer Feldflure bestimmte. Was in sogen. guten Jahren dem Auge Wohltat, konnte bei Überschwemmungen oder großer Dürre, nicht nur vom Bauern-Besitzer, als regelrecht katastrophal empfunden werden, das die Substanz des bäuerlichen Anwesens sehr beschädigte und der gesamten Volkswirtschaft, durch wesentliche Einschränkung der Milch- und Fleischerzeugung, empfindlich abträglich war.

1.3.1 Heuarten
An Heu- und Futtergewächs konnte man in einem guten Heujahr mit dreimaliger Mahd – mit der letzten als Krumet – rechnen. Das Heu des Zwischenstromlandes bestand damals aus Wucherblume, Franzosengras, Wildhafer, Schafgarbe, Knöterich, Gänseblümchen, Storchschnabel, Wegwarte, jungem Schilf und Rohr, Wildklee, Rosskamille und vielen Unkräutern. Alles was auf den Wiesen wuchs und getrocknet zu Heu wurde, konnte man auch als Grünfutter verfüttern. Was nach der allerletzten Mahd noch auf der Wiese blieb, nannte man Nachkrumet. Zusammengerecht wurde das trockene Heu auf Stadel, und man fuhr es mit Heuwagen auf die Triste am Wiesenrand oder im Bauernhof.

Nur auf der Gemeindewiese und Kuhweide mähte man bloß einmal oder keinmal, je nachdem ob es ein gutes Heujahr war oder ob die Gemeinde eine eigene Verwendung für Grünfutter und Heu hatte, z.B. indem sie selbst gemeindeeigenes Vieh – Zuchtstiere, -hengste, -eber – hielt oder aus dem Heuverkauf Geld machte. War das alles nicht der Fall, so wurden gute Weiden für ein- oder zweimal Mähen verpachtet.

1.4 WALDGEWÄCHSE

1.4.1 Laubgewächse
Der Wald war meist in staatlichem oder gemeindeeigenem Besitz. In Privatbesitz waren nur reine Nutzholzanlagen, Schonungen und wild wachsende Auwälder, die auf das eigene Grundstück überwucherten. Pappel-, Weiden- und Akazienschonungen durfte jeder Bauer anlegen oder abholzen. Sonst war alle Beschäftigung mit oder in dem Wald genehmigungspflichtig.

An Baumarten wuchsen in den Laubwäldern: Eiche, Buche, Schwarz-, Weiß-, Silber-, Riesen- und Kaiserpappel, Esche, wilde Kastanie, Eberesche, Hagedorn, Mispel. In Mischwäldern kamen zu diesen Laubbäumen noch dazu: Alle südöstlichen Nadelhölzer, wie alle Tannenarten, Fichte, Kiefer, Lerche und der immergrüne Wacholder.

1.4.2 Nadelgewächse
Reine Nadelwälder hat nur die Großherrschaft angelegt. Meistens waren das Fichten- und Kieferschonungen. In natürlichen Auwäldern wuchsen: alle Pappelarten, Weide, Akazie, Maulbeere, Wildkirsche, -birnen und –äpfel, Schlee, Vogelbeere/Hagedorn. Und als Büsche wuchsen im Unterholz der Wälder und in Schonungen ebenfalls wild: Efeu, Rotdorn, Hagedorn, Holunder, Schlee, Giftbeere, Gagelei, Brom- und Himbeere, Wildrose, gelber und roter Ginster, Hundsbeere.

1.4.3 Bodengewächse
Als grüne Bodendecke wuchsen im Wald: Distel, Brennnessel, wilde Lupine, verschiedenes Farnkraut, Geißbart, Lungenkraut, Schuhputzer, wilder Wein, Efeu, Wildhafer, Schilf und Gras, doch auch nicht zu knapp die süße Walderdbeere.

2 HAUSVERMÖGEN
Zum Hausvermögen gehörten eigengenutzte und vermietete Immobilien. Gehörte das Haus, was meistens der Fall war, auch zum Geschäftsvermögen, so war es zusätzlich ein tragender Faktor des Besitzes an Produktions- und Handelsaktiva. Beim Staatsvermögen ist sein Stellenwert erst hinter dem langfristigen Pachtfeld und Boden in Nutznießung und Schenkung einzuordnen.

In erster Linie untersuchen wir solche Hauswirtschaften, welche zu der sogen. wohlhabenden Mehrheit gehörten, gutes Feld, einen mittelgroßen Haushalt und eine ebensolche Hauswirtschaft hatten.

2.1 Hausarten
An ländlichen Hausarten gab es: das mit Schilfrohr oder Dachziegel gedeckte Siedlerhaus mit Satteldach – nicht mehr so oft; das Giebel- oder Langhaus mit Sattel und Walmdach – am häufigsten; das Querhaus, auch mit einem Dach, weniger häufig als das vorige; das Triangelhaus mit Sattel- und Kehldach, an dritter Stelle, mit angebautem Querschuppen; und noch das viereckig angelegte Herrschaftshaus, mit Walmdach vorne und Kehldach hinten. Nur das Langhaus wurde manchmal noch mit Stampfmauern gebaut, mit gemischtem Rohr- und Ziegeldach. Alle übrigen Haustypen hatten Ziegelmauern und Dachziegeldächer.

2.1.1 Siedlerhaus
Das war der erste Haustyp, den unsere Siedlerahnen in Ungarn, bzw. der Batschka antrafen, von der Kammeralherrschaft erstellt bekamen oder sich gleich nach der Niederlassung mit Eigenkapital oder Kredit bauten. Nach den Plänen der Wiener Hofkammer musste das Siedlerdorf und damit auch das Siedlerhaus eine bestimmte Form haben, die hauptsächlich von Minimalkriterien bestimmt wurde: Mit dem Giebel zur Strasse stehend, hatte es drei Räume, bestehend aus Schlafstube, Wohnküche und Wirtschaftsstube; dahinter einen angebauten, halb offenen Kuh- oder Pferdestall und, als Nebengebäude, einen Schuppen mit Schweine- und Hühnerstall.

2.1.2 Giebel- oder Langhaus
Etwa nach zwei Generationen konnten und mussten – wegen Familienvergrößerung – die Siedlerhäuser erweitert werden. Dies geschah durch Abriss und Neuaufbau in Reihenform – länger und höher. Da dieses der meistvorkommende Haustyp in der Batschkas ist, soll er gründlich und beispielhaft im Abschnitt 2.2 HAUSWIRTSCHAFT untersucht werden.

2.1.3 Querhaus
Sowie der Wohlstand wuchs, stellten sich die Wünsche der wohlhabenderen Hauswirtschaften nach repräsentativeren Häusern ein. Wenn sich ein Bauer oder Handwerker vom Giebelhaus verabschiedete, konnte angenommen werden, dass er vermögender als die Nachbarn ist – dies mit Feld- und sonstigem Vermögensbesitz. Ein parallel zur Strasse, also quer, stehendes Haus hatte an der Strasse entlang zwei Zimmer und eine Küche, und im Winkel dazu – nicht am Haus angebaut - die Wirtschafts- und Stallräume. Das einfache Querhaus war der Beginn oder die Grundvoraussetzung für das Triangelhaus, sofern sich die wirtschaftlichen Verhältnisse weiterhin gut entwickelten.

2.1.4 Triangelhaus
Wurden die räume des einfachen Querhauses zu eng oder entsprachen sie nicht mehr den zum Besten tendierenden Finanzen, so baute man im rechten Winkel direkt ans Querhaus den Triangelflügel an. Vorne, parallel zur Strasse, änderte sich nur die Nutzung (meist wurde aus der Küche ein Badezimmer), und die neugebauten Räumlichkeiten entsprachen in Form und Zweck die des Giebelhauses. Der Quer- und Längsteil wurden durch einen rechtwinkeligen Gang/Flur trocken miteinander verbunden. An der Gestaltung der Straßenfront wurde ein weiterer Wohlstandsfaktor am Triangelhaus sichtbar: die Verkleidung der Außenwand bekam einen besonderen Kalkstuck oder gar Kunst- bzw. echten Marmor.

2.1.5 Herrenhaus
Der wachsende wirtschaftliche Wohlstand war bei unseren Ahnen der Vater aller Dinge. Wer sich aus dem Triangelhaus durch einen weiteren rechtwinkeligen Anbau ein größtmögliches U auf das Grundstück stellte, hatte es geschafft – er wurde, ob er wollte oder nicht, zur örtlichen Herrschaft erhoben, die durch Glück und Geschick (Spekulation, Sparsamkeit, ja Geiz!) soviel Feld oder andere Werte anhäufen konnte, dass er nicht mehr selbst soviel wie die Nachbarschaft zu arbeiten brauchte. Das bewies ein Dienstmädchen und ein Hausknecht in der Haus- und ein Pächter in der Feldwirtschaft.

2.2 HAUSWIRTSCHAFT

2.2.1 Hofform
In der Hauptsache interessiert hier das meistgebaute Giebel- oder Langhaus mit Vorder- und Hinterhof, einem Wirtschaftsteil als Längs- oder Querschuppen und einem Sommerhäuschen im Vorderhof. Weil jedes Haus sowieso genügend Hoffläche haben musste, ist es unwichtig, wie groß diese Fläche genau war. Die Hauptsache der Vorderhof war an der Strasse, in gleicher Linie mit dem Haus, eingezäunt und lief hinten- mit oder ohne Zaun - in dem Garten aus. Der Hinterhof mit dem Gartenteil war nur dann von allen Seiten eingezäunt, wenn auch die Nachbargärten einen Zaun hatten. Der Vorderhof war entweder durch den Querschuppen oder durch einen Zaun mit Tür und Tor vom Hinterhof getrennt.
2.2.2 Zäune und Tore
Vorne, zur Straße hin, hatte man die teuersten Zäune, die man sich nur leisten konnte. Das war entweder ein doppelt gemauerter, 2 m hoher Ziegelzaun mit Ziegelpfosten oder ein unterbrochener, einfacher Ziegel- und Plattenzaun aus Kalkstein oder Zementplatten. Einfache Häuser hatten Bretter-, Latten- und Drahtzäune, welche zwischen 1,2 und 2 m hoch waren. Arme hatten spitze, 1,2 m lange Akaziestöcke, trockene Sonnenblumen-Stangen, welche an zwei eisernen Spanndrähten befestigt waren, oder sie hatten nur nackte Spanndrähte an Akazienpfosten, die sie vor Fremden Besuchern schützten.
Das Hoftor war genau so aufwendig oder sparsam gemacht, wie der Zaun. Als zweiflügeliges Brettertor mit oder ohne Einfahrtskranz, mit ausgeschnittenen oder separatem Türchen, als einfaches Haustor mit und ohne Eingangstürchen, das in der Höhe zum Zaun passte und meistens aus Brettern war.

2.2.3 Gassen und Wege
Auf der Gasse, vor dem Zaun, war gewöhnlich ein 1 m breiter Gehweg aus Pflastersteinen. Wer sich diesen nicht leisten konnte, hatte Zementplatten, einzelne Backsteine oder nur – was bei den Schwaben sehr selten vorkam – einen Lehmweg, der mit einem leichten Anfall das Regenwasser schnell vom Hause abführte.
Unsere Gassen waren, als Hauptgassen 20 – 30 m, als Nebengassen 7 – 10 m breit. Neben dem Gehweg war ein meterbreiter Grünstreifen aus niederem Gras, bis zum Wassergräbchen mit einer größten Breite von einem Meter und einer Tiefe von einem halben Meter. Je nachdem, wie breit die Gasse war als Haupt- oder Nebengasse, war nochmals daneben ein Grünstreifen von einigen Meter, auf dem eine Reihe Straßenbäume standen: Maulbeeren, Akazien, wilde Kastanien oder Pappeln und Linden, am Dorfende ein Paar Christusdorn. In solchen Dörfern, wo anstatt dem Grünstreifen ein Gärtchen mit Blumen oder Gemüse angelegt war, hatte man anstatt Nutzholz-, Obstbäume gesetzt: Kirschen, Weichsel, Äpfel, Birnen. Bei Blumenfreunden wurde auch mal gerne ein Tamarisken- oder Spierenzaun, eine immergrüne Buxhecke oder eine Reihe Rosen gepflanzt. Als lebende Gartenzäune gab es selten eine Ligusterhecke.
Der Fahrweg auf der Hauptgasse war in reicheren Dörfern aus gewalztem Schotter, in ärmeren aus gestampftem Lehm. So oder so, in trockenen Sommern wurde der Straub gewaltig hochgewirbelt, hier weniger, dort mehr. Nur bei Regenzeit zeigte sich ein deutlicher Unterschied: Der Schotter hat den Wagenrädern stand gehalten – der Stampflehm nicht, er hat sie bis zur Achse verschluckt.

Gleich neben dem Fahrweg standen die Masten der elektrischen und telegrafischen Drähte – dort, wo es bereits Strom im Dorf gab. War eine Wasserleitung vielleicht auch schon gelegt, so hatte sie unter dem Grünstreifen, neben dem Gehweg ihren Platz und die Anschlüsse in die Häuser. Die Regel beim öffentlichen Versorgungsstand war: Telefon und Telegraf überall in den Dörfern, Elektrisch in 80% und Fließwasser nur in etwa 5% von ihnen. Die Städte waren zu 100% mit allem versorgt, lediglich das Abwasser wurde in Sicker- oder Sammelgruben geleitet und von Fasswagen abgeholt. Das Regenwasser wurde von allen ,besseren’ Häusern in der Stadt wie auf dem Lande in Zisternen gesammelt und zum Wäschewaschen benutzt.

2.2.4 Hofinhalte und Brunnen
Auf dem Dorf hatte jedes Haus mindestens einen Trinkwasserbrunnen, welcher in der Nähe zum Wirtschaftsteil seinen Platz hatte. Bei zwei Brunnen, war einer davon im Vorderhof, neben dem Eingangstor, damit sich die Nachbarn auch mit Trinkwasser zur Not aushelfen konnten. Unterschieden wurden Grabbrunnen, Pumpbrunnen und Tiefbrunnen in den Häusern, dauerfließende Artesibrunnen auf der Strasse. Die Grabbrunnen hatten einen Schwengel – dann hießen sie Ziehbrunnen – oder Holzwalzen, welche mit einem Hebel oder einem Brunnenrad angetrieben wurden und so den Strick mit dem Wassereimer hochzogen. Überwogen haben die mit einem Brunnenhäuschen über der Zugwalze. Die gegrabenen Brunnenarten hatten nur Grundwasser in ihrem ca. 80 – 100 cm runden, 5 – 10 m tiefen, gemauerten Brunnenloch. Solches Wasser war nicht immer zum Trinken geeignet, und daher wurden die Schwengelbrunnen auch hauptsächlich draußen auf dem Feld und auf dem Wasen gegraben und hatten ein Brunnengestell aus Brettern, aus welchem man Wasser in einen aus einem ausgehöhlten Baumstamm geschaffenen Wassertrog für das Vieh schöpfen konnte. Reines Trinkwasser konnte man nur aus den Pump- und Tiefbrunnen hochsaugen. Diese Brunnen waren immer tiefer als das Grundwasser gebohrt, zwischen 20 und 100 m, je nachdem, wie viel der Hausherr für ihre Erstellung zahlen konnte oder wollte. Die Artesibrunnen waren Tiefbrunnen mit einer angebohrten Wasserschicht in mehr als 100 m Tiefe. Der Unterwasserdruck im doppelten Saugrohr hat das Wasser, wenn es einmal angesaugt war, zum Dauerfließen gebracht. Solches Wasser hatte die beste Trinkqualität.

2.3 HAUSAUFTEILUNG

2.3.1 Eingangsteil
Die zweite Generation der Reihenhäuser – nur solche wollen wir untersuchen – war ca. 9 m breit und verschieden lang, weil bei manchen in derselben Reihe mit dem Wohnteil, auch der Wirtschaftsteil gewesen ist. Wenn man zweimal je 50 cm für die Außenwand und einmal 24 cm für die Innenwand abzweigt, so bleibt eine Netto-Wohnbreite von max. 7,7 m übrig, einschließlich dem Hausgang von ca. 2 – 2,5 m Breite. Man kann demnach von etwa quadratischen Wohnflächen von ca. 4,5 m Breite und verschiedenen Längen zwischen 3 und 5m ausgehen.
Das Haus war im Wohnteil 3 – 5 Stufen über den Hof angehoben. Die Stufen waren aus Backsteinen gemauert, 1 – 1,2 m breit und hatten, wenn sie verputzt waren, seitlich ein schräges Stützmäuerchen mit oder ohne Eisengeländer. Sie führten vom gepflasterten Gehweg im Vorderhof in den Hausgang. In unserem Musterhaus hatten wir sie doppelt, vorne am Eingang in die Wohnküche und hinten am Gangende.

2.3.2 Hausgang
Er war immer an der Süd- oder Westseite des Hauses, entweder gleich am Haus unter das Hausdach oder unter einen Dachvorsprung gebaut. Im ersteren Falle hat der Gassengiebel symmetrisch über die Vorderstube und Gangstube gereicht, was wesentlich schöner aussah, als ein extra angebauter Gang mit einer zweiten Dachschräge. Was den eigens angebauten Gang angeht, so wurde er bereits bei der ersten Generation des Reihenhauses, beim Siedlerhaus gebaut, dann, wenn die Hausleute nicht genug Platz hatten und einen Raum mit Gang seitlich ans Haus dran bauten. Die Aufgabe des Gangs war, die Wohnküche und Speiß oder Kammer und noch ein Gangstübchen miteinander trocken begehbar zu verbinden. Dass er nur teilweise offen war und sonst Türen und Fenster hatte ist klar und hing von seiner Aufgabe in den extremen Jahreszeiten ab. Er war 2 –3 m breit, mit Backsteinen oder Kunststeinplatten – 20 oder 30 cm groß – ausgelegt und wurde auf alle drei Meter von Dachstützen aus Backsteinen oder viereckigem Akazienholz abgestützt. Zum Sonnenschutz hatte er auf seiner gesamten Länge Spaliere aus Trauben, wildem Wein oder Heckenrosen. Dort wo diese Schattenspender nicht ausreichten, hatte man zwischen den Dachstützen 80 – 100 cm hohe Backsteinmäuerchen, und hatte damit eine zusätzliche Ablage für Blumentöpfe, oder man trieb den Luxus weiter und machte aus dem gesamten Gang eine Veranda, indem man zwischen die Dachstützen ganzflächige Fensterwände einbaute. An Einrichtung hatte so ein Gang nicht viel: Eine Sitzbank, Tisch, Stühle, einige Blumenständer und vielleicht ein oder zwei Schmuckstücke – Bilder, christliche Symbole oder Reliefs – an den schön mit Mustern geweißelten Wänden.

2.3.3 Wohnteil
Beim neuen Giebelhaus, dort wo der Gang gleich mit angebaut wurde, sah die Hausaufteilung bezüglich des Wohnteils folgendermaßen aus: Vorderstube, Vorderküche, Vorratskammer (Speiß), Mittelstube, Hinterküche mit Speiß oder Kammer oder Hinterstube, vorne noch eine Gangstube. Bei den oft extremen Temperaturunterschieden zwischen Sommer und Winter war diese Aufteilung des Wohnteils nicht nur praktisch, sondern lebenswichtig: Man musste den Wohnteil nur dann verlassen, wenn dringende Hofarbeit es verlangte. Zur Erledigung dringender Außenarbeiten verließ nur eine Person die Geborgenheit und Rundum-Versorgtheit des Wohnbereiches.

2.3.4 Vorder- oder Wohnküche
Hinein ging man durch eine Doppeltüre. Deren äußerer Teil bestand aus Vollholz, der innere hatte im oberen Teil ein viermal unterteiltes, durchsichtiges Glas, im unteren Vollholz. Zusammengehalten wurden Außen- und Innentüre durch ein Türfutter. Die Außentüre wurde nur verschlossen, wenn es sehr kalt war oder wenn man das Haus verlassen hat. Dann verschloss man beide Türen mit zwei verschiedenen Bartschlüsseln.

Innen war die Vorderküche gewöhnlich so eingerichtet: an der rechten und linken Wand, vorne, stand jeweils ein großes Holzbett, in dem hatten jeweils zwei Erwachsene oder drei Kinder Platz. Sommer wie Winter hatten die Betten gewöhnlich das gleiche Bettzeug: Strohsack, Leintuch, Polster und Federdecke/Tuchent mit weichen Gänsefedern oder Daunen gefüllt. Brauchte man im Sommer die Tuchent nicht, dann legte man sie über Nacht auf den Tisch und deckte sich mit einer Wolldecke oder einem Leintuch zu. Tagsüber machte man das Bett genauso mit der Tuchent zurecht, wie im Winter.

Genau in der Mitte zwischen den Betten stand der Küchentisch mit drei Lehnstühlen und einer Lehnenbank – alles aus Fichtenholz. Die 1 – 1,2 m lange Bank war mit der Lehne eng an die Wand und unter das einzige Stubenfenster gelehnt. Das Fenster war, wie alle Außenfenster, ein Doppelglasfenster mit vier- oder sechsmal unterteilten Scheiben, einem Rahmenfutter und einem Fensterbrett aus Weichholz. Im Oberteil konnte man zwei Innen- und Außenfensterchen gesondert aufmachen. Schaute das Fenster zum Nachbar, so war das Ganze nur so groß wie zwei Fensterchen und musste über der Kopfhöhe liegen. Alles Fensterholz war mit einer hellen Ölfarbe angestrichen und gegen die große Winterkälte an den unteren Ritzen ausgefüttert. Als Vorhänge dienten Leinentücher, breit wie ein Handtuch, mit mehr oder weniger hübschem Stickmuster. Einen Sichtschutz in Form von Glasvorhängen, Rollos oder Fensterläden kannte man nicht.

Zur Verbindung mit der Vorder- und Mittelstube hatte man am Fußende der Betten je eine halbverglaste Holztüre, mit Holzverkleidung so dick wie die Stubenwände. In der Ecke zwischen so einer Türe und der Gangtüre stand der Gusssparherd, mit einem Kaminanschluss von 12 cm Durchmesser, zu welchem ein ca. 1,5 m langes Ofenrohr – mit oder ohne Heizgitter – nach oben in den Kamin des Schornsteins führte. Neben dem Sparherd stand die Holzkiste, welche mit ihrer Größe von ca. 50x60x40 cm, genügend Platz hatte für Scheidholz, gehackte Sonnenblumenstängel oder Kukrutzbutzen. Der Sparherd selbst war eine geschickte Weiterentwicklung des Batzherdes der ersten Siedler, der in verschieden großen und teueren Formen in Ungarn hergestellt wurde. Er hatte immer eine Gussplatte und ein Gussgestell. Die Gussplatte hatte mindestens einmal über der Feuerstelle einen kochgeschirrgroßen Ausschnitt, wo zwei Ringdeckel das Putzen erleichterten. Die zweite Öffnung in der Platte war an der Rauchseite angebracht, ca. 15x40cm groß und konnte einen Wasserkessel aufnehmen. Darunter war der Backofen mit Backtürchen mit einer doppelten Verkleidung. Je nach Herdgröße hatten im Backofenteil zwei oder drei Backbleche Platz. Von innen war der Sparherd mit Schamott ausgemauert, von außen emailliert und – in Luxusausführung – mit Barockschnörkeln verschönt. Unter ihm, zwischen den Füßen, war Platz für eine 20 cm hohe zweite Kiste oder Schachtel für Kleinholz, Späne und Papier zum Feuermachen.

An der vierten, freien Wand der Wohnküche hatte der zwei- oder dreitürige Küchenschrank seinen Platz. In ihm mussten alles Küchengeschirr und alle Kochutensilien untergebracht werden. Im oberen Teil waren, z.B. auf den Ablagebrettern die tiefen und flachen Teller, Tellerchen und Schalen mit Untersätzen, Trinkgläsern und Schnapsgläsern/Stamperln – alles mindestens einmal und meistens in der Summe der Familienmitglieder -, leere Wein- und Schnapsflaschen mit einem halben und ganzen Liter Inhalt, Milchkrüge mit einem Liter, Erdtöpfe mit Aufsatz und weitere Tischgefäße zum Auftragen der Speisen. Im Mittelteil standen die Töpfe, Pfannen und Schüsseln aus Emailblech, neben- und ineinander, genau so die Guss- und Eisenpfannen und –töpfe und Schüsseln aus Aluminium, sowie die Kugelhupfbleche, dann 3-4 Arten von Porzellanschüsseln. Hinter all dem hingen für alle Gefäße passende Blech- und Emaildeckel. Im Unterteil des Küchenschrankes war der Platz für die Grundzutaten zum Kochen, in der Menge des Bedarfs für ca. eine Woche und in der Verpackung von Papierbeutel/Stanitzel, Dosen, runden und ovalen Flechtkörbchen.

Das Essbesteck war, mindestens sechs Mal, entweder in einer Schrankschublade oder in der Tischlade untergebracht. Tischmesser, Gabel, Löffel, Löffelchen, Schöpf- und Rührlöffel in verschiedenen Größen, Tortenschaufeln, Fleischwender, Kochlöffel, Draht- und Nudelsieb, Schneebesen und Kartoffelstampfer. Die Transchier-, Fleisch-, Teig- und Schelmesser waren an der Schrankseite vom anderen Geschirr getrennt untergebracht. Daneben hingen an Haken eine Mohn- und Nussmühle, kleines Mehlsieb, Reibeisen, Kartoffel- und Tomatenpresse. Die Fleischmühle war bei den großen Schlachtmessern in der Speiß oder Kammer untergebracht.

In der Nähe des Sparherds stand auf dem Fußboden eine Gießkanne oder ein Keramikkrug mit Frischwasser, und nicht weit davon an der Wand war die Stelle für eine Waschschüssel, die auf einem Waschtisch oder Schemel stand, mit einem Handtuchhalter und einer Seifenschale mit Kernseife, einem Sandgefäß zur Aufnahme des Reibsandes für Haut- und Geschirrreinigung, zwei-drei leinene Handtücher und ein Putzlumpen aus weicheren Flanellresten. Der notwendige Nachttopf für die Kinder stand unter einem Bett, und hinter dem Schrank ein Stubenbesen aus Rosshaar mit einer Kehrschaufel aus Blech. Hängend hinter dem Schrank war auch ein Nudelbrett mit Teigwalker. Auf dem Schrank stand tagsüber die blecherne Petroleumlampe, klar, nur dann, wenn das Haus noch nicht elektrifiziert war. Unter dem Schrank war eine Schachtel mit Schuhputzzeug: Verschiedene Schuhkreme und –bürsten, Staub- und Glanztücher, Schuhlöffel und vorrätige Schnürsenkel. Bei Armen erschöpfte sich der gesamte Inhalt auf eine Dose Schmalz oder Schmeer, eine Gras- oder Rosshaarbürste und einen Putzlumpen.

Im Tischkasten waren untergebracht: Nähzeug, Schere, Zentimeterband, Strick- und Häkelzeug, Knöpfschachtel, Schnüre, Zahnstocher, Streichhölzer, Raucherbedarf, Korkenzieher, Rasierzeug, Rasiermesser, lederner Abzieher dafür, Alaun zur Behandlung von kleinen Schnittwunden, Wetz- und Bimsstein, sauberer Putzlappen und einige Papiertücher.

Der Küchenfußboden war, bei ärmeren Haushalten, aus Stampflehm, mit Kalk überweißelt, bei reicheren aus gehobelten Fichtenriemen mit Nut und Feder und farblosem Lack überstrichen. Aber immer waren auf ihm einige Lumpenteppiche ausgelegt. – Dass in einigen heutigen ungarischen Skansen mancher Lehmfußboden mit aufgeweichten Kuhfladen überschmiert ist, soll nur erwähnt werden, ohne genauen Hinweis, ob es wirklich gesund, sauber und schön war, den Fußboden mit so etwas zu reinigen und inwiefern es auch unsere Menschen so machten.

An der Wand, in Türnähe, hing ein Kleiderrechen, für die Mäntel, Tücher, Kappen, Schaals, die man draußen bei der Hofarbeit brauchte. Darüber war eine Hutablage, und darunter der Platz für die Hofschuhe, Galoschen und Klumpen. Beim Aufenthalt in der Küche hat man gewöhnlich Strickschuhe mit Ledersohlen angehabt. Wären noch freie Küchenwände und die Decke übrig. Das erstere war mit einer Musterwalze oder einem Musterbogen, auf hellem Kalkgrund, gestrichen, das zweite hat man meist mit reiner Kalkbrühe geweißelt. Wenn feinere Leute auch die Decke mit einem Muster versahen, dann war es so aufgetragen, wie auf die Wand, mit einem Musterbogen, selten freie Handmalerei.

An Wandschmuck hatte man eine Aufziehuhr, zwei-drei größere und einige kleinere heilige Bilder oder Familienbilder in Holzrahmen, unter Glas. In katholischen Haushalten hat das Kruzifix in der Wohnküche nicht fehlen dürfen, und jene Bewohner, welche rechte Staatsbürger waren, hatten ein Brustbild des Königs oder eines verehrten Politikers gut sichtbar aufgehängt.

Schrankvorräte und Kochzutaten, die im Wohnküchenschrank aufbewahrt wurden, bestanden aus Fein-und Mischmehl, Grieß, Semmelbrösel, Reis, Eier, Zwiebel, Knoblauch, Bohnen, Erbsen und Linsen. Im Doppelregal über dem Herd hatte man in Dosen alle Geschmacks- und Gewürzzutaten, wie Zucker, Salz, süßen und scharfen Paprika, Pfeffer, Kümmel, Majoran, Muskatnuss, Backpulver, Zimt, Lorbeerblätter, Zikorie- und Bohnenkaffee, Kakao und etliches Feingewürz sowie Haltbarkeitszutaten, wie Safran, Rosmarinpulver, Soda, Salizil und Hefe.

Frische Essvorräte, immer frisch aus der kühlen Vorratskammer/Speiß geholt: Brot, Schmalz, Milch, Butter, Rahm, Käse, Grieben. Und aus der Räucherkammer: Speck, Schinken, Würste und anderes Geräuchertes. Aus dem Keller Kartoffeln und Gemüse. Das Frischfleisch wurde immer am Kochtag aus der Fleischbank besorgt, vom Rind, Schwein, Kalb, in allen gewünschten Preislagen und Portionen.

2.3.5 Vorderstube
Sie hieß auch Vorzeige- oder Paradestube und hatte meist zwei Gassenfenster mittig zum Vordergiebel, die gleich groß und aus demselben Werkstoff wie die Küchenfenster hergestellt waren. Die Größe der Gassenfenster einer Strasse waren nicht einheitlich, weil es noch keine Einheitsnormen dafür gab. Hatte unser beispielhaftes Reihenhaus noch die Siedlerhöhe, so waren die Fenster ca. 60 x 80 cm groß, bei der zweiten Häusergeneration erhöhte sich der Hausgiebel um einen Meter, und die beiden Fenster waren 100-140 cm hoch und 80 cm breit.

Genau in Stubenmitte, in Kopfhöhe hing das Kruzifix – bei Katholiken – und ein Christusbild bei den Evangelischen. Darunter stand eine Kommode, auf deren Spitzendecke allerhand Familien- und Erinnerungsgegenstände aufgestellt waren. In der Kommodenschublade war gewöhnlich das Silberzeug und der Geldbeutel/Budjelar verwahrt, und hinter der unteren Schnapptüre das Paradegeschirr für die Küche. An der anderen Längswand standen, quer zur Strasse, zwei Ehebetten nebeneinander, die aus teuerster Handwerksarbeit hergestellt waren und mehrere menschliche Generationen überdauerten. Auf ihnen war die schönste Bettdecke über einer akkurat geglätteten Tuchent ausgebreitet. Sonst gab es da das selbe Bettzeug, wie in der Vorder- oder Wohnküche.

Zu den Paradebetten gehörten zwei Nachtschränkchen und ein Wäscheschrank, in welchen bereits das gleiche Zeug schon untergebracht war, wie heute: Schlafzeug, Unterwäsche, Bettwäsche, Handtücher, Decken und Tücher. Und genau in der Mitte über den Betten hing gewöhnlich ein Bilderdruck mit der Hl. Familie – bei Gläubigen – oder eine weltliche Szene mit halbnackten weiblichen Objekten.
Vor der Längswand war der Platz für einen Glasschrank, der, je nach Preislage, eine oder zwei geschlossene Schrankteile hatte. Was man im Paradeschrank sehen konnte, war vom Feinsten und Besten an Porzellan und Silberzeug, Büchern und Bilderalben, sowie vielen kleinen Erinnerungsstücken, die man geschenkt bekam, oder selber in der Stadt oder auf der Kirchweih gekauft hatte. Im geschlossenen Unterteil waren die sauberen Strümpfe, Socken und andere Stricksachen ordentlich aufgeschichtet.

Alle Feiertagsdinge zum Anziehen befanden sich im Seitenschrank, auf Kleiderbügel aufgehenkt, rechts für den Mann und die männlichen Kinder, links für die Frau und den weiblichen Nachwuchs. Da gab es allerhand aus Schafswolle, Flanell, englischem Stoff, Wildleder und Pelz. Vom Sweater/Strickjacke bis zum Bunda, Leibchen mit Samtbesatz und Pelzfutter, Matrosenanzüge und Britscheshosen. Darüber war das Fach der Sonntagskappen und –hüte, die gestrickten Finger- und Fausthandschuhe, helle und dunkle Herren- und Frauengamaschen aus Leder und Wolle, Über- und Unterschuhe, feine Lederpantoffel und bestickte Stoff-Pantoffelchen. An der inneren Schrankwand hingen an Querleisten, Lederriemen, Hosenträger, kleine und große Pelzmuffe und Spazierstöcke.
An der Türwand stand der Spiegelschrank. Er war, je nachdem, ein- bis dreiflügelig, mit einem niederen Regalteil und einem Schemel davor. Wie heute auch, hatten schon damals diesen Schrank nur die Weibsleute für sich reserviert. Was sie alles an Schönheitskrem und Salben, Puderdosen, Reizwäsche und Lockenwickel da aufgehoben hatten, wissen nur die Frauen genau und auch, wie wenig davon ein Bauernweib, und wie viel ein Geschäftsweib von all dem hatte und benutzte. War die Paradiestube groß genug, so war in der Gegend vom Bettende eine kleine Scheslonge aufgestellt, für den Fall, dass die Gäste – denn nur für die war das Zimmer reserviert - in den Betten nicht genug Platz hatten. Die Hausleute selbst hätten nie im Leben in der Vorderstube geschlafen. Auch deswegen nicht, weil dort selten geheizt wurde. Wenn doch, dann mit einem Kachelofen, der aus der Gangstube bedient wurde. – Vormals, beim Siedlerhaus, stand noch am Platz des Spiegelschrankes ein Batzofen, den man aus der Vorderküche beheizte. Aber damals wurden diese Vorderstuben auch noch vorn den Hausleuten selbst bewohnt. In unserer Zeit wurden auf dem Stampf- oder Holzfußboden um das Bett herum und vor den Schränken schöne Lumpenteppiche ausgelegt.

An den Fenstern hingen, mehr oder weniger durchsichtig, bodenlange Vorhänge aus Wolle oder Kunstseide. Sie konnten mit Holzringen über einer runden Holzstange verschoben werden. Bei größerem Luxus, hatte man über diesen Vorhängen noch weiße Leintücher als Übervorhänge, selbst oder maschinenbestickt mit allerlei Blumen- oder Vögelmustern. Die Wände waren, schöner als jene der Vorderküche, mit mehrfarbigen Mustern geweißelt. Die Decke war weiß. An gut sichtbaren Wandstellen, im vorderen Stubenteil, hingen ein Paar Familienbilder von Eltern oder Großeltern als Brautpaar, Großvater, Vater oder Onkel als Soldat, die Mutter bei der Erstkommunion. Zur Beleuchtung gab es in der Vorderstube eine keramische Petroleumlampe, und für die Zeitmessung eine Kastenuhr mit Wochenwerk; der Platz für beides war an einem Eisenhaken an der Wand. Eine neumodische Anschaffung, wie z.B. eine Singermaschine, hatte ebenfalls hier in der schönen Stube ihren Platz. Zum Arbeiten mit ihr, trug man sie in eine andere Stube.

2.3.6 Mittelstube
Mit der Vorderküche war sie nur dann verbunden, wenn die Speiß nicht dazwischen lag. Gewöhnlich war sie die Vorderstube von der Hinterküche, wurde auch von dort beheizt. Dazu hatte sie, noch als einzigste Stube im Haus, unbedingt einen Batzofen, dessen Heiztürchen in die Hinterküche geöffnet wurde. In Größe und Einrichtung war sie so beschaffen, dass sie alle Kinder und ein-zwei alte Leute aufnehmen konnte. Das einzige Fenster brachte vom Gang Luft und Licht herein, weshalb die Stube nicht gerade zu den gesündesten zählte. Aber zu den gemütlichsten. Da war es nicht so schön eingerichtet, nur praktisch. In jedem Eck stand ein Bett, mit einem Kanapee oder einer gepolsterten Bettbank dahinter oder daneben. Ein großer Tisch mit genügend Stühlen sorgte dafür, dass alle Kinder und Erwachsenen an ihm Platz hatten, wenn sie z.B. ihre Schul- oder Handarbeit machten. In Wandkommode, Schränken und Regalen gab es auch genügend Platz für die alltäglichen Dinge der Hausleute. Wenn an den langen Wintermonaten das Spinnrad der Großmutter gegen das Knacksen des Kristallradios ankämpfte, so geschah das in dieser Stube.

Der Fußboden war warm mit einem Teppich oder mehreren Lumpenläufern von Wand zu Wand ausgelegt. Auf dem Ofenbänkchen lag ringsum ein schmales Feder- oder Schaffeldkissen. Im Ofenwinkel war ein gemütliches, kleines Bett eingerichtet, das aber – bei uns Deutschen – selten zum Schlafen benutzt wurde, mehr zum Warmhalten von frisch Eingedünstetem und von Teig, beim Backen von Brot und Hefekuchen. Sonst war die Mittelstube so schön geweißelt, wie alle anderen. An den Wänden waren die gleichen Schmuck- und Erinnerungsgegenstände aufgehängt. Dass auf dem Fensterbrett noch ein Geranien-/Muskatel-, Asparagus- oder Pellagonientopf, ein Fuxyenstock oder eine Stubenlinde stand, versteht sich nicht nur bei Blumenliebhabern.

Die Familientruhe stand im letzten Stubeneck und war gefüllt mit Wertsachen und persönlichen Dingen der Hausleute. Lebte in der Familie noch die ältere Generation, so gab es von ihr auch noch eine eigene Truhe, in der Stube, in der sie lebte. So ein ansehnliches Möbelstück aus stahlbeschlagenen Brettern war ca. 50 cm hoch und breit, nur die Länge wechselte zwischen 60 und 100 cm. Der Unterkasten hat ca. 4/5 von der Höhe eingenommen, der Rest war gewölbter Deckel und wurde mit zwei Eisenscharnieren am Unterteil festgemacht. Abgeschlossen wurde die Truhe mit einem Einbauschloss und einem zweiten Steckschloss, so dass in jedem Falle nur die Besitzer persönlich Zugang zum Inhalt hatten. Das Gewicht von dem leeren Kasten war einem halben und vom vollen einem ganzen Mehlsack – ca. 50 kg – gleich. Tragen konnte man sie an zwei Tragscharnieren, die an jedem Ende in der Mitte vom Unterteil angeschraubt waren. Der Truheninhalt war ungefähr überall gleich: Erbstücke, Bargeld, Urkunden, Bank- und Grundbuchpapiere, Briefe, Geheimbücher – ganz persönliche Tagebücher und Druckschriften mit sexuellem Inhalt -, dann größere Schmuckstücke und Hochzeitserinnerungen. Auf alle Fälle hatte kein Kind und kein Fremder da Zutritt.

2.3.7 Hinterküche
Das war die Arbeitsstube, wo es nicht immer sauber sein konnte. Schon das Feuerloch vom Batzofen hatte im ganzen Eck viel Stroh- und Aschenreste, auch wenn eine Holzkiste davor das meiste gesammelt hat. Neben der Gangtüre war noch ein Gangfenster, und vor dem stand ein großer Arbeitstisch. Eine einfache Bretterbank mit einigen Hockern machte das Sitzen beim Arbeiten - und beim Arbeitsessen - möglich. In ein-zwei größeren Schränken und Regalen waren Arbeitssachen aufgehenkt und reingelegt: Leinensachen vom Blaufärber, in drei-vier Größen, dicke Strickjacken, Joppen, Regenmäntel, Gummistiefel, Arbeitsschuhe, Bakansche, Gummi-Galoschen, Leder-Pantoffel/Patschker und Holz-Klumpen. Aber auch die Dinge, die man beim Backen und Braten im Batzofen brauchte: Kuchenbleche, Email- und Steintöpfe, Waschschüsseln/Weidlinge, Back-Körbchen aus Bast für den Brotleib, geflochtene Rutengefäße für das fertig Gebackene. Zum Wäschewaschen und Bügeln gab es da eine Waschmulde und ein großes Kohlenbügeleisen, und im Sommer nahm man noch dazu ein vierfüßiges Waschbrett mit einem flachen Holzklopfer, damit man am Brunnen oder an der Donau die Wäsche ausklopfen konnte.

Der Fußboden war in dieser Stube aus einfachen, glatten Brettern oder gestampftem Lehm, ohne eine Schonabdeckung. Wie überall gab es in der Hinterküche, in der vorelektrischen Zeit, eine eigene Petroleumlampe, Laterne oder ein Karbidlicht.

2.3.8 Hinterstube
Sie war so groß, wie die vorherigen Räume, eine Mischung aus Stube und Kammer, weil in ihr zwar ein Bett stand, aber es wurde hier nicht geheizt. Man hat sie als größere Speiß genutzt. Deswegen war es da ideal, den gesamten Wintervorrat zu lagern: Eingemachtes, gut 100 Gläser, eingekochten Lekwar aus allem möglichen Obst, Schmalzfleisch, Frisch- und Trockenobst, Nüsse, Haselnüsse, Puffmais/Platzkukuruz, Koch- und Bratkürbisse. Dann gab es da noch das Sauerkrautfässchen, die Mehltruhe und ein Körbchen mit feinem Maismehl/Polenta/schrot. Das Bett war für einfache Besucher, eine Hilfsperson, einen Taglöhner, Übergangshelfer bei der Hof- und Feldarbeit, oder für ein Dienstmädchen mit Familienanschluss. Der Raum hatte ein Fenster zum Hof, ohne Vorhänge, mit genügend Platz auf der Fensterbank für Blumen, die man zum Überwinter herein brachte. Über den ganzen Tischplatten, Brettergestellen und Schränken ist kaum Platz für einen Wandschmuck oder ein Bild geblieben. Vom Standpunkt der Familienversorgung war die Hinterstube fast wichtiger, als alle anderen.

2.3.9 Vorratskammer - Speiß
Sie war kühl und dunkel und nur etwas mehr als ein Meter breit, nahm in der Länge entweder eine ganze Hausbreite, zwischen Wohnküche und Mittelstube oder zwischen Hinterküche und Hinterstube ein, oder war von einer der beiden Stuben mit einer Zwischenwand abgetrennt. Die Speißtüre bestand aus Vollbrettern und musste absolut dicht sein. Zum Lüften gab es ein einfaches Fensterchen unter der Decke, von ca. 20x30 cm. Die Wände waren reinweiß mit Kalk geweißelt und rechts und links mit Regalen vollgestellt. Unter dem Fensterchen stand ein Schränkchen mit Schubladen, in dem das Kleinzeug aufgehoben wurde, für das es in der Küche keinen Platz gab. Z.B. Einmachdinge, Gummiringe, Raffischnüre, Hämmerchen und Zänglein, Nägel, Reisnägel, Schmirgelpapier. Aber auch das Werkzeug zum Versorgen und Heilen der Haustiere, wie Ringzange für die Schweine, samt Ringen, Kastriermesser für die Ferkel, Medizindöschen, Jodfläschchen. Nur in der Speiß konnte man das alles sauber lagern.

In den Speiseregalen war Platz für solche Lebensmittel, welche kühl aufbewahrt werden mussten und doch jederzeit in der Küche gebraucht wurden: Alles Gebackene, Milch-, Fett- und Mehlsachen, Eier und solche Zutaten, die in der Küche keinen Platz hatten oder in größeren Verpackungen gekauft und aufbewahrt wurden. Dafür standen auf den Regalen allerhand Körbchen, Säckchen,, Gefäße und Schachteln. Außerdem war hier der Platz für die Küchenwaage und Kaffeemühle, den Mörser, die Kerzenschachtel, das Putz-, Wasch- und Glänzzeug, das man im Wohnteil brauchte, sodann das Butterfass und der Quark-Käsetopf. Genauso war es mit einem Kästchen für die Erste Hilfe, das man im Notfall schnell bei der Hand haben musste. Dessen Inhalt bestand aus Verbandszeug, Wundsalbe, Jodtinktur, Alaun, Hautpuder und einem Fingerschutz.

2.3.10 Gangstube
Sie war am vorderen Gangende als Reservestube gebaut und wurde meist von kranken Familienmitgliedern bzw. einzelnen (unverwandten) Gästen vorübergehend besetzt. Zwei- bis drei Meter breit und ebenso lang, wie die Vorderstube, war die Gangstube doch recht klein, einfach und fürs alltägliche Wohnen nicht praktisch. Die einzige Türe wurde in den Gang geöffnet, und das einzige Fenster war an der Gassenfront. Eingerichtet war es nur mit einem Einzelbett, einem Einfachschrank und Stuhl. Wenn jemand darin gelegen ist, hatte man noch eine Extra-Waschgelegenheit hereingebracht: Schemel, Waschschüssel/Lawur, Wasserkrug, Seife und Handtuch. Der Fußboden war so wie im Gang gemacht und mit einem Lumpenläufer oder -teppich ausgelegt. Die Wände waren immer sauber geweißelt und mit paar Bildern verschönt. Ein eigenes Licht gab es da nicht, und eine Heizmöglichkeit nur dann, wenn mit der Vorderstube ein gemeinsamer Kachelofen benutzt werden konnte.

2.3.11 Keller
Sein Platz ist meist am hinteren Gangende gewesen. Er hatte entweder eine stehende Türe in der Hauswand, im Bereich der Hinterstube, oder eine Falltüre aus Holz oder Blech, im Gang-Fußboden, und meist aus Backsteinen gemauerte Stufen. Extra gebaute Keller, im Hofbereich, hatten eine Stehtüre, die in derselben Schräge, wie die Stufen überdacht war. Gleich wenn man hinunter kam, nahm man eine Kerze oder Laterne vom Sims und zündete sie an, wegen den giftigen Dämpfen und auch weil man sonst nichts gesehen hätte. Das einzige Fensterchen war mehr ein Luftloch, ohne Glas und Sicht, und hat nur mit einem Knick und übers Eck ins Frei geführt. Die Kellerdecke war bei Hauskellern eine Steinwölbung, und bei Hofkeller eine Balkendecke mit Holzwickeln und einem runden, hügeligen Gründach. Im Keller hatte es als Einrichtung nur Hartholzbalken und –Querfüße für die Weinfässer und den Sumser, in Ortsgrößen von 50–500 Liter, Schnapsfässer von 10-25 Liter. Der Platz für die abgefüllten Weinflaschen war auf einem Mauerabsatz, wo sie neben- und übereinander zwischen Holzkeilen lagen. Weinkenner und –liebfaber hatten neben den Weinfässern ein kleines Tischchen und paar Schemel stehen. Sie haben das wichtige Schätzen und Probieren, allein oder mit Kameraden, nicht im Stehen machen wollen. Einige Gläser und ein Weinzieher mussten deshalb immer bei der Hand sein. Größere Weinmengen hat man gleich aus dem Fass mit einem Zapfhahnen in Halsflaschen oder Steinkrüge abgelassen.

Die Kartoffeln waren – ohne Rücksicht auf die Weinregel, dass sie dem Most beim Gären schaden – alle hinter einem Holzgatter oder in mehrere Holzhargel geschüttet. Weniger Futterrüben wurden im Keller gelagert, mehr in einem Strohbett im Garten oder im Hinterhof. Genauso war es mit dem Gemüse und den Gelberüben, mit dem Paschkernat und Kohlrabi, mit dem Kraut oder Futterkürbis.

2.3.12 Dachboden
Das war in der Hauptsache der Dachboden des Wohnhauses, der auch Hausboden hieß. Zu den Böden über den Schuppen oder dem Sommer– und Gartenhäuschen sagte man Schuppenboden und Häuselboden. Auf dem Hausboden war alles Trockensach, d. h. zum trocknen gelagerte Getreide-Ernte. Weiter gab es da viele überflüssige Dinge, für die im Hause kein Platz war; Dinge, wie sie heute noch in der Mundart als Luschamar (Gerümpel) bezeichnet wird. Als Trockenernte galt aller Samen für die nächste Saat. Aber auch, bei geringen Mengen, die gesamte zum Trocknen gelagerte Brotfrucht. Dazu kamen noch: Sonnenblumen, Bohnen, Erbsen, und das Obst; alles auf sauberen Tüchern. Zwiebel, Knoblauch und Gewürzpaprika wurden zum trocknen auf Schnüre gefädelt, geflochten und so in Form von Bündel oder Kränzen auf dem Dachboden zum trocknen aufgehängt. Zu den ausgedienten Dingen auf dem Dachboden gehörten hauptsächlich: Alte Kleidung. Spielsachen, alte Zeitungen, unbrauchbares Werkzeug und eben alles was nur noch den ,Billigen Jud’ interessierte.

Bei den Giebelhäusern, welche hier untersucht werden, war das Dach meistens 40 – 50 Grad schräg, so dass auf den Böden viel mehr Platz vorhanden war, als man ausnützen konnte. Das zum trocknen ausgebreitete Erntezeug war nur dann von den Tauben sicher, wenn die Bodenlöcher zugestoppt oder mit einem Dachziegel halbiert waren. Diese Maßnahme war nur im Herbst notwendig. In den anderen Jahreszeiten hat man gegen die Tauben nichts unternommen. Manche Bauern und alle ärmeren Haushalte waren froh, wenn sie mal zu einer feinen kostenlosen Taubensuppe kamen. Dem halfen sie so nach, indem sie in die Sparrenecken aufrechte Bretter nagelten, um die Tauben zum Nestbauen zu verlocken. Jedenfalls hat niemand den Dachboden zum wohnen benutzt, auch dann nicht, wenn es unten im Haus recht eng wurde und es leichter gewesen wäre eine Dachstube als eine Hauserweiterung zu bauen.

2.4 ZUSATZBAUTEN
Welche der nachfolgenden Zusatzbauten in den einzelnen Hauswirtschaften als so wichtig angesehen wurden, wie in unserer Betrachtung, ist nicht genau zu ermitteln. Zu einer normalen Versorgung und Arbeitsweise waren sie alle unabkömmlich; Räuchern der eigenen Schlachtung konnte, beispielsweise, auch beim Nachbarn erledigt werden – wurde auch oft, aus verschiedensten Gründen. Doch beim Schwaben galt und gilt immer noch das „eigene“ haushoch mehr. Also strebte man danach, alle die nachfolgenden Zusatzbauten auf dem eigenen Anwesen zu errichten. Zumindest unser Musterhaus hatte sie alle.

2.4.1 Sommerhäuschen - Altenteil
Es war ein frei stehendes Häuschen im Vorderhof und hatte den Zweck, die Sommerküche oder das Altenteil aufzunehmen. Wie es der Name sagt, hat man in diesem ca. 4 x 8 m großen Häuschen den Sommer über gelebt, gekocht, gegessen, Handarbeit und Hilfsarbeit für die Hofwirtschaft erledigt. Im Winter war dieses Nebengebäude nur für solche Arbeit geeignet, der die Kälte nicht schadete, z.B. Schlachtarbeit einschließlich Lagern zum Frischhalten in Laugensalz. Wenn sich jemand in der Familie mit Seidenraupen beschäftigte, so war diese Zucht hier in einigen Kisten und Schachteln untergebracht. Der Hauptzweck des Nebengebäudes war aber wesentlich wichtiger: Es musste die alten Hausbewohner aufnehmen, nachdem sie die Wirtschaft den Kindern übergeben hatten – ungefähr zwischen dem 50. und 60. Lebensjahr. Dann gehörten beide Räume des Häuschens ihnen allein. In einem hatten sie die Schlafstube, im anderen die Wohnküche eingerichtet. Der Platz war ausreichend, weil sie auch sonst alle übrigen Haus- und Hofteile mitbenutzen durften. Nur für den Fall, dass sie mit den Jungen nicht gut auskamen – was selten vorkam – hatten sie noch einen eigenen Schweine- und Hühnerstall. Für die eigene Ernährung musste man den Alten auch einige Joch Feld zur lebenslangen Nutzung überlassen.

2.4.2 Räucherkammer
Wenn sie nicht an das Sommerhäusel angebaut war, hat man sie als freistehenden offenen Kaminbau in eine Hofecke gebaut. Ihr Zweck ist aus dem Namen zu ersehen: Räuchern und lagern mit einer ungefähren Kapazität von zwei großen Schweinen – das sind acht Schinken, genau so viele Speckseiten, 40 Bratwürste 15 Blut-Lebewürste, 2 gefüllte Blasen – Blunsen und 2 Schwartenmagen. Um das alles über einem Glimmfeuer aus feinen Akazienspänen mind. 1 m hoch aufzuhängen, musste der innere Räucherraum 1 m im Quadrat und zwei ein halb m hoch sein. Die Wände vom Räucherhaus waren aus Batzsteinen und sind 3 m über den Boden in einen Rauchfang schräg ausgelaufen. Für die Räucherstangen aus rundem 4 cm dicken Akazienholz gab es 2 –3 Reihen Löcher zum aufhängen in den Wänden. Vor dem einen halben m hoch gemachten Feuerplatz wurde eine Holztüre bis hinauf zu den Räucherstangen – 0,5 x 2 m - ohne Scharniere eingesetzt und mit einem Querbalken von außen festgemacht. Während der zwei- bis fünftägigen Räucherzeit hat man das Glimmfeuer und das ganze Häuschen im Auge behalten müssen. Danach hat man entschieden, wie lange das Geräucherte hier hängen bleiben sollte oder ob man es gleich z.T. oder ganz in die Speiß oder Hinterstube bringen und aufhängen sollte. Das war weniger eine Sicherheits- als eine Platzfrage. Bei kleinen Schweinen hat man – wenn man überhaupt keine Räuchermöglichkeit im eigenen Haus hatte – das Schlachtzeug zum Lohnräuchern ins Nachbarhaus gebracht.

2.4.3 Wirtschaftskammer
In ihr wurden alle Arbeitsgeräte, Handmaschinen und das Werkzeug aufbewahrt, welche man in der Hauswirtschaft verwendete: Bastkörbchen, Rutenkörbe – zwischen 10 l und 40 l Inhalt -, Holz- und Blecheimer, Spaten, Schaufeln, Krampen, Steinhacke, Heu- und Mistgabel – alles in der Türnähe -, dann, über einer Holzkiste, eine Raspel für Rüben und Kürbis, die Windmühle in einer Ecke, der Maisrubbler/Kukurutzribbler und –schroder im anderen Eck, dazwischen die Hexelmaschine, ein Mahlstein für Grobschrot und ein Schleifstein für das Schnittwerkzeug; dazu kann man zählen: Küchenmesser, Schere, Hacke, Spaten, Scherre, Heumesser und das ganze Schlachtzeug, das spitz und scharf sein musste.

In einer Holztruhe war allerhand Handwerkzeug des Bauern, das er beim Ausbessern des Hauses, Zaunes, Geschirrs und Wagenzeugs brauchte: Hammer, Beil, Feile, Raspel, Axt, Beißzange, Stößel, Locher, Ertl, Meißel, Handbohrmaschine/Amerikaner, Wendelbohrer, Eisenkeile, Nägel, Rebschere, Dengelhammer und –ambos, Maurerhammer, Maurer- und Stichkelle, Spachtel, Weiselbürste mit Stiel und Streichpinsel.

An der Wand hing das Wagengeschirr, das neue Ross- und Kuhgeschirr, so auch verschiedene Stricke und Riemen, Siebe, Sense, Spriegel (Hilfsbogen zum leichteren Fruchtmähen), Sichel, Hand-, Bogen- und Flachsäge, Holz- und Eisenrechen, Haspel, Wickel- und Spanndraht, Schnüre, Ketten.

Zu den Maschinen noch einige Fachbezeichnungen: Die Windmühle hatte als wichtigste Einzelteile einen mannshohen Bretterkasten, in dem sich ein handgedrehtes Schaufelrad mit hoher Übersetzung drehte. Oben am Kasten war am Rad ein Einschüttloch mit einem Schieber für das Futter- und Mahlzeug, das man reinigen wollte. Noch beim Einschütten hat man mit einer Hand den Schieber vom Einschüttloch geöffnet, und mit der anderen hat man, so schnell wie möglich die Windschaufel gedreht. So hat der Wind den herunter gefallenen Samen von der leichteren Spreu getrennt. Ein Sieb hat den Samen noch einmal vom gröberen Schmutz getrennt, so dass der Samen recht sauber über eine Rutsche in den Sack rann. Die Spreu hat man mit einem Korb in das Spreueck des Kuhstalles getragen.

Der Maisrubbler war ein bauchhoher Eisentrichter mit einem Lagerkasten und Gussfüßen. Unter dem Trichterkasten hat sich die Rubbelscheibe durch Handantrieb gedreht und hat die Maiskolben mit den Krallenzähnen an eine aufrechte Zahnplatte gedrückt. Durch das Drehen haben sich die Körner vom Kolben getrennt und sind in den Eimer gefallen; die Butzen haben leicht ihr seitliches Ausgangsloch, das für sie da war, gefunden und fielen auf den Boden.

Die Hexelmaschine ist ein meterlanger Holztrog gewesen, der am Ende das Hexelwerk hatte: Eine handangetriebene Messerwalze, die das Grünfutter von einem festen Messerblatt abgehexelt hat. So lange die eine Hand angetrieben hat, hat die andere das Futter im Trog nachgeschoben.

2.4.4 Schuppen
Am Giebelhaus war dieser hinter die Wirtschaftskammer angebaut, wenn nicht, dann hat man ihn neben die Ställe in den Hinterhof gebaut. Beim Triangelhaus ist er überquer zwischen dem Vorder- und Hinterhof gewesen und hatte nach vorne ein Schuppentürchen und ein Schuppentor. In der gesamten Größe war er meistens bis unter das Dach offen. Dort, wo er es nicht war, hatte er einen Lattenboden anstatt eines Kukurutzspeicher im Freien. Das ist bei kleineren Erträgen in neuerer Zeit öfter vorgekommen. So ein Lattenboden war auch gleich ein Trockenplatz für allerlei Winterfutter, das man da hinauf vom Tristenplatz über die Schuppenstiege brachte.

Unten auf dem gestampften Erdboden standen: Der Bauern- oder Leiterwagen, Ochsenwagen, Paradewagen, die Sä- und Mähmaschine, die Pflüge – Flach- und Tiefschar-, Stürzpflug -, Egge, Schleife und Walze. Und auf einem offenen Holzfass lag die Traubenmühle. Im Fass waren einige Traubenkörbe ineinander gestellt. Die schwere Traubenpresse stand so, dass um sie herum genügend Platz gewesen ist, wenn man sie im Herbst brauchte.

In dieser Musterwirtschaft war auch noch genügend Platz für einen Winterschlitten für die Pferde, eine kleinere Brech- und Hechelbank, ein Kastrierbrett – mit zwei starken Lederriemen zum Festbinden der Ferkel -, eine Wollschlumbmaschine, ein Stapel verschiedener Futtersäcke, und ein–zwei große Federsäcke, einige Stapel mit Rebenstützen, weidenen Holzscheiten, ein Sägebock, Mauerziegel, roher und gebrannter Kalkstein, eine Scheibtrugel und ein Mist-Schubkarren, einige Zementsäcke; an einem Pfosten hing die Flurmesslatte/Klafterlatte und der Reihenzieher, darunter war ein Häufchen trockenes Brennholz; und vielleicht standen, neben dem Türchen, die Fahrräder für den Hausherrn, die Hausfrau und das Kind.

Die wichtigsten Teile der Bauernwagen hießen: Längsleitern, Vorder- und Hinterschragel, Zugscheit, Deichsel, Stahlachsen, Nabenräder mit Holzspeichen und einem Stahlreifen, Langwied, auf dem vorne die Brechleiste mit einem Stahlbügel zum Wenden und das Grießbrett mit dem Grießnagel festgemacht waren. Das Langwied ist hinten mit der Grätgabel am Achsstock festgemacht gewesen. Der Verbindungsnagel hat Grätnagel geheißen. Bei verlängertem Wagen hat man den Nagel in ein anderes Loch des Langwieds gesteckt. Die Zugscheite sind mit Zughaken am Querbaum festgemacht gewesen. Die zwei Seitenleitern waren mit vier Rungen auf die Radachse aufgestützt. Beim Dreiergespann hat man, anstatt einem Zugscheit, eine Sielwaage genommen. Oben auf dem Wagen hat ein Sitzbrett quer auf den zwei Leiterleisten gelegen. Weil das Sitzbrett überall passte, ist es öfter um eine Leiste versetzt oder, für mehrere Mitfahrende, auch zwei-dreimal auf den Wagen gelegt worden. Gegen das harte und kalte Sitzen hat man auf die Bretter Lumpen- oder Pferdedecken gelegt. Zum Vergrößern des Wagens, als Heuwagen z.B., wurden Längs- und Querbäume aufgesetzt, und mit einem Heubaum hat man die Heufuhre in der Mitte hinuntergedrückt und festgebunden.

Beim Ochsenwagen waren die Längsleitern niedrig und hatten Brettschragel. Anstatt an dem Zugscheit, ist der Wagen am Zugbaum mit Ochsenjoch gezogen worden.

Der Paradewagen war in seinen Einzelteilen genau so gemacht wie der Bauernwagen, nur dass er kürzer und schön lackiert war.

Die Kalesche/Herrenkutsche hat es auf dem Dorf selten gegeben, und wenn ja, dann stand sie nicht im gleichen Schuppen wie das Bauernsach. Weil diese Wagenart eine Erfindung war von Meistern aus dem Karpatenbecken, sollen ihre wichtigsten Einzelteile ebenfalls untersucht werden: Auf den Speichenrädern mit ungleichen Achsenhöhen war ein offener oder geschlossener Wagenkasten aufgesetzt, der über Blattfedern auf der Achse festgeschraubt wurde. Fußtritt am Kutschbock und am hinteren Spritzbrett haben das Aufsteigen erleichtert. Zwei Wagenschläge machten den Herrschaftsteil mit seinen gepolsterten Sitzen zum gemütlichen Reisefahrzeug. Als Fiaker hatten die Kutschen noch zwei Laternen neben dem Kutschbock und dazu noch ein Harmonikadach.

Die Sä- und Mähmaschinen waren für Zugpferde aufgerüstet, jedoch schon mit fein eingestellten Samentrichtern unter dem Samentrog – zum Sähen – und mit neumodischen Scherenhaltern und Leistenwalzen – zum Mähen.

Der Pflug, egal ob flach- oder tiefschaarig, war damals noch ein Karrenpflug mit einem Längsgrendel, zwei Pflugstürzen mit hölzernem Griff, einem Streif- und Scharblech, einer Furchensohle, einem Vorschäler und einem Sech. An der Grendelkette waren die Zugscheite befestigt. Die zwei Pflugräder waren, wie bei den heutigen Pflügen, verschieden groß und hießen Land- und Furchenrad. Zusammengehalten wurde alles vom Karrenjoch.
Eine bäuerliche Brechbank für Hanf bestand aus einer sitzbankhohen, 1,5 m langen, doppelt hochgestellten Messerleiste mit vier Holzfüßen, zwischen welchen scharfe Hartholzbretter rauf und runter geschlagen wurden. Weil die Holzblätter an einem Ende mit einem Bolzen an der Bank befestigt waren, wurden sie leicht von einer Hand geführt; die andere Hand hat derweil das Hanfbüschel über die Messerleiste gehalten. Die Brechhegel wurden unter der Bank in einem Holzkasten gesammelt.

Bei der Hechelbank waren keine beweglichen Teile. Da waren nur im Bankbrett viele spitzige, ca. 15 cm lange Eisenstifte eingeschlagen. Auf diese schlug man mit beiden Händen das gebrochene Hanfbüschel. Was dabei in den Zähnen hängen blieb, war das Werg, das man noch von den restlichen Hegeln säubern musste.

Die einfache Woll-Schlumbmaschine, wie sie die Bauern mit wenigen Schafen hatten, sah so aus: Ein Kammrad wurde von einer Hand gedreht und hat mit seinen Kammdrähten vom Wollklumpen die Schurwolle ausgesondert. Der Abfall beim Schlumben, war der Filz, den man billig dem Hutmacher verkaufte.

Einzelteile der Traubenmühle und –presse. Erstere bestand aus einem Holztrichter mit drei Hartholzwalzen, von denen zwei über verschieden große Zahnräder mit einer Handkurbel angetrieben wurden. Sie stand meistens sauber und arbeitsbereit, doch umgestürzt, auf der Traubenpresse. An wichtigsten Teilen hatte letztere: das runde gusseiserne Gestell, aus dem in der Mitte eine fixe Gewindespindel nach oben ragte; dann zwei Leistenschalen, einen Gewindekopf mit Mitnehmerlöchern und mindestens einem Mitnehmerzahn, ein Hebelrohr, vier Verschlussbügel zum Festhalten der zwei Halbschalen. Zur Traubenpresse gehörte noch die blecherne Schöpfschale, eine hölzerne Mostwanne und ein Mosttrichter ebenfalls aus Holz.

2.4.5 Maisspeicher
Zur Lagerung des Maisertrages war unbedingt ein großer, trockener Lageraum notwendig. Die besten Eigenschaften dazu hatte ein 1,5 – 2 m breiter, 4 m hoher und je nach Bedarf langer Lattenbau mit senkrechten, kolbendick nebeneinander genagelten Latten, den man Gore (wie die Ungarn) oder auch Kukurutzschuppen – slawisch Tschardak – nannte. Getragen wurde dieser Bau von Akazienpfosten, zwischen denen, unter dem Maislager, oft ein Stall für die Schweine, das Federvieh oder die Hasen eingerichtet war. Über eine Leiter stieg man zur Lattentüre, von welcher man mit einer Maisgabel die Kolben in den Hof schmiss.

2.4.6 Weizenspeicher
Was der Maisspeicher für den Kolbenmais, war dieser Getreidespeicher für die Brotfrucht. Weil sie ein besonders wertvolles Vermögen darstellte, wurde sie bei Arm und Reich wie ein Augapfel gehütet. Das konnte man aber nur, wenn man sie in der Nähe der Wohnung hütete. Wo der Dachboden sicher genug war, hat man die Stiege mit einer Türe sicher verschlossen und den Weizen dort gelagert. In Rohrgedeckten oder alten Häusern war der Dachboden für die Brotfrucht nicht sicher genug. Da musste ein eigenes Bretterhäuschen im Hof aufgestellt werden, dessen Platz in der Nähe der Wohnküche war. Der Getreidespeicher – auch Hambar genannt - hatte in seinem einzigen, fensterlosen Raum mehr Platz, als die Hausleute Frucht in einem Jahr ernteten – in unserer beispielhaften Wirtschaft ca. 50 Zentner oder 100 Säcke. Das Häuschen sah aus wie eine Weingartenhütte mit ziegelgedecktem Satteldach. Da wo die zweiteilige Eingangstüre war, stand unter dem Dachvorsprung eine Holzpritsche mit einem Leinwandhimmel für den Fruchthüter. Manchmal hat hier ein heiratsfähiger Bursche – vielleicht mit der Liebsten - oder ein verlobtes Mädchen – mit dem Zukünftigen - übernachten dürfen. Jedenfalls, dort wo jemand vor der Eingangstüre das Getreide hütete, kam nie etwas weg.

2.4.7 Backhäuschen
Das Hausbrot buk man in der kalten Jahreszeit im Batzofen der Mittelstube, in der wärmeren im Backhäuschen. Das war ein 2 m hoher und 1 m im Viereck großer Batzenbau, der ein ziemlich überhängendes Ziegeldach und, am Beginn der Feuerstelle, einen Schornstein hatte. Der gewölbte, mit Lehm verputzte Innenraum war so groß, dass darin etwa 6 – 7 je 2 kg schwere Brotlaibe oder vier große Backbleche Platz hatten. Die Lehmwände waren ca. 20 cm dick und von außen mit Weißelkalk mehrschichtig angestrichen. Das Bild von einem Batzofen im Hof hat noch ein Stock – Tegelstock - zur Trocknung der Milchtöpfe vervollständigt, der oft mit irdenen Milchtöpfen/Tegel voll hing.

2.4.8 Kükenschuppen
Zum Schutz vor dem großen Federvieh wurden die Küken in einem eigenen kleinen Schuppen ausgebrütet und bis zum federigen Alter dort groß gezogen. Der Kleinbau war ein runder, zeltartiger Lehmbau, ca. 2,5 m hoch, und hatte ein niederes Schlupftürchen aus Weidenruten. Ein Mensch konnte da nicht hinein, das große Federvieh nur bei Bedarf, doch die Küken gingen zwischen den Ruten ein und aus, wie sie wollten. So wurde die Mutterglucke oft drinnen gefüttert und die Kleinen konnten beliebig nach draußen oder zum Aufwärmen unter sie gelangen. Wer ein solches Lehmhäuschen nicht hatte, für den tat es auch ein Stürzkorb aus Weidenruten. In ihm stellte man für eine kleinere Kükenschar ein Schrotblech neben eine Wasserschale, so dass die Kleinen daraus schon in der Frühe fressen und saufen konnten, die Glucke zum Schutz der Kleinen außen in ihrer Nähe blieb.

2.4.9 Klosett
Das Klosetthäuschen für die menschlichen Bedürfnisse stand meistens in der Nähe des Misthaufens. Es war ein luftiges – im Winter sehr kaltes – Bretterhäuschen, einen Quadratmeter groß und hatte ein schräges Ziegeldach. Vorne reichte die Türe nur bis zur Standhöhe des Menschen, darüber war es einen viertel Meter offen. Der Sitz war in erwachsener Sitzhöhe, etwa 50 hoch und hatte oben, vorne mittig einen ca. 25 cm großen, runden Ausschnitt. Hinter dem Häuschen war die Bretterwand nur angelehnt, so dass man jederzeit die Abfallgrube ausputzen konnte. Saubere Menschen hatten drinnen auf dem Sitzplatz einen Stapel Zeitungspapier, andere mussten immer was zum Putzen mitnehmen.

2.4.10 Gartenhäuschen
Ein Gartenhäuschen baute man, wenn der Wein- und Gemüsegarten nicht in Hausnähe war, auf ein zum Garten geeignetes Grundstück – ohne behördliche Genehmigung. Als fester Maurerbau war es zum Übernachten und Verköstigen mit einer Pritsche und einem gemauerten Sparherd eingerichtet und hatte ein hausähnliches Dach mit Rohr- oder Ziegelbedeckung. Zum Feld- und Traubenhüten gab es nur eine zeltartige Rohrhütte mit einem Strohbett, und bei einem reinen Ernteschutz-Haus reichten einige Holzpflöcke mit einem Ästedach darüber.

2.4.11 Einöd- oder Aussiedlerhof
Er gehörte auch zu einer mustergültigen Hauswirtschaft, war bei Kleinbauern zwei Stuben groß, bei Großbauern hatte er aber auch größer sein können, als das Wirtschaftsgebäude im Dorf. In diesem Falle hatte er ein elegantes Giebelhaus zum Wohnen und alle übrigen Wirtschaftsbauten für die Bauerei und Feldarbeit drum herum. Großgrundbesitzer hatten darüber hinaus hier ihre Hausverarbeitung von Rind- und Schweinefleisch, Gänse-, Enten-, Truthahn- Hühner- und Eierwirtschaft. Das Mast- und Zuchtfutter hielten sie in Grün- und Trockenfutter-Kästen, das waren hohe Fassbehälter, welche oben und unten Türen hatten.

Die Viehmast war ganzjährig, alles übrige Saisonarbeit mit Tagelöhnern – Frauen und Männern. Wenn die Pächter für mehr als nur die Hausarbeit auf einem Ödlandhof angestellt waren, so bekamen sie, außer einem Anteil am Vieh, auch noch Tagelohn, z.B. jährlich 200 Stück Federvieh und von allen übrigen Lebensmitteln, soviel sie zum Eigenverzehr benötigten. Für saisonale Tagelöhner gab es soviel Lohn, dass ihre Familien über Winter gerade so leben konnten. Zum Sparen blieb ihnen nichts übrig.

2.5 STALLUNGEN UND TIERRASSEN
Da auf unseren Bauernhöfen Fleiß, Rationalität und Sparsamkeit ein gleichschenkliges Energiepotential darstellten, muss die Haltung der wichtigsten Haustierrassen ganz unter diesem Aspekt betrachtet werden. Der Stall – minimal im baulichen Aufwand und maximal im Zweck, die Rassen – einheimisch-bewährt oder neu-ergiebig, stark, gesund und von größtem Nutzen.

2.5.1 Pferde- und Kuhstall
Meistens waren sie zusammengebaut, am Ende des Wohnhauses und neben dem Schuppen. Der Platz war deshalb wichtig, weil es von hier zum Futter, zum hinteren Brunnen und zum Misthaufen nicht weit war. Die Größe war gewöhnlich für drei Pferde und drei Kühe ausreichend, was eine Länge von ca. 8 – 10 m und eine Breite von ca. 7 m - oder genau die Hausbreite – ausmachte. Nur die Höhe war geringer als die der Stube, so dass die Viecher den Raum im Winter schnell mit eigenen Körpern erwärmen konnten. Unter der rohen Decke gab es zwei – drei kleine Fensterchen, mit oder ohne Glasscheiben. Die Stalltüre war zweitürig und wurde, außer im Winter und nachts, nur unten zugeriegelt. Am Kopfende des Viehs war die Futterkrippe auf eingegrabenen Pfostenfüßen. Über ihr war die Heuraufe, und zwischen dem Vieh das Koppelholz, das hinten auf einem Pfostenkreuz auflag. Wenn man davon ausgeht, dass alles Vieh in einer Reihe stand, so kann man den Stall leicht in der Länge aufteilen: In Viehhälfte und Futterhälfte. Dazwischen war auf der gesamten Länge ein zwei Meter breiter Stein- oder Stampfgang. In der Futterecke stand eine Spreukiste, daneben war der Platz für die Säcke oder Kästen für das Trockenfutter: Körnermais, Hafer, Gerste, Maisschrot, Kleie, gemahlene Luzerne. In der anderen Ecke war das Grün- und Hexelfutter, Grünklee, Rübenblätter vermischt oder auf ein paar Häufchen getrennt gelagert; die Rübenblätter für den Winter waren neben den Rüben in der Erdmiete/Erdwärmling untergebracht. Immer frisch vom Tristenplatz holte man Stroh, Heu und Maisstängel. Ausgemistet wurde jeden Morgen, und den Mist hat man mit dem Mistkarren – im Sommer gleich, im Winter alle paar Tage – auf den Misthaufen gefahren. Die Jauche sammelten unsere Bauern nicht getrennt, sie ist über eine Rinne und durch ein Mauerloch von selbst in das Mistloch geflossen.

Das Geschirr. Es hing meistens an der Wand, über dem Futter, und bestand aus Halsstrick oder –kette für die Kühe, Pferdehalfter, Sattelzeug und einige Decken für die Pferde. Auf einem Wandbrett lag das Putz- und Striegelzeug: Borsten-, Wurzel- und Drahtbürste, Drahtkamm, Blechstriegel. Dann die Gebissstücke, eine Dose mit Sattelfett, eine Schachtel mit Kochsalz und ein Säckchen mit Steinsalz, die geflochtene Kuh- und Schweine- oder Halterpeitsche mit Weichselstiel und Triebschnur aus Raffi; eine Pferdepeitsche mit Eschenrute oder Lengrohr und Lederschnur hingen an eigenen Nagelhaltern, damit man sie bei Bedarf leicht erreichen konnte. Neben der Türe standen: Wassereimer, Melkstuhl, Stallbesen und Mistgabel, weil man sie am meisten brauchte.

Das Pferdegeschirr sah bis in unser Jahrhundert so aus, wie es die Siedlerahnen mitbrachten: Die Pferde hatten als Zuggeschirr ein Spitzkumet, anstatt eines späteren Brustblattes. Alles übrige war einander ähnlich: Das Kopfgestell hatte Nasenriemchen, Stern- und Ringstück über den Kopf gestülpt, und der Kehlriemen hielt das ganze unter dem Hals zusammen; nur die Scheuklappen kamen in neuerer Zeit dazu. Am Zuggeschirr hatten sich nur einige Riemen geändert: Der Notgurt wurde ein Bockgurt, und der Sprenggurt ein Rückenriemen; die Haltekette an der Deichsel und der Zaum blieben unverändert. Hierher gehört vielleicht noch, aus was das Sattelzeug zusammengesetzt war: Beim Bocksattel hieß die Unterlegdecke aus feiner Schafwolle Wollach, darüber hing ein Seitenblatt, auf welchem der Sattelsitz festgemacht war. Der hatte vorne und hinten ein Zwiesel, an dem die Tracht festgemacht war. Und die Steigbügel waren genau so zum Verlängern an einstellbaren Lederriemen festgemacht, wie in Deutschland. Lediglich die deutschländer oder englischen Frauensattel kannte man in dem Batschkaer Dorf nicht, vielleicht können sich unsere Städter, vom Reitplatz her, an sie erinnern. Beim Zuggeschirr für die Graurinder, Ochsen und Büffel, wie man sie bis in die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg noch oft sehen konnte, war das hölzerne Ochsenjoch, befestigt an einem Zugbaum, das wesentlichste Zuggeschirr.

Schlafplatz des Knechtes. Wenn, was selten vorkam, in so einem Stall auch noch der Knecht schlief – meist schliefen die Knechte in einer eigenen Kammer neben dem Stall – so war sein einfaches Bretterbett neben dem Trockenfutter aufgestellt. Als Strohsack hatte er etwas Heu oder Stroh mit einer Rossdecke abgedeckt, und zum Zudecken eine gleiche Decke genommen. Polster oder anderen Luxus gab es nicht. Kerzenlicht auch nur, wenn die Herrschaft spendabel war. Die Stalllaterne musste dem Stallmenschen ausreichen. Und aus dieser Sicht war es in einer Knechtkammer viel gemütlicher. Dort leisteten sich die Bewohner noch einen kleinen Brettertisch, paar Hocker, ein Schränkchen und Regalchen, und anstatt auf dem Frischheubett, schliefen sie auf einem richtigen Strohsack und Kissen, und leisteten sich eine überzogene, federgefüllte Bettdecke.

2.5.2 Pferderassen
In den Stallungen der Batschkaer Bauern standen meist große Nonius, weniger starke Steirische, wendige Vollblut und Zwischenzüchtungen von diesen drei Rassen. Stuten gab es viele, Wallache und Fohlen ebenfalls, nur die Junghengste kamen schon im ersten Lebensjahr weg, weil man eigene Hengste selten hielt. Wenn ein Zuchthengst dennoch gekauft wurde, dann war es einer von einem bekannten Zuchtstall. Weil aber so ein Pferd zum Luxus gehörte, mit einem eigenen Stall, leisteten ihn sich die Bauern nur wenn sie reich waren und öfter mit dem Paradewagen ausfuhren. Die Stallplätze waren so verteilt, dass Zugpaare neben einander standen. Die Fohlen wurden zur Milchaufnahme zu ihren Müttern gesperrt, sonst hatten sie ein eigenes Eckgatter, wo sie nach ein paar Wochen mit einem Halfter genau so angebunden wurden, wie die alten Pferde.

2.5.3 Rinderrassen
Die bekanntesten waren, bis vor hundert Jahren, auch bei den Batschkaer Ahnen, die ungarischen Graurassen, wie Podolische und langhaarige Pusztarinder. Sie gaben aber, im Vergleich zu den westeuropäischen, zu wenig Milch, weswegen die schwäbischen Bauern sie nach und nach gegen jene austauschten, doch bis zuletzt als Zugtiere behielten – was aber auch immer seltener der Fall war, den das Ziehen der Wagenlast gehörte eindeutig zur Aufgabe der Pferde. Als Milchrassen hielt man meistens die braunscheckigen Simmentaler, dann die hellen Holländer und die schwarzscheckigen Allgäuer. Als Schlachtvieh waren die Podolischen gut geeignet, weil sie am besten den ständigen Aufenthalt in der Freilandkoppel vertrugen und sie – angeblich – besseres Fleisch hatten, als die Milchkühe. Ähnlich wie mit den Fohlen, hielt man es mit den Kälbern: Schon nach einigen Tagen mussten sie in die eigene Ecke und, nach zwei-drei Wochen, an den eigenen Strick.

2.5.4 Schweinestall
Bei wenig Platz im Hinterhof bestand er aus einem geschlossenen, sonst halb offenen Bau mit flachem Ziegeldach. Eine Zwischendecke hatte er nur, wenn im oberen Teil der Hühnerstall untergebracht war. Der überdachte Stall hatte einen Sandboden und der halb offene einen gepflasterten Auslauf. Zwischen einem Auslaufgatter und dem Innenstall gab es eine Bretterwand mit Türchen, welches in kalten Winternächten zugemacht wurde. Sonst konnten die Muttersäue mit ihren Ferkeln, die Läufer und Mastschweine frei in den Auslauf zum Fressen, Saufen, Kot und Gülle ablassen. Eber wurden allein in eigenen Ställen gehalten. Die inneren Schlafställe waren ständig mit sauberem Stroh ausgelegt, nur bei ungezogenem Vieh, das seinen Mist drinnen ablagerte, war das regelmäßige Ausmisten drinnen wie draußen nötig.

Zum Mischen des Futters gab es in Stallnähe, unter einem Dachvorsprung oder in einem eigenen Häuschen, den Kesselofen mit einem Kesselinhalt von 50-60 Liter. Morgens und abends hat man da das Futterwasser erwärmt. Dafür waren immer genügend Trockenhölzer, Stängel oder Maisstrunke hergerichtet. Wenn man untersuchen möchte, wie viele Schweine eine Hauswirtschaft hatte, so muss man unterscheiden zwischen eigenem Verbrauch und der Verkaufsmast. Bei eigenen Schlachtschweinen kann man von der Pauschale ausgehen, dass an großen Schweinen etwa so viele gehalten wurden, wie es Personen in der Familie gab. Als Mengenmaß für die maximale Verkaufsmast muss der Stallplatz als Richtmaß dienen. Große Höfe hatten im Durchschnitt 50 – 80 Mastschweine, kleinere weniger; das Futter spielte weniger eine Rolle, die Arbeit auch nicht. Mais, Schrot, Kleie, Hexel gab es genug.

Der Austrieb. Vom Frühjahr bis zum Herbst ließ man die Läufer hinaus, zu einem größeren Austrieb aller Dorfschweine auf die Gemeindeweide. War der Schweinehirte geschickt und hatte er für seine Schweine genügend Weidefläche, so gab man diesen Schweinen morgens und abends nur eine dünne Schrotbrühe.

An Schweinerassen gab es, bis zuletzt, als Batschkaer Lieblingsrasse, die dickspeckige Mangolitza, jedoch zum Verkaufen hielt man längliche Fleischrassen, die Jorkshire und Berkshire, seltener Hängebauchschweine oder kleine Japaner.

2.5.5 Schaf- und Ziegenstall
Er war so ähnlich gemacht wie der Schweinestall, nur dass er im Inneren nicht mit Stroh ausgelegt war. Die Zahl der Schafe war im Hausstall zwischen drei und zwanzig Tiere. Böcke, Mutterschafe und Lämmer waren beisammen. Bei einer größeren Haltung hatten die Bauern auch Außengatter – im Garten, aber öfter auf dem Feld – mit einem Schafhirten. Das war dann schon die Massenhaltung, die mehr als nur den Futterplatz nötig machte. Die Ziegen brauchten den gleichen Hausstall, wie die Schafe. An Ziegenarten gab es die europäische Ziege, welche Arme-Leute-Kuh hieß, und den sturen, stinkenden Ziegenbock.

An Schafrassen hat man nicht viele gekannt. Die zwei bekanntesten waren: Das europäische Wollschaf und das ungarische Pusztaschaf. Bei der einen Rasse hatten die Böcke spiralförmige Hörner, bei der anderen gerade seitlich nach außen stehende. Der Hauptunterschied war aber der, dass das Pusztaschaf stärkere, längere und das europäische feinere Wolle hergab. Was noch zum Schafstall gehörte, war noch der Stall für den Esel. Das war ein überdachter Auslauf, weil man dem Vieh eine dicke Haut nachsagte und nicht viel Nutzen von ihm hatte. Und wenn man ihm Gesellschaft verschaffen wollte, dann hat man ihm noch einen Maulesel zur Seite gestellt.

2.5.6 Hühnerstall
Die Hühner waren die Hauptbewohner vom Hinterhof. Tagsüber scharrten sie auf dem Misthaufen und um die Stroh- und Heutriste herum. Bei Sonnenuntergang gingen sie an den Platz zum Übernachten, wo man sie hin gewöhnt hatte: unter den Maisschuppen, über den Schweinestall oder – wenn der Hausherr sehr sorgsam war - in einen eigenen Hühnerstall, welcher mit den übrigen Ställen nur die Höhe und die Dachart gleich hatte. Was alle Schlafplätze, so auch der Hühnerstall, haben mussten, war ein mehrstockiger lattener oder bretterner Schlafrost. Über eine einfache Kreuzleiter gingen oder flatterten die Hühner, Hähne, Jährlinge, Kapaune und Hähnchen auf ihren Stammplatz. Wenn die Hausfrau unter dem Schlafplatz einige Kisten mit Stroh aufstellte, haben die Leghühner dort gerne in aller Frühe ihr erstes Ei gelegt. Sonst suchten sie sich aber alle anderen, weichen und versteckten Nester im Stroh, Heu, Stall und Schuppen zum Eierlegen.

Zusammen mit den Hühnern hielt man sich gerne Perlhühner, welche sich aber zum Schlafen lieber auf dem Stalldach oder Baumast nieder ließen. Mit ihrem leichten Schlaf waren sie, nebst den Hausgänsen, die besten Hauswächter. An Hühnerrassen kannte man die mitteleuropäischen Legehühner, Nackthälse, Schopfkopfiche und Zwerghühner. Von der ersten Sorte gab es in der Tiefebene (zw. Donau u. Theiß) meistens die braune, weiße und graue mit einem aufrechten Kamm und lilablauem Schwanz; von solchen Hähneschwänzen gab es so viele, dass die gesamte ungarische Gendarmerie ihre Hüte damit amtlich ausgeschmückt hatte. Die Zwergart war nicht größer als die Haustauben, und man konnte sie meistens in kleinen, armen Haushalten sehen.

2.5.7 Enten- und Gänsestall
Diese zwei Arten von Federvieh haben keine überdachte Schlafgelegenheit vermisst. Außer zum Eierlegen und Brühten brauchten sie überhaupt kein trockenes Fleckchen. Und dieses machte man meistens in einem Stall oder Schuppen nebeneinander. Die zwanzig bis dreißig Eier pro Ente oder Gans sammelte man und tat die größte davon in ein Brutnest, welches in einer ruhigen, trockenen Ecke sein musste. Was alle brauchten, war ein voller Wassertrog oder ein Wasserloch. Das war wichtiger als das Futter. Wegen diesem gab es meistens Streit mit den Hühnern, wenn jene mal den eigenen Trog verwechselten. Die Enteriche und Gänseriche verteidigten Tag und Nacht ihre Wasserstellen.

An Entenrassen gab es die weiße Feder- und Schopfente und die graue, zahme (stumme) Wildente. Bei den Gänsen waren es die weiße und graue Hausgans und die japanische Riesengans, welche einen Hornansatz auf der Stirn hatte. Zwischen den verschiedenen Gänserichen gab es im Hof ziemlichen Streit, weswegen selten mehrere Arten zugleich gehalten wurden. Anders war es auf der Weide, wo jeder nur in der Nähe seiner Haltung blieb.

2.5.8 Weitere Tierställe
Es gab noch einige Arten von Feder- und Kleinvieh auf den Bauernhöfen: Truthähne, Stall- und Angorahasen, Kaninchen, Haus- und Zuchttauben, zahme Fasanen und etliche Arten von Felltieren, wie Silberfüchse, Bisam und Hamster. Meerschweinchen hielt man gerne mit den Stallhasen, weil sie die Ratten vertrieben. Außer den Hasen, die öfter in Einzel- als in Gemeinschaftsställen untergebracht waren, hatte alles Feder- und Fällvieh rundum geschlossene Drahtkäfige. Diese waren so groß, dass sich ihre Einwohner gerne vermehrten.

Die Truthähne/-hennen waren, was den Stall angeht, so anspruchslos wie die Gänse. Zum Schlafen zogen sie sich unter einen Dachvorsprung zurück. Nur so lange sie klein waren, musste man sie künstlich warm halten, z.B. so, dass man sie die ersten paar Wochen im Haus in einer Schachtel aufzog. Hoch gelegene Taubenschläge hatte man dann extra gebaut, wenn man die Haustaube vom Dachboden weg haben wollte. Dann waren die Dachöffnungen verstopft, und es wurde ein Taubenschlag auf einem abgesägten Akazienstamm befestigt. Innen gab es vier – sechs hoch und quer unterteilte Nistplätze, in welche die Tauben von allen Seiten zufliegen konnten.

Gar nicht so selten hatten die Batschka-Bauern zwischen dem Hinterhof und Garten ein Bienenhaus mit einigen Schwärmen. In Holzkästen waren altmodische Bastkörbe oder schon neue Wachsrahmen aufgestellt, in welchen das Bienenvolk von Gärten, Wiesen und Akazienbäumen zwei-dreimal, den Frühling und Sommer über bis zu 5 kg Honig pro Schwarm sammelte.

Die Stallungen für die Hunde sollen auch noch erwähnt werden. Sie konnten zeltartig spitz, kisten- und fassartig sein, die Hauptsache sie waren von innen trocken. Das war aber auch das Loch in der Stroh- und Heutriste, im Maisschober oder unter einen Stall gegraben. So kann gesagt werden, dass die treuesten Hausfreunde des Bauern, unter allen Hoftieren, die anspruchslosesten Ställe hatten. Und angebunden waren sie meistens aus eigener und häuslicher Sicherheit, weil sie in ihrer regelmäßigen Paarungszeit auch an ihrem Platz waren, um ihre Wachpflichten wahr zu nehmen und sie der Hundeschinder nicht einfing.

Hunderassen. Öfter wurden, neben den Hofhunde-Mischlingen, wie sie überall auf der Welt vorkommen, auch reinrassige gehalten: Schäferhund, Foxterrier, Dackel, Spitz oder Schoßhund, Dalmatiner, ungarischer Hirtenhunde (Kuvasz) und Pulli, Windhund und Jagdhund. Die meisten davon hatten im Vorderhof ihr Häuschen, selten dass einmal eine Schlafstelle näher als bis zum Gang in Stubennähe aufgestellt war.

Mit dem liebsten Haustier, der Hauskatze, hatte man keine Übernachtungssorgen, weil sie im Haus, so gut wie im Hof, Stall oder Schuppen einen gemütlichen Stammplatz für sich und ihren regelmäßigen und nicht zu knappen Nachwuchs fand.

2.6 HAUSGARTEN
In den Meisten Fällen war es ein umgegrabener Nutzgarten. Das Gemüse, die Obstbüsche und –bäume, Blumen, Zierbüsche, Ziergras und Klee wurden nach Hausherren- und Hausfrauenart angelegt. Von allem gab es in einem Hausgarten soviel, wie die Hausleute und das Vieh in frischem Zustand verbrauchten und wie viel man auf dem Wochenmarkt verkaufen konnte. An einem Hausgarten hatte man ein dreiviertel Jahr lang seine Freude. Im Frühling lockten die Blütenkelche und Staubblättchen, die Nussbaum- und Haselkätzchen Bienen, Hummeln und Schmetterlinge an. Im Sommer machte das Stein- und Kernobst das Warten auf die Reife schwer: Obstkerne, Samen und Stiel waren noch grün, da probierte man schon von jeder Sorte ein wenig.

2.6.1 Gemüsearten
Das wichtigste Gemüse: Kartoffeln, Bohnen, Erbsen, Zwiebel, Knoblauch, Weiß- und Rotkraut, Salat, Kehlkraut, Kohlrabi, Gelberüben, Petersilie, Paschkernat, Tomaten, Paprika, Rettich, Radieschen, Schwarzwurzel, Meerrettich, Zeller, Schnittlauch, Rhabarber, Koch- und Puffmais und - in warmen Sandböden - Erdnüsse.

2.6.2 Obstbäume
An Obstbäumen gab es am meisten die Äpfel- und Birnensorten: Peter-und-Paul, Klarapfel, Rosmarin, Sommer-, Herbst- und Winterapfel, Glockenäpfel, sowie einige veredelte Szegediner; bei den Birnen überwogen: Johannisbirnen, Heu- und Sommerbirnen, gelbe Herzdrücker und die spähte Herbstbirne. Pflaumensorte gab es: Lekwar-. und Einmachpflaume, Ringlotpflaume, Mirabelle und wilde Schleezwetschge. Kirschensorten: Frühe, Herz- und Gelbkirsche. Weichseln: Große Ungarische, Amarille, Schattenmorelle und Zigeunerweichsel. Weitere Einzelbäume: Aprikose, Pfirsich, Morelle, Quitte, Nüsse, Naspel.

2.6.3 Bodenobst
An Bodenobst wuchsen Wasser- und Zuckermelonen, zwischen 1 und 10 kg, Erdbeeren in verschiedenen Veredelungen; und im Sandboden gab es Erdnüsse.

2.6.4 Büsche
Als Büsche wuchsen: Haselnuss, Stachelbeere, rote und gelbe Träuble, Himbeere, Brombeere, sowie in manchem warmen Eck Feigen und Mandeln. Am Zaun wuchs oft ein Essigbusch und ein Christusdorn.

2.6.5 Weintrauben im Garten
Trauben durften in einem Hausgarten nicht fehlen. An weißen Sorten gab es meistens: Annatraube, Muskateller, Gutedel, Mandeltraube, Lindenblättrige, Steinschiller und die große Geißzitze; diese alle wurden als Tafeltrauben gerne geerntet, der Wein aus ihnen war aber auch von guten Eltern. Reine Weintrauben waren die Kövidinka, Riesling und Silvaner. Von den schwarzen Trauben waren am häufigsten die Kadarka, Blaufränkische, Veltiner, Zirfandler, Medok und Merlok. An Roseetrauben gab es die große Kardinal. Die meisten der angeführten Trauben wurden auch im Weingarten angebaut.

2.6.6 Blumen- und Ziergarten
Die meist vorkommenden Blumen im Garten und Vorderhof: Wilde und Edle Rose, Tulpe, Nelke, Pfingstrose, Veilchen, Stiefmütterchen, Schneeglöckchen, Narzisse, Lilie, Schwertlilie, Primel, Hahnenfuß, Gänseblümchen, fleißiges Lieschen, Bartnelke, Akelei, Vergissmeinnicht, Löwenmaul, tränendes Herz, Lupine, Chrysantheme, Aster, Tagetes, Fuxschwanz, Malve und viele Dahlienarten.
Ziersträucher: Flieder, Rosmarin, Spiere, Heckenrose, Jasmin, Liguster, Schneeball, Oleander, Hagebutte, Geißblatt, Besenginster, Besenreis, Goldregen, Holunder, Stechpalme, Heckenkirsche.

2.6.7 Verschiedenes Bodengewächs
An weiteren Bodengewächsen, das die Hausleute frei wachsen ließen, weil sie als Grünfutter oder – wie das Ziergras – an den Gartenwegen schön aussahen, kannte man den niederen Rasen, das Unkraut und den wilden Klee; dann das Moos in einer schattigen Ecke mit z. T. essbaren Nelkenpilzen, dann die Silberdistel und die Drehwurz, sodann den roten Mohn, so lange er blühte; auch einige Tabakpflänzchen für die Pfeife der Alten, einige qm Luzerne für die kleine Hasenzucht der Kinder und Ein-zwei Palmweiden für die Osterzeit fehlten nicht; und wer gerne angelte, für den waren einige Bambusrohre die geeigneten Angelruten-Lieferanten.

2.7 PARASITEN UND SCHÄDLINGE
Zu den natürliche Arten gehörten Tiere und Vögel ums Haus. An Hausungeziefer und Gewächsschädlingen gab es mehr als genug. Zu den ersteren zählten die streunende und wilde Katze, Fux, Marder, Iltis, Igel, Hamster, Ratte, Bisam, Maus, Wiesel, Wühlmaus, Blindschleiche, Hauskröte, Laubfrosch. Vögel: Spatz, Schwalbe, Wildtaube, Rabe, Elster, Distel- und Buchfink, Stieglitz, Grün- und Baumspecht, Habicht, Mäusebussard, Turmfalke, Turteltaube, Eule, Käuzchen, Drossel, Nachtigall, Lerche, Wiedehopf, Star, Zeisig, Wespenfresser, Fledermaus.

Ungeziefer im häuslichen Bereich: Stuben- und Schmeißfliege, Spinne, Wespe, Bremse, Schnake, Band- und andere Wurmarten, Floh, Laus, Schabe, Assel, Ameise, Marienkäfer, Ohrenkriecher, Heuschrecke, Mist- und Kartoffelkäfer, Blattlaus, Reblaus, Rebenwickler, Blatt- und Holzpilz, Maikäfer, Holzwurm, Gallenwespe, Baumspanner; - alles in dem lästigsten Zustand, als Eier, Kriecher und Flieger.

3 HANDELSVERMÖGEN - KLEINHANDEL
An wichtigsten Verkaufsläden für die ländliche Einwohnerschaft gab es: Lebensmittel- und Gemischtwarengeschäft, Fleischbank, Bäckerei, Fischgeschäft, Milchladen, Eisenwarenhandlung, Haushaltsgeschäft, Leder- und Schuhgeschäft, Textil- und Schnittwarengeschäft.

3.1 Lebensmittel und Gemischtwaren
Es wurde Gwelb oder Spezereigeschäft genannt und war auf dem Dorf der häufigste Verkaufsladen. Alles was an Küchenzutaten, Haushaltsbedarf, Feinkost und Südfrüchte, ungekühlt gelagert werden konnte, wurde da auf Regalen bis unter die Decke, am Verkaufspult mit vielen Schubladen, in Papier- und Wergsäcken, Kisten, Fässchen und Gläsern zum Verkauf angeboten. Von der Straßenseite hatte das Geschäft eine normale Fensterauslage und eine zweiflügelige Doppel- d.h. Außen- und Innentüre, die außen unverglast, innen im oberen Bereich verglast war. Durch den - eine Klingel betätigenden - Flügel kam die Kundschaft herein und verlangte zu dem, was sie sowieso kaufen wollte, noch etwas verbilligtes aus der Auslage.

Das tägliche Angebot: Salz, Würfel- und Kristallzucker, Reis, Johannisbrot – ganz und gemahlen -, Hefe, Backpulver und alle Küchengewürze, Kaffee, Kakao und Tee, Zikoreekaffee von Frank und Kathreiner, Weinessig, Franzbranntwein, Mineral- und Sodawasser, Schokolade und Bonbons in vielen Verpackungen und Preislagen, Zigaretten und Tabak ebenso, Pfeifen und Zigarettenspitze, Streichhölzer, Seifenpulver, Stärke, Schnüre, Raffia und viele Samenarten für den Garten, aber auch Petroleum, Feuerzeugbenzin, Spiritus und Karbid, kleinere Spielwaren, wie Murmeln, Gummibälle, Trillerpfeifen, Dominosteine und Spielkarten.
Sonderangebote: Orangen und Zitronen, getrocknete Zwetschgen, Rosinen, Feigen, Datteln, Mandelkerne, Esskastanien, Kartoffelzucker, Bärendreck, Salonzucker, in Staniolpapier und ohne Verpackung, Christbaumschmuck zu Weihnachten, Schokoladehasen zu Ostern – und sonst noch vieles, das vom laufenden Angebot verbilligt war; z. B. lernte die Bevölkerung im letzten Krieg hier auch Margarine und allerhand Konserven kennen.

Gewogen hat man die Wahre auf einer größeren Boden- und kleineren Dezimalwaage, und eingepackt hat man in selbstgedrehten Papiertüten aus Zeitungs- und Packpaper.

Bezahlt wurde mit Papier- und Hartgeld oder, wenn man keines hatte, mit Naturalien aus Geerntetem oder Geschlachtetem aus der Eigenwirtschaft. Nahm man das im Geschäft nicht an, so ließ man aufschreiben. Die Geschäftskasse war in einer Schublade in Waagenähe untergebracht.

3.2 Fleischbank
Hier wurden solche Fleischwaren angeboten, die das Landvolk daheim nicht lagern konnte: Frischfleisch von der Theke und aus der Eisgrube. Vom Schwein, Hornvieh, Schaf und manchmal Pferd. Das Fleisch wurde in gewünschten Portionen oder bis zu einer Sauhälfte, einem Viertel Rind, einem ganzen Schaf, ebenso wie die geräucherten Würste und Salami, vom Haken abgeschnitten, welcher an einer getäfelten Wand angeschraubt war. Angefangene Stücke und alle Innereien, Frischwurst, Füße, Grieben und Knochen lagen in großen Schüsseln in der eisgekühlten Verkaufstheke, wo man alles durch die dicke Glasscheibe betrachten konnte. Zum Zerkleinern lag auf der Theke eine 10 cm dicke und einen halben Meter große Hartholzplatte mit einem Fleischmesser, und neben der Theke stand ein ca. 80 cm hoher Holzklotz mit einem Spaltbeil für die grobe Arbeit. Abgewogen wurde auf einer Dezimalwaage, und eingewickelt hat man in weißem Fettpapier. Die Fleischgeschäfte hatten meistens einen steinernen Plattenboden, geflieste Wände und wischfest gestrichene Decken, Türen und Fenster. Neben dem Verkaufsraum gab es einen sog. Nebenraum mit einem Schrank für das Werkzeug und einer großen Kühltruhe, welche mit Eisstücken aus der Eisgrube immer frisch aufgefüllt wurde.

Fleischangebote vom Schwein: Kotelett, Kamm, Knorpelstück, Rippchen, Nussschinken, Schulterblatt, Eisbein, Haxen, Schinken, Schinkenspeck, Bauchspeck, Rückenspeck, Genickfleisch, Filet. Fleischangebot vom Rind: Rindskotelett, Rinderbrust, Rostbeef, Kamm, Brustbein, Hochrippe, Eisbein. Fleischangebot vom Kalb: Kalbsbrust, Kalbskotelett, Kalbsfilet, Kalbshaxe, Nussstück, Milchdärme.

An Wurstarten gab es beim Fleischer: Brat- und Blutwurst, Schwartenmagen und –blase, Leberwurst, Sommer- und Wintersalami, Debreziner Bratwürste, Wiener Würstchen, Pariser, frische und geräucherte Fleischwurst, grobe Schinkenwurst und Stifolder-Salami (gefüllter Enddarm), sowie eine Reihe Spezialwürste nach eigenem Hausrezept: Rauchleberwurst, Zwiebel- und Kümmelwurst, Reiswurst usw. Gereinigte, eingesalzene Därme, Magen und Blasen gab es meistens auch im Angebot.

Die Eisgrube hatte ein Grundmaß von ca. 3 x 6 m, war einen Meter tief in den Boden gegraben und hatte ein spitzes, dickes Rohrdach in Sattelform. An einem Ende war im gemauerten Giebel ein kleines Luftloch, am anderen Ende eine Brettertüre, von der einige Stufen in den Grubenraum führten. Im gestampften Fußboden waren rechts und links Wasserrinnen gegraben, und dazwischen stand man auf einer Strohschicht trocken. Die Eisregale hatten zwei Fächer aus Holzscheiten, welche an geschälten, aufrechten Akaziepfosten festgemacht waren und bis unter das Dach reichten. Auf diesen Holzflächen lag ringsum das Stangen- und Brucheis, so wie es im Winter auf dem See oder einem Eisloch die Eisschläger schlugen oder schnitten.

3.3 Bäckerei
Auch wenn sie nichts anderes im Angebot gehabt hätte, als das Batschkaer halbweiße (ungarisch félbarna/halbbraune) Bauernbrot, so müsste man sie doch extra erwähnen. Die runden Laibe mit zwei kg und der feinen Mischung aus Mehl und Kleienstärke können die heimatvertriebenen Schwaben selten in der neuen Heimat essen. Als Kinder hatten sie es alle Tage, und am liebsten holten sie es frisch aus der Bäckerei, weil es dort regelmäßig im Lohn gebacken wurde. Die Kinder, die es unterwegs probierten, konnten nicht entscheiden, was besser schmeckte, die Kruste, der Anschnitt oder das Innere. Weil es vielen Menschen – alle Händlern und Handwerkern und Bauern – so gut schmeckte, stand der Verkaufsladen voll Brotkörben, die alle mit einem oder zwei Brotlaiben auf dem Regal warteten, dass man sie gegen Backlohn abholte. Doch es gab da noch viele andere Backwahren: Roggen- und Weißbrot als Kilo- und Halbkilolaib, Brötchen, Brezeln, Hörnchen, Fladenkuchen – leer und mit Zwetschgen oder Quarkauflage – Trockenobst-Brot, Krapfen, Zwieback, Tortenböden und manche Arten von Hefestrudel und solche aus Blätterteig. Und wenn es im Dorf keinen Zuckerbäcker gab, dann konnte man noch viel mehr Kuchensorten in der Brotbäckerei kaufen. Die Schalenwaage auf der Verkaufstheke war hauptsächlich zum Wiegen des mitgebrachten Brotmehls. Auf einem Zettel schrieb man dem Kunden auf, wann er wie viel Brot für das mitgebrachte Mehl abholen konnte. Zu einer Bäckerei gehörte eine Backstube, mit einer Arbeitsstube daneben. Die unbeheizte Mehlkammer und der trockene Holzschuppen waren – in friedlichen Zeiten – immer vol mit frischem und trockenem Mehl, Scheidholz und Reisig.

3.4 Fischgeschäft
In jedem gläubigen Dorf an Donau oder Theiß gab es mindestens einen Verkaufsladen für Fische, welcher freitags offen hatte. An anderen Tagen hätte er nichts verkauft. Am fleischlosen Tag kam in vielen Häusern Fisch auf den Tisch. Die Hausfrauen holten frisch am selben Morgen aus dem Angebot, das neben den häufigsten und billigen Fischsorten – Karpfen, Wels, Hecht, Rot- und Weißauge, Karausche – auch seltene teuere hatte: Stör, Aal. Seezunge und Sardine gab es nur getrocknet, Muscheln nur in Konservedosen. Die räumlichen Verhältnisse und die Einrichtung waren eng und einfach: In einem schuppenartigen Stand aus Bretter- oder Lehmwänden und einem Schrägdach gab es Holzgestelle mit offenen Kisten, in welchen – im Sommer mit Eisstücken – das Fischangebot ausgestellt war. Meistens wusste der Verkäufer schon im voraus, welchen Fisch man am meisten kaufte oder vorbestellt hatte. Im größten Donaudorf, Apatin, war der Fischladen ein Teil der Fischzentrale, wo alle Donaufischer der Gegend ihren Fang ablieferten; was man freitags nicht verkaufte, wurde verladen in die Städte gebracht. Dort wo der Fischhandel nicht organisiert war, haben die Fischer freitags ihre Fischkalter an einer Anlegestelle festgemacht und daraus die bekannte Kundschaft bedient.

3.5 Milchgeschäft
Das war die Sammelstelle für die überschüssige Kuhmilch der Dorfbauern. Was nicht frisch von den Kleinhäuslern, Handwerkern und Geschäftsleuten vom Hof weg abgeholt wurde, hat man weiter in Genossenschafts-Molkereien oder –Milchhallen geliefert. Sie waren die Sammelstellen für die städtischen Milchhallen, wo die Milch zu Endprodukten verarbeitet wurde. Von dort kam die Dorfmilch als Rahm, Butter und Käse usw. zurück, so dass man im Milchhäuschen, neben der Frischmilch, alle anderen Milchprodukte kaufen konnte. An Angeboten gab es da: Frischmilch, Rahm, Quark, Schafkäse, Edamer, Schimmel- oder Marmorkäse, Trappisten und Weichkäse. Im Krieg gab es hier je Familie ein Stück Margarine auf Kartenbons/Marken. Von der Einrichtung her war es in dem einzigen Raum einfach aber sauber. Mitten darin stand die Verkaufstheke mit der Waage und der Geldschublade, und drumherum standen paar Aluminiumkannen auf dem Fußboden und Regal an der wischfest (m. Ölfarbe) gestrichenen Wand.

3.6 Eisenwarengeschäft
Sowohl das Dorfhandwerk wie die Bauern und alle übrigen Ortsbewohner holten hier Eisenwaren und Werkzeuge. Lediglich größere Zangen, Hämmer und halbfertige Waren ließ man beim Dorfschmied machen. Der Eisenladen war eingerichtet wie das Gemischtwarengeschäft, weil er alle Wände voll offener Regale und Schubladenschränken hatte. In ihnen gab es Eisenstifte und –schrauben, Niete und Unterlegscheiben in allen Größen, Baubeschläge, Schlösser und Schlüssel für Tür und Tor, Kleinwerkzeug wie Bohreinsätze und Körner, Stemm- und Locheisen, Hobelmesser, Raspel und Stichel, Scheren und Messbänder, usw. Darüber hinaus gab es viele Arten von Eisenstangen, -drähten, -bändern und Rohren; das Dickere gestreckt, das Dünnere in Bündeln auf dem Boden liegend. Das große Werkzeug, wie Spitzhacke, Spaten und Schaufel, Rebenbohrer und Schraubzwinge, Axt, Beil, Säge, Rechen, Sense und Mistgabel lehnten in einer Ecke. Und sonst alles, was im Laden kein Platz hatte, wie Schubkarren, Leiter, Profileisen, Sau- und Hühnertröge, komplette Handmaschinen und Fahrräder, war in einem Nebenraum durch- und übereinander untergestellt.

3.7 Haushaltswarengeschäft
Das war die einzige Konkurrenz des Gemischtwarenladens, weil es, außer Lebensmittel, das gleiche Warenangebot hatte. Darüber hinaus noch viel mehr, nämlich Reinigungs- und Streichwaren, versch. Ölfarben, Kalk, Weißelkreide, Haus- und Stubenbesen, Waschschüssel, Eimer, Kochgeschirr, Essbesteck, Küchen- und Schlachtmesser, aber auch Schreib-, Schul- und Spielwaren, Malartikel und Reisnägel, Sport- und Angelwaren, Kölnischwasser, Körperpflegemittel und Schmuck, Kämme und Haarwickel, - eben alles was Arm und Reich täglich und zu Schenkungsanlässen nötig hatte. Eingerichtet war so ein Laden, dem Angebot angemessen, wie ein Gemischt- und Eisenwarengeschäft zusammen. Die Ware wurde nach Stück oder Gewicht verkauft, zum ersteren waren die Preise an Fach oder Schublade vermerkt, zum anderen wog man sie in Papiertüten ab. Und, wie überall, konnte man aufschreiben lassen.

3.8 Schuh- und Lederwarengeschäft
Der Name sagt es, da gab es alles zu kaufen, was Schuster und Lederer in Handarbeit oder Fabrik maschinell herstellten. Alle möglichen praktischen Lederschuhe, Stiefel aus Leder und Gummi, Pantoffel, Sommerschuhe, Holz- und Tuchschuhe – in allen Größen. Dann Ledergürtel, Hosenträger, Schuhlöffel, Schuh- und Lederkrem/Schuhwichs, Handtaschen, Brieftaschen, Geld- und Tabaksbeutel. Aber auch ledernes Pferdegeschirr – außer dem Sattelzeug. Alles stand auf Regalen sauber nebeneinander oder hing auf Verkaufsbügel. Zu einem guten Schuhladen gehörte auch eine schöne Auslage, in welcher von allem etwas ausgestellt war. An warmen, trockenen Tagen wurden dazu noch viele Dinge vor dem Laden im Freien ausgestellt.

3.9 Textil- und Schnittwarengeschäft
Schneider und Hausnäherinnen deckten sich mit dem nötigen Stoff- und Nähbedarf in diesem Laden ein. Die Meterware war auf dem Rollengestell aufgewickelt oder es war auf einem breiten Regal aufgeschichtet, Bettwäsche und Leibwäsche war fabrikmäßig verpackt in Seidenpapier oder Maßschachteln. Kleidung hing, wenn es sich um Feiertagssachen handelte, an Bügeln auf Reitstangen, Arbeitssachen waren in Fächern aufgeschichtet. Strickwaren, Heckelstücke, Kunst- und Naturseidenes, Gobelinvorlagen, Wachstücher lagen in Schubladen. Teppiche, Lumpenläufer, grobes Leinen, Pferdedecken, Zelttuch waren auf dem Fußboden gestapelt. Nähzwirn und Seide, Strick-, Stopf- und Häkelwolle gab es auf Spulen oder Knäuel. Knöpfe im Schubladenschränkchen mit Musterknöpfen davor. Die Meterware wurde mit einer meterlangen Messlatte oder mit einem Maßband gemessen und mit einer großen Schneiderschere abgeschnitten. Für Schmuckbänder und Seidenschnüre gab es auf dem Ladentisch ein eingeritztes Metermaß, an dem man beliebige Längen abmessen konnte. Passte ein Kleidungsstück nicht, so hat man es einer guten Kundschaft umsonst abgeändert.

4 VERSORGUNGSBETRIEBE
Dazu gehörten: Dampfmühle, Wasser- und Windmühle, Ziegelei, Bierbrauerei, Küferei, Milchhalle, Schnapsbrennerei, Kalkbrennerei, Kunststeinwerk, Seifensiederei, Futtermittelfabrik, Zucker-, Spiritus- und Essigfabrik, Glas- und Porzellanfabrik, Sägewerk, Möbelfabrik, Weberei, Strickerei, Färberei, Leder- und Schuhfabrik, Korbflechterei.

4.1 Dampfmühle
Sie stand bis zuletzt in jedem Batschkaer Dorf. Den Namen behielt sie, auch wenn sie zum Teil schon mit Gas- oder Dieselmotoren betrieben wurde; sie wurde deshalb noch weiterhin so genannt, weil bei der Umstellung vom Dampf- auf anderen Antrieb die Kraftübertragung gleich blieb: Das große Schwungrad, die Kurbelwelle und Zahnräder, die Transmissionsräder bis hin zu den Mahlwalzen. Ähnlich den Dampfmaschinen liefen – zumindest bis in die Dreißigerjahre - auch die Deutz-Motoren aus Deutschland, langsam, d.h. unter 500 U/min. Einige Mühlen wurden, kurz vor dem Krieg, von schnelldrehenden Diesel- und Elektromotoren angetrieben und hatten nicht mehr viel Ähnlichkeit mit den Dampf- und Deutzmühlen. Demnach war ihre Arbeitsleistung auch größer. Man unterschied Lohnmahlen und Anteilsmahlen, bei dem Weizen ebenso, wie bei Roggen, Gerste, Mais und Raps. Der Bauer fuhr soviel seines Jahresertrages in die Mühle, wie er daheim in Form von Mehl, Schrot, Kleie lagern konnte. Die Säcke hatten sein Zeichen, so konnte sie der Müller nicht verwechseln. Die Wiegeplatte war unter einem Vordach im Trockenen, und, bei größeren Mühlen, wog man die Fuhrwerke vor und nach dem Abladen – der Unterschied war das Fruchtgewicht. Nach dem Wiegen fuhr der Müllersknecht die Fruchtsäcke mit seinem Sackkarren in die Rostkammer, wo im Fußboden ein Schüttloch über einem Schieber-Öffner oder Schleusentrichter vorhanden war. Unter dieser bretternen Trichtergosse machte man den Schieber so weit auf – oder ließ die Schleuse so schnell drehen – wie sich die erste große Scheelwalze drehte. Mais hatte normalerweise nur zwei Mahlgänge. Sonst wurden alle Getreidesorten viermal gemahlen und wurden zwischendurch mit dem Kleiesieb, Grießsieb, grobem und feinem Mehlsieb mit Hilfe der Rüttelschuhe gesiebt. 10 Sack Getreide ergab 11 Säcke Mahlgut oder 10 Säcke Mehl und einen Kleie. Beim Anteilsmahlen behielt der Müller vom Mahlgut 5% oder einen Sack von zwanzig.

4.2 Wassermühle
Sie hieß in der Batschka Donau- und Theißmühle. Sie waren in der Wasserrinne mit ihrem unterschlächtigen Wasserrad und einem Holzschiff, über eine Kette, an einem großen Ankerstein oder, zuletzt, mit einem Stahlanker im Flussgrund befestigt. Bis zuletzt waren sie mit Mahlsteinen ausgestattet, die das grobe Vormahlen erledigten, Stahlwalzen das Fertigmahlen, welches Schälen und Feinmahlen hieß. Der Lohn oder Anteil war derselbe wie bei den Landmühlen.

4.3 Windmühle
Man sieht sie heute (i.J.2003) noch – als Museum – in der Oberbatschka. Größere davon werden von Pächtern als Wirtshäuser benutzt und gezeigt, kleinere kann man in Skansendörfern oder auf dem freien Feld und beim ehemaligen Bauer-Besitzer auf dem Einödhof in Augenschein nehmen. Die größten Windmühlen sind - als sogen. Holländer- und Bockmühlen – ca. 10 m, die kleinsten – als Bockmühlen – ca. 2,5 m hoch. In den ersteren gab es alle Mahlarten, in den kleineren nur einen Mahl- und einen Bodenstein. An Teilen hatten sie ähnliche, wie die Wassermühlen: Mahl- und feste Bodensteine mit einem Mahlgang dazwischen. Kammräder und Drilling, Flügel- und Radwelle, Gossentrichter mit Rüttelschuhen und Rundsichter mit Sieben für Grobes und Feines. Das wesentliche an der Bockmühle war das symmetrische, pyramideähnliche Bockgerüst, das in der Mitte einen aufrechten Königsbaum hatte, um den sich die gesamte Mühle durch die Windströmung oder durch menschliches Zutun in die günstigste Richtung drehte.

4.4 Ziegelei
In den Dreißigerjahren gab es noch ungefähr hundert davon in der Batschka. Der dortige Lehm ergab gelbe und rote Backsteine – oft in der selben Backmischung, was zweite Wahl ergab. Aus der Lehmgrube wurde der rohe Lehm auf geschobenen Schienenkarren oder einer schmalspurigen Feldbahn zum Maukhaus gebracht. Dort siebten verschiedene Siebe die Steine und den Schmutz aus dem Lehm. Bei größeren Ziegeleien war die Fuhre zum Rohmodellieren schon automatisch mit einem Fahrband ausgestattet. In kleineren hat man das mit einem Handwagen gemacht. Dort wurden die Rohziegel in Mehrfachmodel von einer Stampfmaschine geformt, hier von Hand in Einfachmodel gepatscht und mit einer Streichleiste glattgezogen. Und das Fahrband brachte die nassen Lehmziegel in Trockenschuppen. Dieser Schuppen war von allen Seiten offen, so dass die Ziegel schon nach einigen Tagen zum Einfahren in den Brennofen fest genug waren. Im Rund- oder Hallenofen wurden sie dann in einem Abstand von 2 cm zueinander auf Eisengerüst geschichtet, bis der Ofen vom Ofenboden bis zur Decke voll war, was viele tausend Ziegel zählen konnte. Um die Ziegel herum war nur soviel Platz, dass die heiße Ofenluft durchziehen konnte. An Ziegelarten kannte man die einfachen Mauerziegel, Füllsteine, doppelgebrannte Kaminsteine, Bieberschwänze, Dachziegel und auch schon Dachplatten.

4.5 Bierbrauerei
Zu unserer Zeit war die Apatiner Bierbrauerei die größte der Batschka und eine der größten im Südosten. Mehrere Malztürme lösten sich bei der Arbeit und Reinigung gegenseitig ab. In ihnen rann die vorgekeimte Gerste von oben durch den Einlauf in einen Wäscher und von dort in den Einweicher. Hier saugte ein Ventilator die schlechte Gärluft ständig ab. Nach dem Einweichen hieß dann die Gerste Malz und wurde in Trommel- oder Kugelröstern zu Röstmalz. Von den Malzlagertürmen schafften Schneckenrohre und Drosselschleusen das geröstete Malz in Lagerbehälter. Von dort bekamen kleinere Brauereien Malz in Säcken geliefert, aber normalerweise transportierte es, bei Bedarf, ein Saugrohr in das Sudhaus. Hier standen die Kupferkessel, welche oben ein Abzugsrohr hatten und seitlich eine Zapfrinne für den Gärsaft aus Malz, Hopfen und Brauwasser. Nach verschiedenem Mischen und Ablagern war das Bier fertig und konnte in verschieden große Holz- und Aluminiumfässer sowie in Flaschen zu halben Liter mit Schnappverschluss abgefüllt werden.

4.6 Milchhalle
Das war der Vorgänger der heutigen Milchgenossenschaft. Sie gab es nur in größeren Ortschaften, weil sie nicht nur die überschüssige Milch sammelte und weiter aan die Läden der Stadt verkaufte, sondern die Überschüsse wurden hier auch weiterverarbeitet. Dazu schüttete man die vom Bauer in 20-30 L großen Kannen gebrachte Milch in zehnmal so große Lagerbehälter. Zuerst trennten handgetriebene Wirbel-Zentrifugen den Rahm von der Milch, später übernahmen diese Arbeit die sog. elektrischen Separatoren. Eine Schleuder erzeugte im Rahmbehälter Butter. Aus der Magermilch wurde, nach dem Stehen, Aufwärmen und Seihen Quark. Dieser wurde in Großpackungen von 10 kg dem Einzelhandel verkauft. Die Buttermilch holten die Bauern für die Schweine umsonst ab, oder sie wurde einfach weggeschüttet.

4.7 Schnapsbrennerei
Das Brenngut aus Trebern, Maulbeeren, Zwetschgen und anderem Fallobst brachte man in Treberfässern in die Brennerei. Eine größere Brennerei hatte mehrere Öfen, aber gebrannt wurde nur in einem. So gab es keine Verwechslungen zwischen der gebrachten und abgeholten Ware. Schlaue Bauern ließen lieber einen mobilen Brennkessel auf Rädern zu sich kommen, damit waren sie sicher, dass sie das eigene Gemisch aus Obst und Zucker für sich brannten. Gleich ob gemauert oder auf Rädern, der Brennkessel hat auf die gleiche Art die erhitzten Obstdämpfe durch eine dünne, wassergekühlte Rohrspirale geführt und zu schwachem Haselschnaps oder, beim zweiten Brennen, zu starkem Feinschnaps abgekühlt. Durch Zugabe von Wasser bekam der Schnaps die erwünschte Trinkstärke, ca. 50-55%. Weil das Brennen eine teuere Angelegenheit war, wegen der Steuer und dem Brennlohn, so richteten sich viele Bauern daheim eine versteckte Hausbrennerei ein. Wollten sie ganz sicher gehen, so brannten sie ein keines Treberfass amtlich und drei große heimlich. Abgefüllt und gelagert wurde der Schnaps, unterschiedslos seiner Qualität, in den gleichen Schnapsfässchen und Korbflaschen zwischen 5 und 20 Liter. Ungefähr 100 L Treber ergaben 8 L 55% Schnaps.

4.8 Küferei – Mosterei
Meistens machten die Bauern daheim ihren eigenen Hauswein. In Dörfern wie Hajos, Csátalja und Dávod u.a. gab es aber viele überschüssige Trauben. Dort übernahmen größere Küfereien das Vermosten, Lagern und Verkaufen des Weines. Ihre Kapazitäten reichten bis zu einigen hundert Hektoliter, bzw. für eben den gesamten Traubenüberschuss des Jahrgangs. Art und Größe der Mostpresse: Es war eine Mischung zwischen Balken- und Spindelpresse mit elektrischem Antrieb und einer Füllmenge von ca. 500 kg gemahlener Trauben. Der Most kam zum Gären in Holzfässer zwischen 500 – 2000 L. In letzter Zeit brachten Kelterautomaten auch schon den Most in weit größere Beton- oder Aluminiumbehälter, welche in Erdkellern fix eingebaut waren und von denen man über dem Erdhügel nur die Einstiegsluken sah, welche dem manuellen Reinigen dienten.

4.9 Kalkbrennerei
Davon gab es einige direkt an der Donau. Sie standen deshalb am Wasser, weil der Kalkstein per Lastkahn hergeschafft wurde. Die Öfen waren ca. 10 Tonnen groß, flach gemauert oder als Spitzhutförmige Batzöfen gebaut. In jedem Falle musste man sie vor einem neuen Brand frisch um den Steinhaufen aufbauen – und nach dem Brennen abreißen. In dem Brennraum wurde das Hartholz schichtweise mit dem Brennstein aufgestapelt. Was beim 2-tägigen Brennen entstand, war Löschkalk, welcher als Steinkalk von den Maurern in Löschgruben, unter genügender Wasserzugabe, zu Malterkalk und, mit entsprechend Sand, als Baumalter verarbeitet wurde.

4.10 Kunststeinwerk
Das waren die ersten Kalk- und Zementstein-Fabriken. Aus diesem Material stellten sie schon alles Mögliche an Ziegel, Platten, Rohren und Pfosten her. Der Rohstoff kam aus einem Zementwerk am Frankengebirge (Fruska gora) oder aus der Schwäbischen Türkei, wo es zugleich auch das ganze übrige Baugut und Füllgut dazu gab: Sand, Klinkerstein und Tuffstein. Hergestellt haben die mittelständischen Fabriken alle Arten von Zementplatten und –rohre, Kalksteinplatten, Betonpfosten und Zaunplatten – und was sonst an Sonderwünschen bestellt wurde. Modellierarbeit gab es auch schon, auf Fließbändern oder manuell.

4.11 Seifensiederei und Mastfutterfabrik
Kranke und tote Stalltiere wurden vom Schinder abgeholt. Die toten begrub er außerhalb des Dorfes, die Kranken „verwertete“ er, indem er sie schlachtete und billig einer Seifensiederei überließ. Das Schmalz und fette Fleisch kochte man dort in geschlossenen Kesseln und vermischte es mit Salpetererde und Asche zu Seifensud. Die Häute – z.B. der Rinder - gingen in Kürschnereien, das magere Fleisch und die Knochen wurden getrocknet und an Futterfabriken abgegeben, wo sie gemahlen und mit mineralischen und medizinischen Zutaten zu Mastfutter wurden. Siedekessel und –öfen, Mahl- und Mischmaschinen, Trockenöfen und Abfülleinrichtungen waren in beiderlei Fabriken (in deren Nähe, wegen des ständigen Gestanks, niemand gerne wohnte) die wichtigsten Einrichtungen zur Verarbeitung von Tierabfällen. Wichtiger Zusatz: Eine Anzeigepflicht für tote Tiere bestand nur bei Seuchenverdacht, so kam auch kein Tierarzt zur Fleischbeschau oder Untersuchung der Todesursache bei einzelnen Todesfällen. Bei freiwilliger Anzeige wurde lediglich der unbedingte Abtransport der Tierkadaver veranlasst, bzw. beaufsichtigt.

4.12 Zucker-, Spirituosen- und Essigfabrik
Zu einem hohen Prozentsatz kam der Zucker vor dem Zweiten Weltkrieg für Jugoslawien und Ungarn aus der Batschka, dem Banat und Syrmien. Zuckerrüben, wie sie größer und dicker selten wo wachsen, wurden von den schwäbischen Bauern, über Zwischenhändler, in die Fabriken gefahren. Bei vielen Waggon Kapazität wurden dort die Rüben über Waschanlagen, Hexel- und Mahleinrichtungen und Kochöfen zu Schnitzel und schließlich zu braunem Sirup; danach in Bleichöfen zu weißem Zucker. Mahl- und Modelwalzen und Pressen machten aus dem Roh- den Feinkristall-Zucker, den Puder-, Würfel- und Hutzucker. Als Nebenprodukt wurde aus den gerösteten Zuckerrübenschnitz, nach Vergärung, hochprozentiger Alkohol gebrannt, und aus diesem Spiritus ausgesondert. Vergorener Rübensaft ergab auch guten Essig. – Das Letztere war aber nur eine von vielen Arten, in der Batschka Essig herzustellen. So viele Geschmäcke, wie die Batschkaer Köchinnen hatten, so viele Obst- und Weinessigarten verstanden sie auch selbst herzustellen.

4.13 Glas- und Steinzeugfabrik
Mehrere davon gab es in Südosteuropa. In der ersteren brauchte man gereinigten Donausand, Soda und chemische Zutaten, um Schmelzglas herzustellen, in der zweiten Fabrik wurde gelber Lehm mit Knetwasser zu Töpferwerkstoff, wovon an solche Handwerker billig abgegeben wurde, die in ihrer Nähe keine guten Lehmgruben hatten. An fabrikmäßigem Steinzeug gab es: Alle Größen von Blumenwasen, Milchtöpfe, Kannen und Krüge, aber auch Spielwaren und Essgeschirr mit schöner Lasur.

Glasfabriken für flaches Fensterglas waren größer, als jene für Hohlglas. Demnach gehörten auch größere Räumlichkeiten zu ihnen, mit mehreren Schmelzöfen und Walz- oder Modeleinrichtungen. Für besondere Fertigungen gab es kleine Öfen mit Glasbläsereien, die einen Handarbeitstisch mit verschiedenen Glaspfeifen und Handarbeitsgeräte griffbereit hatten. Meistens war auch der Verkaufsladen nicht weit, wo die schönsten Meisterstücke zur Werbung und zum Verkauf ausgestellt wurden. In letzter Zeit, vor der Vertreibung, wurde in heimischen Fabriken auch schon gespritzte und gezogene Glaswolle hergestellt. Dazu waren Loch- und Nippelleisten notwendig, durch welche die Glasfäden gedrückt und auf einer Kühlrolle zu Glasmatten aufgewickelt wurde. Die modernen Fleischerläden und Wirtshäuser hatten ihre Eisschränke zum Teil schon mit Glaswolle isoliert.

4.14 Sägewerk
Die billigste Transportart für Rohholz war das Flusswasser, weswegen die meisten Sägewerke in seiner Nähe standen. Die alten Ausstellwerke zum Besichtigen haben noch ein unterschlächtiges Wasserrad als Antrieb für die einfache Gattersäge. Die moderneren Gatter hatten auch schon über fünf Sägeblätter, und konnten Stämme bis zu einem halben Meter zu Plattenholz zersägen. Man kann heute noch manche der Deutzmotore bei ihrem über 80-jährigen Antreiben von Gatter- oder Bandsägen beobachten. So ein alter Einzylinder-Diesel mit Schwungrad und Glühdocht arbeitet immer noch billiger, als die modernsten Elektromotoren, und wird meistens für Bandsägenantriebe eingesetzt, auf denen maßgenaues Bauholz, Bretter, Latten und Leisten gesägt werden. Die Einzelteile des Gatterwerkes hießen: Spannwagen auf Rollen, Spannzange, Rollenschiene, Zahnwalze zum Schieben des Baumstammes, Gatterrahmen, der die Maschine zusammenhielt, und der Bretterwagen mit Beistellkarren, zum Fahren der Fertigware auf den Stapelplatz.

4.15 Möbelfabrik
Einige größere davon stellten alle Arten von Vollholz- und Furniermöbel her. Sie hatten Maschinen für halbautomatische Holzzufuhr vom Stapel, dann Richt-, Hobel- und Ablängemaschinen, Nutenfräser und Leimer, Press- und Dübelvorrichtungen. Meistens wurden die kombinierten Maschinen speziell für gewisse Arbeiten von Tischlern entworfen und bei einheimischen Herstellern angefertigt. Nur die Färber-, Schellack- und Lackierarbeiten hat man von Hand und mit Druckluft erledigt. All das hatte mindestens 10 Arbeits- und mindestens noch mal so viele Verwaltungs- und Lagerräume nötig. Die Kundschaft durfte beim Bestellen das Fertiglager besichtigen, hatte aber auch die Möglichkeit nach eigenem Entwurf Möbel zu bestellen. Zugeführt wurde die Fertigware mit fabrikeigenen Kastenwagen, gezogen von einem starken Steirischen Pferdegespann.
4.16 Weberei
Die Webstühle hatten in der Batschka noch den klassischen Zustand, auch wenn sie breiter waren und von mehreren Menschen bedient wurden. Kett-, Brust- und Webbaum, Webschütz, Schiffchen und Schifflitze, Streichbaum, Weblade, Ladenholz, Tritthebel, Spanner, Bremsscheibe, Riedkamm, Fadenwächter... so hießen die wichtigsten Teile der Webstühle. Und auf ihnen wurden alle feinen und groben Batschkaer Leintücher, bunte Lumpenteppiche, raizische Kelims, Bauern- und Pferdedecken gewebt. Von vollautomatischen Webereien ist nichts bekannt. Die Anzugstoffe, Flanell und Klod, Barchet, Samt und Möbelstoffe hat man in den Textilgeschäften der Städte, aus dem Inn- und Ausland – bei direkter Auswahl oder über Vertreter - gekauft.

4.17 Spinn- und Strickerei
Die Wolle der Batschkaer Bauern und Schafzüchter, sowie die Baumwolle aus dem Ausland, welche zu Großhandelsware verarbeitet wurde, stellten große halbautomatische Maschinen in städtischen Betrieben her. Es gab Spindelmaschinen, welche 5 bis 20 m lang waren und einige hundert Kopse nebeneinander aufspulten. Rohe Wolle und Baumwolle wurde in Ballen gestapelt und wurde danach in Kämmmaschinen mit Schlägern auf Großkopse gewickelt. Die Großkopse wurden manuell auf die Spinnmaschinen umgesteckt. Die dicken Fäden hat das Streckwerk mit Streckzylinder über Spinnringe mit hochrotierenden Läufern auf die Kopse gewickelt. Auf diese Art entstanden alle Arten von Stoff- und Zwirnfäden.

Strickmaschinen gab es mit Rund- und Flachstühlen – ähnlich denen bei heutigen Strickmaschinen. Alle Woll- und Baumwollsachen, welche zum Anziehen nahtlos-rund sein mussten, wie z.B. Socken, Ärmel, Blusen und Pullover, wurden auf der Rundmaschine hergestellt. Das Wesentliche an ihr war der Nadelzylinder, der Fadenspanner von der Kopsspule, die Zungennadel und das Schloss, danach der Maschenschlauch in den Schlauchhalter gezogen wurde. Bei Flachstühlen war das wichtigste die Laufschiene, der Laufschlitten, der Mascheneinsteller, das Nadelbrett, die Nadelreihe und Spannleiste, über welche das Gestrickte mit einem Spanngewicht nach unten gezogen wurde. Die Stricknadeln hatten eine Zunge am Nadelschloss, wo sie mit einem Fadenhalter die Maschen strickten. Die Größe dieser Maschinen war: bei der Rundmaschine bis ca. 20 Spulen, bei der flachen zwischen 3 und 6 Spulen; in cm gemessen, ca. 200 hoch und breit.

Maschen- und Kettelarten: Man unterschied, bei Quadratmuster von Kettel- und Schussfäden, die Webervorlage, Patronen und verschieden farbige Kettelfäden. Mit Sackstich wurden die Tritte auf einem Wollmuster vermerkt.

4.18 Färberei
Gewebtes und Gestricktes für Einzel- und Großhandel, Leinen- und Wollsachen in heimischer, etwas gröberer Herstellung, bedurfte einer fachmännischen Färbung. Bis in unser Jahrhundert beschäftigten sich die meisten Färbereien mit Weid und Indigofarben, in Blaufärbereien, mit Blau- und Rotdruck. Mit dem Aufkommen der billigeren reichsdeutschen Anilinfarben, in den Zwanzigerjahren des 20. J.H., veränderten sich die Farben der Alltagsdinge. Aber bis zuletzt (b.z. Vertreibung) hat das Blaugefärbte überwogen. An Einrichtungen hatte jede Färberei: Färberkessel, Spül- und Waschkessel aus Kupfer und Beton, Mustermodel und –walzen für Öl- und Beizdruck nach dem Auswaschverfahren. Stricksachen, Stoff für Kleidung, Schürzen, Kopftücher, Tischdecken, Bettwäsche und Vorhänge wurden in halbmanueller Maschinenarbeit gefärbt. Sonnige Trocken- und Bleichgerüste, Aprettier- und Dampfeinrichtungen sicherten aller Färberware das schöne Aussehen und viel Kundschaft auf Märkten und in Textilgeschäften.

4.19 Leder- und Schuhfabrik
Alle Tierhäute vom Tierzüchter wurden in Großkürschnereien zu Leder Verarbeitet. Die Gerbereinrichtungen: Scheerwalze, Scheelbank, Einweichbehälter, Kneteinrichtung, Presswalzen, Trockenrechen, Farbenbehälter und Trockenlager – in etwa dieser Reihenfolge wurde die Arbeit auf mehrere Werkstatträume verteilt.

Die Schuhfabrik soll hier an Stelle vieler anderen Lederverarbeiter stehen. Das Schweins- und Rindsleder – als meiste Lederarten – bekamen auf dem Zuschneidetisch die nötigen Formen. Auf der Ausputzmaschine wurde mit einem Bimskreisel fein zugerichtet. Eine Oberleder-Nähmaschine stellte über einer Schuhleiste aus Holz die Oberteile her, die Sohlenpresse machte die Unterteile. Das Ganze bekam auf der Fertig-Nähmaschine das letzte Aussehen und wurde auf einem Ausweitmodel auf die gleiche Schuhgröße gedehnt.

Das Färben, Lackieren, Verpacken in Werkkartons, Verschicken oder Ausstellen in einem Musterladen kann man sich mit modischer Fantasie ganz leicht, nach eigenem Sinn, ausmalen. Mit etwa den gleichen oder ähnlichen Maschinen wurden alle Lederwaren für den Großhandel hergestellt.

4.20 Korbfabrik
Alles was man mit angelernten Kräften aus Spaltruten, Spanischem Rohr, Sisal, Raffi und Bastschnüren flechten konnte, wurde in den Batschkaer Manufakturen in Handarbeit hergestellt. Die Korbflechterei (raizisch korpara) war eigentlich eine vielfache Einzelwerkstatt. Da wurden alle, auf einem Vertragsfeld geschnittenen Weidenruten, oder das übrige gekaufte Rohmaterial, in großen Einweichkesseln für die Scheelmaschine vorgerichtet. Zwei-, drei- und mehrfaches Spalten ergab daraus dünne und doch starke, geschmeidige Rutenbänder, welche in hoher Luftfeuchtigkeit verarbeitet wurden. In Färbe- und Trockenöfen bekamen die Flechtsachen das schöne Aussehen. In Haushaltsgeschäften und auf den Märkten fanden sie stets ihre Liebhaber; von den Auszeichnungen, welche sie auf inn- und ausländischen Ausstellungen bekamen, konnten z.B. die Apatiner Korbfabrikler ein schönes Lied singen.

Von den Flechtarten kann man als wichtigste anführen: Drehgeflecht aus vollen Ruten, Spanischrohr und Bastschnüren; Schichtgeflecht aus Spaltruten, Raffi, Sisal, Schnüren usw.; Flachgeflecht aus einfachen oder mehrfachen Einschlagschnüren, regelmäßige, einfache oder doppelte Rippen. Zu angefangenen Körben sagte man Gerüst. Schnürarten konnten auch aus Binsengras, Stroh und Schilf gewickelt sein.

5 ÖFFENTLICHE BETRIEBE
Zu diesen rechnen wir: Eisenbahn, Straßenbetrieb, Schiffs- und Fährbetrieb, Flussbau, Wasserwerk, Elektrozentrale, Genossenschafts- und Baustoffhandel, Weinhandel, Wirtshaus, Gasthof und Markthandel.

5.1 Eisenbahn
Zuerst, von ca. 1875 bis 1920, gab es meistens schmalspurige Gesellschaftsbahnen, die, weit weg von den Hauptstrecken, die meisten Batschkaer Dörfer miteinander verbanden. Zuletzt gab es nur noch wenige Schmalspuren, dafür war aber wieder manches Dorf ohne Bahnverbindung. Elektrische Züge gab es auf den Hauptstrecken noch nicht, nur auf manchem Fabrikhof als Privatbahn. Größere Dampfzüge mit europäischen Schienenanschlüssen hatten, hinter einer Ganz-Zugmaschine, einen Wasser- und Kohlenwagen, Waggons für Post- und Paketdienste, für die 1. und 2. Klasse, einige geschlossene Vieh- und einige offene Holzwaggons. Wie man sie noch alle in technischen Museen bewundern kann, hatten die Österreich-ungarischen Zugmaschinen, als größte Einzelteile, einen Dampfkessel mit Rauch- und Siederohr, Rauchfang und einen überdachten Maschinistenplatz gehabt. Weitere wichtige Teile: Antriebszylinder, Kolbenstange, Kupplungsachse und Kupplungsstange, Laufachse, Waggonkupplung und Pufferscheibe, zentrifugaler Kugelregler, Dampfpfeife und elektrische Laterne. Neben dem Maschinisten hatte so eine Maschine noch einen Heizer gebraucht, der vor der Heiztüre seinen Sitz hatte. Steuer-, Brems- und Dampfhebel wurden vom Maschinist bedient, der Heizer musste die Druckmessuhr und den Kesseldampf überwachen und mit Heizmaterial die Temperatur des Dampfes auf Betriebsdruck halten. Weitere Uhren für das Kühlwasser, Schmieröl, das Brauchwasser und die Bremsleitung, der Signalpfeifenzug und die Fahrplantafel waren Sache des Maschinisten.

Die schmalspurigen Vizinalbahnen hatten maximal 50 km/h Geschwindigkeit und eine erlaubte Achslast bis 13 Tonnen auf die Schienestränge gebracht. Schiene und Strecke waren leichter als heute gebaut, aber schon aus genormten Teilen zusammengesetzt: Schienenkopf, -hals und –fuß, Klemmeisen, Schienen- und Hakenschrauben, dann Weichenlaterne, Gleitstuhl, Stellgewicht, Weichengewicht. Am Straßenübergang war ein Wächterhäuschen, aus dem der Bahnwächter die Bahnschranke stellte. Die Bedienung der Schranke an einem weiter entfernteren Feldweg hat ein Stellhebel mit einem Hebelgewicht und langen Eisendrähten ermöglicht. Von den heutzutage bekannten Verkehrszeichen gab es damals schon: Freifahrt- und Halttafel, Weichensignal und Vorfahrtszeichen. Am Bahnhof stand ein Wasserbehälter mit einem Schwenkrohr für Handbedienung, ein Kohlen- und Holzschuppen, eine Schotterkiste und ein Sandhäuschen mit trockenem Sand zum Bestreuen der Wegstrecken bei Frost. Im Bahnhof drinnen war der Wartesaal mit einem Holz-Kohleofen und einigen Holzbänken mit schweren Gussfüßen, ein Schalter für Fahrkarten und einer für das Gepäck. Eine Wanduhr zum Aufziehen und zwei Fahrpläne Abfahrt-Ankunft; etliche amtliche Plakate und Wandzettel bildeten den ganzen Wandschmuck. Von der Decke hing eine elektrische Lampe mit einem Schirm herunter, und zuletzt übertrugen Lautsprecher Durchsagen oder Unterhaltungsmusik in den Wartebereich des Bahnhofes, drinnen und draußen. Im Gepäckraum stand eine Kastenwaage mit Eisengewichten in der Summe bis 100 kg, weiter ein zweirädriger Handwagen und einige kniehohe Regale die wand entlang, für Koffer und schweres Reisegepäck. Handels- und Versandwahre nahmen meistens den ganzen Platz im Raum ein. Extralastzüge kamen nur alle paar Tage einmal vorbei.

Für die Schienenarbeiter gab es noch auf der Strecke einen Arbeitszug und einige Hand-Draisinen. Diese vierrädrigen, offenen Schienenfahrzeuge wurden, wie es der Name sagt, über eine Excenterwelle von Hand angetrieben und konnten 2 – 3 Arbeiter mit ihrem Schienenwerkzeug mitnehmen.

5.2 Straßenbetrieb
In der Batschka gab es schon immer eine Nord-Südverbindung, auf der Spur einer altpannonischen Straße, welche von Szegedin über Topola nach Novi Sad führte. Vor der Vertreibung bestand noch eine zweite Hauptstraße, von Baja über Sombor und Kula, welche an die erste anschloss. Sonst waren die meisten Dörfer mit einem festen Schotterweg miteinander und mit der Kreisstadt verbunden. Feste Hauptstrassen, Schotter- und Stampfwege hatten nur zwei Fahrspuren, so dass man bei Gegenverkehr nicht überholen konnte. Mindestens ein seitlicher Abwassergraben führte das Regenwasser ab, vielmehr hätte er das tun sollen; zumindest im Herbst schaffte er es nicht, so dass der Straßenverkehr zu einer großen, schmutzigen Strapaze wurde. Durch die Stadt gab es noch manches Kopfsteinpflaster aus der Siedlerzeit. Die Kopfsteine waren Würfel mit 15 – 20 cm Seitenlänge, aus hartem Basaltgranit aus der Schwäbischen Türkei. Aus denselben Steinen hatten schon die alten Römer eine Strasse entlang dem Westufer der Donau.

Brücken. Bis ins 20. Jahrhundert hatten die Strassen über die Kanäle Hängebrücken und über Wassergräben gemauerte und mit Harthölzern verstärkte Übergänge. Für die Eisenbahn gab es Stahlbrücken über die Flüsse. Hölzerne Brücken hatten doppelte Verstrebungen und wurden manchmal geschwenkt oder aufgeklappt, um Lastkähne oder große Boote durchzulassen. Feste Steinbrücken waren mit einem Kanalgewölbe aus Backsteinen gemauert. Über die beiden großen Flüsse gab es Stahlgitter-Brücken mit Beton und Teerbelag. Solchen Belag hatten zuletzt auch alle Hauptstrassen.

An Straßenfahrzeugen hatten die Städter Personenautos, Lastwagen, Omnibusse, Straßenbahnen, Taxis, Fiaker und Pferde-Fuhrwerke für Lasten, dann Motorräder und Fahrräder. Die Dörfler hatten Traktore, Lokomobile, Fuhr- und Bauernwagen, Motorräder und Fahrräder.

An Autotypen überwogen Mercedes, Opel, Ford. Jedoch konnte man auch Skoda, Steyr und andere Typen aus ganz Europa sehen, wie sie sich bei max. 50 km/h im Linksverkehr (bis 1941) rechts überholten. Und mit den Autos kamen auch die drum herum gebräuchlichen Fachwörter aus dem Ausland, d.h. sie wurden, mit wenigen Ausnahmen, aus Deutschland und Österreich übernommen: Anlasskurbel, Anlasshebel, Vergaser, Lenker, Geschwindig-keitsmesser, Akkumulator, Dynamo, Seilzug, Schalthebel, Karosserie, Kühler, Radkappe, Chassis, Licht, Vorder- und Hinterscheibe, Fußmatte. Bei den Einzelteilen des Motors war es ähnlich. Man kann davon ausgehen, dass immer dann von den Batschkaer Meistern der Teilename aus Deutschland übernommen wurde, wenn das Teil eine Funktion hatte, welche für den Südosten neu war. Beim Werkzeug und den Arbeitsgängen allgemein war es ebenso.

Als Lastwagen hatte man damals alle Arten von motorgetriebenen Lastenträger sehen können: Fabrikwagen, komplett mit Fahrerhaus und Lastenaufbau, dann zusammengesetzte aus Originalteilen und Eigenbau, Schließlich die ganzen Eigenbauten, bei welchen nur der Motor aus einer Fabrik kam oder sogar dieser – wie z.B. beim Holzgasmotor – selbst hergestellt wurde. Weil es noch keine regelmäßige amtliche Prüfung für die Fahrzeuge gab, fuhr man mit ihnen so lange, wie die Teile zusammenhielten. Mercedeslaster überwogen, danach kamen Ford-, Daff- und Fiatlaster. Dabei gab es manche noch aus der Handfertigung der Fabriken, vor dem Ersten Weltkrieg. Anhänger gab es für alle Lastwagen-Arten. In Machart und Aussehen waren sie dem Zweck angepasst, die Kupplung war z.B. noch nicht, die Hinterbeleuchtung aber schon vorgeschrieben. Bei den Zwecklastern gab es so viele verschiedene Arten, wie Besitzer: mit Kasten, Wanne, Kippvorrichtung und Plane, geschlossene und offene Fahrkabinen, mit Zwei- und Viertakt-, Benzin-, Diesel-, Gas- und Holzantrieb.

Weil nur der letztere von den heutigen abwich, soll er in groben Zügen beschrieben werden: In einer runden ofenartigen Feuerstelle, welche hinten senkrecht auf einem Lastkasten stand, wurde Hartholz – Akazie, Maulbeere und Buche – in trockenem Zustand und armgroßen Stücken verfeuert. Ein Ventilator hat den Rauch, noch solange er viel Monoxid (CO) enthielt, durch eine Leitung in einen Wasserfilter geblasen. In diesem und in einem weiteren Steinfilter wurde das Ofengas, sauber genug, in den Vergaser weiterbefördert. Im Mischventil-Vergaser kam ein geregelter Luftstrom dazu, mit einigen Tropfen Motoröl, und wurde so im Zweitaktverfahren verbrannt. Hauptsächlich im Krieg setzte man solche Motoren in jeder Größe ein – auf Lastern und stationär. Immerhin konnte man mit ca. 5 kg Holz ca. 15 km zurücklegen.

Omnibusse und Trolleybusse kamen aus ungarischen Fabriken und waren für max. 30 Fahrgäste gebaut. Ihr Antrieb war z.T. so wie heute, aber auch noch mit Gas- und Petroleummotoren. Große Gasbehälter, welche die ganze Dachfläche einnahmen, nutzten das billige Gasvorkommen des Südostens. Alte Petroleumvergaser machten aus einem Gasmotor einen mit Flüssigantrieb, so wie er in Fahrzeugmuseen noch besichtigt werden kann.

Taxis gab es in den Städten und größeren Dörfern, eben überall da, wo es Autobesitzer mit Zeit und Autoliebhaber ohne Auto gab. Für das Lohnfahren wurden alle Autotypen genutzt. Anders als bei den Lastwagen wurden Autos selten aus Einzelteilen selbst zusammengebaut. Bei der Reparatur war es umgekehrt: Nach dem Originalteil machte man lieber ein neues, als dass man lange auf ein Fabrikteil wartete.

Fiaker konnten an allen größeren Bahnhöfen gesehen werden. Sie hätten jederzeit mit den heutigen vom Wiener Steffl konkurrieren können. Von gleich schönen Pferden, im ähnlich glänzigen Geschirr gezogen waren die Fiaker von Baja, Sombor, Subotica und Szegedin wahrscheinlich auch aus derselben Fiakerwerkstatt, wie jene in ganz Österreich-Ungarn, welche heute noch in manchen Städten des Südostens im Einsatz sind. Demnach braucht man keine Angst zu haben, dass sie so schnell in Vergessenheit geraten.

Die Straßenbahnen der Städte hatten Gleichstrom-Regelmotoren von Siemens, und sie fuhren 30-40 km/h. Gebaut waren Tragteile aus Strahl, Verkleidungen aus Holz und das Ganze schützte ein rundes Blechdach. Sie hatten schlagfeste, dicke Scheiben, Luftklappen und an den Enden niedere Stoßstangen, die kein Hindernis auf den Schienen beließen. Die Schienenstränge waren normalspurig, wie in Westeuropa. Das Innere war im Einstiegsbereich symmetrisch gebaut, hatte eine Kleinkabine für den Schaffner, Steh-. und Sitzplätze auf Bänken für die Gäste und einen freien mittigen Durchgang.

Anders war es mit den Fuhrwagen mit Pferdegespannen, welche als offene Kastenwagen aus Holz und kleinen, gefederten Rädern hergestellt waren und von steirischen Pferden gezogen wurden. In Städten und auf dem Lande waren sie im Einsatz wie die Lastwagen, welche damals zehnmal so teuere Antriebskosten hatten. Eine gefederte Sitzbank, Spritzschutz für den Fuhrmann, der Wagenkasten mit Rastereisen an den Abklappbahren Bretterwänden, so fuhr ein Pferdelaster bei jedem Wetter ohne Dachschutz seine Lasten. Seine Fuhre bestand, außer von den sprichwörtlichen Bierfässern, noch aus Steinzeug und allerlei Baumaterial. Nicht selten blieben solche schweren Fuhren im Batschkaer Straßenschlamm bis zu den Achsen stecken und mussten von etlichen weiteren steirischen oder Ochsengespannen daraus befreit werden. Kein Wunder, dass die Holzräder das erste waren, das, nach dem Krieg, den leichteren und breiteren Gummirädern mit Luftschläuchen weichen mussten.

Motorräder von BMW, Puch, Sax und Marke Eigenbau tauchten, mit und ohne Seitenwagen, schon häufig in dem Straßenverkehr auf. Es waren ein- und zweizylindrische Zweitaktmotore mit Anlasshebel, gefedertem Fahrersattel und festem Hintersitz. Die Einzelteile wurden fast alle aus dem Hochdeutschen übernommen. Sportliche Unterschiede kamen vor bei: Benzinbehälter, Speichenrad, Gummireifen. Und beim Seitenwagen war es das Trittrad, Wagenkasten, Schutzscheibe, Seitenleiste.

Die Motor-Fahrräder wurden – im Eigenbau – von Saxmotoren angetrieben. Auf dem Hintersitz, in der Rahmenmitte, und über dem Vorderrad waren die schwachen und leichten Einzylinder festgemacht, von wo sie mit der Antriebskette, im entsprechenden Zahnverhältnis, das Fahrrad antrieben. Herren- wie Damenräder konnte man mit diesen Hilfsmotoren sehen.

Das Fahrrad stand, als gemeinschaftliches Familiengefährt, meistens im Haus-Schuppen, war ein Männer-, Damen- oder Kinderrad und hatte - ähnlich dem heutigen - bis auf die Rahmenhöhe, immer dieselben Einzelteile. Sie hießen auch damals Rahmen, Sitz, Lenker, Kette, Pedale, Rad, Radgummi, Speichen, Zeugtasche, Kinder-, Haupt- und Hintersitz, Vorder- und Hintergabel, Gabelkopf, Vorder- und Hinternabe, Radstütze, Dreckschutz, Vorder- und Hinterlampe, Vorder- und Hinterbremse, Luftpumpe, Klingel.

Die Traktoren waren die erfolgreichsten Konkurrenten für die Pferdegespanne auf dem Lande. Als robuste Arten in Deutschland – Magirus, Deutz, Maffei – und England hergestellt (oder in gemischt heimisch-ausländischen Fabriken in Ungarn zusammengesetzt) waren sie für den tiefen Boden auf dem Batschkaer Hotter viel effektiver im Einsatz, als noch so starke Pferde. Meistens waren sie in offener Bauweise mit großen vollmetallenen Stollenrädern hinten und leichten Lenkrädern vorne ausgestattet. Vom Fuß wurde nur eine Motorbremse betätigt, alles andere, wie Gas, Kupplung, Steuern haben die Hände erledigt. Im Handbereich gab es noch die Zugstange fürs Heben und Senken der Pflüge oder anderer Anhängergeräte.

Vorne und hinten hatten die Traktore starke Zugbrücken mit Steckkupplungen zum Ziehen von allerhand Maschinen: Sä-, Mäh-, Dreschmaschine, Elevator und viele Arten von Lastanhänger und Bodengeräten. Wesentlich war an jedem Traktor das Schwung- und Riemen(Transmissions-)rad zur Kraftübertragung auf Ernte- und Holzbearbeitungsmaschinen. Am meisten ist uns noch die Kombination mit Traktor, Dreschmaschine und Strohelevator beim Fahren über Strassen und Feldwegen und beim Dreschen in Erinnerung. Sie waren der Höhepunkt und die Sonnenwende in den heißen Batschkaer Sommern und in der herrlich langen schulfreien Zeit.

Bauern, welche mit der Traktorenkraft nicht auskamen, weil sie vielleicht zu viel Arbeit auf einer großen Feldfläche auf einmal erledigen wollten, ließen ein Lokomobil kommen. Nur bei der Anfahrt hatte es diese Dampfmaschine nicht eilig, beim Ackern, Dreschen und Antreiben von Säge-, Mahl- und Pumpmaschinen hat das Lokomobil alle anderen Antriebe weit in den Schatten gestellt. Solche Lokomotiven auf breiten Bodenrädern und einem riesigen Schwungrad kann man, zum Glück, noch lange in südungarischen Museen/Skansen besichtigen, wo sie dastehen, als ob sie erst gestern ihren Dampfatem ausgehaucht hätten.

6 Flussbetrieb - Wasserbau
Seit der Ansiedelung im Südosten gab es auf der Donau – und z.T. auch auf der Theiß - vom Treidlerschiff bis zum Schraubenschlepper alle europäischen Schiffsarten. Die Ulmer Schachtel war ein Fährschiff, das am flussabwärtigen Ziel auseinander genommen und als beliebtes Rohholz verkauft wurde. Bevor die Dampfschiffe auf den ungarischen Flüssen auftauchten – um das Jahr 1817 mit der „Carolina“ auf der Donau, zwischen Wien und Budapest – gab es Lastensegler bis ca. 500 Tonnen Wasserverdrängung. Sie brachten schon bei den Türkenüberfällen die Kanonen den Fluss hoch, bis nach Wien. Gebaut waren diese Segler aus Zimmermanns-(Schopper)holz mit zweiseitigen Aufhängungen für die Handruder, zum Antreiben bei windstillen flussaufwärtigen Fahrten. Mit wenig Aufbau und viel Ladeplatz waren sie die wichtigsten Lastenträger in einer Zeit, da es noch viele verschlammte und wenige feste Straßen gab.

6.1 Schiffs- und Baggerbetrieb
Mit den Dampflastschiffen kam mehr Betrieb auf die Flüsse. Den Höhepunkt hatte er vor der Wende zum 20. Jahrhundert, als die Eisenbahn noch in den Kinderschuhen steckte. Von Beginn an gab es auf den Lastschiffen Gelegenheit zum Mitfahren von Reisenden. Bis zur Vertreibung haben Raddampfer bis ca. tausend Tonnen auf der Donau Lasten und Gäste transportiert. Für den reinen Linienverkehr gab es noch in den Fünfzigerjahren einige Passagierschiffe als Pendelschiffe zwischen Schiffsstationen an beiden Uferseiten der Donau. In den Sechzigerjahren wurden die letzten Dampfschiffe im Passagierverkehr durch kleinere, schnellere Motorschiffe abgelöst.
Die Lastkähne haben sich durch die Umrüstung des Antriebs nicht wesentlich verändert, nur die Zugschiffe sind kleiner und stärker geworden. Jetzt konnte z.B. ein 50-Tonnen-Schlepper so viele Lastkähne ziehen, wie ein zehnmal so großer Radschlepper mit Dampfantrieb. Zum Fischfang und zur Überfuhr von Packlasten und Arbeitern wurden Kutter und Schoner eingesetzt, die oft von einem einzigen Mann bedient und gesteuert wurden.

Weitere kleinere Wasserfahrzeuge waren: Zillenboote mit Hilfsmotor, Fischerboote und personelle Ruderboote. Im Wassersport wurden Segelboote, Kanadier, Riemenboote und Kajak, ein- bis achtsitzig, gefahren. Anlegestellen gab es an allen Donaudörfern, extra für den Last- und Sportverkehr. Das waren Bretterstege mit Fass- oder Pontonträgern, am Ufer mit Hanftauen oder Drahtseilen befestigt.

Die Kriegszeit brachte nicht nur wendigere Kampf- und Minenschiffe auf die Donau, sondern auch manches übergroße Panzerschiff vom Schwarzen Meer, in voller Feuerkraft und Kriegsmontur. Wo das Wasser für die Riesen zu seicht war, saugten wuchtige Saugbagger das Flussbett tiefer aus.

Weitere Schiffe für den Wasserbau waren: Schaufelbagger, Bauschiffe und Lastenfähren. Alle waren im Krieg sehr aktiv. Danach setzte man sie aber auch vielfach ein, weil sie dann den Fluss vom vielen Schrott säubern mussten. Sand, Schotter und Kies bezogen die Baustoffhändler von den Bagger-Unternehmern an der Donau.

Die Flussbagger unterschieden sich in der Art, wie sie das Flussbett – zur Säuberung und Kießgewinnung – freibaggerten: Als Schaufel- und Saugbagger. Die ersteren waren massiver und aufwändiger gebaut, brauchten, neben den auf einem Schiff montierten, vertikal in den Fluß bis auf den Grund reichenden, Förderschaufeln, noch ein horizontales Förderband zum Ufer. Die zweiten saugten, ähnlich einem Staubsauger, den Flussboden ab und förderten das Gesaugte im selben Rohrdurchmesser ans Ufer.

Weitere Flussschiffe waren die motorgetriebenen Polizei- und Grenzerboote sowie die Helferschiffe einer Werft, die für kleinere Arbeiten außerhalb des Betriebes, also auf dem Wasser zuständig waren. Je mehr von ihnen, aus nah und fern, den Fluss befuhren, umso mehr Steuerhelfer setzte man im Fahrwasser ein. Die wichtigsten davon waren: Schwimmtonnen in verschiedenen Farben, für Rechts- und Linksverkehr, Warnkugeln für seichtes wasser, Rundstangen und Messlatten für den Wasserstand. Die Schwimmsignale waren über Drahtseile an Spundstöcken im Flussbett festgemacht, die Stangen in den Boden geschlagen und die Latten durch eine Seil am Ufer festgemacht.

6.2 Fährbetrieb
Fähren, Flöße, mit und ohne Motor, waren dort im Einsatz, wo ein Fluss oder Kanal den Fahrweg kreuzte, aber eine Brücke zu teuer war. Das war sowohl an der Donau, wie an der Theiß und am Franz-Josefs-Kanal (im Volksmund Franzenskanal) einige Male der Fall. Am Kanal, wo es keinen Schiffsverkehr gab, waren Seilfähren im Einsatz, die man mit einem Nutenholz an dem über den Flusslauf gespannten Seil von einem Ufer ans andere zog. Wenn mal dennoch ein größeres Fischerboot kam, band man das Drahtseil los und ließ es hinunter auf den Flussgrund. Diese Fährenart hatte zwei große bootsähnliche Schwimmer, über die eine dicke Bretterschicht gelegt und festgemacht war – für einen vollen Bauernwagen oder entsprechende andere lebende oder tote Lasten. Sie übersetzte aber auch nur einen einzigen Fahrgast, wenn er bereit war einen erhöhten Fahrpreis zu entrichten.

Floßfähren wurden an breiteren Gewässern mit Schiffsverkehr eingesetzt; so z.B. zwischen Batschko Novo Selo/Neudorf und Ilok, bevor eine Brücke über die Donau gebaut worden ist, dann bei Davod, wo man sie als kürzeste Verbindung nach Mohacs brauchte. Diese Fährenarten waren häufiger als die Seilplätten im Einsatz, wurden – manuell - von großen Heckrudern angetrieben, verkehrten regelmäßig oder nach Bedarf und konnten volle Wagenladungen mitsamt der Gespanne mitnehmen.

Mit Ruderfähren wurden Menschen und Lasten, soviel wie in die 10 m langen und 2 m breiten Holzboote passten, von einem gelernten Fährmann mit einem Steuerruder in der hinteren Rudergabel, schräg über das fließende Wasser gerudert. Dieselbe Fähre wurde, wenn es sich der Besitzer leisten konnte, auch von einem Heckmotor angetrieben.

Die Motorfähre war etwa fünfmal so groß, wie ein Fischerboot. Sie hatte bis zu zwei volle Pferdewagen-Gespanne oder – in letzter Zeit – zwei Autos, ein Lastauto und entsprechend viele Menschen unter dem Vorderdeck befördern können. Diese Fährenart ist heute, genau wie damals, an der Donau und Theiß im Einsatz. Man kann sie bei Davod und Szegedin beobachten, wie sie mit ihrem zweifachen Schubantrieb wendig und genau auf der Strecke bleibt und millimetergenau am Landeplatz anlegt.

7 ÖFFENTLICHE VERSORGUNG
Zum Unterschied mit der heutigen, gesetzmäßig garantierten und einklagbaren öffentlichen Versorgung, war die damalige eine auf Willkür und Eigeninitiative fundierte. Je nachdem, wie viele der nachfolgend aufgezählten Arten es gab, konnte von modernem Fortstritt einer Gemeinde und ihrer reichen Initiatore gesprochen werden; bei überwiegendem Fehlen – wie z.B. in Bereg, dem Geburtsort des Verfassers, mit über 2000 Einwohner, wo die ersten vier nicht vorkamen - war die spöttische Bezeichnung „Hinterwäldlertum“ ein treffender, gesetzlich nicht antastbarer Zustand in einem Dorf.

7.1 Wasserversorgung
Zentral hatte man sie nur in den Städten. Moderne Elektromotore trieben, im Maschinensaal, eine Reihe Flügelpumpen an, welche, je nach dem Vorkommen und der Qualität des Trinkwassers, aus 60, 100 oder bis 250 m tiefen Bohrlöchern reines Trinkwasser hochpumpten. Am unteren Ende des Pumprohres steckte ein 5 m langes Filternetz aus Maschendraht in einem Kiesmantel. Nach dem Ansaugen auf Pumphöhe hat ein Kugelventil das Absaufen der Wassersäule verhindert. Die dörfliche Versorgung haben Hausbrunnen erledigt, wie sie im Kapitel Hauswirtschaft beschrieben wurden.

Pumpstationen hatten auf dem Lande, für die alljährliche, saisonale Trockenlegung der tiefliegenden Felder eine ähnlich wichtige Rolle, wie die städtische zentrale Wasserversorgung. In regelmäßigen Abständen waren entlang der Flüsse Pumpstationen in verschiedenen Größen installiert, welche bei hohen Wasserständen das Grundwasser durch die Dämme in den Fluss pumpten. In umgekehrter Richtung konnten sie, bei großer Trockenheit oder zum Auffüllen von Fischteichen, ebenfalls ihre Pumpen in Aktion versetzen. Die Kapazität von solchen Pumpstationen lag zwischen einigen Dutzend Liter und einigen Kubikmeter pro Minute. Überall waren die elektrischen oder dieselangetriebene Anlagen in Pumphäusern untergebracht und wurden von Maschinisten überwacht und instand gehalten.

7.2 Stromversorgung
Jedes größere Dorf bekam zwischen der Wende zum 20. Jahrhundert und bis in die Zwanzigerjahre eine eigene Stromversorgung. Größere Fabrikgesellschaften oder Gemeindeverbände waren die Betreiber. Verbundnetze gab es nur in den Städten, und Überlandleitungen gar nicht. Wo größere Fabriken ein eigenes Elektronetz hatten, schaltete sich die Gemeinde mit der Elektrozentrale dazu. Als Gemeindekapazität kann pro Haushalt und Monat ein Verbrauch von max. 500 KWh (heutzutage sind es zehnmal mehr) veranschlagt werden. So haben die mit Diesel- oder Gasmotoren angetriebene Generatoren, in einer Größe von max. tausend KW, in mehreren Reihen das Netz mit 380 V – 220/110 V gespeist. Umspannstationen gab es kaum. Die dreifachen Motor- und zweifachen Lichtleitungen wurden an Holzmasten neben dem Fahrweg einer Strasse geführt. An der Hauswand gab es isolierte Hausanschlüsse und im Hause einen Zählerkasten. Mit Zwischensicherungen in jedem Straßenviertel und mit Haussicherungen wurden die Leitungen vor Überlastung geschützt.

7.3 Genossenschaftshandel
Anfang der Zwanzigerjahre entstand die größte Genossenschaft der Batschka, und danach langsam ihre Ableger in allen größeren Dörfern. So gab es in den Dreißigerjahren schon Hunderte davon zur systematischen Zucht, Handel und Verwertung von Borsten- und Hornvieh und Geflügel, von Milchprodukten, Jagdbetrieb und Holzhandel, Elektrizitätsversorgung und Sparkassenwesen. Als zahlende Mitglieder gehörten ihnen Männer und Frauen aus allen Berufsschichten an, die eine Beratung, Vorfinanzierung, wirtschaftliche und gemeinnützige Organisierung in Not- und Ausnahmefällen (z.B. bei Naturkatastrophen und Krieg, aber auch bei persönlichen Not- und Sterbefällen) und vielen sonstigen Anliegen, kostenlos oder anteilsmäßig Finanzhilfe in Anspruch nahmen.

7.4 Baustoffhandel
Er war in Genossenschafts- und Privatbesitz und befasste sich mit allen Arten von Baumaterial: Ziegel- und Natursteine, Kamin-, Klinker-, Bims und Tuffsteine, gebranntem und gelöschtem Kalk, Zement in grau und weiß, verschiedene Sandarten, Gips gemahlen und als Platten, Bauholz, Zaunpfosten, Dachplatten und Dachziegel, Rohgranit und –marmor, Rohrbüschel und –matten, sowie vieles Halbfertigzeug aus Zement, Kalk und Gips – in größerer Auswahl, wie es später auch unsere Vertreiber und Nachfolger auch anboten. Ein Bürohäuschen und ein trockenes Schuppendach schützte das Personal und empfindliche Baumaterial vom Regen, und ein hoher Zaun mit einigen bissigen Hunden den ganzen Bauhof. Vor den größeren Bauhöfen hielten Fuhrleute mit Pferdegespannen und warteten auf Aufträge der einkaufenden Bauherren. Die Bauhöfe übernahmen, bei größeren Bestellungen, die Fahrtkosten. Für die gelieferte Ware wurde bar mit Skonto, auf Terminrechnung oder auf Wechsel mit Aufschlag bezahlt.

7.5 Weinhandel
Hier kann nur von Weinausfuhr im Großen berichtet werden, weil, außer Flaschenwein für Wirtshäuser, kein Wein aus dem Ausland eingeführt wurde. Dagegen hat ein Weinaufkäufer alle Weinüberschüsse bei Bauern und Küfereien aufgekauft und zum Teil in einem Lagerkeller gelagert oder, je nachdem wie der Weinpreis in den Städten und im Ausland stand, im Großen weiterverkauft. Lagerfässer waren 500 und 1000 l groß. Verkaufsfässer von 100 l wurden auf Fuhrwagen, der Eisenbahn und per Schiff an nahe und ferne Kundschaft verschickt. Außer dem Angebot im eigenen Weinkeller, hat der Weinhändler auch von Haus zu Haus verkauft. In so einem Falle brachte er die Kundschaft zum Weinbesitzer und überredete sie, nebst gutem Essen und Trinken und vielem Verkosten, zum Kauf. Weinhändler von solchem Schlag sind heute noch im Südosten unterwegs. Inzwischen sind aber aus den alten privaten Küferein vielfach genossenschaftliche mit automatischen Abfüllanlagen geworden.

7.6 Wirtshaus
Zumindest einige davon gab es in allen Dörfern, dazu noch ein-zwei Gasthäuser, Steh- und Hausausschanks; und ein Kaffeehaus vielleicht, wenn viele Slawen im Ort wohnten. Die Batschkaer Wirtshäuser waren Weinstuben und Esswirtschaften in einem. Sie hatten alles an Essen und Trinken, was auch die Privathaushalte hatten – und noch mehr. Getränke: Wein, Schnaps, Zapf- und Flaschenbier, Likör, Sodawasser, süßer Sprudel, Schaumwein, Obstsaft, Mineral- und Brunnenwasser. Zum Tagesessen wurde, in großen Töpfen, drei-viererlei Hauskost gekocht: Bohnensuppe mit Rauchfleisch oder Bauernwürsten, Fisch-, Hühner- und Kartoffelpaprikasch, gefüllte Krautwickel, Mehlspeis mit Zwiebeln und Kartoffeln, Palatschinken, Kartoffelpuffer, Krumbieren und Nudel, Ofenkartoffel mit Speck, Kraut und Knödel, Hühner-, Rind- und Knochensuppe mit Merretich-Fleisch und Tomatensoße, alle Arten von Braten, Schmarren mit Salat, Hackfleischklöße mit Kartoffelbrei und Salat, Brat- und Blutwürste, Schwartenmagen, saure Paprika und Gurken, Knoblauch-, Zwiebel- und Obstsoße, Grieß- und Reisbrei. Dazu frisches Weiß- oder Mischbrot – kurzum alles, was die Schwaben daheim und unterwegs gerne aßen. Außer dem Schanktisch, in welchem ein Eiskasten für ein 50-Liter-Fässchen untergebracht war, und auf dem der Ausschank aus einem Zapfhahnen besorgt wurde, gab es noch in der Wirtsstube quadratische meterbreite Holztische mit je vier Stühlen. Was nicht fehlen durfte, war der Spucknapf auf dem bretterbelegten oder gestampften Fußboden, sowie ein Königsbild an der Wand, eine Waschgelegenheit mit Waschschüssel und Wasserkrug im Flur, sowie - im Krieg – ein offenes, volles Wasserfass mit Sandeimer und Schaufel neben der Eingangstüre.

Speisekarte. Selten gab es sie vervielfältigt, doch immer eine solche, handgeschrieben auf einer Wandtafel – nicht vollständig - und gültig für einen Tag und mit stabilen Preisen. Der Gast bestellte beim Wirt oder bei der Bedienung, und man brachte ihm das fertige Essen auf einem Tablett an den Tisch, wo bereits eine Halsflasche voll Wein und Sodawasser standen. Bier wurde in ½-Liter-Glaskrügen oder Flaschen mit Schnappverschluss, Schorle in Zwei-Dezi-Gläsern serviert, Schnaps in ¼ und ½-Dezi-Gläschen, Likör in Likörgläschen, Sekt und Schaumwein in Sektschalen, Sprudel und Säfte in Abfüllflaschen von einem 1/3 und ½ Liter und normales Trinkwasser in Literkrügen. Schwarzer Kaffee in Mokka-Schälchen, Milch, Milchkaffee, Tee, Kakao, Glühwein in Milchtassen.

Im Nebenraum war der Festsaal, in der Größe der Dorfgröße angepasst, für Tanz, Hochzeiten und andere Festlichkeiten. Hier gab es, an der Stirnseite, ein Musikerpodest und, an der Wand entlang, eine Reihe Stühle. Für einen Theaterabend, politische Versammlungen, Zauberer- und Kinovorstellungen hat der Wirt in der Kammer noch genügend Stühle gehabt, so dass der Saal voll bestuhlt werden konnte. Die Küche hatte eine Türe zur Wirtsstube und eine zweite zum Festsaal. Als Einrichtung standen in der Küche ein großer Herd und einige Geschirrschränke. Im Wirtshaushof gab es eine gedeckte Kegelbahn mit Sitzplätzen unter einem Freidach, sowie ein Plumpsklosett mit einem benachbarten offenen Pissoir für Männer.

7.7 Trinkstube
In Trinkstuben gab es kein Essen und keine Musik, sowie auch keine Gästetische und Stühle. Dort standen die Gäste am Schanktisch und tranken im Stehen. Für einen solchen Ausschank zahlte man weniger Steuer, und es galt eine frühere Polizeistunde.

Hausausschänke waren Verkaufsstellen für eigenen Wein und Schnaps. Sie waren in einer Stube des eigenen Wohnhauses untergebracht und hatten Sitzgelegenheiten, kein Essen und auch keine Unterhaltungsmusik und mussten bei Einbruch der Dunkelheit schließen.

7.8 Gasthof
Das war ein Wirtshaus mit Gästebetten und einer Einstellmöglichkeit für Wagen und Pferde. Die Federbetten nach Bauernart standen in Ein- oder Zweibettzimmern, in welchen es außerdem noch Waschgelegenheiten mit Waschschüssel und Wasserkrug, ein Tischchen mit zwei Stühlen und einen Kleiderschrank gab. Das Pferdegespann stand unter einem Freidach, ohne Geschirr und mit einem Futtersack und Halfter an der Heuraufe angebunden. Der Wagen stand im Hof unter freiem Himmel.

7.9 Marktplatz
Das war der Platz, wo, in größeren Dörfern, der Markt und in kleineren der Wochenmarkt abgehalten wurde. Leben gab es hier nur an den Markttagen, wenn die geschälten Holzstangen und Pfosten die Miet- und Freiplätze voneinander trennten. Feste Bauten gab es keine. Der Boden war bei kleineren Plätzen gestampft, bei größeren mit Pflastersteinen belegt. An solchen Tagen, wo hier der Festplatz war, standen ganze Reihen Verkaufsbuden in Tischform und mit Zeltplane abgedeckt, in denen fast alles zum Kaufen angeboten wurde, wie in Geschäften. Außerdem gab es noch viele Aussteller von Krimskrams, Wurf-, Schieß- und Zauberstände, Verkäufer seltener Tier- und Vogelarten, Turnkünstler und Feuerspeier. Und in der Platzmitte gab es die kleinen und großen Karusselle, ein-zwei Kraftmessgeräte, Reiten auf Zwergponys , Motorradfahren – sowie all die Vergnügungen und Späße, welche unter freiem Himmel stattfinden konnten.


8 GEMEINNÜTZIGE EINRICHTUNGEN
Dazu gehörten im Allgemeinen: Gemeindehaus, Postamt, Apotheke, Sparkasse, Gemeindehaus, Dorfschule, Kirche, Friedhof.

8.1 Gemeindehaus
Es hatte mindestens drei Amtsstuben für die geistigen Dorfarbeiter: Das Notariats-, Buchhalter- und Schreiberbüro. Außerdem noch einen Sitzungs- und Amtsraum für den stundenweise anwesenden Bürgermeister/Dorfrichter, der genügend Platz bot für die Zusammenkunft aller ehrenamtlichen Ratsherren. Im Vorraum stand der Arbeitstisch des Ratsdieners, und im Nebengebäude war eine Polizeistube für einen Bediensteten und eine Arrestzelle – mit maximal drei Liegegelegenheiten - untergebracht, sowie ein Sammelraum für die Feuerwehr. Der Schuppen mit dem Feuerwehrgeschirr und dem Löschfahrzeug war ein offener Bau mit einem Feuerreiter/Ausblick auf dem Dach. Dagegen war der Stierstall, bis auf die Stalltüre und ein Fensterchen, ein geschlossener Bau. Ein kleiner Wirtschaftsteil mit Knechtstube und Futterkammer, ein Hinterhof mit Stroh- und Heutriste, ein Kellerraum mit dem Sitzungswein – diese und einige weitere Nebenräume gehörten noch zu einem guten Gemeindebetrieb.

Die Büroeinrichtung des Gemeindehauses war dem Zweck angepasst: Für den Notar vornehm und mit großem Schreibtisch und Aktenschrank, zum Wegschließen der Grund- und Familienbücher; der Buchhalter – manchmal zugleich auch Gemeindeschreiber – brauchte für die Abrechnungen viel Aktenplatz in Schränken und Regalen; die Schreiberstube war die größte und hatte, vor dem Schreibtisch oder –pult, eine hölzerne Absperrung und eine Bank für die Besucher. Die Bürgermeisterstube war, als Sitzungs- und Trauungsraum, vornehm mit länglichem Tisch, einem Dutzend Polsterstühlen und, unter dem Königs-(Reichsverweser-) Bild, einem wuchtigen Richtertisch ausgestattet – alles zur Ehrehrbietung des öffentlichen Amtes.

8.2 Postamt
In einem gemieteten Gemeinde- oder Privathaus waren ein- bis zwei Poststuben eingerichtet. Im vorderen saß das Postfräulein oder der Postmann und ein Briefträger hinter ihren Schreibtischen. Vor ihnen erhob sich eine hölzerne Schranke mit Glasaufsatz und einem Schalterfenster, und auf einem Tisch stand eine Briefwaage bis 50 Dekagramm und eine Paketwaage bis 20 kg. Die erstere war eine Gleichgewichts- oder Apothekerwaage mit Messinggewichten, die zweite eine Dezimalwaage mit schwarzen Eisengewichten in der heute noch verwendbaren Einheitsgröße. Neben diesen Waagen war eine Leimschüssel mit einem Pinsel für das Zu- und Nachkleben der Postsachen. Die Bediensteten hatten die Briefmarken und das Wechselgeld in abschließbaren Tischschubladen, größere Summen und Wertsachen in einem Wandschränkchen mit Sicherheitstüre und –schloss untergebracht. In dieses Schränkchen wurden abends auch alle Stempel und nicht abgeholte Wertsachen eingeschlossen. Gab es in dem Posthaus zugleich auch eine Postsparkasse, so stand noch eine schwere, eisenbeschlagene Holztruhe im Raum, wo die unausgefüllten Sparbücher, Antrags- und andere Formulare – und bei nicht seltener Inflation – das überschüssige Bargeld aufgehoben wurde.

Das Telefon gab es einmal für das Personal und ein zweites Mal für die Kundschaft. Alle Gespräche hat man über das Personal-Telefon vermittelt. Wenn, wie in kleineren Dörfern, außer der Post niemand ein Telefon hatte, so wurde jedes Gespräch auf Voranmeldung geführt. Telegramme gingen über Morseapparate rein und raus. Weiter fiel in einer Dorfpost auf: Eine Wanduhr mit Aufziehwerk, das Postplakat mit den gültigen Gebühren, mindestens ein Steckbrief und meistens das obligatorische Herrscherbild.

Zuletzt hat man in der Batschka alle Postsachen verschicken und bekommen können, wie überall in Europa, und auf den Briefmarken waren jene Köpfe und Geschehnisse abgebildet, die gerade für Staat und Volk wichtig schienen.

8.3 Sparkasse
In einer Filiale der Städtischen Bank oder Sparkasse hatten die Dörfler alles Bargeld und die Wertpapiere deponier, die sie gerade zuhause nicht brauchten. In der Familienkasse unter dem Strohsack oder in der Aussteuer- bzw. Familientruhe hatte man soviel Bargeld, dass man alle Einkäufe für Küche und Stall, Messopfer, Wohltätigkeiten und Almosen bezahlen konnte – wenn es nicht eben eine der vielen Inflationen gab. In die Sparkasse ging man nicht gerne Geld hohlen, weil es aufgefallen wäre; man war in so einem Falle für die Mitmenschen entweder zu reich und geizig oder zu arm und liederlich. Am besten war’s, wenn die Menschen der Meinung waren, dass man nicht wegen dem Geld zur Sparkasse geht, sondern wegen anderer Geschäfte, Wertpapiere oder Wechsel, Schuldverschreibungen oder –einlösungen. Die kleinste Kasse, mit nur einer Angestellten hat genauso alle Geschäfte erledigt, wie die größte in der Stadt. Stahlschränke mit mehreren Schlössern, schwere Truhe mit dicken Stahlbandagen und die vergitterten Fenster hatten – damals wie heutzutage – vor Einbrüchen genügend Schutz geboten.

An Geld hatte man in der Batschka, in den letzten fünfzig Jahren: Ungarische Königskronen und Kreuzer, jugoslawische Königsdinar und Para, ungarische Horthypengö und Fillér, jugoslawische Titodinar und Para, ungarische Demokratieforint und Fillér. Alle davon überlebten kaum die auf den Geldwerten Abgebildeten.

8.4 Apotheke
Wenn überhaupt eine im Dorf war, dann war sie vollgestellt mit Fächerschränken und Schubladenregalen, in welchen viele Reihen brauner Gläschen, emaillierter Töpfchen und Einmachgläser standen. Aus denen schöpften die Angestellten oder Apotheker mit Schöpflöffeln Pillen, Zäpfchen, Pulver, Cremes, Körner und Bruchstücke und mischten davon die verordnete Medizin. Zum Mahlen und Zerstoßen hatten sie Handmühlen und Mörser, zum Wiegen die Apotheker-Waage, und zum Verpacken Schälchen, Gläschen und Tüten.

Medizin. Von Fabrikmedizin gab es gegen: Husten, Fieber, Verstopfung, Durchfall, Schwellungen, Hautkrankheit, Haarschuppen, Schlaflosigkeit. Was noch fehlte, waren Mittel gegen Lungen- und Geschlechtskrankheit, Typhus, Malaria und Pocken. An diesen Krankheiten sind die meisten Menschen gestorben oder – wie bei den Pocken – entstellt geblieben.

Für Reihenimpfungen gegen Kindspocken und Diphtherie musste die Apotheke von Staatswegen die Mehrfach-Spritzen vorrätig halten. Und wenn einmal kein Arzt vorhanden war, ging man zuerst zum Brauchweib und ließ sich von ihr Hausmittel verschreiben. Hat der Kranke diese Mittel überlebt, dann wurde die Apotheke in Zukunft noch weniger in Anspruch genommen.

8.5 Schule
In Dörfern bis ca. 500 Deutschen hat die Gemeinde ein Haus für die Grundschule zur Verfügung gestellt, bei weniger gab es nur eine Schulstube, wenn man nicht mit anderen Nationen in die gleiche Schule ging. Im Schulhaus musste Platz genug sein für zwei Klassenzimmer, ein Lehrerzimmer oder kleine Wohnung, je nachdem, ob der Dorflehrer – die Lehrerin – im Schulhaus wohnte oder nicht. Es galt die Regel, dass ledige männliche Lehrkräfte in der Schule wohnten, und weibliche bei privaten Wohnungsbesitzern. Verheiratete Lehrer wohnten in einem gemeindeeigenen oder gemieteten Haus. In jedem Falle trug die Gemeindeverwaltung die Kosten.

Eingerichtet waren die dörflichen Klassenzimmer mit zwei Reihen doppelsitziger Tisch-Bänke, welche in der schrägen Schreibplatte eine Rille für die Griffel, den Bleistift und ein Loch für das Tintenfass hatten. Vorne in der Stubenmitte war ein Bretterpodest, auf dem der Lehrertisch stand, und von dem die Schüler leichter die Wandtafel erreichen konnten. In der Türecke hatte der Kanonenofen und in der anderen ein großer Flügelschrank ihren Platz; letzterer mit Lehrmodellen und Vorführungsstücken. An der Wand rechts und links hingen Schautafeln mit geografischen, zoologischen und botanischen Zeichnungen und Landkarten. Auf einem Regalschrank an der Hinterwand gab es einen Globus, ausgestopfte Tiere und Mineralien. So eine minimale Klasseneinrichtung hat sich, je nach Dorfgröße, beliebig oft wiederholt.

Der Schulhof war überall groß genug, damit alle Kinder in ihm herumrennen und –turnen konnten. Ein-zwei Schuppen für das Turnsach, Brennholz und eine Kammer fürs notwendige Hauswerkzeug durften im eingezäunten Anwesen nicht fehlen.

8.6 Kindergarten
In der Hausgröße ähnelte ein Kindergarten/Ovoda der Schule, nur dass er bezüglich der Einrichtung ärmer war. Rundum einige Regale für die Spielsachen, genügend Hocker oder Schemel und ein-zwei Pritschen zum Hinlegen, das war auch schon alles an Aufwand der Gemeinde. Die frühere Erziehung wurde noch nicht wegen einer Überlastung der Familie in den Kindergarten verlegt, weil die schwäbischen Hausgemeinschaften daheim keinen Mangel an Aufsicht kannten. Der Kindergarten war schon eine nötige Vorschule. Demnach war das Spielen, Erzählen, Singen und Erklären kein reines Vergnügen, es ähnelte sehr der Schularbeit: Schautafel, Erdkugel, Bauklötze und Malzeug, Sing- und Gebetbücher waren ernste, aufwendige Dinge, die zuerst ein Mitmachen und dann ein Aufräumen aller forderten. Zum Waschen vor und nach dem Spielen gab es genügend Waschzeug, und für die Notdurft kleine Kloschüsseln und Nachttöpfe.

8.7 Kirche
Seit der Siedlermutter Maria Theresia musste jedes Dorf mindestens eine Kirche haben, und seit ihrem Sohn Josef II. war es nicht nur bei den Katholiken so. Nur für wenige Gläubige, z.B. Juden oder Mohammedaner, war ein Bethaus oder eine Betstube erlaubt. Mit oder ohne Turm - die Kirche war das wichtigste Haus im Dorf. Aussehen und Einrichtung hatten die katholischen noch nach dem Muster der österreichischen Barock- und spätgotischen Häuser – aufwändig, feierlich und überladen. Nur die eklektischen und im ungarischen Jugendstil entstandenen Neubauten aus dem 20. Jahrhundert – sowie die evangelischen/reformierten – waren einfacher. In ihnen waren die vielen Heiligen und vergoldeten Schnörkel verschwunden, man hat Jesus und seine Botschaft in den Vordergrund gestellt. Was aber immer noch gleich blieb, waren die Sitzreihen, welche – von vorne gesehen – links für Frauen und rechts für Männer eingerichtet waren: mit zusätzlichen Decken und Kniepolster da und Kappen-Hüte-Haken dort. Auch an der Fahnenreihe sah man einen Unterschied: Prozession und Mission links, die Vereine rechts. Der Kreuzweg rundum war überall, das hölzerne, farbige Standbild der Hl. Familie, Maria, Antonius und Florian nur bei den Katholiken. Mit Kanzel, Taufbecken und Beichtstühlen war es ebenso, und Glocken, Orgel und Liederbüchern, Weihwasserkessel und Opferstöcken, Nebenaltare, Kerzen- und Votivständer auch – das erstere war auch bei den Evangelischen, das letztere nur bei den Katholischen.

Die Glockenfamilie mit der größten Mittagsglocke, der zweiten Nachleutelocke, dritten Zusammenläutglocke, vierten Vesper- oder Sterbensglöckchen, hatten im Glockenstuhl ihren Platz, unter den Kirchenuhren und ihrem Uhrwerk. Die Enden der Leutestricke hing neben der Tretorgel auf die Choretage. Auf der Turmspitze war das Kreuz, der Windhahn oder der Goldstern (kath., ev., ref.) Die Sakristei hatten alle, die Einrichtung mit Pfarrer- und Messdienerschrank ebenso. Nur hatten die Katholiken noch einige Hilfsmittel für Ministranten: Rauchfass, Weihrauchdose, Klingelbeutel, Messweingläser, Wandlungsklingel, Tabernakelstiege.

Der katholische Hauptaltar (ihn kennen wir aus der Ministratenzeit) war ein aufwendiges Baustück vorne im Kirchenschiff. Unter dem Ewigen Licht, in einer Altarnische, war eine Reliquie eingemauert, darüber ein heiliges Bild des Kirchenpatrons. In dem Überbau des Altars war das Tabernakel, und auf dem wuchtigen Vorbau gab es Platz für ein Kruzifix, ein halbes Dutzend Kerzenständer und eine große Stütze für das Messbuch. Die Altardecke war weiß und hatte gehäkelte Spitzen und, vorne mittig, ein Christusmonogram eingestickt. Der Altarteppich reichte über die zwei-drei Altarstufen hinab zu der Kommunionsstufe.

Von der gewölbten Decke im Kirchenschiff hingen zwei-drei Kerzenleuchter mit je zwanzig bis dreißig Wachskerzen herab. Die Wölbungen der Decke waren meistens mit Deckenfresken zur Gänze ausgemahlt. Die Eingangstüren hatten, bei alten Kirchen, gemauerte Gurtbögen, bei neueren Betonstürze. Und hergestellt waren die Türen aus stahlbeschlagenem Hartholz.

8.7.1 Kirchenvermögen
Bei ihm war es das Besitzverhältnis mit dem Amt verbunden: es gehörte jeweils dem sein Amt ausübenden Kirchenmann, mit der persönlichen Einschränkung, dass die Kirchenverwaltung im Bischofsamt das Hoheitsrecht und damit das letztendliche Sagen hatte, z.B. ob der Dorfpfarrer das gesamte Pfarrersfeld in Pacht bekommt oder ob auch der Messdiener etwas davon nutzen sollte. Weil das Letztere selten vorkam, hat man nur vom Pfarrerfeld gesprochen.

8.8 Friedhof
Das auffälligste an ihm war der Kalvarienberg. Meistens künstlich angelegt war er auf geradem Weg vom Haupteingang zu erreichen und hatte, neben den rechts und links gebauten Kreuzwegstationen, an seiner höchsten Stelle die 3er Kreuzgruppe. Für Mittelständler und reichere Bauern waren die Gräber angelegt mit eigenen unterirdischen Kapellengruften, für die ärmeren Bürger mit eigenen Doppel- und Einfachgrabstellen, und für Wohnsitzlose mit gemeindeeigenen Armengrabstätten. Bei den Schwaben überwogen die Großgrüfte als gemauerte, unterirdische Gewölbe, mit ca. 8 Kubik Inhalt oder 8 Stellen für Särge. Über dem Steingewölbe war eine Stein- oder immergrüne Buxbaum-Einfassung, so groß wie das Grab, ca. 1 x 2 oder 2 x 2 Meter. Die Kreuze am Kopfende waren mannshoch, einfach oder doppelt aus Marmor, Kunstmarmor oder Granit gemeißelt und hatten, nebst den Namen, so viele Unterglasbilder, wie das Grab Tote enthielt. Es gab vollständig mit Kunstmarmor eingefasste Grabflächen und solche, die mit Ziegelsteinen-Mäuerchen eingefasst waren. Letztere pflegte man wie ein Hausgärtchen.

Kapellengrufte wurden, je nach Verfügung des Verstorbenen oder Zahlungskraft der Erben, als Betnischen mit Kniealtar oder nur als Kerzennische über dem Totengewölbe errichtet. Aber immer hatten sie ein aufwändiges Äußeres mit bleiverglasten Fensterchen und einen schmiedeeisernen Zaun um das schöne Gärtchen.

9 INDUSTRIE
Hier muss man sich eher manufakturale als großflächige Einrichtungen vorstellen, die mit überwiegend Handarbeit ihre heimischen Aufträge erledigten. Internationale Geschäftsbeziehungen unterhielten solche Betriebe, die auch in der Lage waren, sich an ausländischen Messen und Ausstallungen zu beteiligen. Und deren gab es nicht viele. Die untenstehende Folge umfasst solche Betriebe, die der Verfasser aus eigener Erfahrung nahe oder nur vage kannte. Schon deshalb kann die Aufzählung lückenhaft sein.

9.1 Schiffswerft
In der Batschka gab es zwei größere Werften an der Donau – in Apatin und Baja und einige kleinere an der Theiß. Die Donauwerften lagen an Nebenarmen des Flusses und nahmen Bodenflächen bis zu 100 x 700 Meter ein. Einerseits brauchten die Büros und Wirtschaftsbauten viel Platz, aber sonst überwogen auf der Fläche die Baustellen der Schiffe. Unter denen gab es Lastkähne bis tausend Tonnen Wasserverdrängung und kleinste Kabinenschiffe unter 100 Tonnen. Und dazwischen nahmen die meistgebauten Schleppkähne den Platz ein. Im Krieg, vor der Vertreibung, wurden hauptsächlich Stahlschiffe gebaut, darunter gab es auch gepanzerte Patroilenboote und Minensucher bzw. –leger von 200 – 500 T. Die sauberste und aufwändigste Arbeit bot das Passagierschiff, wo alle Metall- und Holzfachleute der Werft zu tun hatten. Ihre Werkstätten waren in einem Bau, nebeneinander untergebracht, hatten Trennwände und eine gemeinsame Durchfahrt. Die wichtigsten Handerker unter ihnen waren die Schiffschmiede, Schlosser, Mechaniker der Motormontage, Dreher, Schweißer und Flaschner, danach kamen die Schiffszimmerer und Bauschreiner im eigenen Bau. Kleinere Arbeitsräume hatten die Maler, Sandstrahler und Stahlhärter. Und im gewässerten Rumpf hatten die Maschinisten, Elektriker und Hydrauliker ihre Arbeitsplätze, - alle mit ihren Werkzeugschränken auf Rädern. Das Zeichenbüro war im größten Bau untergebracht, weil dort sämtliche Stahlrippen eins zu eins auf den Fußboden gezeichnet wurden, für die Biegeschablonen. Ein großes Blechlager war mit Kran und Stanzmaschine für den Blechschnitt eingerichtet, ein weiterer Schienenkran konnte die Blechseiten über das Schiff heben. Dazu kamen noch einige Eisen- und Holzlagerstellen, der Windenplatz und die Elektrische Zentrale. Alles zusammen machte so eine Werft zum Arbeitgeber für bis zu 500 Menschen, wo Schiffe mit einer Gesamttonnage über 5000 T/Jahr auf den Fluss kamen.

9.2 Eisengießerei
Die größten unter ihnen konnten alle Schiffs- und Maschinenteile gießen, welche von der Batschkaer Wirtschaft gebraucht wurden: Schiffsschrauben aus Bronze, Anker, Motor- und Maschinenblöcke, Schwungräder und Kolben für Dampfmaschinen, Teile für Öfen und Herde – und noch vieles mehr von allem, das aus Schwarz- und Grauguss, Bronze und Aluminium war und durch geschicktes Modellieren viel Arbeit und Werkstoff benötigte – aber auch einsparen konnte. Wo große Teile oder viel Massenware abgegossen wurde, lohnte sich ein fabrikeigener Kupolofen, welcher Roheisen mit Kokskohle zu Ausgangsblöcken für die Modellgießereien schaffte.

Die Batschkaer Kupolöfen waren außen aus Doppelbrand-Ziegeln und innen aus Schamottsteinen gemauert, 2 m rund und ca. 4 m hoch. Oben hatten sie ein großes Loch, durch das die Eisenstücke und –abfälle und der Koks, abwechselnd Schicht um Schicht gefüllt wurden. Wenn der Ofen voll war, wurde die unterste Koksschicht entzündet und mit einem Gebläse auf Schmelzhitze gebracht. Der Rohguss rann aus einem Auslauf in einen Stahlmodel. Von diesen Rohblöcken wurde auch an kleinere Gießereien abgegeben. Beim Eigenverbrauch hat man gleich den geschmolzenen Rohguss in Sandmodeln zu Fertigteilen umgegossen.

Gießereieinrichtung: Verschiedene Kran- und Tragpfannen mit Trag- und Kramstiel, Modelkästen, Gießtische, Sandsiebe und maschinelle Rüttelstampfer, Handstampfer und –former für die Kerne, Pressluftreiniger für den Fertigguss. Und alles war in einer einzigen großen Halle untergebracht, die sommers wie winters viel Luftdurchzug brauchte.

9.3 Maschinenfabrik
Vom Pflug bis zur Dreschmaschine, und von der Sä- und Mähmaschine bis zum Maisrubbler, Hexler und Schroter, alle Bauernmaschinen sowie jene für viele Handwerker wurden in der Nähe ihres Einsatzes und, wie z.B. die Holzbearbeitungs-Maschine, im Auftrag – und oft mit konstruktiver Hilfe – eines Bestellers hergestellt. Manchmal in Fachwerkstätten mit nur einigen Mann, dann wieder in großen Fabriken mit bis zu 100 Mann Belegschaft. Von dort kamen auch alle Metallwaren im Haushalt, viel Werkzeug und Kleinfahrzeuge. Man kann behaupten, dass jede Batschkaer Maschinenfabrik eine besondere Warenart herstellte. Und alle waren ziemlich konkurrenzlos. Umbauten von Lastfahrzeugen gehören heute noch zu den bestbezahlten Aufträgen. Wie vielseitig die Batschkaer Spezialisten waren und immer noch sind, kann man sich nur vorstellen, wenn man auf Ausstellungen die zahlreichen Tüftlerangebote miteinander vergleicht. Es gibt selten ein Verarbeitungsproblem, mit dem man nicht fertig würde.

Die wichtigste Fabrikeinrichtung: Revolverdrehbank mit Backenfutter, großer Arbeitsspindel, Bettschlitten und Support; Spindeldrehbank mit Spindelstock, Motorkasten, Fallschnecke und Planhebel; Bohrmaschine, Hobel- und Schleifmaschine, Bügelsäge, Fräs- und Stoßmaschine, Richttisch, Werkbank mit Schraubstöcken; Schweißanlage mit Schweißtrafo, Schweißbrenner mit Azetylenanlage. Dann Prüf- und Streichwerkstatt usw. Alle diese und weitere Maschinen und Anlagen waren mit manueller, halbautomatischer Bedienung. Das Werkzeuglager und Eisenlager, Schrauben- und Kleinteillager, Farben- und Öllager hatte eine Kasten- und Regalordnung, die durch eine schriftliche Kartei ergänzt wurde und dadurch das Auffinden des Gesuchten sehr erleichterte. Schreib- und Zeichenbüro waren, für die damalige Zeit, modern und doch sparsam mit Zeichenbrettern, Schreibtischen, Schreib- und Rechenmaschinen ausgerüstet.

Insgesamt hatte der Batschkaer Mittelstand einen statistischen Anteil an der Metallwirtschaft von ca. 47%. Welche Nationalitäten wie viele Arbeitskräfte stellten, kann man nicht mehr untersuchen.

10 STAATSWIRTSCHAFT
Außer der Zwangswirtschaft im Krieg hatte der Vaterstaat manche Wirtschaften zur Gänze, andere nur zum Teil dem eigenen Diktat unterstellt. Zu denen mit vollem Einfluss gehörten die Wald- und Flusswirtschaft, zu den übrigen Feldwirtschaft aus Staatseigentum, Nutznießungen und kostenloser Verpachtung an Gemeinden, Angestellte und Kriegsveteranen.

Zur Überwachung und Nutzung von sehr großen Waldflächen und Flussabschnitten haben die Angestellten und Arbeiter an Ort und Stelle Wohn- und Unterstellmöglichkeiten gebraucht. Das waren komplette Wohnhäuser mit eigener Hauswirtschaft, Unterstellschuppen und Wald- oder Dammhäuschen in einem Abstand zueinander von ca. halben Tagesmärschen. So wurde im Wald oder auf dem Fluss das natürliche und traditionelle Nutzrecht in Grenzen gehalten, indem sich die Anlieger kostenlos bedienen konnten und dem Staat auch noch genügend übrig blieb.

10.1 Öffentliches Feld
Öffentliches Acker- oder Wiesenfeld ist langjährig verpachtet worden. War es in Dorfnähe, so bekam es ein Dorfbeamter und –angestellter – Notar, Lehrer, Schreiber, Gemeindediener – von der Gemeinde zur kostenlosen Unterpacht. Solches Feld hieß dann Notarfeld oder Lehrer-, Schreiberfeld usw. Nutznießungen kamen auf dieselbe Art in die Gunst der Armen und bekamen über viele Jahre zur Erkennung den Namen des begünstigten Nutznießers.

11 GEMEINDEVERSORGUNG
Zur Gemeindeversorgung gehörte, über die kostenlose Pacht hinaus, noch eine Pflegeeinrichtung für alleinstehende Alte, Kranke und Invaliden. Die Versorgung ging da folgendermaßen vor sich: In einem verlassenen privaten oder gemeindeeigenen Haus – dem sog. Armenhaus – hatte die Gemeinde ihre Dorfärmsten untergebracht, ließ hier für sie putzen, waschen und Essen kochen bzw. aus einem Wirtshaus holen. Die Einrichtung in so einem Haus war den Möglichkeiten der Gemeindekasse angepasst, ärmlich und einfach, man schlief auf Eisenbetten und Holzpritschen, und sonst ähnelte das Innere einem einfachsten Gasthaus. Dass sich die Kirche ebenfalls um die Einwohner solcher Häuser kümmerte, soll noch erwähnt sein. (Ausführliches über Verköstigung und Lebensumstände in einem städtischen Armenhaus siehe Teil III LEBENSART, Abschnitt 3.3.4)